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Michael Euler-Schmidt/Marcus Leifeld, Der Kölner Rosenmontagszug 1949-2009. Mit einem Beitrag von Carl Dietmar, hg. vom Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V., Köln, J. P. Bachem Verlag 2009, 254 S., zahlreiche Abbildungen, ISBN 978-3-7616-2146-2, 19,95 Euro.

Der Kölner Rosenmontagszug ist der traditionelle Höhepunkt der kölschen Karnevalssession. Er ist zentraler Bestandteil rheinischen Selbstverständnisses und Brauchlebens. Das dokumentiert auch der vorliegende Band, mit dem Michael Euler-Schmidt und Marcus Leifeld 60 Jahre Rosenmontagszüge (1949-2009) vor allem hinsichtlich ihrer zeitgeschichtlichen Einbindung unter die Lupe nehmen. Der Band schließt an ihre 2007 erschienene Geschichte der Rosenmontagszüge 1823-1948 an (1).

Die Autoren schlagen in sechs Kapiteln den Bogen von der unmittelbaren Nachkriegszeit, über die Pop-Art, die sexuelle Revolution der 1960er/70er Jahre, die Medialisierung der Gesellschaft, die „Null-Bock-Generation“ bis hin zur Globalisierung. Stets sahen (und sehen) sich die Zugleiter mit der Aufgabe konfrontiert, zeitgeistige Strömungen in den Rosenmontagszug zu integrieren, ohne zugleich alten Brauch aufzugeben. Den Zug soll stets ein „frischer Wind“ umwehen, er soll ein Ereignis für alle Bevölkerungsschichten, für Jung und Alt sein. Ein markantes Beispiel für den Versuch, den Rosenmontagszug zu modernisieren war 1969 die Beteiligung von Studenten der Kölner Werkschulen, die den Zug fast komplett im Pop-Art-Stil gestalteten. Noch Mitte der 1960er Jahre war man wesentlich zurückhaltender, wie Mottowagen von 1965 und 1967 zeigen, als beispielsweise die Beatles als Pilzköpfe karikiert wurden. Den politischen Motiven, die einen wesentlichen Aspekt des Rosenmontagszuges ausmachen, widmet Carl Dietmar einen eigenen Beitrag. Er stellt fest, dass die Oberbürgermeister und Oberstadtdirektoren fast durchgängig mit einer gewissen Sympathie dargestellt wurden, nicht ohne die kritisch-süffisante Frage aufzuwerfen, ob diese Sympathien möglicherweise auch materielle Gründe haben könnten.
Das gut ausgestattete Buch basiert auf Archivquellen sowie auf Berichten von Zeitzeugen. Insbesondere das Bildmaterial ist bemerkenswert vielfältig und durchweg von guter Qualität. Das Buch spricht den Karnevalisten ebenso wie überhaupt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger an.

(1) Euler-Schmidt, Michael/ Leifeld, Marcus, Der Kölner Rosenmontagszug 1823-1948, herausgegeben vom Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V., Köln 2007.

 

4.2.2013

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Stefanie Schild (Bonn) 
 

       
 

       
 

 Der Kölner Rosenmontagszug 1949-2009 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 284KB)