Arnold II. von Wied

Erzbischof von Köln (1151-1156)

Swen Holger Brunsch (Swisttal)

Arnold II. von Wied gemeinsam mit seiner Schwester Hadwig von Wied (circa 1120-1172) auf einem Fresko in der Doppelkirche Schwarzrheindorf.

Ar­nold von Wied über­nahm das Bi­schofs­amt zu ei­ner Zeit, als das Köl­ner Erz­bis­tum fi­nan­zi­ell zer­rüt­tet und durch zahl­rei­che Feh­den ge­schwächt war. Zu sei­nen vor­dring­li­chen Auf­ga­ben ge­hör­ten da­her die Wie­der­her­stel­lung der erz­bi­schöf­li­chen Au­to­ri­tät im Erz­stift und die Rück­for­de­rung des ent­frem­de­ten Köl­ner Kir­chen­be­sit­zes. Dar­über hin­aus war Ar­nold um ei­ne Po­li­tik des Aus­gleichs zwi­schen Kö­nig und Papst be­müht. Zeit­ge­nös­si­sche Quel­len he­ben sei­nen Er­folg her­vor, so rühmt ihn Ot­to von Frei­sing (cir­ca 1112-1158) als "eh­ren­vol­len Mann und Er­neu­er sei­ner Kir­che".

Ar­nold wur­de um 1098 als Sohn des Gra­fen Mef­fried von Wied (vor 1084-um 1129) ge­bo­ren. Der Na­me sei­ner Mut­ter ist nicht über­lie­fert. Er hat­te sie­ben Ge­schwis­ter: drei Brü­der und vier Schwes­tern. Ar­nold ent­schied sich als zweit­ge­bo­re­ner Sohn für ei­ne kirch­li­che Lauf­bahn und wur­de wahr­schein­lich an der Stifts­schu­le in Lüt­tich aus­ge­bil­det, wo er Wi­bald von Sta­blo (1098-1158) ken­nen lern­te. Seit 1122 ist er als Propst von St. Ge­org in Lim­burg an der Lahn be­zeugt; er ge­hör­te seit spä­tes­tens 1127 eben­so dem Köl­ner Dom­stift an, dem er zu die­ser Zeit be­reits als Propst vor­stand. In die­ser Wür­de er­scheint er als Zeu­ge in vie­len Ur­kun­den der Erz­bi­schö­fe Fried­rich I. und Bru­no II. Wäh­rend der Amts­zeit Bru­nos ver­fass­te er per­sön­lich meh­re­re erz­bi­schöf­li­che Ur­kun­den.

Durch die­se Auf­ga­be qua­li­fi­ziert über­trug ihm Kö­nig Kon­rad III. (Re­gie­rungs­zeit 1138-1152) im April 1138 die Lei­tung der Reichs­kanz­lei und ver­bannt da­mit gleich­zei­tig die Er­nen­nung zum Propst von St. Ser­va­ti­us in Maas­tricht. In der Kanz­lei war Ar­nold, der meh­re­re Di­plo­me ei­gen­hän­dig aus­fer­tig­te, über­wie­gend mit loth­rin­gi­schen und ita­lie­ni­schen An­ge­le­gen­hei­ten be­traut; so reis­te er in Kon­rads Auf­trag 1138/1139 nach Ober­ita­li­en (Ge­nua, Far­fa) und Rom. In den fol­gen­den Jah­ren war er so­wohl am kö­nig­li­chen Hof als auch im­mer wie­der in Köln an­zu­tref­fen. Als Kanz­ler be­glei­te­te er im Früh­jahr 1147 Kö­nig Kon­rad auf den zwei­ten Kreuz­zug, des­sen Schei­tern er in Lao­dikeia am Ly­kos und vor Da­mas­kus 1148 mit­er­leb­te, eben­so wie den Rück­zug und den an­schlie­ßen­den kö­nig­li­chen Auf­ent­halt in Kon­stan­ti­no­pel (heu­te Is­tan­bul). Von dort kehr­te Ar­nold im Mai 1149, nach zwei Jah­ren Ab­we­sen­heit, ins Rhein­land zu­rück. Nach sei­ner Rück­kehr schloss sich Ar­nold in Köln den Geg­nern des seit März 1148 sus­pen­dier­ten Erz­bi­schofs Ar­nold I. an. Als Dom­propst über­nahm er ei­ne füh­ren­de Rol­le in der Op­po­si­ti­on, blieb bis auf wei­te­res in Köln und po­si­tio­nier­te sich selbst für ei­ne mög­li­che Nach­fol­ge. Zwangs­läu­fig zog er sich da­mit vom kö­nig­li­chen Hof zu­rück, was zu ei­ner vor­über­ge­hen­den Ent­frem­dung (1149-1151) von Kö­nig Kon­rad führ­te. Am 3.4.1151 starb Erz­bi­schof Ar­nold I. und Kle­rus und Volk wähl­ten nach ei­ner drei­tä­gi­gen Fas­ten­zeit Ar­nold von Wied ein­stim­mig zu des­sen Nach­fol­ger.

Über­ra­schen­der­wei­se er­klär­te der Dom­propst sich au­ßer­stan­de, das fi­nan­zi­ell und auch durch Feh­den zer­rüt­te­te Erz­bis­tum zu lei­ten. Die schmei­chel­haft-ein­hel­li­ge, ja tu­mul­tua­ri­sche Wahl woll­te er nicht oh­ne aus­drück­li­che kö­nig­li­che und päpst­li­che Zu­stim­mung an­neh­men. Hin­ter sei­nen Vor­be­hal­ten stand wohl auch die Sor­ge, ge­ge­be­nen­falls sein Pri­vat­ver­mö­gen für die fi­nan­zi­ell an­ge­schla­ge­ne Erz­diö­ze­se ein­set­zen zu müs­sen. Ar­nold reis­te da­her Kö­nig Kon­rad ent­ge­gen, der am 15. April in Bop­pard von der Wahl er­fuhr und sich nun sei­ner­seits auf den Weg nach Köln mach­te. In Schwarz­rhein­dorf (heu­te Stadt Bonn), wo Ar­nold auf Wied­schem Fa­mi­li­en­be­sitz ei­ne so­eben voll­ende­te Dop­pel­kir­che hat­te bau­en und prunk­voll aus­stat­ten las­sen, emp­fing der Er­wähl­te mit sei­nen Ver­wand­ten und ei­ner gro­ßen Zahl Köl­ner Kle­ri­ker und Lai­en den Kö­nig. Dort fand am 25.4.1151 die fei­er­li­che Wei­he der drei Al­tä­re der Un­ter­kir­che durch die Bi­schö­fe Al­bert von Meis­sen (Epis­ko­pat um 1150-1152) und Hein­rich von Lüt­tich (Epis­ko­pat 1145-1164) statt, wie Bi­schof Ot­to von Frei­sing be­rich­tet, der selbst den Al­tar der Ober­kir­che weih­te. Von dort fuh­ren Kö­nig Kon­rad und Adolf mit dem Schiff wei­ter nach Köln, wo ih­nen in der Stadt ein glän­zen­der Emp­fang be­rei­tet wur­de. Im Köl­ner Dom über­trug Kö­nig Kon­rad dem im­mer noch wi­der­stre­ben­den Ar­nold die Re­ga­li­en und stat­te­te ihn mit her­zög­li­chen Ge­recht­sa­men, so­zu­sa­gen mit ei­nem wie­der be­leb­ten loth­rin­gi­schen Du­kat (Köl­ner Her­zog­tum) aus.

Be­reits als Elekt setz­te sich Ar­nold für die Rück­füh­rung ent­frem­de­ter erz­stif­ti­scher Ta­fel­gü­ter ein, die erst 1153 gänz­lich ab­ge­schlos­sen war. Er nutz­te die neu ge­won­ne­nen her­zög­li­chen Ge­recht­sa­men zur Be­kämp­fung der zahl­rei­chen Feh­den und ade­li­gen Über­grif­fe und zur Wie­der­her­stel­lung des Land­frie­dens und der da­mit ver­bun­de­nen Ge­richts­bar­keit. Da­bei ge­lang es ihm, sei­ne erz­bi­schöf­li­che Au­to­ri­tät, auch ge­gen­über ade­li­gen Wi­der­sa­chern wie den Gra­fen von Berg und Arns­berg durch­zu­set­zen. Mit­un­ter han­del­te Ar­nold da­bei auch im Wied­schen Fa­mi­li­en­in­ter­es­se, so bei der Zer­stö­rung der Burg Sayn im Som­mer 1152.

Sei­ne Be­mü­hun­gen um Wie­der­her­stel­lung von Ru­he und Ord­nung in der Erz­diö­ze­se wur­den im Spät­som­mer 1151 un­ter­bro­chen, als Ar­nold erst an den kö­nig­li­chen Hof und dann zu­sam­men mit Abt Wi­bald von Sta­blo nach Rom reis­te, im Ge­päck ein Emp­feh­lungs­schrei­ben des Kö­nigs und Wahl­an­zei­gen des Bi­schofs von Lüt­tich so­wie des Kle­rus und Vol­kes von Köln. Zu An­fang des Jah­res 1152 be­stä­tig­te Papst Eu­gen III. (Pon­ti­fi­kat 1145-1153) in Seg­ni sei­ne Wahl, weih­te ihn und über­gab ihm das Pal­li­um. Dar­über hin­aus be­stä­tig­te er Ar­nold die Rech­te und Be­sit­zun­gen der Köl­ner Kir­che, sei­ne erz­bi­schöf­li­chen Pri­vi­le­gi­en und die neu ge­won­ne­nen her­zög­li­chen Vor­rech­te. Auf der Heim­rei­se nach Köln er­fuhr Ar­nold in Spey­er vom Tod des Kö­nigs (15.2.1152).

Rund zwei Wo­chen spä­ter, am 4.3.1152, nahm Erz­bi­schof Ar­nold an der Kö­nigs­wahl in Frank­furt teil. Hier un­ter­stütz­te er ak­tiv den stau­fi­schen Her­zog Fried­rich III. von Schwa­ben, den spä­te­ren Kö­nig und Kai­ser Fried­rich Bar­ba­ros­sa (Re­gie­rungs­zeit 1152-1190), den er nach er­folg­ter Wahl am 9. März in Aa­chen zum Kö­nig krön­te. Am Hof Kö­nig Fried­richs I. Bar­ba­ros­sa ist er in den fol­gen­den Jah­ren häu­fig nach­weis­bar: so un­ter­zeich­ne­te er 1153 als Zeu­ge den Kon­stan­zer Ver­trag und nahm im Ge­fol­ge des Kö­nigs 1154/1155 am Ita­li­en­zug teil, auf dem er als Erz­kanz­ler für Ita­li­en sämt­li­che Ur­kun­den re­ko­gnos­zier­te. Er ge­hör­te ge­mein­sam mit sei­nem Amts­bru­der An­selm von Ra­ven­na (ge­stor­ben 1158) der kö­nig­li­chen Ge­sandt­schaft an, die sich an Papst Ha­dri­an IV. (Pon­ti­fi­kat 1154-1159) wand­te, um die Kai­ser­krö­nung vor­zu­be­rei­ten. Als sich beim ers­ten Zu­sam­men­tref­fen in der Ge­gend von Su­tri (9.6.1155) Fried­rich wei­ger­te, dem Papst den Stra­t­or­dienst zu leis­ten, über­zeug­te ihn Ar­nold von der Recht­mä­ßig­keit die­ses Eh­ren­diens­tes, wie er sich über­haupt um den Aus­gleich zwi­schen bei­den Mäch­ten be­müh­te. Am 18.6.1155 er­leb­te Ar­nold die fei­er­li­che Kai­ser­krö­nung Fried­richs im Pe­ters­dom in Rom. Zwar ist er auch nach Rück­kehr des Kai­sers am Hof an­zu­tref­fen, doch er­reich­te er nicht mehr die Kö­nigs­nä­he wie un­ter Kon­rad III.

Nach über ei­nem Jahr, En­de Sep­tem­ber 1155, kehr­te Erz­bi­schof Adolf vom Ita­li­en­zug in sein Bis­tum zu­rück. Trotz häu­fi­ger Ab­we­sen­heit küm­mer­te er sich auch um geis­ti­ge Be­lan­ge in sei­ner Diö­ze­se, so för­der­te er ins­be­son­de­re die Klös­ter der Sieg­bur­ger Re­form­be­we­gung (St. Pan­ta­le­on in Köln und Sieg­burg) und un­ter­stütz­te die Grün­dung ei­nes Be­ne­dik­ti­ne­rin­nen­klos­ters an der Schwarz­rhein­dor­fer Dop­pel­kir­che, das er sei­ner Schwes­ter Had­wig (um 1120-wohl 1172) an­ver­trau­te und in das auch sei­ne Schwes­tern So­phia (ge­bo­ren um 1123) und Si­bur­ga (ge­bo­ren um 1126) ein­tra­ten.

Erz­bi­schof Ar­nold starb zwi­schen Os­tern und Pfings­ten, am 14.5.1156 in Xan­ten, durch ei­nen un­glück­li­chen Sturz bei ei­nem Wett­lauf; da­bei die pries­ter­li­che Wür­de ver­nach­läs­si­gend, wie die Pöhl­der An­na­len aus zeit­ge­nös­si­scher Sicht be­dau­ernd kom­men­tie­ren. Sei­ne Ge­bei­ne wur­den nach Schwarz­rhein­dorf über­führt und dort in der Dop­pel­kir­che be­stat­tet.

Quellen (Auswahl)

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Literatur (Auswahl)

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Online

Dop­pel­kir­che Schwarz­rhein­dorf (In­for­ma­ti­on auf der Web­site der Stadt Bonn). [On­line]

Oedi­ger, Fried­rich Wil­helm, Ar­ti­kel „Ar­nold II.", in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 1 (1953), S. 377. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Brunsch, Swen Holger, Arnold II. von Wied, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/arnold-ii.-von-wied/DE-2086/lido/57adba733a6d81.09792652 (14.11.2018)