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Adolf Dronke (1837-1898), Lehrer, Gründer des Eifelvereins

Adolf Dronke war Direktor der Realschule, des späteren Max-Planck-Gymnasiums und der Provinzialgewerbeschule in Trier. Er war zudem ein politisch und sozialpolitisch engagierter Schulbuchautor. 1888 gründete er den Eifelverein zur wirtschaftlichen, touristischen und wissenschaftlichen Erschließung der verarmten Mittelgebirgsregion und leitete ihn als erster Vorsitzender bis 1898.

Adolf Dronke wurde am 7.3.1837 in Koblenz als Sohn des  Gymnasialdirektors Ernst Friedrich Johann Dronke und seiner Frau Karoline Dominicus geboren. Die Famlie war katholisch. Der Vater wurde nach Fulda versetzt und starb 1854. Der Sohn zog danach mit der Mutter nach Bonn, wo er 1855 das Abitur ablegte. Nach einer einjährigen Militärzeit in Koblenz begann er 1856 ein Studium der Mathematik und Naturwissenschaften in Bonn. Hier promovierte er 1860 bei dem Physiker Julius Plücker (1801-1868). Danach schlug er jedoch keine akademische Laufbahn ein, sondern legte die Staatsexamina für Mathematik, Physik und Botanik, dann auch für Latein, Griechisch, Geschichte und Geographie ab. Dronke war nacheinander Lehrer am Gymnasium (heute Beethoven-Gymnasium) in Bonn (1861-1862), RektorLateinisch-mittellateinisch, (1) Leiter einer Hochschule, (2) Leiter einer Grund-, Haupt-, Sonder- oder Realschule, (3) katholischer Geistlicher an einer Filialkirche, einem Seminar oder ähnlichen Einrichtungen. der neu gegründeten höheren Bürgerschule in Grevenbroich (1862-1863) und wiederum Lehrer am Progymnasium in Mönchengladbach (1863-1864). 1864 wurde er zum Direktor der Provinzialgewerbeschule in Koblenz ernannt. Fortan stellte er sozialpolitische Aktivitäten in den Vordergrund; er gründete eine Sparkasse für Handwerker und wurde deren Direktor, wofür er 1873 aus dem Schuldienst ausschied. Bereits 1875 endete das Unternehmen in einer finanziellen Katastrophe.

Ende 1875 wurde Dronke Direktor der Trierer Realschule I. Ordnung, die sich unter seiner Leitung zum Realgymnasium und schließlich zur Vollanstalt des „Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums“ (heute Max-Planck-Gymnasium) entwickelte. Daneben leitete er die königliche Provinzialgewerbeschule bis zu deren Auflösung 1878 und von 1889 an auch die neue kaufmännische Fortbildungsschule in Trier. Dronkes Tätigkeit stand in engem Zusammenhang mit den Bemühungen, den Bildungsstand der künftigen Kaufleute und Gewerbetreibenden zu verbessern. Dabei wurden die Realschulen immer mehr zu Gymnasien ausgebaut, auf denen die Berechtigung zum Hochschulstudium erworben werden konnte. Nicht zuletzt spielten dabei auch konfessionelle und politische Motive eine Rolle; das damalige königliche Gymnasium galt als katholische Kaderschmiede, aus dem Konvikt und Priesterseminar ihren Nachwuchs rekrutierten.

Dronke ist in diesen Jahren durch eine umfangreiche schriftstellerische Tätigkeit hervorgetreten: 1864 erschien sein Lehrbuch der Geometrie, 1871 ein weiteres für AlgebraArabisch-romanisch, Teilgebiet der Mathematik, das sich mit Relationen und Mengen beschäftig, auf denen Operationen definiert sind, speziell die Lehre von Rechengesetzen (Algorithmen) in einer konkreten Algebra (zum Beispiel boolschen Algebra, die nur die Werte 0 oder 1 kennt). und 1876 eines für den geographischen Unterricht. 1893 veröffentlichte seine „Besondere und allgemeine physikalische Erdkunde von Deutschland“ und 1895 seine „Politische Erdkunde von Deutschland.“ Ein Werk widmete er dem Kegelschnitt. Zu nennen sind noch „Die Geographie als Wissenschaft und in der Schule“ und ein „Lehrbuch der Geographie.“ Nach der Gründung des Eifelvereins brachte Dronke 1889 einen „Eifel-Führer“ im Umfang von 192 Seiten auf den Markt, der bis 1897 in sieben Auflagen erschien. 1892 veröffentlichte er „Bilder aus der Eifel“ und „Mitteilungen über die Burg Schönecken“, 1896 kam sein „Führer an der Mosel und durch die angrenzenden Gebiete (Eifel, Hochwald und Saar)“ auf den Markt, der ebenfalls zum Bestseller wurde. Der Schwerpunkt seiner Publikationen hatte sich somit von mathematischen und geographischen Lehrbüchern auf Reiseführer verlagert. Seine Nebentätigkeit muss ein derartiges Ausmaß angenommen haben, dass die Leitung seiner Schule darunter litt. 1883 wies ihn das Provinzialschulkollegium an, seine schriftstellerische Tätigkeit zu mäßigen. Er willigte ein, Verträge, bei denen dies möglich war, zu kündigen und keine neuen Verpflichtungen mehr einzugehen. Eingehalten hat er das allerdings nicht, aber aus seiner Stellungnahme geht hervor, dass er trotz seines ordentlichen Direktorengehalts seine Familie – er war mit Pauline Maria Hubertine Lichtschlag verheiratet, mit der er acht Kinder hatte -  nur schwer unterhalten könne, da er noch die Schulden seines Koblenzer Bankdebakels abtragen müsse.nach oben

Dronke war einer der führenden Köpfe der Trierer Liberalen, der „Preußenpartei“, die ihn nach einigen Auseinandersetzungen 1893 auch als Reichstagskandidaten aufstellten. Obwohl die Liberalen im Trierer Land, in dem das Zentrum die Oberhand hatte, keinerlei Aussichten auf ein Mandat hatten, führte Dronke einen engagierten Wahlkampf und hielt Versammlungen in Trier und Umgebung ab. Die liberale Presse nahm die Kandidatur Dronkes zum Anlass, an die Solidarität der Eifelvereinsmitglieder zu appellieren und forderte sie auf, nationalliberal zu wählen. Dies wiederum rief den Protest der zentrumsnahen Blätter hervor. Eine Verquickung von Eifelvereinsinteressen und Parteiinteressen war wohl nicht Dronkes Absicht. Nach der Reichstagswahl hielt sich der Eifelvereinsvorsitzende von der Politik fern. Nur am Rande sei erwähnt, dass Dronke von 1888 bis 1898 auch die Trierische Liedertafel leitete.

Auf Wanderungen durch die Mittelgebirgslandschaften nördlich von Trier hatte Dronke die Eifel kennengelernt. Mit der Zeit reifte in ihm der Plan, diese wirtschaftlich rückständige, landschaftlich aber reizvolle Gegend zu erschließen und zu fördern. Dabei konnte er auf Erfahrungen des 1876 gegründeten Rhönklubs in Fulda zurückgreifen, dessen erfolgreiches Wirken ihm für die Eifel als Vorbild vorschwebte. Neben der Gründung des Rhönklubs und zahlreicher anderer Wandervereine gab es noch weitere Anstöße zur Gründung des Eifelvereins: Die Spannungen zwischen der preußischen Regierung und ihren häufig auch noch liberalen und protestantischen Beamten auf der einen und der mehrheitlich katholischen, zudem dem Zentrum nahestehenden Bevölkerung beschränkten sich nicht auf Trier, sondern betrafen das ganze Rheinland und damit auch die Eifel. Zudem hatten sich diese Spannungen durch den Kulturkampf Krise des Deutschen Kaiserreiches unter Reichskanzler Otto von Bismarck und der römisch-katholischen Kirche sowie der politisch-parlamentarischen Vertretung der katholischen Bevölkerung des Reiches (insbesondere der Zentrumspartei) zwischen 1871 und 1891. Streitpunkte waren die Aufhebung der katholischen Abteilung des preußischen Kultusministeriums durch Bismarck, das Festhalten der Kirche am Unfehlbarkeitsdogma, die Einführung der Zivilehe sowie die Repressionen gegen katholische Geistliche und der Einfluss des Staates auf die Kirche. Nach dem "Kanzelparagraphen" 1871 (Änderung des Strafgesetzbuches, wonach es Geistlichen aller Religionen verboten war, sich in Ausübung ihres Amtes in öffentlichen Stellungnahmen politisch zu äußern, galt bis 1953), dem Verbot der Jesuitenniederlassungen 1872 und der Einführung der staatlichen Schulaufsicht, bildeten die sogenannten Maigesetze 1873 (staatliche Kontrolle von Ausbildung und Einstellung der Geistlichen) den Höhepunkt des Kulturkampfes. Die Verschärfung der Bestimmungen über die Verwaltung des Kirchenvermögens beendete 1878 die  Kulturkampfgesetzgebung. Die 1886 und 1887 erlassenen "Friedensgesetze" führten schließlich zur Beilegung des Konflikts. ab 1871 noch einmal deutlich verstärkt. Missernten und Hungerkrisen in den Jahren 1879/1880 und 1882/1882 verschärften die Lage zusätzlich. Als dann der Trierer „Presskaplan“ Georg Friedrich Dasbach 1884 einen „Katholischen Bauernverein“ gründete, der einen regen Zulauf zu verzeichnen hatte und im gleichen Jahr bereits über 118 Ortsgruppen zählte, erschien eine Gegenorganisation erforderlich.

Am 22.2.1888 verschickte Adolf Dronke Einladungen zu einer vorbereitenden Besprechung zwecks Gründung eines ‚Eifelklubs‘ am 18. März in Gerolstein. Am 22.5.1888 formierte sich der Verein in Bad Bertrich. Sein Ziel war die Erschließung der Eifel in landwirtschaftlicher, gewerblicher und wissenschaftlicher Hinsicht. 1888 entstanden 24 Ortsgruppen, weitere 19 folgten 1889. Die Zahl der Mitglieder stieg von 1.200 auf 2.200. 1891 trat der Eifelverein dem ‚Allgemeinen Verband Deutscher Touristen-Vereine‘ bei, und Dronke übernahm direkt für drei Jahre den Vorsitz. Seine umfangreiche Korrespondenz ist erhalten und belegt seine großartige organisatorische Leistung.
Seine vielfältigen Bestrebungen als Lehrer, Schriftsteller und Vereinsvorsitzender schwächten Dronke gesundheitlich so sehr, dass er sich im Sommer 1898 vom Schuldienst beurlauben lassen musste. Am 10.6.1898 starb Adolf Dronke, der schon zu Lebzeiten „Eifelvater“ genannt wurde, während eines Kuraufenthaltes in Bad Neuenahr. Er wurde auf dem Trierer Hauptfriedhof begraben, wo der Eifelverein bei den Jubiläen von 1913, 1938 und 1988 das Gründergrab besuchte, dessen Pflege die Ortsgruppe Trier übernommen hat. Zur Erinnerung an seinen Gründungsvater errichtete der Eifelverein 1903 den „Dronketurm“ auf dem Mäuseberg bei Daun.

 

Werke ( Auswahl)

Die Elemente der ebenen Geometrie für den Unterricht an höheren Lehranstalten, Bergisch-Gladbach 1864.

Einleitung in die höhere Algebra,  2 Teile, Halle 1871-1872.

Geographische Zeichnungen. Ein Hülfsmittel für den geographischen Unterricht, Bonn 1867, 2. Auflage 1879.

Leitfaden für den Unterricht in der Geographie an höheren Lehranstalten, 6 Teile, Bonn 1877-1878, 2. Auflage 1882.

Beiträge zu einer Seelenleere vom ethnologischen Standpunkte aus, Trier 1881.

Physikalischer Schul-Atlas, Trier 1881.

Die Kegelschnitte in synthetischer Betrachtungsweise, Trier 1881.

Die Geographie als Wissenschaft und in der Schule. Bonn 1885.
Lehrbuch der Geographie, Trier 1886.

Eifel-Führer, Trier 1889, 7. Auflage 1897.

Bilder aus der Eifel, Dresden 1892.

Mitteilungen über die Burg Schönecken. Trier 1892.

Besondere und allgemeine physikalische Erdkunde von Deutschland. Trier 1893.

Politische Erdkunde von Deutschland, Trier 1895.

Der Führer an der Mosel und Saar durch die Eifel und den Hochwald-Hunsrücken. Mit Touren für Radfahrer, 4. Auflage 1896.

Die Eifel. Dargest. v. Dronke. Aus den nachgelassenen Papieren d. Verf. hg. v. Konrad Cüppers, Köln 1899.

Literatur

Björn Juchem, Der Eifelverein in der Kaiserzeit (1888-1918), in: Schmid, Wolfgang (Hg.), Festschrift 125 Jahre Eifelverein (1888-1913), Band 1, Düren 2013, S. 9-48.

Brogiato, Heinz Peter/Grasediek, Werner, Geschichte der Eifel und des Eifelvereins von 1888 bis 1988, in: Die Eifel. 1888-1988. Zum 100jährigen Jubiläum des Eifelvereins, Düren 1988, S. 141-542.

Monz, Heinz (Hg.), Trierer Biographisches Lexikon, Trier 2000, S. 89.

Zender, Michael, Der Eifelverein. Rückblick auf seine Gründung und Entwicklung von 1888-1913, in: Herrmann, Alfred (Hg.), Eifel-Festschrift zur 25jährigen Jubelfeier des Eifelvereins 1888-1913, Bonn 1913, S. 3-53.

Zenz, Emil, Dr. Adolf Dronke. Schulmann und Gründer des Eifelvereins, in: Neues Trierisches Jahrbuch (1987), S. 145-156.

16.7.2013

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Wolfgang  Schmid  (Winningen) 
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 Adolf Dronke um 1865 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 178KB)

Adolf Dronke, um 1865, Porträtfoto.

 Adolf Dronke um 1890 (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 201KB)

Adolf Dronke, um 1890, Porträtfoto. (Eifelverein - Hauptgeschäftsstelle und Eifelbibliothek)