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Friedrich Ehrenberg (1776–1852), evangelischer Dom- und Hofprediger in Berlin, Schriftsteller

Friedrich Ehrenberg war in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts ein bedeutender evangelischer Prediger und einflussreicher Kirchenpolitiker in Preußen. Er erwarb sich große Verdienste um die Union der preußischen Landeskirche 1817. Daneben war er ein überaus erfolgreicher Schriftsteller populärer Erbauungsliteratur.

Geboren wurde er am 6.12.1776 in Elberfeld (heute Stadt Wuppertal) als Sohn des Mülheimer Kaufmanns Röttger Ehrenberg (gestorben 1813 oder 1819) und seiner Ehefrau Elisabeth, Tochter des Straßburger Uhrmachers Abraham Enderlin. Er studierte Theologie an den Universitäten Duisburg (1793–1795) und Marburg (1795–1796) und erhielt seine erste Pfarrstelle in der reformierten Gemeinde im westfälischen Plettenberg mit der Ordination zum Pfarrer am 10.12.1798. Es folgten ab dem 3.8.1803 eine Pfarrstelle in Iserlohn und nach einer Predigt vor König Friedrich Wilhelm III. (Regentschaft 1797-1840) über Joh. 21,15 mit der Amtseinführung am 19.2.1806 der Wechsel auf die fünfte Stelle eines Hof- und Dompredigers am Berliner Dom, 1812 auf die dritte Stelle, 1816 auf die zweite.

Ehrenbergs Nähe zum preußischen Königshaus, vor allem zu Friedrich Wilhelm III., drückte sich darin aus, dass er Berater des Königs und Hauslehrer des Prinzen Wilhelm, des späteren Königs und Kaisers Wilhelm I. (Regentschaft 1858/1861-1888, ab 1871 Kaiser) wurde.

Am 26.6.1813 heiratete Ehrenberg Hermine von Koenen (1793-1817), Tochter des preußischen Genauditeurs und Vizepräsidenten des Kammergerichts in Berlin, Johann Friedrich von Koenen (1766-1810). Die zwei Söhne aus dieser Verbindung verstarben jung. In zweiter Ehe heiratete Ehrenberg am 16.12.1819 Wilhelmine Sophie Juliane Luise von Heydebreck, Tochter des Georg Christian von Heydebreck (1765-1828),1815-1824 erster Oberpräsident Seit dem 17. Jahrhundert Bezeichnung für den Landesstatthalter einer Provinz in Preußen, seit 1808 beziehungsweise 1815 Amtsbezeichnung für den Leiter der Verwaltung einer preußischen Provinz. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hatte seinen Dienstsitz in der Provinzhauptstadt Koblenz. Mit dem Land Preußen wurde auch 1945 (formales Ende 1947) das Amt abgeschafft. der Provinz Brandenburg. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor.

Das Jahr 1817 markiert zwei bedeutende Ereignisse in der Kirchengeschichte Preußens. Nach mehreren Umbildungsversuchen der Kirchenordnung seit 1815 löste Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg (1750-1822) 1817 die Kultussektion aus dem Innenministerium heraus und errichtete ein selbständiges „Ministerium für Geistliche, Unterrichts- und Medicinalangelegenheiten“. Erster Minister dieses „Kultusministeriums“ wurde Karl Freiherr vom Stein zum Altenstein (1770-1840, Amtszeit bis 1838). Das zweite bedeutende Ereignis war die Union der preußischen Landeskirche durch die Bildung einer vereinigten Berliner Synode der lutherischen und deutsch-reformierten Konfessionen mit dem Erlass der „Confessio Fidei“, der sogenannten „Preußischen Unionsurkunde“ durch den König.

1817 war auch ein besonderes Jahr im Leben Ehrenbergs: Er promovierte im Fach Theologie und wurde von Friedrich Wilhelm III. am 3.11.1817 als Nachfolger von Bischof Friedrich Samuel Gottfried Sack (1738-1817) in das neu eingerichtete Kultusministerium berufen. Bereits seit dem 18.2.1816 war er Vortragender Rat im Innenministerium.

Durch die Berufung in das neue Ministerium war Ehrenberg als Befürworter der Union unmittelbar an den Prozessen zur Bildung der Union beteiligt. Von ihm stammen der „Entwurf einer Synodalordnung“ von 1817 und die „Anleitung zum Entwurf einer Kirchenordnung“ von Juli 1818. Die Herausbildung einer synodalen Kirchenverfassung kam allerdings in der folgenden Restaurationszeit über Ansätze nicht hinaus. Der preußische König nutzte die Hoffnungen und Erwartungen auf eine Verfassungsreform der Kirche, um eigenen kirchenpolitischen und liturgischen Vorhaben zum Erfolg zu verhelfen. Nach der Union war dies die Einführung einer neuen Agende.

nach obenSeit 1822 bekleidete Ehrenberg das Amt (1) Dienst, (2) im Territorialstaat vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches Verwaltungsbezirk, kleinste Verwaltungseinheit, (3) seit den 1920er Jahren bis zur 1975 abgeschlossenen kommunalen Neugliederung Bezeichnung für einen Gemeindezusammenschluss, (4) Bezeichnung für Zunft. des Oberhofpredigers am Berliner Dom und griff aus dieser herausgehobenen Position in den Agendenstreit um die Einführung einer neuen Gottesdienstordnung durch Friedrich Wilhelm III. ein. Dabei vertrat er gegenüber dem König eine dezidiert reformierte Position mit dem Hinweis auf den Vorbehalt einer synodalen Entscheidung in der Angelegenheit. Durch eine Mehrheitsentscheidung der Geistlichen 1824 und die Verfügung vom 14.4.1826 zur Verpflichtung der Geistlichen fand der Streit sein Ende.

1829 wurde in den preußischen Provinzen das Amt des Generalsuperintendenten wieder eingerichtet. 1831 lehnte Ehrenberg das Angebot, Generalsuperintendent für die Provinz Ostpreußen zu werden, ab. 1834 wurde er zum wirklichen Oberkonsistorialrat und Vortragendem Rat im Kultusministerium ernannt, 1836 zum Domherrn zu Brandenburg. König Friedrich Wilhelm IV. (Regentschaft 1840-1858/1861) bestallte ihn am 12.6.1852 zum Ehrenmitglied des 1850 gegründeten Evangelischen Oberkirchenrats als oberster kirchlicher Aufsichtsbehörde über die preußischen Provinzen. Wenige Monate später, einen Tag nach seinem 76. Geburtstag, starb Ehrenberg am 7.12.1852 in Berlin.

Als besondere Ehrung war Ehrenberg bereits 1821 mit dem Ritterkreuz des Preußischen Roten Adlerordens III. Klasse ausgezeichnet worden.

Bei aller Bedeutung Ehrenbergs für die kirchlichen Reformprozesse in Preußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts darf nicht vergessen werden, dass er auch ein begnadeter Rhetoriker und produktiver Schriftsteller religiöser Erbauungsliteratur und praktischer Theologie war. Schon vor seiner Berliner Zeit war er rege publizistisch tätig, beispielsweise mit seinen „Reden an gebildete Menschen über die heiligsten Angelegenheiten des Geistes und des Herzens in unseren Tagen“ oder den „Reden an die Gebildeten aus dem weiblichen Geschlecht“ und „Praktische Lebensweisheit. Ein Handbuch für Aufgeklärte“. Es handelte sich um mehrbändige Werke zur Lebenshilfe mit besonderer Berücksichtigung der Geschlechterverhältnisse. Es folgte ein Dutzend weiterer Publikationen, in denen Ehrenberg immer wieder auf die Geschlechterrollen, aber auch das Verhältnis von Obrigkeit und Volk sowie Aspekte der religiösen Bildung einging. Die Predigten zu besonderen historischen Anlässen und eine Predigthilfe für Kasualien bildeten ein weiteres Feld seiner Publikationstätigkeit, womit er seinen Beitrag zur umfangreichen evangelischen Predigtliteratur des 19. Jahrhunderts leistete.

Die Predigten zu besonderen historischen Anlässen waren seiner Stellung als Oberhof- und Domprediger geschuldet; so predigte Ehrenberg unter anderem 1840 bei der Beerdigung des Kultusministers vom Stein zum Altenstein, beim Gottesdienst anlässlich der Beerdigung Friedrich Wilhelms III., der Erbhuldigung seines Nachfolgers Friedrich Wilhelm IV. oder der Eröffnung des ersten Vereinigten Landtags am 11.4.1847 in Berlin.

 

Werke (Auswahl)

Ein Teil seiner Werke liegt als Mikrofiche-Ausgabe vor, München [u.a.] 1990-1994.

Reden an gebildete Menschen, über die heiligsten Angelegenheiten des Geistes und Herzens in unsern Tagen; zur Weckung und Belebung moralisch-religiösen Sinnes, 3 Bände, Düsseldorf 1802-1803, Leipzig/Elberfeld 1804 [Band 1 und 2 jeweils insgesamt 5 Auflagen].

Geist der reinen Sittlichkeit in Beziehung auf die Veredelung der menschlichen Natur für die Aufgeklärten und Gebildeten unserer Zeit, Lemgo 1802.

Ueber Denken und Zweifeln; zur Aufklärung einiger Mißverständnisse in der Höhern Philosophie, Halle 1802.
Die Veredlung der Menschen nach ihren Hauptmomenten, Bedingungen und Hülfsmitteln; für alle, denen ihre moralische Bildung wichtig ist, und besonders für Diejenigen, die dazu gesetzt sind, dieselbe bey andern zu befördern, 2 Bände, Leipzig 1803.

Reden an Gebildete aus dem weiblichen Geschlechte, Elberfeld 1804, 2., veränderte und vermehrte Auflage 1808, 3. Auflage 1817, 4. Auflage 1827-1829, 5. Auflage 1858.

Das Schicksal, Elberfeld/Leipzig 1805.

Die praktische Lebensweisheit. Ein Handbuch für Aufgeklärte, 2 Bände, Leipzig: 1805-1806.

Handbuch für die ästhetische, moralische und religiöse Bildung des Lebens; mit besonderer Rücksicht auf das weibliche Geschlecht, Leipzig/Elberfeld 1807.

Wahrheit und Dichtung über unsere Fortdauer nach dem Tode, Leipzig 1808.

Festpredigten, Leipzig 1808 [1807].

Einige Erfahrungen, die wir in dem verflossenen unglücksvollen Jahre gemacht haben, Berlin 1808.

Der Charakter und die Bestimmung des Mannes, Leipzig 1808, 2. Auflage Elberfeld 1822. [Auszüge in einer separaten Ausgabe Hildburghausen/New York 1829].

Weiblicher Sinn und weibliches Leben, Berlin 1809; 2. Auflage 1819, 3. Auflage in 2 Bänden, Berlin 1836.

Blätter dem Genius der Weiblichkeit gewidmet, Berlin 1809.

Bilder des Lebens, 3 Bände, Elberfeld 1811-1815, 2. Auflage 1830. [Separatdruck aus Band 3: Ländliche Stunden aus Agathens Leben, Elberfeld 1815].

Glaubensbekenntnis seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen nebst Confirmationshandlung und den Lebensgrundsätzen desselben, Elberfeld 1812.

Seelengemählde, 2 Bände, Berlin 1815.

Das Volk und seine Fürsten. Volkswesen und Volkssinn, in Reden, Leipzig 1815,

Andachtsbuch für Gebildete des weiblichen Geschlechts, 2 Bände, Elberfeld 1816, 5. Auflage 1836.

Für Frohe und Trauernde, 3 Bände, Leipzig 1818-1824, 2. Auflage 1820 [auch online verfügbar].

Zur Gedächtnißfeier der Entschlafenen, Berlin 1824.
Eusebia. Blätter für die häusliche Andacht, 2 Bände, Leipzig 1838.
Rede am Grabe Seiner Excellenz [...] ; Herrn Freyherr von Stein zum Altenstein bey der Beerdigung gehalten, Berlin 1840.

Gedächtnispredigt auf König Friedrich Wilhelm III. am 19. Juli 1840 in der Domkirche zu Berlin gehalten, Berlin 1840.

Predigt zu der Seiner Majestät dem Könige Friedrich Wilhelm IV. von Preussen am 15. Oktober 1840 von den Standen d. Provinzen Brandenburg, Pommern, Schlesien, ... geleisteten Erbhuldigung in d. Hof-Ober-Pfarr- u. Dom-Kirche zu Berlin geh., Berlin 1840.

Predigt bei der kirchlichen Feier der Eröffnung des vereinigten Landtages im Dome zu Berlin, Berlin 1847.

 

Literatur

Bautz, Friedrich W., Ehrenberg, Friedrich, in: Biographisch- Bibliographisches Kirchenlexikon (Bd. 1), Hamm 1990, Sp. 1470 f.

Fischer, Otto, Evangelisches Pfarrerbuch für die Mark Brandenburg seit der Reformation, Band 2/1, Berlin 1941, S. 176.

Förster, Erich, Die Entstehung der preußischen Landeskirche unter der Regierung König Friedrich Wilhelms III., 2 Bände, Tübingen 1905-1907.

Goeters, J.F. Gerhard/Rogge, Joachim (Hg.), Die Geschichte der Evangelischen Kirche der Union. Ein Handbuch, Band 1, Leipzig 1992.

Loock, Hans- Dietrich, Vom Kirchenwesen zur Landeskirche. Das Zeitalter der Reformen und der Konfessionsunion (1798 bis 1840), in: Heinrich, Gerd (Hg.), Tausend Jahre Kirche in Berlin-Brandenburg, Berlin 1999, S. 363-498.

Lüdicke, Reinhard, Die Preußischen Kultusminister und ihre Beamten im ersten Jahrhundert des Minsteriums 1817-1917, Stuttgart/Berlin 1918, S. 39.

Meusel, Johann Georg, Das gelehrte Deutschland im 19. Jahrhundert, Band 1, Lemgo 1808, S. 311-313; Band 5, Lemo 1820, S. 480-481.

Neuer Nekrolog der Deutschen 1852, S. 815.

Religion in Geschichte und Gegenwart, 4. Auflage, Band 2, Tübingen 1999, Sp. 341.


Online

"Ehrenberg, Friedrich", in: Westfälisches Autorenlexikon [Onlinefassung]

Hollweg, Walter, „Ehrenberg, Friedrich“, in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 350 f. [Onlinefassung]

 

10.2.2014

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Wolfgang Krogel (Berlin) 
 

       
 

       
 
Friedrich Ehrenberg (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 56 KB)

Friedrich Ehrenberg, Porträt, 1834 (Domarchiv Berlin, Bildarchiv der Domgeistlichen, Porträtsammlung)