François Rousseau

Hofmaler (um 1717-1804)

Wilfried Hansmann (Bonn)

François Rousseau, Selbstbildnis, Ausschnitt aus einer Tapetenmalerei in Schloss Dyck, 1770. (Privatbesitz)

François Rous­seau war Hof­ma­ler der Köl­ner Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gustMa­xi­mi­li­an Fried­rich un­d Ma­xi­mi­li­an Franz. Rous­se­aus Su­jet war ne­ben De­ko­ra­ti­ons­ma­le­rei das kur­k­öl­ni­sche Hof­le­ben. Der Sohn Franz Ja­cob Rous­seau (1757-1826), seit 1786 in Kle­ve an­säs­sig, üb­te sich im glei­chen Gen­re; ein wei­te­rer Sohn, Jo­hann Bap­tis­te, ist eben­falls als Ma­ler über­lie­fert.

Her­kunft und Ge­burt François Rous­se­aus blei­ben im Dun­keln. Er gilt als der Sohn ei­nes Bild­hau­ers aus Frank­reich, den der Ar­chi­tekt Guil­lau­me Hau­be­rat (ge­stor­ben um 1749) 1717 bis 1719 in meh­re­ren Brie­fen aus Bonn an Ro­bert de Cot­te (1656-1735) in Pa­ris er­wähnt. Die­ser Rous­seau ar­bei­te­te am Bon­ner Pa­lais des Gra­fen St. Mau­rice, dem spä­te­ren Boe­sel­ager­hof, und im Re­si­denz­schloss.

In den Tauf­re­gis­tern der Bon­ner Kir­chen­bü­cher fin­det sich kei­ne Ein­tra­gung über die Ge­burt François Rous­se­aus. Mög­lich, dass er be­reits in Frank­reich ge­bo­ren wur­de. Erst­mals wird er im Kir­chen­buch von St. Re­mi­gius als Jo(ann)es Fran­cis­cus Rus­so ge­nannt, als er am 12.1.1751 die Bon­ne­rin An­na Ma­ria Rie­gels hei­ra­te­te. Am 20.2.1752 wur­de die ers­te Toch­ter Ma­ria Mar­ga­re­tha ge­tauft, am 8.9.1753 die zwei­te Toch­ter An­na Ger­tru­dis. Da­nach wur­den bis 1774 sie­ben Söh­ne aus der Tau­fe ge­ho­ben, dar­un­ter am 4.10.1757 „Ja­co­bus Fran­cis­cus", der er­wähn­te Franz Ja­cob, und am 25.5.1766 „Jo­han­nes Bap­tis­ta An­to­ni­us". 1758 wohn­te der „Ma­ler Ro­ßon" in der Bon­ner Ju­den­gas­se; 1773 und 1795 ist sein Wohn­sitz in der Wen­zel­gas­se über­lie­fert. Die kur­k­öl­ni­schen Hof­ka­len­der 1759 bis 1794 nen­nen ei­nen Hof­ma­ler Pe­ter Rous­seau; er ist mit François iden­tisch.

Die meis­ten heu­te mit Rous­se­aus Na­men ver­bun­de­nen Wer­ke sind – stil­kri­tisch gut be­gründ­ba­re – Zu­schrei­bun­gen. Ei­ni­ge we­ni­ge Ma­le­rei­en sind si­gniert oder mo­no­gram­miert, an­de­re durch Rech­nun­gen für Rous­seau ge­si­chert. Das frü­hest­be­kann­te Er­eig­nis­bild stellt das Jahr­markt­trei­ben der „Pop­pels­dor­fer Kir­mes" dar, die an­läss­lich der Schloss­ka­pel­len­wei­he 1746 erst­mals und in den bei­den fol­gen­den Jah­ren ver­an­stal­tet wur­de (1746/1748). Die ur­sprüng­li­che Farb­fas­sung des Pop­pels­dor­fer Schlos­ses in Gelb, Grau und Weiß wur­de 1977/ 1979 nach die­sem Ge­mäl­de re­kon­stru­iert. Als ei­ne der Quel­len für die Re­kon­struk­ti­on der ur­sprüng­li­chen Farb­fas­sung von Schloss Fal­ken­lust zu Brühl dien­te 2002 das Ge­mäl­de „Fal­ken­jagd vor Schloss Fal­ken­lust" (um 1755/1761), das zu den er­zähl­freu­digs­ten Dar­stel­lun­gen des Jagd­ge­sche­hens mit Fal­ken auf Rei­her um das Lust­schloss des Kur­fürs­ten Cle­mens Au­gust zählt. Das kur­fürst­li­che Re­si­denz­schloss zu Bonn in ur­sprüng­li­cher Farb­ge­stal­tung (Weiß und Grau) mit dem Hof­gar­ten, in dem die Hof­ge­sell­schaft lust­wan­delt, stellt Rous­seau im städ­te­bau­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Pop­pels­dor­fer Schloss dar (um 1755). Im Mit­tel­punkt ei­nes rau­schen­den Ball­er­eig­nis­ses im Bon­ner Hof­thea­ter steht die kos­tü­mier­te und über­wie­gend mas­kier­te Hof­ge­sell­schaft mit Kur­fürst Cle­mens Au­gust als Gast­ge­ber in zwei er­hal­te­nen (von vier über­lie­fer­ten) „Bönn­schen Ball­stü­cken". Die sich ver­gnü­gen­de und in exo­ti­schem Ge­fil­de er­ge­hen­den Da­men und Her­ren des Ho­fes be­völ­kern fer­ner zwei Dar­stel­lun­gen des „In­dia­ni­schen Hau­ses" in Brühl (vor 1761), mit dem Cle­mens Au­gust der Chi­n­a­mo­de hul­dig­te. Das Ver­gnü­gen die­ses Kur­fürs­ten auf der Par­force­jagd schil­dern we­nigs­tens zwei Ge­mäl­de „Par­force­jagd im Kot­ten­forst" (vor 1761).

Rous­seau war auch Chro­nist mit dem Pin­sel von zwei ver­hee­ren­den Brän­den, die die Stadt Bonn heim­such­ten. Ver­schol­len sind vier Dar­stel­lun­gen, die den „Brand und den Wie­der­auf­bau der Bon­ner Ka­pu­zi­ner­kir­che" 1754/ 1756 dar­stell­ten. In zahl­rei­chen dra­ma­ti­schen Ge­mäl­den und Gra­fi­ken ist fer­ner der „Brand der Bon­ner Re­si­denz" von 1777 durch François Rous­seau und sei­nen Sohn Franz Ja­cob über­lie­fert. Ei­ne Se­rie von Ge­mäl­den hält ein für die Re­si­denz­stadt und ih­re Be­woh­ner wich­ti­ges Er­eig­nis fest: die „An­kunft zu Schiff" und den „Ein­zug des Ko­ad­ju­tors Ma­xi­mi­li­an Franz" 1780. Die Sze­ne­rie auf dem Bon­ner Markt­platz, wo der nach­ma­li­ge Kur­fürst sich 1780 beim fei­er­li­chen Ein­zug dem Volk in der sechs­spän­ni­gen Kut­sche zeig­te, wan­del­te sich auf ei­nem Ge­mäl­de et­wa aus glei­cher Per­spek­ti­ve 1794 ra­di­kal. Der Kur­fürst ist vor den fran­zö­si­schen Re­vo­lu­ti­ons­trup­pen ge­flo­hen, und am Markt­o­be­lisk ist der Frei­heits­baum er­rich­tet.

Ne­ben Er­eig­nis­bil­dern als Ein­zel­stü­cken oder Zy­klen schuf Rous­seau Ve­du­ten, Su­pra­por­ten, il­lu­sio­nis­ti­sche Ar­chi­tek­tur­ma­le­rei­en und Bil­der auf Lein­wand­ta­pe­ten. Im Trep­pen­haus des Brüh­ler Schlos­ses Au­gus­tus­burg mal­te er zwei Ve­du­ten in Grün­tö­nen mit Sze­nen der Fal­ken­jagd vor Schloss Fal­ken­lust (be­zahlt 1764), im Spei­se- oder Mu­sik­saal des Gro­ßen Neu­en Ap­par­te­ments die­ses Schlos­ses ver­sah er ei­ne blin­de Fens­ter­ach­se mit per­spek­ti­vi­schen Schein­ar­chi­tek­tu­ren (be­zahlt 1765). In den bei­den Vor­zim­mern die­ser Raum­fol­ge stell­te er auf den Su­pra­por­ten un­ter an­de­rem „fê­tes ga­lan­tes" dar (be­zahlt 1764), für die er wie in der Zeit üb­lich Stich­vor­la­gen ver­wen­de­te, hier nach Ge­mäl­den von Ni­co­las Lan­cret (1690-1743) und An­toi­ne Wat­teau (1684-1721).

Auch für den Adel im Um­kreis der kur­fürst­li­chen Re­si­denz war Rous­seau tä­tig. Für den Gra­fen Salm-Reif­fer­scheid-Dyck auf Schloss Dyck (Jü­chen) mal­te er An­sich­ten von des­sen Be­sit­zun­gen und Ta­pe­ten mit duf­ti­gen Sze­nen herr­schaft­li­cher Ver­gnü­gun­gen bei Mu­sik, Tanz, und Spiel. Sich selbst stell­te Rous­seau in ei­ner der Sze­nen dar, wie er die gräf­li­che Fa­mi­lie kon­ter­feit, as­sis­tiert von sei­nem 13-jäh­ri­gen Sohn Franz Ja­cob mit der Zei­chen­map­pe; auf ihr Rous­se­aus Si­gna­tur und die Jah­res­zahl 1770. Die Kom­po­si­ti­ons­struk­tur die­ses Bil­des über­nahm er ei­nem Ge­mäl­de des Fran­zo­sen Car­le van Loo (1705-1765) „Der Pa­scha lässt das Por­trät sei­ner Mä­tres­se ma­len" (1737), schien sie ihm doch wie die Stich­vor­la­gen der „fê­tes ga­lan­tes" in Brühl als künst­le­risch aus­ge­reift, des­halb nach zeit­ge­nös­si­scher Auf­fas­sung be­den­ken­los ver­wend­bar. Auch in den Schlös­sern Miel (Swist­tal) und Wahn (Köln-Porz) ha­ben sich Räu­me mit ge­mal­ten Ta­pe­ten er­hal­ten, die Rous­seau stil­kri­tisch zu­ge­schrie­ben wer­den kön­nen.

François Rous­seau starb am 2.9.1804 im Al­ter von 87 Jah­ren. Er zählt si­cher nicht zu den ers­ten Ma­lern sei­ner Zeit, den­noch ist er ein hin­rei­ßen­der Er­zäh­ler mit viel Sinn für De­tails und für phan­ta­sie­voll dar­ge­bo­te­ne Sze­ne­ri­en. Die Nach­welt hät­te kaum so an­schau­li­che Zeug­nis­se vom Le­ben und her­aus­ra­gen­den Er­eig­nis­sen am Ho­fe der letz­ten Kur­fürs­ten von Köln, hät­te Ros­seau nicht Ge­mäl­de hin­ter­las­sen wie sei­ne Er­eig­nis­bil­der.

Literatur

Fel­g­ner, Cars­ten, Das Er­eig­nis­bild in Kur­k­öln im 18. Jahr­hun­dert un­ter be­son­de­rer Be­rück­sich­ti­gung des Hof­ma­lers Rous­seau, in: Das Ide­al der Schön­heit. Rhei­ni­sche Kunst in Ba­rock und Ro­ko­ko, hg. von Frank Gün­ter Zehn­der, Köln 2000, S. 335-368.
Hans­mann, Wil­fried, „Fal­ken­jagd vor Schloss Fal­ken­lust". Ein neu­ent­deck­tes Ge­mäl­de François Rous­se­aus, in: Jahr­buch der Rhei­ni­schen Denk­mal­pfle­ge 38 (1999), S. 31-44.
Hans­mann, Wil­fried, Das Trep­pen­haus und das Gro­ße Neue Ap­par­te­ment des Brüh­ler Schlos­ses. Stu­di­en zur Ge­stal­tung der Haupt­raum­fol­ge, Düs­sel­dorf 1972.
Hans­mann, Wil­fried/Knopp, Gis­bert, Bil­den­de Kunst zur Zeit der Kur­fürs­ten Jo­seph Cle­mens und Cle­mens Au­gust, in: In­ter­na­tio­na­le Künst­ler in Bonn 1700-1860, Bonn 1984, S. 31-33.
Her­zog, Ha­rald, Schloss Miel und die Wand­ge­mäl­de des François Rous­seau, in: Denk­mal­pfle­ge im Rhein­land 8/2 (1991), S. 49-61.

 
Zitationshinweis

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Hansmann, Wilfried, François Rousseau, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/fran%25C3%25A7ois-rousseau/DE-2086/lido/57cd23161c0e87.04620184 (18.07.2018)