Aletta Haniel

Unternehmerin (1742-1815)

Ulrich Kirchner (Duisburg)

Aletta Haniel, Gemälde von 1780.. (Franz Haniel & Cie. GmbH Corporate Communications - Archive & Documentation)

Alet­ta Ha­ni­el war ei­ne im aus­ge­hen­den 18. Jahr­hun­dert in ver­schie­de­nen Ge­schäfts­fel­dern er­folg­reich tä­ti­ge Ge­schäfts­frau und ei­ne der her­aus­ra­gen­den Un­ter­neh­me­rin­nen ih­rer Zeit. Mit der um­sich­ti­gen Er­zie­hung und kauf­män­ni­schen Aus­bil­dung ih­res Sohns Franz Ha­ni­el trug sie ma­ß­geb­lich da­zu bei, dass die­ser zu ei­nem der be­deu­tends­ten In­dus­trie­pio­nie­re des 19. Jahr­hun­derts auf­stieg.

Alet­ta Noot war das zwei­te von neun Kin­dern des Zoll­be­se­hers Jan Wil­lem Noot und sei­ner Frau Ca­tha­ri­na, ge­bo­re­ne Erck­ens­wick. Sie wur­de am 12.3.1742 in Or­soy am Nie­der­rhein (heu­te Stadt Rhein­berg) ge­bo­ren. Zwei Jah­re nach ih­rer Ge­burt zog die Fa­mi­lie nach Ruhr­ort (heu­te Stadt Duis­burg). Hier wuchs Alet­ta auf. Sie ver­brach­te zwei Jah­re in ei­nem hol­län­di­schen Pen­sio­nat, wo sie die fran­zö­si­sche Spra­che lern­te. Dies kam der 16-jäh­ri­gen zu­gu­te, als sie wäh­rend des Sie­ben­jäh­ri­gen Krie­ges ih­rem vor fran­zö­si­scher Gei­sel­haft ge­flo­he­nen Va­ter zur frei­en Rück­kehr ver­half. Sie ver­han­del­te mit dem Ober­be­fehls­ha­ber der fran­zö­si­schen Rhein­ar­mee, Mar­schall Mar­quis de Con­ta­des (1704-1795), der als Ge­gen­leis­tung ei­nen Kuss ver­lang­te. Alet­ta kam die­sem Wunsch nach und er­reich­te so ihr Ziel.

Am 17.11.1761 hei­ra­te­te Alet­ta Noot den Duis­bur­ger Kauf­mann Ja­cob Wil­helm Ha­ni­el (1734-1782). In ih­rer 21-jäh­ri­gen Ehe ge­bar sie elf Kin­der, von de­nen nur vier das Er­wach­se­nen­al­ter er­reich­ten. Elf Jah­re lang leb­te die Fa­mi­lie Ha­ni­el in Duis­burg. 1772 zog sie nach Ruhr­ort, wo Ja­cob Wil­helm Ha­ni­el das Pack­haus (Wohn- und Kon­tor­haus) des Schwie­ger­va­ters über­nahm. Die­ses hat­te Jan Wil­lem Noot 1756 er­rich­tet und ein La­ger­hal­tungs­ge­schäft für die Ko­lo­ni­al­wa­ren­händ­ler der Re­gi­on be­trie­ben. Nach dem Tod ih­res Man­nes 1782 führ­te Alet­ta Ha­ni­el den Wein­han­del und den all­ge­mei­nen Spe­di­ti­ons- und Kom­mis­si­ons­han­del un­ter dem Fir­men­na­men J. W. Ha­ni­el seel. Wit­tib wei­ter (= Wit­we des ver­stor­be­nen Ha­ni­el). Da­bei wur­de sie zu­nächst von ih­rem jün­ge­ren Bru­der Sa­mu­el un­ter­stützt. Ab 1790 ar­bei­te­ten Sohn Wil­helm und ab 1796 die Söh­ne Ger­hard und Franz im Ge­schäft der Mut­ter.

1790 über­nahm die Fir­ma J. W. Ha­ni­el seel. Wit­tib, die durch Wil­helm Ha­ni­el ver­tre­ten wur­de, den Koh­len­ab­satz für die Fir­ma J. G. Mü­ser & Comp. Auch Alet­t­as Bru­der Di­ede­rich Wal­ter be­zie­hungs­wei­se des­sen Sohn Pe­ter Hein­rich wa­ren dar­an be­tei­ligt. Auf­ga­be der Kom­pa­nie war es, Koh­len aus der Graf­schaft Mark über die Ruhr nach Ruhr­ort zu ver­schif­fen und über den Rhein ab­zu­set­zen.

1792 über­nahm Alet­ta die Spe­di­ti­on von Ei­sen­wa­ren der Hüt­te St. An­t­o­ny bei Os­ter­feld (heu­te Stadt Ober­hau­sen) in Kom­mis­si­on für ein Rot­ter­da­mer Han­dels­haus. Bis 1795 ka­men Ge­schäf­te mit den be­nach­bar­ten Hüt­ten Neu-Es­sen und Gu­te Hoff­nung hin­zu. Spä­ter kauf­ten ih­re Söh­ne Franz und Ger­hard zu­sam­men mit den Schwä­gern Ja­co­bi und Huys­sen die­se drei Hüt­ten auf und ver­ei­nig­ten sie zur Hüt­ten­ge­werk­schaft und Hand­lung Ja­co­bi, Ha­ni­el & Huys­sen. Aus die­ser wur­de 1873 die Gu­te­hoff­nungs­hüt­te (GHH).

Der Wan­del ih­rer Ge­schäfts­tä­tig­keit schlägt sich auch dar­in nie­der, dass sie bis Mit­te der 1790er Jah­re als „Wein­händ­le­rin" galt, wäh­rend man ihr Ge­schäft da­nach mit Hin­weis auf die Ei­sen­wa­ren meist als „Spe­di­ti­on" be­zeich­ne­te. 1796 wur­de Alet­ta Ha­ni­el Teil­ha­be­rin an der Koh­len­han­dels­ge­sell­schaft J. G. Mü­ser & Comp. Sie war auch wei­ter­hin für den Koh­len­ab­satz zu­stän­dig. Mit dem Ei­sen­wa­ren- und Koh­len­ge­schäft er­schloss Alet­ta Ha­ni­el neue Han­dels­we­ge in den Wes­ten. Ei­sen­wa­ren und zu­neh­mend auch Koh­le setz­te sie vor al­lem in den Nie­der­lan­den ab. Als Ver­tre­ter ih­rer Fir­ma in der Ge­sell­schaft mit Mü­ser trat seit 1796 Sohn Ger­hard auf.

1800 er­warb Alet­ta Ha­ni­el von ih­ren Ge­schwis­tern das Ruhr­or­ter Pack­haus mit Zu­be­hör. Da­für zahl­te sie 4.500 Ta­ler. Im sel­ben Jahr ge­lang es ihr durch ein Schrei­ben an den preu­ßi­schen Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. (Re­gie­rungs­zeit 1797-1840), ge­gen den Wi­der­stand der alt ein­ge­ses­se­nen Ruhr­or­ter Koh­len­händ­ler, ei­nen Platz zum Ab­le­gen ih­rer Ei­sen­wa­ren di­rekt an der Ruhr zu er­lan­gen.

1802, im Al­ter von 60 Jah­ren, mach­te Alet­ta Ha­ni­el ih­re Söh­ne Ger­hard und Franz zu Teil­ha­bern an ih­rer Fir­ma. Schlie­ß­lich zog sie sich 1809, nach 27 Jah­ren als Ge­schäfts­frau, zu­rück. Die Fir­ma J. W. Ha­ni­el seel. Wit­tib er­losch und wur­de un­ter ih­ren Söh­ne Ger­hard und Franz auf­ge­teilt. Alet­ta Ha­ni­el starb am 11.5.1815 im Ruhr­or­ter Pack­haus an „Ent­kräf­tung". Sie wur­de 73 Jah­re alt. Wie groß das An­se­hen Alet­ta Ha­ni­els bei ih­ren Söh­nen war, wird in Franz Ha­ni­els Bio­gra­phie im­mer wie­der deut­lich.

Aletta Haniel, Gemälde von 1780.. (Franz Haniel & Cie. GmbH Corporate Communications - Archive & Documentation)

 
Zitationshinweis

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Kirchner, Ulrich, Aletta Haniel, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/aletta-haniel/DE-2086/lido/57c8267f3d1936.09001089 (20.09.2018)