Peter Hasenclever

Unternehmer (1716–1793)

Tanja Junggeburth (Bonn)

Peter Hasenclever, Schattenrissporträt, 18. Jahrhundert. (Rheinisches Bildarchiv)

Pe­ter Ha­sen­cle­ver war ein deut­scher Kauf­mann und ge­werb­li­cher Un­ter­neh­mer des 18. Jahr­hun­derts, der sich in Deutsch­land, Spa­ni­en, Por­tu­gal und Nord­ame­ri­ka be­tä­tig­te.

Pe­ter Ha­sen­cle­ver wur­de am 24.11.1716 als Sohn von Lu­ther (1691–1752) und Kla­ra Ha­sen­cle­ver (1691–1773), ge­bo­re­ne Moll, in Rem­scheid ge­bo­ren. Lu­ther Ha­sen­cle­ver, Kauf­mann und Be­sit­zer meh­re­rer Werk­stät­ten, in de­nen Ei­sen und Stahl her­ge­stellt wur­de, stamm­te aus ei­ner tra­di­ti­ons­rei­chen Kauf­manns- und Ham­mer­her­ren­fa­mi­lie, die seit En­de des 16. Jahr­hun­derts im Ber­gi­schen Land, ins­be­son­de­re in Rem­scheid, an­säs­sig war. Im Al­ter von sie­ben Jah­ren wur­de Pe­ter Ha­sen­cle­ver von sei­nem Va­ter nach Len­nep (heu­te Stadt Rem­scheid) ge­schickt. Der Gro­ßva­ter müt­ter­li­cher­seits, Pe­ter Moll (1659–1727) war dort Bür­ger­meis­ter und Tuch­fa­bri­kant. In Len­nep er­hielt Pe­ter Ha­sen­cle­ver zu­nächst Pri­vat­un­ter­richt, be­vor er ab 1726 am Un­ter­richt der öf­fent­li­chen Schu­le in Len­nep teil­nahm.

Im An­schluss an sei­ne schu­li­sche Aus­bil­dung ver­mit­tel­te ihn sein Va­ter 1730 an ei­nen Ge­schäfts­freund in So­lin­gen, wo Pe­ter Ha­sen­cle­ver drei Jah­re als Lehr­ling in ei­ner Mes­ser­schmie­de ar­bei­te­te. Nach ei­nem sechs­mo­na­ti­gen Auf­ent­halt in Lüt­tich, der da­zu dien­te, ne­ben dem Stu­di­um der Buch­hal­tung und des Rech­nens die fran­zö­si­sche Spra­che zu er­ler­nen, kehr­te er nach Rem­scheid zu­rück: er ar­bei­te­te fort­an im Ge­schäft sei­nes Va­ters und ab­sol­vier­te für die­sen bis 1740 fünf Ge­schäfts­rei­sen nach Frank­reich. Die ge­schäft­li­che Part­ner­schaft, die er eben­falls in die­sem Zeit­raum mit ei­nem Vet­ter in Burt­scheid (heu­te Stadt Aa­chen) ein­ging, schei­ter­te.

Tuch­ge­schäf­te sei­nes Va­ters führ­ten Pe­ter Ha­sen­cle­ver zu Be­ginn der 1740er Jah­re auf ei­ne Ge­schäfts­rei­se durch Frank­reich, Spa­ni­en und Por­tu­gal, wo ein Vet­ter, An­ton Ha­sen­cle­ver, leb­te und ein Han­dels­ge­schäft be­trieb. Nach des­sen Tod grün­de­te Pe­ter Ha­sen­cle­ver mit zwei Nef­fen sei­nes Cou­sins in Lis­sa­bon ei­nen ei­ge­nen Lei­nen­han­del un­ter dem Na­men „von Lang und Ha­sen­cle­ver". In Lis­sa­bon lern­te er auch sei­ne Frau Ka­tha­ri­na Wilds (ge­stor­ben 1797) ken­nen, die er 1745 hei­ra­te­te und mit der er ei­ne Toch­ter hat­te.

Als der Han­del mit deut­schem Lei­nen in Lis­sa­bon zu­rück­ging, lös­te er fünf Jah­re spä­ter die ge­schäft­li­che Ver­bin­dung in Por­tu­gal und ließ sich in Ca­diz nie­der. Dort grün­de­te er 1755 ge­mein­sam mit Pe­ter Tim­mer­mann sein ei­ge­nes Han­dels­haus „Ha­sen­cle­ver und Tim­mer­mann". Doch auch in Ca­diz ent­wi­ckel­ten sich die Ge­schäf­te zu­nächst nicht zu Ha­sen­cle­vers Zu­frie­den­heit, denn die Be­schaf­fen­heit deut­scher Lein­wand blieb hin­ter der Qua­li­tät fran­zö­si­scher Wa­ren zu­rück. Un­stim­mig­kei­ten mit sei­nen Ge­sell­schaf­tern über fi­nan­zi­el­le Dis­po­si­tio­nen tru­gen fer­ner da­zu bei, dass er die be­ste­hen­de So­zie­tät 1755 nicht ver­län­ger­te. Ha­sen­cle­ver schloss sich statt­des­sen mit zwei deut­schen Kauf­leu­ten zu­sam­men, die Er­fah­run­gen im Über­see­han­del hat­ten und dem Lein­wand-Ge­schäft zu neu­em Auf­schwung ver­hal­fen. 1762 tra­ten der Ge­sell­schaft auch Ha­sen­cle­vers Bru­der Franz so­wie der Bru­der ei­nes Kom­pa­gnons bei.

1758 führ­ten sein ei­ge­ner an­ge­schla­ge­ner so­wie der schlech­te Ge­sund­heits­zu­stand sei­ner Frau al­ler­dings da­zu, dass Ha­sen­cle­ver Spa­ni­en nach 14 Jah­ren ge­schäft­li­cher Tä­tig­keit ver­ließ. Die Fa­mi­lie sie­del­te sich auf Rat der Ärz­te in Eng­land an. Nach sei­ner Ge­ne­sung un­ter­nahm Pe­ter Ha­sen­cle­ver ver­schie­de­ne Ge­schäfts­rei­sen auf dem eu­ro­päi­schen Fest­land, in de­nen er al­te Han­dels­ver­bin­dun­gen auf­frisch­te und neue Kon­tak­te knüpf­te. Sei­ne Idee, die rei­che Roh­stoff­ba­sis der bri­ti­schen Ko­lo­ni­en in Nord­ame­ri­ka zur Er­rich­tung von In­dus­trie­be­trie­ben zu nut­zen, ver­an­lass­te ihn 1763 da­zu, die eng­li­sche Staats­bür­ger­schaft an­zu­neh­men und ei­ne neue ge­schäft­li­che Ver­bin­dung mit den Eng­län­dern An­d­rew Se­t­on und Charles Crofts ein­zu­ge­hen. Über die­se Ver­bin­dung si­cher­te er sich den not­wen­di­gen fi­nan­zi­el­len Rück­halt für sei­ne ge­plan­te ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­mung.

Von Ju­ni 1764 bis Mai 1769 weil­te Pe­ter Ha­sen­cle­ver in Ame­ri­ka, wo die Ge­schäf­te zu­nächst flo­rier­ten: Er er­warb ver­schie­de­ne Ei­sen­wer­ke, Pot­ta­sche­sie­derei­en so­wie Wäl­der und Län­de­rei­en zum An­bau von Flachs, Hanf und Rö­te und führ­te tech­ni­sche Neue­run­gen ein. Die ein­zel­nen Be­trie­be la­gen al­ler­dings weit ent­fernt von New York und an­de­ren be­deu­ten­den Sied­lun­gen. Die­se Ab­ge­le­gen­heit führ­te zu ho­hen Trans­port­kos­ten. Rasch gab es auch Lohn­strei­tig­kei­ten mit den Fach­kräf­ten, die er in Deutsch­land an­ge­wor­ben hat­te – die ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­mung ge­riet in ei­nen pre­kä­ren fi­nan­zi­el­len Zu­stand. Hin­zu ka­men Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit sei­nen Teil­ha­bern in Lon­don, die ho­he Schul­den ge­macht hat­ten. Letzt­lich dräng­ten in­des die Part­ner Ha­sen­cle­ver we­gen feh­len­der Rech­nungs­le­gung aus dem Un­ter­neh­men und streng­ten ein Ver­fah­ren ge­gen ihn an. Ha­sen­cle­ver ver­lor sei­nen ge­sam­ten Be­sitz in Eng­land und Nord­ame­ri­ka: 1787 wur­de er frei­lich von al­len For­de­run­gen der Gläu­bi­ger, die sei­ne Teil­ha­ber ihm an­ge­las­tet hat­ten, frei­ge­spro­chen.

Wäh­rend sei­ne Frau in Eng­land blieb, sie­del­te sich Pe­ter Ha­sen­cle­ver 1774 ge­mein­sam mit sei­ner Toch­ter Ma­rie Eli­sa­beth in Lan­deshut (Schle­si­en) an. Hier schloss er sich mit Jo­hann Ge­or­ge Ruck (1726-1805) zu­sam­men, der spä­ter Ha­sen­cle­vers Toch­ter hei­ra­te­te. Ver­blie­be­nes Ver­mö­gen aus sei­nen spa­ni­schen Ge­schäf­ten er­mög­lich­te es Pe­ter Ha­sen­cle­ver, ei­ne flo­rie­ren­de Lein­wand­hand­lung auf­zu­bau­en, in die er 1784 sei­nen Nef­fen Jo­chen Pe­ter Flü­gel als Kom­pa­gnon auf­nahm.

Ne­ben den Ge­schäf­ten be­weg­ten Pe­ter Ha­sen­cle­ver – ins­be­son­de­re an sei­nem Le­bens­abend – auch theo­re­ti­sche Fra­gen. Be­reits wäh­rend sei­nes Auf­ent­hal­tes in Ame­ri­ka hat­te er sei­ne Rei­se­ein­drü­cke in Brie­fen an Be­kann­te fest­ge­hal­ten, die er nun dru­cken ließ. Fer­ner er­schie­nen Brie­fe und Er­ör­te­run­gen, in de­nen er sich mit Fra­gen des ame­ri­ka­ni­schen Au­ßen­han­dels, der Skla­ven­ar­beit in Nord­ame­ri­ka, der geo­gra­phi­schen La­ge und dem Wirt­schafts­le­ben der Küs­ten­ge­bie­te so­wie den Zu­kunfts­mög­lich­kei­ten der ame­ri­ka­ni­schen Wirt­schaft be­schäf­tig­te.

Wie­der­holt äu­ßer­te er auch – al­ler­dings zu sei­nen Leb­zei­ten nicht ver­wirk­lich­te – Vor­schlä­ge zur Stei­ge­rung der Ei­sen- und Stahl­pro­duk­ti­on und zur Ver­bes­se­rung des schle­si­schen Lei­nen­han­dels. Pe­ter Ha­sen­cle­ver trat nach­hal­tig für die An­la­ge von Flachs- und Garn­ma­ga­zi­nen so­wie die Ein­rich­tung ei­nes Kom­merz­kol­le­gi­ums nach fran­zö­si­schem Vor­bild ein. Letz­te­res hat­te er auch in New York an­ge­regt, wo sei­ne Idee ver­wirk­licht wor­den war. In ei­nem Auf­satz wid­me­te sich Pe­ter Ha­sen­cle­ver 1788 den ver­schie­de­nen Ar­ten von Kauf­leu­ten und ent­warf das Ide­al­bild ei­nes Ge­wer­be­trei­ben­den, der nach Auf­fas­sung Ha­sen­cle­vers nicht nur die klas­si­schen Auf­ga­ben ei­nes Kauf­manns, son­dern auch ver­schie­de­ne Spra­chen be­herr­schen so­wie Kennt­nis­se un­ter an­de­rem in Ge­schich­te, Geo­gra­phie, Me­cha­nik und Ar­chi­tek­tur ha­ben müs­se. Fer­ner sol­le er ein Vor­bild an Ehr­lich­keit und Red­lich­keit sein.

Der For­schung gilt Pe­ter Ha­sen­cle­ver als „ty­pi­scher Ver­fech­ter des ka­me­ra­lis­tisch ge­präg­ten Fort­schritts­ge­dan­kens sei­ner Zeit" und „Pa­tri­ot im bes­ten Sin­ne der Auf­klä­rungs­zeit", der hoch an­ge­se­hen war, aber letzt­lich kei­nen we­sent­li­chen Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des schle­si­schen Ge­wer­bes er­lang­te. Auch sein letz­tes Pro­jekt, die Grün­dung ei­ner Han­dels­ge­sell­schaft, die von Stet­tin aus das Ge­schäft mit Nord­ame­ri­ka or­ga­ni­sie­ren soll­te, wur­de von der Ber­li­ner Re­gie­rung zu­rück­ge­wie­sen. Pe­ter Ha­sen­cle­ver er­scheint eher als ein für das 18. Jahr­hun­dert ty­pi­scher „pro­jec­tor" denn als frü­her in­dus­tri­el­ler Un­ter­neh­mer.

Zum Nach­teil wur­de ihm wie­der­holt sei­ne Gut­gläu­big­keit und man­geln­de Men­schen­kennt­nis. Auch sei­ne schnel­le Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit für neue Pro­jek­te wur­de ihm nicht po­si­tiv, son­dern schon von Zeit­ge­nos­sen eher als Be­lie­big­keit und Ober­fläch­lich­keit aus­ge­legt.

Pe­ter Ha­sen­cle­ver starb am 13.6.1793 im Al­ter von 76 Jah­ren in Lan­deshut.

Literatur

Glau­ber, Chris­ti­an G., Pe­ter Ha­sen­cle­ver, Lan­deshut 1794.

Ha­sen­cle­ver, Adolf, Pe­ter Ha­sen­cle­ver aus Rem­scheid-Eh­ring­hau­sen. Ein deut­scher Kauf­mann des 18. Jahr­hun­derts. Sei­ne Bio­gra­phie, Brie­fe und Denk­schrif­ten, Go­tha 1922.

Kel­len­be­nz, Her­mann, Pe­ter Ha­sen­cle­ver (1716–1793), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 4 (1970), S. 79-99.

Red­lich, Fritz, Früh­in­dus­tri­el­le Un­ter­neh­mer und ih­re Pro­ble­me im Lich­te ih­rer Selbst­zeug­nis­se, in: Fi­scher, Wolf­ram  (Hg.), Wirt­schafts- und So­zi­al­ge­schicht­li­che Pro­ble­me der Frü­hen In­dus­tria­li­sie­rung, Ber­lin 1968, S. 339–412.

Online

Wolff, Klaus, "Ha­sen­cle­ver, Pe­ter", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 8 (1969), S. 28–29.

 
Zitationshinweis

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Junggeburth, Tanja, Peter Hasenclever, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/peter-hasenclever/DE-2086/lido/57c827b7a0aa19.48080583 (23.06.2018)