Friedrich Baudri

Glasmaler, Kunstschriftsteller, Politiker (1808–1874)

Ernst Heinen (Köln)

Friedrich Baudri, Porträtfoto. (Rheinisches Bildarchiv Köln)

Fried­rich Baudri war ein er­folg­rei­cher Glas­ma­ler, die Neu­go­tik be­din­gungs­los ver­tei­di­gen­der Schrift­stel­ler und zwi­schen Re­vo­lu­ti­on und Reichs­grün­dung ei­ner der be­kann­tes­ten Po­li­ti­ker Kölns.

Ge­bo­ren am 19.4.1804 in El­ber­feld (heu­te Stadt Wup­per­tal) als Sohn des aus Tanu in der Nor­man­die ein­ge­wan­der­ten ta­pis­sier (De­ko­ra­teur) Lau­rent/Lo­renz Baudri (1771-1851) und der aus ei­ner weit­ver­zweig­ten rhei­ni­schen Fa­mi­lie stam­men­den, in Düs­sel­dorf ge­bo­re­nen Ger­trud Wiert­z­feld (auch Wirt­z­feld, 1768-1856). Nach Stu­di­en an der Kunst­aka­de­mie Mün­chen in der Por­trät­ma­le­rei bei Pro­fes­sor Hein­rich von Hess un­ter­nahm er aus­ge­dehn­te Rei­sen nach Ober­bay­ern, Salz­burg und Un­garn. Die­se ver­mit­tel­ten ihm hand­lungs­ori­en­tie­ren­de Grund­mus­ter für sein wei­te­res Le­ben wie Li­be­ra­li­tät, Wei­te des Blicks und Ver­ständ­nis für die Le­bens­art und Kul­tur der Men­schen frem­der Her­kunft.

Nach Rück­kehr in das hei­mat­li­che El­ber­feld 1842 setz­te er sein Stu­di­um an der Düs­sel­dor­fer Kunst­aka­de­mie bei Wil­helm von Scha­dow (1788-1862) fort. Der Auf­stieg der Pho­to­gra­phie ließ den jun­gen Por­trät­ma­ler er­ken­nen, dass sei­ne künst­le­ri­sche Be­fä­hi­gung nicht aus­reich­te, um mit der neu­en Ab­bil­dungs­tech­nik zu kon­kur­rie­ren. Der auf Emp­feh­lung sei­nes weih­bi­schöf­li­chen Bru­ders Jo­hann voll­zo­ge­ne Um­zug nach Köln und die Hin­wen­dung der durch den Dom­bau mäch­tig ge­för­der­ten Glas­ma­le­rei er­wies sich als klu­ger Schritt. Er grün­de­te ge­mein­sam mit dem Dom­werk­meis­ter Vin­zenz Statz und dem Ma­ler und Stadt­kon­ser­va­tor Jo­hann An­ton Ram­boux ei­ne Glas­ma­le­rei­an­stalt in sei­nem Haus, Moh­ren­stra­ße 19. Tüch­tig­keit, Fleiß, Auf­ge­schlos­sen­heit für al­te und neue Tech­ni­ken, das Be­har­ren auf das neu­go­ti­sche Kunst­schaf­fen und nicht zu­letzt sein weih­bi­schöf­li­cher Bru­der, der ihm die Tü­ren zum Kle­rus des Erz­bis­tums Köln öff­ne­te, lie­ßen die Neu­grün­dung zu ei­nem künst­le­ri­schen und öko­no­mi­schen Er­folg wer­den. Das fi­nan­zi­el­le Fun­da­ment für sei­ne Glas­ma­le­rei ver­schaff­te ihm die Hei­rat mit der aus wohl­ha­ben­der Ko­blen­zer Fa­mi­lie stam­men­den Ger­trud Menn (1823-1856). In­fol­ge des frü­hen To­des sei­ner Ehe­frau trug er ne­ben all sei­nen Ver­pflich­tun­gen die Be­las­tung als al­lein­er­zie­hen­der Va­ter von drei klei­nen Kin­dern.

Als ein be­deut­sa­mes In­stru­ment zur Pro­pa­gie­rung des neu­go­ti­schen Stils rief er 1851 das „Or­gan für christ­li­che Kunst“ ins Le­ben. Er wuss­te be­deu­ten­de Au­to­ren wie Au­gust Rei­chen­sper­ger, Ernst Wey­den (1805-1869) oder Au­gust Es­sen­wein (1831-1892) für die Mit­ar­beit zu ge­win­nen. Zahl­lo­se Ar­ti­kel, in de­nen er sich als li­te­ra­risch ge­wand­ter Schrift­stel­ler und Kri­ti­ker er­wies, dem auch Po­le­mik nicht fremd war, hat­ten dem „Or­gan“ sei­nen per­sön­li­chen Stem­pel auf­ge­drückt.

Als er mit ei­ni­gen Kunst­in­ter­es­sier­ten aus dem ul­tra­mon­ta­nen köl­ni­schen Netz­werk we­ni­ge Jah­re spä­ter den bis heu­te be­ste­hen­den „Ver­ein für christ­li­che Kunst“ aus der Tau­fe hob, stand das Blatt der Neu­schöp­fung flan­kie­rend zur Sei­te. Das heu­te ei­nen Glanz­punkt der Köl­ner Mu­se­ums­land­schaft bil­den­de erz­bi­schöf­li­che Mu­se­um Ko­lum­ba ver­dankt sei­ne Ent­ste­hung den in­ten­si­ven Be­mü­hun­gen des Ver­eins – an der Spit­ze Jo­hann und Fried­rich Baudri.

Baud­ris nim­mer­mü­de Tä­tig­keit bei fast al­len ka­tho­li­schen Ver­ei­nen der Stadt seit 1848, so im Ver­wal­tungs­rat der ka­tho­li­schen Zei­tung „Rhei­ni­sche/Deut­sche Volks­hal­le“, der er auch zeit­wei­se als Re­dak­teur aus­half, im Schutz­vor­stand des Ge­sel­len­ver­eins, im Cle­mens-, Pi­us-, Hei­lig Grab- und Bor­ro­mäus­ver­ein so­wie im Ge­sel­lig­keits­ver­ein „Co­lo­ni­a“ (1854), der 1863 von der Bür­ger­ge­sell­schaft ab­ge­löst wur­de, ver­schaff­ten ihm ein ho­hes An­se­hen bei sei­nen Mit­bür­gern. Die Wahl zum Mit­glied des köl­ni­schen Ge­mein­de­par­la­ments war nicht zu­letzt Aus­druck die­ser Hoch­ach­tung. Trotz jah­re­lan­ger An­er­ken­nung sei­ner Leis­tun­gen als zu­stän­di­ger Stadt­ver­ord­ne­ter für den ge­sam­ten Be­reich der Kul­tur- und Denk­mal­pfle­ge auch für den Dom­bau sei­tens der Bür­ger­schaft und des Ra­tes ver­lor er auf Drän­gen des kul­tur­kämp­fe­ri­schen Li­be­ra­lis­mus 1871 sein Man­dat.

Ein be­mer­kens­wer­tes Ka­pi­tel in der Köl­ner Stadt­ge­schich­te war der Streit um die Ma­ri­en­säu­le, die sich heu­te auf dem Ge­re­ons­driesch er­hebt. An­lass war das Dog­ma von der un­be­fleck­ten Emp­fäng­nis Ma­ri­ens 1854. Baudri hat­te zur Fi­nan­zie­rung ei­nen Ma­ri­en­ver­ein ge­grün­det. Die­ser fand nicht den un­ge­teil­ten Bei­fall al­ler Ul­tra­mon­ta­nen; ei­ne star­ke Mi­no­ri­tät wünsch­te statt­des­sen den Bau ei­nes Kran­ken­hau­ses. Nach lang­wie­ri­ger Dis­kus­si­on, in die sich auch der Stadt­rat ein­ge­mischt hat­te, ei­nig­te man sich auf ei­ne „köl­sche“ Lö­sung. Bei­de Pro­jek­te wur­den ge­plant und aus­ge­führt. Die The­se, die Ma­ri­en­säu­le sei als Ge­gen­bild ge­gen das zeit­lich spä­ter ge­plan­te und rea­li­sier­te Kö­nigs­denk­mal er­rich­tet wor­den, fin­det in den Quel­len kei­nen An­halt.

In den 1860er Jah­ren stieg Baudri zum un­um­strit­te­nen Füh­rer der Köl­ner Ul­tra­mon­ta­nen auf. Die gro­ßen Wahl­kämp­fe vor dem Hin­ter­grund des preu­ßi­schen Ver­fas­sungs­kon­flikts sa­hen Baudri zum Teil so­gar ge­mein­sam mit dem „Fort­schrit­t“ in der vor­ders­ten Rei­he. Als Mit­grün­der der „Alt-Köl­ni­schen Par­tei“, den Nach­fol­gern „Bür­ger­ver­ein“ und „Neu­er Bür­ger­ver­ein“ focht er für die In­te­gri­tät der preu­ßi­schen Ver­fas­sung ge­gen die Maß­nah­men der Re­gie­rung Bis­marck. Er stand nicht nur ge­gen die Ver­meh­rung des Hee­res oh­ne Zu­stim­mung des Par­la­ments, son­dern fürch­te­te auch die Ab­schaf­fung der für die Kir­che güns­ti­gen Ar­ti­kel in der Ver­fas­sung. Der preu­ßi­sche Sieg bei Kö­nig­grätz am 3.7.1866 lös­te bei den Köl­ner Ul­tra­mon­ta­nen ei­ne Art Schock­star­re aus. Baudri hat­te sie als ers­ter über­wun­den, dar­in dem Main­zer Bi­schof Wil­helm Em­ma­nu­el von Ket­te­ler (Epis­ko­pat 1850-1877) fol­gend, der in sei­ner Schrift „Deutsch­land nach dem Krie­ge von 1866“ (1867) ei­ne prag­ma­ti­sche Hal­tung der deut­schen Ka­tho­li­ken ge­gen­über den neu­en Ver­hält­nis­sen for­der­te. Schon im Früh­jahr 1867 sorg­te er mit ho­hem Ein­satz für die Wahl des Frank­fur­ter Stadt­pfar­rers Eu­gen This­sen (1813-1877), bis 1858 Pfar­rer von St. Ja­kob in Köln, zum Mit­glied des kon­sti­tu­ie­ren­den Reichs­ta­ges des nord­deut­schen Bun­des in Köln. Frü­he­re An­ge­bo­te ei­ner Wahl in das Ab­ge­ord­ne­ten­haus hat­te Baudri mehr­fach aus­ge­schla­gen; erst nach Be­ginn des Kul­tur­kamp­fes ließ er sich für Aa­chen 1873 in das Ab­ge­ord­ne­ten­haus und 1874 in den Reichs­tag wäh­len.

Von sei­nen un­mit­tel­ba­ren kir­chen­po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten sei hier noch be­son­ders die Or­ga­ni­sa­ti­on der gro­ßen Adres­sen­be­we­gun­gen zu­guns­ten des Hei­li­gen Stuhls 1859 und 1867/1868 er­wähnt; er schaff­te es, tau­sen­de von Un­ter­schrif­ten zu sam­meln und ei­ne Mas­sen­kund­ge­bung des ka­tho­li­schen Köln 1868 für die Ver­tei­di­gung der päpst­li­chen In­ter­es­sen zu or­ga­ni­sie­ren. Als Schrift­füh­rer in Mainz (1848), Mit­glied des Köl­ner Lo­kal­ko­mi­tees (1858) und Prä­si­dent des Ka­tho­li­ken­ta­ges in Mainz (1871) er­warb er sich im deut­schen Ka­tho­li­zis­mus brei­te An­er­ken­nung. Die für die deut­schen Ka­tho­li­ken bit­te­re Zeit des Kul­tur­kamp­fes hat­te er noch in der ers­ten Hälf­te der 1870er Jah­re er­le­ben müs­sen.

Am 6.10.1874 ver­starb Baudri an ei­nem Herz­ver­sa­gen. Un­ter gro­ßer An­teil­nah­me der Köl­ner Bür­ger­schaft wur­de er auf dem Me­la­ten-Fried­hof be­stat­tet. Sein Grab wur­de im Zwei­ten Welt­krieg zer­stört und nicht wie­der her­ge­rich­tet. Zu Recht rühm­te ihn die „Köl­ni­sche Volks­zei­tung“ vom 11.10.1874 – und das un­ter dem schwe­ren Druck des Kul­tur­kamp­fes: „Al­le ka­tho­li­schen Be­stre­bun­gen im öf­fent­li­chen Le­ben durf­ten auf die that­kräf­ti­ge För­de­rung und op­fer­wil­li­ge Un­ter­stüt­zung Baudri´s rech­nen. Es gab wohl kaum ei­ne ka­tho­li­sche Ten­denz, dem er nicht als Mit­grün­der oder eif­ri­ges Mit­glied an­ge­hört hät­te.“

Quellen

Gier­se, Lud­wig/Hei­nen, Ernst (Be­arb.), Fried­rich Baudri. Ta­ge­bü­cher 1854-1871, 1. Band: 1854-1857. 2. Band: 1858-1862, Düs­sel­dorf 2006/ 2009.

Literatur

Gier­se, Lud­wig, Fried­rich Baudri zum Köl­ner Dom in sei­nen Ta­ge­bü­chern, in: Köl­ner Dom­blatt 38/39 (1974), S. 13–42.
Hei­nen, Ernst, Fried­rich Baudri (1808-1874) - ein be­deu­ten­der Ver­tre­ter des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus in Köln, in: Jahr­buch des Köl­ni­schen Ge­schichts­ver­eins 74 (2003), S. 31-58.

 
Zitationshinweis

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Heinen, Ernst, Friedrich Baudri, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/friedrich-baudri-/DE-2086/lido/57c5751bb7f572.76154765 (23.05.2018)