Walter Nonnen-Büscher

Unternehmer (1928-2012)

Barbara Hillen (Bonn)

Walter Nonnen-Büscher, um 2006. (Privatbesitz Familie Nonnen-Büscher)

Wal­ter Non­nen-Bü­scher war ab 1946 mehr als sechs Jahr­zehn­te in Bonn tä­tig. Zu­nächst Ei­sen­wa­ren­händ­ler, pro­fi­lier­te er sich im Lau­fe der Zeit als Im­mo­bi­li­en-In­ves­tor, nahm Ein­fluss auf die städ­te­bau­li­che Ent­wick­lung Bonns und mach­te sich dar­über hin­aus als Mä­zen im Kunst- und Ver­eins­we­sen der ehe­ma­li­gen Bun­des­haupt­stadt ei­nen Na­men.

Wal­ter Ste­phan Bü­scher wur­de am 28.3.1928 als vier­tes von fünf Kin­dern der Ehe­leu­te Pe­ter Jo­sef Bü­scher und Ka­tha­ri­na Bü­scher ge­bo­re­ne Mau­el in Kreuz­berg an der Ahr ge­bo­ren. Der Gro­ßva­ter müt­ter­li­cher­seits, Ste­phan Mau­el, war vor dem Ers­ten Welt­krieg ein in Kreuz­berg be­kann­ter Win­zer, Land­wirt und Stein­bruch­vor­ar­bei­ter ge­we­sen. Der Gro­ßva­ter vä­ter­li­cher­seits, Jo­hann Pe­ter Bü­scher, stamm­te aus der Ge­mein­de Much, war Zim­mer­mann und Land­wirt. Wal­ter Bü­schers Va­ter, Pe­ter Bü­scher, war Schlos­ser und ar­bei­te­te von 1918 bis 1953 als Ei­sen­bahn­schlos­ser beim Bahn­be­triebs­werk in Kreuz­berg.

Wal­ter Bü­scher be­such­te von 1934 bis 1942 die Volks­schu­le in Kreuz­berg. An die Schul­zeit schloss sich ei­ne kauf­män­ni­sche Aus­bil­dung bei der Fir­ma Kess­ler in Bad Neue­nahr an, ei­ner Ei­sen­wa­ren­hand­lung. Er leg­te am 1.5.1946 bei der IHK Ko­blenz sei­ne Ab­schluss­prü­fung ab. Am 1.11.1946 stell­te ihn der Ei­sen­wa­ren­händ­ler Wil­helm Non­nen (1899-1983) in Bonn als kauf­män­ni­schen An­ge­stell­ten an. Wil­helm Non­nens Va­ter, Pe­ter Non­nen (1866-1948), hat­te das Ge­schäft 1897 ge­grün­det und da­für am Frie­dens­platz 4 in den Jah­ren 1907 und 1908 ein fünf­stö­cki­ges re­prä­sen­ta­ti­ves Ge­schäfts­ge­bäu­de er­rich­tet.

Zwi­schen Wal­ter Bü­scher und Wil­helm Non­nen so­wie des­sen Frau Ma­ria ent­wi­ckel­te sich schon bald ein freund­schaft­li­cher Kon­takt, und Wal­ter Bü­schers kauf­män­ni­sche Ide­en wur­den an­ge­nom­men. So er­öff­ne­te die Fir­ma Non­nen 1949 und 1950 auf sei­ne In­itia­ti­ve Fi­lia­len in Sech­tem, Wal­dorf und Kreuz­berg, letz­te­re in Wal­ter Bü­schers El­tern­haus. Die Jah­re 1946-1952, in de­nen Bü­scher als An­ge­stell­ter bei der Fir­ma Non­nen ar­bei­te­te, wa­ren ge­prägt vom Tausch­han­del und Wie­der­auf­bau. Von 1951 bis 1952 bil­de­te sich Bü­scher an der Ei­sen­wa­ren­fach­schu­le in Wup­per­tal fort. Nach­dem die Fir­ma Pe­ter Non­nen 1952 nach Er­baus­ein­an­der­set­zun­gen ver­kauft wur­de, mach­ten sich im sel­ben Jahr Wal­ter Bü­scher und Wil­helm Non­nen als gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­ber mit der Fir­ma „BEG – Bon­ner Ei­sen­wa­ren­gro­ßhan­del Wil­helm Non­nen“ selbst­stän­dig, al­ler­dings oh­ne ge­sell­schafts­ver­trag­li­che Ab­si­che­rung. Als ers­te Im­mo­bi­lie mie­te­ten sie 1952 ei­ne 400 Qua­drat­me­ter gro­ße Hal­le der Fir­ma Knau­ber am Gü­ter­bahn­hof an. Der Gro­ßhan­del pro­fi­tier­te vom wirt­schaft­li­chen Auf­schwung der 1950er-Jah­re und der sich stei­gern­den Kauf­kraft, die zu ei­ner Mo­der­ni­sie­rungs­wel­le in deut­schen Haus­hal­ten führ­te. Die Fir­ma BEG lie­fer­te Haus­halts­ge­rä­te im gro­ßen Stil und ex­pan­dier­te 1962 in ei­nen 3.000 Qua­drat­me­ter gro­ßen Neu­bau an der Im­men­burg­stra­ße. Das Sor­ti­ment des Gro­ßhan­dels um­fass­te Ei­sen­wa­ren, Werk­zeu­ge, Haus-, Kü­chen- und Gar­ten­ge­rä­te, Ein­bau­kü­chen, Her­de, Öfen, Wasch- und Spül­ma­schi­nen so­wie sons­ti­ge Elek­tro­ge­rä­te. 1964 grün­de­ten Wal­ter Bü­scher und Wil­helm Non­nen auch ei­ne Haus­ver­wal­tungs­ge­sell­schaft. Hin­zu kam 1968 ein neu­er Stand­ort an der Pro­vin­zi­al­stra­ße in Bonn-Lengs­dorf, wäh­rend die Im­mo­bi­lie an der Im­men­burg­stra­ße ab 1968 ver­mie­tet wur­de. 1972 zog die Fir­ma BEG in die Rö­mer­stra­ße um.

Wirt­schaft­lich ab­ge­si­chert, hei­ra­te­te Wal­ter Bü­scher 1954 An­ne­lie­se Mon­re­al (ge­bo­ren 1926), Toch­ter von Jo­hann und The­re­se Mon­re­al, ge­bo­re­ne Fuhr­mann, aus Al­te­n­ahr. Das Ehe­paar An­ne­lie­se und Wal­ter Bü­scher be­ka­men drei Kin­der: An­dre­as (1956), Ste­pha­nie (1959) und Tho­mas (1961). Die Fa­mi­lie wur­de 1967 von Wil­helm und Ma­ria Non­nen ad­op­tiert, da die­se kei­ne ei­ge­nen Kin­der hat­ten und den Na­men und das Ver­mö­gen an Wal­ter Bü­scher wei­ter­ge­ben woll­ten.

Über Fra­gen zur steu­er­li­chen Be­hand­lung der Ge­schäfts­part­ner Wil­helm Non­nen und Wal­ter Non­nen-Bü­scher kam es ab 1976 zum Bruch zwi­schen Wil­helm Non­nen und Wal­ter Non­nen-Bü­scher, in­fol­ge­des­sen ein Teil der Fir­ma BEG W. Non­nen mit al­len 20 An­ge­stell­ten, In­ven­tar und dem Kun­den­stamm ver­kauft wur­de. Wal­ter Non­nen-Bü­scher blieb der ur­sprüng­lich Fir­men­na­me und die Haus­ver­wal­tung. An­stel­le Ein­zel­händ­ler zu be­lie­fern, ge­lang es ihm in den Fol­ge­jah­ren, das Bun­des­amt für Wehr­tech­nik und Be­schaf­fung in Ko­blenz als Gro­ßkun­den zu be­lie­fern. Nach meh­re­ren Um­zü­gen zog die Fir­ma schlie­ß­lich 2001 an die Born­hei­mer Stra­ße. 1979 ver­söhn­ten sich Wal­ter Non­nen-Bü­scher und Wil­helm Non­nen wie­der, nicht zu­letzt durch die Ver­mitt­lung ei­nes ge­mein­sa­men Freun­des, des De­chan­ten am Bon­ner Müns­ter und spä­te­ren Köl­ner Weih­bi­schofs, Wal­ter Jan­sen (1923-2004).

Ge­mein­sam mit Heinz Hertz­berg grün­de­te Wal­ter Non­nen-Bü­scher die Fir­ma „Bü­scher & Hertz­ber­g“ in Bad Hers­feld, die von dort aus die Bun­des­wehr mit Ei­sen­wa­ren, Werk­zeu­gen und In­dus­trie­be­darf be­lie­fer­te. 1987 trat Wal­ter Non­nen-Bü­schers Sohn An­dre­as in die Fir­ma BEG in Bonn ein und ar­bei­te­te so­wohl im Be­hör­den­han­del als auch in der Haus­ver­wal­tung. 1998 wur­de er mit dem of­fi­zi­el­len Aus­schei­den Wal­ter Non­nen-Bü­schers al­lei­ni­ger Ge­sell­schaf­ter. Mit der Un­ter­stüt­zung sei­nes Soh­nes ge­lang es Wal­ter Non­nen-Bü­scher in den 1990er Jah­ren, sich auf Im­mo­bi­li­en-In­ves­ti­tio­nen zu kon­zen­trie­ren. Bü­ro­ge­bäu­de in Bonn-Hardtberg, in der Len­né­stra­ße, ab 1999 im so­ge­nann­ten „fo­rum bonn nor­d“, das in zwei Bau­ab­schnit­ten Am Propst­hof 10 und Brüh­ler Stra­ße 7 und 9 er­rich­tet wur­de, so­wie das 1999 am Frie­dens­platz be­zie­hungs­wei­se am Stamm­haus der Fir­ma Non­nen er­rich­te­te Ge­schäfts­haus setz­ten wich­ti­ge städ­te­bau­li­che Ak­zen­te und tru­gen dem Be­dürf­nis nach mo­der­nen Bü­ro­ge­bäu­den, un­ter an­de­rem für Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ei­nes gro­ßen, in Bonn an­säs­si­gen Dax-Kon­zerns Rech­nung. Durch das fo­rum bonn nord ent­wi­ckel­ten sich Tei­le des Bon­ner Nor­dens vom Schrott­platz und Ge­wer­be­ge­biet zu ei­nem mo­der­nen Dienst­leis­tungs­stand­ort.

Wal­ter Non­nen-Bü­scher war fest im ka­tho­li­schen Glau­ben ver­wur­zelt. 1976 wur­de er Mit­glied der CDU. Pri­vat als pas­sio­nier­ter Jä­ger be­kannt, nahm er re­ge am Bon­ner Ver­eins­le­ben teil. Als Grün­dungs­mit­glied des Corps de Che­va­liers setz­te er sich ab 1980 mit nam­haf­ten Bon­ner Un­ter­neh­mern für die Un­ter­stüt­zung der Bon­ner Stadt­sol­da­ten und des kar­ne­va­lis­ti­schen Brauch­tums ein. In die­sem Rah­men grün­de­te er mit an­de­ren Che­va­liers die Se­nio­ren- und Ju­gend­hil­fe e. V. im Bon­ner Stadt­sol­da­ten-Corps. Non­nen-Bü­schers so­zi­al-ge­sell­schaft­li­ches En­ga­ge­ment kam auch durch sei­ne jah­re­lan­ge Ku­ra­to­ri­ums­ar­beit in der Bon­ner Ca­ri­tas zum Aus­druck, eben­so wie er sich ak­tiv in der 2004 ge­grün­de­ten Müns­ter-Stif­tung ein­brach­te und auch dort bis zu sei­nem Tod 2012 im Ku­ra­to­ri­um tä­tig war.

Den Im­mo­bi­li­en­be­sitz über­trug Wal­ter Non­nen-Bü­scher 2003 sei­nen drei Kin­dern. Gleich­zei­tig kauf­te er sechs Aqua­rel­le und Zeich­nun­gen des Bon­ner Ma­lers Au­gust Ma­cke an und schenk­te sie dem Kunst­mu­se­um Bonn. Die­se be­fan­den sich be­reits als Leih­ga­be im Kunst­mu­se­um, es hät­te ei­nen er­heb­li­chen Ver­lust dar­ge­stellt, wä­ren sie an­der­wei­tig ver­äu­ßert wor­den. Durch sein Mä­ze­na­ten­tum, sein En­ga­ge­ment für die Ver­ei­ne in der Stadt Bonn und nicht zu­letzt durch sei­ne in der Stadt sicht­bar ge­wor­de­nen Ak­ti­vi­tä­ten als Im­mo­bi­li­en­in­ves­tor präg­te Wal­ter Non­nen-Bü­scher die Stadt Bonn nach­hal­tig.

Quellen

Non­nen-Bü­scher, Wal­ter, „Et sching me e hell Männ­che ze sin!“ Au­to­bio­gra­fie (Selbst­ver­lag), Bonn 2008.

 
Zitationshinweis

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Hillen, Barbara, Walter Nonnen-Büscher, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/walter-nonnen-buescher/DE-2086/lido/57c9551d1aad33.16097491 (21.07.2018)