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Peter Franz Reichensperger (1810-1892), Zentrumspolitiker

Peter Franz Reichensperger war ein Jurist und katholischer Politiker. Seine politische Karriere begann im Revolutionsjahr 1848. Nach der Frankfurter Nationalversammlung Auch Frankfurter Parlament oder Deutsche Nationalversammlung, erstes frei gewähltes deutsches Parlament, das 18.5.1848-31.5.1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. gehörte er 1850 dem Erfurter UnionsparlamentVom 20.3.-29.4.1850 tagende Parlamentarierversammlung, die nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung eine Reichseinigung unter Ausschluss Österreichs (Kleindeutsche Lösung) erreichen wollte. Preußen sollte demnach die österreichische Vormachtstellung im Deutschen Bund ablösen und die neue Union dominieren. Die Umsetzung scheiterte jedoch am Widerstand Österreichs, Bayerns und Württembergs. In der Folge musste Preußen auf die Kleindeutsche Lösung verzichten, der Konflikt zwischen Österreich und Preußen prägte in den nächsten Jahren die Politik und führte schließlich 1866 zur Auflösung des Deutschen Bundes (Deutscher Krieg). an und wurde 1858 in das preußische Abgeordnetenhaus gewählt. Von 1867 bis zu seinem Tod gehörte er zuerst dem Norddeutschen Reichstag Bezeichnung für (1) seit 1495 für die Versammlung der deutschen Reichsstände,  (2)  das deutsche Parlament 1871-1933,  (3) die Legislativen in Finnland, Schweden und Japan, (4) als Kurzform für das 1894 bezogene Reichstagsgebäude in Berlin, seit 1999 Sitz des Deutschen Bundestags. , dann dem Deutschen Reichstag an. Peter Reichensperger war Gegner einer preußischen Vorherrschaft in Deutschland und Verfechter einer föderativen Ordnung. Auf politischer Ebene arbeitete er häufig mit seinem älteren Bruder August Reichensperger zusammen. Obwohl er eine eigenständige Politik betrieb, stand er zu Lebzeiten oft in dessen Schatten.

1870/1871 war Peter Reichensperger an der Gründung der Zentrumspartei beteiligt, dessen Programm er maßgeblich beeinflusste. Bis zu seinem Tod gehörte er zum Fraktionsvorstand der Partei. Reichensperger veröffentlichte eine Vielzahl von juristischen und politischen Schriften.

Peter Reichensperger wurde am 28.5.1810 in Koblenz geboren. Sein Vater war Richter in Koblenz und starb, als sein Sohn zwei Jahre alt war. Nach dem Abitur studierte Reichensperger in Bonn und Heidelberg Wirtschaft, Physik, Chemie und Rechtswissenschaften. Nach seinem Studium absolvierte er eine juristische Ausbildung als Auskultator (Gerichtsreferendar) in Trier. Von 1839 bis 1841 war er Assessor Lateinisch, Abkürzung Ass., bezeichnet den Anwärter auf die höhere Beamtenlaufbahn nach abgeschlossenem Universitätsstudium und Vorbereitungsdienst mit zweiter Staatsprüfung (Assessorprüfung). in Elberfeld (heute Stadt Wuppertal) und wechselte dann nach Koblenz, wo er bis 1850 am Landgericht tätig war. In der Folgezeit arbeitete er als Rat am Appellhof in Köln und wurde 1859 Rat am preußischen Obertribunal in Berlin. Diese Tätigkeit übte er bis 1879 aus.

Seit dem Wiener Kongress gehörte das katholische Rheinland zum mehrheitlich protestantischen Preußen und viele Einwohner nahmen das neue preußische Regierungssystem nur sehr widerwillig an. Auch Reichensperger fühlte sich durch den preußischen Staat bevormundet. Der unterschwellige Konflikt entlud sich, als der Erzbischof von Köln, Clemens August Droste Freiherr zu Vischering, durch seine Haltung in der so genannten Mischehenfrage 1837 die „Kölner Wirren siehe Kölner Ereignis " einleitete. Obwohl diese Konfrontation vordergründig konfessionell motiviert war, verkörperte sie auch die politische und gesellschaftliche Auseinandersetzung zwischen dem rheinischen Bürgertum und dem preußischen Regierungssystem.nach obenFür Reichensperger war diese Auseinandersetzung ein Impuls, der ihn, wie viele Rheinländer, politisierte. Seine parlamentarische Karriere begann er im Revolutionsjahr 1848. Er wurde Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Auch Frankfurter Parlament oder Deutsche Nationalversammlung, erstes frei gewähltes deutsches Parlament, das 18.5.1848-31.5.1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte. und gehörte 1850 dem Erfurter UnionsparlamentVom 20.3.-29.4.1850 tagende Parlamentarierversammlung, die nach dem Scheitern der Frankfurter Nationalversammlung eine Reichseinigung unter Ausschluss Österreichs (Kleindeutsche Lösung) erreichen wollte. Preußen sollte demnach die österreichische Vormachtstellung im Deutschen Bund ablösen und die neue Union dominieren. Die Umsetzung scheiterte jedoch am Widerstand Österreichs, Bayerns und Württembergs. In der Folge musste Preußen auf die Kleindeutsche Lösung verzichten, der Konflikt zwischen Österreich und Preußen prägte in den nächsten Jahren die Politik und führte schließlich 1866 zur Auflösung des Deutschen Bundes (Deutscher Krieg). an. Reichensperger stimmte gegen ein preußisches Erbkaisertum und war Befürworter eines gemeinsamen deutschen Staates mit Preußen und Österreich im Sinne der „kleindeutschen" Lösung. 1858 wurde er in das Preußische Abgeordnetenhaus gewählt und präsentierte sich als unermüdlicher Vertreter des politischen Katholizismus. Im Jahr 1865 wurde ihm hierfür das Kommandeurkreuz des päpstlichen St.-Gregorius-Ordens verliehen.

Nach dem Sieg Preußens über Österreich und der Gründung des Norddeutschen Bundes wurde Reichensperger 1867 Mitglied des Norddeutschen Reichstags. Im neu gegründeten Deutschen Reich von 1870/1871 gehörte er dem neuen Reichstag an. Bereits in den 1860er Jahren hatte er sich für die Bildung einer katholischen Partei eingesetzt. Zusammen mit Politikern wie Hermann von Mallinckrodt (1821-1874) und Karl Friedrich von Savigny (1814-1875) wirkte er 1870 an der Gründung der Zentrumspartei mit, dessen Programm er maßgeblich beeinflusste. Bis zu seinem Tode gehörte er dem Fraktionsvorstand der Partei und dem Deutschen Reichstag an.

Neben seiner juristischen und politischen Arbeit, war Reichensperger auch Publizist. Sein bekanntestes Werk ist „Die Agrarfrage aus dem Gesichtspunkt der Nationalökonomie Veraltete Bezeichnung für Volkswirtschaftslehre. , der Politik und des Rechts" von 1847. Als wichtige juristische Publikationen gelten „Über Öffentlichkeit, Mündlichkeit und Schwurgerichte" und „Die preußische Nationalversammlung und die Verfassung vom 5. Dezember 1848".

Peter Reichensperger starb am 31.12.1892 in Berlin. 

Literatur

Fuchs, Konrad, Artikel „Reichensperger, Peter Franz", in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon 7 (1994), Spalten 1505-1506.

Hehl, Ulrich von (Hg.), Peter Reichensperger 1810-1892, Paderborn u.a. 2000.

Mergel, Thomas, Peter Reichensperger, der katholische Liberale, in: Freitag, Sabine (Hg.), Die 48er. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49, München 1997, S. 185-199, S. 326-327.

Ruehl, Thomas, Gesellschaft und Recht bei Peter Franz Reichensperger, Bonn 1960. 

 

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Georg Arnold (Mönchengladbach) 
 

       
 

       
 
 Peter Reichensperger (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 93KB)

Peter Reichensperger, Gemälde von Julius Friedrich Anton Schrader (1815-1900), 1865.