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Franz Xaver Bachem (1857-1936), Verleger

Obwohl die Bedeutung der über das Rheinland hinaus politisch aktiven Mitglieder der Kölner Verlegerfamilie Bachem die Erinnerung an Franz Xaver Bachem sicher überragt, so spielte der Nachfolger seines Vaters Joseph Bachem in der Leitung des „J. P. Bachem-Verlages“ und der „Kölnischen Volkszeitung“ doch eine wichtige Rolle bei der Fortführung des traditionsreichen Erbes während der turbulenten Epoche vom wilhelminischen Kaiserreich bis zu den Anfängen der Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. .

Franz Xaver Bachem wurde am 12.6.1857 als ältestes der sechs Kinder Joseph Bachems und seiner Frau Katharina, geborene Degen (1831-1921), in Köln geboren und in der Pfarrkirche der Bachems, St. Maria Himmelfahrt in der Nähe des Domes, getauft. Nach seinem Taufpaten, dem aus Schwaben stammenden Theologen Franz Xaver Dieringer (1811-1876), katholischer Priester wie auch seit 1843 ordentlicher Professor für Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät Lateinisch, bezeichnet fachlich nach den Hauptwissenschaften gegliederte Lehr- und Verwaltungseinheiten einer Hochschule. der Universität Bonn, benannten die Eltern den Erstgeborenen. Dieringer war zwischen 1853 und 1871 Kölner Domkapitular, zog sich aber im Zuge der Streitigkeiten um das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes während des Ersten Vatikanischen Konzils, das er nicht mittragen wollte, als einfacher Dorfpfarrer in seine hohenzollerische Heimat zurück.

Bachem wuchs mit vier jüngeren Brüdern und einer jüngeren Schwester in einer Phase auf, in der sein Vater sein Lebenswerk mit der Etablierung einer ersten großen überregionalen katholischen Tageszeitung auf Reichsebene krönen konnte. Das 1869 in „Kölnische Volkszeitung“ umbenannte Blatt bestimmte bald das Familien- und Verlagsleben. So verwundert es auch nicht, dass Joseph Bachem seine vier Söhne – der drittälteste, August, starb bereits 1877 mit 17 Jahren – für eine Tätigkeit im väterlichen Verlagshaus vorsah und entsprechend ihre Schulausbildung zu lenken wusste. Alle besuchten die in gutem Ruf stehende Realschule erster Ordnung in der Kölner Kreuzgasse, anschließend sollten sie mit ihren Ausbildungen nach Möglichkeit jeweils die wesentlichen Sparten des Verlagshauses abdecken.

Lediglich Franz Xavers ein Jahr jüngerer Bruder Karl Bachem studierte in Straßburg und Berlin Rechtswissenschaften, um sich nach dem Vorbild des entfernten älteren Vetters Julius Bachem, der damals schon führender redaktioneller Kopf der Zeitung war, auf breitester Grundlage auf den Journalismus und die Arbeit in der Redaktion der „Kölnischen Volkszeitung“ vorzubereiten. Karl erlangte aus dem Geschwisterkreis später als Politiker, Publizist, intellektueller Vordenker und Chronist der Zentrumspartei die größte Bekanntheit. Die beiden jüngeren Brüder Fridolin (1861-1920) und Robert (1863-1942) erlernten unter anderem in Leipzig, Antwerpen, Berlin und London Buchhandel und Druckereiwesen, um diesen Betriebsbereichen im väterlichen Verlag später einmal vorstehen zu können.

Franz Xaver selbst besuchte keine Universität; schon früh sollte er an der Seite des Vaters beim Auf- und Ausbau der „Kölnischen Volkszeitung“ die Aufgabe der wichtigsten Stütze einnehmen, die der öfter kränkelnde Joseph Bachem dringend brauchte. So absolvierte Franz Xaver gleich nach dem Verlassen der Realschule eine dreijährige Lehre als Buch- und Kunsthändler in Bonn. Von dort ging er nach Leipzig zu dem bekannten Verlagshaus Brockhaus. Durch die Beziehungen seines Vaters hatte er die Möglichkeit, die verschiedenen Zweige dieses angesehenen Unternehmens kennenzulernen und seine Fähigkeiten als Buchdrucker und Buchhändler zu erweitern. Ein Jahr lang diente er anschließend noch im Infanterieregiment Nr. 65 in Köln als Freiwilliger, ehe er 1881 endgültig in die Geschäftsführung als Juniorchef im eigenen Verlag an die Seite des Vaters trat, der sich mehr und mehr zurückzog und seine Söhne in das Unternehmen hineinwachsen ließ.

Die 1880er Jahre waren im Hause Bachem gekennzeichnet durch die Ausformung und den Ausbau der „Kölnischen Volkszeitung“ zur publizistischen Hauptstütze der Deutschen Zentrumspartei und ihrer Politik in der Phase der Überwindung des Kulturkampfes in der Ära Reichskanzler Otto von Bismarcks (1815-1898, Reichskanzler Bezeichnet (1) im alten  Deutschen Reich (bis 1806) den Reichserzkanzler (das Amt lag seit 965 beim Erzbischof von Mainz), (2) im Norddeutschen Bund 1867-1871 den vom Bundespräsidum, das der König von Preußen inne hatte,  bestimmten Bundeskanzler, (3) im Deutschen Reich 1871-1918 den Reichskanzler, den höchsten, vom Kaiser ernannten Regierungsbeamten und Vorsitzenden des Bundesrats, (3) 1919-1945 den deutschen Ministerpräsidenten, der (4) in der Bundesrepublik Deutschland seit 1949 wieder Bundeskanzler heißt. 1871-1890). Gegen Ende des Jahrzehnts hatte die Zeitung endgültig ihren Durchbruch als großes überregionales Blatt geschafft – mit einem ansehnlichen Korrespondentenetz im In- und Ausland und einem umfangreichen handelspolitischen Teil, wobei die Anzeigeneinnahmen das Budget des Blattes deutlich verbesserten.

Nach der Beschreibung seines Biographen Karl Hoeber (1867-1942) zeichnete sich Franz Xaver Bachem in seinen ersten Jahren im Familienunternehmen durch rastlosen Fleiß, große Arbeitsenergie, Optimismus, Selbstlosigkeit und Pflichttreue derart aus, dass er das von seinem Vater einmal begonnene Werk vertrauensvoll fortsetzen und später schließlich vollenden konnte. An seiner Seite stand seine Ehefrau Elvira, geborene Ruland (1860-1927), Tochter eines Bonner Rechtsanwalts, die er am 20.5.1882 heiratete und die ihm sechs Kinder schenkte, drei Söhne und drei Töchter.

Optimal vorgesorgt, war dann der 21.8.1893 familiär zwar ein großer Einschnitt, nicht aber im Unternehmen selbst, denn so wie es Joseph Bachem immer gewollt hatte, trat mit dem Tag seines Todes sein ältester Sohn Franz Xaver an die Spitze des „J. P. Bachem-Verlages“, also des Verlagsunternehmens, des Buch- und des Zeitungsverlags, die jüngeren Brüder Fridolin und Robert übernahmen innerhalb des Hauses die Führung von Druckerei und kaufmännischem Betrieb.

Im gleichen Jahr reiste Franz Xaver Bachem in die Vereinigten Staaten, besuchte die Weltausstellung 1893 in Chicago und studierte in Städten wie New York das aufstrebende Pressewesen Amerikas. Um auch die Internationalität der „Kölnischen Volkszeitung“ zu steigern, veranlasste er gleich nach seiner Rückkehr, dass es fortan eine Wochenausgabe des eigenen Blattes für das Ausland geben solle, um möglichst viele Auslandsdeutsche erreichen zu können. Diese Idee erwies sich in den kommenden Jahrzehnten als erfolgreich – nicht wenige Bezieher der Zeitung in den USA, von Sydney bis Kairo, von Kapstadt bis Tokio, von Seoul und Buenos Aires bis Reykjavik, darunter viele Missionare, hielten so den Kontakt zu ihrer Heimat.nach oben

Bezüglich der politischen Ausrichtung des Blattes in den Jahren bis zum Ersten Weltkrieg, die sogar mit dem Namen der Familie verknüpft wurde („Bachemsche Richtung“), führten allerdings andere die Feder: die Chefredaktion und besonders die Ressortleitung der Innenpolitik oblag unter anderem seinem Vetter Julius Bachem, Hermann Cardauns (1847-1925), seit 1907 Karl Hoeber und für die Innenpolitik ab 1903 noch Ernst Heinrich Kley (1867-1945), den Franz Xaver Bachem von der Berliner „Germania“ für die Redaktion der Volkszeitung gewinnen konnte. Der neue Seniorchef selbst hielt es wie sein Vater Joseph und sah für sich das Feuilleton als das entscheidende Betätigungsfeld an. Für ihn war dieser Bereich einer als bedeutend anzusehenden Tageszeitung auch deren wichtigste Visitenkarte, geistiger Schwerpunkt und weltanschaulich bestimmender Teil. Die eigene Sparte in der Volkszeitung hierfür stand unter der Rubrik “Welt und Wissen“. Diese Haltung bestimmte genauso die Auswahl für den ebenfalls zu bewältigenden Buchverlag im eigenen Hause, auch hier kümmerte sich Franz Xaver Bachem intensiv um die richtige Schwerpunktsetzung.

Bei Kriegsausbruch 1914 schaffte die „Kölnische Volkszeitung Ab 1868 durch Josef Bachem herausgegebene katholisch ausgerichtete Kölner Tageszeitung, die 1941 eingestellt wurde. “ mit der Gründung einer gesonderten Kriegsausgabe mit einer Auflage von täglich 130.000 Exemplaren endgültig den Aufstieg zur wichtigsten überregionalen katholischen Tageszeitung in Deutschland. In den letzten Kriegsmonaten aber geriet die Zeitung zunehmend unter den Einfluss eines Theologen namens Dr. Joseph Froberger (1871-1931), der als außenpolitischer Berater des Blattes fungierte. Franz Xaver Bachem und Karl Hoeber vertrauten Frobergers politischem Gespür scheinbar blind und ließen es zu, dass das Blatt in die recht fragwürdige Rolle eines Vorreiters während des rheinischen Separatismus Bezeichnung für das politische Bestreben, ein Territorium aus einem bestehenden Staatsverband zu lösen, um dieses einem anderen Staat anzugliedern beziehungsweise  unabhängig werden zu lassen. 1919 und 1923 scheiterten separatistische Gruppierungen mit dem Versuch, das Rheinland aus dem Staatenbund des Deutschen Reiches beziehungsweise aus dem Land Preußen auszugliedern und eine unabhängige Rheinische Republik zu gründen. geriet. Die Redakteure forcierten den Gedanken eines rheinischen Separatstaates und namentlich Hoeber und Froberger standen in Kontakt mit dem seit 1917 amtierenden Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer, den sie mehrmals auf ihre Seite zu ziehen versuchen, was letzten Endes aber nicht gelang, da sich Adenauer nach einigen Momenten des Zögerns klar auf den Boden der Weimarer Verfassung stellte.

Das Ende des Ersten Weltkrieges bedeutete für den „J.P. Bachem Verlag“ eine tiefe Zäsur. Ein letzter großer Höhepunkt war am 4.5.1918 die 100-Jahr-Feier der Firma „J.P.Bachem“, doch fiel diese wegen des Krieges eher gedämpft aus. Der militärischen Niederlage folgte der wirtschaftliche Niedergang Deutschlands, einhergehend mit dem Zusammenbruch des Währungssystems und der Inflation Lateinisch (das Sichaufblasen, Aufschwellen), deutliche Erhöhung des Preisniveaus, etwa durch Anstieg der umlaufenden Geldmenge ohne äquivalente Ausweitung der Gütermenge. , in dessen Folge die Firma „J.P. Bachem“ ihr gesamtes Vermögen verlor, weil sie sich während des Krieges verpflichtet gefühlt hatte, das gesamte Kapital von über einer Million Reichsmark in Kriegsanleihen anzulegen.

Karl Bachem berichtet im letzten Band seiner dreibändigen Familiengeschichte zudem davon, dass während der revolutionären Wirren 1918/1919 die „Kölnische Volkszeitung“ zur Zielscheibe einer geplanten feindlichen Übernahme durch die Sozialdemokraten wurde, deren Hauptquartier am Ursulamarkt in Köln in unmittelbarer Nachbarschaft des Druckereigebäudes der Volkszeitung in der Marzellenstraße lag und die die Zeitung in ihre Hände bringen oder gar die Druckerei zerstören wollten. Da sich die meisten Mitarbeiter der Druckerei noch im Krieg befanden, war es die Aufgabe der alten Angehörigen der Firma Bachem – versorgt mit Maschinengewehren und Karabinern – über Wochen den Toreingang der „Kölnischen Volkszeitung“ Tag und Nacht zu bewachen, um mögliche Angriffe der Genossen vom Ursulamarkt abwehren zu können. Die Lage änderte sich mit einer dann wirklich erfolgten feindlichen Besetzung durch die englischen Besatzungstruppen, die sich in den Jahren bis 1925 in Köln aufhielten und einige Räume in der Druckerei von „J.P. Bachem“ beschlagnahmten, um dort ihre Zeitung “The Cologne Post“ drucken zu können.

Im Dezember 1918 trennte sich der Firmenchef Franz Xaver Bachem zunächst von dem 1887 gegründeten und von den Brüdern Fridolin und Franz Xaver verantworteten eigenen Lokalblatt, dem „Kölner Localanzeiger“, das seit dem Jahr seiner Gründung die Aufgabe hatte, die Zentrumspolitik breiteren Kreisen der Kölner Bürgerschaft zuzutragen, da sein Bezugspreis niedriger war als der der Volkszeitung. Alle Versuche, wenigstens die „Kölnische Volkszeitung“ im Familienbesitz zu halten, scheiterten schließlich. Am 1.7.1920 übernahm ein finanzstarkes Konsortium Kölner Zentrumspolitiker um die Herausgeber Hugo Mönnig (1864-1950) und Heinrich Maus (1872-1955), seit 1923 auch Julius Stocky (1878-1952), das Blatt, so dass es wenigstens in seinem alten Geist weitergeführt werden konnte.

Franz Xaver Bachem blieb die Verantwortung für den Buchverlag, und er wählte bezüglich der Bewältigung der Aufgaben der Verlagsleitung denselben Weg wie einst sein Vater: mehr und mehr gab er die Verantwortung an die nächste Generation weiter. Immer häufiger weilte er in seinem Rhöndorfer Altersrefugium am Fuße des Siebengebirges. Körperlich bis zuletzt rüstig, widmete er sich verstärkt seinen vielfachen Liebhabereien und Interessen, etwa seiner großen Sammlung an Chinabronzen.

Als er am 7.8.1936 im Alter von 79 Jahren in Bonn starb, folgte ihm sein jüngster Sohn Franz Carl Bachem (1898-1976) in der Leitung des Verlages nach.

Werke

Meine Sammler-Erlebnisse mit Altchina-Bronzen, Köln 1933.

Literatur

Bachem Karl, Josef Bachem. Seine Familie und die Firma J.P. Bachem in Köln. Die Rheinische und die Deutsche Volkshalle. Die Kölnischen Blätter und die Kölnische Volkszeitung, 3 Bände, Köln 1912-1938, besonders Band 3: Josef Bachem. Ein Altmeister der Presse. Die Kölnischen Blätter und die Kölnische Volkszeitung. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Zeitungswesens im 19. Jahrhundert, Köln 1938.

Burtscheidt, Andreas, Hitler und der Nationalsozialismus im Spiegel der Kölnischen Volkszeitung 1923–1933, in: Historisches Jahrbuch der Görres-Gesellschaft 131 (2011), S. 385–435.

Cardauns, Hermann, Fünfzig Jahre Kölnische Volkszeitung. Ein Rückblick zum Goldenen Jubiläum der Zeitung am 1. April 1910, Köln 1910.

Hoeber, Karl, Franz Xaver Bachem. Ein deutsches Verlegerleben, Köln 1939.

Hölscher, Georg, Hundert Jahre J. P. Bachem, Buchdruckerei – Verlagsbuchhandlung – Zeitungsverlag, Köln 1918.

Kiefer, Rolf, Karl Bachem 1858-1945. Politiker und Historiker des Zentrums, Paderborn [u.a.] 1989.

30.4.2014

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Andreas  Burtscheidt  (Bonn) 
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Franz Xaver Bachem (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 74KB)

Franz Xaver Bachem, um 1930, Porträtfoto.