Irmina von Trier

Äbtissin und Heilige (gestorben zwischen 706 und 709)

Jennifer Striewski (Bonn)

Die heilige Irmina als Äbtissin, Kirchenfenster in der Dreifaltigkeitskirche in Walferdingen (Luxemburg), moderne Darstellung, 2016. (CC BY-SA 3.0 lu)

Ir­mi­na von Trier, auch be­kannt als Ir­mi­na von Oe­ren, war die zwei­te Äb­tis­sin des Trie­rer Klos­ters Oe­ren, Stif­te­rin des Klos­ters Ech­ter­nach und Gön­ne­rin des Mis­sio­nars Wil­li­brord (658-739). Ihr Ge­denk­tag ist der 3. Ja­nu­ar (im Bis­tum Trier und in Lu­xem­burg) be­zie­hungs­wei­se der 24. De­zem­ber.

Ir­mi­na ent­stamm­te ei­nem füh­ren­den au­st­ra­si­schen Adels­ge­schlecht und hat­te ver­wandt­schaft­li­che Be­zie­hun­gen zu den Ar­nul­fin­gern und Pip­pi­ni­den. Ih­re El­tern sind nicht be­kannt. Vor ih­rem Klos­ter­ein­tritt war sie mit dem frän­ki­schen Se­ne­schall und Pfalz­gra­fen Hu­go­bert (ge­stor­ben um 697) ver­hei­ra­tet. Aus der Ehe gin­gen mög­li­cher­wei­se die Töch­ter Plek­trud, Ade­la von Pfal­zel, Ber­tra­da die Äl­te­re, Re­gen­trud (um 660/665-730/740) und Chro­de­lin­de her­vor, je­doch ist die­se Fa­mi­li­en­kon­struk­ti­on in der For­schung nicht un­wie­der­spro­chen ge­blie­ben.

Seit 697/698 ist Ir­mi­na als zwei­te Äb­tis­sin des um 650 von dem Trie­rer Bi­schof Nu­me­ri­an ge­grün­de­ten Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters Oe­ren nach­ge­wie­sen. Das in un­mit­tel­ba­rer Nach­bar­schaft gro­ßer rö­mi­scher Ge­trei­de­spei­cher (hor­rea) im an­ti­ken Trie­rer Ha­fen er­bau­te und der Got­tes­mut­ter Ma­ria ge­weih­te Frau­en­klos­ter war aus­schlie­ß­lich An­ge­hö­ri­gen des frän­ki­schen Adels vor­be­hal­ten. Un­ter Ir­mi­nas Lei­tung wur­de es zu ei­nem kirch­lich-kul­tu­rel­len Zen­trum der Stadt; für lan­ge Zeit galt Oe­ren als das be­deu­tends­te Trie­rer Non­nen­klos­ter. Ir­mi­na war die Nach­fol­ge­rin Mo­d­e­s­tas, der Grün­dungs­äb­tis­sin von Oe­ren. Sie un­ter­hielt en­ge Kon­tak­te zu dem an­gel­säch­si­schen Mis­sio­nar Wil­li­brord, der zeit­wei­lig den Oere­ner Non­nen seel­sor­ge­ri­sche Be­treu­ung und mo­nas­ti­sche Un­ter­wei­sung zu­kom­men ließ. Ih­re en­ge Ver­bun­den­heit mit Oe­ren fand Aus­druck in Ir­mi­nas rei­chen Schen­kun­gen an das Klos­ter.

Nach dem Tod ih­res Man­nes stif­te­te Ir­mi­na im Zu­sam­men­wir­ken mit dem Trie­rer Erz­bi­schof Ba­sin, sei­nem Nef­fen Li­ut­win und mit der Zu­stim­mung ih­res Oere­ner Non­nen­kon­vents 697/698 ein Be­ne­dik­ti­ner­klos­ter auf ih­rem Ei­gen­gut in Ech­ter­nach, das sie Wil­li­brord, zu des­sen wich­tigs­ten För­de­rern sie zähl­te, über­trug. Durch Ir­mi­nas Un­ter­stüt­zung wur­de Ech­ter­nach zu ei­nem fes­ten Stand­ort für die Mis­si­ons­ar­beit und ent­wi­ckel­te sich zu ei­nem seel­sor­ge­ri­schen Zen­trum. Au­ßer­dem be­tä­tig­ten sich die Mön­che in der Ar­men­pfle­ge und Ar­men­für­sor­ge. 699 schenk­te sie dem Klos­ter Ech­ter­nach lit­ur­gi­sche Ge­wän­der und für den Got­tes­dienst not­wen­di­ge Ge­gen­stän­de, 704 stat­te­te sie es mit wei­te­rem Land­be­sitz aus. Wäh­rend Ir­mi­na vor al­lem für die ma­te­ri­el­le Aus­stat­tung des Klos­ters sorg­te, kam Wil­li­brord wohl die Rol­le des geist­li­chen Grün­ders zu.

Das ge­naue To­des­da­tum Ir­mi­nas ist eben­so wie ih­re letz­te Ru­he­stät­te un­be­kannt, als To­des­tag gilt der 24. De­zem­ber. Ab 710 er­scheint ih­re Nach­fol­ge­rin Ana­sta­sia in den Quel­len des Klos­ters Oe­ren als Äb­tis­sin, so­dass man da­von aus­ge­hen muss, dass Ir­mi­na vor oder um 710 ver­starb. Ei­ner Le­gen­de nach wur­de sie in der 1284 ge­weih­ten Ma­ri­en­ka­pel­le des el­säs­si­schen Klos­ters Wei­ßen­burg (Wis­sem­bourg) in ei­nem Hoch­grab bei­ge­setzt, nach­dem ih­re Re­li­qui­en vor­her im Hoch­al­tar der dor­ti­gen Kir­che auf­be­wahrt wor­den wa­ren. Wahr­schein­li­cher ist je­doch, dass sie in Oe­ren starb und dort ih­re letz­te Ru­he­stät­te fand. Die Ges­ta Tre­ver­o­rum be­rich­ten, dass Ir­mi­na im 12.Jahr­hun­dert im Klos­ter Oe­ren be­er­digt war und ihr Grab ver­ehrt wur­de. Von hier aus ge­lang­ten ei­ni­ge ih­rer Re­li­qui­en nach Spon­heim und Wei­ßen­burg, wo noch im 15. Jahr­hun­dert ei­ne Ver­eh­rung Ir­mi­nas nach­zu­wei­sen ist.

Seit dem 11.Jahr­hun­dert wur­de Ir­mi­na als Toch­ter Da­go­berts I. (Re­gie­rungs­zeit 629–639) so­wie Grün­de­rin und Lo­kal­pa­tro­nin des Trie­rer Non­nen­klos­ters Oe­ren ver­ehrt. Ihr zu Eh­ren wur­de das Klos­ter in St. Ir­mi­nen um­be­nannt. Gro­ßen An­teil hier­an dürf­te die vor 1081 durch den Ech­ter­nach­er Mönch und spä­te­ren Abt Thio­frid (Amts­zeit 1081/1083-1110) ver­fass­te Vi­ta der hei­li­gen Ir­mi­na ge­habt ha­ben. Die Vi­ta stellt Ir­mi­na als Toch­ter Da­go­berts I. dar, die sich nach dem Tod ih­res Ver­lob­ten Chris­tus ver­spro­chen ha­be. Un­ter­stützt durch ih­ren Va­ter grün­de­te sie der Le­gen­de nach das Klos­ter Oe­ren und wur­de des­sen ers­te Äb­tis­sin. Ei­ne of­fi­zi­el­le Ka­no­ni­sa­ti­on Ir­mi­nas ist nicht be­zeugt.

Quellen

Chro­ni­con Ep­ter­na­cen­se auc­to­re Theo­de­ri­co mo­na­cho. Vi­ta sanc­tae Ir­mi­nae (MGH SS XXIII, S. 48-50), be­arb. von Lud­wig Wei­land, Han­no­ver 1874.

Ges­ta Tre­ver­o­rum (MGH SS VIII, S. 111-260), be­arb. von Ge­org Waitz, Han­no­ver 1858.

Pon­ce­let, Al­bert (Be­arb.), De fon­ti­bus Vi­tae sanc­tae Ir­mi­nae, in: Analec­ta Bol­lan­dia 8 (1889), S. 285-286.

Wam­pach, Ca­mil­le (Be­arb.), Ge­schich­te der Grund­herr­schaft Ech­ter­nach im Früh­mit­tel­al­ter. Un­ter­su­chun­gen über die Per­son des Grün­ders, über die Klos­ter- und Wirt­schafts­ge­schich­te auf­grund des li­ber au­reus ep­ter­na­cen­sis (698-1222), 2 Bän­de, Lu­xem­burg 1929-1930.

Literatur

Kni­chel, Mar­ti­na, Ir­mi­na von Oe­ren. Sta­tio­nen ei­nes Kul­tes, in: Crusi­us, Ire­ne (Hg), Stu­di­en zum Ka­no­nis­sen­stift, Göt­tin­gen 2001, S. 185-201.

Schmidt-Som­mer, Irm­gard Ger­trud, Dunk­le Zei­ten-hel­le We­ge. Frau­en des frü­hen Mit­tel­al­ters ge­stal­ten Kir­che und Welt, Trier 1998, S. 113-125.

Wer­ner, Mat­thi­as, Adels­fa­mi­li­en im Um­kreis der Ka­ro­lin­ger: die Ver­wandt­schaft Ir­mi­nas von Oe­ren und Ade­las von Pfal­zel. Per­so­nen­ge­schicht­li­che Un­ter­su­chun­gen zur früh­mit­tel­al­ter­li­chen Füh­rungs­schicht im Maas-Mo­sel-Ge­biet, Sig­ma­rin­gen 1982.

Wer­ner, Mat­thi­as, Zu den An­fän­gen des Klos­ters St. Ir­mi­nen-Oe­ren in Trier, in: Rhei­ni­sche Vier­tel­jahrs­blät­ter 42 (1978), S. 1-51.

Wes­se­ling, Klaus-Gun­ther, Ar­ti­kel „Ir­mi­na von Trier", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 2 (1990), Sp. 1336.

Online

Die di­gi­ta­len Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca (dmgh) [Für ei­ne Re­cher­che in­ner­halb der dmgh sie­he die je­wei­li­gen An­ga­ben un­ter der Ru­brik Quel­len]. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Striewski, Jennifer, Irmina von Trier, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/irmina-von-trier/DE-2086/lido/57c92a88804f65.71944847 (abgerufen am 24.01.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 08.03.2010, zuletzt geändert am 29.07.2025