Joseph Kentenich

Gründer der Internationalen Schönstatt-Bewegung (1885-1968)

Joachim Schmiedl (Vallendar)

Joseph Kentenich, Porträtfoto. (Schönstatt-Bewegung, PressOffice Schönstatt)

1914 grün­de­te der Pal­lot­ti­ner-Pa­ter Jo­seph Ken­te­nich die spä­te­re Schön­statt-Be­we­gung. Die spi­ri­tu­el­len Schwer­punk­te der Ma­ri­en­ver­eh­rung, der Got­tes­be­zie­hung im All­tag und der apos­to­li­schen Sen­dung im Dienst der Kir­che sind heu­te In­spi­ra­ti­ons­quel­le für Men­schen aus al­len Kon­ti­nen­ten.

Jo­seph (Jo­sef) Ken­te­nich wur­de am 16.11.1885 in Gym­nich (heu­te Erft­stadt) ge­bo­ren. Sein Va­ter Mat­thi­as Jo­seph Köp (1841-1931) war Guts­ver­wal­ter in Nör­ve­nich, sei­ne Mut­ter Ka­tha­ri­na Ken­te­nich (1861-1939) Haus­an­ge­stell­te in ver­schie­de­nen Köl­ner Fa­mi­li­en. Die El­tern hei­ra­te­ten nicht, so dass Jo­seph vor al­lem bei sei­nen Gro­ß­el­tern in Gym­nich auf­wuchs. Am 12.4.1894 brach­te die Mut­ter ih­ren Sohn in das St. Vin­cenz-Wai­sen­haus in Ober­hau­sen, das ihr Beicht­va­ter, Pfar­rer Au­gust Sa­vels von St. Apos­teln in Köln, ge­stif­tet hat­te. Ka­tha­ri­na Ken­te­nich voll­zog ei­ne pri­va­te Ma­ri­en­wei­he, als sie ih­ren Sohn nach Ober­hau­sen brach­te. Die­sen re­li­giö­sen Akt vor der Ma­ri­en­sta­tue nahm Jo­seph tief in sich auf. Er wur­de für sein wei­te­res Le­ben prä­gend.

Nach der Volks­schu­le, die er in Ober­hau­sen ab­schloss, trat Jo­seph Ken­te­nich 1899 in das Mis­si­ons­gym­na­si­um der Pal­lot­ti­ner in Eh­ren­breit­stein (heu­te Stadt Ko­blenz) ein. 1904 leg­te er dort das haus­in­ter­ne Ab­itur ab und be­gann sein No­vi­zi­at in Lim­burg. Wäh­rend die­ser Zeit (1904-1906) und des an­schlie­ßen­den Or­dens­stu­di­ums in Lim­burg (1906-1911) hat­te Ken­te­nich un­ter schwe­ren in­ne­ren Kämp­fen, see­li­scher Ein­sam­keit und da­durch aus­ge­lös­ten Glau­bens­zwei­feln zu lei­den, was ihn nach ei­ge­nen Aus­sa­gen bis an den Rand des geis­ti­gen Zu­sam­men­bruchs führ­te. Die Fra­ge nach der Wahr­heit und ih­rer Er­kenn­bar­keit be­schäf­tig­te ihn zu­tiefst. Erst in der exis­ten­ti­el­len Bin­dung an Ma­ria und im Kon­takt mit dem Le­ben fand er ei­ne Lö­sung der in­ne­ren Span­nun­gen.

Die Pries­ter­wei­he emp­fing Jo­seph Ken­te­nich am 8.7.1910 in Lim­burg. Nach ei­nem wei­te­ren Jahr Stu­di­um wur­de er Deutsch- und La­tein­leh­rer am Mis­si­ons­gym­na­si­um in Eh­ren­breit­stein. Im Sep­tem­ber 1912 wech­sel­te er an das neu er­rich­te­te Stu­di­en­heim auf der Klos­ter­mau­er in Val­len­dar-Schön­statt. Be­reits am 25.10.1912 wur­de er zum Spi­ri­tu­al der Schü­ler er­nannt. Am 27.10.1912 hielt er ei­nen pro­gram­ma­ti­schen Vor­trag, der spä­ter „Vor­grün­dungs­ur­kun­de" Schön­statts ge­nannt wur­de und die Jun­gen zur er­zie­he­ri­schen Ar­beit an der ei­ge­nen Per­sön­lich­keit auf­for­der­te. Ein Mis­si­ons­ver­ein – die Schü­ler woll­ten in die Ka­me­r­un­mis­si­on der Pal­lot­ti­ner ge­hen – wur­de am 19.4.1914 in ei­ne Ma­ria­ni­sche Kon­gre­ga­ti­on um­ge­wan­delt. Für die­se Kon­gre­ga­ti­on be­kam Ken­te­nich von sei­nen Vor­ge­setz­ten die al­te Fried­hofs­ka­pel­le des ehe­ma­li­gen Au­gus­ti­ne­rin­nen-Klos­ters Schön­statt, die dem hei­li­gen Mi­cha­el ge­weiht war, zur Ver­fü­gung ge­stellt. In der vor­se­hungs­gläu­bi­gen Su­che nach dem Wil­len Got­tes für die­se jun­ge Ge­mein­schaft spiel­te für ihn ein Zei­tungs­be­richt über die Grün­dung des ita­lie­ni­schen Wall­fahrts­or­tes Val­le di Pom­pei (na­he der rö­mi­schen Rui­nen­stadt Pom­pei) und die durch den Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs ver­schärf­te Zeit­si­tua­ti­on ei­ne wich­ti­ge Rol­le. Des­halb sprach er am 18.10.1914 in der „Ers­ten Grün­dungs­ur­kun­de" ei­ne „Lieb­lings­idee" aus, ob Schön­statt nicht ein Gna­den­ort Ma­ri­as wer­den kön­ne. Für die da­zu ge­for­der­te Mit­wir­kung der Schü­ler sah Ken­te­nich in den Schre­cken des Welt­kriegs ei­ne ethi­sche und re­li­giö­se Her­aus­for­de­rung. Durch ei­nen um­fang­rei­chen Brief­wech­sel und die Her­aus­ga­be der Zeit­schrift „Ma­ter ter ad­mi­ra­bi­lis" (seit 5.3.1916) för­der­te Ken­te­nich die zum Mi­li­tär ein­ge­zo­ge­nen Schü­ler, die un­ter den Be­din­gun­gen des Krie­ges so­gar Grup­pen auf­bau­en konn­ten. Ei­ne ei­ge­ne „Au­ßen­or­ga­ni­sa­ti­on" ent­stand. Nach Kriegs­en­de bat Ken­te­nich die Lei­tung sei­ner Ge­mein­schaft um Frei­stel­lung für die neu ent­stan­de­nen Grup­pen.

Für die Pal­lot­ti­ner er­gab sich nach dem En­de des Ers­ten Welt­kriegs ei­ne neue Si­tua­ti­on. Ka­me­run als Mis­si­ons­ge­biet war ver­lo­ren ge­gan­gen, da­für hat­ten sich durch die Auf­he­bung der Tä­tig­keits­be­schrän­kun­gen für die Or­den in der neu ent­stan­de­nen Wei­ma­rer Re­pu­blik neue Mög­lich­kei­ten er­öff­net. In die­se Auf­bruchs­stim­mung pass­te der Auf­bau der ver­schie­de­nen Ge­mein­schaf­ten der ent­ste­hen­den Schön­statt-Be­we­gung. 1919 wur­de der „Apos­to­li­sche Bund" ge­grün­det, der ab 1920 mit der „Apos­to­li­schen Li­ga" die „Apos­to­li­sche Be­we­gung von Schön­statt" bil­de­te. 1926 grün­de­te Ken­te­nich die „Schön­stät­ter Ma­ri­en­schwes­tern", die 1948 als ers­tes deut­sches Sä­ku­lar­in­sti­tut kirch­lich an­er­kannt wur­den. Ken­te­nich hielt Ta­gun­gen, Ex­er­zi­ti­en, päd­ago­gi­sche und seel­sorg­li­che Kur­se für Pries­ter und Lai­en, be­son­ders für Frau­en und Män­ner aus päd­ago­gi­schen Be­ru­fen ab. Seit 1924 bot er Kur­se zur Geist­li­chen Be­glei­tung („See­len­füh­rer­kur­se") an. Ex­er­zi­ti­en mit ei­nem Jah­res­the­ma wur­den be­son­ders von Pries­tern als In­spi­ra­ti­on für ih­re pas­to­ra­le Tä­tig­keit ge­schätzt. Im Jahr 1932 nah­men über 2.000 Pries­ter an Ex­er­zi­ti­en und Ta­gun­gen Ken­te­nichs teil.

Nach der Macht­über­nah­me durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­müh­te sich Ken­te­nich in Vor­trä­gen und päd­ago­gi­schen Ta­gun­gen an ver­schie­de­nen Or­ten Deutsch­lands um ei­ne geis­ti­ge Im­mu­ni­sie­rung ge­gen­über der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ideo­lo­gie. In der Fol­ge­zeit kam es wie­der­holt zu Haus­durch­su­chun­gen in Schön­statt. Am 1.4.1939 wur­de das Stu­di­en­heim Schön­statt ge­schlos­sen und in ei­ne na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Leh­rer­bil­dungs­an­stalt um­ge­wan­delt. Nun ar­bei­te­te Ken­te­nich als Ant­wort auf die Her­aus­for­de­run­gen der Zeit auf ei­ne Ver­tie­fung des re­li­giö­sen Le­bens in den Schön­statt-Ge­mein­schaf­ten hin, was er in die Bild­wor­te „Blan­ko­voll­macht" und „In­scrip­tio" fass­te – po­si­ti­ve Ein­stel­lung auf den Wil­len Got­tes für das per­sön­li­che Le­ben und in­ne­re Be­fä­hi­gung zur Leid­be­wäl­ti­gung.

Die Ge­hei­me Staats­po­li­zei be­stell­te Jo­seph Ken­te­nich am 20.9.1941 nach Ko­blenz. Vier Wo­chen muss­te er in Ein­zel­haft in ei­ner Dun­kel­zel­le ver­brin­gen, wei­te­re fünf Mo­na­te im Ge­fäng­nis des ehe­ma­li­gen Kar­me­li­ter­klos­ters. Be­mü­hun­gen, ihn da­zu zu be­we­gen, ei­ne noch­ma­li­ge ge­sund­heit­li­che Un­ter­su­chung in Be­zug auf sei­ne „La­ger­fä­hig­keit" zu be­an­tra­gen, schlug er am 20.1.1942 aus. Er wer­te­te die­sen Schritt als Zei­chen der So­li­da­ri­tät und in­ne­ren Frei­heit in der Nach­fol­ge des Ge­kreu­zig­ten.

Vom 13.3.1942 bis 6.4.1945 war er im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au in­ter­niert. Dort wa­ren be­reits meh­re­re sei­ner Mit­ar­bei­ter in­haf­tiert. Auf dem Pries­ter­block 26 und vor al­lem un­ter in­ter­es­sier­ten Pries­tern und Lai­en hielt er geist­li­che Vor­trä­ge und Me­di­ta­tio­nen. In ei­ner Par­al­lel­welt zum La­ger­all­tag schrieb er heim­lich zen­tra­le Wer­ke über die Spi­ri­tua­li­tät und Struk­tur sei­ner Grün­dung, die er il­le­gal aus dem La­ger schmug­gel­te. Am 16.7.1942 grün­de­te er mit Dr. Fried­rich Kühr (1895-1950) das Schön­stät­ter Fa­mi­li­en­werk und mit Edu­ard Pe­sen­dor­fer (1904-1974) die Schön­stät­ter Ma­ri­en­brü­der. In Dach­au stie­ßen auch Pries­tern aus ost­eu­ro­päi­schen Län­dern zu Schön­statt. Noch vor der Be­frei­ung des La­gers Dach­au wur­de Ken­te­nich am 6.4.1945 ent­las­sen. Nun wid­me­te er sich zu­nächst der Struk­tu­rie­rung sei­ner Grün­dung. Er kon­sti­tu­ier­te das In­sti­tut der Schön­stät­ter Diö­ze­san­pries­ter (18.10.1945) und das In­sti­tut der Frau­en von Schön­statt (2.2.1946). Das In­sti­tut der Ma­ri­en­schwes­tern teil­te er in Pro­vin­zen auf. Als jähr­li­che zen­tra­le Schu­lungs­ver­an­stal­tung führ­te er die „Ok­to­ber­wo­che" ein. 1947 be­gann er sei­ne ers­te gro­ße Welt­rei­se, die ihn von Ita­li­en aus nach Bra­si­li­en, Uru­gu­ay, Ar­gen­ti­ni­en und Chi­le führ­te. Er be­such­te dort die Nie­der­las­sun­gen der Ma­ri­en­schwes­tern und der Pal­lot­ti­ner. 1948-1950 stan­den Süd­afri­ka, Bra­si­li­en, Chi­le und die USA auf dem Pro­gramm. Ei­ne drit­te apos­to­li­sche Rei­se führ­te ihn 1951 wie­der nach Süd­ame­ri­ka.

Be­reits 1935 war es von Sei­ten des Bis­tums Trier zu ers­ten kri­ti­schen An­fra­gen be­züg­lich man­cher „Son­de­r­ide­en" der Spi­ri­tua­li­tät der Schön­statt-Be­we­gung und de­ren Ter­mi­no­lo­gie ge­kom­men. Die Deut­sche Bi­schofs­kon­fe­renz hat­te das The­ma Schön­statt nach 1945 mehr­fach auf der Ta­ges­ord­nung, un­ter an­de­rem we­gen des gro­ßen Ein­flus­ses der Schön­statt-Pries­ter auf die Neu­ord­nung der Pas­to­ral. Pa­ter Ken­te­nich selbst woll­te sei­ne Grün­dung von der kirch­li­chen Au­to­ri­tät prü­fen und an­er­ken­nen las­sen. Of­fe­ne Fra­gen be­tra­fen zum Bei­spiel ori­gi­nel­le spi­ri­tu­el­le und as­ze­ti­sche For­men, ei­ge­ne Wort­prä­gun­gen so­wie die Fra­ge nach der Ein­ord­nung der ver­schie­de­nen Ge­mein­schaf­ten in die kirch­li­chen Struk­tu­ren und Le­bens­pro­zes­se. Ein im Au­gust 1948 von der Bi­schofs­kon­fe­renz be­schlos­se­ner For­de­rungs­ka­ta­log an die Be­we­gung wur­de vom Trie­rer Bi­schof nicht wei­ter­ge­ge­ben. Pa­ter Ken­te­nich selbst woll­te ein Stu­di­um der Be­we­gung durch ei­nen Ver­trau­ens­mann er­rei­chen. Statt­des­sen wur­de im Fe­bru­ar 1949 das Sä­ku­lar­in­sti­tut der Schön­stät­ter Ma­ri­en­schwes­tern durch den Trie­rer Weih­bi­schof Bern­hard Stein (1904-1993, Epis­ko­pat 1967-1980) ei­ner Vi­si­ta­ti­on un­ter­zo­gen. Das in we­sent­li­chen Tei­len po­si­ti­ve Er­geb­nis nahm Ken­te­nich zum An­lass, in ei­ner län­ge­ren Stu­die, de­ren ers­ten Teil er am 31.5.1949 in San­tia­go de Chi­le fer­tig­stell­te, auf ei­ne Wei­se der Welt­be­trach­tung auf­merk­sam zu ma­chen, die er als „me­cha­nis­ti­sches Den­ken" cha­rak­te­ri­sier­te und die für Kir­che und Ge­sell­schaft sei­ner Mei­nung nach ei­ne Ge­fahr dar­stell­te.

Per­sön­li­che An­schul­di­gun­gen ge­gen die päd­ago­gi­sche Pra­xis Ken­te­nichs führ­ten zu ei­ner Apos­to­li­schen Vi­si­ta­ti­on des ge­sam­ten Schön­statt-Wer­kes, die von 1951 bis 1953 durch den nie­der­län­di­schen Je­sui­ten und Pro­fes­sor an der Gre­go­ria­na-Uni­ver­si­tät in Rom, Se­bas­ti­an Tromp (1889-1975), durch­ge­führt wur­de. In­ner­halb sei­ner ei­ge­nen Ge­mein­schaft der Pal­lot­ti­ner gab es Mit­glie­der pro und con­tra Ken­te­nich In der Fol­ge der Vi­si­ta­ti­on wur­de Ken­te­nich als Geist­li­cher Di­rek­tor der Ma­ri­en­schwes­tern ab­ge­setzt. Der Vi­si­ta­tor ver­füg­te sei­ne Aus­wei­sung aus Schön­statt und Eu­ro­pa.

Am 21.6.1952 kam Pa­ter Ken­te­nich an sei­nem ihm vom Hei­li­gen Of­fi­zi­um zu­ge­wie­se­nen Auf­ent­halts­ort Mil­wau­kee in den USA an, wo er gut 13 Jah­re blieb. In die­ser Zeit ent­stan­den vie­le län­ge­re Brief­stu­di­en für kirch­li­che Be­hör­den, in de­nen er die Fra­gen um Schön­statt zu klä­ren such­te. Seit 1959 war Ken­te­nich auch Seel­sor­ger der deut­schen Ge­mein­de in Mil­wau­kee. Be­we­gung in sei­nen Fall kam erst wie­der ge­gen En­de des Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils.

Über­ra­schen wur­de Pa­ter Ken­te­nich am 13.9.1965 nach Rom ge­ru­fen. In län­ge­ren Ver­hand­lun­gen konn­te er­reicht wer­den, dass er aus dem Exil zu­rück­keh­ren durf­te. Er trat aus der Ge­mein­schaft der Pal­lot­ti­ner aus und wur­de in den Kle­rus des Bis­tums Müns­ter auf­ge­nom­men. Ei­ne de fac­to-Re­ha­bi­li­tie­rung kann in ei­ner Au­di­enz bei Papst Paul VI. (Pon­ti­fi­kat 1963-1978) am 22.12.1965 ge­se­hen wer­den.

 

In den letz­ten Le­bens­jah­ren wid­me­te sich Ken­te­nich der Kon­so­li­die­rung sei­nes Wer­kes. Das im­men­se Ar­beits­pen­sum zehr­te sei­ne Kräf­te auf. Am 15.9.1968 starb er un­mit­tel­bar nach sei­ner ers­ten Eu­cha­ris­tie­fei­er in der neu er­bau­ten Drei­fal­tig­keits­kir­che (An­be­tungs­kir­che) in Schön­statt, in der er auch bei­ge­setzt ist.

Ken­te­nich ge­hört zu den gro­ßen Grün­der­per­sön­lich­kei­ten der ka­tho­li­schen Kir­che des 20. Jahr­hun­derts. Die Schön­statt-Be­we­gung ist die äl­tes­te der neu­en Geist­li­chen Be­we­gun­gen. In ih­rer Struk­tur nimmt sie et­was vor­weg, was sich in den nach dem Zwei­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil ge­grün­de­ten Be­we­gun­gen eben­falls fin­det: Es ent­stan­den Ge­mein­schaf­ten für dif­fe­ren­zier­te Le­bens­for­men, Ver­bind­lich­keits­gra­de und Per­so­nen­grup­pen. Die trei­ben­de Kraft für das kirch­li­che En­ga­ge­ment Ken­te­nichs, der auch die Aus­ein­an­der­set­zung in Wort und Schrift nicht scheu­te, häu­fig so­gar selbst such­te, fass­te er selbst in dem pro­gram­ma­ti­schen Wort für sein Le­ben zu­sam­men, das er auf sei­nen Grab­stein schrei­ben ließ: „Di­le­xit Eccle­si­am" (Er lieb­te die Kir­che) darf als sein geist­li­ches Tes­ta­ment gel­ten. Re­li­gi­on und Le­bens­ge­stal­tung ge­hör­ten für Ken­te­nich in der Per­sön­lich­keits­for­mung und der Kul­tur des ge­mein­sa­men Le­bens we­sent­lich zu­sam­men. Da­für griff er auf Er­kennt­nis­se der Päd­ago­gik und Psy­cho­lo­gie zu­rück, die er wei­ter­führ­te, in­dem er per­so­na­le und ide­en­mä­ßi­ge mensch­li­che Bin­dun­gen als We­ge zu ei­ner tie­fen Got­tes­be­zie­hung deu­te­te. So wur­de Ken­te­nich für vie­le Men­schen zu ei­nem geist­li­chen Leh­rer und spi­ri­tu­el­len Be­glei­ter.

Anbetungskirche in Vallendar, Foto: Wilfried Mohr.

 

Sei­ne pro­fi­liert-pro­phe­ti­schen Aus­sa­gen zur Si­tua­ti­on von Kir­che und Ge­sell­schaft brach­ten Ken­te­nich für lan­ge Zeit in Span­nung zur of­fi­zi­el­len kirch­li­chen Li­nie. Sein Cha­ris­ma für die Kir­che ist in Um­fang und Trag­wei­te noch lan­ge nicht aus­ge­schöpft. Dass Pa­ter Ken­te­nich der Grün­der ei­ner spi­ri­tu­el­len und apos­to­li­schen Er­neue­rungs­be­we­gung mit ei­ner ma­ria­ni­schen Sen­dung ist, wird weit­ge­hend ge­se­hen. Sei­ne Im­pul­se und An­re­gun­gen für Kir­che und Ge­sell­schaft am „neu­en Ufer" be­dür­fen noch ei­ner Auf­ar­bei­tung.

1975 wur­de in Trier der Se­lig­spre­chungs­pro­zess für Jo­seph Ken­te­nich ein­ge­lei­tet. Die diö­ze­sa­ne Un­ter­su­chung steht kurz vor ih­rem Ab­schluss. Die Be­we­gung selbst ist in al­len Kon­ti­nen­ten mit et­wa 200 re­li­giö­sen Bil­dungs­zen­tren ver­brei­tet.

Werke

Ken­te­nich hat ein um­fang­rei­ches Werk hin­ter­las­sen, das noch nicht ab­schlie­ßend ediert ist. Im Pa­tris Ver­lag und Schön­statt-Ver­lag (Val­len­dar-Schön­statt) sind zur Zeit et­wa 70 Bän­de mit Schrif­ten, Pre­dig­ten und Vor­trä­gen so­wie the­ma­tisch ori­en­tier­ten Text­samm­lun­gen er­schie­nen.

Herausgeberschaft

Zeit­schrift Ma­ter ter ad­mi­ra­bi­lis, ab 1916.

Literatur

Boll, Gün­ther M. [u.a.], Zur Ge­schich­te der Pal­lot­ti­ner und der Schön­statt-Be­we­gung, in: Re­gnum 45 (2011), S. 50-94.

Feld­mann, Chris­ti­an, Got­tes sanf­ter Re­bell. Jo­seph Ken­te­nich und sei­ne Vi­si­on von ei­ner neu­en Welt, Val­len­dar-Schön­statt 2005.

Men­ge­dodt, Karl-Heinz/Pollak, Ger­trud/Schmiedl, Joa­chim, In sei­nem Her­zen ein Feu­er. Jo­seph Ken­te­nich 1885-1968, Val­len­dar-Schön­statt 1999.

Mon­ner­jahn, En­gel­bert, Ein Le­ben für die Kir­che, 4. Auf­la­ge, Val­len­dar-Schön­statt 1990.

Mon­ner­jahn, En­gel­bert, Häft­ling Nr. 29392, Val­len­dar-Schön­statt 1972.

Mon­ner­jahn, En­gel­bert (Hg.), In­mit­ten der Kir­che. Pa­ter Jo­seph Ken­te­nich zum Ge­den­ken, Val­len­dar-Schön­statt 1969, S. 3-68.

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Neun­ho­fer, Jo­sef/Zil­le­kens, Egon, Auf die Spur kom­men, Val­len­dar-Schön­statt 1985.

Pen­ners, Lo­thar, Ar­ti­kel Ken­te­nich, in: Ma­ri­en­le­xi­kon, Band 3, St. Ot­ti­li­en 1991, S. 541-542.

Schlick­mann, Do­ro­thea, Herbst­stür­me 1912. Ei­ne Re­vo­lu­ti­on im In­nern be­ginnt. Skiz­ze zur Päd­ago­gik von Pa­ter Jo­sef Ken­te­nich, Val­len­dar 2012.

Schlick­mann, Do­ro­thea, Die Idee von der wah­ren Frei­heit. Ei­ne Stu­die zur Päd­ago­gik Jo­sef Ken­te­nichs, 3. Auf­la­ge, Val­len­dar 2007.

Schlick­mann, Do­ro­thea, Die ver­bor­ge­nen Jah­re. Pa­ter Jo­sef Ken­te­nich Kind­heit und Ju­gend (1885-1910), 2. Auf­la­ge, Val­len­dar 2007.

Schmiedl, Joa­chim, Jo­sef Ken­te­nich (1885-1968), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 14, Köln 1994, S. 233-249.

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Pe­ter Wolf, Ar­ti­kel Ken­te­nich, Jo­sef, in: Le­xi­kon für Theo­lo­gie und Kir­che, 3. Auf­la­ge, Band 5, Frei­burg 1996, Sp. 1398.

Online

Schmiedl, Joa­chim, Ar­ti­kel Ken­te­nich, Pa­ter Jo­seph, in: Schön­statt-Le­xi­kon On­line. [On­line]

Gedenktafel für Pater Josef Kentenich an der Elendskirche in der Kölner Südstadt.

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Schmiedl, Joachim, Joseph Kentenich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/joseph-kentenich/DE-2086/lido/57c933bf650714.77075012 (23.06.2018)