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Otto Spülbeck (1904–1970), Bischof der Diözese Meißen (1958-1970)

Als regimekritischer katholischer Bischof in der DDR stand Otto Spülbeck unter Beobachtung des Ministeriums für Staatssicherheit. Am Zweiten Vatikanischen Konzil nahm er als Mitglied der Liturgiekommission teil und versuchte als einer der ersten Bischöfe die Konzilsbeschlüsse in seinem Bistum umzusetzen. Seit der Promotion Lateinisch, Beförderung, (1) Erlangung, Verleihung der Doktorwürde, (2) lateinisch-englisch, Absatzförderung, Werbung. im Jahre 1927 beschäftigte er sich in einer Reihe von Veröffentlichungen mit dem Verhältnis von Naturwissenschaften und Theologie.

Geboren wurde Otto Spülbeck am 8.1.1904 als Sohn eines Kaufmanns in Aachen. Schon als Schüler inspirierte ihn die Jugendbewegung, die ihn nachhaltig prägen sollte. Nach dem Abitur 1923 studierte er in Bonn zunächst drei Semester Botanik, Zoologie und Physik, 1924 wechselte er nicht nur die Fächer, sondern auch die Studienorte: Er ging nach Innsbruck und Tübingen, um Theologie und Philosophie zu studieren. In Tübingen promovierte er 1927 über den „Begriff des Unendlichen in der Mathematik und in der Philosophie“, was ihm zum Lebensthema werden sollte: Naturwissenschaften und Theologie. Anschließend trat er 1929 in das Priesterseminar des Bistums Meißen in Schmochtitz ein.

Otto Spülbeck wäre gern Novize bei den Oratorianern in Leipzig geworden, doch seine Bitten blieben angesichts des Priestermangels ohne Erfolg. Am 5.3.1930 wurde er in Bautzen zum Priester geweiht und wirkte von 1930 bis 1935 als Seelsorger in der Pfarrei St. Nepomuk in Chemnitz, ab 1935 als Kaplan in der St. Trinitatisgemeinde in Leipzig, ab 1937 als Pfarrer in Leipzig-Reudnitz und ab April 1945 als Propst in der St. Trinitatisgemeinde in Leipzig. Seine besonderen Schwerpunkte waren die Diakonie und die Liturgie. So richtete er schon ab 1943 die Jugendmessen in Leipzig-Reudnitz mit dem Blick zur Gemeinde („versus populum“) aus.

Er blieb bis 1955 Propst in Leipzig. In dieser Zeit knüpfte er wieder an das Thema seiner Promotion an und publizierte hierzu wiederholt. Von 1951 bis 1955 war er zudem Geschäftsführer des katholisch orientierten St.-Benno-Verlages. Am 28.6.1955 wurde er von Papst Pius XII. (Pontifikat 1939-1958) zum Koadjutor und Weihbischof der Diözese Meißen mit Sitz in Bautzen ernannt. Am 25.7.1955 erhielt er aus der Hand des Berliner Bischofs Wilhelm Weskamm (Episkopat 1951-1956) die Bischofsweihe. Zu diesem Zeitpunkt begann das Ministerium für Staatssicherheit, ihn zu beobachten. Die Aktenbezeichnungen können als Programm gelesen werden: „Kreuz“, „Der Alte“ und „Schwarze Pest“. Spülbeck hatte sich kritisch zur SED Siehe Sozialistische Einheitspartei Deutschlands -Diktatur geäußert und an der deutschen Einheit festgehalten. Am 20.6.1958 löste er Heinrich Wienken (Episkopat 1951-1957, gestorben 1961) als residierender Bischof des Bistums Meißen ab (Wahlspruch: „Unum in veritate et laetitia“ – Eins in der Wahrheit und in der Freude) und blieb es bis zu seinem Tod im Jahre 1970.nach obenBereits auf dem Katholikentag in Köln 1956 hatte er mit einer Predigt auf sich aufmerksam gemacht, als er das Leben der Christen in der DDR als ein Leben im „fremden Haus“ bezeichnete, die Verschiedenheit von Staat und Kirche aufgrund weltanschaulicher Differenzen betonte und eine Zusammenarbeit ausschloss. Er sprach sich für politische, aber nicht gesellschaftliche Abstinenz des Christen aus: „Wir leben in einem Haus, dessen Grundfesten wir nicht gebaut haben, dessen tragende Fundamente wir sogar für falsch halten. Dieses Haus bleibt uns ein fremdes Haus. Wir leben nicht nur kirchlich in der Diaspora, sondern auch staatlich.“

Eine gewisse Bedeutung erhielt Bischof Spülbeck während des Zweiten Vatikanischen Konzils, an dem er von 1962 bis 1965 teilnahm und Mitglied der Liturgiekommission war. Ihm eilte der Ruf als „Atombischof von Bautzen“ voraus, weil er als einziger Bischof der Welt für die seinerzeit heiß diskutierte Frage der Atombombe war. Die Beschlüsse des Konzils - 1969/1970 war er Präsident der Synode in Meißen – versuchte er in seinem Bistum ab 1965 als einer der ersten umzusetzen. Er erlitt während der Heimfahrt von der Frauenwallfahrt in Wechselberg am 21.6.1970 einen Herzinfarkt und starb daran noch am gleichen Tag. Bestattet wurde Otto Spülbeck auf dem Nikolaikirchhof in Bautzen.

 

Werke

Der Christ und das Weltbild der modernen Naturwissenschaft. 6 Vorträge über Grenzfragen aus Physik und Biologie, Berlin 1948.

Vom Werden des Weltalls, Berlin 1950.

Georg Trexler (Bearbeiter): Liturgie und Kirchenmusik. Tagung für katholische Kirchenmusik in Leipzig, Leipzig 1952.

Unsere Sorge der Mensch, unser Heil der Herr. Festrede zur Eröffnung des 78. Deutschen Katholikentages Berlin 1958, Berlin 1958.

Zur Begegnung von Naturwissenschaft und Theologie, Einsiedeln 1969.

Grenzfragen zwischen Naturwissenschaft und Glaube, München 1970.

 

Literatur

Bulang, Heinrich (Hg.), Unum in veritate et laetitia. Bischof Dr. Otto Spülbeck zum Geburtstag, Leipzig 1970.

Grande, Dieter/Straube, Peter-Paul, Die Synode des Bistums Meißen 1969–1971, Leipzig 2005.

Gülden, Josef, Eins in der Wahrheit und der Freude. Bischof Otto Spülbeck von Meissen zum Gedächtnis, Leipzig 1970.

März, Christian, Otto Spülbeck. Ein Leben für die Diaspora, Leipzig 2010.

Schäfer, Bernd, Staat und katholische Kirche in der DDR, Köln 1998.

 

6.9.2011
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Helmut Müller-Enbergs (Berlin) 
 

       
 

       
 
 Otto Spülbeck (Bildvergrößerung öffnet in neuem Fenster, 44KB)

Otto Spülbeck, Porträtfoto. (Privatbesitz / CC-BY-SA)