Zu den Kapiteln
Helene Wieruszowski war eine deutsch-amerikanische Mediävistin und Bibliothekarin, die 1934 vor der Verfolgung durch das NS-Regime zunächst nach Spanien, dann Italien und schließlich in die USA floh. Sie wirkte vor ihrem Exil an der Universitätsbibliothek Bonn und hatte nach dem Erlangen der US-amerikanischen Staatsbürgerschaft eine Professur für Geschichte am City College in New York inne. Damit war sie die erste Frau überhaupt in dieser Position.
Helene Wieruszowski wurde am 13.12.1893 in Elberfeld (heute Wuppertal) als eine von vier Töchtern (und einer kurzen Reihe weiterer, offenbar früh verstorbener Kinder) von Alfred Wieruszowski (1857-1945) und Jenny Wieruszowski, geborene Landsberg (1866-1919) geboren. Ihr Vater war Senatspräsident des Oberlandesgerichts Köln und später Honorarprofessor an der Universität zu Köln. Stammte sie zu beiden Seiten aus jüdischen Familien, so waren die Eltern schon vor ihrer Geburt zum Protestantismus konvertiert. Wieruszowski wurde entsprechend evangelisch getauft und erzogen. Ab 1930 war sie nach Aussage ihrer Schwester Ruth konfessionslos.
Als Kind progressiv eingestellter und die Frauenbildung unterstützender Eltern wuchs Wieruszowski in Köln-Lindenthal auf, wo sie zuletzt das Humanistische Mädchengymnasium besuchte. Ab 1913 folgte das Studium der Geschichte, Germanistik, Philosophie und Philologie in Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Bonn und Berlin. Im Jahr 1918 wurde sie in Bonn beim Mediävisten Wilhelm Levison (1876-1947) promoviert. 1919 legte sie die Prüfung für das Höhere Lehramt ab, musste den anschließenden Vorbereitungsdienst aufgrund des Todes ihrer Mutter und anderer Umstände aber 1920 wieder abbrechen. Es folgt eine Übergangszeit, in der sie nebenbei für die „Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“ sowie an der Kölner Königin-Luise-Schule tätig war. Nach Studien in Rom beziehungsweise dem Vatikan hatte sie 1925/26 ein siebenmonatiges Stipendium der „Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft“ erhalten. Die Möglichkeit zur Habilitation an der Universität zu Köln wurde ihr aufgrund ihres Geschlechts verwehrt.
Ihre Laufbahn als Bibliothekarin trat sie im November 1926 mit einem Volontariat an der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin an. Nach bestandener Prüfung begann sie im November 1928 ihren Dienst an der Universitätsbibliothek Bonn. Ihren Eintritt in den Bibliotheksdienst bezeichnete sie selbst als Kompromiss zwischen der Notwendigkeit, als alleinstehende Frau eine Lebensgrundlage zu erwirtschaften, und dem Bedürfnis, weiterhin im Rahmen der Möglichkeiten wissenschaftlich tätig zu sein. Ihrer Arbeit in Bonn ging sie zunächst als außerplanmäßige, seit November 1930 als verbeamtete Bibliothekarin nach. Damit war sie die erste Frau in dieser Position an der Bonner Universitätsbibliothek. 1929/30 war sie zur Fertigstellung ihrer geplanten Habilitationsschrift noch für ein Jahr beurlaubt. Vermutlich 1932 wurde aber auch ihr zweiter Habilitationsversuch, nun an der Universität Bonn[1] , abgelehnt. Von Bibliotheksdirektor Erich von Rath (1881-1948), der sich sowohl für ihre wissenschaftlichen Arbeiten als auch später bei ihrer Entlassung im Rahmen seiner Möglichkeiten für sie einsetzen sollte, wurde ihr Wirken, unter anderem bei der Katalogisierung mittelalterlicher Handschriften und Urkunden, sehr geschätzt.
Von den durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933 ermöglichten personellen Säuberungen am Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft war Wieruszowski als einzige in der Universitätsbibliothek Bonn wirkende Person betroffen. Nach einer längeren Phase der Beurlaubung seit April 1933 nahm sie ab Juni ihre Arbeit zunächst wieder auf, bevor sie abermals ein Urlaubsgesuch stellte; ein Vorgang, der hinsichtlich der dahinterstehenden unklaren Motive unterschiedlicher Akteure nur äußerst vorsichtig bewertet werden kann. Mit Schreiben des Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 30.9.1933 wurde sie in den Ruhestand versetzt und zum 1.2.1934 entlassen. Ein Ruhegehalt wurde ihr nicht gewährt. Nichtsdestoweniger wurde ihr durch Erich von Rath, mit dem sie auch nach 1934 weiter in Kontakt stand, ein wohlwollendes Zeugnis ausgestellt.
Wieruszowski gelang die Flucht ins Exil: Hatte sie sich noch vergeblich darum bemüht, Arbeiten für die „Monumenta Germaniae Historica“ zu übernehmen, so führte sie ihr Weg zunächst nach Spanien (Barcelona und Madrid), das sie jedoch aufgrund des dortigen Bürgerkriegs, in dem auch ihre wissenschaftliche Bibliothek zerstört wurde, wieder verließ. Zwischen August 1936 und März 1937 wagte sie noch einmal die gefährliche Reise nach Deutschland und besuchte dort Verwandte wie ihre Tante Anna Landsberg (1878-1938) in Bonn oder frühere Lehrer. Hiernach wandte sie sich allerdings nach Italien, wo sie in Florenz arbeitete. Nach langer Wartezeit konnte sie 1940 ein Visum zur Einreise in die USA erhalten, durchlebte dort bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch eine von finanzieller und beruflicher Unsicherheit sowie vor allem von Sorge um ihre in Europa befindliche Familie geprägte Zeit. In dieser Phase gelang es ihr aber trotz der genannten Widrigkeiten, zwei ihrer Schwestern finanziell zu unterstützen, CARE-Pakete ins Rheinland zu senden oder sogar – angesichts der Zerstörung der Universitätsbibliothek Bonn im Jahr 1944 – den Versuch einer Büchersammlung zu unternehmen.
Nach ihrer Einbürgerung in die USA im Jahr 1945 besserte sich ihre berufliche Situation allmählich: Zunächst nahm sie befristete Lehraufträge wahr, unter anderem am Brooklyn College. Sie entkam diesen prekären Bedingungen, als sie 1949 eine Beschäftigung als Assistant Professor am City College in New York erhielt. Seit 1957 bis zu ihrer Emeritierung 1961 hatte sie dort eine Stelle als Associate Professor inne. In Deutschland wollte sie nicht mehr arbeiten; das ihr und ihrer Familie angetane Unrecht und die gegenüber den USA empfundene Dankbarkeit wogen ihrer eigenen Aussage nach zu schwer. Die Bonner Universitätsbibliothek bemühte sich zwar – eingebunden in allgemeine Bemühungen der Universität in Bezug auf vertriebene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler –, ihr eine Rückkehr an die UB zu ermöglichen, doch schloss Wieruszowski seit der zweiten Hälfte der 1940er Jahre einen Neubeginn in Bonn und im Bibliotheksdienst kategorisch aus. Nichtsdestoweniger wagte sie im Sommersemester 1948 trotz großer Bedenken die Annahme einer Gastprofessur an der Universität Heidelberg, kehrte aber hiernach endgültig in die USA zurück. Nach ihrer Emeritierung war Wieruszowski noch weiter wissenschaftlich tätig: in der Medieval Academy of America und lehrend an der New School of Social Research in New York (1962-1966). Entschädigung für das in Deutschland erlittene Unrecht erhielt sie erst seit 1951 beziehungsweise 1965.
Jenny Wieruszowski, Porträtfoto, undatiert. (Privatbesitz)
Einige ihrer Verwandten waren dem Holocaust entkommen. Ihre ebenfalls emigrierten Schwestern Ruth, Marie und Lili sah sie erst 1950 in Basel wieder. Andere waren der Verfolgung durch den NS-Staat zum Opfer gefallen, allen voran ihr noch 1944 zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Frieda Fischer (1874-1945) aus Köln geflohener Vater oder ihre in Bonn ansässige Tante Anna Landsberg und deren Sohn Paul Ludwig (1901-1944).
Während ihres Exils war sie mit den in den USA lebenden Emigrantinnen und Emigranten wie Hannah Arendt (1906-1975), Emmy Heller (1886-1956), mit der sie gemeinsam am Brooklyn College unterrichtet hatte, oder Paul Oskar Kristeller (1905-1999) gut vernetzt, stand aber auch mit zahlreichen Korrespondentinnen und Korrespondenten in Deutschland und besonders im Rheinland weiterhin in Kontakt. Hervorgehoben seien mehrere ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universitätsbibliothek Bonn, denen Wieruszowski persönlich verbunden war oder die sie aufgrund des Wiedergutmachungsverfahrens kontaktierte. Eine besondere Position nahm der Bonner Kirchenhistoriker Wilhelm Neuß ein, der eine spezielle Vertrauensstellung genoss, da er zusammen mit Superintendent Emil Schiller (1865-1945) aus Bad Godesberg Wieruszowskis Vater und Stiefmutter 1944 zur Flucht verholfen hatte.
1968 gratulierte ihr der Dekan Prof. Dr. Heinrich Lützeler (1902-1988) seitens der Universität Bonn zu ihrem 50-jährigen Promotionsjubiläum. Ebenfalls in der Nachkriegszeit wurde Wieruszowski zum Ehrenmitglied der „Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde“ ernannt. 1976 sandte sie – durch Krankheit verhindert – ein Grußschreiben an die Universität nach Bonn, das anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 100. Geburtstag ihres Doktorvaters Wilhelm Levison verlesen wurde.
Zuvor hatte sie sich bereits im Jahr 1971 in der Schweiz niedergelassen. Helene Wieruszowski lebte in Sorengo bei Lugano, verbrachte aber in ihren letzten Lebensjahren auch längere Phasen in Rom.
Schon in Helene Wieruszowskis Kindheit und Jugend, die sie im von mittelalterlichen Kirchen, Gebäuden und Kunst geprägten Köln verbrachte, wurde der Grundstein für ihr späteres wissenschaftliches Wirken im Feld der mittelalterlichen Geschichte gelegt. Nach der von Wilhelm Levison in Bonn betreuten Dissertation zur Zusammensetzung des frühmittelalterlichen gallischen und fränkischen Episkopats (1922) – ein Thema, das gut mit Levisons eigenem Forschungsfeld, Quellen zu frühmittelalterlichen fränkischen Bischöfen, korrespondierte – versuchte sie, biographischen Rückschlägen zum Trotz, weiter im ihr möglichen Rahmen forschend tätig zu bleiben: Unter Leitung von Hermann Aubin wirkte sie am „Geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz“ mit und fertigte eine Quellensammlung zur Entwicklung des Königsguts und des Reichsguts während des Mittelalters an, die auf Karten und in einer schriftlichen Zusammenfassung festgehalten wurden. Ein Auszug daraus liegt gedruckt vor (1926).
Trotz biographischer Verwurzelung im Rheinland sollte dies ihr einziger intensiverer Berührungspunkt mit der rheinischen Geschichte bleiben. In den folgenden Jahren wandte sich Wieruszowski – unter dem Eindruck des ideengeschichtlichen Ansatzes ihres Lehrers Friedrich Meinecke (1862-1954) – der Reichsgeschichte, besonders aber der Geschichte des mittelalterlichen Südwesteuropa zu, die sie ihr ganzes Leben begleiten sollte. Während ihres Bibliotheksvolontariats in Berlin und anschließender Arbeit als Bibliothekarin in Bonn erforschte sie – mit Unterbrechungen – die Streitschriften Kaiser Friedrichs II. und des französischen Königs Philipps des Schönen. Zur Fertigstellung dieser Arbeiten (und der Anfertigung themenrelevanter Rezensionen) ließ sie sich eigens beurlauben. Nach den erfolglosen Versuchen der Habilitation in Köln und Bonn wurde diese Arbeit schließlich 1933, kurz vor Wieruszowskis Flucht ins Exil, ohne den ihr von ihrer Autorin beigemessenen Zweck erfüllt zu haben, publiziert. Das Vorwort datiert auf Juli 1933, als das Ende ihrer Arbeit in der Bonner Universitätsbibliothek bereits absehbar war.
Ein Jahr zuvor war ihre Arbeit zur „Historia Welforum“ erschienen (1932). Hierin stellte sie eine neue Überlieferung dieser Quelle, eine Handschrift aus dem Kloster Altomünster, vor, revidierte die bis dato vorherrschende Annahme zur besten Textüberlieferung und stellte neue Überlegungen zum Verfasser an. Die fragliche Handschrift wurde damals in der Preußischen Staatsbibliothek Berlin aufbewahrt,[2] an der sie auch ihr Bibliotheksvolontariat absolviert hatte, woraus sich unter Umständen ihre Beschäftigung mit dem Manuskript erklären lässt.
Die hiernach in Angriff genommenen Arbeiten spiegeln in dramatischer Weise sprachlich und inhaltlich ihre Odyssee durch Europa bis zur mühsam erkämpften Konsolidierung ihrer Situation in den USA wider; diese Forschungen prägten Wieruszowskis wissenschaftliches Wirken auch für die darauffolgenden Jahre. Sie arbeitete, wie schon in Berlin, mit den ihr am jeweiligen Aufenthaltsort (Barcelona, Madrid, Florenz etc.) zur Verfügung stehenden Quellen oder zu regionalen Themen: So beschäftigte sie sich mit Arbeiten über die Königreiche Aragón und Sizilien. Von ihrer großen Kenntnis- und Interessenspanne zeugen ferner Arbeiten zur italienischen Kultur um Dante Alighieri und zur spätmittelalterlichen Rhetorik beziehungsweise der mittelalterlichen Briefkultur. Ihr großes Projekt der Edition der Briefe des Mino da Colle konnte sie jedoch nicht mehr fertigstellen.[3]
An kleineren Schriften sind besonders die Nachrufe für ihre 1956 verstorbene Freundin Emmy Heller im „Deutschen Archiv“ sowie den Mediävisten Theodor Ernst Mommsen (1905-1958), der 1958 Suizid beging, oder das 1977 erschienene Grußwort zum 100. Geburtstag Wilhelm Levisons hervorzuheben. Ebenso trug sie drei Artikel zur erstmals in den 1970er Jahren in englischer Sprache erschienenen „Encyclopaedia Judaica“ bei.
Alfred Wieruszowski, Porträtfoto, undatiert. (Privatbesitz)
In den USA prägte sie über mehr als 20 Jahre die Forschung in der mittelalterlichen Geschichte mit. Aber auch an „der Reeducation der deutschen Bevölkerung nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges“[4] beteiligte sie sich durch die Mitarbeit an Lehrbüchern oder kurzzeitig auch die eigene Lehre (Heidelberg, Sommersemester 1948). Vor allem der Lehre, weniger der stetigen beziehungsweise hochfrequenten Publikationstätigkeit maß Wieruszowski große Bedeutung zu. Ausdruck dessen ist eine zusammen mit Stewart C. Easton (1907-1989) verfasste Einführung beziehungsweise ein Studienbuch mit Quellenübersetzungen zur Zeit Karls des Großen, das aber weit darüber hinaus ausgreift. Mit diesem Werk sollte sie 1961 noch einmal zu den Themen des Anfangs ihres wissenschaftlichen Wirkens zurückkehren. Ein in derselben Reihe erschienener Band zur mittelalterlichen Universität ist in ebendiesen Kontext einzuordnen.
1971 veröffentlichte sie, ursprünglich angeregt durch den Verleger Giuseppe de Luca (1898-1962), einen umfangreichen Sammelband, der insgesamt 20 ihrer verstreut erschienenen Aufsätze und sieben ihrer Rezensionen (1932-1968), enthielt. Diesen versah sie mit einer bedeutenden autobiographischen Einleitung.
Resümierend betrachtet war Helene Wieruszowski vor allem und stets Mediävistin – als Lehrerin und Forscherin. Die Arbeit in der Bibliothek war ein den Zeitumständen geschuldetes Vehikel, das Notwendige mit dem Angenehmen zu verbinden. Ihr wissenschaftliches Arbeiten wurde geprägt von den äußeren Umständen ihres Exils und ihrer eigenen Hartnäckigkeit und Leidensfähigkeit. Dank ihrer Zielstrebigkeit verlor sie ihr Ziel, die Lehre und Forschung, trotz psychischer und physischer Beeinträchtigung aufgrund ihrer und der Verfolgung ihrer Familie nie aus den Augen. Wieruszowski führte ein von großen Hemmnissen geprägtes, aber doch in wissenschaftlicher wie menschlicher Hinsicht im höchsten Maße inspirierendes Leben.
Helene Wieruszowski in älteren Jahren, undatiert. (Privatbesitz)
Sie verstarb am 9.11.1978 in Sorengo. Für Helene Wieruszowski wurde am 13.12.2023 vor ihrer ehemaligen Wirkungsstätte in Bonn ein Stolperstein verlegt.
Nachlass / Archivalien
Biblioteca cantonale Lugano. [Erhielt 1976 den Großteil der Spezialbibliothek Wieruszowskis].
Center for Jewish History New York, Erinnerungen an Alfred Wieruszowski (1857-1945) von Ruth Pincus-Wieruszowski. [auch Quelle zu Helene Wieruszowski Online]; und Jenny Wieruszowski, „Mutters Kindertagebücher“. [1894-1918, Hauptquelle zu Helene Wieruszowskis Kindheit und Jugend Online].
Deutsches Historisches Institut Rom, Archiv, N 21 Helene Wieruszowski. [Privater Nachlass; Findbuch von Wolfgang Jürries, 2016: Online]
Landesarchiv NRW Duisburg, Abteilung Rheinland, BR 3005 Nr. 21445 und BR 3006 Nr. 33599. [Entschädigungsakten]; ebenda, BR 336 Nr. 29114 [Rückerstattung von Kontoguthaben u. Wertpapieren]; ebenda, Gerichte Rep. 266 Nr. 7026 und 7027. [Landgericht Köln, Wiedergutmachung]
NS-DOK Köln, Sammlung zur Familie Wieruszowski, Eingangsnr. N 2201. [Unverzeichnete Kopien und Internetausdrucke]
Universitätsarchiv Bonn, PA 11677 (Helene Wieruszowski). [Personalakte nur i. B. a. das Wiedergutmachungsverfahren]
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Altakten, Id, Fasz. 18. [Personalakte Online] In der ULB Bonn werden in verschiedenen anderen Beständen zahlreiche weitere Schriftstücke Wieruszowskis und ihrer Familie verwahrt.
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn, Mittlere Akten, G 3 [unter anderem Akten zum Wiedergutmachungsverfahren Wieruszowskis, 1947-1952].
Schriften (Auswahl)
Neben der unten aufgeführten Auswahl an Monographien und unselbstständigen Beiträgen veröffentlichte Wieruszowski regelmäßig Rezensionen, etwa in der Zeitschrift der „Medieval Academy of America ‚Speculum‘“ beziehungsweise vor ihrer Emigration auch in den „Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein“ (1930) oder in der von ihrem Lehrer Meinecke herausgegebenen „Historischen Zeitschrift“ (1926 u.1935).
Die Zusammensetzung des gallischen und fränkischen Episkopats bis zum Vertrag von Verdun (843) mit besonderer Berücksichtigung der Nationalität und des Standes. Ein Beitrag zur fränkischen Kirchen- und Verfassungsgeschichte, in: Bonner Jahrbücher 127 (1922), S. 1-83. [Dissertation]
Reichsbesitz und Reichsrechte im Rheinland (500–1300), in: Bonner Jahrbücher 131 (1926), S. 114-153.
Neues zu den sog. Weingartener Quellen der Welfengeschichte, in: Neues Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 49 (1932), S. 56-85.
Vom Imperium zum nationalen Königtum. Vergleichende Studien über die publizistischen Kämpfe Kaiser Friedrichs II. und König Philipps des Schönen mit der Kurie (Historische Zeitschrift, Beiheft 30), München 1933. [potentielle Habilitationsschrift]
Ramon Lull et l'idée de la Cité de Dieu. Quelques nouveaux écrits sur la croisade, in: Estudis franciscans. Revista trimestral de cultura eclesiàstica i franciscanisme 47 (1935), S. 87-110. [Als Sonderdruck mit Widmung vorh. in der ULB Bonn, Sign. 51/3989, Online]
Ars dictaminis in the time of Dante, in: Medievalia et humanistica. Studies in medieval and Renaissance culture 1 (1943), S. 95-108.
Art and the Commune in the Time of Dante, in: Speculum. An Journal of Medieval Studies 19, 1 (1944), S. 14-33.
Das Mittelalterbild in Goethes „Helena“, in: Monatshefte für Deutschen Unterricht. Official Organ of the German Section of the Modern Language Association of the Central West and South 36, 2 (1944), S. 65-81.
Arezzo as a center of learning and letters in the thirteenth century, in: Traditio. Studies in ancient and medieval history, thought and religion 9 (1953), S. 321-391.
Nachruf Emmy Heller, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 15 (1959), S. 611 f.
Nachruf Theodor Ernst Mommsen, in: Historische Zeitschrift 187 (1959), S. 481 f.
Zusammen mit Stewart C. Easton, The Era of Charlemagne. Frankish State and Society (Van Nostrand Anvil Books 54), Princeton (N.J.) 1961.
The Medieval University. Masters, Students, Learning (Van Nostrand Anvil Books 90), Princeton (N.J.) 1966.
Rhetoric and the Classics in Italian Education of the thirteenth Century, in: Studia Gratiana, post octava Decreti saecularia auctore consilio commemorationi Gratianae instruendae 11 (1967), S. 169-207.
Politics and Culture in Medieval Spain and Italy (Storia e letteratura. Raccolta du Studi e Testi 121), Rom 1971.
Jacob Burckhardt (1818-1897) and Vespasiano da Bisticci (1422-1498), in: Mahoney, Edward P. (Hg.), Philosophy and Humanism. Renaissance Essays in Honor of Paul Oskar Kristeller, Leiden 1976, S. 387-405.
Grußbotschaft, in: In Memoriam Wilhelm Levison (1876–1947). Reden und Grußbotschaften bei der Gedenkfeier der Universität zum 100. Geburtstag am 31. Mai 1976 (Alma Mater. Beiträge zur Geschichte der Universität Bonn 40), Köln u. Bonn 1977, S. 53 f.
Artikel „Kantorowicz, Ernst Hartwig“, in: Encyclopaedia Judaica, Bd. 11, hg. v. Fred Skolnik/Michael Berenbaum, 2. Aufl., Detroit u. a. 2007, S. 772.
Literatur
Daniels, Tobias, Wieruszowski, Helene, in: Kümper, Hiram (Hg.), Historikerinnen. Eine biobibliographische Spurensuche im deutschen Sprachraum mit einer Einführung von Angelika Schaser (Schriftenreihe des Archivs der deutschen Frauenbewegung, Bd. 14), S. 219-226.
Frohmann, Jakob, Emmy Heller (1886-1956) und die Überlieferung der Briefsammlung des Thomas von Capua, in: Broser, Tanja/Fischer, Andreas/Thumser, Matthias (Hg.), Kuriale Briefkultur im späteren Mittelalter. Gestaltung – Überlieferung – Rezeption (Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Beihefte zu J. F. Böhmer, Regesta Imperii, Bd. 37), Köln u.a. 2015, S. 153-178, bes. S. 159-161.
Haug, Henrike, Helene Wieruszowski (1893–1978), Art and the Commune in the Time of Dante, in: Speculum 19 (1944), S. 14–33, in: Chichester, K. Lee/Sölch, Brigitte (Hg.), Kunsthistorikerinnen 1910–1980. Theorien, Methoden, Kritiken, Berlin 2021, S. 224-236.
Hohoff, Ulrich, Wissenschaftliche Bibliothekare als Opfer der NS-Diktatur. Ein Personenlexikon (Beiträge zum Buch- und Bibliothekswesen, Bd. 62), Wiesbaden 2017, S. 326 f.
Jansen, Tobias P., „Entlassen auf Grund der nationalsozialistischen Gesetzgebung“. Dem Andenken der Bonner Mediävistin und Bibliothekarin Helene Wieruszowski (1893–1978), in: Rheinische Vierteljahrsblätter 89 (2025) (im Druck).
Luzzati Laganà, Francesca, Appunti biografici su Helene Wieruszowski, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 89 (2009), S. 407-421.
Polak, Emil J. (Hg.), A Medievalist’s Odyssey. Helene Wieruszowski, Scholar (Uomini e dottrine, Bd. 41), Rom 2004.
Stolperstein für Helene Wieruszowski, verlegt am 13.12.2023 am ehemaligen Standort der Universitätsbibliothek Bonn, Regina-Pacis-Weg 7, Foto: Tobias P. Jansen. (Privatbesitz)
- 1: Aktenmaterial zum Habilitationsversuch an der Universität Bonn existiert im Universitätsarchiv Bonn nicht mehr. Die bisher in der Literatur zu findenden Bemerkungen basieren einzig auf einer Passage in einem Brief Hannah Arendts an Karl Jaspers und konnten bislang noch nicht verifiziert werden. Vgl. dazu Jansen, Wieruszowski.
- 2: Die Hs. befindet sich heute in: Kraków, Biblioteka Jagiellońska, Berol. Ms. lat. qu. 795.
- 3: Die Edition wurde im Jahr 2010 auf Basis der Arbeiten Wieruszowskis besorgt: Mini de Colle Vallis Elsae epistolae (Fonti per la storia dell'Italia medievale. Antiquitates 35), hrsg. v. Francesca Luzzati Laganà, Rom 2010.
- 4: Frohmann, Heller, S. 160.
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Jansen, Tobias P., Helene Wieruszowski, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/helene-wieruszowski/DE-2086/lido/68adb181554907.87545740 (abgerufen am 24.01.2026)
Veröffentlicht am 27.08.2025