Eucharius

Bischof von Trier (3. Jahrhundert)

Andrea Binsfeld (Luxemburg)

Die Sarkophage von Eucharius und Valerius in der Benediktinerabtei St. Matthias in Trier, Foto: Stefan Kühn.

Eu­cha­ri­us ist nach der Trie­rer Bi­schofs­lis­te der ers­te Bi­schof von Trier. Sei­ne Amts­zeit fällt in die Zeit der gro­ßen Chris­ten­ver­fol­gun­gen des 3. Jahr­hun­derts und der mi­li­tä­ri­schen Be­dro­hun­gen Gal­li­ens durch Über­grif­fe der Fran­ken und Ala­man­nen über den Rhein.

Es gibt nur we­ni­ge Nach­rich­ten über die An­fän­ge des Chris­ten­tums in Gal­li­en. Ver­ein­zel­te In­for­ma­tio­nen bei Ire­nä­us von Ly­on (cir­ca 135-202) und Eu­se­bi­us von Cae­sarea (cir­ca 260-340) las­sen dar­auf schlie­ßen, dass Ly­on ei­ne wich­ti­ge Ver­mitt­ler­rol­le bei der Aus­brei­tung des Chris­ten­tums in Gal­li­en im zwei­ten und drit­ten Jahr­hun­dert spiel­te. Si­che­ren Bo­den, was die Exis­tenz ei­ner christ­li­chen Ge­mein­de in Trier an­geht, er­reicht man erst mit der Trie­rer Bi­schofs­lis­te, die in ih­ren frü­hen Re­dak­tio­nen auf das 10. Jahr­hun­dert zu­rück­geht und als ers­te Bi­schö­fe Eu­cha­ri­us, Va­le­ri­us, Ma­ter­nus und Agri­ci­us nennt. Zeit­li­cher An­ker­punkt die­ser Lis­te ist das Jahr 314, in dem Bi­schof Agri­ci­us von Trier als Teil­neh­mer des Kon­zils von Arles ver­zeich­net ist. Aus­ge­hend von die­sem Da­tum fällt die Amts­zeit des Eu­cha­ri­us in das 3. Jahr­hun­dert

Auch über die Bi­schofs­herr­schaft des Eu­cha­ri­us lie­gen nur we­ni­ge In­for­ma­tio­nen vor. Das frü­hes­te Zeug­nis zu Eu­cha­ri­us ist ei­ne In­schrift, die von Bi­schof Cy­ril­lus um die Mit­te des 5. Jahr­hun­derts ge­setzt wur­de. Laut die­ser In­schrift be­fand sich die Grab­le­ge der Bi­schö­fe Eu­cha­ri­us und Va­le­ri­us im Sü­den der Stadt Trier, im Be­reich der heu­ti­gen Ab­tei St. Mat­thi­as, ehe­mals St. Eu­cha­ri­us. Auch Gre­gor von Tours (um 538/39-594) lo­ka­li­siert ge­gen En­de des 6. Jahr­hun­derts das Grab des Eu­cha­ri­us im Sü­den der Stadt, wenn er be­schreibt, dass Bi­schof Eu­cha­ri­us an dem ei­nen Tor wacht, wäh­rend Ma­xi­mi­nus an dem an­de­ren ruht.

Im Zu­ge von ar­chäo­lo­gi­schen Un­ter­su­chun­gen im Be­reich des süd­li­chen Grä­ber­fel­des der Stadt konn­te ei­ne Rei­he von Grab­bau­ten nach­ge­wie­sen wer­den, si­che­re Hin­wei­se auf die Grab­le­ge oder den Me­mo­ri­al­bau der ers­ten Trie­rer Bi­schö­fe fand man je­doch nicht. Auch die so ge­nann­te Al­ba­na-Gruft un­ter der Qui­ri­nus­ka­pel­le nord­öst­lich der Mat­thi­as­kir­che kann nicht si­cher mit dem Grab des Eu­cha­ri­us in Ver­bin­dung ge­bracht wer­den. Die mit­tel­al­ter­li­che Vi­ta der Bi­schö­fe Eu­cha­ri­us, Va­le­ri­us und Ma­ter­nus (10. Jahr­hun­dert) be­rich­tet zwar, dass die Wit­we Al­ba­na Eu­cha­ri­us in ih­rer Vil­la im Sü­den vor den Mau­ern Triers auf­ge­nom­men und sich un­ter dem Ein­fluss des Bi­schofs zum Chris­ten­tum be­kehrt ha­be und dass ihr Haus von Eu­cha­ri­us in ei­ne Kir­che um­ge­wan­delt wor­den sei. Die­se Vi­ta gilt in der For­schung je­doch nicht als his­to­risch glaub­wür­dig. Auch der ar­chäo­lo­gi­sche Be­fund stützt die­se Aus­sa­gen nicht: We­der fin­det man in der Gruft ei­nen Hin­weis auf ei­ne christ­li­che Be­stat­tung noch kann ei­ne Vil­la si­cher nach­ge­wie­sen wer­den. Die heu­te sicht­ba­ren Sar­ko­pha­ge des Eu­cha­ri­us und Va­le­ri­us in der Kryp­ta von St. Mat­thi­as sind dort erst im 16. Jahr­hun­dert auf­ge­stellt wor­den.

Die Vi­ta des Eu­cha­ri­us, Va­le­ri­us und Ma­ter­nus ist viel­mehr ein schö­nes Bei­spiel da­für, wie die Trie­rer Kir­che ver­such­te, ih­ren Vor­rang vor an­de­ren gal­li­schen Bi­schofs­sit­zen zu un­ter­mau­ern. Die­sem Ziel dien­ten auch die Be­mü­hun­gen, die Trie­rer Bi­schofs­lis­te auf Pe­trus zu­rück­zu­füh­ren. Nach ei­ner Über­lie­fe­rung, die sich frü­hes­tens im 7. Jahr­hun­dert fas­sen lässt, soll Pe­trus selbst Eu­cha­ri­us, Va­le­ri­us und Ma­ter­nus nach Gal­li­en und Ger­ma­ni­en ge­sandt ha­ben. Eu­cha­ri­us ha­be er zum Bi­schof be­stimmt, Va­le­ri­us zum Dia­kon und Ma­ter­nus zum Sub­dia­kon. Auf dem Weg nach Gal­li­en sei Ma­ter­nus von ei­nem Fie­ber er­grif­fen wor­den und nach we­ni­gen Ta­gen ge­stor­ben. Eu­cha­ri­us und Va­le­ri­us sei­en dar­auf­hin nach Rom zu­rück­ge­kehrt. In Rom ha­be Pe­trus ih­nen sei­nen Bi­schofs­stab über­reicht, da­mit sie zu Ma­ter­nus zu­rück­keh­ren und ihn mit Hil­fe des Sta­bes wie­der zum Le­ben er­we­cken. Nach­dem sie den Auf­trag des Pe­trus mit Er­folg er­füllt hät­ten, sei­en sie schlie­ß­lich nach Trier ge­kom­men. Die­se Le­gen­de war auch in spä­te­rer Zeit noch le­ben­dig. So „be­zeugt" ei­ne In­schrift des 16. Jahr­hun­derts aus der Ab­tei St. Mat­thi­as, dass die drei Hei­li­gen Bi­schö­fe "im Jahr 50 nach Chris­ti Ge­burt ... von Rom zu Trier" ge­kom­men sei­en. Eu­cha­ri­us kam nach die­ser In­schrift zu­dem das Ver­dienst zu, ge­gen das Hei­den­tum im Trie­rer Land vor­ge­gan­gen zu sein, in­dem er ei­ne Ve­nus­sta­tue zer­stör­te. Die­se an­ti­ke Sta­tue stand lan­ge Zeit ne­ben der Klos­ter­kir­che von St. Mat­thi­as und wur­de von Pil­gern mit Stei­nen be­wor­fen.

Literatur

An­ton, Hans Hu­bert / Hei­nen, Heinz / We­ber, Win­frie­d (Hg.), Im Um­bruch der Kul­tu­ren – Spät­an­ti­ke und Früh­mit­tel­al­ter (Ge­schich­te des Bis­tums Trier 1), Trier 2003.

Hei­nen, Heinz, Früh­christ­li­ches Trier. Von den An­fän­gen bis zur Völ­ker­wan­de­rung, Trier 1996.

Pohlsan­der, Hans A., Die An­fän­ge des Chris­ten­tums in der Stadt Trier. Bi­schö­fe und Mär­ty­rer, in: Trie­rer Zeit­schrift 69 (1997), S. 255-302.

Ris­tow, Se­bas­ti­an, Frü­hes Chris­ten­tum im Rhein­land. Die Zeug­nis­se der ar­chäo­lo­gi­schen und his­to­ri­schen Quel­len an Rhein, Maas und Mo­sel, Müns­ter 2007.

Win­hel­ler, Ernst, Die Le­bens­be­schrei­bun­gen der vork­a­ro­lin­gi­schen Bi­schö­fe von Trier, Bonn 1935.

 
Zitationshinweis

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Binsfeld, Andrea, Eucharius, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/eucharius-/DE-2086/lido/57c6a63c775415.45965802 (10.12.2018)