Willi Schwarz

Turn- und Sportgestalter in Köln und Nordrhein-Westfalen (1905-1983)

Ansgar Molzberger (Köln)

Willi Schwarz, Porträtfoto, aus: Sportbund 8/1965. (Landessportbund NRW)

Vor­bild an Ein­falls­reich­tum, Ar­beits­tier im un­er­müd­li­chen Ein­satz, da­bei sich stets im Hin­ter­grund hal­tend – so be­schrei­ben Mit­strei­ter und Zeit­ge­nos­sen Wil­li Schwarz. Als lang­jäh­ri­ger Vi­ze­prä­si­dent des Lan­des­sport­bun­des Nord­rhein-West­fa­len (LSB NRW), Ver­wal­tungs­di­rek­tor der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln und als Vor­stands­mit­glied in di­ver­sen Ver­ei­nen und Ver­bän­den präg­te die­ser nach­hal­tig den Wie­der­auf­bau und die Ent­wick­lung von Tur­nen und Sport im Nach­kriegs­deutsch­land. 

 

Wil­helm „Wil­li“ Hil­ari­us Schwarz wur­de am 8.8.1905 als zwei­ter Sohn des Ehe­paars Hil­ari­us Schwarz (1859-1929) und Ma­ria Schwarz, geb. Sie­bertz (1867-1908) im rechts­rhei­ni­schen Köln ge­bo­ren. Hier be­such­te der Sohn aus ka­tho­li­schem El­tern­haus von 1911 bis 1914 die Volks­schu­le in Köln-Hum­boldt, ehe er auf das Hu­ma­nis­ti­sche Gym­na­si­um in Köln-Kalk wech­sel­te, an dem er 1923 als 17-Jäh­ri­ger die Ab­itur­prü­fung ab­leg­te. Be­reits in sei­ner Schul­zeit be­geis­ter­te sich Schwarz, des­sen Lei­den­schaft zeit sei­nes Le­bens vor al­lem dem Tur­nen galt, auch für Or­ga­ni­sa­ti­ons­fra­gen des Sports und grün­de­te an sei­nem Gym­na­si­um ei­nen Schü­ler-Ru­der­ver­ein. Dar­über hin­aus be­leg­te er an der Köl­ner Han­dels­schu­le Kur­se im Schreib­ma­schi­nen­schrei­ben und in Ste­no­gra­phie. Spä­ter ent­wi­ckel­te Schwarz ei­ne ei­ge­ne Kurz­schrift – ei­ne gro­ße Her­aus­for­de­rung für das Stu­di­um sei­ner hand­ge­schrie­be­nen No­ti­zen.

Nach sei­ner Schul­zeit ver­ding­te sich Schwarz ei­ni­ge Mo­na­te als Städ­te­füh­rer in Deutsch­land für ei­ne bri­ti­sche Rei­se­ge­sell­schaft; über sei­ne Schul­kennt­nis­se in La­tein, Alt­grie­chisch und Fran­zö­sisch hin­aus eig­ne­te er sich spä­ter auch Eng­lisch und Ita­lie­nisch an. Be­reits zu Schul­zei­ten hat­te er sich zu­dem für Es­pe­ran­to be­geis­tert und in Köln ei­ne Orts­grup­pe des Deut­schen Es­pe­ran­to­bun­des ge­grün­det.

Zum Win­ter­se­mes­ter 1923/24 nahm Schwarz ein Ju­ra- und Ge­schichts­stu­di­um an der Uni­ver­si­tät zu Köln auf, gleich­zei­tig be­leg­te er an der Uni­ver­si­tät ei­nen Aus­bil­dungs­lehr­gang für Turn- und Sport­leh­rer, den er 1925 als Jahr­gangs­bes­ter ab­schloss. Im sel­ben Jahr trat er in die Aka­de­mi­sche Turn­ver­bin­dung Mar­ko­man­nia Köln so­wie in den äl­tes­ten Turn­ver­ein der Dom­stadt, die Köl­ner Tur­ner­schaft von 1843, ein. Schwe­rer tat sich Schwarz mit der an­ge­streb­ten Lauf­bahn als Ju­rist: Zwar be­stand er die Re­fe­ren­dar­prü­fung und das Ex­amen und wur­de mit der 1929 ver­öf­fent­lich­ten Dis­ser­ta­ti­on „Die Kau­sa­li­tät bei den so­ge­nann­ten Be­ge­hungs­de­lik­ten durch Un­ter­las­sun­g“ so­gar zum Dr. jur. pro­mo­viert, sei­ne an­schlie­ßend auf­ge­nom­me­ne Tä­tig­keit als Ge­richts­re­fe­ren­dar brach Schwarz je­doch zu­nächst ab. Auch ein zu­sätz­lich auf­ge­nom­me­nes Lehr­amts-Stu­di­um für die Mit­tel­schu­le be­en­de­te er nicht, nach­dem ihm 1931 er­öff­net wor­den war, dass Tur­nen au­ßer­halb des Lehr­amts­stu­di­ums für die Volks­schu­le nicht län­ger als Prü­fungs­fach ge­wählt wer­den kön­ne. Der Tod sei­nes Va­ters im Jahr 1929 – die Mut­ter war be­reits 1908 ge­stor­ben – ha­be ihn schwer ge­trof­fen, so Schwarz nach dem Zwei­ten Welt­krieg in sei­nem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren. Die Zeit nach 1929 sei von wirt­schaft­li­chen Sor­gen und vie­len Fehl­schlä­gen ge­prägt ge­we­sen, ge­plan­te Ver­öf­fent­li­chun­gen zum Ka­tho­li­zis­mus und zu ju­gend­er­zie­he­ri­schen Fra­gen sei­en ge­schei­tert.

Nicht nur für Deutsch­land ins­ge­samt, son­dern auch für Schwarz per­sön­lich wur­de dann das Jahr 1933 zur Zä­sur: Schwarz nahm den ju­ris­ti­schen Dienst wie­der auf, zum 1.5.1933 trat er dem NS-Ju­ris­ten­bund bei und dar­über hin­aus in die NS­DAP und die SA ein. 1934 ab­sol­vier­te er die Prü­fung zum Ge­richt­s­as­ses­sor. Nach kur­zem be­ruf­li­chen Wir­ken am Amts­ge­richt Bens­berg ver­san­de­te sei­ne ju­ris­ti­sche Kar­rie­re je­doch; er blieb meh­re­re Jah­re ar­beits­los. Schwarz und sei­ne Frau Er­na, geb. Lei­nin­ger (1906-1982) – die Ehe war 1935 ge­schlos­sen wor­den und blieb kin­der­los – leb­ten in die­ser Zeit in äu­ßerst be­schei­de­nen Ver­hält­nis­sen von den vor­han­de­nen Er­spar­nis­sen der Ehe­frau. 1938 er­hielt Schwarz nach dem Tod sei­nes letz­ten On­kels vä­ter­li­cher­seits ein ge­rin­ges Erb­ver­mö­gen. 

In sei­nem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren schrieb Schwarz, er ha­be von der Jah­res­mit­te 1934 bis zum Be­ginn des Jah­res 1939 ei­nen per­sön­li­chen Kampf ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ge­führt und zu die­sem Zweck auf al­le Stel­lun­gen und jeg­li­ches Ein­kom­men ver­zich­tet – ei­ne Dar­stel­lung, die nach dem Krieg von sei­ner Frau ve­he­ment un­ter­stri­chen wur­de. Un­ter an­de­rem ha­be er 1936 ei­ne Auf­for­de­rung der Köl­ner Hit­ler-Ju­gend (HJ), als Ju­rist mit sport­lich-ju­gend­kund­li­cher Spe­zia­li­sie­rung in der HJ-Ver­wal­tung mit­zu­ar­bei­ten, aus welt­an­schau­li­chen Grün­den ab­ge­lehnt und sein ju­ris­ti­sches Spe­zi­al­ge­biet lie­ber auf­ge­ge­ben, so Schwarz 1947. Dar­über hin­aus be­ton­te Schwarz im Zu­ge des Ver­fah­rens wie­der­holt – die Ak­te im Lan­des­ar­chiv Nord­rhein-West­fa­len um­fasst 125 Sei­ten – sei­ne Frau und er sei­en ge­ra­de­zu fa­na­tisch an­ti-nat.-soz. ge­we­sen, mehr­fach ha­be ih­nen auf­grund ih­res Ver­hal­tens die po­li­ti­sche Ver­fol­gung ge­droht. Zu­dem sei er sei­ner Er­in­ne­rung nach – die Un­ter­la­gen sei­en im Krieg ver­brannt – 1936 aus der SA aus­ge­tre­ten. 1938 ha­be er dies auch bei der NS­DAP ver­sucht, der Par­tei­aus­tritt sei je­doch ab­ge­lehnt wor­den. We­der in der NS­DAP-Zen­tral- noch in der -Gau­kar­tei fin­det sich al­ler­dings ein Ver­merk zu ei­nem An­trag auf Par­tei­aus­tritt.

Der Selbst­sti­li­sie­rung als über­zeug­tem An­ti­fa­schis­ten steht Schwarz‘ Buch „Die staats­po­li­ti­sche Be­deu­tung der Lei­bes­übun­gen – Ver­such ei­nes kur­zen grund­sätz­li­chen und all­sei­ti­gen Grund­ris­ses“ aus dem Jahr 1935 ge­gen­über. Nach­dem das ur­sprüng­li­che Ma­nu­skript vom Lim­pert-Ver­lag ab­ge­lehnt wor­den sei, ha­be er das Buch im Sin­ne der NS-Macht­ha­ber fri­siert und dar­auf­hin im Ei­gen­ver­lag ver­öf­fent­licht, so Schwarz 1947. In der über­ar­bei­te­ten Fas­sung äu­ßer­te er nun im Vor­wort, der Füh­rer ha­be den Weg ge­wie­sen, den wir ge­hen müs­sen, wenn wir über­haupt noch ein­mal groß und stark wer­den wol­len. Wei­ter­hin ha­be die­ser als un­er­müd­li­cher Ru­fer im Strei­te und hel­di­scher Vor­kämp­fer […] Deutsch­land wach­ge­ru­fen, es durch Kampf zum Sieg ge­führt, das Drit­te Reich ge­schaf­fen! Und wei­ter: Pflicht ei­nes je­den sei­ner Ge­folg­schaft ist und bleibt es da, un­ent­wegt dar­an zu ar­bei­ten, daß dies Drit­te Reich und sein Geist auch noch in den Letz­ten, in al­len und zwar mög­lichst bald … [sic] rest­los Wirk­lich­keit wird: Das Drit­te Reich, das als to­ta­les Reich ein idea­les Reich ist, in dem Füh­rer und Staat, und Staat und Volk, al­le in al­lem eins sind!

Sein 127 Sei­ten star­kes Buch, des­sen 60 Sei­ten um­fas­sen­der End­no­ten­ap­pa­rat von akri­bi­scher Quel­len­ar­beit zeugt, ließ Schwarz zahl­rei­chen Emp­fän­gern zu­kom­men. Die­se bat er um ei­ne Re­zen­si­on, um das Buch an­schlie­ßend mit Hil­fe von po­si­ti­ven Stel­lung­nah­men wei­ter ver­trei­ben zu kön­nen. Sei­ne nach dem Zwei­ten Welt­krieg vor­ge­nom­me­ne Ein­ord­nung, das Buch sei ei­ne Kampf­schrift ge­gen die NS-Gleich­schal­tung des Sports ge­we­sen, ist an­ge­sichts der vor der Ver­öf­fent­li­chung im Selbst­ver­lag frei­wil­lig vor­ge­nom­me­nen Über­ar­bei­tun­gen nicht nach­voll­zieh­bar. Wohl eher muss die Schrift als recht plump ge­stal­te­ter An­bie­de­rungs­ver­such des ar­beits­su­chen­den Schwarz an die Macht­ha­ber ver­stan­den wer­den.

Die „Par­tei­amt­li­che Prü­fungs­kom­mis­si­on zum Schut­ze des N.S.-Schrift­tum­s“ lehn­te den In­halt der Pu­bli­ka­ti­on hin­ge­gen auch in der „fri­sier­ten“ Fas­sung ab. We­der sei­en die ver­wen­de­ten Quel­len in ih­rer Qua­li­tät gleich­wer­tig noch in die­ser zum Teil zu­sam­men­hang­lo­sen An­füh­rung als stich­hal­ti­ges Ma­te­ri­al zu wer­ten, so die Kom­mis­si­on im Ok­to­ber 1936.

Im­mer­hin aber wur­de un­ter an­de­rem die Köl­ner Turn- und Sport­sze­ne auf Schwarz auf­merk­sam, die die­sen er­folg­reich um – eh­ren­amt­li­che – Mit­ar­beit bat. Ab 1936 en­ga­gier­te sich Schwarz dar­auf­hin im Gau XI des Deut­schen Reichs­bun­des für Lei­bes­übun­gen (DRL) und stieg bis in die Gau­füh­rung auf. Nach­dem der DRL 1938 zum Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichs­bund für Lei­bes­übun­gen (NSRL) ge­wor­den war, ha­be er sei­ne Ar­beit je­doch ein­ge­stellt, da er nicht in ei­ner NS-be­treu­ten Or­ga­ni­sa­ti­on ak­tiv sein woll­te, so Schwarz 1947. Der Grund für die Be­en­di­gung des En­ga­ge­ments könn­te al­ler­dings auch dar­in ge­le­gen ha­ben, dass Schwarz 1939 ei­ne An­stel­lung in Ber­lin be­kam: Er­hard Milch (1892-1972), Ge­ne­ral­in­spek­teur der Luft­waf­fe und Ver­tre­ter Her­mann Gö­rings (1893-1946), hol­te Schwarz als Sport­leh­rer an die Luft­waf­fen-Sport­schu­le in Ber­lin. Be­reits 1936 hat­te er Schwarz, nach­dem er durch das oben er­wähn­te Buch auf die­sen auf­merk­sam ge­wor­den war, ei­ne Stel­le in der Sport­ver­wal­tung der Luft­waf­fe an­ge­bo­ten, Schwarz hat­te je­doch ab­ge­lehnt. Gleich­wohl hat­te Milch die Aus­bil­dung Schwarz‘ zum Re­ser­ve­of­fi­zier der Luft­waf­fe ver­an­lasst. Die Of­fer­te, ak­ti­ver Of­fi­zier zu wer­den, ha­be er aber ab­ge­lehnt, so Schwarz 1947. Sei­ne Ent­schei­dung, letzt­end­lich doch nach Ber­lin zu ge­hen, be­grün­de­te Schwarz in sei­nem Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren mit sei­ner 1938 ge­won­ne­nen Er­kennt­nis, wo­nach der Luft­waf­fen­sport nicht nur frei von al­lem Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen, son­dern so­gar auch frei von al­lem Mi­li­ta­ris­ti­schen sei. An­ge­sichts der 1947 in Nürn­berg er­folg­ten Ver­ur­tei­lung Milchs zu le­bens­lan­ger Haft we­gen Kriegs­ver­bre­chen – Milch wur­de 1954 vor­zei­tig ent­las­sen – ei­ne kaum glaub­wür­di­ge Aus­sa­ge.

Im Au­gust 1939 er­hielt Schwarz ei­ne Stel­le als stell­ver­tre­ten­der Sport­re­fe­rent im Sport­re­fe­rat der Luft­waf­fe, ehe er am 10.2.1940 zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen wur­de. Als Sol­dat war Schwarz wei­ter­hin in der Or­ga­ni­sa­ti­on des Luft­waf­fen­sports ak­tiv, von Mai 1943 bis Ok­to­ber 1944 war er in Ita­li­en sta­tio­niert. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­de er mit dem Kriegs­ver­dienst­kreuz mit Schwer­tern II. Klas­se (1943) und I. Klas­se (1944) aus­ge­zeich­net. Im April 1945 war Schwarz, der beim Mi­li­tär gro­ßes Or­ga­ni­sa­ti­ons­ta­lent und Pla­nungs­ge­schick zeig­te, bis zum Stell­ver­tre­ten­den Kom­man­dan­ten im Ober­kom­man­do der Luft­waf­fe auf­ge­stie­gen und für den Nach­schub ver­ant­wort­lich.

Das Kriegs­en­de er­leb­te Schwarz zu­sam­men mit sei­ner Frau im Auf­fang­la­ger Ste­phans­kir­chen bei Ro­sen­heim, hier ver­ding­ten sich bei­de mehr als ein Jahr als land­wirt­schaft­li­che Aus­hil­fen auf ei­nem Bau­ern­hof. Ver­su­che, ei­ne An­stel­lung in der baye­ri­schen Sport­ver­wal­tung zu er­hal­ten, schei­ter­ten. Im Herbst 1946 folg­te die Rück­kehr nach Köln, wo Schwarz bis zum Früh­jahr 1947 als Ar­bei­ter in ei­ner che­mi­schen Fa­brik in Köln-Kalk tä­tig war.

Zur glück­li­chen Fü­gung für Schwarz wur­de dann ei­ne Ent­schei­dung des „Zo­nen­er­zie­hungs­rats“ in der Bri­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne: Hier wa­ren be­reits kurz nach Kriegs­en­de Ge­dan­ken auf­ge­kom­men, ei­ne zen­tra­le Sport­leh­rer-Aus­bil­dungs­stät­te auf­zu­bau­en, die als de­mo­kra­tisch und in­ter­dis­zi­pli­när ge­präg­te Hoch­schu­le den Sport als Teil der Per­sön­lich­keits­ent­fal­tung und Mög­lich­keit zur spie­le­ri­schen Selbst­voll­endung leh­ren soll­te. Vor­bild soll­te die 1920 in Ber­lin er­öff­ne­te Deut­sche Hoch­schu­le für Lei­bes­übun­gen (DH­fL) der Wei­ma­rer Zeit sein. Die­se ers­te Sport­hoch­schu­le in Deutsch­land war fe­der­füh­rend von Carl Diem kon­zi­piert und ge­lei­tet wor­den, ehe die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die In­sti­tu­ti­on nach der De­mis­si­on Diems in ei­ne NS-Aka­de­mie um­ge­wan­delt hat­ten.

Als Stand­ort für die neue Bil­dungs­ein­rich­tung hat­te Köln den Zu­schlag er­hal­ten. Zum Lei­ter der Sport­hoch­schu­le Köln (ab 1965: Deut­sche Sport­hoch­schu­le Köln) war der von den Bri­ten fa­vo­ri­sier­te Diem be­ru­fen wor­den, der im April 1947 sei­ne Tä­tig­keit auf­nahm.

We­ni­ge Ta­ge spä­ter kam auf Emp­feh­lung der Stadt Köln der in der Sport­ver­wal­tung er­fah­re­ne Schwarz zu dem um Un­ter­stüt­zung für die Lei­tung des Hoch­schul­be­triebs su­chen­den Diem – und hin­ter­ließ so­fort ei­nen sehr gu­ten Ein­druck. So hielt Diem am 19.4.1947 in sei­nem Ta­ge­buch fest: Ich ha­be ei­nen Dr. jur. Schwarz (noch nicht ent­na­zi­fi­ziert) als Se­kre­tär vor­läu­fig an­ge­nom­men, bringt Schreib­ma­schi­ne mit, ste­no­gra­phiert und schreibt flott und macht ei­nen fa­mo­sen sport­be­geis­ter­ten Ein­druck. Schwarz‘ Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren wur­de erst 1949 mit der Ein­ord­nung in Ka­te­go­rie IV („Mit­läu­fer“) end­gül­tig ab­ge­schlos­sen, be­reits am 12.1.1948 war in sei­ner Ak­te aber May re­tain pre­sent po­si­ti­on ver­merkt wor­den. Durch­aus ty­pisch für die Nach­kriegs­zeit in der jun­gen Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wur­de Schwarz‘ Ver­hal­ten in der NS-Zeit fort­an nicht mehr the­ma­ti­siert oder gar (selbst-) kri­tisch durch­leuch­tet; in spä­te­ren Wür­di­gun­gen wur­de al­len­falls er­wähnt, Schwarz sei in den 1930er Jah­ren stell­ver­tre­ten­der Sport­re­fe­rent der Luft­waf­fe ge­we­sen.

Mit sei­ner Er­fah­rung und sei­nem Fleiß wuss­te Schwarz an der Sport­hoch­schu­le Köln schnell zu über­zeu­gen. Am 7.5.1947 no­tier­te ein be­ein­druck­ter Diem: Dr. Schwarz ist vor 8 Uhr mor­gens im Bü­ro und geht abends 8 Uhr weg. Mit ei­ner lei­den­schaft­li­chen Hin­ga­be und eben al­les mit der Er­fah­rung ei­nes aka­de­mi­schen Be­am­ten, ein Tur­ner vol­ler Idea­lis­mus. Er­wäh­nens­wert in die­sem Kon­text ist auch, dass Schwarz, der zeit­le­bens kei­nen Füh­rer­schein be­saß, die cir­ca neun Ki­lo­me­ter lan­ge Stre­cke durch die kriegs­zer­stör­te Stadt zwi­schen sei­nem da­ma­li­gen Wohn­ort Köln-Deutz und dem Sta­di­on der Stadt Köln als ers­tem Hoch­schul­sitz mor­gens und abends zu Fuß zu­rück­leg­te – sein Pri­vat­le­ben ord­ne­te Schwarz, der stets auch an Wo­chen­en­den und an Fei­er­ta­gen ar­bei­te­te, dem Be­rufs­le­ben und der Tä­tig­keit als Funk­tio­när in di­ver­sen Turn- und Sport­or­ga­ni­sa­tio­nen un­ter. Le­dig­lich ein vier­wö­chi­ger Kur­auf­ent­halt in Bad Wö­ris­ho­fen wur­de ab den spä­ten 1950er Jah­ren zum jähr­lich durch­ge­führ­ten Ri­tu­al des Ehe­paars Schwarz.

An der Sport­hoch­schu­le Köln stieg Schwarz, der spä­ter auch Vor­le­sun­gen zum The­ma Ge­mein­schafts- und Ver­wal­tungs­leh­re hielt, schnell zum Lei­ter der Ver­wal­tung auf. 1952 wur­de er Ver­wal­tungs­di­rek­tor, bei sei­ner Pen­sio­nie­rung 1970 schied er als Ober­ver­wal­tungs­di­rek­tor aus dem Dienst – blieb aber noch ein Jahr an der nun­mehr Spor­t­uni­ver­si­tät, um sei­nen Nach­fol­ger, Kanz­ler Ei­ke Reschke (1934-2020), ein­zu­ar­bei­ten. Un­trenn­bar mit Schwarz‘ Na­men ver­bun­den ist die de­tail­lier­te Pla­nung und Ent­ste­hung des 1963 be­zo­ge­nen Cam­pus der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln in di­rek­ter Nach­bar­schaft zum Sta­di­on­park Mün­gers­dorf. Von Diem, der die na­he­zu fer­tig­ge­stell­ten Neu­bau­ten kurz vor sei­nem Tod im De­zem­ber 1962 zum letz­ten Mal zu­sam­men mit Schwarz be­sich­tig­te, ist der an­er­ken­nen­de Aus­spruch über­lie­fert: Schwarz, was ha­ben Sie ge­macht! Für sei­ne Ver­diens­te er­nann­te die Deut­sche Sport­hoch­schu­le Köln Schwarz am 7.7.1975 zu ih­rem ers­ten Eh­ren­bür­ger. 

Par­al­lel zur Auf­bau­pha­se der Sport­hoch­schu­le Köln en­ga­gier­te sich Schwarz in der Turn­be­we­gung. Ab 1947 war er auf Vor­stands­ebe­ne an der (Wie­der-) Grün­dung des Turn­gaus Köln, des Rhei­ni­schen Tur­ner­bun­des – 1949 rich­te­te Köln die ers­ten Deut­schen Turn- und Spiel­meis­ter­schaf­ten aus – und des Rhei­nisch-West­fä­li­schen Turn­ver­ban­des be­tei­ligt. Über­dies en­ga­gier­te er sich im Köl­ner Zweck­ver­band für Lei­bes­übun­gen (heu­te: Stadt­sport­bund Köln) so­wie in den 1950 ent­stan­de­nen na­tio­na­len Dach­or­ga­ni­sa­tio­nen, dem Deut­schen Tur­ner-Bund und dem Deut­schen Sport­bund.

Auch mit dem 1947 neu ge­grün­de­ten LSB NRW kam Schwarz als Ver­tre­ter des Rhei­ni­schen Tur­ner­bunds früh­zei­tig in Kon­takt. Zum „geis­ti­gen Va­ter“ zahl­rei­cher LSB-Ak­ti­vi­tä­ten wur­de er dann ab 1957, als Wil­li Wey­er in Nach­fol­ge von Pe­co Bau­wens zum LSB-Prä­si­den­ten und Schwarz zu ei­nem der Vi­ze­prä­si­den­ten ge­wählt wur­de. Na­he­zu 20 Jah­re war Schwarz für Wey­er der wich­tigs­te Stell­ver­tre­ter (Wey­er bei der Trau­er­fei­er für Schwarz am 7.3.1983) und präg­te vom „Ge­ne­ral­plan des Sports“ (1958) über den 1960 ver­öf­fent­lich­ten „Fünf­jah­res­plan für die För­de­rung der Lei­bes­übun­gen im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len“ gro­ße Lan­des­in­itia­ti­ven in der Zeit des 1959 vom Deut­schen Sport­bund (DSB) be­schlos­se­nen „Zwei­ten Weg­s“ zur För­de­rung des „Sports für al­le“ und des von der Deut­schen Olym­pi­schen Ge­sell­schaft aus­ge­ru­fe­nen „Gol­de­nen Plan­s“ für den Sport­stät­ten­bau in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.

Be­reits 1956 hat­ten die Kul­tus­mi­nis­ter der Län­der zu­sam­men mit den kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den und dem DSB „Emp­feh­lun­gen zur För­de­rung der Lei­bes­er­zie­hung in den Schu­len“ ver­öf­fent­licht. Schwarz be­män­gel­te je­doch, es sei bei Emp­feh­lun­gen ge­blie­ben, „sein“ für Nord­rhein-West­fa­len er­ar­bei­te­ter Fünf­jah­res­plan soll­te hin­ge­gen auch wirk­lich um­ge­setzt wer­den. Zu die­sem Zweck rief er Ar­beits­krei­se für spe­zi­fi­sche Auf­ga­ben­ge­bie­te wie Sport­stät­ten­bau, Sport­ver­wal­tung und Lei­bes­er­zie­hung in Schu­le und Ver­ein ins Le­ben und ver­knüpf­te auf die­se Wei­se nicht nur ver­schie­de­ne Ar­beits­fel­der, son­dern auch die na­tio­na­len In­itia­ti­ven „Gol­de­ner Plan“ und „Zwei­ter We­g“ mit der Lan­des­ebe­ne. Die Fä­hig­keit, an­de­re Men­schen zur Mit­ar­beit zu ani­mie­ren und neue Per­so­nen­grup­pen für die Sa­che von Tur­nen und Sport her­an­zu­zie­hen, sei ein be­son­de­rer We­sens­zug von Schwarz ge­we­sen, so Wey­er in sei­ner Trau­er­re­de 1983.

Dar­über hin­aus rief der in der Pres­se oft­mals als stän­dig vol­ler Ide­en sprü­hen­der „Feu­er­kopf“ be­zeich­ne­te Schwarz, der bei al­lem an den Tag ge­leg­ten Ei­fer den­noch stets im Hin­ter­grund blieb, Ama­teur-Sport­film­ta­ge ins Le­ben, die ab 1968 zu­nächst in Duis­burg, spä­ter dann in Mül­heim an der Ruhr ver­an­stal­tet wur­den – und zu­dem durch Pro­fi-Sport­film­ta­ge in Ober­hau­sen er­gänzt wur­den.

Mit persönlichen Notizen in Kurzschrift versehenes Schreiben von Verwaltungsdirektor Willi Schwarz kündigte die offizielle Übernahme des Neubaus der Sporthochschule am 12.6.1963 an, 10.6.1963. (Carl und Liselott Diem-Archiv)

 

1975 kam es je­doch über­ra­schend zum Bruch mit dem LSB NRW: Ei­ne neue Ge­ne­ra­ti­on von Of­fi­zi­el­len präg­te mitt­ler­wei­le das Sport­ge­sche­hen. Bei ih­nen wa­ren Schwarz‘ Ide­en für ei­nen „Sport­plan ‘80“ in­ner­halb ei­ner ver­bands­in­ter­nen Ar­beits­grup­pe auf Ab­leh­nung ge­sto­ßen. Der hier­von tief ver­letz­te Schwarz zog sich dar­auf­hin zu­rück. Prä­si­dent Wey­er, mit dem Schwarz freund­schaft­lich ver­bun­den blieb, konn­te sei­nen Vi­ze­prä­si­den­ten le­dig­lich da­zu be­we­gen, die an­ge­bo­te­ne Eh­ren­mit­glied­schaft des LSB NRW an­zu­neh­men.

Der 1964 mit der „Sport­pla­ket­te des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len“ und 1965 mit der „Wal­ter-Kolb-Pla­ket­te“ des Deut­schen Tur­ner­bunds aus­ge­zeich­ne­te Schwarz hat­te nun erst­mals mehr Frei­zeit, die er auch für sein Hob­by, das Sam­meln von Fo­tos und Au­to­gra­phen, nut­zen konn­te.

Schwarz starb am 27.2.1983, nach­dem er ei­nen Herz­in­farkt er­lit­ten hat­te. Er wur­de auf dem Köl­ner Me­la­ten-Fried­hof be­stat­tet. Zu Schwarz‘ Eh­ren rief der Rhei­ni­sche Tur­ner­bund 1985 die „Dr.-Wil­li-Schwarz-Pla­ket­te“ für Ver­diens­te in der Turn­be­we­gung ins Le­ben, 1989 wur­de zu­dem ein Weg im Sport­park Mün­gers­dorf nach Wil­li Schwarz be­nannt.

Werke

Die staats­po­li­ti­sche Be­deu­tung der Lei­bes­übun­gen – Ver­such ei­nes kur­zen grund­sätz­li­chen und all­sei­ti­gen Grund­ris­ses, Köln 1935.

Fünf­jah­res­plan für die För­de­rung der Lei­bes­übun­gen im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len, Duis­burg 1960. 

Quellen

Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ak­te „Schwarz, Wil­hel­m“. Lan­des­ar­chiv NRW, Ab­tei­lung Rhein­land, Be­stand: NW 1048-42, Si­gna­tur: 1969.

Kor­re­spon­denz Carl Diem – Dr. Wil­helm Schwarz, Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln. 

Map­pe „Schwarz, Wil­hel­m“. Pres­se­ar­chiv im Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln.

Nach­lass Wer­ner Körbs. Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln.

Ta­ge­bü­cher Carl Diem 1882 – 1962. Carl und Li­se­lott Diem-Ar­chiv der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln.

Literatur

Molz­ber­ger, Ans­gar u. a., Ab­ge­staubt und neu er­forsch­bar. Die his­to­ri­schen Samm­lun­gen der Deut­schen Sport­hoch­schu­le Köln, Bd.: 100 Jah­re Sport­hoch­schu­le, Hel­len­thal 2020.

Mo­ni­en, Erik A., Le­ben und sport­po­li­ti­sches Wir­ken von Dr. Wil­helm Hil­ari­us Schwarz, Di­plom­ar­beit Deut­sche Sport­hoch­schu­le Köln, Köln 1998. 

60. Geburtstag, Willi Schwarz bei der Entgegennahme von Glückwünschen an der Deutschen Sporthochschule Köln, 1965. (Carl und Liselott Diem-Archiv)

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Molzberger, Ansgar, Willi Schwarz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/willi-schwarz/DE-2086/lido/6852a95d6122d8.75399478 (abgerufen am 25.01.2026)

Veröffentlichung

Veröffentlicht am 03.07.2025, zuletzt geändert am 22.01.2026