Joseph Caspar Witsch

Verleger (1906-1967)

Georg Arnold (Mönchengladbach)

Joseph Caspar Witsch, Porträtfoto. (Kiepenheuer & Witsch Verlag)

Jo­seph Cas­per Witsch war ein Bi­blio­the­kar und Ver­le­ger aus Köln. Sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn be­gann er in den 1920-er Jah­re als An­ge­stell­ter der ­Stadt­ver­wal­tung Köln. Durch pri­va­te Fort­bil­dung ge­lang es ihm, sich be­ruf­lich wei­ter zu qua­li­fi­zie­ren. 1932 über­nahm er die Lei­tung der Tech­ni­schen Bi­blio­thek. 1933 wur­de er von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten zu­nächst aus po­li­ti­schen Grün­den aus dem Dienst ent­las­sen, trat aber be­reits im Ok­to­ber des­sel­ben Jah­re der SA bei und konn­te sei­ne be­ruf­li­che Lauf­bahn in Stral­sund und Je­na fort­set­zen. Nach dem Zwei­ten Welt­krieg floh er 1948 aus der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­zo­ne und grün­de­te ge­mein­sam mit Gus­tav Kie­pen­heu­er in Köln den Ver­lag „Kie­pen­heu­er & Witsch". Als Ver­lags­lei­ter soll Witsch mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­dienst CIA zu­sam­men­ge­ar­bei­tet ha­ben.

Jo­seph Cas­per Witsch wur­de am 17.7.1906 in Köln als zwei­tes von ins­ge­samt fünf Kin­dern der Ehe­leu­te Kris­ti­an und Li­sa Witsch ge­bo­ren. Durch die ma­te­ri­ell schwie­ri­ge La­ge der Fa­mi­lie in den In­fla­ti­ons­jah­ren und den frü­hen Kriegs­tod des Va­ters im Fe­bru­ar 1915, wur­de die Aus­bil­dung der Kin­der er­schwert. Witsch muss­te 1921 das Gym­na­si­um oh­ne Ab­itur ver­las­sen und ar­bei­te­te als An­ge­stell­ter bei der Stadt­ver­wal­tung Köln. Im Selbst­stu­di­um qua­li­fi­zier­te er sich wei­ter und konn­te 1929 die Ober­se­kun­dar­prü­fung als ex­ter­ner Schü­ler er­folg­reich ab­le­gen. 1931 be­stand er an der West­deut­schen Volks­bü­cher­ei­schu­le in Köln und der Deut­schen Volks­bü­cher­ei­schu­le in Leip­zig sein Ex­amen als Di­plom-Volks­bi­blio­the­kar und fand ei­ne An­stel­lung in der Stadt­bü­che­rei Köln.

Nach Ab­le­gung sei­nes Ex­amens und ei­ner Hoch­be­gab­ten­prü­fung an der Uni­ver­si­tät Leip­zig be­gann Witsch ein Be­rufs­be­glei­ten­des Stu­di­um der Phi­lo­so­phie, So­zio­lo­gie, Ge­schich­te und Li­ter­ar­tur­ge­schich­te in Köln. 1932 ver­öf­fent­lich­te er ei­ne ers­te wis­sen­schaft­li­che Ar­beit über „Be­rufs- und Le­bens­schick­sa­le weib­li­cher An­ge­stell­ter in der schö­nen Li­te­ra­tur" und wur­de Lei­ter der Tech­ni­schen Bi­blio­thek in Köln. Als die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1933 die Macht er­grif­fen, wur­de er als Kom­mu­nist de­nun­ziert und aus dem Dienst ent­las­sen. Sein Stu­di­um setz­te Witsch fort und schloss dies 1935 mit der Dis­ser­ta­ti­on „Der Be­griff ‚Stand’ in der Ge­sell­schafts- und Staats­phi­lo­so­phie Fich­tes" ab. Im sel­ben Jahr hei­ra­tet er Eli­sa­beth Deux. Aus die­ser Ehe ent­stam­men vier Kin­der. 1935 fand Witsch ei­ne An­stel­lung als Bi­blio­the­kar und Hilfs­ar­chi­var in Stral­sund. Ein Jahr spä­ter wur­de er Di­rek­tor der von Ernst Ab­be (1840-1905) ge­grün­de­ten Bi­blio­thek und Lei­ter der „Staat­li­chen Lan­des­stel­le für das volks­tüm­li­che Bü­che­rei­we­sen" in Je­na. Er war ma­ß­geb­lich an der Her­aus­ga­be der Zeit­schrif­ten „Die Thü­rin­gi­sche Volks­bü­che­rei" und „Die Bü­che­rei. Zeit­schrift der Reichs­stel­le für das Volks­bü­che­rei­we­sen" be­tei­ligt. Der be­ruf­li­che Auf­stieg war al­ler­dings nur mög­lich, da er sich von dem Vor­wurf, Kom­mu­nist zu sein, be­frei­en konn­te und be­reits im Ok­to­ber 1933 der SA bei­ge­tre­ten war. Ab 1937 war er auch Mit­glied der NS­DAP.

Be­reits zu Be­ginn des Zwei­ten Welt­krie­ges 1939 wur­de Witsch zu ver­schie­de­nen Kriegs­diens­ten ein­ge­zo­gen, die aber durch Frei­stel­lun­gen für sei­ne Ar­beit im­mer wie­der un­ter­bro­chen wur­den. Das Kriegs­en­de er­leb­te er als Flak­sol­dat in Ita­li­en. Nach­dem er, oh­ne in Ge­fan­gen­schaft ge­ra­ten zu sein, von Ita­li­en nach Deutsch­land ge­flo­hen war, nahm er sei­ne Tä­tig­keit in Je­na wie­der auf und wur­de Lei­ter der neu­en „Thü­rin­gi­schen Lan­des­stel­le für Buch- und Bi­blio­theks­we­sen". Er war nun auch zu­stän­dig für die wis­sen­schaft­li­chen Bi­blio­the­ken und wur­de Mit­be­grün­der der „Uni­ver­si­täts­lehr­an­stalt für Bi­blio­theks­we­sen".

Nach Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der so­wje­ti­schen Be­sat­zungs­macht floh Witsch 1948 in die britt­sche Be­sat­zungs­zo­ne nach Ha­gen. Be­reits ein Jahr zu­vor hat­te er mit dem Ver­le­ger Gus­tav Kie­pen­heu­er (1880-1949) über die Grün­dung ei­nes ge­mein­sa­men Ver­la­ges ver­han­delt. Wäh­rend Kie­pen­heu­er schwer krank in Wei­mar blieb, er­warb Witsch in Ha­gen die Li­zenz für den „Gus­tav Kie­pen­heu­er Ver­lag". Nach dem To­de Kie­pen­heu­ers, sie­del­te Witsch 1950 nach Köln um. Es folg­te die Um­for­mie­rung in den Ver­lag „Kie­pen­heu­er & Witsch", der schon nach we­ni­gen Jah­ren zu den re­nom­mier­tes­ten der Bun­des­re­pu­blik zähl­te. Star­au­tor wur­de Hein­rich Böll (1917-1985), der dem Ver­lag bis zu sei­nem Tod treu blieb.

In den 1950-er Jah­ren schloss Witsch ei­nen Ver­trag mit „Phai­don Press Lon­don" zur Grün­dung ei­nes un­ab­hän­gi­gen Ver­lags­hau­ses in Köln. 1953 folg­te die Grün­dung des „Ver­la­ges für Po­li­tik und Wirt­schaft" und die Her­aus­ga­be der Zeit­schrift „Die Kie­pe". Witsch wur­de Mit­be­grün­der der Ver­le­ger­grup­pe „Die Neun­zehn" und in­iti­ier­te Mit­te der 1950-er Jah­re den „Büh­nen­ver­trieb" als ei­ge­nen Thea­ter­ver­lag. Er wur­de Vor­sit­zen­der des Ver­le­ger­aus­schus­ses im „Bör­sen­ver­ein des deut­schen Buch­han­dels" und war 1961 an der Grün­dung des deut­schen Ta­schen­buch­ver­la­ges „dtv" be­tei­ligt. In dem Do­ku­men­tar­film „Be­nutzt und ge­steu­ert - Künst­ler im Netz der CIA", weist der Au­tor Hans-Pe­ter Mi­now dar­auf hin, dass Witsch ab den 1950-er Jah­ren mit dem US-ame­ri­ka­ni­schen Ge­heim­dienst CIA zu­sam­men­ar­bei­tet hat. Der CIA soll Witsch fi­nan­zi­ell un­ter­stützt und die Über­set­zun­gen US-ame­ri­ka­ni­scher Bü­cher fi­nan­ziert ha­ben.

Cas­par Witsch starb am 28.4.1967 in Köln. Rein­hold Ne­ven Du Mont (ge­bo­ren 1936), der be­reits seit 1963 sein As­sis­tent ge­we­sen war, wur­de neu­er Ei­gen­tü­mer von „Kie­pen­heu­er & Witsch".

Quellen

Witsch, Jo­seph Cas­par, Brie­fe 1948-1967, hg. von Kris­ti­an Witsch. Mit ei­nem Vor­wort von Manès Sper­ber, Köln 1977.

Literatur

Hofsüm­mer, Ever­hard, Jo­seph Cas­par Witsch (1906-1967), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 18 (2000), S. 225-245.
Ho­hen­stein, An­ge­li­ka, Jo­seph Cas­par Witsch und das Volks­bü­che­rei­we­sen un­ter na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Herr­schaft, Wies­ba­den 1992.

 
Zitationshinweis

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Arnold, Georg, Joseph Caspar Witsch, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/joseph-caspar-witsch/DE-2086/lido/57c9329519bcb1.08298670 (22.05.2018)