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Glanz und Größe des Mittelalters. Kölner Meisterwerke aus den großen Sammlungen der Welt. Katalog zur Ausstellung in Köln, Museum Schnütgen, 4.11.2011-26.2.2012, hg. von Dagmar Täube und Miriam Verena Fleck, München, Hirmer Verlag 2011, 520 S., 70 Farbtafeln, 306 Abbildungen, ISBN 978-3777445311, 49,90 Euro.


Im Mittelalter war Köln als größte, bevölkerungsreichste und wirtschaftlich leistungsfähigste deutsche Stadt auch eine der wichtigsten Städte Europas. Neben der Bedeutung als geistliches und weltliches Zentrum, als Pilger-, Gewerbe- und Handelsstadt mit einem weit umspannenden Beziehungsnetz, waren es auch die Künstler, die die Domstadt berühmt machten: In ihrer Blütezeit von 1000 bis 1550 war Köln neben Paris oder Venedig eines der führenden Kunstzentren in Europa. Die Kölner Meister standen in Kontakt mit Künstlern aus Paris, Prag, Italien oder den Niederlanden und entwickelten einen typisch kölnischen Kunststil, der international Geltung hatte.
Zahlreiche herausragende Werke der Altkölner Kunst sind heute in den wichtigsten Museen der Welt vertreten, ob in Berlin, Paris, London, Madrid, Washington oder New York. Bis zum 26.2.2012 sind viele dieser Kunstwerke zusammen mit Stücken aus rheinischen und deutschen Museen sowie aus Kirchenbesitz an ihrem Entstehungsort in einer Sonderausstellung des Museums Schnütgen zusammengeführt und geben ein eindrucksvolles Bild von der herausragenden Qualität kölnischer Kunst von der RomanikDer erste der beiden Stile der mittelalterlicher Kunst, der in ganz Europa verbreitet war; Schwerpunktländer waren Deutschland, Frankreich und Italien (insbesondere die Lombardei). Die Blütezeit liegt zwischen etwa 1000 und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wobei sich in Frankreich die Gotik bereits früher durchsetzte. In Deutschland wird zwischen der karolingischen Kunst und dem romanischen Stil noch die ottonische Kunst abgesetzt. Der Begriff "Romanik" wurde um 1820 geprägt. bis in die frühe RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte..
Der anzuzeigende Band enthält 19 Essays und den Katalog der ausgestellten 225 Objekte mit großformatigen Abbildungen und ausführlichen Erläuterungen. Der Katalogteil ist – entgegen der Aufstellung in der Ausstellung - nach Kunstgattungen gegliedert: Elfenbein-, Bein- und Walrosszahnschnitzerei, Goldschmiedekunst und Metallarbeiten, Handschriften, Inkunabeln und Druckgraphik, Holz- und Steinskulptur, Glasmalerei, Textilkunst und Tafelmalerei.
Die Essays beschäftigen sich - neben zwei einführenden Beiträgen, die der Bedeutung der Ausstellung für das Museum Schnütgen (Hiltrud Westermann-Angerhausen und Peter Jezler) sowie der herausragenden kultisch-kulturellen Stellung Kölns im Mittelalter gewidmet sind (Miriam Verena Fleck) – mit Überblicken und zentralen Themen einzelner Kunstgattungen.
Thomas Labusiak arbeitet die Bedeutung der Kölner Buchmalerei des frühen und hohen Mittelalters heraus und zeigt das Beziehungsnetz europäischer Buchmalerei auf. Johanna Gummlich-Wagner stellt die stilprägenden Skriptorien in der gotischen Kölner Buchmalerei des 14.Jahrhunderts vor, die Bedeutung der Skriptorien im Minoritenkloster und im Klarissenkloster. Sie erläutert die Besonderheiten der verschiedenen Buchmalergenerationen und führt vor, dass sich viele der dort entstandenen Malereien bestimmten Stilen zuordnen lassen. Im Minoritenskriptorium sind demnach die Anfänge der gotischen Buchmalerei um 1280/1290 zu datieren. Eine Änderung im Stil zeigt sich um 1299 mit den Buchmalern um Johannes von Valkenburg. Die Bibelmeister-Gruppe (1310-1320) und die Severins-Gruppe vervollständigen die Stilentwicklung im Minoritenkloster. Vier Handschriftengruppen mit eigenen Stilen ordnet sie dem Skriptorium des Klarissenklosters zu.
Zwei Artikel beschäftigen sich mit den Elfenbeinschnitzereien: Manuela Beer erläutert anhand von Elfenbeintafeln, Reliquiaren, Bischofsstäben und reich verzierten liturgischen Gerätschaften die hohe Qualität und Kunstfertigkeit der Kölner Schnitzkunst von den Anfängen bis zur ausgehenden RomanikDer erste der beiden Stile der mittelalterlicher Kunst, der in ganz Europa verbreitet war; Schwerpunktländer waren Deutschland, Frankreich und Italien (insbesondere die Lombardei). Die Blütezeit liegt zwischen etwa 1000 und der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wobei sich in Frankreich die Gotik bereits früher durchsetzte. In Deutschland wird zwischen der karolingischen Kunst und dem romanischen Stil noch die ottonische Kunst abgesetzt. Der Begriff "Romanik" wurde um 1820 geprägt., während Charles T. Little den aktuellen Forschungsstand referiert und der Frage nachgeht, was die Kölner Elfenbeinschnitzereien so besonders macht und was sie von französischen unterscheidet. Sein Fazit: Zwischen Köln und Paris muss es einen stilistischen Austausch gegeben haben, der es teilweise unmöglich macht, den tatsächlichen Entstehungsort festzulegen.
Lothar Lambacher befasst sich mit der romanischen Kölner Goldschmiedekunst, Leonie Becks stellt Köln als Zentrum der gotischen Goldschmiedekunst vor. Einmal war es die Nähe zu Frankreich, der Bau des gotischen Domes und seine Ausstattung, nicht zuletzt der Neubau vieler Kirchen im 13. und 14. Jahrhundert mit einem enormen Bedarf an liturgischem Gerät, wie Kelchen, Monstranzen, Messkännchen, Kästchen und Kreuzen, Buchdeckeln und Leuchtern, Gefäßen für die heiligen Öle, Reliquiaren, Statuetten und Schreinen – alles das ließ Köln zu einem Zentrum der gotischen Goldschmiedekunst werden.
Drei Artikel haben die Kölner Skulptur zum Inhalt: Tobias Kunz erläutert den typischen Stil Kölner Holzskulpturen in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts, Ulrike Bergmann die Besonderheiten und das Spektrum hochgotischer Skulpturen, während Niklas Gliesmann sich mit der Entwicklung vom Ende des 14. Jahrhunderts bis zur frühen RenaissanceLateinisch-französisch (Wiedergeburt), (1) geistig-kulturelle Bewegung in Europa im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, ausgehend von Italien im 15. Jahrhundert, gekennzeichnet durch eine Rückbesinnung auf Werte und Formen der griechisch-römischen Antike, drückte sich besonders in Literatur, Philosophie, Kunst und Architektur aus, (2) geistig-künstlerische Bewegung, die an ältere Traditionen, insbesondere der griechisch-römischen Antike, anzuknüpfen versucht (zum Beispiel karolingische Renaissance), (3) allgemein Wiederaufleben, neue Blüte. befasst: von Heinrich Parler bis zu den Erben Tilman Riemenschneiders.
Die Glasmalerie der vorgotischen und gotischen Zeit behandelt Ulrike Brinkmann mit besonderem Bezug auf die Fenster der Stifts- und heutigen Pfarrkirche St. Kunibert und die des Kölner Domes, Dagmar Täube die rheinische Glasmalerei der frühen Neuzeit. Stephan Kemperdick und Julien Chapuis konzentrieren sich auf die Kölner Tafelmalerei. 

Dem Import, der Herstellung und Verwendung kostbarer Textilien während des Mittelalters ist ein Beitrag von Birgitt Boorkopp-Restle gewidmet.

Drei Artikel bieten einen Einblick in die Rahmenbedingungen der Kunstwerke und ihrer Entstehungszeiten: Heinz Finger hebt die Stellung von Wissenschaft und Gelehrsamkeit in Köln vor der Gründung der Universität im Jahre 1388 anhand der Dombibliothek und der Kanonistenschule hervor. In Köln wirkende Gelehrte wie Albertus Magnus, Johannes Duns Scotus und Thomas von Aquin (um 1225-1274) werden porträtiert und die Generalstudien der Dominikaner, Franziskaner, AugustinerOrdensgemeinschaften, die sich auf den Heiligen Augustinus von Hippo (354-430) beziehen und der Augustinusregel folgen. und Karmeliten vorgestellt. Im Anschlussbeitrag widmet sich Peter Hesse der Zeit von 1388 bis zum Ausgang des Mittelalters, sodass dem Leser ein umfassendes Bild von Köln als Zentrum von Gelehrsamkeit und Wissenschaft während des Mittelalters präsentiert wird. Kölns Bedeutung als Zentrum des Buchdrucks und als Verlagsstadt im 15. und 16. Jahrhundert ist der Beitrag von Wolfgang Schmitz gewidmet.
Der Aufsatzteil schließt mit einem übergreifenden Essay über die Vernetzung der einzelnen Künste aus topographischer und soziologischer Sicht von Roland Krischel. Enge Bezüge bestanden zwischen Skulptur und Malerei, zwischen Buchmalerei, Tafel- und Wandmalerei oder zwischen Goldschmiedekunst und Malerei. Einzelne Werkstätten scheinen auf die Herstellung gleich mehrerer Kunstgattungen spezialisiert gewesen zu sein.
Der Band bietet eine reich bebilderte Gesamtschau von 500 Jahren Kölner Kunst; er zeichnet ein Stadtgeschichte, Gelehrtenwesen, Produktionsbedingungen der Kunstwerke wie Vernetzung der Künste umfassendes Bild, unterrichtet über die zentralen Stilentwicklungen und stellt die Besonderheiten des typisch kölnischen Kunststils im Mittelalter nach dem neuesten Stand der Forschung vor. Die farbigen, zum Teil großformatigen Abbildungen zeigen die Pracht und Qualität der Werke. Der Band wird nicht zuletzt als Nachschlagewerk über mittelalterliche Kunst Kölner Provenienz über die Ausstellungsdauer hinaus seinen Wert behalten.

 

22.2.2012
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Jennifer Striewski (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Cover: Glanz und Größe des Mittelalters (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 309KB)