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Vorbild an Einfallsreichtum, Arbeitstier im unermüdlichen Einsatz, dabei sich stets im Hintergrund haltend – so beschreiben Mitstreiter und Zeitgenossen Willi Schwarz. Als langjähriger Vizepräsident des Landessportbundes Nordrhein-Westfalen (LSB NRW), Verwaltungsdirektor der Deutschen Sporthochschule Köln und als Vorstandsmitglied in diversen Vereinen und Verbänden prägte dieser nachhaltig den Wiederaufbau und die Entwicklung von Turnen und Sport im Nachkriegsdeutschland.
Wilhelm „Willi“ Hilarius Schwarz wurde am 8.8.1905 als zweiter Sohn des Ehepaars Hilarius Schwarz (1859-1929) und Maria Schwarz, geb. Siebertz (1867-1908) im rechtsrheinischen Köln geboren. Hier besuchte der Sohn aus katholischem Elternhaus von 1911 bis 1914 die Volksschule in Köln-Humboldt, ehe er auf das Humanistische Gymnasium in Köln-Kalk wechselte, an dem er 1923 als 17-Jähriger die Abiturprüfung ablegte. Bereits in seiner Schulzeit begeisterte sich Schwarz, dessen Leidenschaft zeit seines Lebens vor allem dem Turnen galt, auch für Organisationsfragen des Sports und gründete an seinem Gymnasium einen Schüler-Ruderverein. Darüber hinaus belegte er an der Kölner Handelsschule Kurse im Schreibmaschinenschreiben und in Stenographie. Später entwickelte Schwarz eine eigene Kurzschrift – eine große Herausforderung für das Studium seiner handgeschriebenen Notizen.
Nach seiner Schulzeit verdingte sich Schwarz einige Monate als Städteführer in Deutschland für eine britische Reisegesellschaft; über seine Schulkenntnisse in Latein, Altgriechisch und Französisch hinaus eignete er sich später auch Englisch und Italienisch an. Bereits zu Schulzeiten hatte er sich zudem für Esperanto begeistert und in Köln eine Ortsgruppe des Deutschen Esperantobundes gegründet.
Zum Wintersemester 1923/24 nahm Schwarz ein Jura- und Geschichtsstudium an der Universität zu Köln auf, gleichzeitig belegte er an der Universität einen Ausbildungslehrgang für Turn- und Sportlehrer, den er 1925 als Jahrgangsbester abschloss. Im selben Jahr trat er in die Akademische Turnverbindung Markomannia Köln sowie in den ältesten Turnverein der Domstadt, die Kölner Turnerschaft von 1843, ein. Schwerer tat sich Schwarz mit der angestrebten Laufbahn als Jurist: Zwar bestand er die Referendarprüfung und das Examen und wurde mit der 1929 veröffentlichten Dissertation „Die Kausalität bei den sogenannten Begehungsdelikten durch Unterlassung“ sogar zum Dr. jur. promoviert, seine anschließend aufgenommene Tätigkeit als Gerichtsreferendar brach Schwarz jedoch zunächst ab. Auch ein zusätzlich aufgenommenes Lehramts-Studium für die Mittelschule beendete er nicht, nachdem ihm 1931 eröffnet worden war, dass Turnen außerhalb des Lehramtsstudiums für die Volksschule nicht länger als Prüfungsfach gewählt werden könne. Der Tod seines Vaters im Jahr 1929 – die Mutter war bereits 1908 gestorben – habe ihn schwer getroffen, so Schwarz nach dem Zweiten Weltkrieg in seinem Entnazifizierungsverfahren. Die Zeit nach 1929 sei von wirtschaftlichen Sorgen und vielen Fehlschlägen geprägt gewesen, geplante Veröffentlichungen zum Katholizismus und zu jugenderzieherischen Fragen seien gescheitert.
Nicht nur für Deutschland insgesamt, sondern auch für Schwarz persönlich wurde dann das Jahr 1933 zur Zäsur: Schwarz nahm den juristischen Dienst wieder auf, zum 1.5.1933 trat er dem NS-Juristenbund bei und darüber hinaus in die NSDAP und die SA ein. 1934 absolvierte er die Prüfung zum Gerichtsassessor. Nach kurzem beruflichen Wirken am Amtsgericht Bensberg versandete seine juristische Karriere jedoch; er blieb mehrere Jahre arbeitslos. Schwarz und seine Frau Erna, geb. Leininger (1906-1982) – die Ehe war 1935 geschlossen worden und blieb kinderlos – lebten in dieser Zeit in äußerst bescheidenen Verhältnissen von den vorhandenen Ersparnissen der Ehefrau. 1938 erhielt Schwarz nach dem Tod seines letzten Onkels väterlicherseits ein geringes Erbvermögen.
In seinem Entnazifizierungsverfahren schrieb Schwarz, er habe von der Jahresmitte 1934 bis zum Beginn des Jahres 1939 einen persönlichen Kampf gegen den Nationalsozialismus geführt und zu diesem Zweck auf alle Stellungen und jegliches Einkommen verzichtet – eine Darstellung, die nach dem Krieg von seiner Frau vehement unterstrichen wurde. Unter anderem habe er 1936 eine Aufforderung der Kölner Hitler-Jugend (HJ), als Jurist mit sportlich-jugendkundlicher Spezialisierung in der HJ-Verwaltung mitzuarbeiten, aus weltanschaulichen Gründen abgelehnt und sein juristisches Spezialgebiet lieber aufgegeben, so Schwarz 1947. Darüber hinaus betonte Schwarz im Zuge des Verfahrens wiederholt – die Akte im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen umfasst 125 Seiten – seine Frau und er seien geradezu fanatisch anti-nat.-soz. gewesen, mehrfach habe ihnen aufgrund ihres Verhaltens die politische Verfolgung gedroht. Zudem sei er seiner Erinnerung nach – die Unterlagen seien im Krieg verbrannt – 1936 aus der SA ausgetreten. 1938 habe er dies auch bei der NSDAP versucht, der Parteiaustritt sei jedoch abgelehnt worden. Weder in der NSDAP-Zentral- noch in der -Gaukartei findet sich allerdings ein Vermerk zu einem Antrag auf Parteiaustritt.
Der Selbststilisierung als überzeugtem Antifaschisten steht Schwarz‘ Buch „Die staatspolitische Bedeutung der Leibesübungen – Versuch eines kurzen grundsätzlichen und allseitigen Grundrisses“ aus dem Jahr 1935 gegenüber. Nachdem das ursprüngliche Manuskript vom Limpert-Verlag abgelehnt worden sei, habe er das Buch im Sinne der NS-Machthaber frisiert und daraufhin im Eigenverlag veröffentlicht, so Schwarz 1947. In der überarbeiteten Fassung äußerte er nun im Vorwort, der Führer habe den Weg gewiesen, den wir gehen müssen, wenn wir überhaupt noch einmal groß und stark werden wollen. Weiterhin habe dieser als unermüdlicher Rufer im Streite und heldischer Vorkämpfer […] Deutschland wachgerufen, es durch Kampf zum Sieg geführt, das Dritte Reich geschaffen! Und weiter: Pflicht eines jeden seiner Gefolgschaft ist und bleibt es da, unentwegt daran zu arbeiten, daß dies Dritte Reich und sein Geist auch noch in den Letzten, in allen und zwar möglichst bald … [sic] restlos Wirklichkeit wird: Das Dritte Reich, das als totales Reich ein ideales Reich ist, in dem Führer und Staat, und Staat und Volk, alle in allem eins sind!
Sein 127 Seiten starkes Buch, dessen 60 Seiten umfassender Endnotenapparat von akribischer Quellenarbeit zeugt, ließ Schwarz zahlreichen Empfängern zukommen. Diese bat er um eine Rezension, um das Buch anschließend mit Hilfe von positiven Stellungnahmen weiter vertreiben zu können. Seine nach dem Zweiten Weltkrieg vorgenommene Einordnung, das Buch sei eine Kampfschrift gegen die NS-Gleichschaltung des Sports gewesen, ist angesichts der vor der Veröffentlichung im Selbstverlag freiwillig vorgenommenen Überarbeitungen nicht nachvollziehbar. Wohl eher muss die Schrift als recht plump gestalteter Anbiederungsversuch des arbeitssuchenden Schwarz an die Machthaber verstanden werden.
Die „Parteiamtliche Prüfungskommission zum Schutze des N.S.-Schrifttums“ lehnte den Inhalt der Publikation hingegen auch in der „frisierten“ Fassung ab. Weder seien die verwendeten Quellen in ihrer Qualität gleichwertig noch in dieser zum Teil zusammenhanglosen Anführung als stichhaltiges Material zu werten, so die Kommission im Oktober 1936.
Immerhin aber wurde unter anderem die Kölner Turn- und Sportszene auf Schwarz aufmerksam, die diesen erfolgreich um – ehrenamtliche – Mitarbeit bat. Ab 1936 engagierte sich Schwarz daraufhin im Gau XI des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen (DRL) und stieg bis in die Gauführung auf. Nachdem der DRL 1938 zum Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen (NSRL) geworden war, habe er seine Arbeit jedoch eingestellt, da er nicht in einer NS-betreuten Organisation aktiv sein wollte, so Schwarz 1947. Der Grund für die Beendigung des Engagements könnte allerdings auch darin gelegen haben, dass Schwarz 1939 eine Anstellung in Berlin bekam: Erhard Milch (1892-1972), Generalinspekteur der Luftwaffe und Vertreter Hermann Görings (1893-1946), holte Schwarz als Sportlehrer an die Luftwaffen-Sportschule in Berlin. Bereits 1936 hatte er Schwarz, nachdem er durch das oben erwähnte Buch auf diesen aufmerksam geworden war, eine Stelle in der Sportverwaltung der Luftwaffe angeboten, Schwarz hatte jedoch abgelehnt. Gleichwohl hatte Milch die Ausbildung Schwarz‘ zum Reserveoffizier der Luftwaffe veranlasst. Die Offerte, aktiver Offizier zu werden, habe er aber abgelehnt, so Schwarz 1947. Seine Entscheidung, letztendlich doch nach Berlin zu gehen, begründete Schwarz in seinem Entnazifizierungsverfahren mit seiner 1938 gewonnenen Erkenntnis, wonach der Luftwaffensport nicht nur frei von allem Nationalsozialistischen, sondern sogar auch frei von allem Militaristischen sei. Angesichts der 1947 in Nürnberg erfolgten Verurteilung Milchs zu lebenslanger Haft wegen Kriegsverbrechen – Milch wurde 1954 vorzeitig entlassen – eine kaum glaubwürdige Aussage.
Im August 1939 erhielt Schwarz eine Stelle als stellvertretender Sportreferent im Sportreferat der Luftwaffe, ehe er am 10.2.1940 zur Wehrmacht eingezogen wurde. Als Soldat war Schwarz weiterhin in der Organisation des Luftwaffensports aktiv, von Mai 1943 bis Oktober 1944 war er in Italien stationiert. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er mit dem Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern II. Klasse (1943) und I. Klasse (1944) ausgezeichnet. Im April 1945 war Schwarz, der beim Militär großes Organisationstalent und Planungsgeschick zeigte, bis zum Stellvertretenden Kommandanten im Oberkommando der Luftwaffe aufgestiegen und für den Nachschub verantwortlich.
Das Kriegsende erlebte Schwarz zusammen mit seiner Frau im Auffanglager Stephanskirchen bei Rosenheim, hier verdingten sich beide mehr als ein Jahr als landwirtschaftliche Aushilfen auf einem Bauernhof. Versuche, eine Anstellung in der bayerischen Sportverwaltung zu erhalten, scheiterten. Im Herbst 1946 folgte die Rückkehr nach Köln, wo Schwarz bis zum Frühjahr 1947 als Arbeiter in einer chemischen Fabrik in Köln-Kalk tätig war.
Zur glücklichen Fügung für Schwarz wurde dann eine Entscheidung des „Zonenerziehungsrats“ in der Britischen Besatzungszone: Hier waren bereits kurz nach Kriegsende Gedanken aufgekommen, eine zentrale Sportlehrer-Ausbildungsstätte aufzubauen, die als demokratisch und interdisziplinär geprägte Hochschule den Sport als Teil der Persönlichkeitsentfaltung und Möglichkeit zur spielerischen Selbstvollendung lehren sollte. Vorbild sollte die 1920 in Berlin eröffnete Deutsche Hochschule für Leibesübungen (DHfL) der Weimarer Zeit sein. Diese erste Sporthochschule in Deutschland war federführend von Carl Diem konzipiert und geleitet worden, ehe die Nationalsozialisten die Institution nach der Demission Diems in eine NS-Akademie umgewandelt hatten.
Als Standort für die neue Bildungseinrichtung hatte Köln den Zuschlag erhalten. Zum Leiter der Sporthochschule Köln (ab 1965: Deutsche Sporthochschule Köln) war der von den Briten favorisierte Diem berufen worden, der im April 1947 seine Tätigkeit aufnahm.
Wenige Tage später kam auf Empfehlung der Stadt Köln der in der Sportverwaltung erfahrene Schwarz zu dem um Unterstützung für die Leitung des Hochschulbetriebs suchenden Diem – und hinterließ sofort einen sehr guten Eindruck. So hielt Diem am 19.4.1947 in seinem Tagebuch fest: Ich habe einen Dr. jur. Schwarz (noch nicht entnazifiziert) als Sekretär vorläufig angenommen, bringt Schreibmaschine mit, stenographiert und schreibt flott und macht einen famosen sportbegeisterten Eindruck. Schwarz‘ Entnazifizierungsverfahren wurde erst 1949 mit der Einordnung in Kategorie IV („Mitläufer“) endgültig abgeschlossen, bereits am 12.1.1948 war in seiner Akte aber May retain present position vermerkt worden. Durchaus typisch für die Nachkriegszeit in der jungen Bundesrepublik Deutschland wurde Schwarz‘ Verhalten in der NS-Zeit fortan nicht mehr thematisiert oder gar (selbst-) kritisch durchleuchtet; in späteren Würdigungen wurde allenfalls erwähnt, Schwarz sei in den 1930er Jahren stellvertretender Sportreferent der Luftwaffe gewesen.
Mit seiner Erfahrung und seinem Fleiß wusste Schwarz an der Sporthochschule Köln schnell zu überzeugen. Am 7.5.1947 notierte ein beeindruckter Diem: Dr. Schwarz ist vor 8 Uhr morgens im Büro und geht abends 8 Uhr weg. Mit einer leidenschaftlichen Hingabe und eben alles mit der Erfahrung eines akademischen Beamten, ein Turner voller Idealismus. Erwähnenswert in diesem Kontext ist auch, dass Schwarz, der zeitlebens keinen Führerschein besaß, die circa neun Kilometer lange Strecke durch die kriegszerstörte Stadt zwischen seinem damaligen Wohnort Köln-Deutz und dem Stadion der Stadt Köln als erstem Hochschulsitz morgens und abends zu Fuß zurücklegte – sein Privatleben ordnete Schwarz, der stets auch an Wochenenden und an Feiertagen arbeitete, dem Berufsleben und der Tätigkeit als Funktionär in diversen Turn- und Sportorganisationen unter. Lediglich ein vierwöchiger Kuraufenthalt in Bad Wörishofen wurde ab den späten 1950er Jahren zum jährlich durchgeführten Ritual des Ehepaars Schwarz.
An der Sporthochschule Köln stieg Schwarz, der später auch Vorlesungen zum Thema Gemeinschafts- und Verwaltungslehre hielt, schnell zum Leiter der Verwaltung auf. 1952 wurde er Verwaltungsdirektor, bei seiner Pensionierung 1970 schied er als Oberverwaltungsdirektor aus dem Dienst – blieb aber noch ein Jahr an der nunmehr Sportuniversität, um seinen Nachfolger, Kanzler Eike Reschke (1934-2020), einzuarbeiten. Untrennbar mit Schwarz‘ Namen verbunden ist die detaillierte Planung und Entstehung des 1963 bezogenen Campus der Deutschen Sporthochschule Köln in direkter Nachbarschaft zum Stadionpark Müngersdorf. Von Diem, der die nahezu fertiggestellten Neubauten kurz vor seinem Tod im Dezember 1962 zum letzten Mal zusammen mit Schwarz besichtigte, ist der anerkennende Ausspruch überliefert: Schwarz, was haben Sie gemacht! Für seine Verdienste ernannte die Deutsche Sporthochschule Köln Schwarz am 7.7.1975 zu ihrem ersten Ehrenbürger.
Parallel zur Aufbauphase der Sporthochschule Köln engagierte sich Schwarz in der Turnbewegung. Ab 1947 war er auf Vorstandsebene an der (Wieder-) Gründung des Turngaus Köln, des Rheinischen Turnerbundes – 1949 richtete Köln die ersten Deutschen Turn- und Spielmeisterschaften aus – und des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes beteiligt. Überdies engagierte er sich im Kölner Zweckverband für Leibesübungen (heute: Stadtsportbund Köln) sowie in den 1950 entstandenen nationalen Dachorganisationen, dem Deutschen Turner-Bund und dem Deutschen Sportbund.
Auch mit dem 1947 neu gegründeten LSB NRW kam Schwarz als Vertreter des Rheinischen Turnerbunds frühzeitig in Kontakt. Zum „geistigen Vater“ zahlreicher LSB-Aktivitäten wurde er dann ab 1957, als Willi Weyer in Nachfolge von Peco Bauwens zum LSB-Präsidenten und Schwarz zu einem der Vizepräsidenten gewählt wurde. Nahezu 20 Jahre war Schwarz für Weyer der wichtigste Stellvertreter (Weyer bei der Trauerfeier für Schwarz am 7.3.1983) und prägte vom „Generalplan des Sports“ (1958) über den 1960 veröffentlichten „Fünfjahresplan für die Förderung der Leibesübungen im Lande Nordrhein-Westfalen“ große Landesinitiativen in der Zeit des 1959 vom Deutschen Sportbund (DSB) beschlossenen „Zweiten Wegs“ zur Förderung des „Sports für alle“ und des von der Deutschen Olympischen Gesellschaft ausgerufenen „Goldenen Plans“ für den Sportstättenbau in der Bundesrepublik Deutschland.
Bereits 1956 hatten die Kultusminister der Länder zusammen mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem DSB „Empfehlungen zur Förderung der Leibeserziehung in den Schulen“ veröffentlicht. Schwarz bemängelte jedoch, es sei bei Empfehlungen geblieben, „sein“ für Nordrhein-Westfalen erarbeiteter Fünfjahresplan sollte hingegen auch wirklich umgesetzt werden. Zu diesem Zweck rief er Arbeitskreise für spezifische Aufgabengebiete wie Sportstättenbau, Sportverwaltung und Leibeserziehung in Schule und Verein ins Leben und verknüpfte auf diese Weise nicht nur verschiedene Arbeitsfelder, sondern auch die nationalen Initiativen „Goldener Plan“ und „Zweiter Weg“ mit der Landesebene. Die Fähigkeit, andere Menschen zur Mitarbeit zu animieren und neue Personengruppen für die Sache von Turnen und Sport heranzuziehen, sei ein besonderer Wesenszug von Schwarz gewesen, so Weyer in seiner Trauerrede 1983.
Darüber hinaus rief der in der Presse oftmals als ständig voller Ideen sprühender „Feuerkopf“ bezeichnete Schwarz, der bei allem an den Tag gelegten Eifer dennoch stets im Hintergrund blieb, Amateur-Sportfilmtage ins Leben, die ab 1968 zunächst in Duisburg, später dann in Mülheim an der Ruhr veranstaltet wurden – und zudem durch Profi-Sportfilmtage in Oberhausen ergänzt wurden.
Mit persönlichen Notizen in Kurzschrift versehenes Schreiben von Verwaltungsdirektor Willi Schwarz kündigte die offizielle Übernahme des Neubaus der Sporthochschule am 12.6.1963 an, 10.6.1963. (Carl und Liselott Diem-Archiv)
1975 kam es jedoch überraschend zum Bruch mit dem LSB NRW: Eine neue Generation von Offiziellen prägte mittlerweile das Sportgeschehen. Bei ihnen waren Schwarz‘ Ideen für einen „Sportplan ‘80“ innerhalb einer verbandsinternen Arbeitsgruppe auf Ablehnung gestoßen. Der hiervon tief verletzte Schwarz zog sich daraufhin zurück. Präsident Weyer, mit dem Schwarz freundschaftlich verbunden blieb, konnte seinen Vizepräsidenten lediglich dazu bewegen, die angebotene Ehrenmitgliedschaft des LSB NRW anzunehmen.
Der 1964 mit der „Sportplakette des Landes Nordrhein-Westfalen“ und 1965 mit der „Walter-Kolb-Plakette“ des Deutschen Turnerbunds ausgezeichnete Schwarz hatte nun erstmals mehr Freizeit, die er auch für sein Hobby, das Sammeln von Fotos und Autographen, nutzen konnte.
Schwarz starb am 27.2.1983, nachdem er einen Herzinfarkt erlitten hatte. Er wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof bestattet. Zu Schwarz‘ Ehren rief der Rheinische Turnerbund 1985 die „Dr.-Willi-Schwarz-Plakette“ für Verdienste in der Turnbewegung ins Leben, 1989 wurde zudem ein Weg im Sportpark Müngersdorf nach Willi Schwarz benannt.
Werke
Die staatspolitische Bedeutung der Leibesübungen – Versuch eines kurzen grundsätzlichen und allseitigen Grundrisses, Köln 1935.
Fünfjahresplan für die Förderung der Leibesübungen im Lande Nordrhein-Westfalen, Duisburg 1960.
Quellen
Entnazifizierungsakte „Schwarz, Wilhelm“. Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Bestand: NW 1048-42, Signatur: 1969.
Korrespondenz Carl Diem – Dr. Wilhelm Schwarz, Carl und Liselott Diem-Archiv der Deutschen Sporthochschule Köln.
Mappe „Schwarz, Wilhelm“. Pressearchiv im Carl und Liselott Diem-Archiv der Deutschen Sporthochschule Köln.
Nachlass Werner Körbs. Carl und Liselott Diem-Archiv der Deutschen Sporthochschule Köln.
Tagebücher Carl Diem 1882 – 1962. Carl und Liselott Diem-Archiv der Deutschen Sporthochschule Köln.
Literatur
Molzberger, Ansgar u. a., Abgestaubt und neu erforschbar. Die historischen Sammlungen der Deutschen Sporthochschule Köln, Bd.: 100 Jahre Sporthochschule, Hellenthal 2020.
Monien, Erik A., Leben und sportpolitisches Wirken von Dr. Wilhelm Hilarius Schwarz, Diplomarbeit Deutsche Sporthochschule Köln, Köln 1998.
60. Geburtstag, Willi Schwarz bei der Entgegennahme von Glückwünschen an der Deutschen Sporthochschule Köln, 1965. (Carl und Liselott Diem-Archiv)
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Molzberger, Ansgar, Willi Schwarz, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: https://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/willi-schwarz/DE-2086/lido/6852a95d6122d8.75399478 (abgerufen am 25.01.2026)
Veröffentlicht am 03.07.2025, zuletzt geändert am 22.01.2026