Johannes Hoffmann

Ministerpräsident des Saarlandes (1890–1967)

Heinrich Küppers (Aachen)

Johannes Hoffmann, 1950er Jahre, Porträtfoto. (Deutsches Historisches Museum, Berlin)

Kein Na­me ist so eng mit der Ge­schich­te des Saar­lan­des ver­knüpft wie der von Jo­han­nes Hoff­mann. Als Mi­nis­ter­prä­si­dent war er in ho­hem Ma­ße mit­ver­ant­wort­lich für ei­nen halb­au­to­no­men Klein­staat, der als Ge­biets­teil des un­ter­ge­gan­ge­nen Deut­schen Rei­ches zu­nächst kei­nen An­teil nahm am Schick­sal der jun­gen Bun­des­re­pu­blik, die für sich in An­spruch nahm, Nach­fol­ge­staat des Deut­schen Rei­ches zu sein. Das Saar­land un­ter Hoff­mann ging ei­ge­ne We­ge und setz­te auf ei­ne en­ge Bin­dung an Frank­reich im Rah­men ei­ner Wirt­schafts- und Wäh­rungs­uni­on. We­gen die­ser Rol­le wird Jo­han­nes Hoff­mann oft als Po­li­ti­ker kri­tisch ge­se­hen, mit an­de­ren Wor­ten, er ist als Per­son um­strit­ten. Im Kern wird ihm vor al­lem vor­ge­wor­fen, dem deut­schen Va­ter­land ge­gen­über un­treu ge­wor­den zu sein.

Doch die­ses Hoff­mann­bild ist ir­ri­tie­rend, weil es ein­sei­tig von zeit­ge­bun­de­nen Wert­vor­stel­lun­gen aus­geht. Maß­stab sind da­bei na­tio­nal­staat­li­che Ide­al­vor­stel­lun­gen, die die Zwän­ge au­ßer Acht las­sen, die für das po­li­ti­sche Han­deln an der Saar, in Deutsch­land und in Eu­ro­pa nach dem Zwei­ten Welt­krieg ma­ß­geb­lich wa­ren. Die Ver­fas­sung des heu­ti­gen Saar­lan­des als Glied­staat der Bun­des­re­pu­blik stammt in ih­rem Kern aus dem Jah­re 1947. Der „Va­ter“ die­ser Ver­fas­sung und ih­rer Ori­en­tie­rung an deut­sche Ver­fas­sungs­tra­di­tio­nen hei­ßt auch Jo­han­nes Hoff­mann. Al­lein die­ser Um­stand zeigt an, dass die­ser Mann tie­fe und blei­ben­de Spu­ren in der Ge­schich­te des Saar­lan­des hin­ter­las­sen hat. Das Ur­teil über ihn kann dar­um nicht nur ne­ga­tiv aus dem Blick­win­kel ei­nes ver­werf­li­chen Se­pa­ra­tis­mus ge­fällt wer­den.

Der am 23.12.1890 ge­bo­re­ne Jo­han­nes Hoff­mann wuchs in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen auf. Die ers­ten Kind­heits­jah­re ver­brach­te er in sei­nem Ge­burts­ort Lands­wei­ler-Re­den, da­mals ei­ne dörf­li­che Ge­mein­de in der Nä­he von Neun­kir­chen. Um 1900 war das Grenz­raum im Süd­zip­fel der preu­ßi­schen Rhein­pro­vinz. Die baye­ri­sche Pfalz war von hier aus nicht mehr weit. Der Va­ter Hoff­manns, Ja­kob (1859-1928) war Berg­mann, das Le­ben der Mut­ter Ka­tha­ri­na, ge­bo­re­ne Bun­gert (1858-1912) war be­stimmt durch ein kin­der­rei­ches Fa­mi­li­en­le­ben. Die jun­ge In­dus­trie­re­gi­on an der Saar bot der Fa­mi­lie ein aus­kömm­li­ches aber re­la­tiv kar­ges Da­sein. Den­noch wur­de Hoff­mann Gym­na­si­ast, aber nicht in Saar­brü­cken, son­dern in Trier, dem zen­tra­len An­zie­hungs­punkt für den Saar­ka­tho­li­zis­mus um 1900. Nach be­stan­de­nem Ab­itur stu­dier­te Hoff­mann vom Jah­re 1912 an Phi­lo­lo­gi­en und Phi­lo­so­phie in Frei­burg im Breis­gau und in Inns­bruck. Al­ler­dings er­reich­te er kei­nen Stu­di­en­ab­schluss. Der Aus­bruch des Ers­ten Welt­krie­ges ver­än­der­te sei­ne ur­sprüng­li­chen Le­bens­pla­nun­gen. Hoff­mann mel­de­te sich 1914 frei­wil­lig zum Waf­fen­dienst und kam da­nach im El­sass und im Na­hen Os­ten zum Ein­satz. Un­mit­tel­bar nach sei­ner Heim­kehr hei­ra­te­te er Frie­da Krau­se (1894-1973), ei­ne Lau­sit­ze­rin. Aus der Ehe gin­gen sechs Kin­der her­vor.

In der Zeit der Wei­ma­rer Re­pu­blik leb­te Hoff­mann mit sei­ner jun­gen Fa­mi­lie zu­nächst in der Nä­he von Ber­lin. Im Lau­fe der Zeit pro­fi­lier­te er sich zu ei­nem nam­haf­ten Jour­na­lis­ten, der aus­schlie­ß­lich für Ta­ges­zei­tun­gen ar­bei­te­te, die dem Zen­trum und dem deut­schen Ka­tho­li­zis­mus na­he stan­den. Hoff­mann war ein er­klär­ter An­hän­ger der Re­pu­blik und des So­zi­al­staa­tes von Wei­mar. Auf­le­ben­den Pho­bi­en ge­gen den jun­gen Ver­fas­sungs­staat trat er ent­schie­den ent­ge­gen, vor al­lem dann, wenn sie aus den ei­ge­nen Rei­hen spür­bar wur­den. In die­sem Zu­sam­men­hang sei der Na­me Franz von Pa­pen (1879-1969)  er­wähnt, den Hoff­mann schon da­mals als un­ver­läss­li­chen Po­li­ti­ker ein­schätz­te. 1929 wur­de Hoff­mann schlie­ß­lich Chef­re­dak­teur der Saar­brü­cker Lan­des­zei­tung. Aber die­se Stel­lung ver­lor er im Jah­re 1934. Haupt­ver­ant­wort­lich für sei­ne Ent­las­sung war sein In­tim­feind von Pa­pen, der un­be­dingt ei­nen Jour­na­lis­ten mund­tot ma­chen woll­te, der bis da­hin mu­tig ge­gen die neu­es­te Ent­wick­lung in Deutsch­land op­po­niert hat­te.

Ein Schlüs­sel­da­tum im Le­ben des Jo­han­nes Hoff­mann war der 13.1.1935, als mit ei­ner Volks­ab­stim­mung über das wei­te­re Schick­sal sei­ner Saar­hei­mat ent­schie­den wur­de und über 90 Pro­zent der Stimm­be­rech­tig­ten für ei­ne Rück­kehr nach Deutsch­land vo­tier­ten. Al­ler­dings ging es hier um ein Deutsch­land, das in­zwi­schen un­ter der Herr­schaft der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten stand. Aber das be­ein­druck­te ei­ne über­wäl­ti­gen­de Mehr­heit nicht. Im Ge­gen­teil, der völ­kisch forsch auf­trump­fen­de Na­tio­nal­so­zia­lis­mus wur­de ein­sei­tig und zum Teil auch sehn­lichst als Sach­wal­ter der na­tio­na­len Ge­dan­ken ge­se­hen. Nicht wahr­ge­nom­men wur­den in­des der ra­di­ka­le Ras­sis­mus und die gro­ßen Ge­fah­ren für den Frie­den in Eu­ro­pa. Hoff­mann er­kann­te je­doch die dro­hen­den Ab­grün­de und ent­schied sich mit Hil­fe ei­ner klei­nen An­hän­ger­schaft aus dem ka­tho­li­schen La­ger zum Wi­der­stand. Er setz­te da­bei mit an­de­ren Geg­nern Hit­lers wie den So­zi­al­de­mo­kra­ten und auch den Kom­mu­nis­ten auf den so­ge­nann­ten Sta­tus quo. Das wur­de ihm in der Fol­ge als Lan­des­ver­rat aus­ge­legt. Die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten sa­hen ihn so­gar als Hoch­ver­rä­ter. Nach dem 13.1.1935 sah er dar­um kei­ne an­de­re Mög­lich­keit, als zu emi­grie­ren.

Die Jah­re der Emi­gra­ti­on ge­stal­te­ten sich für Hoff­mann und sei­ne Fa­mi­lie als ei­ne gro­ße Lei­dens­zeit. Ei­ni­ger­ma­ßen er­träg­lich wa­ren le­dig­lich die Jah­re bis 1940. Auf­nah­me­land war in die­ser Zeit das Gro­ßher­zog­tum Lu­xem­burg. Doch die Jah­re da­nach wa­ren durch­ge­hend ei­ne Qual. Das Elend be­gann mit dem Be­ginn des West­feld­zugs der deut­schen Wehr­macht am 10.5.1940. Der ra­sche Vor­marsch der Ar­me­en Hit­lers hat­te ei­ne nicht ge­woll­te Tren­nung Hoff­manns von sei­ner Fa­mi­lie zur Fol­ge. Hoff­mann be­fand sich am 10.5.1940 be­reits in Pa­ris und war dort als Mit­ar­bei­ter ei­nes deut­schen Emi­gran­ten­sen­ders tä­tig. Doch sei­ne Frau und der Gro­ß­teil sei­ner Kin­der hat­ten zu­nächst noch in Lu­xem­burg aus­har­ren müs­sen. Hoff­mann wur­de un­mit­tel­bar nach dem Ein­marsch der deut­schen Trup­pen in­ter­niert, konn­te aber aus dem in der Bre­ta­gne ein­ge­rich­te­ten La­ger flie­hen. Zu Fuß er­reich­te er nach Wo­chen das ver­meint­lich noch freie Süd­frank­reich. Da er sich auch hier nicht vor den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten si­cher fühl­te, ent­schloss er sich nach ei­ni­gem Zö­gern zur Flucht nach Bra­si­li­en. Hier, in Rio de Ja­nei­ro, wird er dann bis zum Jah­re 1945 blei­ben.

Ma­te­ri­ell ge­se­hen war nur das ers­te Jahr für ihn Süd­ame­ri­ka schwer. Doch es gab da­nach Krank­hei­ten und ei­ne Ver­haf­tung durch die bra­si­lia­ni­sche Si­cher­heits­po­li­zei. Die­se Er­leb­nis­se ha­ben ihm eben­so zu­ge­setzt wie das un­ge­wis­se Schick­sal von Frau und Kin­dern. Die schlimms­te Stun­de in der Emi­gra­ti­on er­leb­te er im Jah­re 1943, als er vom To­de sei­nes Soh­nes Heinz-Joa­chim er­fuhr. Der erst 19-Jäh­ri­ge war an der Ost­front ge­fal­len. Für Hoff­mann stand der Tod sei­nes ge­lieb­ten Soh­nes sym­bol­haft für das durch Hit­ler ver­ur­sach­te Leid und die apo­ka­lyp­ti­schen Ver­wer­fun­gen in Eu­ro­pa seit 1933, die er zu ver­ant­wor­ten hat­te. Die­ser Tod war für ihn die ei­ge­ne und per­sön­lich di­rekt fühl­ba­re Be­geg­nung mit den Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit und das Völ­ker­recht, die Hit­ler in deut­schem Na­men be­gan­gen hat­te. Von hier aus lässt sich ein Kern­mo­tiv für sei­nen Vor­satz aus­ma­chen, nach der Ka­ta­stro­phe mit Tat­kraft für ein ei­ni­ges und fried­li­ches Eu­ro­pa ak­tiv wer­den zu wol­len.

Jo­han­nes Hoff­mann wur­de am 20.10.1947 zum ers­ten Mi­nis­ter­prä­si­den­ten des Saar­lan­des ge­wählt. Sei­ne Le­gi­ti­ma­ti­on er­folg­te durch ei­nen Land­tag, der un­mit­tel­bar zu­vor ge­wählt wor­den war. Al­ler­dings wa­ren hier­zu nur Par­tei­en zu­ge­las­sen wor­den, die mit dem von Frank­reich ver­lang­ten Au­to­no­mie­sta­tus ein­ver­stan­den wa­ren. Die Bil­dung der ers­ten Saar­landexe­ku­ti­ve er­folg­te rund an­dert­halb Jah­re nach Kriegs­en­de. Der Zeit­fak­tor ist hier zu be­ach­ten, weil Frank­reich erst im Schat­ten des her­auf­zie­hen­den Ost-West-Kon­flik­tes die Eck­da­ten sei­ner Saar­po­li­tik end­gül­tig fest­le­gen konn­te. Zwar wur­de die Saar auch jetz­t  wie­der wie nach dem Ers­ten Welt­krieg sei­ner Ober­ho­heit un­ter­wor­fen, doch im Ge­gen­satz zu 1919 wur­den den Saar­län­dern nun­mehr nicht un­er­heb­li­che Au­to­no­mie­rech­te zu­ge­stan­den. Ver­fas­sung, Par­la­ment, Exe­ku­ti­ve, Bud­get­rech­te, Jus­tiz und vor al­lem ein ga­ran­tier­tes Deutsch­tum wa­ren Grund­pfei­ler ei­ner erst­mals an der Saar staat­lich or­ga­ni­sier­ten Selbst­be­stim­mung, die ei­ne zu­nächst be­fürch­te­te Ent­wick­lung in Rich­tung An­ne­xi­on aus­schloss. Ei­ne hin­zu­neh­men­de Be­las­tung war und blieb frei­lich ein Rechts­ti­tel in Form ei­ner Ver­fas­sungs­prä­am­bel, die aus­drück­lich ei­ne Be­tei­li­gung an ei­ner deut­schen Staat­lich­keit un­ter­sag­te und die Saar in al­len Wirt­schafts- und Wäh­rungs­fra­gen von Frank­reich ab­hän­gig wer­den ließ

Im Rah­men die­ser Fest­le­gun­gen hat Hoff­mann mit sei­nen Re­gie­run­gen bis zum 23.10.1955 Be­acht­li­ches ge­leis­tet. Zu sei­ner Er­folgs­bi­lanz zäh­len der erst­ma­li­ge Auf- und Aus­bau ei­ner saar­län­di­schen Staat­lich­keit, ein dy­na­misch in An­griff ge­nom­me­ner Wie­der­auf­bau der Wohn- und In­fra­struk­tur ei­nes Lan­des, das stark un­ter dem Krieg ge­lit­ten hat­te, ein leis­tungs­freu­di­ger So­zi­al­staat, der al­lein schon des­we­gen mehr leis­ten konn­te und woll­te, weil die Saar kei­nen Las­ten­aus­gleich wie in der Bun­des­re­pu­blik zu stem­men hat­te. Be­mer­kens­wert wa­ren auch die Leis­tun­gen im Bil­dungs- und Kul­tur­sek­tor. Die Saar er­reich­te in der Hoff­man­nära erst­mals ei­nen Hoch­schul­sek­tor und ein weit ver­zweig­tes Sys­tem an Kul­tur­ein­rich­tun­gen.

Die Be­völ­ke­rung an der Saar hat die Leis­tun­gen der Re­gie­rung Hoff­mann durch­aus an­er­kannt. Die Land­tags­wahl von 1952, zu der al­ler­dings nur die Au­to­no­mie­par­tei­en zu­ge­las­sen wa­ren, ist hier­für ein In­diz. Hoff­manns Par­tei, die Christ­li­che Volks­par­tei (CVP), ge­wann sie mit ab­so­lu­ter Mehr­heit. Doch Hoff­mann er­reich­te die­sen Tri­umph zu ei­nem Zeit­punkt, als sich Bonn und Pa­ris be­reits hef­tig um die Saar strit­ten. Au­ßer­dem hat­te das klei­ne In­dus­trie­land für Frank­reich in­zwi­schen er­heb­lich an Be­deu­tung ver­lo­ren. Aus­schlag­ge­bend hier­für war der im Jah­re 1952 in Kraft ge­tre­te­ne Ver­trag über die Eu­ro­päi­sche Ge­mein­schaft für Koh­le und Stahl (Mon­tan­uni­on). Er schwäch­te die tra­dier­ten Ri­va­li­tä­ten zwi­schen Frank­reich und Deutsch­land stark ab. Als im Jah­re 1954 der Pro­zess der eu­ro­päi­schen In­te­gra­ti­on ins Sto­cken ge­riet (Schei­tern der Eu­ro­päi­schen Ver­tei­di­gungs­ge­mein­schaft - EVG - !), ver­fiel die Saar­fra­ge end­gül­tig zu ei­nem rei­nen Ter­ri­to­ri­al­streit. Das Saarab­kom­men im Rah­men der Pa­ri­ser Ver­trä­ge von 1954 gab dem Ge­dan­ken ei­ner Eu­ro­päi­sie­rung der Saar je­den­falls nur vor­der­grün­dig ei­ne Chan­ce. Nicht zu­letzt des­we­gen wur­de er auch in der Volks­ab­stim­mung vom 23.10.1955 ab­ge­lehnt.

In der saar­län­di­schen Be­völ­ke­rung hat die­ses Ple­bis­zit tie­fe Wun­den ge­schla­gen, weil der tri­um­phie­ren­de My­thos von ei­ner ewi­gen Va­ter­land­streue der Saar­län­der die Per­son Hoff­mann und auch sei­ne im­mer noch be­acht­li­che An­hän­ger­schaft eben­so dis­kre­di­tier­te wie auch de­ren Ziel­vor­stel­lung von ei­ner Saar als Freund­schafts­brü­cke zwi­schen Deutsch­land und Frank­reich im Dienst ei­nes eu­ro­päi­schen Frie­dens­ob­jekts.

Ein Teil der An­kla­gen ge­gen Hoff­mann war al­ler­dings be­rech­tigt, weil der Weg der po­li­ti­schen Au­to­no­mie zwangs­läu­fig das Prin­zip der na­tio­na­len Selbst­be­stim­mung und da­mit auch Frei­heits­rech­te be­drän­gen muss­te. Doch oft wa­ren die Vor­wür­fe auch über­zo­gen, vor al­lem in der Be­haup­tung, Hoff­mann ha­be an der Saar ei­nen Po­li­zei­staat or­ga­ni­siert.

Ei­ne er­heb­li­che Mit­schuld an der Dif­fa­mie­rung hat­te die Ver­gan­gen­heit, bes­ser und ge­nau­er ge­sagt: die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche und der Um­gang mit ihr. Im Ja­nu­ar 1935 hat­te ei­ne gro­ße Mehr­heit der Saar­be­völ­ke­rung nicht nur auf Deutsch­land ge­setzt. Sie hat­te sich auch an­fäl­lig ge­zeigt für das ver­meint­lich fas­zi­nie­ren­de völ­ki­sche Ord­nungs­prin­zip des to­ta­li­tä­ren Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Mit der zwei­ten Ab­stim­mung 20 Jah­re spä­ter konn­te und soll­te die­ser Ma­kel ge­tilgt wer­den. Ge­fühlt wur­de so­zu­sa­gen ein ge­läu­ter­tes Va­ter­lands­prin­zip. Der 23.10.1955 bot nun Ge­le­gen­heit, dem Mah­ner Hoff­mann von 1935 selbst­be­wusst ent­ge­gen zu tre­ten.

Im Grun­de blieb das Ple­bis­zit an der Saar oh­ne Sie­ger. Die va­ter­land­streu­en Ab­stim­mungs­ge­win­ner, im so­ge­nann­ten Hei­mat­bund or­ga­ni­siert, blie­ben nur in ih­rem Kampf ge­gen Hoff­mann ei­nig. Da­nach zer­strit­ten sie sich. Hoff­mann je­doch führ­te sei­ne Christ­li­che Volks­par­tei in ei­ne neue Rich­tung. An­ge­sichts ei­ner völ­lig an­de­ren Aus­gangs­la­ge vo­tier­te auch er bald für den Bei­tritt des Saar­lan­des zur Bun­des­re­pu­blik. Au­ßer­dem trug Hoff­mann viel da­zu bei, dass die bei­den christ­li­chen Par­tei­en, sei­ne einst au­to­no­mis­ti­sche CVP und die neu ge­grün­de­te CDU, im Jah­re 1959 zur Ein­heit fan­den.

Mit die­ser Ver­söh­nungs­stra­te­gie ret­te­te Hoff­mann ei­nen we­sent­li­chen Be­stand­teil sei­nes Le­bens­wer­kes und das ist die bis heu­te blei­ben­de Exis­tenz des Saar­lan­des als Staat. In die­ser Rol­le ist das Saar­land heu­te ein Teil der Bun­des­re­pu­blik, ein Sta­tus, der ihm nach wie vor ei­ni­ge Vor­zü­ge ein­bringt. Je­den­falls ha­ben die Nach­fol­ger Hoff­manns die saar­län­di­sche Staat­lich­keit er­folg­reich fort­ge­führt und je­den Zwei­fel dar­über ent­kräf­tet, dass die Saar zu ei­nem Re­gie­rungs­be­zirk ab­stei­gen könn­te. Und der wä­re nach La­ge der Din­ge auf je­den Fall ein rhein­land-pfäl­zi­scher. Die Kon­ti­nui­tät des Saar­lan­des als Staat wird sich nach 1955 vor al­lem mit den Na­men Franz-Jo­sef Rö­der (1909-1979, Mi­nis­ter­prä­si­dent 1959-1979) und Os­kar La­fon­tai­ne (ge­bo­ren 1943, Mi­nis­ter­prä­si­dent 1985-1998) ver­bin­den. Hoff­mann selbst starb am 21.9.1967 in Völk­lin­gen.

Literatur

Der Weg des Zen­trums, Saar­brü­cken 1933.

Die Neue Saar­post, 1934 von Hoff­mann ge­grün­de­te Ta­ges­zei­tung im Kampf ge­gen Hit­ler [nur ein Jahr­gang].

Am Ran­de des Hit­ler­krie­ges, Saar­brü­cken 1948. Un­ver­än­der­ter Nach­druck durch die Uni­ons­stif­tung Saar­brü­cken im Rah­men ih­rer Rei­he Mal­stät­ter Bei­trä­ge, Saar­brü­cken 2005.

Wir wol­len Eu­ro­pa. Re­de des Lan­des­vor­sit­zen­den auf dem 9. Par­tei­tag der CVP des Saar­lan­des am 16. Ja­nu­ar 1955, Saar­brü­cken 1955.

Das Ziel war Eu­ro­pa. Der Weg der Saar 1945 – 1955, Mün­chen/Wien 1963. Un­ver­än­der­ter Nach­druck durch die Uni­ons­stif­tung Saar­brü­cken im Rah­men ih­rer Mal­stät­ter Bei­trä­ge, Saar­brü­cken 2013

Film

Bo­ris Penth, Eu­ro­pas Neu­be­ginn – Jo­han­nes Hoff­mann und das Saar­land, Film, 60 Mi­nu­ten, 2013.

Literatur

Ge­s­tier, Mar­kus/Mey­er, Pe­ter/Fle­cken, Jan von, Bom­bers Beich­te. Der An­schlag auf den Saar-Mi­nis­ter­prä­si­den­ten an­no 1955 war Werk ei­nes Sta­si-Spe­zia­lis­ten, in: Fo­cus, Nr. 19/1997.

Küp­pers, Hein­rich, Jo­han­nes Hoff­mann (1890–1967), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 18, Köln 2000, S. 191–224.

Küp­pers, Hein­rich, Hoff­mann, Jo­han­nes (ei­gent­lich Jo­hann Vik­tor), Jour­na­list, Mi­nis­ter­prä­si­dent, in: Le­xi­kon der Christ­li­chen De­mo­kra­tie in Deutsch­land, Pa­der­born 2002, S. 282 – 283.

Küp­pers, Hein­rich, Jo­han­nes Hoff­mann (1890 – 1967). Bio­gra­phie ei­nes Deut­schen, Düs­sel­dorf 2008.

Schlei­den, Karl Au­gust, Jo­han­nes Hoff­mann (1890-1967), in: Saar­län­di­sche Le­bens­bil­der 4, Saar­brü­cken 1989, S. 251-276.

Online

Alt­mey­er, Klaus, Jo­han­nes Hoff­mann, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie, Band 9, Ber­lin 1972, S. 428-429.

Johannes Hoffmann, 1950er Jahre, Porträtfoto. (Deutsches Historisches Museum, Berlin)

 
Zitationshinweis

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Küppers, Heinrich, Johannes Hoffmann, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johannes-hoffmann/DE-2086/lido/57c831926862a3.37286557 (22.04.2018)