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Floris von Palant (1537-1598), Graf von Culemborg

Die rheinisch-niederländische Adelsfamilie von Palant gehörte zu den weitverbreiteten und alteingesessenen Dynastien im Rheinland und stand über einen langen Zeitraum hinweg im Besitz zahlreicher Herrschaftsgebiete in den Herzogtümern Jülich und Kleve sowie in Kurköln. Neben dem Stammsitz bei Weisweiler gehörten dazu beispielsweise die Herrschaften Laurenzberg und Kinzweiler bei Aachen, von wo die Familie in der Nachfolge des dort im frühen 14. Jahrhundert als Vogt (1) Bezeichnung für einen Rechtsvertreter kirchlicher Institutionen,  (2) Bezeichnung für einen landesherrlichen Verwaltungsbeamten von Reichsgütern amtierenden Arnoldus Parvus (gestorben 1343) sich ableitete, Vettelhoven und Wildenburg in der Eifel sowie Frechen und Bachem bei Köln.

Um 1500 teilte sich die Familie in zwei Linien: ein auf Johann I. von Palant zurückgehender Ast, der im Laufe der Reformation altgläubig blieb, und ein von Eberhard von Palant (1514-1540) abstammender Teil, der protestantisch wurde und dessen erster wichtiger Vertreter Floris I. war. Dieser wurde im Jahr 1537 als einziges Kind Eberhards und seiner Frau Margarethe von Lalaing (gestorben 1592) geboren. Während Margarethe schon kurz nach der Geburt dem Wahnsinn verfiel, starb Eberhard bereits im Jahr 1540. Der junge Floris wuchs bei seiner Großtante Elisabeth von Culemborg (1475-1555) auf, nachdem auch seine Großeltern Johann von Palant (1481-1514) und Anna von Culemborg (gestorben 1538) nicht mehr lebten.

Die Herrlichkeit Bezeichnung für ein Territorium, dessen Inhaber den Titel Herr führt, wenn reichsunmittelbar Reichsherrschaft.  Culemborg liegt westlich von Arnheim und besteht formal bis heute – das niederländische Königshaus führt den Titel der Grafen von Culemborg. Die Erhebung in den Grafenstand erfolgte am 18.12.1555 durch Kaiser Karl V. (1500-1558, Regierungszeit 1519-1556), wenige Tage nach dem Tod Elisabeths am 9. Dezember. Die Ziehmutter des Floris von Palant hatte sich offensichtlich persönlich stark für ihren Großneffen verwendet und dabei sicherlich auch von ihrem hohen Ansehen in Culemborg profitiert, das sie sich durch ihre Mildtätigkeit und Großzügigkeit erworben hatte. So hinterließ die Kinderlose noch in ihrem Testament einen ansehnlichen Betrag für die Errichtung eines Waisenhauses, das immerhin bis 1956 bestand.

Mit Elisabeths Tod ging die Herrschaft Culemborg auf die Familie von Palant über. Floris, gerade 18-jährig, übersiedelte nach Brüssel, wo der junge Adlige Page am Hof der Statthalterin Maria von Ungarn (1505-1558) – als Tochter Philipps des Schönen (1478-1506) Mitglied des Hauses Österreich – wurde und das Stadtpalais „Auf dem Sand“ erwarb. Beides, die Aufnahme ins Gefolge Marias und die damit verbundene Wohnsitznahme im Herzen des habsburgischen Herzogtums Brabant zeigt, dass Floris in dieser Zeit noch keineswegs als Protestant zu gelten hätte – unabhängig davon, wie seine persönliche Gesinnung gewesen sein mag, wie im Übrigen für die meisten Adligen des 16. Jahrhunderts die Konfession eine den dynastischen Interessen klar untergeordnete Rolle spielte. So trat Floris 1557 in die Dienste der habsburgischen Truppen unter Führung des neuen Statthalters Emanuel Philibert von Savoyen (1528-1580) und nahm an der Schlacht von Saint-Quentin am 10.8.1557 teil, in welcher Habsburg einen glanzvollen Sieg über Frankreich errang. 1559 wurde in Culemborg sogar ein von Floris unterzeichnetes Todesurteil vollstreckt und der Wiedertäufer Cornelis de Man verbrannt.

1562 lernte er seine Gemahlin Elisabeth (um 1543-1569) aus einer lutherisch gewordenen Seitenlinie der Eifeldynastie Manderscheid kennen. Floris, von dem es heißt, er habe zeitlebens nach einem „Kompass“ gesucht, wandte sich nach der Hochzeit 1564 unter dem Einfluss seiner Frau der Reformation zu. Auf Schloss Culemborg führte er den reformierten Gottesdienst ein, sein Brüsseler Haus avancierte zum Treffpunkt für die Adligen um Wilhelm von Oranien (1533-1584) und Lamoral von Egmond (1522-1568), die sich gegen die spanische Bevormundung und auch die brutale Verfolgung von Neugläubigen wehrten und im Dezember 1565 den „Compromis des Nobles“ unterzeichneten. Damit stellten sie sich offen gegen die Herrschaft der habsburgischen Statthalterin Margarethe von Parma (1522-1586), einer unehelichen Tochter Karls V., und vor allem ihres Ministers, des Kardinals Antoine Perrenot de Granvelle (1517-1586).

Floris von Palant befand sich also mitten unter den Initiatoren des niederländischen Aufstandes, der gleichsam den Beginn des Achtzigjährigen Krieges und damit tief greifender Umwälzungen in Europa markiert. Nachdem Egmond  am spanischen Hof nichts im Sinne der adligen Opposition hatte erreichen können, sondern vielmehr geschickt auf die Seite der Habsburger gezogen worden war, potenzierte sich der Unmut des Adels, aber auch in weiten Teilen der Bevölkerung. Im August 1566 begann ein wütender, calvinistischer Bildersturm, an dem sich Floris von Palant persönlich in der Culemborger Barbarakirche beteiligte. Aber auch wenn ihm zuweilen sogar eine führende Rolle bei diesem Aufstand zugeschrieben wird: als der Herzog von Alba (1507-1582), den Margarethes Halbbruder König Philipp II. von Spanien (1527-1598, Regierungszeit 1556-1598) zur Wiederherstellung der Ordnung entsandt hatte, in Brüssel eintraf und Floris vor den Blutrat gestellt werden sollte, flüchtete er auf seinen Besitz Wertherbruch bei Hamminkeln, wo er umgehend das reformierte Bekenntnis einführte. Seine niederländischen Besitzungen, insbesondere das Schloss Culemborg und sein Haus in Brüssel, verlor er durch seine Flucht. Letzteres soll auf Geheiß des Herzogs von Alba vollständig abgerissen und die Erde mit Salz bestreut worden sein, damit darauf nichts mehr wachsen konnte.

nach oben1567/1568 hielt Floris sich auch in Köln auf, wo 1567 seine Tochter Elisabeth (gestorben 1620) geboren wurde. In seinem Gefolge reiste ein namentlich nicht näher bekannter Theologe, den der Culemborger aussandte, um in seinen rund um Köln gelegenen Herrschaften zu predigen. Dabei stieß er jedoch auf den Widerstand sowohl des Herzogs von Jülich aus auch des Rates der Stadt Köln, der ihn vor die Wahl stellte, den Prediger zu entlassen oder mit ihm zusammen die Stadt zu verlassen. Daraufhin reiste Floris ins nassauische Biebrich, wo die Familie seiner Frau begütert war.

Diese starb hier im Jahr 1569; bereits 1571 vermählte er sich ein zweites Mal mit Philippa Sidonia (1557-1602), ebenfalls aus dem Haus Manderscheid, allerdings dem Gerolsteiner Zweig, die er wenig liebevoll sein „Hauskreuz“ nannte. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder: Eberhard (geboren 1572), der wohl früh verstarb, und Floris II. (1578-1639), der nach einem Studium an der Universität Leiden in die politischen und diplomatischen Dienste der Generalstaaten Niederländisch Staten-Generaal, (1) Versammlung der Abgeordneten der Provinzialstaaten oder Provinzialstände der Niederlande unter burgundischer und habsburgischer Herrschaft; seit dem 16. Jahrhundert die gemeinsame Versammlung der von den sieben souveränen Provinzialstaaten zur Leitung des niederländischen Staatenbundes gewählten Abgeordneten, (2) offizieller Name des ehemaligen  niederländischen Staatenbundes, (3) Name des Parlaments der Niederlande.  eintrat. Seine Kindheit muss jedoch recht unglücklich verlaufen sein, da der Vater beständiges Misstrauen gegen die eheliche Treue der Mutter hegte und ab etwa 1580 wohl auch an einer mit den Jahren immer schwerer werdenden Depression litt. Ob Floris und Philippa Sidonia auch einen Disput über die konfessionelle Prägung ihres Sohnes führten – die Mutter soll eine katholische Erziehung gewünscht haben, der Vater eine calvinistische – ist ungewiss.

Nach seiner Rückkehr in die Niederlande nahm Floris regelmäßig an den Zusammenkünften der zur Unabhängigkeit von Spanien strebenden Generalstaaten teil, ohne sich selbst in den Vordergrund zu spielen. Bereits 1578 hatte er das Angebot der geldrischen Stände, die Statthalterschaft im Herzogtum zu übernehmen, abgelehnt und die Kandidatur Johanns von Nassau (1536-1606), des Bruders Wilhelms von Oranien, befürwortet. Nach Wilhelms Tod begrüßte Floris das dem englischen Adligen Robert Dudley, Graf von Leicester (1532-1588), angetragene Generalgouvernement Bezeichnung für die während des Zweiten Weltkriegs 1939-1945 besetzten, aber nicht eingegliederten Gebiete Polens. , das jedoch wegen Differenzen mit den Generalstaatenschnell scheiterte. 1589 trat Floris letztmalig in Erscheinung, als er bei der abermaligen Vakanz der geldrischen Statthalterschaft Moritz von Oranien (1567-1625) unterstützte, obwohl er zuvor wohl noch versucht hatte, Anhänger des Grafen Leicester in Position zu bringen, weil er sich von deren calvinistischer und zentralistischer Politik positive Effekte für die Landesherrschaft versprach.

Floris von Palant starb am 29.9.1598 in Culemborg.

 

Literatur
De Jong, O. J., De reformatie in Culemborg, Diss. Amsterdam, o. J.
Göbels, Karl, Wappen von Frechen, Frechen 1966.
Meyer, Gisela, Die Familie von Palant im Mittelalter, Göttingen 2004.
Schotel, G. D. J., Floris I. en II. van Pallant, graven van Culemborg, Arnheim 1846.
Van Nierop, Henk, De protestantse graaf voerde hosties aan zijn papegaai, in: Historisch nieuwsblad 14 (2005), S. 10-16.

 

Online
Müller, Peter Ludwig, Art. „Culemberg, Florens von Pallandt“, in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), 638-639.
Van der Lem, Anton, Culemborg, Floris I van Pallandt, in: De Tachtigjarige Oorlog (Universität Leiden).

11.3.2013
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Martin  Bock (Frechen) 
 

       
 

       
 
Floris von Palant, zeitgenössisches Porträt (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 34 KB)

Floris von Palant, zeitgenössisches Porträt.

 

 Wappen der Familie von Palant (Bilvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 44 KB)

Wappen der Familie von Palant.