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Mario Kramp/Marcus Trier (Hg.), Drunter und Drüber: Der Waidmarkt. Schauplatz Kölner Geschichte 1. Begleitband zur Ausstellung des Kölnischen Stadtmuseums und des Römisch-Germanischen Museums der Stadt Köln im Kölnischen Stadtmuseum vom 8. Oktober 2011 bis zum 18. Februar 2012, Köln, J. P. Bachem Verlag 2011, 192 S., zahlreiche, teils farbige Abbildungen, ISBN 978-3-7616-2545-3, 14,95 Euro.


Das Kölner Waidmarktviertel ist in einem tiefgreifenden Umbruch begriffen, der vor allem dem U-Bahnbau, dem dramatischen Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln am 3.3.2009 und dem Wegzug und schließlich Abriss des Polizeipräsidiums geschuldet ist. Damit bot sich auch der Archäologie die Gelegenheit, der 2.000-jährigen Geschichte dieses Viertels im wahrsten Sinne des Wortes auf den Grund zu gehen. Eine Präsentation der Ergebnisse des Gefundenen in der Ausstellung wie im Begleitband wird verbunden mit der „oberirdischen“ Geschichte des Viertels von der Römerzeit bis in die Gegenwart.

Der Name Waidmarkt für den Platz jenseits der Römermauer taucht erst im Spätmittelalter auf. Der Platz diente dem Handel mit Waid, dem berühmten blauen Farbstoff des Mittelalters, den die benachbarten Färber am Duffesbach zum Färben nutzten, hier stand das Wohnhaus der Familie Weinsberg, deren prominentestes Mitglied Hermann Weinsberg (1518-1597) mit seinen umfangreichen Aufzeichnungen (sie haben den Einsturz des Stadtarchivs überlebt!) ein einzigartiges Dokument vom Leben in der Reichsstadt Stadt auf Reichsgut, auch die ehemalige Bischofsstadt, die nicht einem Landesherrn, sondern allein König, Kaiser und Reich unterstand.  Die ehemaligen Bischofsstädte, die sich von der (weltlichen) Herrschaft der Bischöfe befreit hatten,  wurden zunächst als "Freie Städte" bezeichnet. Seit 1489 wurden alle Reichsstädte als "Freie Reichsstädte" (Freireichsstädte, liberae imperii civitates) bezeichnet. Köln im 16. Jahrhundert hinterlassen hat, hier gründete Erzbischof Anno II. 1059 das letzte der Kölner Chorherrenstifte, dessen Kirche St. Georg nach der Säkularisation die Pfarrfunktionen der ab 1825 abgebrochenen zugehörigen Pfarrkirche St. Jakob übernahm, hier steht die Kirche St. Johann Baptist mit dem schiefen Turm von Köln, hier befand sich seit 1259 das Karmeliterkloster, dessen „Nachfolge“ nach der Säkularisation das heutige Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums antrat, hier stand bis vor kurzem das Kölner Polizeipräsidium, ein Bau der 1950er Jahre. Der Band bietet über die Ausstellungsdauer hinaus kurzweilige Informationen über dieses vielschichtige Kölner Stadtviertel und seine Bewohner über viele Jahrhunderte hinweg.

 

Online

Die autobiographischen Aufzeichnungen Hermann Weinsbergs

(Digitale Gesamtausgabe)

 

30.9.2010
Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.



Margret  Wensky (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Drunter und Drüber: Der Waidmarkt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 226KB)