Die Geheime Staatspolizei Köln

Thomas Roth (Köln/Bonn)

Juden im Sammellager Köln-Müngersdorf, zwischen 1942 und 1944. (Archiv der Synagogen-Gemeinde Köln)

1. Organisatorische Grundlagen

Die Ge­hei­me Staats­po­li­zei in Köln ge­hör­te zu den wich­tigs­ten Ak­teu­ren des NS-Ter­rors im Rhein­land. Sie war nicht nur für die Zer­schla­gung des Wi­der­stan­des und die Um­set­zung der Ras­sen­po­li­tik ver­ant­wort­lich, son­dern trug durch die Über­wa­chung der Be­völ­ke­rung, die Un­ter­drü­ckung von Sys­tem­kri­tik und die Ver­fol­gung un­an­ge­pass­ten Ver­hal­tens zur For­mie­rung der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen "Volks­ge­mein­schaft" bei.

Ih­re Ur­sprün­ge hat­te die Köl­ner Ge­sta­po – wie die meis­ten Staats­po­li­zei­dienst­stel­len – in der Po­li­ti­schen Po­li­zei der Wei­ma­rer Re­pu­blik, ei­ner Ab­tei­lung der Kri­mi­nal­po­li­zei, die für die Über­wa­chung und Ver­fol­gung von Ex­tre­mis­ten zu­stän­dig war. Die Ver­wand­lung die­ses re­pu­bli­ka­ni­schen Staats­schut­zes in die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Staats­po­li­zei ging 1933 rasch von­stat­ten. "Un­er­wünsch­te" Be­am­te wur­den auf Be­trei­ben der neu­en Macht­ha­ber be­reits in den ers­ten Mo­na­ten des NS-Re­gimes ver­setzt; in Köln traf es An­hän­ger der ka­tho­li­schen Zen­trums-Par­tei wie den Lei­ter der Köl­ner Po­li­ti­schen Po­li­zei Gus­tav Theu­ring (1893-1981) oder den Kri­mi­nal­kom­mis­sar Hu­go Brü­cken­haus (1890-1949), der vor 1933 mehr­fach ge­gen Köl­ner Na­tio­nal­so­zia­lis­ten er­mit­telt hat­te. Da die NS-Par­tei kaum über ei­ge­ne Fach­leu­te ver­füg­te, wur­den je­doch nicht we­ni­ge der Staats­schutz­be­am­ten über­nom­men, nicht zu­letzt je­ne, die vor 1933 ge­gen die Kom­mu­nis­ten vor­ge­gan­gen wa­ren. Ei­ne en­ge Ver­klam­me­rung von Staats­schutz und NS-Be­we­gung war oh­ne­hin von Be­ginn an ge­ge­ben: So stell­te die preu­ßi­sche Po­li­zei­füh­rung der Po­li­ti­schen Po­li­zei ab Fe­bru­ar 1933 für meh­re­re Mo­na­te ei­ne Hilfs­po­li­zei aus SA, SS und Stahl­helm an die Sei­te, wäh­rend der Köl­ner Po­li­zei­prä­si­dent An­ge­hö­ri­ge des NS­DAP-Nach­rich­ten­diens­tes als "Hilfs­be­am­te" für die Ver­fol­gung von "Staats­fein­den" re­kru­tier­te.

 

Mit den Ge­sta­po­ge­set­zen von April und No­vem­ber 1933 wur­de die Köl­ner Po­li­ti­sche Po­li­zei zur Ge­hei­men Staats­po­li­zei um­ge­wan­delt und aus der in­ne­ren Ver­wal­tung her­aus­ge­löst, so dass sie weit­ge­hend un­ab­hän­gig vom Po­li­zei- oder Re­gie­rungs­prä­si­den­ten agie­ren konn­te. Die Richt­li­ni­en und ent­schei­den­den Di­rek­ti­ven für die staats­po­li­zei­li­che Ar­beit ka­men nun aus dem 1933 in Ber­lin ein­ge­rich­te­ten Ge­hei­men Staats­po­li­zei­amt (Ge­sta­pa). Es un­ter­stand seit 1936 dem Chef der Si­cher­heits­po­li­zei und des SD Rein­hard Heyd­rich (1904-1942) so­wie dem Reichs­füh­rer SS und Chef der deut­schen Po­li­zei Hein­rich Himm­ler (1900-1945) und wur­de 1939 als Amt IV in das neu ge­grün­de­te Reichs­si­cher­heits­haupt­amt über­führt. Auf­sichts­funk­tio­nen soll­te auch die für die Rhein­pro­vinz zu­stän­di­ge Staats­po­li­zei­leit­stel­le in Ko­blenz (1936-1939) be­zie­hungs­wei­se Düs­sel­dorf (ab 1939) wahr­neh­men; meist er­hielt die Köl­ner Ge­sta­po ih­re An­wei­sun­gen aber di­rekt von der Ber­li­ner Zen­tra­le.

Die Köl­ner Staats­po­li­zei­stel­le war für die Stadt und den um­lie­gen­den Re­gie­rungs­be­zirk zu­stän­dig und da­mit für über 1,5 Mil­lio­nen Men­schen. Wäh­rend des Krie­ges er­wei­ter­te sie ih­ren Zu­stän­dig­keits­be­reich um den Re­gie­rungs­be­zirk Aa­chen und das an­nek­tier­te Eu­pen-Malme­dy (1942/1943); Au­ßen­dienst­stel­len in Bonn (1938), Aa­chen (1942) oder Au­ßen­pos­ten in Sieg­burg und Gum­mers­bach (1944) un­ter­stri­chen ih­ren re­gio­na­len Herr­schafts­an­spruch.

Über- und untergeordnete Instanzen der Gestapostelle Köln, 1944.

 

Da man die­sem An­spruch nicht mit den cir­ca 30 Be­am­ten der frü­he­ren Po­li­ti­schen Po­li­zei ge­recht wer­den konn­te, wur­de die Köl­ner Ge­sta­po per­so­nell auf­ge­stockt. Durch Über­nah­men aus an­de­ren Po­li­zei­zwei­gen und Neu­ein­stel­lun­gen wuchs die Zahl der Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten bis En­de der 1930er Jah­re auf über 100. Hin­zu ka­men 20-30 Per­so­nen für die tech­ni­schen Diens­te, Pfört­ner, Fah­rer, Schreib­kräf­te und Te­le­fo­nis­tin­nen, Dol­met­scher, Haus­meis­ter und Putz­frau­en, so­wie min­des­tens eben­so vie­le Mit­ar­bei­ter in Au­ßen­dienst­stel­len und -pos­ten.

Die Ver­selbst­stän­di­gung und der Per­so­nal­zu­wachs der Staats­po­li­zei führ­ten auch zu räum­li­chen Ver­än­de­run­gen. Die Köl­ner Ge­sta­po ver­ließ ih­ren Dienst­sitz im Po­li­zei­prä­si­di­um an der Krebs­gas­se und be­zog En­de 1935 schlie­ß­lich ein ge­ra­de er­rich­te­tes Wohn- und Ge­schäfts­haus an der Ecke Ap­pell­hof­platz/Eli­sen­stra­ße, das sie von dem Köl­ner Kauf­mann Leo­pold Dah­men ge­mie­tet und nach ei­ge­nen Vor­stel­lun­gen um­ge­baut hat­te. Die­ses so ge­nann­te EL-DE-Haus lag in der Köl­ner In­nen­stadt, un­weit an­de­rer wich­ti­ger NS-Be­hör­den und lo­ka­ler Herr­schafts­or­te, wie dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um, dem am Ap­pell­hof­platz sit­zen­den Köl­ner Land­ge­richt oder dem am Han­sa­ring ge­le­ge­nen Ge­fäng­nis Klin­gel­pütz, und re­prä­sen­tier­te den staats­po­li­zei­li­chen Macht­an­spruch fast un­un­ter­bro­chen bis März 1945.

Das EL-DE-Haus, Sitz der Kölner Gestapo von 1935-1945. (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

 

2. Machtmittel und Personal

Wie sich an der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Er­wei­te­rung der Köl­ner Ge­sta­po zeigt, griff die Ge­sta­po von Be­ginn an weit über den Auf­ga­ben­be­reich der frü­he­ren Po­li­ti­schen Po­li­zei hin­aus. Seit der Macht­über­nah­me ging es nicht nur um "Staats­schutz" im kon­ven­tio­nel­len Sin­ne; die Ge­sta­po hat­te die Auf­ga­be, al­le "staats­ge­fähr­li­chen po­li­ti­schen Be­stre­bun­gen" zu er­for­schen und zu be­kämp­fen und al­le Hand­lun­gen zu ver­fol­gen, die die "Le­bens­kraft" des deut­schen Vol­kes und den Zu­sam­men­halt der "Volks­ge­mein­schaft" ge­fähr­de­ten. Die­ser An­spruch ei­ner um­fas­send zu­stän­di­gen "völ­ki­schen" Po­li­zei spie­gel­te sich deut­lich in den Dienst­plä­nen der Köl­ner Ge­sta­pos­tel­le, die seit 1936 nach Vor­ga­ben und Mus­tern der Ber­li­ner Zen­tra­le ge­stal­tet und be­stän­dig er­wei­tert wur­den. Ne­ben ei­ner Ab­tei­lung für Or­ga­ni­sa­ti­on, Ver­wal­tung und Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten, ei­ner Ab­tei­lung "Ab­wehr", die für po­li­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten von Aus­län­dern, Spio­na­ge und nach­rich­ten­dienst­li­che Er­mitt­lun­gen ver­ant­wort­lich war, gab es die so ge­nann­te Exe­ku­tiv-Ab­tei­lung (ab 1939: "Geg­ner­er­for­schung und -be­kämp­fung"). Die­se war für die Ver­fol­gung von Kom­mu­nis­ten und So­zi­al­de­mo­kra­ten zu­stän­dig, für die Über­wa­chung der Kir­chen und die Er­fas­sung und Dis­kri­mi­nie­rung der jü­di­schen Be­völ­ke­rung; sie be­ob­ach­te­te das Ver­eins­we­sen, sich­te­te Pres­se­er­zeug­nis­se und kon­trol­lier­te Film­vor­füh­run­gen, Rund­funk oder Kunst­ver­an­stal­tun­gen; sie hat­te rechts­kon­ser­va­ti­ve und deutsch­na­tio­na­le Grup­pie­run­gen zu be­ob­ach­ten und Ver­feh­lun­gen in den Rei­hen der NS-Par­tei zu re­gu­lie­ren; da­zu ka­men die Kon­trol­le der Preis­be­stim­mun­gen, Roh­stoff- und De­vi­sen­be­wirt­schaf­tung, die Ver­fol­gung von Wirt­schafts­sa­bo­ta­ge und Kor­rup­ti­on oder die Über­wa­chung von Ar­beits­be­schaf­fungs­maß­nah­men, Be­trie­ben und Ar­bei­ter­schaft. In den Kriegs­jah­ren bil­de­te man neue Ar­beits­schwer­punk­te zu "Schwarz­sen­dern" und "Feind­pro­pa­gan­da", "Rund­funk­ver­bre­chen" oder "geg­ne­ri­schen Ju­gend[be]stre­bun­gen", wäh­rend sich die Ab­tei­lung "Ab­wehr" zu­neh­mend auf die Über­wa­chung der in den Köl­ner Be­zirk ver­schlepp­ten "Fremd­ar­bei­ter" kon­zen­trier­te.

Für die­se Auf­ga­ben be­ka­men die Ge­sta­po­be­am­ten ei­ne Fül­le neu­er Macht­mit­tel in die Hand. Nach der "Reichs­tags­brand­ver­ord­nung", die im Fe­bru­ar 1933 ei­nen Gro­ß­teil der Grund­rech­te au­ßer Kraft setz­te, wa­ren Be­trof­fe­ne dem Zu­griff der Ge­sta­po fast schutz­los aus­ge­lie­fert. Die Staats­po­li­zei be­weg­te sich in ei­nem weit­ge­hend rechts­frei­en Raum und un­ter­lag bald kei­ner­lei ver­wal­tungs­ge­richt­li­cher oder straf­rich­ter­li­cher Kon­trol­le mehr. Die Miss­hand­lung von Häft­lin­gen wur­de nun nicht mehr ge­ahn­det und un­ter der Be­zeich­nung "ver­schärf­te Ver­neh­mung" zu ei­nem le­gi­ti­men "Er­mitt­lungs­mit­tel". Das In­stru­ment der "Schutz­haft" er­laub­te den Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten seit 1933, will­kür­li­che Ver­haf­tun­gen vor­zu­neh­men und die Ver­schlep­pung von In­haf­tier­ten in die staat­li­chen Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger zu ver­an­las­sen. Wäh­rend der Tod der Häft­lin­ge da­bei zu­neh­mend bil­li­gend in Kauf ge­nom­men wur­de, konn­ten die lo­ka­len Ge­sta­po­be­am­ten im Zwei­ten Welt­krieg so­gar die Er­mor­dung von Ge­fan­ge­nen be­an­tra­gen, die zy­nisch so ge­nann­te "Son­der­be­hand­lung".

Abteilungen und Referate der Gestapostelle Köln, 1942.

 

Die An­wen­dung der staats­po­li­zei­li­chen Macht­mit­tel er­for­der­te Mit­ar­bei­ter, die nicht nur über po­li­zei­li­che Fä­hig­kei­ten ver­füg­ten, son­dern im Sin­ne der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Welt­an­schau­ung zu han­deln be­reit wa­ren. Die­sem Ziel dien­ten ideo­lo­gi­sche Schu­lun­gen und ei­ne Per­so­nal­po­li­tik, die auf "po­li­ti­sche Zu­ver­läs­sig­keit" und die NS-Mit­glied­schaft der Po­li­zis­ten setz­te. Be­son­de­re Be­deu­tung hat­te die Ver­klam­me­rung der Ge­sta­po mit der SS be­zie­hungs­wei­se dem SS-ei­ge­nen "Si­cher­heits­dienst" (SD), die in ge­mein­sa­men In­sti­tu­tio­nen wie dem 1939 ge­grün­de­ten "Reichs­si­cher­heits­haupt­amt", Dop­pel­mit­glied­schaf­ten oder Uni­for­men zum Aus­druck kam. Auch in der Köl­ner Ge­sta­po­dienst­stel­le wur­den Be­för­de­run­gen seit En­de der 1930er Jah­re zu­neh­mend vom Ein­tritt in die SS oder dem Aus­tritt der Kir­che ab­hän­gig ge­macht, wäh­rend die Zahl der SS-An­ge­hö­ri­gen un­ter den Mit­ar­bei­tern kon­ti­nu­ier­lich zu­nahm. Die staats­po­li­zei­li­che Ar­beit stand un­ter dem Leit­bild ei­nes na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen "Staats­schutz­korps", das Kom­pe­tenz mit welt­an­schau­li­cher Über­zeu­gung und kom­pro­miss­lo­sem Han­deln ver­band.

An­ders als das Bild vom ge­schlos­se­nen "Staats­schutz­korps" vor­gab, war das Per­so­nal der Köl­ner Ge­sta­po je­doch he­te­ro­gen. Die per­so­nel­le Ba­sis für die Köl­ner Dienst­stel­le bil­de­ten zu­nächst äl­te­re, im Kai­ser­reich auf­ge­wach­se­ne Be­am­te mit klas­si­scher Po­li­zei­aus­bil­dung, die ei­nen Gro­ß­teil ih­rer be­ruf­li­chen Lauf­bahn in der Wei­ma­rer Re­pu­blik ab­sol­viert hat­ten, of­fen­bar aber nicht grund­le­gend von de­mo­kra­ti­schen Wer­ten ge­prägt wa­ren. Wenn sie nicht 1933 aus der Po­li­ti­schen Po­li­zei über­nom­men wur­den, stie­ßen sie im Lau­fe der 1930er Jah­re von der Köl­ner Kri­mi­nal­po­li­zei, der Schutz- oder Ver­wal­tungs­po­li­zei aus zur Ge­sta­po. Sie wa­ren we­gen ih­rer fach­li­chen Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen bei der Über­wa­chung des Links­ex­tre­mis­mus oder der Spio­na­ge­ab­wehr ge­fragt und über­nah­men be­vor­zugt kri­mi­nal­tech­ni­sche und ad­mi­nis­tra­ti­ve Auf­ga­ben. Ih­re Mit­wir­kung be­ruh­te häu­fig auf Kar­rie­re­den­ken, Ge­hor­sams­be­reit­schaft und bü­ro­kra­ti­schem Pflicht­be­wusst­sein, sie stimm­ten aber in Tei­len auch mit dem ra­di­ka­len Geg­ner­den­ken des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus über­ein. So ka­men aus die­ser Grup­pe nicht nur Or­ga­ni­sa­to­ren der lo­ka­len Ju­den­ver­fol­gung, son­dern ei­ni­ge der be­rüch­tigts­ten und ge­walt­tä­tigs­ten Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten: Jo­sef Ho­egen (1898-1973) und Fer­di­nand Küt­ter (1890-1945), die für die Ver­fol­gung kom­mu­nis­ti­scher Wi­der­stands­grup­pen und ent­flo­he­ner Zwangs­ar­bei­ter so­wie zahl­lo­se Miss­hand­lun­gen und meh­re­re Mor­de ver­ant­wort­lich wa­ren, oder Hein­rich Bro­des­ser (ge­bo­ren 1883), der als Lei­ter ei­nes "Ar­beits­er­zie­hungs­la­gers" ge­gen Kriegs­en­de mehr­fach Exe­ku­tio­nen durch­füh­ren ließ.

Vorladung zu einer Vernehmung durch die Gestapo Köln, 1941. (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

 

Zu den "alt­ge­dien­ten" Po­li­zei­be­am­ten stie­ßen im Lau­fe des NS-Re­gimes Nach­wuchs­kräf­te, die zwar eben­falls über ei­ne po­li­zei­li­che Aus­bil­dung ver­füg­ten, aber be­ruf­lich im Wer­te­sys­tem des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus so­zia­li­siert wor­den wa­ren. Hin­zu ka­men "Sei­ten­ein­stei­ger", die kei­ne be­son­de­re fach­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on vor­wei­sen konn­ten, sich je­doch durch ihr En­ga­ge­ment in NS­DAP, SA oder SS emp­fah­len. Die NS-Ak­ti­vis­ten sorg­ten für en­ge Bin­dun­gen zwi­schen Ge­sta­po und lo­ka­len Par­tei­ein­hei­ten und er­höh­ten den ideo­lo­gi­schen An­pas­sungs­druck in der Be­hör­de. An der fort­lau­fen­den Bru­ta­li­sie­rung der Köl­ner Ge­sta­po-Pra­xis wa­ren sie ma­ß­geb­lich be­tei­ligt – ob als An­ge­hö­ri­ge ei­nes 1933 ge­bil­de­ten "Prü­gel­kom­man­dos", das durch Fol­ter ver­haf­te­te Kom­mu­nis­ten zu be­las­ten­den Aus­sa­gen zwang, oder als Mit­glie­der der 1944/1945 ein­ge­rich­te­ten "Son­der­kom­man­dos", die mit ex­tre­mer Ge­walt ge­gen die in Köln le­ben­den "Il­le­ga­len" vor­gin­gen.

Das Lei­tungs­per­so­nal der Köl­ner Ge­sta­po, das mit der Pla­nung und Ver­wal­tung des Ter­rors be­fasst war, setz­te sich aus durch­schnitt­lich et­wa 35 Jah­re al­ten Män­nern aus der Mit­tel­schicht zu­sam­men. Als An­ge­hö­ri­ge der "Kriegs­ju­gend­ge­ne­ra­ti­on" hat­ten sie sich an­ge­sichts der Kriegs­nie­der­la­ge 1918 und der ge­sell­schaft­li­chen Kri­sen in der Wei­ma­rer Re­pu­blik be­reits weit vor 1933 rechts­ex­tre­men Po­si­tio­nen und Ver­bän­den zu­ge­wandt. Sie hat­ten meist Rechts­wis­sen­schaf­ten stu­diert, nicht sel­ten pro­mo­viert und ver­ban­den auf be­son­de­re Wei­se fach­li­ches In­ter­es­se, be­ruf­li­chen Ehr­geiz und ra­di­ka­le welt­an­schau­li­che Po­si­tio­nen. Da die Ge­sta­po­füh­rung auf die Fle­xi­bi­li­tät des staats­po­li­zei­li­chen Füh­rer­korps Wert leg­te, wech­sel­te die Lei­tung der Köl­ner Ge­sta­po häu­fig. Von den neun Köl­ner Dienst­stel­len­lei­tern blie­ben ei­ni­ge we­ni­ge Mo­na­te, an­de­re über drei Jah­re in der Stadt. Ih­re Kar­rie­re führ­te sie meist auch in die Zen­tra­len des Ter­rors in Ber­lin, in neue Dienst­stel­len der be­setz­ten Ge­bie­te oder si­cher­heits­po­li­zei­li­che Ein­hei­ten hin­ter der Front. Auf die­se Wei­se wa­ren al­le Köl­ner Ge­sta­po­chefs ma­ß­geb­lich an der NS-Be­sat­zungs­po­li­tik und dem na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­nich­tungs­krieg be­tei­ligt. Der 1906 ge­bo­re­ne Ernst Is­sel­horst (hin­ge­rich­tet 1948) wech­sel­te 1939 von der Köl­ner Dienst­stel­le zur Mün­che­ner Ge­sta­po, be­vor er 1942/1943 an Ein­satz­grup­pen­mor­den in Wei­ß­russ­land und der Ukrai­ne mit­wirk­te. Da­nach war er auf Füh­rungs­po­si­tio­nen der Si­cher­heits­po­li­zei in Minsk, Strass­burg und Stutt­gart tä­tig, um schlie­ß­lich 1945 Ab­tei­lungs­lei­ter im Reichs­si­cher­heits­haupt­amt zu wer­den. Is­sel­horsts Nach­fol­ger in Köln, der 1909 ge­bo­re­ne Kurt Lisch­ka (ge­stor­ben 1989), or­ga­ni­sier­te vom Ge­hei­men Staats­po­li­zei­amt und den Dienst­stel­len der Si­cher­heits­po­li­zei im be­setz­ten Frank­reich aus die Ver­fol­gung und De­por­ta­ti­on der jü­di­schen Be­völ­ke­rung. Und der 1900 ge­bo­re­ne Ema­nu­el Schä­fer (ge­stor­ben 1974), der En­de 1940 Lisch­ka als Köl­ner Ge­sta­po­chef ab­lös­te, war an Un­ter­drü­ckungs- und Mord­ak­tio­nen ge­gen die pol­ni­sche Be­völ­ke­rung (1939/1940) be­tei­ligt. 1942 wech­sel­te er von der Köln Dienst­stel­le auf den Pos­ten des Be­fehls­ha­bers der Si­cher­heits­po­li­zei und des SD in Ser­bi­en, wo er für die Er­mor­dung von Tau­sen­den Ju­den so­wie Sin­ti und Ro­ma ver­ant­wort­lich war.

3. Arbeitsweise und Kooperationspartner

Die Ge­sta­po war kei­nes­wegs "all­mäch­tig" und all­ge­gen­wär­tig, sie ent­fal­te­te aber ei­ne ho­he Ef­fek­ti­vi­tät bei der Durch­set­zung ih­rer Zie­le. Das lag un­ter an­de­rem am Zu­sam­men­spiel ver­schie­de­ner Mit­ar­bei­ter­ty­pen und Ar­beits­wei­sen, an der Kom­bi­na­ti­on von tra­di­tio­nel­ler po­li­zei­li­cher Er­mitt­lungs­ar­beit, bü­ro­kra­ti­scher Ge­nau­ig­keit und Ziel ge­rich­te­ter Bru­ta­li­tät. Die Köl­ner Ge­sta­po agier­te als Po­li­zei, die die Geg­ner des NS-Re­gimes mit Raz­zi­en und Fahn­dun­gen, kri­mi­na­lis­ti­schen Ver­fah­ren, er­kenn­dungs­dienst­li­chen Mit­teln und Ver­hö­ren "ding­fest" mach­te; sie trat als Be­hör­de auf, die Ver­fol­gungs­ak­tio­nen akri­bisch or­ga­ni­sier­te und da­bei viel­fach auf bü­ro­kra­ti­sche Rou­ti­nen, Ver­wal­tungs­tech­ni­ken, Per­so­nen­ak­ten oder Kar­tei­en aus der Zeit vor 1933 zu­rück­griff. Die­se Tä­tig­kei­ten wa­ren aber stets mit Ge­walt als zen­tra­lem Ele­ment staats­po­li­zei­li­cher Tä­tig­keit ver­knüpft: der Fol­te­rung von Ge­fan­ge­nen, der De­mü­ti­gung und Be­dro­hung von Ver­haf­te­ten und der will­kür­li­chen Fest­set­zung und Ver­schlep­pung in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger. Dies spie­gel­te sich auch in der Struk­tur des Köl­ner Ge­stap­o­haupt­quar­tiers im EL-DE-Haus. Es war ei­ner­seits ein Bü­ro­ge­bäu­de, in dem die Be­am­ten vom Schreib­tisch aus die Ver­fol­gung mit den Me­tho­den der Ver­wal­tung or­ga­ni­sier­ten. An­de­rer­seits war es ein Ort, an dem der phy­si­sche Ter­ror stets ge­gen­wär­tig war. Das galt nicht nur für die Ver­neh­mungs­zim­mer, son­dern für den Ge­fäng­nis­trakt im Kel­ler des Hau­ses. In den dort in­stal­lier­ten zehn Zel­len wa­ren im Lau­fe des „Drit­ten Rei­ches“ wohl meh­re­re Tau­send Men­schen in­haf­tiert, meist für Ta­ge, häu­fig für meh­re­re Wo­chen, in drang­vol­ler En­ge, un­ter mi­se­ra­blen hy­gie­ni­schen Be­din­gun­gen, oft von Miss­hand­lung be­droht und im Un­kla­ren dar­über, was die Ge­sta­po mit ih­nen vor­hat­te.

Die Kölner Gestapo fordert Amtshilfe der Schutzpolizei bei der Beschlagnahmung oppositioneller Schriften und Verhaftungen. (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

 

Die staats­po­li­zei­li­che Fol­ter, die vor al­lem Köl­ner Kom­mu­nis­ten und So­zia­lis­ten so­wie die ge­gen En­de des Krie­ges in­haf­tier­ten "Fremd­ar­bei­ter" traf, de­mo­ra­li­sier­te und trau­ma­ti­sier­te die meis­ten Be­trof­fe­nen. Zwar ge­lang es man­chem Ver­haf­te­ten, sich den staats­po­li­zei­li­chen Ver­däch­ti­gun­gen und Vor­wür­fen zu ent­zie­hen. Durch Miss­hand­lun­gen und Dro­hun­gen wa­ren die  Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten je­doch viel­fach in der La­ge, Ge­ständ­nis­se zu er­zwin­gen, den Wi­der­stands­wil­len der Ge­fan­ge­nen zu bre­chen und op­po­si­tio­nel­le Netz­wer­ke auf­zu­de­cken. Die Ge­sta­po-Ge­walt ziel­te aber auch auf die Ein­schüch­te­rung von An­ge­hö­ri­gen der In­haf­tier­ten und die wei­te­re Be­völ­ke­rung. Wenn sich be­reits 1933 Be­rich­te über To­des­fäl­le im Köl­ner Po­li­zei­prä­si­di­um ver­brei­te­ten und spä­ter auf der Stra­ße vor dem EL-DE-Haus die Schreie von Ge­fol­ter­ten zu hö­ren wa­ren, war dies durch­aus im Sin­ne der Staats­po­li­zei, die kei­nes­wegs völ­lig im Ge­hei­men ar­bei­te­te, son­dern an der Ver­brei­tung ei­nes be­stimm­ten Schreck­bil­des in­ter­es­siert war.

Die Ef­fek­ti­vi­tät der Staats­po­li­zei be­ruh­te auch auf zahl­rei­chen Un­ter­stüt­zern und Hel­fers­hel­fern. Nach­dem schon in Köln auf je­den Ge­sta­po­be­am­ten et­wa 7.500 Ein­woh­ner ka­men, war man auf die Ko­ope­ra­ti­on an­de­rer Ver­fol­gungs­in­stan­zen un­be­dingt an­ge­wie­sen. Das Ver­hält­nis der Sta­po­be­am­ten zur lo­ka­len NS­DAP oder SA war zwar nicht im­mer span­nungs­frei; bei der Be­ob­ach­tung der Be­völ­ke­rung und der Ter­ro­ri­sie­rung von po­li­ti­schen Geg­nern zog man aber meist an ei­nem Strang. Min­des­tens eben­so wich­tig wa­ren die Dienst­stel­len der Köl­ner Schutz- und Kri­mi­nal­po­li­zei, die mit ih­ren zu­nächst knapp 2.500 Be­am­ten in der Stadt und im All­tag der "Volks­ge­nos­sen" un­gleich prä­sen­ter wa­ren als ih­re Kol­le­gen von der Ge­sta­po. Sie be­schlag­nahm­ten il­le­ga­le Schrif­ten, be­ob­ach­te­ten Ver­samm­lun­gen, hal­fen bei der Re­gis­trie­rung der jü­di­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, set­zen die Ge­sta­po in Kennt­nis, wenn sie von "staats­ge­fähr­li­chem" Ver­hal­ten er­fuh­ren und stell­ten Per­so­nal für be­son­de­re Ver­fol­gungs­ak­tio­nen. Auch die Kom­mu­nal- und Ar­beits­ver­wal­tung, die Dienst­stel­len der NS­DAP oder Köl­ner In­dus­trie­be­trie­be be­lie­fer­ten die Staats­po­li­zei mit In­for­ma­tio­nen, wäh­rend im Köl­ner Um­land die Kreis- und Orts­po­li­zei­be­hör­den als Vor­pos­ten fun­gier­ten. Die Jus­tiz wand­te sich wie­der­holt ge­gen die Ei­gen­mäch­tig­kei­ten der Ge­sta­po­be­am­ten, griff bei der Ab­ur­tei­lung von Re­gime­geg­nern aber meist oh­ne Zö­gern auf de­ren Er­mitt­lungs­er­geb­nis­se zu­rück.

Auch V-Leu­te oder Spit­zel – im Lau­fe der NS-Zeit wohl meh­re­re Hun­dert – wur­den von der Köl­ner Staats­po­li­zei re­kru­tiert. Vor al­lem in kom­mu­nis­ti­schen Wi­der­stands­krei­sen, den seit Kriegs­be­ginn ein­ge­rich­te­ten Zwangs­ar­bei­ter­la­gern oder dem ka­tho­li­schen Mi­lieu setz­te man Spit­zel ein, die mit­un­ter aus ideo­lo­gi­scher Über­zeu­gung, we­gen  Ver­güns­ti­gun­gen, aber auch un­ter mas­si­vem po­li­zei­li­chen Druck tä­tig wur­den. Wäh­rend V-Leu­te vor al­lem ge­eig­net wa­ren, um re­la­tiv ab­ge­schot­te­te Mi­lieus auf­zu­bre­chen, war man bei der Über­wa­chung der brei­ten Be­völ­ke­rung und der Durch­leuch­tung pri­va­ter Räu­me auf die Un­ter­stüt­zung von de­nun­zia­ti­ons­be­rei­ten "Volks­ge­nos­sen" an­ge­wie­sen. So­zia­le Kon­flik­te, pri­va­te In­ter­es­sen und po­li­ti­sche Über­zeu­gun­gen sorg­ten für ei­nen stän­di­gen In­for­ma­ti­ons­fluss: So schwärz­ten ge­schie­de­ne Ehe­leu­te ih­re frü­he­ren Part­ner we­gen "ju­den­freund­li­chen Ver­hal­tens" an; Nach­bar­schafts­strei­tig­kei­ten wur­den auf die Spit­ze ge­trie­ben, in­dem man ei­nen Kon­tra­hen­ten des Ab­hö­rens "feind­li­cher Rund­funk­sen­der" be­schul­dig­te; und wer im Be­trieb über den Kriegs­ver­lauf klag­te, konn­te "heim­tü­cki­scher Äu­ße­run­gen" be­zich­tigt wer­den. Die Ge­sta­po­be­am­ten hat­ten es oft mit fal­schen und über­trie­be­nen An­schul­di­gun­gen zu tun; nichts­des­to­trotz ging in man­chen Tä­tig­keits­be­rei­chen der Gro­ß­teil (50-80 Pro­zent) der staats­po­li­zei­li­chen Er­mitt­lun­gen auf Straf­an­zei­gen von "Volks­ge­nos­sen" zu­rück. Das Ver­hält­nis zwi­schen Köl­ner Ge­sta­po und städ­ti­scher Ge­sell­schaft war von Ter­ror und Ein­schüch­te­rung, aber auch von De­nun­zia­ti­ons­an­ge­bo­ten und po­pu­lä­rer Un­ter­stüt­zung ge­prägt.

4. Die Tätigkeit der Geheimen Staatspolizei in den 1930er Jahren

Die ers­ten Op­fer der Köl­ner Staats­po­li­zei wa­ren die Kom­mu­nis­ten und So­zia­lis­ten, da­ne­ben So­zi­al­de­mo­kra­ten und An­ge­hö­ri­ge der Frei­en Ge­werk­schaf­ten. Der An­griff auf die Ein­rich­tun­gen der lin­ken Ar­bei­ter­be­we­gung, her­aus­ge­ho­be­ne Ver­tre­ter der Wei­ma­rer So­zi­al­de­mo­kra­tie und das po­li­ti­sche Be­zie­hungs­ge­flecht in den kom­mu­nis­tisch oder so­zi­al­de­mo­kra­tisch ge­präg­ten Stadt­vier­teln be­gann un­mit­tel­bar nach der Macht­über­nah­me. Zu ver­schärf­ten Über­wa­chungs­maß­nah­men ka­men Ver­samm­lungs-, Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Zei­tungs­ver­bo­te ("So­zia­lis­ti­sche Re­pu­blik", "Rhei­ni­sche Zei­tung" usw.), Ver­eins­schlie­ßun­gen, Durch­su­chun­gen und Be­schlag­nah­mun­gen von Li­te­ra­tur, Flug­blät­tern, Druck­ma­schi­nen, il­le­ga­len Schrif­ten, Pa­pie­ren und ge­le­gent­lich Waf­fen. Seit dem Reichs­tags­brand, in des­sen Fol­ge bin­nen we­ni­ger Wo­chen Hun­der­te von Kom­mu­nis­ten und So­zia­lis­ten aus dem Köl­ner Re­gie­rungs­be­zirk in "Schutz­haft" ge­nom­men wur­den, un­ter­la­gen Funk­tio­nä­re und An­ge­hö­ri­ge links­op­po­si­tio­nel­ler Grup­pen ei­nem per­ma­nen­ten Ver­fol­gungs­druck. Kam es 1933 an man­chen Ta­gen zu deut­lich mehr als 100 Fest­nah­men we­gen po­li­ti­scher Ver­ge­hen, so mel­de­te die Köl­ner Ge­sta­po 1934 et­wa 100, 1935/1936 rund 50 In­haf­tie­run­gen im Mo­nat. Bis 1937 kam es jähr­lich zu meh­re­ren grö­ße­ren Ver­fol­gungs­wel­len ge­gen So­zia­lis­ten und Kom­mu­nis­ten, die sich trotz schwe­rer staats­po­li­zei­li­cher Schlä­ge im­mer wie­der um den Wie­der­auf­bau ih­rer Wi­der­stands­or­ga­ni­sa­ti­on be­müh­ten. Die Ver­haf­tungs­ak­tio­nen, die ne­ben der KPD, dem Kom­mu­nis­ti­schen Ju­gend­ver­band, der Ro­ten Hil­fe und Re­vo­lu­tio­nä­ren Ge­werk­schafts­op­po­si­ti­on auch die Kom­mu­nis­ti­sche Par­tei Deutsch­lands (Op­po­si­ti­on) (KPO), den In­ter­na­tio­na­len So­zia­lis­ti­schen Kampf­bund (ISK), die So­zia­lis­ti­sche Ar­bei­ter­par­tei (SAP), so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Wi­der­stands­krei­se oder ei­ne Grup­pe des frü­he­ren Ein­heits­ver­ban­des der Ei­sen­bah­ner Deutsch­lands tra­fen, grif­fen auch weit über die Stadt­gren­zen, nach Bonn, in den Aa­che­ner Raum oder das nörd­li­che Rhein­land hin­aus.

Ein Gro­ß­teil der ver­haf­te­ten Links­op­po­si­tio­nel­len wur­de län­ge­re Zeit un­ter wie­der­keh­ren­den staats­po­li­zei­li­chen Ver­hö­ren im Haus­ge­fäng­nis der Ge­sta­po, im Köl­ner Ge­fäng­nis Klin­gel­pütz oder Schutz­haft­ein­rich­tun­gen in und au­ßer­halb der Stadt (Bon­ner Wall, Brau­wei­ler) ein­ge­sperrt. Die Er­mitt­lun­gen mün­de­ten häu­fig in straf­recht­li­che Ver­ur­tei­lun­gen we­gen "Vor­be­rei­tung zum Hoch­ver­rat" – wo­bei die zu­stän­di­gen Rich­ter (der Köl­ner Jus­tiz, des Ober­lan­des­ge­richts Hamm oder des Ber­li­ner Volks­ge­richts­hofs) schon mal dar­über hin­weg­sa­hen, dass die Ge­sta­po be­las­ten­de Aus­sa­gen durch Fol­ter er­presst hat­te. Ge­gen En­de der 1930er Jah­re wa­ren min­des­tens 700 Köl­ner Kom­mu­nis­ten und So­zia­lis­ten zu lang­jäh­ri­gen Zucht­haus­stra­fen ver­ur­teilt wor­den, 2.-3.000 aus Köln und Um­ge­bung ka­men im Lau­fe des NS-Re­gimes durch das Zu­tun der ört­li­chen Ge­sta­po in Haft­an­stal­ten und Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger – und dort nicht sel­ten zu To­de.

Das Kölner NS-Blatt 'Westdeutscher Beobachter' berichtet kurz nach dem Reichstagsbrand über die ersten Massenverhaftungen Kölner Kommunisten.

 

Wäh­rend die Ge­sta­po die Struk­tu­ren des kom­mu­nis­ti­schen und links­so­zia­lis­ti­schen Wi­der­stan­des zer­stör­te, ent­wi­ckel­te sie all­mäh­lich auch im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen "Kir­chen­kampf" ei­ne tra­gen­de Rol­le. Nach­dem das NS-Re­gime im Lau­fe der 1930er Jah­re von der an­fangs zu­ge­sag­ten Ko­exis­tenz Ab­stand nahm und die Kir­chen auf ein welt­an­schau­lich an­ge­pass­tes, po­li­tisch wir­kungs­lo­ses, öf­fent­lich un­auf­fäl­li­ges "Sa­kris­teichris­ten­tum" (Ul­rich von Hehl) zu­rück­zu­drän­gen be­gann, ver­stärk­te die Staats­po­li­zei die Kon­trol­le von Geist­li­chen und Gläu­bi­gen. Das be­traf im Köl­ner Raum zu­nächst die Ka­tho­li­ken, die ein wei­tes Or­ga­ni­sa­ti­ons­netz, dich­te Mi­lieu­bin­dun­gen und aus Sicht der lo­ka­len NS-Füh­rer star­ke Vor­be­hal­te ge­gen die NS-Welt­an­schau­ung aus­ge­bil­det hat­ten. Die Köl­ner Ge­sta­po und ihr Kir­chen­re­fe­rat gin­gen da­bei in meh­rer­lei Hin­sicht se­lek­tiv vor. An­ders als im Fal­le der Kom­mu­nis­ten und So­zia­lis­ten, bei de­nen man die ge­walt­tä­ti­gen Über­grif­fe von Par­tei, SA und SS ge­bil­ligt und ge­för­dert hat­te, be­trach­te­te man of­fe­ne At­ta­cken und Pö­be­lei­en ge­gen die ka­tho­li­sche Kir­che eher skep­tisch, da man Ge­gen­re­ak­tio­nen der Gläu­bi­gen be­fürch­te­te. Ge­gen­über dem or­ga­ni­sier­ten Ka­tho­li­zis­mus zog man die Re­pres­si­ons­schrau­be al­ler­dings an: Die Ein­rich­tun­gen und Or­ga­ne der ka­tho­li­schen Ar­bei­ter- und Ju­gend­be­we­gung ("West­deut­sche Ar­bei­ter­zei­tung"/"Ket­te­ler­wacht", "Jun­ge Front"/"Mi­cha­el" usw.) wa­ren Re­pres­sio­nen aus­ge­setzt, wur­den zwi­schen 1936 und 1938 weit­ge­hend ver­bo­ten und dar­auf­hin von der Staats­po­li­zei auf­ge­löst. Kri­ti­sche Schrif­ten über die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Welt­an­schau­ung (wie die von der Köl­ner "Ab­wehr­stel­le ge­gen die na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche an­ti­christ­li­che Pro­pa­gan­da" her­aus­ge­ge­be­nen Pu­bli­ka­tio­nen) wur­den von der Köl­ner Ge­sta­po be­schlag­nahmt, grö­ße­re Zu­sam­men­künf­te und Got­tes­diens­te von Ge­sta­po­mit­ar­bei­tern kon­trol­liert oder pro­to­kol­liert. Ver­tre­ter des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus, Kir­chen­funk­tio­nä­re und Kle­ri­ker, die deut­li­cher ge­gen die NS-Ideo­lo­gie Stel­lung nah­men, muss­ten mit Ob­ser­va­tio­nen, Be­su­chen und Vor­la­dun­gen in die Ge­sta­po­zen­tra­le rech­nen. Wäh­rend es die Staats­po­li­zei­be­am­ten zu­nächst meist bei Ver­war­nun­gen, Ord­nungs­gel­dern, Lehr- oder Re­de­ver­bo­ten be­lie­ßen, ver­an­lass­ten sie bei ent­schie­de­nen Re­gime­kri­ti­kern wie dem Je­sui­ten­pa­ter Jo­sef Spie­ker (1893-1968) auch die An­ord­nung von "Schutz­haft" oder die Ab­ur­tei­lung we­gen "Kan­zel­miss­brauchs". Par­al­lel zu ver­stärk­ten Kon­trol­len so­wie punk­tu­el­len Ein­schüch­te­rungs- und Straf­ak­tio­nen ge­gen gläu­bi­ge Ka­tho­li­ken war die Ge­sta­po auch an groß an­ge­leg­ten Pro­pa­gan­da­kam­pa­gnen be­tei­ligt, mit de­nen die Kir­che in den Au­gen der üb­ri­gen "Volks­ge­nos­sen" dis­kre­di­tiert wer­den soll­te. Die zwi­schen 1935 und 1937 durch­ge­führ­ten, vor al­lem auf die ka­tho­li­schen Or­den zie­len­den Ver­fol­gungs­ak­tio­nen ge­gen "De­vi­sen­schie­ber" und "Sitt­lich­keits­ver­bre­cher" wur­den je­doch zen­tral ge­steu­ert und von Son­der­ein­hei­ten ge­tra­gen, so dass das Kir­chen­re­fe­rat der Köl­ner Ge­sta­po hier nur ei­ne un­ter­stüt­zen­de Rol­le spiel­te.

An­de­re christ­li­che Ge­mein­schaf­ten zo­gen nicht so viel staats­po­li­zei­li­che Auf­merk­sam­keit auf sich. Das lag an der Ver­tei­lung der Kon­fes­sio­nen: Wäh­rend 1933 et­wa 20 Pro­zent der Be­völ­ke­rung des Re­gie­rungs­be­zirks der evan­ge­li­schen Kir­che zu­zu­rech­nen wa­ren, zähl­te die Köl­ner Grup­pe der Erns­ten Bi­bel­for­scher ("Zeu­gen Je­ho­vas") An­fang der 1930er Jah­re nur cir­ca 130 Mit­glie­der. Zu­dem sah die Ge­sta­po auf­grund des Wir­kens der "Deut­schen Chris­ten" im evan­ge­li­schen Be­reich ei­ne deut­lich ge­rin­ge­re Ge­fahr für das Re­gime als im ka­tho­li­schen Mi­lieu. Die staats­po­li­zei­li­chen In­stru­men­te wur­den so­mit nur ge­gen Ein­zel­ne ein­ge­setzt, die sich deut­li­cher dem na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Herr­schafts­an­spruch wi­der­setz­ten, sei es durch Rund­schrei­ben, Ver­samm­lun­gen oder die Aus­bil­dung von Hilfs­pre­di­gern für die "Be­ken­nen­de Kir­che" (wie im Fal­le des Pfar­rers Hans Encke [1896-1976]), sei es durch öf­fent­li­che Kri­tik an der NS-Ideo­lo­gie und der "Gleich­schal­tung" der Kir­che (wie im Fal­le des Pas­tors Ge­org Frit­ze [1874-1939]). Die Zeu­gen Je­ho­vas, die ab 1935 reichs­weit ver­bo­ten wa­ren, ge­gen­über den For­de­run­gen des NS-Re­gimes nach Ein­glie­de­rung in die "Volks­ge­mein­schaft" aber kon­se­quent an ih­rer Glau­bens­auf­fas­sung fest­hiel­ten, wur­den hin­ge­gen be­son­ders scharf ver­folgt. Na­he­zu al­le ak­ti­ven Köl­ner Bi­bel­for­scher un­ter­la­gen ab 1933 staats­po­li­zei­li­chen Re­pres­sio­nen und Er­mitt­lun­gen, Haft- und Zucht­haus­stra­fen so­wie Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger­ein­wei­sun­gen.

Juden im Sammellager Köln-Müngersdorf, zwischen 1942 und 1944. (Archiv der Synagogen-Gemeinde Köln)

 

Zu den Ar­beits­schwer­punk­ten der Köl­ner Ge­sta­po zähl­te ne­ben der Ver­fol­gung des Ar­bei­ter­wi­der­stan­des und der Un­ter­drü­ckung von Für­spre­chern ei­ner ei­gen­stän­di­gen Kir­che die For­mung der "Volks­ge­mein­schaft" und Kon­trol­le der öf­fent­li­chen Mei­nung. Da­bei ging es nicht bloß um kom­mu­nis­ti­sche Flug­schrif­ten und glau­bens­fes­te Pre­dig­ten, son­dern um das gan­ze Spek­trum all­täg­li­cher Un­muts­be­kun­dun­gen. Die Köl­ner Staats­po­li­zei­be­am­ten führ­ten seit 1933 et­wa 1.000 Er­mitt­lungs­ver­fah­ren we­gen "heim­tü­cki­scher Äu­ße­run­gen" durch – sei­en es Schimp­fe­rei­en und Knei­pen­ge­re­de über die NS-Füh­rung, öf­fent­li­che Kla­gen über die Wirt­schafts- und So­zi­al­po­li­tik der Re­gie­rung, Be­schwer­den über das selbst­herr­li­che Auf­tre­ten und "Bon­zen­tum" Köl­ner Par­tei­grö­ßen oder ab­schät­zi­ge Be­mer­kun­gen über die NS-Spen­den­samm­lun­gen oder den Hit­ler­gruß. Staats­po­li­zei­li­cher Kon­trol­le un­ter­la­gen auch un­an­ge­pass­te Ju­gend­li­che, die sich als "Na­va­jos", "Edel­wei­ßpi­ra­ten" oder ka­tho­li­sche Pfad­fin­der und "Jung­män­ner" bei Fei­ern und Fahr­ten, durch Lie­der, Klei­dung und Em­ble­me von Drill und Uni­for­mie­rung der Hit­ler-Ju­gend ab­setz­ten. Die Ge­sta­po­be­am­ten un­ter­stütz­ten die Kri­mi­nal­po­li­zei bei der Ver­fol­gung von Ho­mo­se­xu­el­len und wur­den ein­ge­schal­tet, wenn Ge­walt-, Ei­gen­tums­de­lik­te oder Se­xu­al­de­lik­te von An­ge­hö­ri­gen der NS­DAP, der HJ, SA oder SS be­kannt ge­wor­den wa­ren. Auch hier zeig­ten sie ein dif­fe­ren­zier­tes, se­lek­ti­ves Vor­ge­hen: Wäh­rend die Köl­ner Ge­sta­po bei punk­tu­el­len "Fehl­trit­ten" von "Volks­ge­nos­sen" mit Ver­war­nun­gen und ge­rin­gen Stra­fen von Sei­ten der Jus­tiz zu­frie­den war und un­an­ge­pass­te Ju­gend­li­che zu­nächst wie­der in die "Volks­ge­mein­schaft" "ein­zu­pas­sen" ver­such­te, stell­te sie bei Straf­ta­ten von NS-Ak­ti­vis­ten das gu­te Ein­ver­neh­men mit der NS-Be­we­gung oft über den staat­li­chen Straf­an­spruch: Sie ver­schlepp­te Ver­fah­ren, traf Ab­spra­chen mit den lo­ka­len NS-Füh­rern und setz­te sich bei der Jus­tiz für Ver­fah­rens­ein­stel­lun­gen ein. Wo es ih­nen ge­sell­schafts- und "stim­mungs­po­li­tisch" op­por­tun er­schien, ver­zich­te­ten die Ge­sta­po­be­am­ten be­wusst auf Ver­fol­gungs- und Straf­maß­nah­men.

Der­ar­ti­ge Zu­ge­ständ­nis­se wa­ren bei den jü­di­schen Bür­ge­rin­nen und Bür­gern Kölns aus­ge­schlos­sen. Nach­dem die po­li­ti­sche, so­zia­le und wirt­schaft­li­che Aus­gren­zung der jü­di­schen Be­völ­ke­rung zu­nächst von den NS-Or­ga­ni­sa­tio­nen vor­an­ge­trie­ben wur­de, schal­te­te sich die Ge­sta­po im Lau­fe der 1930er Jah­re im­mer stär­ker und ent­schie­de­ner in die "Ju­den­po­li­tik" ein. Sie leg­te spe­zi­el­le Kar­tei­en an und be­rich­te­te dem Ge­sta­pa in Ber­lin re­gel­mä­ßig über die Ent­wick­lung der ge­sell­schaft­li­chen und po­li­ti­schen Dis­kri­mi­nie­rung in ih­rem Be­zirk. Ab 1935 ging die Staats­po­li­zei – par­al­lel zu den an­ti­se­mi­ti­schen Hetz­kam­pa­gnen der Köl­ner NS-Par­tei – ge­gen "Ras­sen­schan­de" vor, pri­va­te und in­ti­me Be­zie­hun­gen zwi­schen jü­di­schen und nicht jü­di­schen Men­schen. Die Ge­sta­po­mit­ar­bei­ter un­ter­stüt­zen Kri­mi­nal­po­li­zei und Straf­jus­tiz bei der Ver­fol­gung und Ab­ur­tei­lung von "Ras­sen­schän­dern" und wie­sen ver­mut­lich meh­re­re Dut­zend jü­di­sche Män­ner we­gen ras­sen­po­li­tisch un­er­wünsch­ter Kon­tak­te in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger ein.

Ei­nen wei­te­ren Es­ka­la­ti­ons­schritt brach­te die "Reichs­kris­tall­nacht" im No­vem­ber 1938. Wäh­rend die Ak­teu­re der NS-Par­tei, der SA, SS und HJ die Syn­ago­gen in Brand setz­ten, jü­di­sche Ge­schäf­te zer­stör­ten und Woh­nun­gen ver­wüs­te­ten, war es Auf­ga­be der Ge­sta­po, den Ter­ror zu be­auf­sich­ti­gen und zu ka­na­li­sie­ren, "Plün­de­run­gen" und "Ein­zel­ak­tio­nen" zu un­ter­bin­den und Be­schä­di­gun­gen von nicht jü­di­schen Ge­schäf­ten so­wie un­er­wünsch­te Fo­to­auf­nah­men zu ver­hin­dern. Gleich­zei­tig soll­te sie ih­ren Teil zur Ent­eig­nung der Ju­den bei­tra­gen, et­wa in­dem sie jü­di­schen Be­sitz und Ar­chiv­ma­te­ri­al der Ge­mein­den "si­cher­stell­te" – vor al­lem in der Köl­ner Syn­ago­ge (in der Glo­cken­gas­se), die nach An­sicht des Ge­hei­men Staats­po­li­zei­am­tes in Ber­lin "be­son­ders wich­ti­ges Ma­te­ri­al" be­saß. Be­reits am Tag nach dem Po­grom lei­te­ten Ge­sta­po­mit­ar­bei­ter die Ver­haf­tung männ­li­cher Ju­den in Köln und Um­land ein. Meh­re­re hun­dert Män­ner aus der rhei­ni­schen Me­tro­po­le, dem Sieg­kreis oder dem Land­kreis Berg­heim wur­den in­haf­tiert, zu­nächst in der Ar­beits­an­stalt Brau­wei­ler ein­ge­sperrt und schlie­ß­lich per Zug in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Dach­au trans­por­tiert. Dort blie­ben sie meist meh­re­re Wo­chen und Mo­na­te; ih­re Ent­las­sung wur­de oft nur ver­an­lasst, wenn sie die Auf­ga­be ih­rer Ge­schäfts­tä­tig­keit und ei­ne ra­sche Aus­wan­de­rung nach­wie­sen.

Die sys­te­ma­ti­sche Aus­schlie­ßung jü­di­scher Bür­ge­rin­nen und Bür­ger aus der Ge­sell­schaft hat­te je­doch be­reits 14 Ta­ge vor dem No­vem­ber­po­grom be­gon­nen. Im Rah­men ei­ner reichs­wei­ten Ak­ti­on, bei der "pol­ni­sche Ju­den" fest­ge­nom­men und über die deutsch-pol­ni­sche Gren­ze ab­ge­scho­ben wur­den, hat­te die Köl­ner Ge­sta­po die Ver­haf­tun­gen im Re­gie­rungs­be­zirk ko­or­di­niert. Schät­zungs­wei­se 600 Män­ner, Frau­en und Kin­der wur­den von Po­li­zei­ein­hei­ten schlag­ar­tig ver­haf­tet und am 28. Ok­to­ber vom Bahn­hof Köln-Deutz aus ins west­pol­ni­sche Bent­schen/Zbas­zyn trans­por­tiert, wo man sie zu­nächst in ei­nem Flücht­lings­la­ger in­ter­nier­te. Für die Be­trof­fe­nen be­deu­te­te dies die Zer­stö­rung ih­rer Exis­tenz, für die be­tei­lig­ten Ge­sta­po­be­am­ten war der Trans­port ein Pro­be­lauf für die Mas­sen­de­por­ta­tio­nen der 1940er Jah­re.

5. Die Geheime Staatspolizei im Krieg

Wenn­gleich sich die Grund­li­ni­en der Ge­stapo­tä­tig­keit be­reits in den 1930er Jah­ren deut­lich aus­präg­ten, be­deu­te­te der Kriegs­be­ginn doch ei­nen noch­ma­li­gen Ra­di­ka­li­sie­rungs­schritt. "Der Krieg" lie­fer­te die Recht­fer­ti­gung, den staats­po­li­zei­li­chen Ter­ror noch­mals aus­zu­wei­ten und zu ver­schär­fen. So wies der Köl­ner Ge­sta­po­lei­ter Erich Is­sel­horst die Land­rä­te sei­nes Be­zirks im Sep­tem­ber 1939 an, je­de[n] Ver­such, die Ge­schlos­sen­heit und den Kamp­fes­wil­len des deut­schen Vol­kes zu zer­set­zen, [...] rück­sichts­los zu un­ter­drü­cken.

Be­reits 1936 hat­te die Ge­sta­po be­gon­nen, die Na­men von "Staats­fein­den" zu sam­meln, die zur Ab­si­che­rung der "Hei­mat­front" im "Kriegs­fal­le" ver­haf­tet und in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger trans­por­tiert wer­den soll­ten. Die zu die­sem Zweck an­ge­leg­te "A-Kar­tei" um­fass­te in Köln zeit­wei­lig über 450 Na­men von Kom­mu­nis­ten, So­zi­al­de­mo­kra­ten, Ver­tre­tern des po­li­ti­schen Ka­tho­li­zis­mus und an­de­ren "Feind­grup­pen". Zu den ers­ten, die nach Kriegs­be­ginn auf­grund der A-Kar­tei in­haf­tiert wur­den, ge­hör­ten die frü­he­ren Köl­ner Stadt­ver­ord­ne­ten Ru­dolf Sa­fa­row­sky (KPD, 1903-1945) und Hen­ri­et­te Acker­mann (SAP, 1887-1977).

Auch auf das ka­tho­li­sche Mi­lieu er­höh­te die Köl­ner Ge­sta­po den Ver­fol­gungs­druck. Das zeig­te sich nicht nur an der Fest­nah­me von Geist­li­chen und der Ver­schlep­pung von Pries­tern in Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger, son­dern auch am so­ge­nann­ten "Klos­ter­sturm". 1941 be­schlag­nahm­ten Köl­ner Ge­sta­po­be­am­te meh­re­re Or­dens­ein­rich­tun­gen und Klös­ter in Köln und Um­ge­bung (Bens­berg, Bonn, Hen­nef, Sieg­burg, St. Au­gus­tin usw.), um die­se für "kriegs­wich­ti­ge Auf­ga­ben" frei­zu­ma­chen.

Leopold und Thekla Grünebaum mit Tochter Inge, um 1937. Sie wurden im Juli 1942 vermutlich von Köln aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert und später in Auschwitz ermordet. Der Sohn Heinz überlebte, weil er 1939 mit einem Kindertransport nach England kam. (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

 

Ge­gen­über Ju­gend­li­chen ver­schärf­te sich der Zu­griff der Ge­sta­po eben­falls. Ab­wei­chen­des Ju­gend­ver­hal­ten wur­de nun als Ge­fahr für die Sta­bi­li­tät der "Hei­mat­front" an­ge­se­hen und seit der Kriegs­wen­de zu­neh­mend als "staats­po­li­ti­sches" Pro­blem in­ter­pre­tiert. Auf die Zu­nah­me ju­gend­li­cher Cli­quen, das Auf­le­ben der "Edel­wei­ßpi­ra­ten" und wach­sen­de Kon­flik­te mit der HJ re­agier­te die Ge­sta­po mit ver­stärk­ten Kon­trol­len und Straf­ak­tio­nen, wie­der­hol­ten Raz­zi­en und Mas­sen­ver­haf­tun­gen (et­wa an Os­tern 1940 oder im Au­gust 1943). Durch po­li­zei­li­che Dro­hun­gen, Dienst­ver­pflich­tun­gen so­wie schar­fe Sank­tio­nen ge­gen "An­füh­rer" soll­ten die Ju­gend­grup­pen (de­ren Um­fang die Ge­sta­po 1942 auf 3.000 Per­so­nen schätz­te) ein­ge­schüch­tert und zer­streut wer­den.

Auch an­de­re For­men ab­wei­chen­den Ver­hal­tens wur­den zu­neh­mend als "Aus­sche­ren" aus der "Kriegs­ge­mein­schaft" ge­wer­tet. Ne­ben Be­lei­di­gun­gen ge­gen Staat, Par­tei und NS-Pro­mi­nenz ("Heim­tü­cke") ging die Köl­ner Ge­sta­po nun au­ßer­dem ge­gen die so ge­nann­te "Wehr­kraft­zer­set­zung", das Ab­hö­ren aus­län­di­scher Rund­funk­sen­der oder Ver­stö­ße ge­gen die Ar­beits­dis­zi­plin vor. Meh­re­re hun­dert staats­po­li­zei­li­che Er­mitt­lungs­ver­fah­ren, zahl­rei­che Ver­war­nun­gen und Ge­richts­ur­tei­le be­fass­ten sich mit Zwei­feln an der Kriegs­pro­pa­gan­da, Me­cke­rei­en oder pes­si­mis­ti­schen Äu­ße­run­gen über den Kriegs­ver­lauf. Da ei­ne lü­cken­lo­se Kon­trol­le der Be­völ­ke­rung oh­ne­hin nicht mög­lich war und die Köl­ner Ge­sta­po in den Kriegs­jah­ren ei­nen Teil ih­res Per­so­nals durch Ein­be­ru­fun­gen und Ab­ord­nun­gen ver­lor, ging sie punk­tu­ell, mit ex­em­pla­ri­schen Stra­fen ge­gen Skep­ti­ker und Kri­ti­ker an der "Hei­mat­front" vor.

Oh­ne­hin stand die Ras­sen­po­li­tik nun im Mit­tel­punkt staats­po­li­zei­li­cher Tä­tig­keit. Seit 1938 zog die Köl­ner Ge­sta­po das Netz um die jü­di­sche Be­völ­ke­rung im­mer en­ger. Da­bei hat­te sie die Un­ter­stüt­zung an­de­rer NS-In­stan­zen wie der Schutz- und Kri­mi­nal­po­li­zei, dem Re­gie­rungs­prä­si­di­um, der Fi­nanz­ver­wal­tung, der Amts­ge­rich­te oder der Reichs­bahn. Zu­dem zwang sie die 1939 ge­bil­de­te "Reichs­ver­ei­ni­gung der Ju­den" und die ört­li­chen Ge­mein­den, die staats­po­li­zei­li­chen An­wei­sun­gen ge­gen­über den Be­trof­fe­nen zu ver­tre­ten. Nach­dem die NS-Be­hör­den die jü­di­schen Men­schen um be­ruf­li­che Exis­tenz und Ei­gen­tum ge­bracht, ih­nen den Be­sitz von Fahr­rä­dern, Schreib­ma­schi­nen oder Haus­tie­ren un­ter­sagt, fast sämt­li­che Be­zie­hun­gen zu nicht-jü­di­schen Men­schen un­ter­bun­den und sie durch Na­mens­zu­sät­ze und Aus­weis­pa­pie­re be­son­ders ge­kenn­zeich­net hat­ten, or­ga­ni­sier­te die Ge­sta­po ab Früh­jahr 1941 ih­re Aus­wei­sung aus be­stimm­ten Stadt­be­zir­ken und "ari­schen" Wohn­häu­sern. In Köln wur­den die Ver­trie­be­nen in spe­zi­el­le "Ju­den­häu­ser" und La­ger ein­ge­wie­sen, in Bonn sam­mel­te die Ge­sta­po meh­re­re Hun­dert Men­schen in ei­nem be­schlag­nahm­ten Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ter. Men­schen jü­di­scher Her­kunft, die in Hei­men, Ge­fäng­nis­sen und An­stal­ten der Re­gi­on un­ter­ge­bracht wa­ren, wur­den nach und nach von den an­de­ren In­sas­sen ge­trennt und an die Staats­po­li­zei über­stellt.

Der Iso­lie­rung folg­ten ab Herbst 1941 die De­por­ta­tio­nen in die Ghet­tos und Ver­nich­tungs­la­ger. Die Köl­ner Ge­sta­po über­mit­tel­te die Zahl der ab­zu­trans­por­tie­ren­den Ju­den an die "Reichs­ver­ei­ni­gung" und be­stell­te die Men­schen un­ter dem Deck­man­tel der "Eva­ku­ie­rung" zur Köl­ner Mes­se ein, wo sie un­ter schar­fer Über­wa­chung zu­sam­men­ge­pfercht und ge­de­mü­tigt, durch­sucht und um al­les be­raubt wur­den, was über ei­nen Kof­fer, Bett­zeug und "Marsch­ver­pfle­gung" hin­aus­ging. Sie ließ das Ver­mö­gen der Be­trof­fe­nen mit bü­ro­kra­ti­scher Ge­nau­ig­keit ver­zeich­nen und be­schlag­nah­men und über­wach­te an­schlie­ßend die "Ab­fer­ti­gung" der Trans­port­zü­ge. Die ers­ten bei­den Köl­ner De­por­ta­tio­nen mit je­weils über 1.000 Men­schen gin­gen im Ok­to­ber 1941 in das Ghet­to Litz­mann­stadt, bis Ju­li 1942 ka­men Gro­ß­trans­por­te nach Ri­ga, Minsk und The­re­si­en­stadt hin­zu, ge­folgt von über zehn wei­te­ren De­por­ta­ti­ons­ak­tio­nen, die ge­gen Kriegs­en­de schlie­ß­lich auch die "jü­di­schen Misch­lin­ge" oder Part­ner in "Misch­ehen" er­fass­ten. Von den über 11.000 jü­di­schen Men­schen, die un­ter Lei­tung der Ge­sta­po von Köln aus ver­schleppt wur­den, stamm­ten 6.-7.000 aus der Stadt selbst, die üb­ri­gen aus dem Re­gie­rungs­be­zirk und an­de­ren Ge­gen­den des Rhein­lan­des.

Nach­dem die Köl­ner Ge­sta­po die jü­di­sche Be­völ­ke­rung weit­ge­hend aus der städ­ti­schen Ge­sell­schaft aus­ge­schlos­sen hat­te, wur­de die Kon­trol­le aus­län­di­scher Ar­beits­kräf­te zu ei­nem neu­en Tä­tig­keits­schwer­punkt. Be­reits seit dem Ein­tref­fen der ers­ten pol­ni­schen Kriegs­ge­fan­ge­nen im Ok­to­ber 1939 war man mit die­ser Auf­ga­be be­fasst, be­son­de­res Ge­wicht er­hielt sie je­doch seit der In­ten­si­vie­rung des "Aus­län­der­ein­sat­zes" und der mas­sen­haf­ten Re­kru­tie­rung von Zwangs­ar­bei­te­rin­nen und Zwangs­ar­bei­tern aus der be­setz­ten So­wjet­uni­on im Jahr 1942. Wäh­rend deut­sche "Volks­ge­nos­sen" auf­grund des Bom­ben­kriegs aus Köln ab­wan­der­ten, stieg die Zahl der in der Stadt ar­bei­ten­den Aus­län­der kon­ti­nu­ier­lich an. 1944 dürf­ten sich 45.-50.000 Zwangs­ar­bei­ter, Kriegs­ge­fan­ge­ne und KZ-Häft­lin­ge in Köln be­fun­den ha­ben. Auf­ga­be der Ge­sta­po­be­am­ten war es nicht al­lein, die Ar­beits­dis­zi­plin der "Fremd­ar­bei­ter" zu über­wa­chen, sie soll­te auch Sa­bo­ta­ge- und Wi­der­stands­ver­su­che rück­sichts­los un­ter­drü­cken und zwi­schen­mensch­li­che Be­zie­hun­gen zwi­schen Deut­schen und Aus­län­dern ahn­den. Das be­traf vor al­lem die als "fremd­völ­kisch" gel­ten­den Po­len und So­wjet­rus­sen, die in der ras­sis­ti­schen Hier­ar­chie des NS-Sys­tems weit un­ten plat­ziert wa­ren und als be­son­de­re Be­dro­hung für die Ord­nung an der "Hei­mat­front" an­ge­se­hen wur­den. Ent­spre­chend ver­füg­te die Ge­sta­po seit den „Po­len­er­las­sen“ von 1940 und den „Ost­ar­bei­ter­er­las­sen“ von 1942 ge­gen­über den ost­eu­ro­päi­schen "Fremd­ar­bei­tern" über ei­ne fast un­be­grenz­te Straf­ge­walt.

Die Köl­ner Ge­sta­po wid­me­te sich bald schwer­punkt­mä­ßig der Über­wa­chung der in Stadt und Um­land ent­ste­hen­den Aus­län­der­la­ger, setz­te V-Män­ner auf "Sa­bo­teu­re" oder "Het­zer" an und star­te­te re­gel­mä­ßi­ge Ver­haf­tungs­ak­tio­nen ge­gen Flüch­ti­ge oder "Ar­beits­ver­wei­ge­rer" – im Au­gust 1943 nahm man so über 2.000 aus­län­di­sche Ar­bei­ter fest. Ein gro­ßer Teil der In­haf­tier­ten wur­de in die ab 1941 er­rich­te­ten "Ar­beits­er­zie­hungs­la­ger" (AEL) ein­ge­wie­sen, wo die Häft­lin­ge über meh­re­re Wo­chen hin­weg durch Drill, ent­beh­rungs­rei­che Tä­tig­keit und Stra­fen zu an­ge­pass­tem Ver­hal­ten und "Ar­beits­dis­zi­plin" ge­zwun­gen wer­den soll­ten. Die in Köln Ver­haf­te­ten ka­men vor al­lem in das seit Som­mer 1941 exis­tie­ren­de, von der Köl­ner Sta­pos­tel­le ge­lei­te­te AEL am Flug­ha­fen Es­sen/Mül­heim so­wie das eben­falls für meh­re­re Hun­dert Häft­lin­ge aus­ge­leg­te AEL Hunswin­kel. Mit der Ein­wei­sung in ein KZ hat­ten Aus­län­der zu rech­nen, die straf­fäl­lig ge­wor­den wa­ren, of­fen ge­gen ih­re Be­hand­lung durch die Deut­schen Stel­lung be­zo­gen oder mehr­fach die Ar­beit ver­wei­gert hat­ten.

Zum staats­po­li­zei­li­chen In­stru­men­ta­ri­um ge­hör­ten au­ßer­dem Er­mitt­lun­gen we­gen "ver­bo­te­nen Um­gangs" zwi­schen Deut­schen und Kriegs­ge­fan­ge­nen und Straf­ak­tio­nen we­gen in­ti­mer Kon­tak­te zwi­schen Ein­hei­mi­schen und pol­ni­schen, rus­si­schen oder ukrai­ni­schen Zi­vil­ar­bei­tern. In den 1940er Jah­ren ver­an­lass­ten Bon­ner und Köl­ner Ge­sta­po­be­am­te mehr­fach die Tö­tung von "fremd­völ­ki­schen" Män­nern, die Be­zie­hun­gen zu deut­schen Frau­en ge­habt hat­ten, wo­bei die Hin­rich­tung be­wusst öf­fent­lich er­folg­te, um Aus­län­der und deut­sche "Volks­ge­nos­sen" von der Über­schrei­tung der ras­sen­po­li­ti­schen Gren­zen ab­zu­schre­cken. Auch in den AEL, in de­nen ver­ein­zelt Exe­ku­tio­nen durch­ge­führt wur­den, deu­te­te sich seit 1942 an, was zum Zei­chen staats­po­li­zei­li­cher Pra­xis in der Kriegs­end­pha­se wer­den soll­te – ei­ne Po­li­tik of­fe­nen Ter­rors, die den Mas­sen­mord an die "Hei­mat­front" brach­te.

6. Kriegsende und Massenmord 1944/1945

Die Kriegs­end­pha­se stellt rück­bli­ckend ei­ne ei­ge­ne Pha­se in der Ge­schich­te der Köl­ner Ge­sta­po dar. Sie war zu­nächst durch deut­lich ver­schlech­ter­te Ar­beits­be­din­gun­gen auf­grund des Bom­ben­krie­ges ge­kenn­zeich­net, durch Ge­bäu­de­schä­den, ge­stör­te Trans­port- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­bin­dun­gen und die Dienst­un­fä­hig­keit ei­ner wach­sen­den Zahl von Ge­sta­po­mit­ar­bei­tern. Gleich­wohl er­reich­te die Köl­ner Ge­sta­po nun den Gip­fel­punkt ih­rer Macht. Si­cher­heits­po­li­zei­li­che Kräf­te aus Frank­reich und den Be­ne­lux­län­dern, die vor der zu­rück­wei­chen­den West­front ins Reich ge­kom­men wa­ren, stock­ten das Per­so­nal der Köl­ner Staats­po­li­zei eben­so auf wie Män­ner aus der auf­ge­lös­ten Aa­che­ner Ge­sta­po­dienst­stel­le. Hin­zu ka­men die in die Ge­sta­po ein­ge­glie­der­ten Zoll­be­am­ten und ein Kom­man­do von Bal­ten­deut­schen (SS-An­ge­hö­ri­gen), die für Ver­haf­tun­gen und Trans­por­te ein­ge­setzt wur­den.

Die Ge­sta­po stell­te sich fle­xi­bel auf die neue Si­tua­ti­on ein: Hier­ar­chi­en, Zu­stän­dig­keits­gren­zen und bü­ro­kra­ti­sche Ver­fah­ren ver­lo­ren an Be­deu­tung, wäh­rend ein Gro­ß­teil der staats­po­li­zei­li­chen Ar­beit von neu ge­bil­de­ten "Son­der­kom­man­dos" über­nom­men wur­de. Die­se ar­bei­te­ten zu­neh­mend selb­stän­dig und un­ab­hän­gig von den Ber­li­ner Zen­tral­stel­len, mit fast un­ein­ge­schränk­ten Macht- und Ter­ror­mit­teln. Be­durf­te die Ein­lie­fe­rung in "Ar­beits­er­zie­hungs­la­ger" grund­sätz­lich kei­ner Be­stä­ti­gung durch die Ber­li­ner Ge­sta­po­füh­rung, so wur­de den lo­ka­len Dienst­stel­len ge­gen En­de des Krie­ges auch die An­ord­nung von "Schutz­haft" ge­gen Aus­län­der er­leich­tert. Die Durch­füh­rung von Exe­ku­tio­nen, zu­nächst noch von ei­ner Ge­neh­mi­gung des RSHA ab­hän­gig, konn­te ge­gen Kriegs­en­de von re­gio­na­len Be­fehls­ha­bern der Si­cher­heits­po­li­zei an­ge­ord­net wer­den. Seit Ja­nu­ar 1945 hat­te die Köl­ner Ge­sta­po bei der Er­mor­dung von "Fremd­völ­ki­schen" freie Hand.

Die­se Macht­fül­le ging mit ei­ner noch­ma­li­gen Ra­di­ka­li­sie­rung der Be­dro­hungs­sze­na­ri­en und Feind­bil­der ein­her. Die Aus­weich- und Flucht­be­we­gun­gen von aus­län­di­schen Ar­beits­kräf­ten und Ju­gend­li­chen, die Bil­dung il­le­ga­ler Grup­pen in den Rui­nen der Stadt und die Ak­ti­vi­tät von Wi­der­stands­grup­pen wur­den als Zei­chen ei­nes or­ga­ni­sier­ten Auf­stan­des be­trach­tet und mit wahl­lo­sem Ter­ror und ent­grenz­ter Ge­walt be­ant­wor­tet. Ei­ni­ge Ge­sta­po­be­am­ten über­tru­gen Er­fah­run­gen, die sie in den be­set­zen Ge­bie­ten und im na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Ver­nich­tungs­krieg ge­sam­melt hat­ten, auf die Köl­ner Si­tua­ti­on und wähn­ten sich in ei­nem "End­kampf", bei dem es gel­te, noch mög­lichst vie­le Re­gime­geg­ner "mit hin­über zu neh­men".

Das Haft­stät­ten­sys­tem der Ge­sta­po ver­zweig­te sich in den letz­ten Kriegs­jah­ren im­mer wei­ter – zu der seit 1942 wie­der re­gel­mä­ßig ge­nutz­ten Ar­beits­an­stalt Brau­wei­ler im Wes­ten von Köln und den AEL in Es­sen-Mül­heim und Hunswin­kel ka­men 1942 ein "Po­li­zei­hilfs­ge­fäng­nis" an der Köl­ner Mes­se (spä­ter auch: AEL Mes­se­turm), das nach der De­por­ta­ti­on der Köl­ner Ju­den und der Zer­stö­rung des Mes­sel­agers durch Bom­ben­an­griff seit Herbst 1944 als AEL wei­ter­ge­führ­te In­ter­nie­rungs­la­ger in Mün­gers­dorf (Fort V), "Ar­beits­er­zie­hungs­la­ger" bei Groß­be­trie­ben in Köln-Deutz (Fa. West­wag­gon), Niehl (Glanz­stoff-Cour­taulds) oder Wes­se­ling, in Bonn, Bad Go­des­berg, Wip­per­fürth, Er­kelenz, Hü­ckel­ho­ven und Was­sen­berg so­wie ei­ne be­son­de­re Ge­sta­po­ab­tei­lung im Zucht­haus Rhein­bach (seit Herbst 1944). We­gen der Über­fül­lung des Haus­ge­fäng­nis­ses im Haupt­quar­tier am Ap­pell­hof­platz rich­te­te die Staats­po­li­zei En­de 1944 im weit­ge­hend zer­stör­ten Köl­ner Ge­fäng­nis Klin­gel­pütz ei­nen ei­ge­nen Be­reich ("Ge­sta­poflü­gel") ein. Die Tau­sen­den von Ge­fan­ge­nen, die noch 1944/1945 durch die­se Haft­stät­ten ge­schleust wur­den, lit­ten un­ter er­bärm­li­chen Be­din­gun­gen. Zur Über­fül­lung – im EL-DE-Haus ka­men zum Teil zwei bis drei Dut­zend Per­so­nen auf ei­ne Zwei­mann­zel­le, im Klin­gel­pütz wa­ren bis zu 800 In­sas­sen auf ei­nem Raum für et­wa 250 Häft­lin­ge un­ter­ge­bracht – ka­men de­sas­trö­se hy­gie­ni­sche Ver­hält­nis­se, Hun­ger, Seu­chen und die per­ma­nen­te Ter­ro­ri­sie­rung durch Ver­hö­re und bru­ta­le Miss­hand­lun­gen.

Schritt­ma­cher die­ser Ent­wick­lung wa­ren die be­reits ge­nann­ten, aus zehn bis 15 Be­am­ten be­ste­hen­den "Son­der­kom­man­dos". Das ”Kom­man­do Beth­ke” (un­ter Kom­mis­sar Kurt Beth­ke, ge­bo­ren 1903) ver­folg­te ab April 1944 Wi­der­stands­be­we­gun­gen und Netz­wer­ke so­wje­ti­scher Spio­ne, pol­ni­scher Kriegs­ge­fan­ge­ner und Zwangs­ar­bei­ter ("Pol­ni­sche Hei­mat­ar­mee"/"Ar­mia Kra­jo­wa") so­wie fran­zö­si­scher Ka­tho­li­ken ("Ac­tion Ca­tho­li­que"); nach dem At­ten­tat auf Hit­ler vom 20.7.1944 ko­or­di­nier­te es die Ver­haf­tung von frü­he­ren Funk­tio­nä­ren der Wei­ma­rer Par­tei­en im Rah­men der "Ak­ti­on Ge­wit­ter", dar­un­ter auch die schlie­ß­lich im KZ er­mor­de­ten Ot­to Ge­rig (Zen­trums­po­li­ti­ker, 1885-1944), Theo­dor Ba­bi­lon (1899-1945) und Hein­rich Rich­ter (1898-1945) (An­ge­hö­ri­ge des Kol­ping­werks). Ein "Ban­den­kampf­kom­man­do" un­ter den Kom­mis­sa­ren Fried­rich Mohr (1899-1985) und (spä­ter) Erich Best (1908-1986) ver­folg­te in den Rui­nen der Stadt un­ter­ge­tauch­te Grup­pen von Zwangs­ar­bei­tern, De­ser­teu­ren und Straf­tä­tern, die sich durch Dieb­stäh­le ver­sorg­ten und auch mit Waf­fen­ge­walt ge­gen den po­li­zei­li­chen Zu­griff zur Wehr setz­ten. Und das im Herbst 1944 ge­bil­de­te, in Brau­wei­ler sta­tio­nier­te "Kom­man­do Küt­ter" (un­ter Kom­mis­sar Fer­di­nand Küt­ter) ging ge­gen ei­ne an­geb­li­che "po­li­ti­sche Ter­ror­ban­de" in Köln-Eh­ren­feld vor, wo­bei es ne­ben zahl­rei­chen Aus­län­dern auch "Edel­wei­ßpi­ra­ten" und die Wi­der­stands­grup­pe des "Volks­front­ko­mi­tee Frei­es Deutsch­land" er­fass­te.

Die Kom­man­dos ver­an­lass­ten nicht nur meh­re­re Hun­dert Ver­haf­tun­gen, son­dern lei­te­ten ei­ne Po­li­tik sys­te­ma­ti­schen Mor­dens ein. Wäh­rend das "Ban­den­kampf­kom­man­do" bei Ver­haf­tungs­ak­tio­nen zahl­rei­che Il­le­ga­le zu To­de brach­te, mar­ter­te das Kom­man­do Küt­ter im Ge­sta­po-Hilfs­ge­fäng­nis Brau­wei­ler meh­re­re Men­schen zu To­de. Am 25.10. und 10.11.1944 ließ es 24 Per­so­nen öf­fent­lich in Köln-Eh­ren­feld er­hän­gen, ne­ben so­wjet­rus­si­schen und fran­zö­si­schen Zwangs­ar­bei­tern An­ge­hö­ri­ge der er­wähn­ten Eh­ren­fel­der Grup­pe, dar­un­ter auch den "Edel­wei­ßpi­ra­ten" zu­ge­rech­ne­te Ju­gend­li­che. Bald da­nach be­gann die Köl­ner Ge­sta­po mit der Se­lek­ti­on ih­rer Ge­fan­ge­nen und re­gel­mä­ßi­gen Exe­ku­tio­nen. Die Op­fer wa­ren "ar­beits­un­wil­li­ge" oder auf der Flucht be­find­li­che Ar­bei­ter, un­ter­ge­tauch­te Wehr­machts­an­ge­hö­ri­ge, ver­meint­li­che Op­po­si­tio­nel­le oder Ge­le­gen­heits­straf­tä­ter, über­wie­gend je­doch Aus­län­der und mehr­heit­lich "Ost­ar­bei­ter". Sie wur­den meist aus dem Kel­ler­ge­fäng­nis der Ge­sta­po und dem Klin­gel­pütz in den Hin­ter­hof des Ge­stap­o­haupt­quar­tiers an der Eli­sen­stra­ße ge­bracht und dort an ei­nem trans­por­ta­blen Gal­gen er­hängt; die Lei­chen trans­por­tier­te man an­schlie­ßend auf den Köl­ner West­fried­hof. An ei­ni­gen Ta­gen wur­den so Dut­zen­de Men­schen er­mor­det, bis An­fang März stieg die Op­fer­zahl auf meh­re­re Hun­dert.

Die üb­ri­gen Ge­stap­o­häft­lin­ge wur­den an­ge­sichts der na­hen­den Al­li­ier­ten ver­legt. Zum ei­nen stell­te die Köl­ner Staats­po­li­zei bis Kriegs­en­de Trans­por­te in die Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger zu­sam­men, zum an­de­ren be­gann sie, Häft­lin­ge wei­ter ins Reich­sin­ne­re zu brin­gen. Im Früh­jahr 1945 ver­leg­te sie zahl­rei­che Ge­fan­ge­ne aus Brau­wei­ler ins Zucht­haus Sieg­burg und an­schlie­ßend nach Hes­sen. Meh­re­re Hun­dert In­sas­sen des Ge­sta­poflü­gels im Klin­gel­pütz, des EL-DE-Hau­ses und des AEL Mün­gers­dorf wur­den ab An­fang März mit Eva­ku­ie­rungs­mär­schen ins Rechts­rhei­ni­sche ge­bracht und schlie­ß­lich in die ober­ber­gi­schen AEL Wip­per­fürth und Hunswin­kel ge­trie­ben, wo es zu wei­te­ren Mor­den kam. Die we­ni­gen in Köln zu­rück­ge­blie­be­nen Ge­fan­ge­nen wur­den am 7.3.1945 be­freit.

7. Die Geheime Staatspolizei nach 1945

Die Mas­sen­mor­de der Ge­sta­po in der Kriegs­end­pha­se wa­ren auch nach der Be­frei­ung durch die Ame­ri­ka­ner und wäh­rend der bri­ti­schen Be­sat­zungs­zeit ge­gen­wär­tig. En­de Mai 1945 konn­ten auf dem Ge­län­de des Klin­gel­pütz sie­ben Lei­chen ge­bor­gen wer­den, die die Ge­sta­po ver­scharrt hat­te; im Herbst fand man dort of­fen­bar wei­te­re Op­fer. Im Ok­to­ber des Jah­res ent­deck­ten Ar­bei­ter in der Nä­he des Ge­sta­po­ge­bäu­des am Ap­pell­hof­platz ein Mas­sen­grab mit zehn Lei­chen so­wie Res­te des von den Staats­po­li­zei­be­am­ten ge­nutz­ten Gal­gens. Die Pres­se in Ge­stalt des von der US-Ar­mee ge­grün­de­ten, von den Bri­ten über­nom­me­nen "Köl­ni­schen Ku­riers" be­rich­te­te aus­führ­lich über die im EL-DE-Haus ver­üb­ten Ver­bre­chen. Die Op­fer aus dem Klin­gel­pütz wa­ren be­reits meh­re­re Mo­na­te zu­vor am Hansa­platz un­ter ei­nem Ge­denk­stein bei­ge­setzt wor­den. Hier ge­dach­ten Ver­folg­te und An­ge­hö­ri­ge in den fol­gen­den Jah­ren des Ge­sta­po­ter­rors. Die be­son­de­ren Be­din­gun­gen und Fol­gen staats­po­li­zei­li­cher Pra­xis ver­blass­ten je­doch bald in der lo­ka­len Er­in­ne­rungs­kul­tur. Wäh­rend sich in den 1950er Jah­ren in Köln ein all­ge­mei­nes, oft christ­lich über­form­tes Ge­den­ken an die "Op­fer von Krieg und Ge­walt­herr­schaft" eta­blier­te, wur­de das EL-DE-Haus "nor­ma­ler" Nut­zung durch städ­ti­sche Be­hör­den (Stan­des­amt, Ren­ten­stel­le usw.) über­ge­ben. Sei­ne his­to­ri­sche Be­deu­tung wur­de ge­wis­ser­ma­ßen "un­kennt­lich" ge­macht, das frü­he­re Haus­ge­fäng­nis als Ak­ten­kel­ler ge­nutzt.

Die Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten wa­ren zu­meist vor Kriegs­en­de aus Köln ver­schwun­den. Nach­dem be­reits im Herbst 1944 ein Teil der Dienst­stel­le in rechts­rhei­ni­sche Aus­weich­stand­or­te (Ma­ri­en­hei­de, En­gels­kir­chen, Berg­hau­sen-Kai­serau) eva­ku­iert wor­den war, setz­ten sich wei­te­re Sta­po­be­am­te An­fang März Rich­tung Ma­ri­en­hei­de, Gum­mers­bach oder Sieg­burg ab. Ei­ni­ge er­leb­ten die al­li­ier­te Be­set­zung nicht mehr, weil sie – wie die Füh­rungs­be­am­ten Max Hoff­mann (1907-1944), Ri­chard Fol­tis (1913-1945) und Egon Kul­zer (1906-1945) – in der Kriegs­end­pha­se ums Le­ben ka­men oder – wie der Ge­sta­po­be­am­te Küt­ter – Selbst­mord be­gin­gen. Deut­lich mehr ver­such­ten sich der dro­hen­den Be­stra­fung zu ent­zie­hen, in­dem sie ih­re frü­he­re Tä­tig­keit ver­schlei­er­ten oder un­ter fal­schem Na­men un­ter­tauch­ten. Das galt für ehe­ma­li­ge Dienst­stel­len­lei­ter wie Ema­nu­el Schä­fer (1900-1974) und Franz Sprinz (1904-1975), aber auch für Mit­ar­bei­ter wie den 1944 an Mord­ak­tio­nen des "Kom­man­do Küt­ter" be­tei­lig­ten Horst Ge­gusch (1908). Sie be­kann­ten sich oft erst Jahr(zehnt)e spä­ter zu ih­rer Iden­ti­tät, wenn sie von ei­ner Be­ru­hi­gung der La­ge aus­gin­gen.

Bei ei­nem gro­ßen Teil der frü­he­ren Ge­sta­po­be­am­ten folg­te dem Kriegs­en­de al­ler­dings ei­ne mehr­jäh­ri­ge Pha­se der In­haf­tie­rung, Über­prü­fung und Ent­na­zi­fi­zie­rung, in der Mus­ter der Selbst­recht­fer­ti­gung und An­pas­sung an die neue Ge­sell­schaft ein­ge­übt wur­den. Zwi­schen 30 und 50 Pro­zent der Ge­sta­po­be­am­ten wur­den in den Mo­na­ten nach der Be­frei­ung von den Al­li­ier­ten ver­haf­tet, in In­ter­nie­rungs­la­gern un­ter­ge­bracht und so von der üb­ri­gen Ge­sell­schaft ge­trennt. In der bri­ti­schen Zo­ne, in der die meis­ten der frü­he­ren Köl­ner Ge­sta­po­mit­ar­bei­ter ver­blie­ben wa­ren, wur­den die In­haf­tier­ten ab 1947 vor ex­tra ein­ge­rich­te­te Spruch­ge­rich­te ge­stellt und we­gen Zu­ge­hö­rig­keit zu ei­ner "ver­bre­che­ri­schen Or­ga­ni­sa­ti­on" meist zu Haft­stra­fen von sechs bis 24 Mo­na­ten ver­ur­teilt. Da die In­ter­nie­rungs­haft an­ge­rech­net wur­de, ka­men die meis­ten bald wie­der in Frei­heit.

Frü­he­re Ge­sta­po­be­am­te, die in den Staats­dienst zu­rück­keh­ren, (halb-)öf­fent­li­che Äm­ter oder her­aus­ge­ho­be­ne be­ruf­li­che Po­si­tio­nen über­neh­men woll­ten, hat­ten sich auch dem seit 1946 in deut­scher Zu­stän­dig­keit durch­ge­führ­ten Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren zu stel­len. Nicht we­ni­gen kam da­bei die für den Ent­na­zi­fi­zie­rungs­pro­zess bald cha­rak­te­ris­ti­sche Um­deu­tung und Ver­harm­lo­sung der NS-Zeit zu­gu­te. Vie­len ge­lang es, im Lau­fe des Ver­fah­rens als "Mit­läu­fer" ein­ge­stuft zu wer­den, meist auf­grund fal­scher oder un­voll­stän­di­ger Aus­künf­te über die Ver­gan­gen­heit. Oft reich­ten ste­reo­ty­pe Be­haup­tun­gen: Man ha­be sich dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus nur äu­ßer­lich an­ge­schlos­sen, sei ge­gen den ei­ge­nen Wil­len zur Ge­sta­po ver­setzt wor­den, ha­be an de­ren Ver­bre­chen al­len­falls ge­zwun­ge­ner­ma­ßen mit­ge­wirkt und im Rah­men sei­ner Mög­lich­kei­ten Ver­folg­ten zu hel­fen ver­sucht. Auch das ge­sell­schaft­li­che Um­feld zeig­te sich nach­sich­tig: Selbst be­rüch­tig­te Ge­sta­po­mit­ar­bei­ter wie Jo­sef Ho­egen oder der Lei­ter des Köl­ner "Ju­den­re­fe­ra­tes" Karl Löff­ler (1888-1964) konn­ten sich auf zahl­rei­che "Per­sil­schei­ne", po­si­ti­ve Leu­munds­zeug­nis­se und Gna­den­ge­su­che von Kol­le­gen, Nach­barn, Be­kann­ten, Po­li­ti­kern und Kir­chen­ver­tre­tern stüt­zen.

Da das so ge­nann­te "131er-Ge­setz" von 1951 auch frü­he­ren, nach 1945 ent­las­se­nen Ge­sta­po­be­am­ten ei­ne Rück­kehr in den Öf­fent­li­chen Dienst er­mög­lich­te, ver­moch­ten ein­zel­ne wie­der als "Staats­die­ner" zu ar­bei­ten. An­de­re bau­ten sich als An­ge­stell­te oder Un­ter­neh­mer in der frei­en Wirt­schaft ei­ne (klein-)bür­ger­li­che Exis­tenz auf, nicht sel­ten in der "rhei­ni­schen Hei­mat" und in der Nä­he frü­he­rer Tat­or­te.

Im Ver­gleich zu an­de­ren NS-Tä­tern in Kri­mi­nal-, Schutz­po­li­zei, Jus­tiz oder in­ne­rer Ver­wal­tung stan­den die Ak­teu­re der Ge­sta­po si­cher­lich stär­ker im Blick­feld der Nach­kriegs­jus­tiz. Die Bi­lanz der Straf­ver­fol­gung ist aber auch im Köl­ner Fall über­schau­bar. Wich­ti­ge Zei­chen setz­ten die Al­li­ier­ten, die in den ers­ten Jah­ren nach der Be­frei­ung en­ga­giert nach NS-Ver­bre­chern fahn­de­ten und zahl­rei­che Straf­ta­ten ge­gen aus­län­di­sche Staats­bür­ger ab­ur­teil­ten. So wur­de der frü­he­re Köl­ner Ge­sta­po­lei­ter Erich Is­sel­horst we­gen der Er­mor­dung al­li­ier­ter Kriegs­ge­fan­ge­ner durch bri­ti­sche und fran­zö­si­sche Mi­li­tär­ge­rich­te zum To­de ver­ur­teilt; zwei An­ge­hö­ri­ge des "Küt­ter-Kom­man­dos" (Wal­ter Hirsch­feld [1910-1985] und Jo­sef Schif­fer [1910-1991]) er­hiel­ten 1947 vor ei­nem eng­li­schen Ge­richt To­des- und Zucht­haus­stra­fen we­gen der Hin­rich­tung zwei­er rus­si­scher Zwangs­ar­bei­te­rin­nen in Brau­wei­ler.

Auch die deut­sche Jus­tiz, die zu­nächst nur Ver­bre­chen ge­gen deut­sche Staats­bür­ger ver­fol­gen durf­te, be­fass­te sich an­fangs in­ten­si­ver mit Ge­sta­po­ver­bre­chen. Köl­ner Staats­an­wäl­te und Rich­ter un­ter­such­ten En­de der 1940er Jah­re meh­re­re De­nun­zia­tio­nen bei der Köl­ner Staats­po­li­zei und nah­men Er­mitt­lun­gen we­gen Frei­heits­be­rau­bun­gen, Miss­hand­lun­gen und Tö­tun­gen auf – nicht zu­letzt, weil die bri­ti­schen Be­hör­den wich­ti­ge Be­weis­mit­tel an die Köl­ner Kol­le­gen über­ga­ben und sich Be­trof­fe­ne und Op­fer­ver­bän­de durch Straf­an­zei­gen, Zeu­gen­aus­sa­gen und öf­fent­li­che Auf­ru­fe für ei­ne Be­stra­fung ih­rer frü­he­ren "Pei­ni­ger" ein­setz­ten. In­fol­ge­des­sen ver­ur­teil­te das Köl­ner Schwur­ge­richt im De­zem­ber 1949 auch fünf frü­he­re An­ge­hö­ri­ge des "Kom­man­do Küt­ter" (Jo­sef Ho­egen, Wal­ter Hirsch­feld, Jo­sef Schif­fer, Erich Gan­säu­er [1912-1969] und Adolf Rog­gen­dorf [1891]) we­gen "Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit" zu Frei­heits­stra­fen zwi­schen neun Jah­ren und fünf Mo­na­ten. Fünf Jah­re spä­ter er­hiel­ten drei frü­he­re Lei­tungs­be­am­te der Köl­ner Dienst­stel­le (Ema­nu­el Schä­fer, Franz Sprinz und Kurt Matsch­ke [ge­bo­ren 1908]) we­gen ih­rer Mit­wir­kung an der De­por­ta­ti­on der jü­di­schen Be­völ­ke­rung Zucht­haus­stra­fen bis zu drei Jah­ren.

Von ei­ner sys­te­ma­ti­schen Ahn­dung zu spre­chen, die dem Um­fang der Ge­sta­po­ver­bre­chen und den Be­dürf­nis­sen der Op­fer ge­recht ge­wor­den ist, wä­re je­doch falsch. Die Ur­tei­le ge­gen Ho­egen und An­de­re wur­den von Sei­ten der Be­trof­fe­nen als deut­lich zu mil­de be­trach­tet, und wie die ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­ter des "Kom­man­do Küt­ter", so ka­men auch die Or­ga­ni­sa­to­ren der Ju­den­de­por­ta­tio­nen nach Straf­aus­set­zun­gen und Be­gna­di­gun­gen bis Mit­te der 1950er Jah­re wie­der frei.

Hin­zu ka­men Er­mitt­lungs­ver­säum­nis­se, Ver­fah­rens­ein­stel­lun­gen, frag­wür­di­ge Frei­sprü­che und ein all­ge­mei­nes Ver­eb­ben der Straf­ver­fol­gung ab Mit­te der 1950er Jah­re. Die Grün­de hier­für sind viel­fäl­tig: Sie reich­ten von der man­gel­haf­ten Aus­stat­tung der Staats­an­walt­schaf­ten und der Skep­sis der Rich­ter­schaft ge­gen­über be­son­de­ren Straf­vor­schrif­ten für NS-Ver­bre­chen ("Ver­bre­chen ge­gen die Mensch­lich­keit") über rechts­staat­li­che Be­schrän­kun­gen bis zu all­ge­mei­nen Ent­wick­lun­gen der bun­des­deut­schen Ver­gan­gen­heits­po­li­tik und Er­in­ne­rungs­kul­tur. Po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen, die vie­le NS-Ver­bre­chen ver­jäh­ren und straf­frei lie­ßen, ein ge­sell­schaft­li­ches Kli­ma, das auf die Ab­schwä­chung deut­scher Ver­ant­wor­tung und die In­te­gra­ti­on von NS-Tä­tern setz­te so­wie Kon­ti­nui­tä­ten in Jus­tiz und in­ne­rer Ver­wal­tung und funk­tio­nie­ren­de Aus­sa­ge­kar­tel­le frü­he­rer NS-Po­li­zis­ten schu­fen zahl­rei­che Schlupf­lö­cher für ehe­ma­li­ge Ge­sta­po­be­am­te.

Erst ab En­de der 1960er Jah­re kam es – auf­grund kri­ti­scher Stim­men in der Öf­fent­lich­keit, pro­pa­gan­dis­ti­scher Kam­pa­gnen der DDR über "Na­zi­ver­bre­cher" im "Bon­ner Staat", ei­nes Stim­mungs­wan­dels in Tei­len der Po­li­tik und ei­nes Ge­ne­ra­ti­ons­wech­sels in der Jus­tiz – wie­der zu ver­stärk­ten Er­mitt­lun­gen ge­gen NS-Ver­bre­chen. Sie blie­ben im Fall der Köl­ner Ge­sta­po (eben­so wie für Bonn oder Aa­chen) aber meist er­geb­nis­los. Selbst die auf­wän­di­gen Re­cher­chen der Köl­ner Staats­an­walt­schaft zu den Eh­ren­fel­der Hin­rich­tun­gen, die durch ei­ne Fo­to­re­por­ta­ge der Il­lus­trier­ten "Quick" an­ge­sto­ßen wor­den wa­ren, führ­ten zu kei­nen Ver­ur­tei­lun­gen, da die Tä­ter nicht auf­find­bar oder ver­stor­ben wa­ren oder man kei­ne recht­li­che Hand­ha­be (mehr) zu ha­ben mein­te. Der letz­te Köl­ner Ge­sta­po­pro­zess en­de­te 1980 mit lang­jäh­ri­gen Frei­heits­stra­fen ge­gen den frü­he­ren Köl­ner Ge­sta­po­lei­ter Kurt Lisch­ka und zwei Mit­an­ge­klag­te we­gen ih­rer Mit­wir­kung an der De­por­ta­ti­on und Er­mor­dung der fran­zö­si­schen Ju­den als An­ge­hö­ri­ge der NS-Si­cher­heits­po­li­zei. Der Lisch­ka-Pro­zess mit sei­nem ent­schie­de­nen Ur­teil führ­te die Mög­lich­kei­ten ei­ner straf­recht­li­chen Auf­klä­rung und Ahn­dung der NS-Ver­bre­chen vor Au­gen, ließ aber noch ein­mal frü­he­re Ver­säum­nis­se er­ken­nen: Lisch­ka hat­te, ob­gleich 1950 be­reits von ei­nem fran­zö­si­schen Mi­li­tär­ge­richt ver­ur­teilt, durch ein deutsch-fran­zö­si­sches Ab­kom­men und das Aus­lie­fe­rungs­ver­bot des Grund­ge­set­zes ge­schützt, lan­ge Jah­re un­be­hel­ligt in Köln ge­lebt. Erst auf­grund des En­ga­ge­ments von An­ge­hö­ri­gen der Op­fer (um das Ehe­paar Klars­feld) wur­de die Öf­fent­lich­keit auf die­sen Zu­stand auf­merk­sam, so dass die recht­li­chen und po­li­ti­schen Blo­cka­den ge­gen ei­ne Straf­ver­fol­gung Lisch­kas durch deut­sche Ge­rich­te be­sei­tigt wur­den.

Die De­fi­zi­te der straf­recht­li­chen "Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung" zei­gen sich nicht nur in der Ur­teils­bi­lanz – et­wa 5 Pro­zent der Köl­ner Ge­sta­po­be­am­ten dürf­ten durch west­deut­sche Straf­ge­rich­te (oh­ne Spruch­ge­rich­te) ver­ur­teilt wor­den sein –, son­dern auch in den Auf­fas­sun­gen und Bil­dern, die in den Straf­ver­fah­ren von der Ge­stapo­tä­tig­keit ent­wi­ckelt wur­den. Die Be­schul­dig­ten ver­such­ten meist, ei­ge­ne Hand­lungs­spiel­räu­me und Ver­ant­wor­tung her­un­ter­zu­spie­len, in­dem sie auf Be­feh­le der Ber­li­ner NS-Füh­rung und die "Not­wen­dig­kei­ten" der Krieg­füh­rung, ihr Pflicht­be­wusst­sein und ei­nen an­geb­li­chen "Be­fehls­not­stand" ver­wie­sen, aus­sag­ten, sie hät­ten die Kon­se­quen­zen ih­res Tuns nicht über­se­hen kön­nen, oder die Schuld an­de­ren, meist be­reits ver­stor­be­nen "Ka­me­ra­den" ga­ben. Rich­ter und Staats­an­wäl­te folg­ten die­sen Äu­ße­run­gen we­nigs­tens zum Teil. Und wäh­rend sie mit "Ex­zes­stä­tern" wie Jo­sef Ho­egen durch­aus scharf ins Ge­richt gin­gen, zeig­ten sie bei "Schreib­tisch­tä­tern" aus dem bür­ger­li­chen Mi­lieu öf­ter Nach­sicht. So cha­rak­te­ri­sier­te das Köl­ner Land­ge­richt den frü­he­ren Köl­ner Ge­sta­po­chef Schä­fer 1953 als "sau­ber und an­stän­dig" und ei­nen je­ner Men­schen, "die, kor­rekt in der Hal­tung und an­stän­dig in der Ge­sin­nung, so­lan­ge mit dem Na­tio­nal­so­zia­lis­mus mit­ge­lau­fen sind und von ihm Nut­zen ge­zo­gen ha­ben, bis sie sich nicht mehr lö­sen konn­ten [...]".

Die Er­zäh­lun­gen der Be­trof­fe­nen, die oft Zwei­feln hin­sicht­lich ih­rer Glaub­wür­dig­keit aus­ge­setzt wa­ren, fan­den in den auf die Tä­ter aus­ge­rich­te­ten Ver­fah­ren nur sehr be­schränkt Be­rück­sich­ti­gung. Und ob­wohl auch ei­ni­gen De­nun­zi­an­ten der Pro­zess ge­macht wur­de, war die ge­sell­schaft­li­che Ein­bet­tung der Ge­sta­po in den Straf­ver­fah­ren kaum ein­mal aus­führ­li­cher The­ma. Das öf­fent­li­che In­ter­es­se, das in den Ta­gen des Ho­egen-Pro­zes­ses durch ei­ne in­ten­si­ve, kon­tro­ver­se und dif­fe­ren­zier­te Pres­se­be­richt­er­stat­tung ab­ge­bil­det wor­den war, ließ bald merk­lich nach. Im öf­fent­li­chen Ge­den­ken war die "Ge­sta­po" oft bald nur noch ei­ne Chif­fre für die Gräu­el des "Na­zi-Re­gimes" und die Un­ter­drü­ckung der Be­völ­ke­rung.

Es hat bis En­de der 1970er Jah­re ge­dau­ert, bis ein brei­te­res Wis­sen und ein of­fe­ner, leb­haf­ter Dis­kurs über die Köl­ner Ge­sta­po ent­stan­den sind. Ge­schicht­s­in­itia­ti­ven und ei­ne kri­ti­sche Lo­kal­ge­schichts­schrei­bung, Aus­stel­lun­gen, Fil­me und Pu­bli­ka­tio­nen wid­me­ten sich nun ver­stärkt "Wi­der­stand und Ver­fol­gung" im "Drit­ten Reich" und da­mit auch den Op­fern staats­po­li­zei­li­chen Ter­rors. Öf­fent­lich­keits­wirk­sa­me Ak­tio­nen en­ga­gier­ter Bür­ger lenk­ten 1979 den Blick auf das zwi­schen­zeit­lich aus dem his­to­ri­schen Be­wusst­sein ver­schwun­de­ne EL-DE-Haus und das er­hal­ten ge­blie­be­ne Haus­ge­fäng­nis in der ehe­ma­li­gen Ge­sta­po­zen­tra­le. Die 1981 dort er­öff­ne­te Ge­denk­stät­te und das 1987/1988 von der Stadt Köln ein­ge­rich­te­te NS-Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trum ha­ben seit­dem ei­ne in­ten­si­ve Bil­dungs- und For­schungs­ar­beit ent­wi­ckelt. Sie hält das Zen­trum staats­po­li­zei­li­chen Ter­rors in der Stadt prä­sent und klärt mit Aus­stel­lun­gen zur NS-Ge­schich­te wie durch Be­suchs­pro­gram­me für jü­di­sche Ver­folg­te und ehe­ma­li­ge Zwangs­ar­bei­ter (1989) über die in­di­vi­du­el­len und ge­sell­schaft­li­chen Fol­gen staats­po­li­zei­li­cher Pra­xis auf. Auch öf­fent­li­che De­bat­ten und Ge­schichts­kon­tro­ver­sen wie je­ne um die Eh­ren­fel­der "Edel­wei­ßpi­ra­ten" ha­ben da­zu bei­ge­tra­gen.

Zwar kur­sie­ren in Me­di­en und lo­ka­ler Öf­fent­lich­keit wei­ter­hin frag­wür­di­ge oder ver­ein­fa­chen­de Bil­der von der Köl­ner Ge­sta­po – vom all­mäch­ti­gen Un­ter­drü­ckungs­ap­pa­rat, der die ge­sam­te städ­ti­sche Be­völ­ke­rung be­spit­zelt ha­be, bis zum Kli­schee­bild des Sa­dis­ten im Le­der­man­tel. Dif­fe­ren­zier­te­re Vor­stel­lun­gen zu den Tä­tern, der Ar­beit und Wir­kungs­wei­se der Ge­sta­po und de­ren ge­sell­schaft­li­chen Un­ter­stüt­zern schei­nen in der re­gio­na­len Er­in­ne­rungs­kul­tur aber mitt­ler­wei­le fest ver­an­kert.

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Berichterstattung über den Gestapoterror im 'Kölnischen Kurier' vom 23.10.1945. (NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln)

 
Zitationshinweis

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Roth, Thomas, Die Geheime Staatspolizei Köln, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Epochen-und-Themen/Themen/die-geheime-staatspolizei-koeln/DE-2086/lido/57d131c2670e55.79095568 (11.12.2018)