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Willi Graf (1918-1943), NS-Widerstandskämpfer

Willi Graf war ein christlich motivierter Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Er war Mitglied der Münchener Widerstandsgruppe „Weiße RoseZwischen Juni 1942 und Februar 1943 verbreitete eine kleine Gruppe Münchener Studenten unter dem Namen Weiße Rose insgesamt sechs regimekritische Flugblätter und rief mit Wandparolen zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf. Der Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl im Februar 1943 folgten weitere Festnahmen von Mitgliedern der Weißen Rose, die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden." und wurde 1943 hingerichtet.

Willi Graf wurde am 2.1.1918 in Euskirchen-Kuchenheim als drittes Kind des Kaufmanns und späteren Molkereibesitzers Gerhard Graf (geboren 31.7.1885) und dessen Frau Anna Gölden geboren. Nach dem Umzug der Familie 1922 ins Saarland absolvierte Graf in Saarbrücken die Volksschule und das Ludwigsgymnasium. Aufgewachsen in einer streng katholischen Familie, besuchte Willi Graf regelmäßig den Gottesdienst und wurde Messdiener an Sankt Johann in Saarbrücken. 1929 trat er dem katholischen Schülerbund „Neudeutschland" (ND) bei, in dem sich die Traditionen der Jugendbewegung mit katholischen Anliegen verbanden. Hier lernte er auch seine späteren Mitstreiter Rudi Alt (geboren 1915) und Willi Bollinger (1919-1975) kennen.

Nach Auflösung des „Bund Neudeutschland" 1934 durch die Nationalsozialisten schloss sich Graf dem verbotenen „Grauen Orden" an. Der „Graue Orden" war geprägt durch bündische Traditionen und die Ziele der liturgischen Bewegung. Im Mittelpunkt des Gruppenlebens standen die geistigen Auseinandersetzungen mit Dichtung und Kunst sowie größere Fahrten. Trotz des Drängens seiner Eltern - der Vater Gerhard Graf war bereits 1935 der NSDAP bei getreten -, von Lehrern und Mitschülern weigerte sich Graf der Hitlerjugend (HJ siehe Hitler-Jugend ) beizutreten;seine christliche Überzeugung ließ sich nicht mit der nationalsozialistischen Diktatur vereinbaren.

Nach dem Abitur 1937 wurde Willi Graf zum Reichsarbeitsdienst eingezogen; anschließend begann er in Bonn ein Medizinstudium. Im Januar 1938 wurde Graf wegen seiner Mitarbeit im „Grauen Orden" und der wiederholten Fahrten und Wanderungen inhaftiert. Vom 22.1. bis zum 5.2.1938 saß er zusammen mit 17 weiteren Mitgliedern des „Grauen Ordens" in Untersuchungshaft, am 21.4.1938 wurde Graf vor dem Mannheimer Sondergericht wegen „bündischer Umtriebe" angeklagt. Nach der Annexion Österreichs am 13.3.1938 wurde das Verfahren im Zuge einer Generalamnesie jedoch eingestellt.

1939 übersiedelte Graf nach München, um sein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität fortzusetzten. Im Januar 1940 wurde er zu einer Sanitätsersatzabteilung eingezogen und zum Sanitäter ausgebildet. Im September 1940 wurde er als Sanitätsunteroffizier an die nordfranzösische Kanalküste abkommandiert, bevor er im November 1940 über Flandern nach Burgund versetzt wurde. Im Frühjahr 1941 beteiligte sich seine Einheit am Feldzug gegen Jugoslawien und Griechenland. Bereits im Mai 1941 wurde seine Einheit schließlich nach Polen verlegt, wo sie bis zum Überfall auf die SowjetunionKurzbezeichnung für die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR), gegründet 1922  nach dem Ende des russischen Reiches (1917). Bis zu  ihrer Auflösung 1991 war sie das politische Zentrum des Ostblocks und des real existierenden Sozialismus. Sie umfasste in etwa das Gebiet der heutigen Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS), dazu Estland, Lettland und Litauen. Völkerrechtlicher Nachfolgestaat ist die Russische Föderation (Russland ). im Juni 1941 stationiert war. Danach folgte der Einmarsch nach Russland, den Graf bis zu seiner Abkommandierung im April 1942 miterlebte.

Die Erfahrungen in Polen und Russland und die ideologisch motivierte Grausamkeit der deutschen Besatzer gegenüber der einheimischen Bevölkerung ließen Willi Graf immer wieder in Konflikt mit seinen in der Jugend gesetzten Maßstäben der Nächstenliebe und des Gewissens geraten und bestätigten ihn in seiner ablehnenden Haltung gegenüber dem nationalsozialistischen Regime.

Im April 1942 wurde Willi Graf in eine Münchener Studentenkompanie versetzt, wo er sein Studium fortsetzen konnte; kurz darauf nahm er wieder Kontakt zu seinen Freunden aus dem „Grauen Orden" auf, die ebenfalls in München studierten. In seiner Studentenkompanie lernte Graf im Juni 1942 Hans Scholl (1918-1943) und Alexander Schmorell (1917-1943) kennen und wurde von ihnen zu Lese- und Diskussionsabenden eingeladen

Hans Scholl und Alexander Schmorell hatten im Juni 1942 damit begonnen, Flugblätter zu formulieren und zu verteilen. Zwischen dem 27.6. und dem 12.7.1942 verfassten sie zusammen vier Texte, die den Titel „Flugblätter der Weißen Rose" trugen und in denen auf das Unrecht der Nationalsozialisten aufmerksam gemacht wurde; per Post schickten sie diese anonym an ausgewählte Personen. Nach anfänglichen Zweifeln wurde Graf selbst aktives Mitglied der Widerstandsbewegung.

Im Juli 1942 wurde Willi Graf zusammen mit Scholl und Schmorell erneut an die Ostfront nach Russland abkommandiert, wo die jungen Studenten Zeugen der Kriegsgräuel und Verbrechen der deutschen Einsatzkommandos wurden. Zum Wintersemester 1942/ 1943 kehrten Graf und seine beiden Freunde nach München zurück, wo wiederholt Diskussionsabende veranstaltet und neue Widerstandsaktionen geplant wurden. Während der Weihnachtsferien in Saarbrücken übernahm Willi Graf die Aufgabe, neue Helfer bei seinem alten Freundeskreis aus der Bündischen Jugend zu gewinnen, um die Münchener Widerstandsgruppe „Weiße RoseZwischen Juni 1942 und Februar 1943 verbreitete eine kleine Gruppe Münchener Studenten unter dem Namen Weiße Rose insgesamt sechs regimekritische Flugblätter und rief mit Wandparolen zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf. Der Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl im Februar 1943 folgten weitere Festnahmen von Mitgliedern der Weißen Rose, die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden." um die Geschwister Hans und Sophie Scholl (1921-1943) zu unterstützen. Dabei musste Graf allerdings feststellen, dass er bei seinen alten Freunden nicht auf die erhoffte Resonanz, sondern auf Zurückhaltung stieß. Lediglich Willi Bollinger und Rudi Alt erklärten sich bereit, bei den geplanten Widerstandsaktionen mitzuhelfen.nach oben

Am 7.1.1943 kehrte Willi Graf nach München zurück, zwei Tage später trafen sich Graf, Scholl und Schmorell mit Professor Kurt Huber (1893-1943), um über das geplante fünfte Flugblatt zu diskutieren, in dem auf die bevorstehende Niederlage der deutschen Armee aufmerksam gemacht und Vorstellungen für ein neues Deutschland dargestellt werden sollten. Eine Woche nach Beginn der Vervielfältigung des fünften Flugblattes fuhr Willi Graf am 20.1.1943 nach Köln, Bonn, Saarbrücken und Ulm, um weitere Mitglieder für die „Weiße RoseZwischen Juni 1942 und Februar 1943 verbreitete eine kleine Gruppe Münchener Studenten unter dem Namen Weiße Rose insgesamt sechs regimekritische Flugblätter und rief mit Wandparolen zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf. Der Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl im Februar 1943 folgten weitere Festnahmen von Mitgliedern der Weißen Rose, die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden." zu gewinnen. In Bonn übergab er ein Exemplar des Flugblattes und einen Vervielfältigungsapparat an Willi Bollinger, der 200 Exemplare an verschiedene Personen verschickte.

Die Verteilung der Flugblätter war diesmal gründlich geplant worden; während Graf in Köln, Bonn, Saarbrücken und Ulm für die Verteilung sorgte, verschickten Scholl und Schmorell in München einige hundert Briefe. Sophie Scholl fuhr, während sich Willi Graf im Rheinland aufhielt, nach Augsburg, um dort ebenfalls Briefe einzuwerfen. Auch in Stuttgart, Salzburg, Wien, Berlin und Linz an der Donau wurden die Flugblätter per Post versandt. Außerdem begannen Hans Scholl und Alexander Schmorell, nachts Wandparolen gegen Hitler und die Nationalsozialisten an Häuserwände zu malen. An den darauf folgenden nächtlichen Aktionen nahm auch Willi Graf teil. In den Tagen vor der letzten Aktion in der Nacht vom 15. auf den 16.2.1943 hatten die drei zusammen mit Professor Huber bereits mit der Herstellung des sechsten Flugblattes begonnen und es am 16.2.1943 versandfertig gemacht.

Da nach der ersten Versandaktion des sechsten Flugblattes noch eine größere Anzahl der Schriften übrig geblieben war, wollte Hans Scholl diese in der Münchener Universität verteilen, wobei er und seine Schwester Sophie verhaftet wurden. Am 18.2.1943 wurde Willi Graf, der ein Angebot Schmorells zur Flucht ausgeschlagen hatte, zusammen mit seiner an den Widerstandsaktionen unbeteiligten Schwester Anneliese in München festgenommen. Der Prozess gegen Willi Graf, gegen die mittlerweile ebenfalls inhaftierten Alexander Schmorell, Professor Kurt Huber und weitere elf Mitglieder der „Weißen Rose" wurde am 19.4.1943 eröffnet. Nach ersten Versuchen, seine Beteiligung zu leugnen, konnte Graf bald nicht mehr verbergen, dass er als Hauptbeteiligter dem engsten Kreis der „Weißen Rose" angehört hatte.

Bereits am 22.2.1943 waren Sophie und Hans Scholl wegen landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof 1934 eingerichteter Sondergerichtshof des NS-Regimes zur Aburteilung und Einschüchterung politischer Gegner. unter dem Vorsitz Roland Freislers (1893-1945) zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.

Auch bei Graf lauteten die Anklagepunkte auf Vorbereitung zum Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung. Außerdem wurde ihm noch die Teilnahme an Besprechungen über die Flugblattherstellung, die Beihilfe beim Abziehen der Flugblätter, die Beschaffung von Briefumschlägen, die Mithilfe bei der Versendung der Briefe sowie deren Finanzierung, die Beteiligung an zwei „Schmieraktionen" und die Werbung weiterer Gesinnungsfreunde vorgeworfen. Schließlich wurde Graf durch Roland Freisler zum Tode verurteilt. Die Vollstreckung des Urteils wurde jedoch ein halbes Jahr ausgesetzt, da sich die Gestapo aus den Verhören Willi Grafs weitere Namen von Oppositionellen erhoffte. Graf war jedoch äußerst verschwiegen und rettete so vielen Mitstreitern das Leben.

Willi Graf wurde am 12.10.1943 im Gefängnis Stadelheim im Alter von 25 Jahren mit dem Fallbeil enthauptet und in München auf dem Friedhof am Perlacher Forst bestattet. 1946 wurden die Gebeine exhumiert und auf dem Alten Friedhof Sankt Johann in Saarbrücken beigesetzt.

Nach Willi Graf wurden in Deutschland acht Schulen sowie ein Studentenwohnheim benannt. Am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Münster wird zudem jedes Jahr der Willi-Graf-Preis an besonders engagierte Abiturienten vergeben. 2003 verlieh ihm die Stadt Saarbrücken posthum die Ehrenbürgerwürde.

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Literatur

Blaha, Tatjana, Willi Graf und die Weiße RoseZwischen Juni 1942 und Februar 1943 verbreitete eine kleine Gruppe Münchener Studenten unter dem Namen Weiße Rose insgesamt sechs regimekritische Flugblätter und rief mit Wandparolen zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf. Der Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl im Februar 1943 folgten weitere Festnahmen von Mitgliedern der Weißen Rose, die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden., München 2003.

Goergen, Peter, „Willi Graf – Ein Weg in den Widerstand", St. Ingbert 2009.

Kißener, Michael (Hg.), „Weitertragen". Studien zur „Weißen Rose", Konstanz 2001.

Knoop-Graf, Anneliese, Eckert, Hans (Hg.), Gedenkschrift zum 50. Jahrestag der Hinrichtung des Saarbrücker Widerstandskämpfers Willi Graf, Saarbrücken 1993.

Knoop-Graf, Anneliese /Inge Jens (Hg.), Willi Graf. Briefe und Aufzeichnungen, Frankfurt am Main 1994.

Leber, Annedore, Das Gewissen steht auf. 64 Lebensbilder aus dem deutschen Widerstand 1933-1945, Berlin 1954.

Steffahn, Harald, Die Weiße RoseZwischen Juni 1942 und Februar 1943 verbreitete eine kleine Gruppe Münchener Studenten unter dem Namen Weiße Rose insgesamt sechs regimekritische Flugblätter und rief mit Wandparolen zum Widerstand gegen die Nationalsozialisten auf. Der Verhaftung und Hinrichtung der Geschwister Scholl im Februar 1943 folgten weitere Festnahmen von Mitgliedern der Weißen Rose, die zum Tode oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden., Hamburg 2007.

Zankel, Sönke, Mit Flugblättern gegen Hitler. Der Widerstandskreis um Hans Scholl und Alexander Schmorell, Köln 2008.

 

Online

Conrad, Joachim, Willi Graf (Saarländische Biografien).

Schulz, Kirsten, Willi Graf (Information der Bundeszentrale für politische Bildung).

 

5.9.2012
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Jennifer Striewski (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Willi Graf (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 94KB)

Willi Graf, Porträtfoto. (Gedenkstätte Deutscher Widerstand)