Franco von Lüttich

Bischof von Lüttich (854/857-903)

Yanick Strauch (Eupen)

Statue des Bischofs Franco, links, in einer Dreierkomposition, mit Rather rechts und Azzo außerhalb des Bildausschnitts am Fürstbischöflichen Palast in Lüttich, undatiert. (Ville de Liège)

Fran­co war ei­ner der be­deu­tends­ten Bi­schö­fe der Stadt und Diö­ze­se von Lüt­tich im frü­hen Mit­tel­al­ter. Er fun­gier­te zu­gleich als ein För­de­rer der Ka­ro­lin­gi­schen Re­nais­sance und als ak­ti­ver Teil­neh­mer an den Macht­kämp­fen der frän­ki­schen Herr­scher in der zwei­ten Hälf­te des 9. Jahr­hun­derts so­wie an den Ab­wehr­kämp­fen ge­gen die Nor­man­nen.

Wann Fran­co ge­bo­ren wur­de, ist un­be­kannt. Da er aber aus­weis­lich ver­schie­de­ner Be­rich­te zwi­schen den Jah­ren 854 und 857 zum Bi­schof von Lüt­ti­cher er­ho­ben wur­de und für die Bi­schofs­wei­he ein Min­dest­al­ter von 35 Jah­ren vor­ge­se­hen war, kann sei­ne Ge­burt in das ers­te Drit­tel des 9. Jahr­hun­derts da­tiert wer­den. Der Schot­te Se­du­li­us Scot­tus (ca. 820-874), der als Ge­lehr­ter an der Bi­schofs­kir­che St. Hu­ber­tus in Lüt­tich im Um­feld des Bi­schofs leb­te und ar­bei­te­te, ver­wies in­ner­halb ei­nes Ge­dich­tes, das er für Fran­co ver­fass­te, auf des­sen ka­ro­lin­gi­sche Ab­kunft (pul­ch­rum Ka­ro­li­den). Wenn­gleich die Art der Her­kunft, die ver­mut­lich un­ehe­li­cher Na­tur war, nicht be­stimm­bar ist, so gilt sie den­noch auf­grund der un­ein­ge­schränk­ten Loya­li­tät Fran­cos zu den Ka­ro­lin­gern als wahr­schein­lich. Ei­ne spä­te Quel­le des 12. Jahr­hun­derts be­zeich­net ihn ex­pli­zit als ei­nen Ver­wand­ten (co­gna­tus) von Kai­ser Ar­nulf von Kärn­ten (887-899), was viel­leicht ein Hin­weis auf ei­ne Her­kunft aus die­sem Zweig der Fa­mi­lie sein mag.

Aus­weis­lich der Ge­schich­te des Klos­ters Lob­bes (heu­te Pro­vinz Hen­ne­gau, Bel­gi­en) aus dem 12. Jahr­hun­dert war Fran­co zu­nächst ein Mönch und Leh­rer in­ner­halb der Ge­mein­de die­ses Kon­vents, be­vor er in spä­te­ren Jah­ren zum Bi­schof von Lüt­tich er­ho­ben wur­de. Die­ser und an­de­re spä­te­re Be­rich­te be­to­nen in be­son­de­rem Ma­ße die Ge­lehr­sam­keit und Wiss­be­gier­de Fran­cos, die er als jun­ger Mönch ge­habt ha­be, und he­ben die­se lo­bend her­vor. Laut der aus dem 10. Jahr­hun­dert stam­men­den Ta­ten der Äb­te von Lob­bes des Fol­cu­in von Lob­bes (um 935-990) war Fran­co zu­dem auch ei­ne Zeit lang in der Pa­last­schu­le des ka­ro­lin­gi­schen Ho­fes aus­ge­bil­det wor­den (pa­la­ti­nis stu­diis in­struc­tus).

Ver­schie­de­ne spä­te­re Quel­len des 10. bis 12. Jahr­hun­derts über­lie­fern Fran­cos Wahl zum Bi­schof von Lüt­tich, wo­bei die An­ga­ben zwi­schen den Jah­ren 854 und 857 schwan­ken. Den si­che­ren Ter­mi­nus an­te quem bil­det die Syn­ode von Savon­niè­res, die im Ju­ni 859 statt­fand, da Fran­co ei­ner der Un­ter­zeich­ner der Kon­zils­ak­ten war. Bis zum Jahr 895 (Syn­ode von Tri­bur) lässt sich der Bi­schof von Lüt­tich oft­mals als Teil­neh­mer von Syn­oden nach­wei­sen, wo­bei er zu­wei­len ak­tiv in Er­schei­nung trat. So im Jahr 871 auf der Syn­ode von Dou­zy (heu­te im Dé­par­te­ment Ar­den­nes, Frank­reich): in ei­nem (ver­meint­lich) wört­lich über­lie­fer­ten Ur­teils­spruch Fran­cos warf er dem Bi­schof von Laon be­waff­ne­ten Wi­der­stand und Un­treue ge­gen­über Kö­nig Karl dem Kah­len (823-877) vor.

Auch nach sei­ner Er­he­bung zum Bi­schof und Zeit sei­nes Le­bens blieb Fran­co ein eif­ri­ger För­de­rer und Ver­tre­ter der so­ge­nann­ten Ka­ro­lin­gi­schen Re­nais­sance, ei­ner Zeit des kul­tu­rel­len Auf­schwungs und der Bil­dungs­för­de­rung, die zur Zeit Kai­ser Karls des Gro­ßen ih­ren An­fang ge­nom­men hat­te. So ver­sam­mel­ten sich an sei­nem Bi­schofs­sitz zu Lüt­tich ei­ne gan­ze Grup­pe iri­scher und schot­ti­scher Geist­li­cher, die dort lehr­ten und ar­bei­te­ten. Der be­kann­tes­te un­ter ih­nen, der be­reits er­wähn­te Dich­ter, Gram­ma­ti­ker und Staats­theo­re­ti­ker Se­du­li­us Scot­tus, wid­me­te sei­nem ver­ehr­ten Bi­schof mehr­fach Ge­dich­te. Ei­ne Viel­zahl an Brie­fen, dar­un­ter ei­ne An­fra­ge aus dem Klos­ter Ful­da mit der Bit­te, in Lüt­tich Bü­cher für das hes­si­sche Klos­ter an­fer­ti­gen zu las­sen, ver­mit­teln ei­nen le­ben­di­gen Ein­druck von den ge­schäf­ti­gen Ak­ti­vi­tä­ten an der Dom­schu­le von Fran­cos Kir­che. Der Hu­ma­nist Jo­han­nes Trithe­mi­us (1462-1516) nahm den Bi­schof da­her Jahr­hun­der­te spä­ter in sein Werk über die be­rühm­ten Män­ner Ger­ma­ni­ens (Ca­ta­lo­gus il­lus­tri­um vi­r­o­rum Ger­ma­niae) auf, wel­ches er ab dem Jahr 1492 an­fer­tig­te. Der für sei­ne no­to­ri­schen Über­trei­bun­gen und Er­fin­dun­gen heu­te be­rühmt be­rüch­tig­te Jo­han­nes Trithe­mi­us schrieb dar­in, Fran­co sei in der Hei­li­gen Schrift sehr be­wan­dert, ein Phi­lo­soph, Rhe­to­ri­ker, Po­et, Mu­si­ker so­wie ein her­vor­ra­gen­der Pre­di­ger ge­we­sen. Auch ha­be er selbst Wer­ke ver­fasst, dar­un­ter An­ti­pho­na­re, Hei­li­gen­le­gen­den und ma­the­ma­ti­sche Wer­ke. Dem Erz­bi­schof Her­mann I. von Köln (889/890-924) soll Fran­co gar ein Buch über die Qua­dra­tur des Krei­ses (de qua­dra­tu­ra cir­cu­li lib. 1) und über die Be­rech­nung des Kir­chen­ka­len­ders (de com­pu­to eccle­si­as­ti­co lib. 1) ge­wid­met ha­ben. Kei­nes die­ser an­geb­li­chen Wer­ke ist heu­te be­kannt und es ist mehr als zwei­fel­haft, dass die­se je exis­tiert ha­ben und es sich bei die­sen an­geb­li­chen Ab­hand­lun­gen Fran­cos nicht eher um Er­fin­dun­gen des schreib­freu­di­gen Hu­ma­nis­ten han­delt. Den­noch zeu­gen die­se An­ga­ben von der lang­an­hal­ten­den Er­in­ne­rung an je­ne Zeit im 9. Jahr­hun­dert, als an der Bi­schofs­kir­che in Lüt­tich un­ter Fran­co ei­ne ge­lehr­sa­me At­mo­sphä­re herrsch­te.

Fran­cos Be­tei­li­gung an der Reichs­po­li­tik war ei­ner­seits ge­prägt von sei­ner ge­ne­rell star­ken Loya­li­tät ge­gen­über den Ka­ro­lin­gern, die sich zu­gleich im Be­son­de­ren durch ei­ne Po­si­tio­nie­rung zu je­weils dem Herr­scher äu­ßer­te, der ge­ra­de je­ne Tei­le Loth­rin­gens be­herrsch­te, in de­nen die Diö­ze­se von Lüt­tich lag. Folg­lich fin­det sich der Bi­schof zu­nächst im Ge­fol­ge Lo­thars II., den er im Jahr 862 auf der Syn­ode zu Aa­chen ex­pli­zit in sei­nem Ehe­streit un­ter­stütz­te.

Nach dem Tod Lo­thars II. im Jahr 869 schloss sich Fran­co um­ge­hend Karl dem Kah­len an, der den west­li­chen Teil Loth­rin­gens für sich be­an­spru­chen konn­te. Fran­co ge­hör­te dem zeit­ge­nös­si­schen Be­richt der An­na­len des Klos­ters Saint-Ber­tin zu­fol­ge als ein­zi­ger der Köl­ner Suf­fra­ga­ne, al­so der dem Köl­ner Erz­bis­tum zu­ge­hö­ri­gen Bi­schö­fe, zu den Teil­neh­mern an der Met­zer Krö­nung Karls zum Kö­nig von Loth­rin­gen. In der Fol­ge blieb Fran­co ei­ne wich­ti­ge Stüt­ze Karls in den neu er­wor­be­nen Ge­bie­ten. So weih­te er im Jahr 870 auf Be­fehl des Kö­nigs Abt Hil­du­in von St. Ber­tin in der Kai­ser­pfalz zu Aa­chen zum Erz­bi­schof von Köln. Die­ser konn­te sich aber nicht ge­gen den vom Köl­ner Kle­rus auf Druck und mit Un­ter­stüt­zung des ost­frän­ki­schen Kö­nigs Lud­wig des Deut­schen er­ho­be­nen Wil­li­bert durch­set­zen. Trotz die­ser of­fen­kun­di­gen Op­po­si­ti­on ge­gen sei­nen Me­tro­po­li­ten ge­riet der Bi­schof von Lüt­tich nie in di­rek­ten Kon­flikt mit der Köl­ner Kir­che. Ob­schon die Diö­ze­se von Lüt­tich mit dem Ver­trag von Meers­sen im Au­gust 870 ter­ri­to­ri­al ge­teilt wur­de, blieb der Bi­schof ein treu­er Par­tei­gän­ger Karls des Kah­len. Fran­cos ho­hes An­se­hen, das er bei die­sem Herr­scher ge­noss, zeig­te sich auch im Jahr 876, als der nun­mehr zum Kai­ser auf­ge­stie­ge­ne Karl dem Bi­schof den Schutz sei­ner schwan­ge­ren Frau Ri­chil­dis (845-910) an­ver­trau­te, be­vor er sich an­schick­te, das Ost­fran­ken­reich zu er­obern. Nach der Nie­der­la­ge ge­gen sei­nen Nef­fen in der Schlacht bei An­der­nach im Ok­to­ber 876 floh Karl der Kah­le über­has­tet nach Wes­ten, wo­bei es Fran­co war, der den ge­schla­ge­nen Kai­ser in Lüt­tich als ers­ten auf­nahm, Hil­fe an­bot und sich de­mons­tra­tiv in des­sen Ge­fol­ge stell­te. Die­ser un­be­ding­ten Loya­li­tät war es wohl ge­schul­det, dass der Bi­schof im Fol­ge­jahr durch den Herr­scher in­ner­halb des so­ge­nann­ten Ka­pi­tu­lars von Quier­zy, das man als Karls zen­tra­les Tes­ta­ment be­zeich­nen kann, zu ei­nem der Nach­lass­ver­wal­ter des Kai­sers be­stimmt wur­de.

Nach dem Tod Karls des Kah­len und vor al­lem ab den 880er Jah­ren wur­de Fran­co ein Par­tei­gän­ger der ost­frän­ki­schen/loth­rin­gi­schen Ka­ro­lin­ger, oh­ne sich gänz­lich von den west­li­chen Herr­schern der Fa­mi­lie ab­zu­wen­den. Hier­von zeu­gen ins­be­son­de­re ei­ne gan­ze Rei­he an Ur­kun­den, die der Bi­schof von Lüt­tich zu Guns­ten sei­ner Diö­ze­se und der dor­ti­gen Klös­ter und Men­schen er­wirk­te. So er­hielt er um­fang­rei­che Schen­kun­gen durch die Kai­ser Karl III. (884-887) und Ar­nulf (887-899): Un­ter an­de­rem wur­de das Klos­ter Lob­bes zu ei­nem Be­sitz des Bis­tums Lüt­tich, wo­bei Fran­co die­sem Klos­ter, wo er wohl auch sei­ne Ju­gend ver­bracht hat­te, be­reits seit dem Jahr 881 auch als Abt vor­stand. Auch der west­frän­ki­sche Kö­nig Karl III., ge­nannt der Ein­fäl­ti­ge (893/98-923), be­schenk­te den Bi­schof und des­sen Kir­che. Glei­ches gilt auch für den loth­rin­gi­schen Un­ter­kö­nig Zwen­ti­bold (895-900), ei­nen Sohn Kai­ser Ar­nulfs, in des­sen Ge­fol­ge Fran­co reis­te und als des­sen No­tar er zu­wei­len selbst die Aus­stel­lung kö­nig­li­cher Ur­kun­den vor­nahm.

Fran­cos Nach­ruhm be­ruht je­doch nicht al­lein auf sei­ner Tä­tig­keit als Bi­schof und Ge­lehr­ter, son­dern be­grün­det sich auch ma­ß­geb­lich durch sei­ne krie­ge­ri­schen Ta­ten. In der zwei­ten Hälf­te des 9. Jahr­hun­derts mehr­ten sich die Raub­zü­ge der Nor­man­nen auf das Fran­ken­reich. Ers­te Ein­fäl­le über Schel­de, Maas und Rhein er­eig­ne­ten sich in den 860er und 870er Jah­ren, wo­bei sich Fran­co schon zu die­ser Zeit an den Ab­wehr­kämp­fen be­tei­lig­te. Nach­dem aber das so­ge­nann­te Gro­ße Heid­ni­sche Heer um das Jahr 878 Eng­land ver­las­sen hat­te und es bald dar­auf im heu­ti­gen Nord­frank­reich und den Be­ne­lux­staa­ten an den Mün­dun­gen der gro­ßen Flüs­se lan­de­te, be­gan­nen die gro­ßen Wi­kin­ger­ein­fäl­le im Rhein-Maas­ge­biet, den Ar­den­nen und der Ei­fel, die von 881 bis 892/93 an­dau­ernd soll­ten. Die­se Jah­re wa­ren auch für das Bis­tum Lüt­tich auf­grund der ver­mehr­ten An­grif­fe der Nor­man­nen ei­ne be­son­ders schwe­re Zeit. An­fang der 880er Jah­re wur­de die Stadt selbst ge­brand­schatzt und die Ka­the­dra­le ver­wüs­tet. In je­ner Zeit wur­de Fran­co zu­sam­men mit dem Gra­fen Re­gi­nar I. von Hen­ne­gau (850-915) durch den Herr­scher be­auf­tragt, die Nor­man­nen un­ter ih­rem An­füh­rer Gott­fried (ge­stor­ben 885) zu be­kämp­fen, die das Ge­biet von Bra­bant ver­heer­ten. Nach der sieg­rei­chen Schlacht ge­gen die Nor­man­nen schien Fran­co sein Ge­wis­sen zu pla­gen, da er wohl per­sön­lich an den Kämp­fen be­tei­ligt ge­we­sen war und wuss­te, wie es Fol­cu­in spä­ter aus­drück­te, dass es nicht er­laubt war, wenn die Hän­de ei­nes Geist­li­chen Blut ver­gie­ßen (sci­ens il­li­citum es­se, quam­quam san­guin­eis ma­ni­bus sanc­ta trac­ta­re). Aus die­sem Grund schick­te der Bi­schof ei­nen Kle­ri­ker aus Lüt­tich mit Na­men Be­rich und den Mönch Theu­ter aus Lob­bes nach Rom, da­mit die­se dort be­te­ten und für sein Han­deln um Ver­ge­bung bit­ten soll­ten. Die An­na­len des Klos­ters Lob­bes zeich­ne­ten die­se Rei­se eben­falls auf und ver­merk­ten so­gar, Fran­co ha­be sei­ne bei­den Un­ter­ge­be­nen nicht bloß zum Be­ten in die Hei­li­ge Stadt ent­sandt, son­dern zum Papst, um vom Hei­li­gen Va­ter selbst Ver­ge­bung zu er­lan­gen, weil er vie­le Krie­ge ge­gen die Nor­man­nen (ip­se mul­ta bel­la con­tra Nort­man­nos) ge­führt hat­te.

 

Über Fran­cos Han­deln ge­gen die Nord­män­ner gibt ei­ne be­son­de­re zeit­ge­nös­si­sche Quel­len Aus­kunft. Sein ihm wohl­ge­sinn­ter Freund Se­du­li­us Scot­tus, der vor dem Jahr 874 ver­starb, stell­te in­ner­halb ei­nes Ge­dich­tes, wel­ches den sieg­rei­chen Fran­co im Kampf mit den Nor­man­nen fei­er­te, die – wohl rhe­to­ri­sche – Fra­ge, ob der Bi­schof die nor­man­ni­schen Fein­de nun ge­fürch­tet ha­be (Hinc­que Nort­man­nus tre­pida­bat hos­tis?), nur um dar­an an­schlie­ßend in höh­ni­schen Wor­ten die Flucht der Nord­män­ner zu ih­ren Boo­ten zu be­schrei­ben, als die­se die in weiß ge­klei­de­ten Schlacht­rei­hen er­blick­ten, die Fran­co ge­gen sie ins Feld führ­te. Die hel­den­haft-pa­ne­gy­ri­sche Über­hö­hung sei­ner Per­son als Bi­schof und Krie­ger be­gann so­mit schon zu sei­nen Leb­zei­ten. Ob Fran­co auch an dem ent­schei­den­den Sieg, den Kai­ser Ar­nulf im Jahr 891 bei Lö­wen ge­gen die Nor­man­nen erstritt, be­tei­ligt ge­we­sen ist, lässt sich nicht sa­gen. Die­sem Sieg war ei­ne Nie­der­la­ge der Fran­ken im Tal der Göhl (fran­zö­sisch Gue­le) zwi­schen Aa­chen und Maas­tricht vorraus­ge­gan­gen, wo­bei auch hier un­klar ist, ob Bi­schof Fran­co in die­ser Schlacht zu­ge­gen war. Laut ei­ner ety­mo­lo­gisch gut be­grün­de­ten The­se des bel­gi­schen His­to­ri­kers Jean-Louis Küp­per könn­te der Na­me der Burg Fran­chi­mont bei Theux (süd­öst­lich von Lüt­tich), auf Bi­schof Fran­co zu­rück­ge­hen, da der Na­me der Burg buch­stäb­lich „Berg des Fran­co“ be­deu­tet. Bei Theux han­del­te es sich im 9. Jahr­hun­dert um ein be­deu­ten­des Fis­kal­gut der Ka­ro­lin­ger. Aus die­sem Grund schluss­fol­gert Kup­per, Fran­co ha­be wäh­rend der Jah­re der Nor­man­nen­ein­fäl­le ei­ne Flucht­burg er­rich­ten las­sen, de­ren heu­te er­hal­te­nen Res­te zwar aus we­sent­lich spä­te­rer Zeit stam­men, de­ren Na­me je­doch von ih­rem ers­ten Er­bau­er, Bi­schof Fran­co von Lüt­tich, her­rührt.

Ge­mäß ver­schie­de­ner Be­rich­te ver­starb Fran­co zwi­schen 901 und 903 (viel­leicht am 13. Ja­nu­ar) und wur­de in der Ka­the­dra­le von Lüt­tich be­gra­ben. Min­des­tens 44 Jah­re hat­te er das Bi­schofs­amt aus­ge­übt. Da­mit ist er bis heu­te der­je­ni­ge, der die­ses Amt wahr­schein­lich am längs­ten in­ne­ge­habt hat. Heu­te er­in­nert an der Fas­sa­de des Pa­lais Pro­vin­ci­al der Stadt Lüt­tich ei­ne ro­man­ti­sier­te Sta­tu­en­grup­pe aus dem 19. Jahr­hun­dert an die be­deu­tends­ten Lüt­ti­cher Bi­schö­fe des frü­hen Mit­tel­al­ters. Dar­ge­stellt sind un­ter an­de­rem Ra­ther (953-955) und Wa­zo (1042-1048), die bei­de klar als Geist­li­che er­kenn­bar sind. Fran­co aber wird be­zeich­nen­der­wei­se als frän­ki­scher Krie­ger mit Schwert und Um­hang dar­ge­stellt. Le­dig­lich sei­ne Kopf­be­de­ckung ver­rät beim ge­nau­en Hin­se­hen, dass er ei­gent­lich und vor al­lem ein Bi­schof ge­we­sen ist.

Quellen (Auswahl)

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Literatur (Auswahl)

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Kup­per, Jean-Louis, Sur les in­cur­si­ons nor­man­des dans le pays mo­san: Le roi Ar­noul, l’évêque Fran­con, le duc Hen­ri, Fran­chi­mont, Lim­bourg et la por­te has­se­li­ne de Liè­ge, in: Bul­le­tin de l’In­sti­tut Ar­chéo­lo­gi­que Lié­geois 116 (2012), S. 5-24.

Le Roy, Alp­hon­se, Ar­ti­kel „Fran­con“, in: Nou­vel­le Bio­gra­phie Na­tio­nal, Band 7, Brüs­sel 1883, Sp. 263-267.

Pa­r­i­sot, Ro­bert, Le royau­me de la Lor­rai­ne sous les Ca­ro­lin­gi­ens (843–923), Pa­ris 1898.

Vo­gel, Walt­her, Die Nor­man­nen und das Frän­ki­sche Reich bis zur Grün­dung der Nor­man­die (799-911), Hei­del­berg 1906, Neu­druck 1973. 

Todeseintrag des Bischofs Franco im Jahr 901 in den Annalen des Klosters Lobbes, Handschrift Chronicon Lobiense, Original in der Staatsbibliothek Bamberg, Msc.Patr.62, f. 184v, 10. Jh..

 
Zitationshinweis

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Strauch, Yanick, Franco von Lüttich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/franco-von-luettich/DE-2086/lido/69270595725d97.25734188 (abgerufen am 05.03.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 23.02.2026, zuletzt geändert am 04.03.2026