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Georg Otto Eduard Saal (1817-1870), Maler

Georg Saal war zu seinen Lebzeiten ein erfolgreicher Landschafts- und Genremaler. Er war ein Schüler des berühmten Landschaftsmalers Johann Wilhelm Schirmer und damit ein typischer Vertreter der Düsseldorfer Malerschule An der 1819 wieder begründeten Kunstakademie Düsseldorf formierte sich unter ihren Direktoren Peter Cornelius (Amtszeit 1819-1826)  und Wilhelm von Schadow (Amtszeit 1826-1859) die "Düsseldorfer Malerschule", die bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstler anzog und in der Monumental-, Historien-, Landschafts- und Genremalerei Werke hervorbrachte, die bis heute wertgeschätzt werden. . Anerkennung und Wohlstand erlangte Saal vor allem durch seine stimmungsvollen Norwegenlandschaften. Seine Gemälde der 1840er und 1850er Jahre zeichnen sich durch die für Schirmer so charakteristische Spannung zwischen realistischer Malweise und romantischer Landschaftsauffassung aus. Im letzten Dezennium seines Schaffens wandte sich Saal dem Naturalismus Eine philosophische Richtung, die verschiedene Theorien in sich vereint. So bezeichnet der Naturalismus (1) diejenigen Lehren, die von einer allumfassenden Welt aus Raum und Zeit ausgehen, d.h. alle Objekte und Ereignisse sind Teil der Natur (2) in der Erkenntnistheorie diejenigen Lehren, die davon ausgehen, dass alles Wissen nicht a priori, sondern immer Teil der empirischen Wissenschaften ist. zu.

Georg Otto Eduard Saal wurde am 17.3.1817 als zweitältestes von sechs Kindern in Koblenz geboren. Sein Vater Otto Philipp Saal (1784-1836) bekleidete dort das Amt eines Stadtdieners, seine Mutter Katharina (1788-1846), geborene Sauerborn, arbeitete zumindest seit dem Tod ihres Mannes als Kleidermacherin. Trotz bescheidener wirtschaftlicher Verhältnisse besuchte Saal das Königliche Gymnasium in Koblenz. Hier soll er von seinem Zeichenlehrer Konrad Zick (1773-1836), Spross der berühmten Koblenzer Malerfamilie Zick und selbst ein bekannter Portrait- und Landschaftsmaler, seinen ersten Zeichenunterricht erhalten haben. Im Jahre 1833, gerade 16-jährig, verbrachte Saal eine längere Zeit bei den Freimaurern in Aachen und Köln. Kaum ein Jahr später, am 7.11.1834, brach er seine Schulausbildung ab.

1836 und 1837 stand er in Koblenz im Militärdienst bei den Pionieren. Seine Kompanie war unter dem Kommando Hauptmann Adam Gottfried Naumanns (geboren 1792) zum Wiederaufbau der Burgruine Stolzenfels unweit von Koblenz abgestellt. Nach 1837 arbeitete Saal in seiner Geburtsstadt zunächst als Architekt. Zeitgleich begann er Landschaftsstudien und Gemälde anzufertigen, mit denen er auf regionalen Ausstellungen erste Erfolge feierte.

Im Oktober 1842 schrieb sich Saal an der königlich-preußischen Kunstakademie in Düsseldorf ein. Sie zählte damals zu den renommiertesten künstlerischen Ausbildungsstätten Europas. Saal besuchte in seinem ersten Schuljahr (1842/1843) neben der Landschafterklasse Wilhelm Schirmers auch die Architekturklasse Rudolf Wiegmanns (1804-1865). Bereits in seinem zweiten Schuljahr (1843/1844) konzentrierte er sich jedoch ausschließlich auf seine Ausbildung bei Wilhelm Schirmer. Von ihm erhielt Saal die entscheidenden Impulse für sein künftiges Schaffen. Johann Wilhelm Schirmer hatte gemeinsam mit seinem Freund und Malerkollegen Carl Friedrich Lessing (1808-1880) die Landschaftsmalerei in Düsseldorf zur Blüte gebracht. Er propagierte eine neue, bahnbrechende Einstellung zur Natur nach dem Motto, „daß man alles in Gottes schöner Natur darstellen dürfe, wenn man es nur recht treu und genau ausführe." Diese Auffassung setzte er allerdings nur in seinen Studien, nicht aber in seinen Gemälden um. nach obenAngeregt durch Schirmers Credo erforschte Saal auf zahlreichen Exkursionen (Eifel, Lahn, Schwarzwald) die Natur und hielt sie in unzähligen Freilichtstudien fest. Im Frühsommer 1847 begleitete er seine Malerkollegen August Becker (1821-1887), August Leu (1819-1897) und Andreas Whelpdale für einige Monate nach Norwegen. Die wilde, unberührte Natur dieses Landes bestimmte von nun an über viele Jahre die Motivwelt seiner Bilder. Weitere Reisen Saals in den hohen Norden folgten 1850 und 1854. Zurück in Düsseldorf besuchte er seit September 1847 die Meisterklasse Wilhelm von Schadows, der seit 1826 die dortige Kunstakademie leitete. Ungeachtet der Revolutionsunruhen 1848 und seiner Mitgliedschaft im Offizierscorps der Düsseldorfer Bürgerwehr unternahm Saal im September des Jahres eine mehrtägige Studienreise nach München und Neu Ulm. Nur wenig später kehrte er Düsseldorf den Rücken und siedelte nach Heidelberg über. Hier soll er unter anderem als Historienmaler tätig gewesen sein.

Um 1849/1851 lernte er in der Neckarstadt seine spätere Frau Susanne Lang kennen, die er am 16.10.1852 heiratete. Ende 1852, Anfang 1853 zog das Ehepaar nach Baden-Baden und gründete eine Familie. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Saal mietete ein Atelier und feierte als freischaffender Maler Triumphe. Sein Renommee gründete sich vor allem auf seine norwegischen Landschaften, die wegen ihres wildromantischen Stimmungsgehaltes von Publikum und Kritik hoch geschätzt wurden. Zu lukrativen Bildverkäufen und einer Vielzahl hoch gelobter Ausstellungsbeteiligungen im In- und Ausland gesellten sich zahlreiche Auszeichnungen. Im September 1852 etwa wurde er zum freien Ehrenmitglied der Kaiserlichen Akademie der Künste von St. Petersburg ernannt. Nur ein Jahr später, am 22.9.1853, verlieh ihm Prinzregent Friedrich I von Baden (1826-1907) den Ehrentitel „großherzoglicher Hofmaler".

Seit Mitte der 1850er Jahre etablierte sich Saal auch in der französischen Kunstszene. Einen ersten großen Erfolg errang er 1855, als eines seiner Gemälde zum bedeutendsten Kunstereignis Frankreichs, dem Pariser Salon, zugelassen und mit einer „lobenden Erwähnung" bedacht wurde. Weitere Salonteilnahmen folgten in den Jahren 1859, 1863, 1864, 1866 und 1868. 1857 mietete Saal eine Atelierwohnung in Paris, die im Laufe der Jahre für seine Familie und ihn zur zweiten Heimat wurde. Im September 1858 besuchte er für mehrere Wochen Barbizon. Das kleine, etwa 60 Kilometer südöstlich von Paris gelegene Dorf am Waldrand von Fontainebleau war seit den 1830er Jahren Treffpunkt zahlreicher avantgardistischer Maler und wurde zur Wiege der naturalistischen Freilichtmalerei.

Saal, der in seinem Herzen und dank Schirmers Unterricht in seinen Studien längst Naturalist war, schloss sich in Barbizon der neuen Kunstbewegung begeistert an. Dies verraten folgende Zeilen vom November 1858: „... der Aufenthalt in dem Walde von Fontainebleau hat mir durch die fleissigen Studien, die ich dort machte, die Augen sehr geöffnet. Ich habe erst seit Barbizon recht sehen gelernt ...." Barbizon bedeutete den Bruch mit den Prinzipien der Düsseldorfer Malerschule An der 1819 wieder begründeten Kunstakademie Düsseldorf formierte sich unter ihren Direktoren Peter Cornelius (Amtszeit 1819-1826)  und Wilhelm von Schadow (Amtszeit 1826-1859) die "Düsseldorfer Malerschule", die bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstler anzog und in der Monumental-, Historien-, Landschafts- und Genremalerei Werke hervorbrachte, die bis heute wertgeschätzt werden. . Lediglich an der dort gepflegten feinteiligen Malweise hielt Saal in vielen seiner Gemälde weiterhin fest. Motivisch trat nun die wilde Natur Norwegens zugunsten lieblicherer Landschaften in den Hintergrund. Zugleich wandte sich Saal auch der Genre Lateinisch-französisch, Gattung, Wesen, Art. - und Portraitmalerei zu.

Die wohl größte künstlerische Wertschätzung in Frankreich erfuhr Saal im Jahre 1863. Anfang Juli kaufte der französische Kaiser Napoléon III. (1808-1873) das Gemälde 'La Mare Appia' (Louvre, Paris) für stolze 6.000 Francs für seine Privatsammlung. Dieser Auszeichnung folgte 1866 eine Goldmedaille im Pariser Salon.

In den letzten zwölf Jahren seines Lebens unternahm Saal weiterhin viele Reisen. Neben Studienaufenthalten in der Schweiz, Savoyen und in England verbrachte er viel Zeit im Schwarzwald. Im Frühsommer 1869 erlitt er in Baden-Baden einen schweren Schlaganfall. Doch bereits Ende September 1869 konnte er wieder nach Paris reisen. Schlagartig beendet wurde dieser Aufenthalt durch den Ausbruch des deutsch-französischen Krieges am 19.7.1870. Als im September 1870 die Kriegswirren Paris erreichten, musste Saal die Stadt überstürzt verlassen. Er kehrte nach Baden-Baden zurück. Hier starb er am 3.10.1870 an den Folgen eines zweiten Schlaganfalls. Zwei Tage später wurde er auf dem dortigen Stadtfriedhof beigesetzt. Erst nach Beendigung des deutsch-französischen Krieges 1871 löste seine Witwe Susanne Saal das Atelier ihres Mannes in Paris auf.

 nach obenLiteratur

Häussermann, Gabriele, Leben und Werk des badischen Hofmalers Georg Otto Eduard Saal (1817-1870), Dissertationsschrift, Freiburg 2004.

Horsthemke, Stefan, Georg Eduard Otto Saal, in: Lexikon der Düsseldorfer Malerschule An der 1819 wieder begründeten Kunstakademie Düsseldorf formierte sich unter ihren Direktoren Peter Cornelius (Amtszeit 1819-1826)  und Wilhelm von Schadow (Amtszeit 1826-1859) die "Düsseldorfer Malerschule", die bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts Künstler anzog und in der Monumental-, Historien-, Landschafts- und Genremalerei Werke hervorbrachte, die bis heute wertgeschätzt werden. . 1819-1918, Band 3, München 1998, S. 168-170.

Püttner, Elise, Georg Saal. Ein deutscher Maler in Paris, in: Der Salon für Literatur, Kunst und Gesellschaft, Band 1, Leipzig 1871, S. 1307-1311.

Staerk, Franz H., Drei Künstlergenerationen in Baden-Baden. Georg Saal, bad. Hofmaler, 1817-1870/Viktor Puhonny, 1839-1909/Ivo Puhonny, geb. 19.7.1876, Freiburg i. B. 1937, S. 114-126.

 

30.9.2010

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Gabriele Häussermann (Freiburg i. B.) 
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 Georg Saal (Bildvergrößerung öffnet in neum Fenster, 94KB)

Georg Otto Eduard Saal, Porträt, Ölgemälde von Richert Lauchert (1823-1858), 1853. (Privatbesitz)