Henkel, Peter, Anton Betz. Ein Verleger zwischen Weimar und Bonn, Düsseldorf, Düsseldorf University Press 2011

336 S., mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-940671-48-6, 24,80 Euro

Christoph Kaltscheuer (Bonn)

Die vor­lie­gen­de Bio­gra­phie, die sich als Sym­bio­se aus Ge­schichts- und Zei­tungs­wis­sen­schaft ver­steht, stellt die ers­te wis­sen­schaft­li­che Mo­no­gra­phie über An­ton Betz dar. Zu­vor war der Mit­be­grün­der der „Rhei­ni­schen Pos­t“, ge­mes­sen an sei­ner Be­deu­tung für die (bun­des-)deut­sche Pres­se, von der For­schung weit­ge­hend ver­nach­läs­sigt wor­den.

Der Im­puls für die von Kurt Düwell be­treu­te Dis­ser­ta­ti­on des Düs­sel­dor­fer His­to­ri­kers Pe­ter Hen­kel ging von der Be­ar­bei­tung des Nach­las­ses von An­ton Betz durch den Au­tor in den Jah­ren 2000/2001 aus. Auf Ba­sis die­ser Haupt­quel­le und wei­te­ren um­fang­rei­chen Ma­te­ri­als aus 24 deut­schen Ar­chi­ven und Samm­lun­gen be­leuch­tet die Ar­beit die Ent­wick­lung der ka­tho­lisch-po­li­ti­schen Mi­lieu­pres­se der Wei­ma­rer Re­pu­blik hin zur in­ter­kon­fes­sio­nel­len christ­li­chen Pres­se in der Bun­des­re­pu­blik. Be­zugs­punkt der Ana­ly­se ist da­bei die (Pres­se-)Bio­gra­phie An­ton Betz´, die Hen­kel in die­sem Zu­sam­men­hang als „Ma­trix der christ­lich-po­li­ti­schen Pres­se­ent­wick­lun­g“ (S. 13) be­zeich­net.

In vier Haupt­ka­pi­teln geht Hen­kel da­bei den Fra­gen nach, wel­che Rol­le der tief im Ka­tho­li­zis­mus ver­wur­zel­te Betz im Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess der Zei­tungs­pres­se spiel­te, wel­che Kon­zep­te er in den 1920­ger Jah­ren ent­wi­ckel­te und in­wie­weit er die­se nach 1945 mo­di­fi­zier­te be­zie­hungs­wei­se bei­be­hielt. Das ers­te Ka­pi­tel be­steht aus ei­ner knapp 20-sei­ti­gen Kurz­bio­gra­phie. Ein­ge­bet­tet in die Be­schrei­bung der von Kir­che und Par­tei­en do­mi­nier­ten ka­tho­li­schen Zei­tungs­land­schaft wird im zwei­ten Ab­schnitt der Ein­stieg von Betz in die Zei­tungs­ar­beit nach­voll­zo­gen. Zwi­schen 1920 und 1925 stieg er vom Vo­lon­tär bei der am­bi­tio­nier­ten Saar­brü­cker Lan­des-Zei­tung zum Chef­re­dak­teur der Saar-Zei­tung und zum Ver­lags­lei­ter in Bay­ern auf. Ab 1923 setz­te er sich pu­bli­zis­tisch mit den Grund­la­gen des Zei­tungs­we­sens aus­ein­an­der und ent­wi­ckel­te mo­der­ne Kon­zep­te für ei­ne un­ab­hän­gi­ge Ta­ges­pres­se.

Ge­gen­stand des drit­ten Ka­pi­tels sind die wirt­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Her­aus­for­de­run­gen nach dem Wech­sel in die Di­rek­ti­on des Münch­ner Ver­lags Knorr & Hirth 193. Wäh­rend der Sa­nie­rung des Ver­lags sah sich Betz mit weit­rei­chen­den Ein­grif­fen durch Ver­tre­ter der rhei­ni­schen Schwer­in­dus­trie, dem Haupt­ak­tio­när, kon­fron­tiert. Gleich­zei­tig es­ka­lier­te der Kon­flikt mit den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zu­se­hends, da man die me­dia­le Un­ter­stüt­zung Hit­lers ver­wei­ger­te. Wäh­rend der Ver­lag gleich­ge­schal­tet wur­de, folg­ten für Betz In­haf­tie­rung, Be­rufs­ver­bot und die Aus­wei­sung aus Bay­ern. 

Auf 110 Sei­ten wird im vier­ten Ka­pi­tel dem Auf­bau der Nach­kriegs­pres­se Betz´ Ein­tre­ten für ei­ne fi­nan­zi­ell wie in­halt­lich selb­stän­di­gen Zei­tung der an­teils­mä­ßig grö­ß­te Raum ge­ge­ben. Wäh­rend sei­ne Plä­ne für ei­ne ka­tho­lisch-po­li­ti­sche Pres­se in Bay­ern an der nicht rea­li­sier­ba­ren Ab­wehr kirch­li­chen Ein­flus­ses schei­ter­ten, konn­te er mit der Grün­dung der „Rhei­ni­schen Pos­t“ den Ent­wurf ei­ner un­ab­hän­gi­gen Zei­tung durch­set­zen. Mit der Um­set­zung von Kern­for­de­run­gen sei­ner be­reits vor 1945 for­mu­lier­ten Kon­zep­te ge­hört An­ton Betz zu den Weg­be­rei­tern der von Par­tei­en und Kir­chen un­ab­hän­gi­gen Ta­ges­zei­tung.

Die knapp 340-sei­ti­ge Ar­beit leis­tet zwei­er­lei: Zum ei­nen stellt sie ei­nen fun­dier­ten Bei­trag zur deut­schen Pres­se­ge­schich­te des 20. Jahr­hun­derts dar, in­dem sie die Ent­wick­lung zur par­tei­na­hen, aber un­ab­hän­gi­gen Zei­tung un­se­rer Zeit er­läu­tert. Zum an­de­ren er­gänzt sie die For­schung um die Bio­gra­phie ei­nes be­deu­ten­den Pu­bli­zis­ten und Ver­le­gers, der sei­ne Spu­ren be­son­ders in der rhei­ni­schen Nach­kriegs­ge­schich­te hin­ter­las­sen hat.

Ab­ge­schlos­sen wird das Buch durch ein Orts-, Per­so­nen-, Ver­lags- und Zei­tungs­re­gis­ter, wel­ches dem Le­ser Zu­gang und Be­nut­zung er­leich­tert. Dar­über hin­aus ist es mit 37 Ab­bil­dun­gen ver­se­hen. 

Zitationshinweis

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Kaltscheuer, Christoph, Henkel, Peter, Anton Betz. Ein Verleger zwischen Weimar und Bonn, Düsseldorf, Düsseldorf University Press 2011, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Literaturschau/henkel-peter-anton-betz.-ein-verleger-zwischen-weimar-und-bonn-duesseldorf-duesseldorf-university-press-2011/DE-2086/lido/5d1b5e1c2bd160.64747254 (abgerufen am 23.08.2019)