Hans von Marées

Maler, Vorreiter der Moderne (1837-1887)

Denise Steger (Linz am Rhein)

Selbstbildnis, Gemälde, Öl auf Holz, 1882/83. (CC BY-SA 4.0/Neue Pinakothek München/ Inv. Nr. 7868)

Jo­hann Rein­hard (Hans) von Ma­rées war ein deut­scher Ma­ler und Zeich­ner des Idea­lis­mus, der in zä­hem Rin­gen sei­ne in­ne­re künst­le­ri­sche Wi­der­sprüch­lich­keit zwi­schen An­spruch und Wirk­lich­keit zu über­win­den such­te. Als be­deu­ten­der Vor­rei­ter der Mo­der­ne wird er, ob­wohl um­strit­ten, bis heu­te ge­ehrt.

Hans von Ma­rées wur­de als zwei­ter Sohn des preu­ßi­schen Kam­mer­prä­si­den­ten Adolf von Ma­rées (1801-1874) und Frie­de­ri­ke Sus­man (1810-1864) in El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal) ge­bo­ren. Die Fa­mi­lie war evan­ge­lisch. Die Mut­ter war Toch­ter des jü­di­schen Gro­ß­kauf­manns und Fa­bri­kan­ten Da­vid Sus­man (1781-1833), Syn­di­kus der is­rae­li­schen Ge­mein­de Hal­ber­stadt. Sein Bru­der Ge­org (1834-1888) wur­de preu­ßi­scher Oberst­leut­nant und Mi­li­tär­schrift­stel­ler. Die Fa­mi­lie zog 1847 nach Ko­blenz, wo Ma­rées das Gym­na­si­um be­such­te. Schon früh wur­de man auf sein Zei­chen­ta­lent auf­merk­sam.

1853 be­gann Ma­rées ein Kunst­stu­di­um in Ber­lin und war von 1854 bis 1855 für ein Jahr im Ate­lier von Carl Stef­fek (1818-1890) tä­tig. Fünf Mo­na­te hielt er sich in Wör­litz auf und mal­te ei­ne Rei­he von Bil­dern, auch im Auf­trag des Her­zogs Leo­pold von An­halt (1794-1871).

 

Nach sei­nem Mi­li­tär­dienst (1855-1856) in Ko­blenz sie­del­te Ma­rées im Win­ter 1857 nach Mün­chen über. Dort hielt er sich aber vom Aka­de­mie­be­trieb fern und ar­bei­te­te als frei­er Künst­ler, wo­bei er sich vor­nehm­lich an der alt-nie­der­län­di­schen Ma­le­rei ori­en­tier­te. Sein Selbst­bild­nis aus dem Jahr 1860/61 zeig­te sei­ne An­leh­nung an Rem­brandt. Des Wei­te­ren ent­stan­den His­to­ri­en­bil­der mit mi­li­tä­ri­schem Su­jet so­wie zahl­rei­che Por­träts sei­ner Ma­ler­kol­le­gen Karl Raupp (1837-1918), Lud­wig Meix­ner (1828-1885), Hein­rich He­ger (1832-1888), Au­gust Ce­sar (1837-1907) und Fried­rich Adolph Hor­ne­mann (1813-1890) so­wie das Dop­pel­bild­nis mit sich selbst und Franz Len­bach (1836-1904).

Ma­rées Ge­mäl­de „Schill´s To­d“ aus dem Jahr 1860, das die Ge­schich­te des preu­ßi­schen Of­fi­ziers Fer­di­nand von Schill (1776-1809) wäh­rend der Be­frei­ungs­krie­ge the­ma­ti­sier­te, wur­de 1861 in Köln aus­ge­stellt und von der Kri­tik ne­ga­tiv be­wer­tet. Dar­auf­hin zer­schnitt Ma­rées das Bild. Zeit sei­nes Le­bens be­geis­ter­te er sich nicht da­für, in der Öf­fent­lich­keit aus­zu­stel­len. „Die Ret­tung des preu­ßi­schen Ma­jors von Pla­ten“ wur­de da­ge­gen in der Baye­ri­schen Zei­tung vom 17.6.1862 po­si­tiv auf­ge­nom­men.

Im Som­mer 1863 ar­bei­te­te der Künst­ler im Auf­trag des rus­si­schen Ban­kiers, In­dus­tri­el­len und Mä­zens Ba­ron Alex­an­der von Stieg­litz (1814-1884) für den rus­si­schen Ma­ler und Kunst­agen­ten Wla­di­mir Di­mi­tri­je­witsch Swertsch­kow (1821-1888). Sei­ne neu­en Wer­ke, wie zum Bei­spiel „Bad der Di­a­na“ und „Rast am Wal­des­ran­d“ aus dem Jahr 1863 zei­gen Ein­flüs­se der fran­zö­si­schen Ma­le­rei des 18. und 19. Jahr­hun­derts.

Selbstporträt, Gemälde, Öl und Tempera auf Leinwand, um 1860/61. (CC BY-SA 4.0/Neue Pinakothek München/ Inv. Nr. 14548)

 

Graf Adolf Fried­rich von Schack (1815-1894), wohl­wis­send, dass der Künst­ler so gut wie mit­tel­los war, be­auf­trag­te Ma­rées und Len­bach mit Ko­pier­tä­tig­kei­ten in Flo­renz und Rom und kauf­te das Ge­mäl­de „Die Schwem­me“ 1864 wäh­rend ei­ner Aus­stel­lung im Kunst­ver­ein Mün­chen an. Das idyl­li­sche Bild zeig­te ei­ne All­tags­sze­ne an ei­ner von Bäu­men um­stan­de­nen Was­ser­sen­ke mit ei­nem Rei­ter auf ei­nem Schim­mel im Zen­trum so­wie wei­te­ren Pfer­den, Wä­sche­rin­nen und Was­ser­ge­flü­gel.

Im Ok­to­ber 1864 reis­te Ma­rées zu­sam­men mit Len­bach nach Rom und lernt auf dem Weg in Flo­renz An­selm Feu­er­bach (1829-1880) ken­nen. Durch die Ko­pier­tä­tig­keit fand ei­ne in­ten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung mit der Re­nais­sance­ma­le­rei statt. 1865 schick­te Ma­rées vier Ko­pi­en nach Mün­chen, die zu den Ori­gi­na­len ei­nen nur frei­en Be­zug ha­ben: „An­be­tung der Hir­ten“ nach Ti­zi­an, „Bild­nis ei­ner Frau mit Schlei­er“ nach Raf­fa­el, „Rei­ter­bild­nis von Kö­nig Phil­ipp IV.“ nach Ve­laz­quez und „Ma­don­na mit dem hl. Pe­trus und ei­nem Stif­ter“ nach Pal­ma Ve­ccio. Sie be­fin­den sich heu­te al­le in der Samm­lung Schack in der Neu­en Pi­na­ko­thek Mün­chen. Zwei wei­te­re Ge­mäl­de ver­kauf­te Schack wie­der, weil sie ihm nicht gut ge­nug wa­ren. Er wünsch­te sich klas­si­sche Ko­pi­en für sei­ne Samm­lung, doch Ma­rées woll­te sei­ne ei­ge­ne Bild­spra­che ent­wi­ckeln. 1868 kam es end­gül­tig zum Bruch des För­der­ver­hält­nis­ses, ver­mut­lich auch, da Ma­rées 1866 wohl in ei­ner tie­fen Schaf­fens­kri­se steck­te und kei­ne Wer­ke mehr ab­lie­fer­te.

Die Schwemme, Gemälde, Öl auf Leinwand, 1864. (CC BY-SA 4.0/Neue Pinakothek München/ Sammlung Schack, Inv. Nr. 11515)

 

Im Win­ter 1866 be­geg­ne­te Ma­rées in Rom dem deut­schen Kunst­theo­re­ti­ker Kon­rad Fied­ler (1841-1895), der sein be­deu­tends­ter Mä­zen wer­den soll­te. Zur glei­chen Zeit lern­te er den Bild­hau­er Adolf von Hil­de­brand (1847-1921) ken­nen. Zu ihm ent­wi­ckel­te sich ei­ne en­ge Freund­schaft.1868 ent­stand Ma­rées be­deu­ten­des ei­gen­stän­di­ges Bild „Rö­mi­sche Land­schaft I“, das sei­ne spä­te­ren Kom­po­si­tio­nen und sei­ne bild­ne­ri­sche Ent­wick­lung (idea­li­sier­te Fi­gu­ren­kon­stel­la­tio­nen in­ner­halb ei­ner räum­lich-kon­stru­ier­ten Na­tur) vor­weg­nahm.

1869 lud Fied­ler Ma­rées zu ei­ner mehr­mo­na­ti­gen Rei­se nach Frank­reich und Spa­ni­en ein. Im An­schluss ver­brach­te er ei­ne Wei­le zu­sam­men mit Hil­de­brand auf Fied­lers Gut Cros­te­witz bei Leip­zig. Es ist nicht über­lie­fert, ob er ab die­ser Zeit noch ein­mal ei­nes sei­ner Ge­mäl­de ver­kauft hat.

Die Ein­be­ru­fung in den Krieg mit Frank­reich un­ter­brach Ma­rées künst­le­ri­sche Tä­tig­keit nur kurz; er sie­del­te nach Ber­lin über und mie­te­te mit Hil­de­brand ein ge­mein­sa­mes Ate­lier.

1871-1872 reis­te er nach Dres­den und nahm Kon­takt zu der Fa­mi­lie Kop­pel auf. Der Dra­ma­turg und Jour­na­list Franz Kop­pel (1838-1920), ver­hei­ra­tet mit Ire­ne (1846-1921), Toch­ter des In­dus­tri­el­len Gus­tav Schäuf­fe­len (1798-1848) und spä­te­re Frau von Adolf von Hil­de­brand, be­saß in Dres­den ein gro­ßes Haus, das als Treff­punkt für Künst­ler und In­tel­lek­tu­el­le fun­gier­te. Auf Ver­an­las­sung Fied­lers wur­de für Ma­rées hier ein Gar­ten­pa­vil­lon als Ar­beits­stät­te er­rich­tet. In der Dres­de­ner Zeit ent­stan­den zahl­rei­che Por­träts, fran­zö­si­sche Ein­flüs­se mach­ten sich hier wei­ter be­merk­bar.

Porträt von Adolf Hildebrand, Öl und Tempera auf Leinwand, um 1868. (CC BY-SA 4.0/Neue Pinakothek München/ Inv. Nr. 13407)

 

Im Mai 1873 reis­te Ma­rées über Wien nach Nea­pel. Fied­ler hat­te ihm den Auf­trag ver­schafft, un­ter Mit­hil­fe von Hil­de­brand, der die de­ko­ra­ti­ven Ein­fas­sun­gen und die plas­ti­schen Ar­bei­ten (Re­li­ef­frie­se) über­nahm, die Bi­blio­thek der Zoo­lo­gi­schen Sta­ti­on dort von Ju­li bis No­vem­ber mit Fres­ken aus­zu­stat­ten. Das bio­lo­gi­sche For­schungs­in­sti­tut, 1872 durch den deut­schen Zoo­lo­gen An­ton Dohrn (1840-1909) ge­grün­det, wur­de im Sep­tem­ber 1873 für Wis­sen­schaft­ler und im Ja­nu­ar 1874 für das Pu­bli­kum ge­öff­net. Al­ler­dings fiel der Bau teu­rer aus als er­war­tet, so dass oh­ne die Hil­fe Fied­lers Ma­rées nicht hät­te be­zahlt wer­den kön­nen. Der Raum, des­sen drei ho­he Tü­ren sich zu ei­ner Log­gia mit Blick zur Blau­en Bucht öff­nen, war als ma­le­ri­sches und plas­ti­sches Ge­samt­kunst­werk kon­zi­piert und soll­te so­wohl dem Stu­di­um als auch der geis­ti­gen Ge­sel­lig­keit die­nen. Die groß­for­ma­ti­gen Fres­ken, die al­le vier Wän­de über­zo­gen, the­ma­ti­sier­ten Sze­nen aus dem Le­ben am Golf von Nea­pel (zum Bei­spiel: Aus­fahrt der Fi­scher, Ru­de­rer, abend­li­ches Bei­sam­men­sein vor ei­nem Wirts­haus, pa­ra­dies­ar­ti­ger Oran­gen­hain mit ru­hen­den Frau­en und Gärt­nern). Da­bei hat­te Ma­rées sich selbst, Hil­de­brand und auch an­de­re Freun­de in den Fi­gu­ren­ka­non ein­ge­ar­bei­tet. Vor­be­rei­tend ent­stan­den Skiz­zen in Öl, um die Ar­beit in dem feuch­ten Putz si­cher aus­füh­ren zu kön­nen. Fünf da­von schenk­te Hil­de­brand 1907 den Staat­li­chen Mu­se­en zu Ber­lin (Al­te Staats­ga­le­rie).

En­de No­vem­ber 1873 sie­del­te der Künst­ler nach Flo­renz über und be­zog zu­sam­men mit Hil­de­brand Ate­lier und Woh­nung im ehe­ma­li­gen Klos­ter S. Fran­ces­co di Pao­lo. Au­ßer­dem stand er in Kon­takt mit Ar­nold Böck­lin (1827-1901). Zur glei­chen Zeit hat­te sich Ire­ne Kop­pel in Hil­de­brand ver­liebt und die bei­den gin­gen ei­ne Be­zie­hung ein. Das ehe­ma­li­ge Klos­ter S. Fran­ces­co die Pao­lo wur­de 1874 von Hil­de­brand er­wor­ben und nach den Vor­stel­lun­gen Ire­nes kunst­voll ge­stal­tet. Der Druck von Fied­ler und Ma­rées auf Hil­de­brand, die­se Be­zie­hung zu be­en­den, konn­te nur kurz­fris­tig wir­ken, zu­mal Ma­rées wohl auch selbst für Ire­ne Emp­fin­dun­gen heg­te. Im Sep­tem­ber 1875 kam es zum Bruch mit Hil­de­brand. Bis zu die­sem Zeit­punkt konn­te Ma­rées in Flo­renz pro­duk­tiv ar­bei­ten; so schuf er in die­ser Zeit al­lein vier Selbst­bild­nis­se. 1875 zog Ma­rées nach Rom. 1877 er­folg­te die Schei­dung Ire­nes von Franz Kop­pel und ih­re Hoch­zeit mit Hil­de­brand in Flo­renz. Sein aus den Fres­ken ab­ge­lei­te­tes „Oran­gen­bil­d“ schenk­te Ma­rées Fied­ler 1879 nach­träg­lich zur Hoch­zeit. Es zeig­te Ire­ne Kop­pel, Hil­de­brand, und ein Por­trät von sich selbst als Oran­gen­pflü­cker. Zahl­rei­che sei­ner Bil­der wie­sen pro­gram­ma­tisch ei­ne Ver­knüp­fung mit sei­nem Le­ben auf. 1878 schuf Karl Be­gas d. J. (1845-1916) ei­ne Mar­mor­büs­te von Ma­rées (Ber­lin, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie).

Die Ruderer, Studie zu den Fresken in der Zoologischen Station Neapel, Gemälde, Öl auf Leinwand, Original in der Alten Nationalgalerie Berlin (A I 1024/4), 1873. (gemeinfrei)

 

Um 1880 konn­te er ei­nen Kreis von jun­gen Künst­lern um sich scha­ren, die sei­ne idea­lis­ti­schen Auf­fas­sun­gen und Theo­ri­en, ins­be­son­de­re sei­ne un­er­müd­li­che Schaf­fens­kraft be­wun­der­ten. Un­ter ih­nen be­fan­den sich un­ter an­de­rem Carl von Pidoll zu Quin­ten­bach (1847-1901), Ar­thur Volk­mann (1851-1941) so­wie die Bild­hau­er Pe­ter Bruck­mann (1850-1925) und Her­mann Prell (1854-1922). Im glei­chen Jahr mal­te er den „Dra­chen­tö­ter“, den hei­li­gen Ge­org zu Pferd, dem er sei­ne ei­ge­nen Zü­ge ver­lieh, als „Selbst­sti­li­sie­rung zum he­roi­schen Kämp­fer für die Kunst“[1] .

1885 be­rei­te­te Ma­rées sich auf sei­ne ers­te (und ein­zi­ge) Ein­zel-Aus­stel­lung in der re­nom­mier­ten Ga­le­rie Gur­litt in Ber­lin vor; sie ge­riet je­doch zum voll­stän­di­gen Miss­er­folg.

In sei­nen Kom­po­si­tio­nen wa­ren Ma­rées die An­ord­nung der Fi­gu­ren im Raum und die Schich­tung ein­zel­ner Raum­zo­nen wich­tig. Sei­ne nack­ten Ge­stal­ten, frei und oh­ne Mo­dell kom­po­niert, hat­ten kein in­di­vi­du­el­les Le­ben, son­dern ord­ne­ten sich ei­ner for­ma­len Ge­samt­kom­po­si­ti­on un­ter. Zeit­lo­sig­keit, Uni­ver­sa­li­tät, Ganz­heit, Ver­ständ­lich­keit in ei­ner idea­li­sier­ten Wirk­lich­keit mit Ver­zicht auf gro­ßen For­men­reich­tum hat­ten sei­ne Ge­mäl­de zum Ziel. Sein Spät­werk um­fass­te groß­for­ma­ti­ge Tri­pty­chen, wie „Das Gol­de­ne Zeit­al­ter I und II“ (1880), „Die Wer­bun­g“ (1881/82), „Die Hes­pe­ri­den“ (1885-1887) und „Die drei Rei­ter, hl. Ge­org, hl. Hu­ber­tus, hl. Mar­tin“ (um 1885).

Mit sei­nem kom­pro­miss­lo­sen Stre­ben nach Ver­voll­komm­nung stand sich Ma­rées in der Aus­füh­rung sei­ner Wer­ke al­ler­dings selbst im Weg. Fied­ler er­in­ner­te sich: In sei­ner Werk­statt fand man sich um­ge­ben von den Zeug­nis­sen ei­nes un­ab­läs­si­gen Rin­gens; […] Und doch stand man kei­nem vol­len Ge­lin­gen ge­gen­über. [...] Nir­gends be­geg­ne­te man der­je­ni­gen Voll­endung, in der al­lein in­mit­ten ei­nes all­ge­mei­nen geis­ti­gen Schaf­fens für das ein­zel­ne Werk die Bürg­schaft dau­ern­den Wer­tes lie­gen kann.[2] Ma­rées Un­zu­läng­lich­keit bild­ne­ri­scher Ver­wirk­li­chung, die sich in häu­fi­gen Über­ma­lun­gen äu­ßer­te, be­zeich­ne­te Blum als "lang­sam und zäh zer­ma­lend"[3]. Mit sei­nem nach au­ßen ge­kehr­ten Selbst­be­wusst­sein, sei­ner un­er­schüt­ter­li­chen Zu­ver­sicht und sei­ner Re­sis­tenz ge­gen jeg­li­che Kri­tik un­ter­lag er ei­ner Selbst­täu­schung ge­gen­über der ei­ge­nen Qua­li­tät. Dass er auch zu Selbst­zwei­feln fä­hig war, be­wie­sen ei­ni­ge Brie­fe an Fied­ler, aber im We­sent­li­chen glaub­te er an sich selbst[…] es ist et­was in mir, was mich im­mer und im­mer wie­der über je­den trau­ri­gen Zu­stand er­hebt. Und die­ses Et­was ist nichts an­de­res, als mei­ne un­mit­tel­ba­re Be­zie­hung zum Rei­che der Er­schei­nung, wenn auch nicht ein Ver­ste­hen, so doch ein fort­wäh­ren­des Füh­len und Ah­nen des Gött­li­chen, oder wie man es nen­nen will, in der Schöp­fung.[4] 

Ma­rées starb 1887 in Rom nach kur­zer schwe­rer Krank­heit. Ei­nes sei­ner letz­ten Bil­der, „Die Ent­füh­rung des Ga­ny­me­d“, dürf­te ein pro­gram­ma­ti­sches Mo­tiv im Hin­blick auf sei­nen Tod ge­we­sen sein. Ma­rées wur­de auf dem pro­tes­tan­ti­schen Fried­hof in Rom be­stat­tet. Die­ser liegt im Stadt­teil Testac­cio in der Via Caio Ces­tio 6, an der Por­ta San Pao­lo und der Ces­ti­us-Py­ra­mi­de. Der in an­ti­kem Stil re­li­e­far­tig ge­stal­te­te Grab­stein zeigt ei­ne von ei­nem Kna­ben be­glei­te­te Göt­tin, die dem Künst­ler die Hand reicht und ihm ei­nen Lor­beer­kranz über sein Haupt hält.

Die Wür­di­gung von Ma­rées Leis­tung setz­te nach 1900 mit zwei Aus­stel­lun­gen in Ber­lin und Mün­chen ein. 1904 wid­me­te sei­ne Hei­mat­stadt Wup­per­tal be­reits zwei Jah­re nach der Grün­dung des Von-der-Heydt-Mu­se­ums dem Künst­ler hier ei­ne Ein­zel­aus­stel­lung. Das Mu­se­um be­sitzt 41 Zeich­nun­gen, 24 Ge­mäl­de und das Skiz­zen­buch zu den Nea­po­li­ta­ni­schen Fres­ken, das als Fak­si­mi­le 1987 vom Mu­se­um ver­öf­fent­licht wur­de. Ein wei­te­res gro­ßes Kon­tin­gent an Wer­ken be­sitzt die Baye­ri­sche Staats­ge­mäl­de­samm­lung, Neue Pi­na­ko­thek. Grund­stock bie­ten die Samm­lung Schack und der Ge­mäl­de­be­stand von Fied­ler. 

Ma­rées Mä­zen Kon­rad Fied­ler ver­öf­fent­lich­te zwei Jah­re nach Ma­rées Tod ei­ne Schrift zum An­denken, Ma­rées An­hän­ger und Schü­ler, Carl von Pidoll (1847-1901), 1890 die Pu­bli­ka­ti­on „Aus der Werk­statt ei­nes Künst­lers.“ 1909 gab Ju­li­us Mei­er-Grae­fe (1876-1935) ei­ne drei­bän­di­ge Ge­samt­aus­ga­be des Ma­rées-Wer­kes her­aus, Ge­mäl­de, Zeich­nun­gen so­wie die Edi­ti­on sei­ner Brie­fe.

In sei­nem mehr­jäh­ri­gen Wohn­ort Mün­chen und in sei­nem Ge­burts­ort Wup­per­tal-El­ber­feld ist ei­ne Stra­ße nach ihm be­nannt.

Porträtbüste Hans von Marées von Carl Begas dem Jüngeren, 1878. (gemeinfrei)

 

Werke (in Auswahl)

Bild­nis Karl Raupp, 1859, Öl/Lw., 23,1 x 24 cm, (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Selbst­por­trät, um 1860/61, Öl und Tem­pe­ra/Lw., 41,4 x 33,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Por­trät des Va­ters, Adolf von Ma­rées, 1862, Öl/Lw., 78 x 55,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Rast der Dia­na, 1863, Öl/Lw., 96,2 x 136 cm, (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen, Slg. Schack).

Rast am Wal­des­rand, 1863, Öl/Lw., 113 x 147 cm (Staat­li­che Kunst­hal­le Karls­ru­he).

Dop­pel­bild­nis Ma­rées und Len­bach, 1863, 54,3 x 62 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen, Slg. Schack).

Die Schwem­me, 1864, Öl/Lw., 64,8 x 96,3 cm, (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen, Slg. Schack).

Bild­nis ei­ner Frau mit Schlei­er (nach Raf­fa­el), 1865, Öl/Lw., 83,4 x 60,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Ma­don­na mit dem hl. Pe­trus und ei­nem Stif­ter (nach Pal­ma Ve­ccio), 1865, Öl/Lw., 83,3 x 108 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

An­be­tung der Hir­ten (nach Ti­zi­an), 1865, Öl/Lw., 95,3 x 114,2 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Rei­ter­bild­nis von Kö­nig Phil­ipp IV. (nach Ve­las­quez), 1865, Öl/Lw., 126,5 x 91,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Vom We­sen Ar­ka­di­ens („Eklo­ge“), um 1868, Öl/Lw., 100 x 75 cm (Köln, Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um).

Por­trät Adolph von Hil­de­brand, um 1868, Öl u. Tem­pe­ra/Lw., 49 x 37,6 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Por­trät Adolph von Hil­de­brand, um 1868, Öl/Lw., 71 x 58 cm (Wup­per­tal, Von-der-Heydt-Mu­se­um).

Rö­mi­sche Land­schaft I, 1868, Misch­tech­nik/Lw., 152,8 x 109,8 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen, Slg. Schack).

Der Ma­ler Au­gust Ce­sar, Öl/Kar­ton 41 x 28 cm (Ös­ter­rei­chi­sche Ga­le­rie Bel­ve­de­re).

Hil­de­brandt und sein Eng­lisch­leh­rer Charles Grant, 1870, Misch­tech­nik/tex­ti­ler Bild­trä­ger, 107 x 81 cm (Kunst­hal­le Mann­heim).

Selbst­bild­nis, um 1870, Öl/Lw., 72 x 54,8 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Por­trät des Bru­ders, Ge­org von Ma­rées, 1871, Öl und Tem­pe­ra/Lw., 110,7 x 79,2 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Selbst­bild­nis mit gel­bem Hut, 1874, Öl/Lw., 97 x 80 cm (Ber­lin, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie).

Drei Jüng­lin­ge un­ter Oran­gen­bäu­men, 1873/75, Öl u. Tem­pe­ra/Holz, 187,5 x 145 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Die Ru­de­rer, 1873, Öl/Lw., Ent­wurf für ein Fres­ko in der zoo­lo­gi­schen Sta­ti­on in Nea­pel, 136 x 166,5 cm (Staat­li­che Mu­se­en Ber­lin, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie).

Die Frau zwi­schen den bei­den Män­nern, um 1875, Öl u. Tem­pe­ra/Holz, 49,2 x 34,3 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Das Gol­de­ne Zeit­al­ter I, 1880, Öl und Tem­pe­ra/Holz, 189,5 x 145 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Das Gol­de­ne Zeit­al­ter II, 1880, Öl u. Tem­pe­ra/Holz, 189 x 149,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Der Dra­chen­tö­ter, 1880, Öl und Tem­pe­ra/Holz, 65 x 45 cm (Ber­lin, Staat­li­che Mu­se­en, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie).

Pfer­de­füh­rer und Nym­phe, 1881/82, Öl und Tem­pe­ra/Holz, 188,5 x 145 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Selbst­bild­nis, um 1882/83, Öl/Holz, 99,2 x 63,7 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Die Wer­bung („Das Lie­bes­paar“, „Die Hoch­zeit“, „Nar­zis­s“), um 1885, Tri­pty­chon, Flü­gel: Öl und Tem­pe­ra/Lw., Mit­tel­ta­fel: Laub­holz, rech­ter Flü­gel 184 x 61,3 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Hes­pe­ri­den, 1885-1887, Öl u. Tem­pe­ra/Holz, Tri­pty­chon, je Flü­gel 175 x 88,5 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Die Drei Rei­ter II, Hl. Ge­org, um 1885, Öl und Tem­pe­ra/Lw., 183,3 x 117,2 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Die Drei Rei­ter II, Hl. Hu­ber­tus, um 1885, Öl und Tem­pe­ra/Lw., 182,7 x 117,7 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Die Drei Rei­ter II, Hl. Mar­tin, um 1885, Öl und Tem­pe­ra/Lw., 183,2 x 117,2 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Sin­gen­de Mäd­chen, um 1885, Pas­tell­krei­de/Lw., 100,4 x 67,6 cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen).

Ent­füh­rung des Ga­ny­med, 1887, Öl/Lw., 99,7 x 81cm (Neue Pi­na­ko­thek Mün­chen). 

Literatur (in Auswahl)

Blum, Gerd, Hans von Ma­rées – der Ma­ler als Mo­dell, Werk und Wir­kung zwi­schen Molt­ke und Duch­amps, in: We­sen­berg, An­ge­li­ka (Hg.), Hans von Ma­rées – Sehn­sucht nach Ge­mein­schaft, Ka­ta­log der Aus­stel­lung Staat­li­che Mu­se­en zu Ber­lin, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie, Dres­den 2008, S. 17-25.

De­gen­hart, Bern­hard, Ma­rées Zeich­nun­gen, Ber­lin 1953.

De­gen­hart, Bern­hard, Die Fres­ken in Nea­pel, Mün­chen 1958.

Von Ei­nem, Her­bert, Hans von Ma­rées, Mün­chen 1967.

Fied­ler, Kon­rad, Hans von Ma­rées, sei­nem An­denken ge­wid­met, Mün­chen 1889, Neu­druck 1947.

Ger­lach-Lax­ner, Uta, Hans von Ma­rées, Ka­ta­log sei­ner Ge­mäl­de, Mün­chen 1980.

Jus­ti, Lud­wig, Hans von Ma­rées, Ber­lin 1921.

Kutt­ner, Erich, Hans von Ma­rées – Die Tra­gö­die des deut­schen Idea­lis­mus, Dres­den 1958.

Lieb­mann, Kurt, Hans von Ma­rées, Dres­den 1972.

Mei­er-Grae­fe, Ju­li­us, Hans von Ma­rées – sein Le­ben und Werk, 3 Bde, Mün­chen 1909-1910.

Mei­er-Grae­fe, Ju­li­us, Der Zeich­ner Hans von Ma­rées, Mün­chen 1925.

Schü­rer, Os­kar, Der Bild­raum in den spä­ten Wer­ken des Hans von Ma­rées, Zeit­schrift für Äs­the­tik und all­ge­mei­ne Kunst­wis­sen­schaft 28 (1934), S. 175-183.

We­ge­ner, Franz, Der Vedre­mo-Bund – Con­rad Fied­ler, Hans von Ma­rées und Adolf von Hil­de­brand, Glad­beck 2016.

Zieg­l­gäns­ber­ger, Ro­man, Hans von Ma­rées als Bild­nis­ma­ler, Frank­furt/Main 2001.

Online

Blum, Gerd, Hans von Ma­rées, Au­to­bio­gra­fi­sche Ma­le­rei zwi­schen My­thos und Mo­der­ne, Ber­lin und Mün­chen 2005 [On­line].

Ger­lach-Lax­ner, Ute, Ma­rées, Hans von, Neue Deut­sche Bio­gra­phie (NDB), Bd. 16, Ber­lin 1990, S.145 f. [On­line].

Gro­te, Lud­wig, Hans von Ma­rées, Die Fres­ken in Nea­pel, Stutt­gart 1958 [On­line].

Hol­land, Hya­c­inth, Ma­rées, Hans von, All­ge­mei­ne Deut­sche Bio­gra­fie, Bd. 52, Leip­zig 1902, S. 190-196 [On­line].

Pidoll, Carl von; Aus der Werk­statt ei­nes Künst­lers, Lu­xem­burg 1890, Neu­dru­cke Lu­xem­burg 1908, Augs­burg 1930, Nor­der­stedt 2016 und Lon­don 2018 [On­line].

Römische Landschaft I, Gemälde, Mischtechnik auf Leinwand,1868. (CC BY-SA 4.0/Neue Pinakothek München/ Inv. Nr. 7873)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Steger, Denise, Hans von Marées, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/hans-von-mar%25C3%25A9es/DE-2086/lido/68650ace55cca5.42559227 (abgerufen am 22.01.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 15.07.2025