Eduard von Schaper

Regierungspräsident in Trier, Oberpräsident der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen, Generalpostmeister (1792-1868)

Joachim Lilla (Krefeld)

Justus Wilhelm Eduard von Schaper (1792-1868).

Edu­ard von Scha­per war ein preu­ßi­scher Spit­zen­be­am­ter, der ver­schie­de­ne Po­si­tio­nen und Sta­tio­nen in alt­preu­ßi­schen Pro­vin­zen durch­lief, bis er schlie­ß­lich zwi­schen 1839 und 1846 in den West­pro­vin­zen höchs­te Äm­ter als Re­gie­rungs­prä­si­dent in Trier, als Ober­prä­si­dent der Rhein­pro­vinz wie der Pro­vinz West­fa­len er­reich­te und sei­ne Kar­rie­re 1846-1849 als Ge­ne­ral­post­meis­ter be­en­de­te.

Jus­tus Wil­helm Edu­ard von Scha­per wur­de am 30.10.1792 in Braun­schweig als Sohn des (zu­letzt) Ge­hei­men Ober­fi­nanz-, Kriegs- und Do­mä­nen­rats (1789 in den preu­ßi­schen Adels­stand er­ho­ben) Chris­toph von Scha­per (1747-1799) und der Mar­ga­re­tha Bar­ba­ra Jus­ti­na ge­bo­re­ne Wid­mann (um 1756-1826) ge­bo­ren. Die Fa­mi­lie war evan­ge­li­scher Kon­fes­si­on. Scha­per hei­ra­te­te 1827 in Mer­se­burg Au­gus­te Weich­brodt (1807-1871), Toch­ter ei­ner wohl­ha­ben­den Kauf­manns­fa­mi­lie in Düs­sel­dorf. Aus der Ehe gin­gen elf Kin­der her­vor, von de­nen acht das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­ten.

Nach dem Be­such des Gym­na­si­ums stu­dier­te Scha­per Ka­me­ral­wis­sen­schaf­ten in Hal­le und Göt­tin­gen (1810) und trat am 29.9.1812 bei der Prä­fek­tur des Saa­le-De­par­te­ments in Hal­ber­stadt in den Staats­dienst ein und wech­sel­te im No­vem­ber 1813 zum Zi­vil­gou­ver­ne­ment zwi­schen El­be und We­ser in Hal­le/Saa­le in den preu­ßi­schen Staats­dienst. Ab 3.1.1814 war er vor­über­ge­hend im Mi­li­tär­dienst als Of­fi­zier im 2. El­be-Land­wehr-Re­gi­ment, ab Som­mer 1816 als Ad­ju­tant und Rech­nungs­füh­rer beim Mag­de­bur­ger Gre­na­dier-Land­wehr-Ba­tail­lon. Ab 11.7.1816 in­for­ma­to­risch bei der Re­gie­rung Mag­de­burg be­schäf­tigt, leg­te er im De­zem­ber 1817 die As­ses­sor­prü­fung ab und wur­de am 22.2.1818 zum Re­gie­rungs­as­ses­sor bei der Re­gie­rung Mag­de­burg er­nannt. Es folg­te die üb­li­che Tour durch ver­schie­de­ne Dienst­stel­len in den preu­ßi­schen Lan­den: 4.11.1819 Re­gie­rungs­rat bei der Re­gie­rung Ma­ri­en­wer­der, ab 25.10.1820 bei der Re­gie­rung Mer­se­burg. Dort ver­blieb er meh­re­re Jah­re, bis er am 13.1.1827 zum Rat bei der Ober­rech­nungs­kam­mer er­nannt wur­de. Mit den dort er­wor­be­nen Kennt­nis­sen des preu­ßi­schen Rech­nungs­we­sens wech­sel­te er am 23.8.1834 als Ober­rech­nungs­rat und Ab­tei­lungs­di­ri­gent an die Re­gie­rung Mer­se­burg.

Nach­dem Scha­per gut 25 Jah­re in den alt­preu­ßi­schen Lan­den be­ruf­lich so­zia­li­siert war, wur­de er am 14.6.1839 in die west­li­chen Pro­vin­zen ver­setzt und zum Re­gie­rungs­prä­si­den­ten in Trier er­nannt, die Amts­über­nah­me er­folg­te am 30. Au­gust. Nur knapp drei Jah­re spä­ter wur­de er von Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. (Re­gent­schaft 1840-1858, ge­stor­ben 1861) am 20.5.1842 zum Ober­prä­si­den­ten der Rhein­pro­vinz be­stellt, den Dienst in Ko­blenz trat er am 7. Ju­li an. Zu sei­nen Amts­ge­schäf­ten ge­hör­te die Aus­ein­an­der­set­zung mit der von dem Köl­ner Buch­händ­ler Jo­seph En­gel­bert Renard (1802-1863) her­aus­ge­ge­be­nen „Rhei­ni­schen Zei­tun­g“ und ih­rem Chef­re­dak­teur Karl Marx. In Ko­blenz blieb Scha­per bis zum 14.7.1845. Dann wech­sel­te er durch Al­ler­höchs­te Ka­bi­netts­ord­re vom 27.5.1845 als Ober­prä­si­dent der Pro­vinz West­fa­len nach Müns­ter, wo er noch kür­zer blieb, denn be­reits am 15.7.1846 wur­de er zum preu­ßi­schen Ge­ne­ral­post­meis­ter und Chef des Post­we­sens er­nannt.

Die preu­ßi­sche Post­ver­wal­tung be­fand sich im Um­bruch. Sie war zum Be­ginn des 19. Jahr­hun­derts auf­ge­baut wor­den, ent­sprach aber in ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on nicht mehr den im Zu­ge der In­dus­tria­li­sie­rung ste­tig wach­sen­den An­for­de­run­gen, da letzt­lich je­de be­deut­sa­me Ent­schei­dung von der Be­hör­de des Ge­ne­ral­post­meis­ters zu tä­ti­gen war. Mit­te der 1840er Jah­re wur­de ei­ne neue de­zen­tra­le Or­ga­ni­sa­ti­on der Post ins Au­ge ge­fasst, die als we­sent­li­che Neue­rung die Ein­füh­rung der Ober­post­di­rek­tio­nen als Mit­tel­in­stanz vor­sah, ei­ne Re­ge­lung die sich letzt­lich bis in die 1990er Jah­re be­währt hat. Mit der zum 1.1.1850 ein­ge­führ­ten neu­en Or­ga­ni­sa­ti­on der Post in Preu­ßen wur­de die (bis­her ei­gen­stän­di­ge) Post­ver­wal­tung dem Mi­nis­te­ri­um für Han­del, Ge­wer­be und öf­fent­li­che Ar­bei­ten zu­ge­teilt. In die­sem Zu­sam­men­hang wur­de der am­tie­ren­de Ge­ne­ral­post­meis­ter Scha­per ent­behr­lich und zum 1.10.1849 zur Dis­po­si­ti­on ge­stellt. Am 7.2.1852 wur­de Scha­per aus dem Staats­dienst ent­las­sen mit ei­ner aus­nahms­wei­se auf 3.750 Reichs­ta­ler er­höh­ten Pen­si­on. An Aus­zeich­nun­gen wur­de ihm ne­ben dem Ei­ser­nen Kreuz 2. Klas­se der Ro­te Ad­ler­or­den 2. Klas­se mit Ei­chen­laub ver­lie­hen

Scha­per starb am 23.2.1868 in Pots­dam.

Quelle

Die Pro­to­kol­le des Preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums 1817–1934/38, Band 3: 9. Ju­ni 1840 bis 14. März 1848, be­arb. von Bär­bel Holtz, Hil­des­heim/ Zü­rich/ New York 2000 (Ac­ta Bo­rus­si­ca Neue Fol­ge, 1. Rei­he: Die Pro­to­kol­le des Preu­ßi­schen Staats­mi­nis­te­ri­ums 1817-1934/38). [On­line]
Rhei­ni­sche Brie­fe und Ak­ten zur Ge­schich­te der po­li­ti­schen Be­we­gung 1830–1850.Ge­sam­melt und hg. von Jo­seph Han­sen, Band 1: 1830-1845, Es­sen/Leip­zig 1919, Nach­druck Düs­sel­dorf 1997.

Literatur

Bär, Max, Die Be­hör­den­ver­fas­sung der Rhein­pro­vinz seit 1815, Bonn 1919, Nach­druck Düs­sel­dorf 1998.
Ro­meyk, Horst, Die lei­ten­den staat­li­chen und kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­be­am­ten der Rhein­pro­vinz 1816–1945, Düs­sel­dorf 1994, S. 713.
Schütz, Rü­di­ger, Die preu­ßi­schen Ober­prä­si­den­ten von 1815 bis 1866, in: Schwa­be, Klaus (Hg.), Die preu­ßi­schen Ober­prä­si­den­ten 1815-1945, Bop­pard am Rhein 1985, S. 33-81.
Weg­mann, Diet­rich, Die lei­ten­den Ver­wal­tungs­be­am­ten der Pro­vinz West­fa­len 1815-1918, Müns­ter 1969, S. 323-324.  

Online

Jus­tus Wil­helm von Scha­per, in: In­ter­net-Por­tal "West­fä­li­sche Ge­schich­te" [on­line]

 
Zitationshinweis

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Lilla, Joachim, Eduard von Schaper, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/eduard-von-schaper/DE-2086/lido/5b3df0ca2610d8.85630766 (22.08.2018)