Schedl, Michaela, Tafelmalerei der Spätgotik am südlichen Mittelrhein (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 135), Mainz 2016

733 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-929135-71-8

Andrea Rönz (Linz am Rhein)

In der Re­gi­on des süd­li­chen Mit­tel­rheins, die in der Kunst­ge­schich­te deut­lich wei­ter ge­fasst wird als ge­wöhn­lich, sind noch 84 Wer­ke spät­go­ti­scher Ta­fel­ma­le­rei aus der Zeit von 1450 bis 1510 er­hal­ten. Ei­ne voll­stän­di­ge und aus­führ­li­che Über­blicks­dar­stel­lung der Ta­feln und Re­ta­bel lag je­doch im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ge­bie­ten des deutsch­spra­chi­gen Rau­mes bis­lang nicht vor. Die­se For­schungs­lü­cke schlie­ßt Mi­chae­la Schedl mit ih­rer durch Ma­te­ri­al- und De­tail­reich­tum be­ein­dru­cken­den Stu­die, die als Dis­ser­ta­ti­on am In­sti­tut für Kunst­ge­schich­te, Fach­be­reich Sprach- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, der Goe­the-Uni­ver­si­tät Frank­furt am Main ent­stand. Als Kunst­zen­tren der spät­go­ti­schen Ta­fel­ma­le­rei in der un­ter­such­ten Re­gi­on gel­ten die Städ­te Hei­del­berg, Spey­er, Worms, Mainz und Frank­furt am Main. Nach die­sen Zen­tren ist die Un­ter­su­chung denn auch un­ter­glie­dert, er­gänzt um die vor­an­ge­stell­te Dar­stel­lung des Meis­ters der Darm­städ­ter Pas­si­on.

Be­trach­tet wird zu­nächst je­de Stadt hin­sicht­lich ih­rer ge­schicht­li­chen Si­tua­ti­on, der Auf­trag­ge­ber, Quel­len­la­ge, über­lie­fer­ten Ma­ler­na­men, Ma­l­er­zünf­te, des Be­stan­des so­wie an­de­rer Ma­l­er­ei­gat­tun­gen. An­schlie­ßend folgt ei­ne Vor­stel­lung und Ana­ly­se al­ler über­lie­fer­ten Ta­feln und Re­ta­bel vor al­lem auf Grund­la­ge aus­gie­bi­ger per­sön­li­cher In­au­gen­schein­nah­me der Wer­ke und Her­an­zie­hung der Er­kennt­nis­se von Nach­bar­wis­sen­schaf­ten. Da­bei legt die Au­to­rin be­son­de­ren Wert dar­auf, die Wer­ke in Be­zug mit­ein­an­der zu set­zen, um bis­lang un­be­kann­te Zu­sam­men­hän­ge der Meis­ter, Ma­l­er­fa­mi­li­en und auch der Kunst­zen­tren un­ter­ein­an­der so­wie Ein­flüs­se durch aus­wär­ti­ge Künst­ler zu be­le­gen.

Als be­son­ders eng er­wie­sen sich da­bei die Ver­bin­dun­gen zur Köl­ner Ma­le­rei. Sehr wahr­schein­lich hiel­ten sich so­wohl der Frank­fur­ter Haus­buch­meis­ter, die be­stim­men­de Grö­ße des süd­li­chen Mit­tel­rheins, als auch der ver­mut­lich eben­falls in Frank­furt tä­ti­ge Meis­ter des Mo­nis-Al­tars ei­ne Zeit­lang in Köln auf oder wur­den so­gar hier aus­ge­bil­det. In der Fol­ge tau­chen et­wa Kom­po­si­tio­nen und Mo­ti­ve des 1463 von dem Köl­ner Meis­ter der Ly­vers­berg-Pas­si­on ge­schaf­fe­nen Lin­zer Ma­ri­en­al­tars so­wohl auf dem Main­zer Ma­ri­en­le­ben (Ma­ri­en- und Be­wei­nungs­al­tar) als auch dem Darm­städ­ter Kreu­zi­gungs­al­tar auf. Deut­li­che Ein­flüs­se auf die­se und wei­te­re Wer­ke wie dem Speye­rer Al­tar sind auch für an­de­re Köl­ner Künst­ler wie Ste­fan Loch­ner oder den Meis­ter des Ma­ri­en­le­bens zu be­le­gen.

Schedl be­leuch­tet auch die Be­deu­tung und Strahl­kraft der Kunst­zen­tren mit ih­ren Ma­ler­werk­stät­ten, den re­gio­na­len Stil des süd­li­chen Mit­tel­rheins, das Ver­hält­nis ein­hei­mi­scher Künst­ler zu Kunst­im­por­ten oder auch die Qua­li­tät der ein­hei­mi­schen Ta­fel­ma­le­rei. Im an­schlie­ßen­den Ka­ta­log­teil wer­den die wich­tigs­ten In­for­ma­tio­nen zu je­dem Werk wie Künst­ler­na­me, Stand­ort(e), Be­schrei­bung, ma­te­ri­el­le Be­schaf­fen­heit, In­schrift oder Wap­pen prä­sen­tiert. Ab­ge­run­det wird der Band durch ei­nen An­hang mit 137 Farb- und 53 Schwarz­wei­ßab­bil­dun­gen so­wie ei­ner Stamm­ta­fel. Es ist zu hof­fen, dass die­ses wich­ti­ge Grund­la­gen­werk, wie von der Au­to­rin ge­wünscht, An­re­gung zu wei­te­ren For­schun­gen et­wa zu den Aus­wir­kun­gen von Kon­fes­sio­na­li­sie­rung, Fran­zö­si­scher Re­vo­lu­ti­on oder Sä­ku­la­ri­sa­ti­on, hin­sicht­lich der Quel­len­la­ge in Be­zug auf die Ta­fel­ma­le­rei, oder auch zu wis­sen­schaft­li­chen Ein­zel­un­ter­su­chun­gen gibt.

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Rönz, Andrea, Schedl, Michaela, Tafelmalerei der Spätgotik am südlichen Mittelrhein (Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte 135), Mainz 2016, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Verzeichnisse/Literaturschau/schedl-michaela-tafelmalerei-der-spaetgotik-am-suedlichen-mittelrhein-quellen-und-abhandlungen-zur-mittelrheinischen-kirchengeschichte-135-mainz-2016/DE-2086/lido/5ee87e0346a7b3.43068118 (abgerufen am 10.07.2020)