Otto Schmidt

Verleger, Politiker, Mitbegründer der CDU (1902-1984)

Winfried Herbers (Wuppertal)

Porträtfoto von Otto Schmidt. (Konrad-Adenauer-Stiftung/Peter Bouserath)

Ot­to Schmidt be­trieb Po­li­tik aus dem Ge­wis­sen her­aus. Maß­stab für sein Den­ken und Han­deln wa­ren die zehn Ge­bo­te. Mit die­ser Hal­tung war er 1945 der Mann der Stun­de, aus dem evan­ge­li­schen Be­reich ei­ne christ­li­che Par­tei mit­zu­grün­den und ih­re geis­ti­gen Grund­la­gen zu schaf­fen. Spä­ter ge­riet er mit sei­ner Hal­tung in ei­ne Min­der­heits­po­si­ti­on, die ihn aber nicht dar­an hin­der­te, wei­ter zu ver­su­chen die deut­sche Po­li­tik zu be­ein­flus­sen. In der Um­welt- und Steu­er­po­li­tik ge­lang es ihm, nach­hal­ti­ge Wir­kun­gen zu er­zie­len.

Ot­to Schmidt wur­de am 1. 8.1902 in Köln als zwei­tes Kind und ein­zi­ger Sohn in die Fa­mi­lie des In­ha­bers ei­nes Ver­la­ges für Steu­er­recht (Ver­lag Dr. Ot­to Schmidt, Köln) ge­bo­ren. Sein Va­ter, Dr. Ot­to Schmidt sen. (1866-1945), war ein so­zia­ler Auf­stei­ger aus dem Ober­ber­gi­schen, der ers­te aus der Fa­mi­lie, der ei­ne aka­de­mi­sche Aus­bil­dung er­reich­te, die Mut­ter, Ber­tha Schmidt ge­bo­re­ne Herbst (1876-1955), ent­stamm­te ei­ner Kürsch­ner­fa­mi­lie aus Bonn.

Der Sohn wuchs in ei­nem kon­ser­va­ti­ven, mon­ar­chisch ge­sinn­ten El­tern­haus auf und ver­in­ner­lich­te die bür­ger­li­chen Tu­gen­den von Pflicht­er­fül­lung, Spar­sam­keit, Pünkt­lich­keit Fleiß, Au­to­ri­tät und Recht­schaf­fen­heit. Nach dem Ab­itur auf dem Fried­rich-Wil­helm-Gym­na­si­um in Köln 1921 stu­dier­te er an den Uni­ver­si­tä­ten Ros­tock, Leip­zig, Mün­chen und Köln Rechts-, Staats- und Volks­wirt­schaf­ten. 1924 leg­te er an der Uni­ver­si­tät zu Köln das ers­te ju­ris­ti­sche Staats­ex­amen ab und wur­de dort 1925 mit ei­ner steu­er­recht­li­chen Ar­beit pro­mo­viert. Von 1929 bis 1944 war er Syn­di­cus und Ge­ne­ral­be­voll­mäch­tig­ter im Ver­lag sei­nes Va­ters, der ju­ris­ti­sche und steu­er­recht­li­che Li­te­ra­tur und ent­spre­chen­de Lo­se­blatt­samm­lun­gen ver­leg­te. Nach der Zu­las­sung als Rechts­an­walt 1930 prak­ti­zier­te er, al­ler­dings nur in ge­rin­gem Ma­ße. Nach dem Tod des Va­ters 1945 führ­te er den Ver­lag als Haupt der Ge­sell­schaf­ter, wäh­rend die ope­ra­ti­ve Ar­beit von Ge­schäfts­füh­rern, teil­wei­se aus der Fa­mi­lie stam­mend, über­nom­men wur­de.

1928 hei­ra­te­te er Ma­rie Knoch (1900-1975). Ihr Va­ter, ein pro­mo­vier­ter Che­mi­ker, ar­bei­te­te bei ei­ner Ver­si­che­rung, die Mut­ter führ­te ei­ne Pen­si­on. Aus der Ehe gin­gen vier Kin­der her­vor.

Die No­vem­ber­re­vo­lu­ti­on 1918/1919 er­schüt­ter­te die kon­ser­va­ti­ven An­schau­un­gen des Schü­lers und Stu­den­ten. Ge­gen den Wil­len des Va­ters schloss er sich kurz­zei­tig re­vo­lu­tio­när-pa­zi­fis­ti­schen Krei­sen an und such­te den Auf­bruch aus ver­krus­te­ten Struk­tu­ren in der evan­ge­li­schen Stu­den­ten­be­we­gung der Kön­ge­ner. Die Ruhr­be­set­zung 1923 em­pör­te ihn so, dass er ideo­lo­gisch weit nach rechts wan­der­te bis in die Nä­he des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus.

Die Mit­glied­schaft in der NS­DAP be­an­trag­te er 1933, 1935 zog er den Auf­nah­me­an­trag zu­rück. Mitt­ler­wei­le war er von der Par­tei längst des­il­lu­sio­niert, schloss sich be­reits 1934 der Be­ken­nen­den Kir­che an und nahm an der Bar­mer Be­kennt­nis­syn­ode 1934 teil. Er ver­hielt sich ab­war­tend-re­sis­tent, oh­ne aber in ir­gend­ei­ner Wei­se dem Wi­der­stand ge­gen das Re­gime na­he zu kom­men. Erst 1944 muss­te er Kriegs­dienst leis­ten, den er un­be­scha­det über­stand.

Schnell aus der Kriegs­ge­fan­gen­schaft nach Wup­per­tal, sei­nem Wohn­sitz seit 1943, ent­las­sen, ver­such­te er ei­nen geis­ti­gen Neu­be­ginn auf drei­er­lei Art mit­zu­ge­stal­ten. Zum ei­nen be­tei­lig­te er sich an der Grün­dung des Wup­per­ta­ler „Bun­des“, ei­ner „Ge­sell­schaft zur geis­ti­gen Er­neue­run­g“. Zu­dem ar­bei­te­te er in der Be­we­gung der „Mo­ra­li­schen Auf­rüs­tun­g“ mit. Die­se Ak­ti­vi­tä­ten blie­ben aber zeit­lich und in­halt­lich be­schränkt, sein Haupt­au­gen­merk galt der Be­grün­dung und geis­ti­gen Fun­die­rung der sich im Rhein­land bil­den­den CDP/CDU.

Er be­tei­lig­te sich füh­rend an der Grün­dung die­ser christ­li­chen Par­tei, die mehr als ei­ne blo­ße Fort­set­zung der ka­tho­li­schen Zen­trums­par­tei sein soll­te. Am Grün­dungs­par­tei­tag der CDP Rhein­land am 2.9.1945 in Köln nahm er teil und hielt ei­nes der drei Grund­satz­re­fe­ra­te. Kurz dar­auf bil­de­te die Wup­per­ta­ler Par­tei­grün­dung am 15.9.1945 ein Zen­trum des evan­ge­li­schen Flü­gels der CDU. Ot­to Schmidt wur­de der ers­te Vor­sit­zen­de der Wup­per­ta­ler CDU. Ne­ben Gus­tav Hei­neman­n war er der füh­ren­de Ver­tre­ter der evan­ge­li­schen Par­tei­mit­glie­der im Rhein­land und er­ziel­te als ge­frag­ter Red­ner auch über­lo­ka­le Wir­kung in der CDU Rhein­land und dar­über hin­aus.

1946 kam es zu ei­nem erns­ten Kon­flikt mit Kon­rad Ade­nau­er, der ei­nen we­ni­ger christ­lich be­stimm­ten, mehr prag­ma­tisch-re­al­po­li­tisch aus­ge­rich­te­ten Kurs der CDU be­für­wor­te­te, der auch re­li­gi­ös we­ni­ger en­ga­gier­te Men­schen an­spre­chen soll­te. In zahl­rei­chen Brie­fen an Ade­nau­er und in per­sön­li­chen Be­geg­nun­gen konn­te Schmidt sei­ne An­sich­ten nicht durch­set­zen, so dass er 1946 al­le sei­ne Par­tei­äm­ter nie­der­leg­te und so­gar ei­nen Aus­tritt aus der Par­tei er­wog. Par­tei­freun­de konn­ten ihn je­doch zu wei­te­rer Mit­ar­beit be­we­gen, so dass er wei­ter gro­ßen Ein­fluss auf die Wup­per­ta­ler und die rhei­ni­sche CDU aus­üb­te. Mit Bil­li­gung Ade­nau­ers grün­de­te er die Evan­ge­li­sche Ta­gung der CDU des Rhein­lands, ei­ne Vor­form des Evan­ge­li­schen Ar­beits­krei­ses. Hier ver­sucht Schmidt wei­ter­hin evan­ge­lisch fun­dier­te Wer­te in der CDU zu ver­brei­ten. Da­ne­ben galt sei­ne Sor­ge auch im­mer der Sicht­bar­keit der Evan­ge­li­schen in der CDU, das hei­ßt sie soll­ten ent­spre­chend bei Äm­tern be­rück­sich­tigt wer­den.

In der Wup­per­ta­ler Kom­mu­nal­po­li­tik en­ga­gier­te er sich erst ab 1948. Er kan­di­dier­te für die Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung, er­rang ein Man­dat und wur­de so­gar von ei­ner Ko­ali­ti­on am 2.11.1948 zum Ober­bür­ger­meis­ter ge­wählt. Al­ler­dings muss­te er nach ei­nem Jahr dem Kan­di­da­ten der SPD wei­chen, da das Zen­trum dies­mal an­ders vo­tier­te.

Wei­te­re Lehr­jah­re in der prak­ti­schen Po­li­tik er­ga­ben sich für ihn, als er 1950 von Karl Ar­nold z­um Mi­nis­ter für Wie­der­auf­bau des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, spä­ter (1953) zu­sätz­lich für Ar­beit und So­zia­les be­ru­fen wur­de. Da­mit be­setz­te er nach den Kriegs­zer­stö­run­gen ein Schlüs­sel­res­sort für die Nach­kriegs­zeit, denn Schmidt muss­te vor al­lem den Woh­nungs­bau vor­an­trei­ben. Das ge­lang ihm auch, in sei­ner Amts­zeit wur­den Hun­dert­tau­sen­de von neu­en Woh­nun­gen ge­baut. Der wirt­schafts­li­be­ra­le Schmidt plä­dier­te lang­fris­tig für ei­ne Auf­he­bung der Woh­nungs­be­wirt­schaf­tung und plä­dier­te für ei­ne Frei­ga­be der Alt­bau­mie­ten, um Spiel­räu­me für In­ves­ti­tio­nen und Re­pa­ra­tu­ren zu schaf­fen. Als so­zia­len Aus­gleich führ­te er in NRW ei­nen Miet­zu­schuss für wirt­schaft­lich Schwa­che, zu­nächst Kin­der­rei­che, ein.

1954 er­rang er ein Land­tags­man­dat di­rekt im Rhei­nisch-Ber­gi­schen Kreis. Sein Mi­nis­ter­amt konn­te er aber nicht fort­set­zen, da der neue Ko­ali­ti­ons­part­ner FDP es be­an­spruch­te. Als Ab­ge­ord­ne­ter wid­me­te sich Schmidt neu­en Fra­gen: der Raum­po­li­tik und der Luft­rein­hal­tung. Hier konn­te er ei­ni­ge Er­fol­ge er­zie­len. Auch ei­ne so­li­de Fi­nanz- und Haus­halts­po­li­tik mahn­te er im­mer wie­der an. Hier pro­fi­tier­te er von sei­nen be­ruf­li­chen Kennt­nis­sen des Steu­er­rechts. Da­ne­ben war er oft ge­for­dert als Red­ner für „Grund­sätz­li­ches“ und ethi­sche Fra­gen der Po­li­tik.

1957 kan­di­dier­te er er­folg­reich an sei­nem Wohn­sitz Wup­per­tal für ein Bun­des­tags­man­dat, das er bis zu sei­nem frei­wil­li­gen Rück­zug aus der Po­li­tik 1972 in­ne­hat­te. Nach sei­nem Wohn­sitz wur­de er un­ter dem Na­men Schmidt-Wup­per­tal be­kannt. Als „Vor­der­bänk­ler“ war er ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Ab­ge­ord­ne­ten des Par­la­ments, dem zahl­rei­che wich­ti­ge Äm­ter an­ver­traut wur­den. So war er 1958-1969 der vom Bun­des­tag ge­wähl­te Vor­sit­zen­de des Ver­mitt­lungs­aus­schus­ses, der zwi­schen Bund und Län­dern strit­ti­ge Ge­set­ze be­rät und ei­nen Kom­pro­miss fin­den soll. Hier war sein Ta­lent zum par­tei­über­grei­fen­den Aus­gleich und der fai­ren Füh­rung des Aus­schus­ses in vie­len Fäl­len er­folg­reich.

Als Vor­sit­zen­der des Fi­nanz­aus­schus­ses (1961-1972) hat­te er ei­nen gro­ßen An­teil dar­an, die Ein­füh­rung der Mehr­wert­steu­er über al­le par­la­men­ta­ri­schen Klip­pen hin­weg zu ei­nem er­folg­rei­chen En­de zu füh­ren, so dass er von vie­len als der „Va­ter der Mehr­wert­steu­er“ be­zeich­net wird. Auch bei der Fi­nanz­ver­fas­sungs­re­form von 1969 war der Vor­sit­zen­de des Fi­nanz­aus­schus­ses füh­rend be­tei­ligt. Das Sta­bi­li­täts­ge­setz 1967 lehn­te er als ein­zi­ger von al­len Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten ab, in­dem er sich der Stim­me ent­hielt.

Wäh­rend sein En­ga­ge­ment in der Fi­nanz- und Steu­er­po­li­tik sei­ner Aus­bil­dung und sei­ner Tä­tig­keit im vä­ter­li­chen Ver­lag ent­sprach, ent­deck­te er die Um­welt­po­li­tik für sich schon als Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter, als er für rei­ne Luft im Ruhr­ge­biet kämpf­te. 1957 wur­de der frisch­ge­ba­cke­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te zum Vor­sit­zen­den der In­ter­par­la­men­ta­ri­schen Ar­beits­ge­mein­schaft ge­wählt. Die­se war ein 1953 ge­grün­de­ter Zu­sam­men­schluss von Lan­des- und Bun­des­po­li­ti­kern, die, vom Na­tur­schutz aus­ge­hend, zu­neh­mend ei­ne Agen­da des Um­welt­schut­zes in Deutsch­land be­trieb. Hier konn­te Schmidt mit Hil­fe über­par­tei­li­cher Bünd­nis­se und An­trä­ge („Schmidt und Ge­nos­sen“) vie­le Ge­set­ze der Luft- und Was­ser­rein­hal­tung, des Lärm­schut­zes, der Ab­fall­be­sei­ti­gung und zur Kern­ener­gie ein­brin­gen und durch­set­zen. Auch die Raum­pla­nung in­ter­es­sier­te ihn seit sei­ner Zeit als Wie­der­auf­bau­mi­nis­ter, er fürch­te­te, dass der Wie­der­auf­bau nach dem Krieg zu plan­los und pro­vi­so­risch durch­ge­führt wor­den war und plä­dier­te für be­hut­sa­me Kor­rek­tu­ren.

In der CDU ge­hör­te er zum li­be­ra­len Flü­gel; als über­zeug­ter An­hän­ger der Markt­wirt­schaft ten­dier­te er im­mer zum Bünd­nis mit der FDP und be­för­der­te die Wahl Lud­wig Er­hards (1897-1977) zum Kanz­ler 1963. Er war über­zeugt da­von, dass Plu­ra­lis­mus in der Po­li­tik ein wert­vol­ler Grund­satz war. Der „Au­ßen­sei­te“ der Po­li­tik, dem „Ver­kau­fen“ von Zie­len und Maß­nah­men stand er recht kri­tisch ge­gen­über; ihm ging es im­mer um die „Sa­che“, ob­wohl er sei­nen Wert als Po­li­ti­ker durch­aus hoch ein­schätz­te und das auch deut­lich kom­mu­ni­zier­te. In der Zu­sam­men­ar­beit mit der SPD in der Gro­ßen Ko­ali­ti­on (1966-1969) sah er bei al­ler po­li­ti­schen Geg­ner­schaft Vor­tei­le, weil durch die gro­ße Mehr­heit auch schwie­ri­ge po­li­ti­sche Auf­ga­ben wie der Län­der­fi­nanz­aus­gleich be­wäl­tigt wer­den konn­ten.

In Fra­gen der Kunst stand er dem li­be­ra­len La­ger na­he, wenn sich in der CDU Wün­sche nach Ver­bo­ten oder Ein­schrän­kun­gen er­ho­ben. Er selbst sam­mel­te mo­der­ne Kunst, las zeit­ge­nös­si­sche Li­te­ra­tur, und im Al­ter be­gann er so­gar selbst zu ma­len. Er reis­te gern und ver­öf­fent­lich­te sei­ne Er­leb­nis­se und Er­fah­run­gen in zahl­rei­chen Bü­chern.

Als from­mer evan­ge­li­scher Christ ver­such­te er, wenn auch we­ni­ger in­ten­siv als in der Nach­kriegs­zeit, ein star­kes christ­li­ches Pro­fil der CDU zu be­wah­ren. Der ge­schickt ar­gu­men­tie­ren­de Red­ner wur­de zu vie­len Ge­le­gen­hei­ten ge­be­ten, Grund­sätz­li­ches zur Po­li­tik aus dem Geist des Chris­ten­tums zu er­ör­tern. Vie­le sei­ner Re­den und Vor­trä­ge konn­te er in der Zeit­schrift „Evan­ge­li­sche Ver­ant­wor­tun­g“ ab­dru­cken las­sen. So wur­de er im Lau­fe der Zeit zu ei­nem ge­frag­ten Ju­bi­lä­ums­red­ner, der aus ei­ge­nem Er­le­ben die Früh­zeit der CDU evo­zie­ren konn­te.

1972 ver­zich­te­te er auf ei­ne wei­te­re Kan­di­da­tur für den Bun­des­tag. Hin­sicht­lich sei­ner Nach­fol­ge als Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ter ge­stal­te­te sich sein Ab­gang aus der Po­li­tik auf kom­mu­na­ler Ebe­ne kon­tro­vers. Hier konn­te Schmidt, der nicht frei von au­to­ri­tä­ren Zü­gen war, nur mit Mü­he den ge­wünsch­ten Nach­fol­ger durch­set­zen.

Sei­nen Wohn­sitz ver­la­ger­te er von Wup­per­tal nach Ro­lands­eck ge­gen­über dem Künst­ler­bahn­hof (Stadt Re­ma­gen), den er ma­ß­geb­lich för­der­te. Sei­ne letz­ten Jah­re wid­me­te er sei­nen li­te­ra­ri­schen und künst­le­ri­schen Nei­gun­gen, so­weit es sei­ne Par­kin­son-Er­kran­kung zu­ließ. Er starb am 12.12.1984 in Sin­zig.

Mit Ot­to Schmidt ver­ließ ein Po­li­ti­ker der ers­ten Ge­ne­ra­ti­on der Nach­kriegs­po­li­ti­ker die Büh­ne, die aus dem Er­le­ben der deut­schen Ge­schich­te vom Kai­ser­reich bis zur Dik­ta­tur ge­prägt wa­ren. Erst in der Le­bens­mit­te ge­lang­ten sie zur Po­li­tik. Auch Schmidt hat­te vie­le Brü­che und Neu­an­fän­ge durch­lebt, so dass er als ge­reif­ter Mensch in die Po­li­tik kam. Wirt­schaft­lich un­ab­hän­gig leb­te er dann für die Po­li­tik, nicht von ihr. Ne­ben der re­li­giö­sen Be­grün­dung von Po­li­tik wid­me­te er sich zu­neh­mend der Fi­nanz- und Um­welt­po­li­tik, die re­la­tiv un­ab­hän­gig von christ­li­cher Ethik be­trie­ben wer­den konn­te.

Ot­to Schmidt wur­den be­deu­ten­de Eh­run­gen zu­teil: 1962 wur­de ihm das gro­ße Bun­des­ver­dienst­kreuz mit Stern und Schul­ter­band ver­lie­hen, 1968 das Gro­ße Gol­de­ne Eh­ren­zei­chen mit Stern für die Ver­diens­te um die Re­pu­blik Ös­ter­reich, 1979 der Eh­ren­ring der Stadt Wup­per­tal.

Schriften (Auswahl)

Christ­li­cher Rea­lis­mus – Ein Ver­such zu so­zi­al­wis­sen­schaft­li­cher Neu­ord­nung. Ber­gisch Glad­bach o.J. [1945/46]

Un­se­re kom­mu­nal­po­li­ti­sche Ver­ant­wor­tung. Von Mi­nis­ter a.D. Dr. Ot­to Schmidt, Wup­per­tal, als Re­fe­rat ge­hal­ten bei der De­le­gier­ten­ver­samm­lung der KPV Nord­rhein-West­fa­len in Es­sen, Reck­ling­hau­sen 1956.

Im­pres­sio­nen ei­ner Süd­ost­asi­en­rei­se: In­di­en, Nea­pel, Sin­ga­pur, In­do­ne­si­en, Ba­li, Thai­land, no­tiert – dik­tiert – re­di­giert, Köln 1972.

An­spruch und Ant­wort. Ge­dan­ken zur Ge­schich­te der Christ­lich De­mo­kra­ti­schen Uni­on Rhein­land. Fest­vor­trag, ge­hal­ten am 5. Sept. 1975 zur Er­in­ne­rung an die Grün­dung der rhei­ni­schen CDU vor 30 Jah­ren in Köln, Köln 1975.

Zwi­schen Wo­ge und Wind. Ei­ne Aus­wahl von Ge­dich­ten 1966–1976, Köln 1976. 

Literatur

Wolff, Heinz, Ot­to Schmidt, in: Wup­per­ta­ler Bio­gra­phi­en 16 (1987), S. 70-78.

Her­bers, Win­fried, Der CDU-Po­li­ti­ker Ot­to Schmidt (1902-1984). Zwi­schen re­li­giö­ser Mo­ti­va­ti­on und Sach­po­li­tik, Düs­sel­dorf 2020.

Her­bers, Win­fried, Ot­to Schmidt – Der ers­te „Grü­ne“ Wup­per­tals? Ver­wal­ter der Not­si­tua­ti­on – Wie­der­auf­bau­mi­nis­ter – Raum­pla­ner – Um­welt­po­li­ti­ker, in: Ge­schich­te im Wup­per­tal 25 (2016), S. 80-97. 

Online

Wam­bach, Kim, Ot­to Schmidt, in: Ge­schich­te der CDU/Per­so­nen [On­line]

 
Zitationshinweis

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Herbers, Winfried, Otto Schmidt, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/otto-schmidt/DE-2086/lido/635a41752dadb8.57493085 (abgerufen am 10.12.2022)