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Werner von Fritsch (1880-1939), Oberbefehlshaber des Heeres

Werner Freiherr von Fritsch war Offizier in beiden Weltkriegen und gehörte als Generaloberst zu Hitlers militärischer Elite.

Werner von Fritsch, mit vollständigem Namen Thomas Ludwig Werner Freiherr von Fritsch, kam am 4.8.1880 im Schloss Benrath (Stadt Düsseldorf) zur Welt. Als Sohn des Generalleutnants Georg von Fritsch (1849-1920) und dessen Ehefrau Adelheid (1856-1941), geborene von Bodelschwingh, wurde er bereits früh auf seine spätere Laufbahn beim Militär vorbereitet, denn die strenge Erziehung war darauf angelegt, ihm vor allem jene Eigenschaften zu vermitteln, die für einen Offizier von Nutzen sein würden. So lernte er, neben den gesellschaftlichen Umgangsformen besonders Patriotismus,  Pflichttreue, Zuverlässigkeit und Ehrenhaftigkeit zu verinnerlichen.

Im Alter von 18 Jahren, nach Beendigung der Schullaufbahn, begann Fritsch 1898 seine militärische Karriere als Fahnenjunker im Großherzoglich Hessischen Feldartillerie-Regiment 25 in Darmstadt. Keine zwei Jahre später, im Januar 1900, wurde er zum Leutnant befördert. Dem aufstrebenden Fritsch war bewusst, dass die Aufstiegschancen im Heer für ihn begrenzt waren, weshalb er sich entschloss, die Kriegsakademie zu besuchen. Diese absolvierte er zwischen 1907/1908 und 1910. Anschließend wurde er zum Großen Generalstab abkommandiert und 1913 zunächst in die Kriegsgeschichtliche Abteilung II, 1914 dann in die Aufmarsch-Abteilung des Generalstabes versetzt.

Während des Ersten Weltkriegs diente er in verschiedenen Einheiten als Generalstabsoffizier, unter anderem beim Armee-Oberkommando 4 und dem Generalkommando der Luftstreitkräfte. Nach Beendigung des Krieges wurde von Fritsch 1919 als 1. Generalstabsoffizier beim Grenzschutz-Armeeoberkommando Nord eingesetzt. Hier unterstand er Hans von Seeckt (1866-1936). Als dieser 1919 Chef des Generalstabes der Armee und 1920 Chef der Heeresleitung der Reichswehr wurde, wirkte von Fritsch unter ihm bis 1922 im Reichswehrministerium an der Neustrukturierung des Heeres mit. In Rascher Folge durchlief er während der Weimarer Republik Bezeichnung des präsidialen und parlamentarischen Regierungssystems in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Gebräuchliche Bezeichnung der gesamten Epoche deutscher Geschichte zwischen dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Benannt nach dem Tagungsort der verfassungsgebenden Nationalversammlung in Weimar. weitere Beförderungen. Nachdem er unter anderem im Wehrkreis Ostpreußen als Oberstleutnant einer Artillerie-Abteilung gedient hatte, wurde er 1926 Leiter der Heeresabteilung im Truppenamt, am 1.10.1932 als Generallleutnant der dritten Division und des Wehrkreises III (Berlin) Nachfolger Gerd von Rundstedts (1875-1953).

Auch unter Adolf Hitler (1889-1945) wurden Fritschs militärische Fähigkeiten erkannt und in Anspruch genommen. Am 1.2.1934 wurde er mit dem Auftrag, die Wehrmacht in wenigen Jahren zu einer modernen und schlagkräftigen Armee aufzubauen, zum Chef der Heeresleitung (am 2.5.1935 Umbennung in Oberbefehlshaber des Heeres) ernannt. Zwei Jahre später folgte die Beförderung zum Generaloberst. In seiner Amtsführung folgte er der Maxime von Seeckts, welche die politische Abstinenz des Heeres betonte. Es war Fritschs Ansinnen, einerseits den Einfluss der NSDAP auf die Wehrmacht einzudämmen, andererseits weltanschauliche beziehungsweise politische Auseinandersetzungen innerhalb der Wehrmacht zu vermeiden.

Einige Monate später, im Sommer 1936, wurde Hitler von mehreren NS-Spitzenfunktionären, in erster Linie von und Heinrich Himmler (1900-1945), dem Reichsführer Höchster Dienstgrad der SS. Entsprach dem Rang eines Generalfeldmarschalls der Wehrmacht. SS und Chef der deutschen Polizei, darauf aufmerksam gemacht, dass Fritsch 1933/1934 wegen angeblich homosexueller Handlungen erpresst worden sein sollte. Heydrich präsentierte Hitler die entsprechende Polizeiakte. Doch dieser ließ den Vorfall auf sich beruhen. Da Hitler den Generaloberst nicht unnötig belasten wollte und den Verdächtigungen vermutlich auch keinen großen Glauben schenkte, ordnete er keine weitere Untersuchung an.nach obenIm Januar 1938 hingegen kam es zur so genannten Blomberg-Fritsch-Affäre. Der damalige Kriegsminister Werner von Blomberg (1878-1946) hatte am 12.1.1936 die Prostituierte Erna Gruhn (geboren wohl 1914) geheiratet. Als ihre Vergangenheit bekannt wurde, kam es zu einem Skandal, in dessen Folge Blomberg seinen Dienst quittieren musste. Nun wurde auch der anderthalb Jahre zurückliegende Fall Fritsch wieder aufgegriffen. Ob Hitler sich nun Werner von Fritschs entledigen wollte, weil dieser den am 5.11.1937 verkündeten Kriegs- und Lebensraumplänen Hitlers ablehnend gegenüber stand oder ob er lediglich absolute Klarheit erlangen wollte, um einen erneuten Skandal zu vermeiden, ist umstritten.

Lange Zeit war sich die Forschung sicher, dass der Oberbefehlshaber des Heeres einer lange geplanten Intrige der NS-Spitzen zum Opfer fiel. Bekanntermaßen war Fritsch bei der Gestapo nicht sonderlich beliebt, darüber hinaus herrschten Rivalitäten zwischen der Partei, der SS und dem Heer. Inzwischen gibt es Zweifel an dieser These. Karl-Heinz Janssen und Fritz Tobias sind davon überzeugt, dass es kein Komplott gegen den Generaloberst gab. Ihrer Meinung nach waren weder Hitler, noch Hermann Göring (1893-1946), Reinhard Heydrich 1904-1942), der Chef des Reichssicherheitshauptamtes, oder Himmler an den Anschuldigungen beteiligt. Fakt jedoch ist, dass Hitler, aus welchen Motiven auch immer, sich diesmal nicht entschlossen hinter seinen General stellte.

Fritsch war erschüttert, als er sich erneut mit den Vorwürfen konfrontiert sah. Er konnte kaum glauben, was man ihm vorwarf und gab Hitler in einer Unterredung am 26.1.1938 sein Ehrenwort, dass die Anschuldigung nicht den Tatsachen entspreche. Dennoch musste er am 4. Februar sein Amt als Oberbefehlshaber aufgeben. Am 18. März kam es zum Urteilsspruch des Reichskriegsgerichts, demzufolge er in allen Punkten unschuldig war. Der Belastungszeuge, ein Krimineller namens Otto Schmidt (1906-1942), hatte gelogen, als er den General Werner von Fritsch der Homosexualität beschuldigte. Dank des Widerrufs des Zeugen konnte Fritsch entlastet werden. Obwohl er damit öffentlich rehabilitiert war, konnte er nicht in sein vorheriges Amt zurückkehren; das hatte mittlerweile Walther von Brauchitsch (1881-1948) übernommen. Im August wurde von Fritsch daher als Ehrenoberst zum Chef seines alten Artillerie-Regiments 12 in Schwerin ernannt.

Zufrieden war er mit dieser Maßnahme jedoch nicht. Er fühlte sich nach wie vor gedemütigt und im Stich gelassen, denn Hitler hatte nur auf Drängen Brauchitschs die Ernennung Fritschs zum Chef des Regiments veranlasst. Zudem hatte er als Ehrenoberst keine richtige Aufgabe mehr. In Berlin hielt er sich nicht gerne auf, obwohl ihm das Heer dort ein Haus geschenkt hatte, das er im Februar 1939 bezog. Als er im August von den Kriegsplänen gegen Polen erfuhr, schloss er sich unversehens seinem Regiment in Ortelsburg an. Keine zwei Wochen später, am 1.9.1939, begann der Zweite Weltkrieg. Als die polnische Grenze im Süden Ostpreußens überschritten wurde, war auch Fritschs Regiment im Fronteinsatz. Am 22. September begleitete er als General ohne Kommando die Erkundungsaktion von Praga, einer Vorstadt Warschaus. An vorderster Front traf ihn ein Querschläger, der seinen Oberschenkel zerfetzte. Er starb nur wenige Augenblicke später. Hitler ordnete am 26. September einen Staatsakt in Berlin an, im Anschluss daran wurde der Sarg auf dem Invalidenfriedhof beigesetzt.

Zum Andenken an den Offizier tragen einige Kasernen den Namen „Fritsch", darunter die ehemalige „Fritsch-Kaserne" in Koblenz.

 nach obenLiteratur

Deutsch, Harold C., Das Komplott oder Die Entmachtung der Generale. Blomberg- und Fritsch-Krise. Hitlers Weg zum Krieg, München 1974.

Foertsch, Hermann, Schuld und Verhängnis. Die Fritsch-Krise im Frühjahr 1938 als Wendepunkt in der Geschichte der nationalsozialistischen Zeit, Stuttgart 1951.

Janßen, Karl-Heinz/Tobias, Fritz, Der Sturm der Generäle: Hitler und die Blomberg-Fritsch-Krise 1938, München 1994.

Mühleisen, Horst, Generaloberst Werner von Fritsch, in: Ueberschär, Gerd R. (Hg.), Hitlers militärische Elite, Band 1: Von den Anfängen des Regimes bis Kriegsbeginn, Darmstadt 1998, S. 61-70.

 

Online

Vogelsang, Thilo, Artikel „ Fritsch, Werner", in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 625-626.

30.9.2010
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Vera Bokeloh (Rheinbreitbach) 
 

       
 

       
 
 Werner von Fritsch (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 103KB)

Generaloberst Werner von Fritsch, 1932, Foto: Max Nakonz.(Bundesarchiv, Bild 183-R16862/Max Nakonz/CC-BY-SA)