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Wolfgang Herborn, Die Geschichte der Kölner Fastnacht von den Anfängen bis 1600, hg. von Werner Schäfke (Publikationen des Kölnischen Stadtmuseums 10), Hildesheim/Zürich/New York, Georg Olms Verlag 2009, 152 S., ISBN 978-3-487-14209-8, 28 Euro.

„Karneval" ist ein zentrales Thema volkskundlicher-kulturhistorischer Forschung im Rheinland. Über Name und Herkunft des Narrenfestes, das auch unter den Bezeichnungen "Fastnacht" und "Fasching" begegnet, ist viel spekuliert worden. Die gesamte neuere Forschung ist sich darin einig, dass das Fest keineswegs aus vorchristlicher Zeit stammt. Es hat seinen Ausgangspunkt im christlichen Jahreslauf, es bildet das Schwellenfest vor der vierzigtägigen vorösterlichen Fastenzeit.

Wann exakt das fastnächtliche Treiben im Rheinland begonnen hat, liegt immer noch im Dunkeln. Den wohl frühesten Beleg für Fastnachtsgeschehen am Rhein bringt Caesarius von Heisterbach (Dialogus miraculorum), der um 1220 ein bis in den frühen Morgen des Aschermittwoch ausgedehntes Gelage beschreibt. Ansonsten sind für die rheinische Fastnachtsforschung einschlägige Quellen bislang kaum aufgearbeitet worden. Besonders die Entwicklung des Fastnachtsfests in Köln - erstmals belegt im Eidbuch vom 5.3.1341 - und dessen Ausgestaltungen mit unterschiedlichsten Brauchformen sind nur unvollkommen dargestellt worden. Dieses Desiderat Lateinisch, Mangel, Lücke. hat Wolfgang Herborn auf einer fundierten Basis lateinischer und frühneuhochdeutscher Quellen behoben und ein ebenso kenntnisreich wie spannend geschriebenes Buch vorgelegt.

Einführend legt Herborn die aktuelle Forschungslage zum Begriff „Fastnacht" und verwandter Begriffe sowie zur Entstehung der Fastnacht im Mittelalter dar. In den Hauptkapiteln liefert der Autor eine nach Zeitphasen gegliederte Darstellung der Fastnachtsbräuche und ihrer Deutungsmöglichkeiten von den ersten Spuren im 14. Jahrhundert bis in die Zeit um 1600: Fastnachtsturniere und Vermummungen, Feiern mit üppigen Fastnachtsessen, Umzüge der Handwerksburschen und Mädchenlehen (dem fastnächtlichen Vorläufer des heutigen Mädchenlehens zum 1. Mai). Als Quellen dienen ihm Kölner Archivalien wie Stadtrechnungen des 14. Jahrhunderts, Verwaltungsstatuten sowie Rechtsquellen des 15./16. Jahrhunderts; letztere spiegeln auch die Einstellung der städtischen Obrigkeit zur Fastnacht und deren Ordnungsmaßnahmen während der Fastnachtstage wider. Ferner greift der Autor auf die Chronik der Grafen von Zimmern aus dem süddeutschen Raum und - in epischer Breite - auf das Kölner Buch Weinsberg zurück, beides Familienchroniken des 16. Jahrhunderts, die vor allem anschauliche, lebensnahe Einblicke in die Fastnachtsaktivitäten innerhalb von Familien- und Freundeskreisen gewähren.

Ein besonderes Verdienst liegt darin, dass Wolfgang Herborn entschieden mit mythologischem Gedankengut aufräumt, insbesondere die Ursprungstheorien von Joseph Klersch (Die kölnische Fastnacht von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Köln 1961) zurückweist, der den Kölner Karneval aus Winteraustreibungs- und Fruchtbarkeitsriten römischer, keltischer und germanischer Herkunft ableiten will. In Anlehnung an Hans Moser (Variationen um ein Thema vermeintlicher Brauchgeschichte. Das ‚Weberschiff von Saint Trond’, in: Volkskultur und Geschichte, Festgabe für Josef Dünninger, Berlin 1970, S. 236-266) geht Herborn ausführlich auf die Geschichte des so genannten Weberschiffs ein, welchem nach Klersch eine zentrale Rolle für die Herkunft der Fastnacht im Rheinland zukommen soll: „Nach uralten Vorstellungen verlassen die Fruchtbarkeitsgottheiten im Herbst zu Schiff (1) Wasserfahrzeug, (2) in der Baukunst Laienhaus in der christlichen Kirche, in der Basilika und der Hallenkirche eingeteilt in Mittel- und Seitenschiffe, die Saalkirche ist einschiffig. das Land und kehren im Vorfrühling zu Schiff (1) Wasserfahrzeug, (2) in der Baukunst Laienhaus in der christlichen Kirche, in der Basilika und der Hallenkirche eingeteilt in Mittel- und Seitenschiffe, die Saalkirche ist einschiffig. auch wieder zurück", so Klersch. Anhand der erstmals vollständig ins Deutsche übersetzten lateinischen Quelle weist Herborn nach, dass es sich bei dem Umzug des Weberschiffs um ein einmaliges Ereignis handelt, das sich im Rahmen einer lokalen Auseinandersetzung in Form eines Protestumzugs zur Verspottung der Weber abspielt und keine Beziehung zur Fastnacht hat.

 

30.9.2010

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Alois Döring (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Die Geschichte der Kölner Fastnacht (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 268KB)