Engelbert Faber

Reformator am Niederrhein (um 1520 –1580)

Maike Schwaffertz (Düsseldorf)

Titelblatt der 1563 erschienenen Publikation über den Heidelberger Katechismus, bei dessen Verbreitung Engelbert Faber eine entscheidende Rolle gespielt haben soll. (Gemeinfrei)

En­gel­bert Fa­ber ge­hört zu den frü­hen Re­for­ma­to­ren, die am Nie­der­rhein tä­tig wa­ren. Aus sei­nem Le­ben ist zwar we­nig be­kannt, den­noch gilt er als ei­ner der ein­fluss­rei­chen Hin­ter­män­ner bei der Ver­brei­tung des Hei­del­ber­ger Ka­te­chis­mus, dem re­for­mier­ten Glau­bens­be­kennt­nis, und so­mit als Schlüs­sel­per­son bei der Eta­blie­rung ei­nes „re­for­mier­ten Kon­fes­si­ons­be­wusst­seins am Nie­der­rhein“ (Scha­tor­jé).

Die re­for­ma­to­ri­sche Be­we­gung am Nie­der­rhein wur­de mehr von cal­vi­nis­ti­schen Ver­tre­tern aus dem Aus­land, ins­be­son­de­re aus den be­nach­bar­ten Nie­der­lan­den, ge­prägt, als das im üb­ri­gen Reich der Fall war. An­ders als im süd­li­chen Rhein­land oder in den öst­li­chen Ge­bie­ten Deutsch­lands, wo Lan­des­her­ren die The­sen der Re­for­ma­ti­on un­ter­stütz­ten, ver­brei­te­ten und spä­ter auch „von oben“ durch­setz­ten, fand die Re­for­ma­ti­on am Nie­der­rhein kaum län­ger­fris­tig ob­rig­keit­li­che Un­ter­stüt­zung. Am ehes­ten be­güns­tig­ten hier noch der klei­ne Land­adel oder Stadt­rä­te die Ver­brei­tung des neu­en Glau­bens und die Ent­ste­hung ei­nes re­for­ma­to­ri­schen Netz­werks. Sie lu­den Ver­tre­ter des neu­en Glau­bens ein und be­her­berg­ten sie, als die­se aus ih­rer Hei­mat auf­grund ih­rer re­li­giö­sen Nei­gun­gen ver­trie­ben wur­den. Die Glau­bens­flücht­lin­ge lie­ßen sich häu­fig als Flücht­lings- oder Exil­ge­mein­den in grö­ße­ren rhei­ni­schen Städ­ten nie­der, aber ih­re Pre­di­ger schlu­gen sich als Wan­der- oder so­ge­nann­te He­cken­pre­di­ger durch das Land, um den re­for­mier­ten Glau­ben zu pro­pa­gie­ren. „Die­se Geist­li­chen die­nen ge­wis­ser­ma­ßen als Kris­tal­li­sa­ti­ons­ker­ne in ei­nem weit­ge­hend noch vor­kon­fes­sio­nell ge­präg­ten Mi­lieu, um de­ren neue Art der Ver­kün­dung sich die Orts­an­säs­si­gen ver­sam­meln oder auch Aus­wär­ti­ge an­ge­zo­gen wer­den.“ (Flesch) Ih­re Ar­beit war nicht un­ge­fähr­lich, nicht nur we­gen den all­ge­mei­nen Re­pres­sa­li­en ge­gen die Neu­gläu­bi­gen, son­dern vor al­lem, weil sie durch ih­ren Ein­fluss und ih­re Prä­senz als An­füh­rer der Re­for­mier­ten be­kannt wa­ren. Die Ge­fahr von Sank­tio­nen be­güns­tig­te da­ge­gen die Aus­bil­dung ei­nes eng­ma­schi­gen Netz­werks un­ter den neu­gläu­bi­gen Pre­di­gern, den re­for­ma­to­ri­schen Flücht­lings­ge­mein­den und den be­reits eta­blier­ten re­for­mier­ten Ge­mein­den am Nie­der­rhein, die nach kur­zen Pha­sen der Le­ga­li­tät wie­der im Ge­hei­men agie­ren muss­ten. Ein Ver­tre­ter die­ses re­for­ma­to­ri­schen Netz­werks war En­gel­bert Fa­ber.

We­gen sei­ner Be­deu­tung für Tei­le der Nie­der­lan­de ist er in der deut­schen Ge­schichts­for­schung kaum be­rück­sich­tigt wor­den, nicht zu­letzt we­gen des Man­gels an bio­gra­phi­schen Da­ten. In der nie­der­län­di­schen Kir­chen­ge­schichts­for­schung da­ge­gen wird er als „in­ter­es­san­te Ver­bin­dungs­per­son“ (Hei­j­ting) zwi­schen deut­schen und nie­der­län­di­schen cal­vi­nis­ti­schen Zen­tren ge­se­hen. Trotz sei­nes Ein­flus­ses auf die Bil­dung ei­ner re­for­mier­ten Ge­mein­de nach Hei­del­ber­ger Vor­bild in Ven­lo – dort starb er auch am 8.9.1580 an der Pest und wur­de er in sei­ner Amts­kir­che, der Ni­ko­lai­kir­che, fei­er­lich bei­ge­setzt – und sei­ner Tä­tig­keit als Wan­der­pre­di­ger in an­gren­zen­den Ge­bie­ten, bei­spiels­wei­se in Ro­er­mond und Kem­pen, wer­den als Ziel­grup­pe sei­nes re­for­ma­to­ri­schen Wir­kens vor­nehm­lich die Men­schen im Her­zog­tum Jü­lich und de­m Köl­ner Erz­stift ge­nannt. Dies ist in­so­fern be­mer­kens­wert, als Fa­bers Wir­ken ne­ben dem nie­der­län­di­schen Raum und am Nie­der­rhein in ers­ter Li­nie in der Pfalz nach­ge­wie­sen wer­den kann. Dort wur­de er durch den Pfar­rer der re­for­mier­ten Flücht­lings­ge­mein­de in Frank­furt, Pe­trus Da­the­nus (1531/1532-1588), 1561 ex­ami­niert und zum Pas­tor der klei­nen pfäl­zi­schen Ge­mein­de Wolfs­heim er­nannt. Dort ver­öf­fent­lich­te er zwi­schen 1563 und 1566 über die Dru­cke­rei von Mi­cha­el Schi­rat (Wir­kungs­zeit­raum 1559-1578) in Hei­del­berg sei­ne be­kann­ten Schrif­ten. Als Ver­tre­ter der Pfäl­zi­schen Clas­sis nahm er ge­mein­sam mit Pe­ter Da­the­nus 1578 an der Dor­drech­ter Syn­ode teil. Es gä­be noch wei­te­re Ver­bin­dungs­punk­te zur Pfalz. Was aber macht Fa­ber für die rhei­ni­sche Kir­chen­ge­schich­te so in­ter­es­sant?

Fa­ber wur­de wohl zwi­schen 1520 und 1525 im kur­k­öl­ni­schen Gustorf (heu­te Stadt Gre­ven­broich) ge­bo­ren. Nach ei­ge­nen Wor­ten war er 1559 zum Aus­wan­dern ge­zwun­gen, nach­dem er, mög­li­cher­wei­se be­ein­flusst durch die re­for­ma­to­ri­schen Vor­stö­ße des Köl­ner Kur­fürs­ten Her­mann von Wied dem neu­en Glau­ben zu­ge­neigt, den äl­tes­ten sei­ner zwei Söh­ne, To­bi­as Fa­bri­ci­us (1559-1624), auf dem na­he ge­le­ge­nen Gut Much­hau­sen der pro­tes­tan­tisch ge­sinn­ten Adels­fa­mi­lie von Ga­len durch ei­nen Aa­che­ner Prä­di­kan­ten tau­fen ließ. Als die Re­form­be­stre­bun­gen Her­mann von Wieds mit des­sen Ab­set­zung und Ex­kom­mu­ni­ka­ti­on 1547 en­de­ten und der Ka­tho­li­zis­mus wie­der an Bo­den ge­wann, zu­dem das Täu­fer­tum nach dem Schei­tern des Täu­fer­reichs von Müns­ter 1535 wie­der Ver­brei­tung im Rhein­land fand, sah er kei­ne Mög­lich­keit, das Stu­di­um der Hei­li­gen Schrift in sei­ner Hei­mat fort­zu­füh­ren und schloss sich 1559/1560 mit Frau und Kin­dern der flä­mi­schen Flücht­lings­ge­mein­de in Frank­furt am Main un­ter dem Schutz des pfäl­zi­schen Kur­fürs­ten Fried­rich III. (1515-1576, Re­gie­rungs­zeit 1559-1576) an.

Über sein Le­ben und Wir­ken vor 1559 ist nichts be­kannt. Er könn­te aus ei­ner dem neu­en Glau­ben zu­ge­ta­nen Pfar­rer­fa­mi­lie ge­stammt ha­ben. Recht sprach­be­gabt, ob­wohl nach ei­ge­ner Aus­sa­ge des La­teins nicht mäch­tig, muss er in­ten­si­ves Bi­bel­stu­di­um be­trie­ben und re­li­giö­se Ab­hand­lun­gen in deut­scher und nie­der­län­di­scher Spra­che ge­le­sen ha­ben. Denn nach Ord­nung der An­ge­le­gen­hei­ten in sei­ner Wolfs­hei­mer Pfarr­stel­le En­de 1561 tauch­te er als Kor­re­spon­dent nam­haf­ter Re­for­ma­to­ren auf und be­gann sei­ne pu­bli­zis­ti­sche Ne­ben­tä­tig­keit. Sei­ne Zwei­spra­chig­keit nutz­te er, um po­pu­lä­re re­for­mier­te Schrif­ten aus dem nie­der­län­di­schen Raum durch de­ren Über­set­zung auch auf Reichs­ebe­ne zu ver­brei­ten.

1565 be­tei­lig­te er sich mit Er­laub­nis des Pfäl­zer Kur­fürs­ten ak­tiv an der Or­ga­ni­sa­ti­on der cal­vi­nis­ti­schen Ge­mein­den im Ober­quar­tier Gel­dern und zog als He­cken­pre­di­ger zwi­schen Kem­pen und Ven­lo um­her. Erst 1566 ist sei­ne Rück­kehr ins Rhein­land über­lie­fert, als er am 7. Sep­tem­ber an ei­ner Kon­fe­renz mit drei an­de­ren re­for­mier­ten Pre­di­gern teil­nahm, dar­un­ter Pe­trus Da­the­nus, der sich da­nach am nie­der­län­di­schen Frei­heits­kampf als Feld­pre­di­ger be­tei­lig­te. Die bei­den an­de­ren, Kon­rad Eu­bu­la­eus und Jo­han­nes Zim­mer­mann, bra­chen eben­falls in das deutsch-nie­der­län­di­sche Grenz­ge­biet auf und Fa­ber selbst pre­dig­te bis zum 11.10.1566 in Ven­lo und Ro­er­mond. Durch die lo­ka­len Be­rüh­rungs­punk­te der nach­fol­gen­den Tä­tig­kei­ten ist es wahr­schein­lich, dass die­ses Vor­ge­hen auf der Kon­fe­renz ab­ge­spro­chen wur­de. Wenn auch sonst nichts über sei­nen Auf­ent­halt in Köln ver­merkt ist, be­stand seit­dem die Ver­bin­dung zu der heim­li­chen re­for­mier­ten Ge­mein­de der Stadt. De­ren Pres­by­te­ri­ums­pro­to­koll vom 31.10.1574 bei­spiels­wei­se ver­weist auf Fa­ber, seit 1573 of­fi­zi­ell In­spek­tor im pfäl­zi­schen Odern­heim, als Au­to­ri­täts­per­son, als man ihm wie­der­hol­te Ver­stö­ße von Ge­mein­de­mit­glie­dern schrift­lich mit­tei­len möch­te.

En­de 1566, An­fang 1567 über­nahm er wie­der mit Zu­stim­mung Fried­richs III. die Lei­tung ei­ner cal­vi­nis­ti­schen Ge­mein­de in Ven­lo, die er nach dem Hei­del­ber­ger Vor­bild präg­te. Auch wenn er Ven­lo nach we­ni­gen Mo­na­ten we­gen der An­kunft des Her­zogs von Al­ba (1507-1582) wie­der ver­las­sen muss­te, muss er hier gro­ßen Ein­druck hin­ter­las­sen ha­ben, da die Stadt ihn in spä­te­ren Jah­ren im­mer wie­der als Pre­di­ger an­warb. Vor sei­ner Flucht or­ga­ni­sier­te Fa­ber noch ei­ne Syn­ode in Ro­er­mond, bei der von den nie­der­län­di­schen Ge­mein­den Maas­tricht, Ni­j­me­gen und Ro­er­mond so­wie auf Reichs­bo­den Aa­chen, Heins­berg und Drem­men (heu­te Stadt Heins­berg) der Hei­del­ber­ger Ka­te­chis­mus als Glau­bens­be­kennt­nis an­er­kannt und nach wei­te­ren Ver­tre­tern beim Hei­del­ber­ger Kir­chen­rat ge­be­ten wur­de.

An­hand die­ser Er­eig­nis­se lässt sich be­reits ver­mu­ten, dass Fa­ber am Auf­bau kir­chen­ord­nen­der Struk­tu­ren mit­wirk­te und ein über­zeug­ter und ein­fluss­rei­cher Ver­tre­ter des Syn­odal­sys­tems ge­we­sen ist.

Zu­rück in Wolfs­heim nahm er vom 28.5.–19.6.1571 be­ra­tend am Fran­ken­tha­ler Re­li­gi­ons­ge­spräch zwi­schen Ver­tre­tern der Re­for­mier­ten und der füh­ren­den Täu­fer­ge­mein­den der Re­gi­on teil. Als nach dem Tod Fried­richs III. 1576 der lu­the­risch ge­sinn­te Lud­wig VI. (1539–1583) an die Macht kam, wur­de Fa­ber im Herbst 1576 als In­spek­tor für Odern­heim ab­ge­löst und als Cal­vi­nist ver­trie­ben. In die­ser Zeit we­der in der Pfalz noch in den Nie­der­lan­den er­wünscht, kehr­te er wohl wie­der nach Köln zu­rück, wo sich mitt­ler­wei­le im Ge­hei­men ein wich­ti­ges re­for­ma­to­ri­sches Zen­trum für das Rhein­land ge­bil­det hat­te. Dort kann sein Wir­ken für kur­ze Zeit (März 1577) be­legt wer­den, da er sich am Ge­mein­de­dienst und der Mis­sio­nie­rung be­tei­lig­te.

Schon bald dar­auf such­te er den Kon­takt zum Statt­hal­ter von Gel­dern Graf Jo­hann von Nas­sau-Dil­len­burg (1536–1606), nach­dem er von des­sen re­for­mier­tem Ei­fer er­fah­ren hat­te. Bei sei­ner An­kunft im Her­zog­tum Gel­dern am 12.10.1577 wird Fa­ber von dem Theo­lo­gen Chris­toph Pe­zel (1539–1604) als ei­ner von fünf be­rühm­ten Pfäl­zern vor­ge­stellt und das An­se­hen, das Fa­ber noch im­mer bei den Re­for­mier­ten der Kur­pfalz ge­noss, zeigt sich durch sei­ne Er­nen­nung zum De­pu­tier­ten der Pfäl­zi­schen Clas­sis auf der Dor­drech­ter Syn­ode vom 3.–18.6.1578. Auf de­ren Teil­neh­mer­lis­te ist er als „Su­per­in­tend. in Pa­la­t“ ver­merkt, ob­wohl er sei­ne pfäl­zi­schen Kir­chen­äm­ter be­reits zwei Jah­re vor­her hat­te ab­le­gen müs­sen.

Bis zum En­de sei­nes Le­bens – er starb am 8.9.1580 in Ven­lo an der Pest und wur­de in sei­ner Amts­kir­che, der Ni­ko­lai­kir­che, fei­er­lich be­gra­ben – setz­te er sich mit Rück­halt Graf Jo­hanns im Ober­quar­tier Gel­dern, be­son­ders in den nie­der­län­di­schen Ge­bie­ten am Nie­der­rhein, für den Auf­bau und die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Kon­so­li­die­rung des cal­vi­nis­ti­schen Glau­bens ein und kehr­te vor sei­nem Tod we­der in die Pfalz noch nach Köln zu­rück. Sei­ne Wit­we So­phia, ver­mut­lich ge­bür­tig aus dem Haus Quadt von Kinckel­bach, aber reis­te ein Jahr nach sei­nem Tod nach Köln, wo sie den Kon­sis­to­ri­al­pro­to­kol­len nach noch 1582/1583 Un­ter­stüt­zung der köl­nisch-re­for­mier­ten Ge­mein­de er­hielt, was auf ein en­ges Ver­hält­nis zwi­schen der Fa­mi­lie Fa­ber und den Köl­ner Re­for­mier­ten hin­weist. Sie starb 1595 in Mos­bach zwi­schen Hei­del­berg und Heil­bronn im Wir­kungs­kreis ih­res Soh­nes To­bi­as.

In den we­ni­gen be­kann­ten Fak­ten wird Fa­bers Be­deu­tung für sei­ne ur­sprüng­li­che Hei­mat im Erz­stift Köln und dem an­gren­zen­den Her­zog­tum Jü­lich zwar hier und da an­ge­deu­tet, aber die ein­gangs zi­tier­te The­se der nie­der­län­di­schen Kir­chen­his­to­ri­ker kann da­mit nicht be­legt wer­den. Hier­zu be­darf es der Lek­tü­re von Fa­bers Pu­bli­ka­tio­nen.

Zwei sei­ner fünf be­kann­ten Schrif­ten rich­tet er im Vor­wort di­rekt an sei­ne ehe­ma­li­gen Lands­leu­te. Es han­delt sich da­bei um Über­set­zun­gen zwei­er Re­for­ma­ti­ons­schrif­ten aus dem Nie­der­län­di­schen. Da­zu kommt ein ei­ge­nes Werk, ein of­fe­ner Brief an die Köl­ner und Jü­li­cher, der auf­grund the­ma­ti­scher Über­schnei­dun­gen zu­sam­men mit der ers­ten Über­set­zung er­schien, aber an­hand äu­ße­rer Merk­ma­le ver­mut­lich als ei­gen­stän­di­ges Werk be­trach­tet wer­den muss.

In der Über­set­zung ei­nes fik­ti­ven Dia­logs über die Kin­der­tau­fe von dem ost­frie­si­schen Re­for­ma­tor Bern­hard Bu­wo, er­gänzt mit ei­nem von Fa­ber zu­sam­men­ge­stell­ten Trak­tat an Ar­gu­men­ten zum The­ma aus an­de­ren Pu­bli­ka­tio­nen, spricht er in sei­nem Vor­wort, da­tiert auf den 6.9.1561 in Wolfs­heim, drei­mal ex­pli­zit die Men­schen in der Stadt Köln und im Jü­li­cher Land an. In sei­nen ei­ge­nen Wor­ten ver­ur­teilt er die Kri­tik der Täu­fer an der Kinds­tau­fe, da durch den Streit die rich­ti­ge An­wen­dung des Evan­ge­li­ums ver­hin­dert wer­de und man das Sa­kra­ment der Tau­fe un­recht­mä­ßig zum Mit­tel­punkt des Glau­bens ma­che. Wich­ti­ger sei es, ge­mein­sam an der Eta­blie­rung des Neu­en Glau­bens zu ar­bei­ten, als sich in die­sem ge­gen­ein­an­der ab­zu­gren­zen.

In ei­nem Brief an Hein­rich Bul­lin­ger (1504-1574) vom 23.4.1562 er­klärt Fa­ber die Aus­wahl des Dia­lo­ges von Bu­wo. Die au­gen­schein­lich wei­te Ver­brei­tung der Schrift des Täu­fers Tho­mas von Im­broich (ge­bo­ren um 1533), 1558 als Ket­zer in Köln hin­ge­rich­tet, und de­ren An­er­ken­nung bei den Köl­ner und Jü­li­cher Mit­bür­gern mit gleich­zei­ti­ger Ver­ach­tung für an­de­re re­li­giö­se Schrif­ten brin­ge das Köl­ner Ge­biet und das Jü­li­cher Land samt an­gren­zen­der Ge­bie­te in äu­ßers­te Not. Er selbst ha­be nicht die Ga­be, mit sei­nen ei­ge­nen Wor­ten zu über­zeu­gen, wes­we­gen er die Über­set­zung des Dia­lo­ges an­dach­te, in der „fest, kurz und […] deut­li­ch“ die Irr­tü­mer der Wie­der­täu­fer für je­den ver­ständ­lich wi­der­legt wür­den. 

Fa­ber mein­te den Er­folg des Täu­fer­tums in sei­ner al­ten Hei­mat auf die flä­chen­de­cken­de Ver­brei­tung pro­pa­gan­dis­ti­scher Schrif­ten im ein­fa­chen Volk zu­rück­füh­ren zu kön­nen und be­schloss die­ses Me­di­um für sei­nen ei­ge­nen Glau­ben zu nut­zen. Zu­nächst mit Über­set­zun­gen, be­vor er sich, trotz sei­ner nach ei­ge­nen Wor­ten feh­len­den Ga­be, doch an ei­ge­nen Wer­ken ver­such­te. In dem mit der ers­ten Über­set­zung ver­öf­fent­lich­ten „Send­brieff En­gel­ber­ti Fa­bri an sei­ne lie­be Lands­leut in dem Stifft von Cöln und hert­zog­t­humb Gü­li­ch“, da­tiert auf den 24.1.1562, ver­si­chert er sei­nen Le­sern noch­mals sei­ne un­zu­rei­chen­de Bil­dung und mä­ßi­ge Ge­lehr­sam­keit, ob­wohl die Art sei­ner Ar­gu­men­ta­ti­on auf das Ge­gen­teil hin­weist. Ent­we­der ist sei­ne aus­ge­feil­te Dia­lek­tik dem Ein­fluss an­de­rer Re­for­ma­to­ren auf sei­ne Schrif­ten ge­schul­det – de­ren Hil­fe wird er zu­min­dest für die Über­set­zung sei­ner Kor­re­spon­denz ins La­tei­ni­sche ge­nutzt ha­ben – oder er pass­te sich ziel­grup­pen­ori­en­tiert sei­nem Pu­bli­kum an. Im­mer­hin for­dert er die Köl­ner und Jü­li­cher Be­völ­ke­rung recht un­ver­blümt auf, für den Auf­bau ei­ner re­for­mier­ten Kir­che ge­gen das „An­ti­chris­ten­tum“ zwar vor­sich­tig, aber be­stimmt ein­zu­tre­ten. Die Zeit sei ge­kom­men, sich ge­gen An­ders­gläu­bi­ge ab­zu­gren­zen und sich von ih­nen ab­zu­wen­den. Um die Fes­ti­gung des Neu­en Glau­bens und die Re­form der Kir­che durch­zu­set­zen, müs­se man sei­ne ei­ge­ne Be­quem­lich­keit auf­ge­ben, um an­de­ren und sich selbst ein bes­se­res Le­ben zu er­schaf­fen.

Die zwei­te Über­set­zung für sei­ne ehe­ma­li­gen Lands­leu­te, eben­falls 1563 bei Schi­rat er­schie­nen, ist ein Text von Mar­ti­nus Mi­cro­ni­us (um 1522–1559) über die Be­deut­sam­keit christ­li­cher Ver­samm­lun­gen, in dem auch er­klärt wird, je­der Christ ha­be die ka­tho­li­schen und „al­le fal­sche Ge­meynen zu ver­las­sen“.

Im sel­ben Jahr über­setz­te Fa­ber noch das Nie­der­län­di­sche Glau­bens­be­kennt­nis von Guy de Bray (1522–1567), ge­wid­met den nie­der­län­di­schen Glau­bens­brü­dern und den sie un­ter­drü­cken­den Ob­rig­kei­ten. Drei Jah­re spä­ter ver­öf­fent­lich­te er sein ei­ge­nes Werk „Weg­fahrt zum neu­en Je­ru­sa­le­m“, ei­ne aus­ge­ar­bei­te­te Ver­si­on des Send­briefs, al­ler­dings an al­le Chris­ten adres­siert.

En­gel­bert Fa­ber war „ein ty­pi­scher Ver­tre­ter der re­for­mier­ten Pro­pa­gan­da des Hei­del­ber­ger Ho­fes, der durch­aus ziel­grup­pen­ori­en­tiert pu­bli­ziert[e]“ (Flesch) und der die Eta­blie­rung ei­ner re­for­mier­ten Kir­che im Rhein­land nach Hei­del­ber­ger Vor­bild er­sehn­te. Un­ter den re­for­mier­ten Pre­di­gern galt er durch sei­ne Ver­öf­fent­li­chun­gen und Er­fah­run­gen als ei­ne Art Spe­zia­list für das Täu­fer­tum, des­sen wach­sen­der Ein­fluss in sei­ner ur­sprüng­li­chen Hei­mat ihm Sor­gen be­rei­te­te. Aber Fa­ber scheint auch Prag­ma­ti­ker ge­we­sen zu sein. Wäh­rend er die An­hän­ger des Täu­fer­tums auf mo­dera­te und ver­söhn­li­che Wei­se zu über­zeu­gen such­te, ging er scharf ge­gen Ka­tho­li­ken vor, weil er bei ih­nen al­le Hoff­nung ver­lo­ren sah. Er setz­te sei­ne Prio­ri­tä­ten dort, wo die po­li­ti­sche Si­tua­ti­on ei­nen re­li­giö­sen Wan­del zu­ließ, um die re­for­mier­te Kir­che im In­ne­ren zu for­men und äu­ßer­lich fest zu eta­blie­ren.

Den­noch hat er die Mis­sio­nie­rung sei­ner Hei­mat stets im Blick ge­habt und durch sei­ne Über­set­zun­gen wich­ti­ge Schrit­te in die­se Rich­tung ein­ge­lei­tet. In sei­ner Bio­gra­phie nur an­ge­deu­tet und nicht wirk­lich greif­bar, ist das weit­rei­chen­de, eng ver­knüpf­te Netz­werk re­for­ma­to­ri­scher Pre­di­ger und ge­hei­mer Ge­mein­den. Die stän­di­ge Rast­lo­sig­keit und das Wir­ken an im­mer an­de­ren Or­ten, be­son­ders dort, wo es für den Auf­bau re­for­mier­ter Ge­mein­den theo­lo­gi­scher Füh­rung be­durf­te, weist dar­auf hin, dass Fa­ber zu den zen­tra­len Fi­gu­ren die­ses Ge­flechts an Wan­der­pre­di­gern ge­hör­te, das für die Ver­brei­tung des re­for­ma­to­ri­schen Be­kennt­nis­ses und so­mit für die Kon­fes­si­ons­bil­dung der re­for­mier­ten Kir­che am Nie­der­rhein ent­schei­dend ge­we­sen ist.

Werke

Ber­nard Bu­wo: Die Kin­der­tau­fe 1563.

Dia­lo­gus: Das ist/ Ein ge­spräch zwey­er Per­so­nen/ von dem Tauff der jun­gen Kin­der/ darinn ein je­der auff sei­ner sey­ten sei­nen be­scheid fürs­telt/ Jetzt new­lich auß Nider­län­di­scher Sprach in Hoch Teutsch ge­s­telt/ durch En­gel­ber­tum Fa­bri. (Dar­zu ist kom­men ein kur­zer Trac­tat oder be­griff von der sel­bi­gen ma­te­ri/ mit et­li­chen Ar­gu­men­ten dar­zu dien­lich/ heut zu ta­ge al­les fast nütz­lich zu le­sen. Mit ei­nem zey­ger der für­n­embs­ten punc­ten darinn be­grif­fen.) Ge­druckt in der Chur­fürst­li­chen Stat Hei­del­berg durch Mi­cha­el Schi­rat 1563, dar­in: Send­brieff En­gel­ber­ti Fa­bri an sei­ne Lands­leut in dem Stifft von Cöln und hert­zog­t­humb Gü­lich.

Mar­ti­nus Mi­cro­ni­us: Die christ­li­che Ver­samm­lung 1563.

Kurt­zer und Christ­li­cher be­richt Mar­ti­ni Mi­cro­nii/ von dem nutz/ wid­rig­keit und not­hwen­dig­keit der Christ­li­chen ver­sam­lung/ Dar­in­nen auch er­klärt wird/ das ein je­der Christ die Rö­mi­sche und al­le fal­sche Ge­meynen zu ver­las­sen/ und zu der Christ­li­chen Kir­chen/ wie sie mit iren zey­chen hierinn be­schrie­ben sich zu be­ge­ben schul­dig seye/ Zu gu­tem dem Teut­schen Le­ser in Teutsch bracht/ durch En­gel­ber­tum Fa­brum. 1563.
 
Guy de Bray/Brès: Das Nie­der­län­di­sche Glau­bens­be­kennt­nis 1563.

Be­kant­nusz des Glau­bens/ der ge­meyne/ so hin und wi­der in den Nider­lan­den ver­tre­wet/ und nach dem reynen Evan­ge­lio un­sers Her­ren Je­su Chris­ti zu le­ben be­ge­ren/ durch eyn ge­meyne Ein­tracht de­sel­bi­gen ge­s­telt in nider­län­di­schen Sprach/ und jetzt zu gu­tem dem teut­schen Le­ser/ in Teutsch ge­bracht durch En­gel­ber­tum Fa­brum.

Weg­fahrt zum neu­en Je­ru­sa­lem,1566.

Weg­fart/ Zu dem ne­wen Je­ru­sa­lem/ ei­nem Christ­li­chen Rit­ter nütz­lich zu wis­sen. Durch En­gel­ber­tum Fa­brum. Ge­druckt in der chur­fürst­li­chen Statt Hei­del­berg durch Jo­han­nem May­er, 1566.

Ein Lied vom päpst­li­chen Mess­kram, o.D.

Ein Liedt/ wey­land En­gel­ber­ti Fa­bri ge­we­se­nen Kir­chen­die­ners zu Vend­loh/ vom Bäpst­li­chen Me­ßkram.

Quellen

Teschen­ma­cher, Wer­ner, An­na­les Eccle­si­as­ti­ci, Düs­sel­dorf 1962, S. 88–89.

Literatur

Bock­mühl, Pe­ter, En­gel­bert Fa­ber, in: Mo­nats­hef­te für evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­schich­te des Rhein­lan­des 6 (1912), S. 340-351.

Flesch, Ste­fan, Kon­fes­sio­na­li­sie­rung im Rhein-Maas-Raum, in: Mo­nats­hef­te für evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­schich­te des Rhein­lan­des 60 (2011), S. 1-56.

Goe­ters, J.F. Ger­hard, Stu­di­en zur nie­der­rhei­ni­schen Re­for­ma­ti­ons­ge­schich­te, Köln 2002.

Hei­j­ting, Wil­helm, The Ger­man trans­la­ti­ons of the Con­fes­sio bel­gi­ca (1563 and 1566), in: Quae­ren­do 7 (1977), S. 116-127.

Scha­tor­jé, Jos M. W. C., En­gel­bert Fa­ber en de Du­itse ver­ta­ling van het laats­te bo­ek van Mar­tin Mi­cron (Hei­del­berg 1563), in: Boo­nen, Ute K. (Hg.), Zwi­schen Spra­chen en cul­tu­ren. Wech­sel­be­zie­hun­gen im deut­schen, nie­der­län­di­schen und afri­kaan­sen Sprach­ge­biet, Müns­ter/New York 2018, S. 19-31.

Scha­tor­jé, Jos M. W. C., Kir­chen­ge­schicht­li­che Hin­ter­grün­de des ers­ten Bu­ches des Re­for­ma­tors En­gel­bert Fa­ber aus Gustorf (1563), in: Rehm, Ger­hard (Hg.), Adel, Re­for­ma­ti­on und Stadt am Nie­der­rhein. Fest­schrift für Leo Pe­ters, Bie­le­feld 2009, S. 133-168.

Strein, Jür­gen, Weg­fahrt zum neu­en Je­ru­sa­lem. Die Pfar­rer aus der Fa­mi­lie Fa­ber/Fa­bri­ci­us. Theo­lo­gen aus der zwei­ten Rei­he bei der Ein­füh­rung und Si­che­rung des re­for­mier­ten Be­kennt­nis­ses in der Kur­pfalz, in: Kreutz, Wil­helm/Kühl­mann, Wil­helm/Wie­gand, Her­mann (Hg.), Die Wit­tels­ba­cher und die Kur­pfalz in der Neu­zeit. Zwi­schen Re­for­ma­ti­on und Re­vo­lu­ti­on, Re­gens­burg 2013, S. 227-258.

 
Zitationshinweis

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Schwaffertz, Maike, Engelbert Faber, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/engelbert-faber/DE-2086/lido/615ef7a9a42361.98673954 (abgerufen am 13.08.2022)