Georg August Goldfuß

Zoologe und Geologe (1782-1848)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Georg August Goldfuß, Porträt, Lithographie von Adolf Hohneck (1812-1879), 1841. (Stadtarchiv und Stadthistorische Bibliothek Bonn)

Ge­org Au­gust Gold­fuß wur­de 1818 ers­ter Pro­fes­sor für spe­zi­el­le Na­tur­ge­schich­te an der neu ge­grün­de­ten Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät Bonn. Be­deu­tung er­lang­te er nicht zu­letzt we­gen sei­ner um­fang­rei­chen und grund­le­gen­den pa­lä­on­to­lo­gi­schen For­schun­gen so­wie al­s Be­grün­der des Na­tur­his­to­ri­schen Mu­se­ums in Bonn, aus dem das heu­ti­ge Mi­ne­ra­lo­gi­sche Mu­se­um und das Gold­fuß-Mu­se­um her­vor­gin­gen.

Ge­org Au­gust Gold­fuß wur­de am 18.4.1782 in Thurnau (Fran­ken) als Sohn des Ge­richts­arz­tes Jo­hann Ge­org Gold­fuß (1748-1785) und des­sen Ehe­frau Mar­ga­re­the Wäch­ter (ge­stor­ben 1799) ge­bo­ren. Nach dem Be­such der La­tein­schu­le in Thurnau be­gann Gold­fuß im Jahr 1800, dem Vor­bild sei­nes wäh­rend ei­ner Rei­se nach Ost­in­di­en früh ver­stor­be­nen Va­ters fol­gend, mit dem Stu­di­um der Me­di­zin. 

Nach­dem er sich zu­nächst ei­ner ein­jäh­ri­gen au­ßer­uni­ver­si­tä­ren Aus­bil­dung bei ei­nem Chir­ur­gen in Arz­berg (Fran­ken) un­ter­zo­gen hat­te, war er zwi­schen 1801 und 1803 am Col­le­gi­um me­di­co-chir­ur­gi­um in Ber­lin im­ma­tri­ku­liert. Hier wid­me­te er sich ne­ben den me­di­zi­ni­schen Stu­di­en auch den Fä­chern Na­tur­ge­schich­te und Zoo­lo­gie. Mit be­son­de­rem In­ter­es­se hör­te er da­bei die Vor­le­sun­gen des Zoo­lo­gen Carl Lud­wig Will­de­now (1765-1812). In sei­nen Ber­li­ner Jah­ren ge­lang­te er zu­dem in den Ge­nuss ei­nes Sti­pen­di­ums des preu­ßi­schen Au­ßen­mi­nis­ters Karl Au­gust Frei­herr von Har­den­berg (1750-1822). För­de­rung er­fuhr er zu­dem durch den Ge­hei­men Ober­fi­nanz­rat Karl Frei­herr vom Stein zum Al­ten­stein (1770-1840), dem Gold­fuß auch sei­ne Dok­tor­ar­beit wid­me­te. 

Im Au­gust 1804 wech­sel­te er an die Uni­ver­si­tät Er­lan­gen, wo er am 18. Sep­tem­ber des glei­chen Jah­res mit ei­ner Ar­beit über süd­afri­ka­ni­sche Kä­fer den Grad ei­nes Dok­tors der Me­di­zin und der Chir­ur­gie er­lang­te. Im An­schluss er­hielt er ei­ne An­stel­lung als Mit­ar­bei­ter am Na­tu­ra­li­en­ka­bi­nett der Uni­ver­si­tät. Die Be­set­zung Er­lan­gens durch fran­zö­si­sche Trup­pen be­deu­te­te 1806 ei­ne Zä­sur in sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Kar­rie­re, da er sei­nen Pos­ten ver­lor. Zu­nächst fun­gier­te er für kur­ze Zeit als Re­dak­teur der „Po­li­ti­schen Zei­tun­g“ und ge­hör­te 1808 zu den Grün­dungs­mit­glie­dern der phy­si­ka­lisch-me­di­ci­ni­schen So­zie­tät in Er­lan­gen. Im glei­chen Jahr nahm er ei­ne Stel­le als Haus­leh­rer beim Frei­herrn Wink­ler von Moh­ren­fels in Helm­ho­fen (Ober­fran­ken) an und trug sich mit dem Ge­dan­ken nach Kal­kut­ta aus­zu­wan­dern – ein Vor­ha­ben, des­sen Um­set­zung aber durch die Kon­ti­nen­tal­sper­re Be­zeich­net die von Na­po­le­on 1806 ver­häng­te Wirt­schafts­blo­cka­de Groß­bri­tan­ni­ens, die den Hö­he­punkt des Wirt­schafts­krie­ges des na­po­leo­ni­schen Frank­reich ge­gen Eng­land mar­kier­te. Ziel der Blo­cka­de soll­te ein wirt­schaft­li­che Schwä­chung der bri­ti­schen Gro­ß­macht sein, in der Fol­ge war aber auch die kon­ti­nen­ta­le Wirt­schaft stark ein­ge­schränkt;auf dem eu­ro­päi­schen Fest­land blüh­te der Schmug­gel. Das Aus­schei­den Russ­lands aus der Kon­ti­nen­tal­sper­re nahm Na­po­le­on zum An­lass für den Russ­land­feld­zug 1812.  ver­hin­dert wur­de. 

Statt­des­sen kehr­te Gold­fuß 1810 an die Uni­ver­si­tät Er­lan­gen zu­rück und ha­bi­li­tier­te sich dort am 20. Fe­bru­ar als Pri­vat­do­zent für Zoo­lo­gie und Geo­gno­sie. Im glei­chen Jahr star­ben sei­ne Leh­rer und För­de­rer Jo­hann von Schre­ber (1739-1810) und Eu­gen Es­per (1742-1810), an de­ren Stel­le er fort­an die pro­vi­so­ri­sche Ver­wal­tung der Lehr­stüh­le für Na­tur­ge­schich­te und Bo­ta­nik über­nahm. 1812 wur­de ihm zu­dem die kom­mis­sa­ri­sche Lei­tung des Uni­ver­si­täts­mu­se­ums über­tra­gen. Ei­ne Pro­fes­sur blieb Gold­fuß in Er­lan­gen trotz sei­ner ho­hen wis­sen­schaft­li­chen Re­pu­ta­ti­on ver­wehrt. Die un­zu­rei­chen­de fi­nan­zi­el­le Ho­no­rie­rung ge­stat­te­te ihm über­dies nur ei­nen be­schei­de­nen Le­bens­stil. 

1815 hei­ra­te­te Gold­fuß die ei­ner Nürn­ber­ger Pa­tri­zi­er­fa­mi­lie ent­stam­men­de Eleo­no­re Oel­ha­fen (1789-1873). Aus ih­rer Ehe gin­gen fünf Söh­ne und sechs Töch­ter her­vor, un­ter ih­nen der Zoo­lo­ge und Ma­la­ko­lo­ge Ot­to Gold­fuß (1831-1905). Be­reits 1813 war Gold­fuß Mit­glied der Deut­schen Aka­de­mie der Na­tur­for­scher Leo­pol­di­na ge­wor­den und war hier in das Amt des Se­kre­tärs ge­wählt wor­den. Er hat­te sich für die Be­ru­fung des Bo­ta­ni­kers und eben­falls der Leo­pol­di­na an­ge­hö­ren­den Chris­ti­an Nees von Esen­beck an die zu grün­den­de Uni­ver­si­tät in Bonn ein­ge­setzt und sich zu­gleich selbst er­folg­reich für ­die Be­set­zung ei­nes Lehr­stuhls ins Ge­spräch ge­bracht. Be­reits zum Win­ter­se­mes­ter 1818/1819 konn­te er sei­ne Tä­tig­keit als ers­ter or­dent­li­cher Pro­fes­sor für Zoo­lo­gie und Mi­ne­ra­lo­gie in Bonn auf­neh­men, ei­ne Po­si­ti­on, die er über ei­nen Zeit­raum von drei Jahr­zehn­ten aus­fül­len soll­te. Im Som­mer­se­mes­ter 1847 lehr­te er kurz­zei­tig an der Hö­he­ren Land­wirt­schaft­li­chen Lehr­an­stalt Pop­pels­dorf. Im Rah­men der aka­de­mi­schen Selbst­ver­wal­tung be­klei­de­te er 1830/1831 das Amt des De­kans der phi­lo­so­phi­schen Fa­kul­tät, zum Rek­tor der Bon­ner Uni­ver­si­tät wur­de er 1839/1840 ge­wählt. 

Mit Be­ginn sei­ner Wir­kungs­zeit ent­fal­te­te Gold­fuß auch an neu­er Wir­kungs­stät­te ei­ne re­ge For­schungs- und Samm­lungs­tä­tig­keit. Vor al­lem beim Auf­bau des Na­tur­ge­schicht­li­chen Mu­se­ums er­wies er sich als ge­schick­ter Or­ga­ni­sa­tor. Dank sei­ner gu­ten Be­zie­hun­gen zu an­de­ren Samm­lern konn­te das Mu­se­um be­reits 1821 ei­nen Be­stand von 26.635 in­ven­ta­ri­sier­ten Ob­jek­ten auf­wei­sen. Sein En­ga­ge­ment ho­no­rier­te die preu­ßi­sche Kro­ne 1822 mit der Ver­lei­hung des Ro­ten Ad­ler-Or­dens III. Klas­se. Da­ge­gen scheint er als aka­de­mi­scher Leh­rer auf sei­ne Stu­den­ten nur ei­ne ver­gleichs­wei­se ge­rin­ge Aus­strah­lung ge­habt zu ha­ben, denn sei­ne Lehr­tä­tig­keit im Hör­saal blieb oh­ne nach­hal­ti­ge Wir­kung. Die Vor­le­sun­gen wa­ren zu­meist schwach be­sucht, mit­un­ter muss­ten sie we­gen Hör­er­man­gels so­gar kom­plett ab­ge­sagt wer­den. 

Seit sei­ner Schul­zeit hat­te Gold­fuß Ver­stei­ne­run­gen und Fos­si­li­en ein gro­ßes In­ter­es­se ent­ge­gen­ge­bracht. Zu sei­nen frü­hen be­deu­ten­den Ar­bei­ten auf die­sem Ge­biet zählt sei­ne Stu­die über die fos­si­len Fun­de in der Um­ge­bung von Mug­gen­dorf (Fran­ken) von 1810. Im Jahr 1818 führ­te er die Be­grif­fe Pro­to­zoa und Pelecy­po­da in die zoo­lo­gi­sche For­schung ein und wur­de mit sei­nen zahl­rei­chen Ein­zeldar­stel­lun­gen zu ei­nem Be­grün­der der mo­der­nen Pa­lä­on­to­lo­gie. Seit den 1820er Jah­ren wid­me­te er sich sei­nem wis­sen­schaft­li­chen Haupt­werk, der Pe­tre­fac­ta Ger­ma­niae, ei­ner in drei Lie­fe­run­gen er­schie­nen, un­voll­endet ge­blie­be­nen Er­fas­sung sämt­li­cher im deutsch­spra­chi­gen Raum und den an­gren­zen­den Nach­bar­län­dern auf­ge­fun­de­ner Ver­stei­ne­run­gen in Schrift und Bild. Tat­kräf­ti­ge Un­ter­stüt­zung fand er bei die­sem Pro­jekt in dem ver­mö­gen­den Ver­wal­tungs­be­am­ten und Pa­lä­on­to­lo­gen Graf Ge­org zu Müns­ter (1776-1844). 

Sei­nen Rang als ei­ner der be­deu­tends­ten Wis­sen­schaft­ler sei­ner Zeit un­ter­streicht die Mit­glied­schaft in über 20 na­tur­wis­sen­schaft­li­chen Ge­sell­schaf­ten, so­wie die Be­nen­nung von 110 Ar­ten nach ih­rem Ent­de­cker bis zum Jahr 1850. Be­reits in Er­lan­gen hat­te Gold­fuß Kon­takt zu den Frei­mau­rern ge­fun­den und war der dor­ti­gen Lo­ge „Li­ba­non zu den drei Ce­dern“ bei­ge­tre­ten. In Bonn zu Wohl­stand ge­langt, ließ er sich zwi­schen 1822 und 1831 am Fu­ße des Ve­nus­ber­ges in Kes­se­nich (heu­te Stadt Bonn) die „Ro­sen­bur­g“ im neo­ro­ma­ni­schen Stil er­rich­ten, ei­nem 97.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Grund­stücks- und Ge­bäu­de­kom­plex mit re­prä­sen­ta­ti­vem Haupt­haus, Turm, Ne­ben­ge­bäu­den, Kir­che, Stal­lun­gen und Gar­ten­an­la­gen. 

Ein schwe­res Brust­lei­den mach­te es Ge­org Au­gust Gold­fuß ab 1847 un­mög­lich, sei­ne Vor­le­sun­gen wei­ter ab­hal­ten zu kön­nen. Er starb am 2.10.1848 an ei­nem Schlag­an­fall und wur­de auf dem Fried­hof in Pop­pels­dorf be­gra­ben. Zu Eh­ren sei­nes Be­grün­ders wur­de das von ihm be­grün­de­te pa­lä­on­to­lo­gi­sche Mu­se­um der Uni­ver­si­tät Bonn nach ihm be­nannt. Die Ro­sen­burg in Kes­se­nich und die Fa­mi­li­en­gruft in Pop­pels­dorf sind bis heu­te er­hal­ten. In Bonn wur­de ei­ne Stra­ße nach Gold­fuß be­nannt. 

Werke (Auswahl)

Die Um­ge­bun­gen von Mug­gen­dorf. Ein Ta­schen­buch für Freun­de der Na­tur und Al­ter­th­ums­kun­de, Er­lan­gen 1810.

Ein Wort über die Be­deu­tung na­tur­his­to­ri­scher In­sti­tu­te und über ih­ren Ein­fluß auf die hu­ma­ne Bil­dung, Bonn 1821.

En­u­me­ra­tio in­sec­to­rum eleu­the­ra­to­rum ca­pi­tis Bonae Spei to­ti­us­que Af­ri­cae de­scrip­tionae ico­ni­bus­que no­nul­lar­um spe­ciar­um no­var­um il­lus­tra, Dis­ser­ta­ti­ons­schrift, Er­lan­gen 1804.

Grund­riß der Zoo­lo­gie, Nürn­berg 1826.

Pe­tre­fac­ta Ger­ma­niae, Düs­sel­dorf 1826-1844.

Über die Ent­wick­lungs­stu­fen des Thie­res, Nürn­berg 1817, Nach­druck Mar­burg 1979.

Literatur

Mül­ler, Klaus J./Lan­ger, Wolf­hart, Ge­org Au­gust Gold­fuss 1782-1848, in: Bon­ner Ge­lehr­te. Bei­trä­ge zur Ge­schich­te der Wis­sen­schaf­ten in Bonn, Band 7, Ma­the­ma­tik und Na­tur­wis­sen­schaf­ten, Bonn 1970, S. 163-167.

Lan­ger, Wolf­hart, Ge­org Au­gust Gold­fuß. Ei­ne bio­gra­phi­sche Skiz­ze, in: Bon­ner Ge­schichts­blät­ter 23 (1969), S. 229-243.

Wach­ter, Cle­mens, Die Pro­fes­so­ren und Do­zen­ten der Fried­rich-Alex­an­der-Uni­ver­si­tät Er­lan­gen 1743-1960, Band 3, Er­lan­gen 2009, S. 66-67.

Online

Usch­mann, Ge­org, Gold­fuß, Ge­org Au­gust, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 6 (1964), S. 605. [On­line]

Home­page des Gold­fuß-Mu­se­ums im Stein­mann-In­sti­tut, Be­reich Pa­lä­on­to­lo­gie, der Uni­ver­si­tät Bonn. [On­line]

Nach­lass von Ge­org Au­gust Gold­fuß in der Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Bonn. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Georg August Goldfuß, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/georg-august-goldfuss/DE-2086/lido/57c6c96de3a9d2.85745885 (08.12.2018)