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Johann Conrad Schlaun (1695-1773), Architekt

Johann Conrad Schlaun war im 18. Jahrhundert der bedeutendste westfälische Baumeister des Spätbarock. In seiner Frühzeit und sporadisch in späteren Jahren war er auch im Rheinland tätig. Er entwickelte in Westfalen einen unverwechselbaren Baustil durch Verschmelzung der heimischen Bautradition mit internationalen Stiltendenzen. Schlauns Architektur zeichnet sich aus durch Klarheit der Form, wobei schmückende Elemente gegenüber der Baumasse sorgfältig abgewogen sind.

Johann Conrad Schlaun wurde am 5.6.1695 als Sohn des Amtmanns Heinrich Schlaun (1659-1726) und dessen Ehefrau Agnes Berendes (1656-1729) in Nörde bei Warburg geboren und am 8.6.1695 in Ossendorf (heute Stadt Warburg) getauft. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Paderborn trat er 1712 in den Militärdienst und absolvierte zeitgleich eine Ausbildung zum Ingenieur.

Als Artillerieleutnant und Landesingenieur in Paderborn empfahl sich der junge Schlaun 1719 dem zum Fürstbischof Bezeichnung für Bischöfe, die gleichzeitig weltliche Herren über ein Territorium waren. von Paderborn gewählten Prinzen aus dem Hause Wittelsbach Clemens August mit einer sorgfältig ausgeführten Ansicht der Bischofsstadt an der Pader und mit einem Entwurf für ein Feuerwerk, das 1720 bei der feierlichen Inthronisierung Clemens Augusts abgebrannt wurde. Dieser und sein Minister Ferdinand von Plettenberg schickten Schlaun 1720/1723 auf eine architektonische Bildungsreise nach Würzburg, Rom, vielleicht Wien und Frankreich.

Zwischen 1723 und 1733 führte Schlaun für Ferdinand von Plettenberg an dessen Bonner Palais, dem späteren (im Zweiten Weltkrieg zerstörten) Boeselagerhof, Um- beziehungsweise Ausstattungsarbeiten aus. Clemens August, 1723 zum Kurfürst Bezeichnung eines zur  Wahl des deutschen Königs berechtigten geistlichen oder weltlichen Reichsfürsten. von Köln gewählt, beauftragte Schlaun 1725 mit dem Bau eines Festungswerks vor der südlichen Hauptfront des kurfürstlichen Residenzschlosses zu Bonn („nouvelle enceinte", 1741/1742 wieder beseitigt) und betraute ihn mit dem ersten herausragenden Projekt seiner jungen Architektenkarriere: dem Schloss in Brühl.

Die Schönheit des Ortes und seine günstige Lage für die Falkenjagd, die der Kurfürst mit Leidenschaft betrieb, veranlassten Clemens August zum Bau dieser Anlage an der Stelle einer 1689 von den Franzosen bis auf Ruinenreste gesprengten kurkölnischen Landesburg aus dem Mittelalter. 1724 verlangte der Kurfürst von Guillaume Hauberat (gestorben um 1749) Entwürfe für den Wiederaufbau der Landesburgruine als Schloss (im Archiv des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland, Pulheim). Hauberats Pläne wurden vermutlich wegen ihrer zu trockenen französisch-klassizistischen Formensprache abgelehnt. Clemens August bevorzugte die italienisch-wienerisch geprägten Pläne Johann Conrad Schlauns.

1728 war unter Schlauns Leitung bereits der Rohbau fertig gestellt, als es wohl durch die Intervention des bayerischen Kurfürsten Karl Albrecht (1697-1745), des Bruders von Clemens August, zu einer völligen Planänderung kam und Schlaun als Oberbaumeister in Brühl durch den in München tätigen François de Cuvilliés (1695-1768) ersetzt wurde. Vom Schlaun-Bau blieb ein großer Teil der Außenarchitektur, jedoch keiner der teilweise schon mit Malereien ausgestatteten Innenräume erhalten.nach obenIn der Kunstgeschichte gilt die Brühler Tätigkeit zu Unrecht als eine unglückliche Episode: In den Entwurfsplänen erstaunt die hohe zeichnerische und kompositorische Begabung Schlauns. Zusammen mit den im Schlaunschen Duktus überkommenen Fassaden, in denen gerade vor Ort erkundete Motive insbesondere der römischen Baukunst verarbeitet sind, dokumentieren die Brühl-Pläne den Aufstiegsbeginn des jungen Baumeisters aus provinziellen Anfängen zu europäischem Rang. Am Bühler Schloss entfaltete Schlaun erstmals den ganzen Reichtum an dem für ihn typischen Formenvorrat: abgerundete Gebäudeecken, außergewöhnlich geformte Fenstereinfassungen, Blenden, Wandschichtungen, akzenthaft konzentrierter Plastikdekor. Noch am Erbdrostenhof in Münster und am dortigen Schloss, in Spätwerken, zitierte Schlaun Motive, die er für die Brühler Schlossarchitektur konzipiert hatte.

Auf dem Vorgebirge ließ sich der Oberjägermeister des Kurfürsten Clemens August, der kurkölnische Geheimrat und Amtmann von Bonn, Ferdinand Joseph Freiherr von Weichs (1695-1765), nach Schlauns Entwürfen 1731 Schloss Rösberg (Bornheim), eine zweigeschossige Maison de plaisance Französisch (Landhaus, Lustschloss),  Schlösschen für das private Vergnügen seines Besitzers, abseits von Zeremoniell und offiziellen Pflichten. mit hohem Walmdach, in den charakteristischen Schlaunschen Bauformen mit den abgerundeten Ecken errichten (1833 abgebrannt, verändert wieder aufgebaut, 1941 erneut ausgebrannt, um 1995 in der Schlaunschen Außenform rekonstruiert). Um 1730 errichtete Schlaun nach dem Zeugnis des Ferdinand Graf von Schall zu Bell (gestorben 1783) aus Wahn von 1750 die Große Burg von Kleinbüllesheim (Euskirchen) im Auftrag des kurkölnischen Kammerherrn Lothar Friedrich von Bourscheidt (gestorben 1743).

Für den auf H-förmigem Grundriss errichteten Putzbau mit Mansarddach vereinfachte Schlaun die Fassadenformen des Brühler Schlosses. Eines der nobelsten Gebäude im Typ der Maison de plaisance Französisch (Landhaus, Lustschloss),  Schlösschen für das private Vergnügen seines Besitzers, abseits von Zeremoniell und offiziellen Pflichten. , ein zweigeschossiger Putzbau mit Mansarddach, der aufgrund seiner Architektursprache mit Recht Schlaun zugeschrieben wird, ist das Lippesche Landhaus in Oberkassel (Bonn), errichtet um 1750 für den kurpfälzischen Rat und Pfennigmeister des westfälischen Kreises Johann Gerhard Edler von Meinerzhagen (1682-1761).

Für den 1727 abgebrannten Westflügel des Jesuitengymnasiums Tricoronatum Auch Dreikönigsgymnasium, eine der ältesten Schulen des Rheinlands und die älteste Schule in Köln. Sie wurde 1450 als „Bursa Cucana“ von Johannes von Kuyck als Vorbereitungsschule für ein Studium an der Universität Köln gegründet. 1552 verlor die Burse ihr Haus am Eigelstein, woraufhin die Stadt ihr ein neues Haus in der Maximinenstraße bereitstellte. Dort wurde das Stadtwappen mit drei Kronen angebracht, was zum Namen „Tricoronatum“ führte. Nachdem sich der Rektor der Schule Jakob Leichius 1556 dem Protestantismus anschloss, übernahm der Jesuit Johannes Rhetius die Leitung und ermöglichte die Anbindung der Schule an den Jesuitenorden, der bis zu seiner Auflösung 1773 für die Schule verantwortlich war. Mit dem Umzug an Marzellen änderte sich die Bezeichnung in Marzellengymnasium, wo unter napoleonischer Herrschaft auch die auf Kosten des Gymnasiums und der Kölner Universität gegründete „Zentralschule“ ihren Sitz bekam. In preußischer Zeit wurde das Tricoronatum unter dem Namen „Königlich Kölnisches Gymnasium an Marzellen“ wieder aufgebaut. Seit 1911 wurde die Schule im Türmchenswall beherbergt und trug von da an den Titel „Dreikönigsgymnasium“. Schließlich zog die Schule 1977 an ihren heutigen Standort in der Escher Straße im Stadtteil Bilderstöckchen. in Köln entwarf Schlaun 1728 den Plan für einen Neubau (1912 abgerissen). Ebenfalls nicht erhalten ist die Schlaun zugeschriebene Kirche des Welschnonnenklosters zu Bonn (1908 abgerissen); erhalten sind nur die Entwürfe Schlauns für die Orgelempore, zugleich Nonnenempore.

Schlaun heiratete 1725 in erster Ehe die Tochter eines Kölner Ratherrn aus einer Eupener Textilunternehmerfamilie, Maria Catharina Bourell (1695-1738). Ihr war durch Erbschaft zu einem Fünftel das kurkölnische Lehngut Sülzhof in Nievenheim (Dormagen) zugefallen. Schlaun erwarb 1732 mit dem Geld seiner Frau das gesamte Gut und damit das Recht der Wappenführung, einer eigenen Bank in der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Salvator zu Nievenheim sowie das Erbbegräbnis für sich und seine Familie in dieser Kirche. Für ihren Neubau (geweiht 1743) zeichnete Schlaun nach Vorbildern des Italieners Andrea Pozzo (1642-1709) Haupt- und Nebenaltäre, ausgeführt durch den Tischler Ägidius Rheindorf und den Schnitzer Johann Christoph Manskirch. Den südlichen Nebenaltar, mit dem das Privileg des Erbbegräbnisses vor dem Altar verbunden war, stifteten (laut um 1900 überstrichener Inschrift) Schlaun als Seiner Durchlaucht des Kurfürsten von Köln (...) Oberst der Münsterischen Truppen und Kommandant der Artillerie, Brigadekommandeur und Chef des Proviantwesens und seine zweite Gemahlin Anna Catharina Rehrmann (geboren 1709).

Nach der Bestätigung seines Lehens durch Kurfürst Maximilian Friedrich 1761 errichtete Schlaun den Sülzhof 1766 neu als rautenförmigen Vierflügelanlage in schlichten Formen mit Wirtschaftsgebäuden, quartier wan der Herr hinkombt und des Halffens (Pächters) quartier. Architektonisch ein wenig anspuchsvoller gestaltete Schlaun nur die korbbogige Toreinfahrt in den Hof mit Wappensteinen; sie zeigen das Schlaunsche Wappen, die Initialen JCS und den Wahlspruch „IN DEO SPES MEA" mit der Datierung 1766. Initialen und Wappen tragen eine Adelskrone obwohl Schlaun den begehrten Adelstitel nie erlangte.

Johann Conrad Schlaun starb am 21.10.1773 zu Münster. Er wurde in der dortigen Überwasserkirche bestattet.

 nach obenLiteratur

Aders, Gerhard, Bonn als Festung. Ein Beitrag zur Topographie der Stadt und zur Geschichte ihrer Belagerungen, Bonn 1973, S. 120-131.

Bußmann, Klaus/Matzner, Florian/Schulze, Ulrich (Hg.), Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Architektur des Spätbarock in Europa, Stuttgart 1995.

Matzner, Florian/Schulze, Ulrich, Johann Conrad Schlaun 1695-1773. Das Gesamtwerk, 2 Bände, Stuttgart 1995.

 

Online

Der Barock-Architekt aus Westfalen (Artikel auf der Homepage des WDR anlässlich des 235. Todestages Johann Conrad Schlauns).

Dethlefs, Gerd, "Johann Conrad Schlaun" (Information des Internetportals „Westfälische Geschichte").

 

18.3.2013

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Wilfried Hansmann (Bonn) 
 

       
 

       
 
 Johann Conrad Schlaun (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 398KB)

Johann Conrad Schlaun als münsterischer Artilleriegeneral, Matthias Kappers (1717-1781) zugeschriebenes Gemälde, um 1763/1770, Foto: Sabine Ahlbrand-Dornseif.  (LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster)