Carl Joseph Begas

Maler (1794-1854)

Rita Müllejans-Dickmann (Heinsberg)

Carl Joseph Begas, Selbstbildnis 1819. (Kreismuseum Heinsberg)

Der ge­bür­ti­ge Heins­ber­ger und preu­ßi­sche Hof­ma­ler Carl Jo­seph Be­gas (ur­sprüng­lich Be­gas­se), der auch nach sei­ner An­sied­lung in Ber­lin dem Rhein­land durch fa­mi­liä­re und freund­schaft­li­che Be­zie­hun­gen stets ver­bun­den blieb, zählt zu den prä­gen­den deut­schen Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten zwi­schen Ro­man­tik und Rea­lis­mus.

Als drit­tes Kind des Ju­ris­ten Franz An­ton Be­gas­se (1764-1842) und sei­ner Ehe­frau Su­san­ne Hof­stadt (1769-1853) wur­de Be­gas am Tag sei­ner Ge­burt am 30.9.1794 in der Propstei­kir­che St. Gan­golf in Heins­berg ge­tauft. Nach dem Um­zug der Fa­mi­lie Be­gas­se nach Köln im Jahr 1802 er­hielt Be­gas sei­nen ers­ten Zei­chen­un­ter­richt durch den Zeich­ner und Mi­nia­tur­ma­ler Franz Katz (1782-1851) und spä­ter als Schü­ler des Bon­ner Ly­ce­ums bei Cle­mens Au­gust Phil­ip­part (1751-1825). 1813 be­gann Be­gas ge­mein­sam mit dem spä­te­ren Köl­ner Stadt­bau­meis­ter Jo­hann Pe­ter Wey­er ei­ne künst­le­ri­sche Aus­bil­dung im Ate­lier von An­toi­ne Jean Gros (1771-1835) in Pa­ris.

Hier wur­de der preu­ßi­sche Kö­nig Fried­rich Wil­helm III. (Re­gie­rungs­zeit 1797-1840) im Jahr 1814 auf den jun­gen Ma­ler auf­merk­sam und för­der­te ihn durch ein drei­jäh­ri­ges Sti­pen­di­um. Bei sei­nen ers­ten ei­ge­nen Bild­kom­po­si­tio­nen be­schäf­tig­te Be­gas sich aus­schlie­ß­lich mit christ­li­chen The­men. Im Auf­trag des preu­ßi­schen Kö­nigs mal­te Be­gas 1820 in Pa­ris das für den Ber­li­ner Dom be­stimm­te Al­tar­bild „Aus­gie­ßung des Hei­li­gen Geis­tes", das dort we­gen sei­nes in­ten­si­ven Ko­lo­rits und der Licht­füh­rung gro­ße Be­wun­de­rung her­vor­rief. Das Ge­mäl­de wur­de be­stim­mend für den wei­te­ren Wer­de­gang des Ma­lers, da der Kö­nig ihm ein wei­te­res Sti­pen­di­um für ei­nen Auf­ent­halt in Ita­li­en ge­währ­te.

Zum Ab­schied von sei­ner Fa­mi­lie in Köln ent­stand 1821 in zwei Fas­sun­gen das be­kann­te Bie­der­mei­er­bild­nis der Fa­mi­lie Be­gas­se (Köln, Wall­raf-Ri­ch­artz-Mu­se­um und Heins­berg, Kreis­mu­se­um). In farb­li­cher Har­mo­nie und aus­ge­wo­ge­ner Kom­po­si­ti­on zeigt das Ge­mäl­de die El­tern und Ge­schwis­ter mit der über­ra­gen­den Ge­stalt des Va­ters im Zen­trum. Der Ma­ler selbst, am rech­ten äu­ße­ren Bild­rand, nimmt als Rand­fi­gur an dem Fa­mi­li­en­idyll teil.

Im Ja­nu­ar 1822 trat Be­gas sei­ne Stu­di­en­rei­se nach Ita­li­en an. Nach ei­ner mehr­wö­chi­gen Rund­rei­se zu den be­deu­tends­ten Städ­ten Ita­li­ens schloss er sich in Rom der Ma­ler­grup­pe der Lu­kas­brü­der (Na­za­re­ner) an. Zeit­wei­se leb­te er hier un­ter ei­nem Dach mit dem dä­ni­schen Bild­hau­er Ber­tel Thor­wald­sen (1768-1844), den er 1823 por­trä­tier­te (Ber­lin, Al­te Na­tio­nal­ga­le­rie).

Die alt­meis­ter­li­che Tech­nik, die stren­ge Zeich­nung und die über­wie­gend re­li­giö­sen Su­jets ver­deut­li­chen bei sei­nen Wer­ken die­ser Zeit die en­ge An­leh­nung an na­za­re­ni­sche Vor­bil­der. Das von Be­gas im Auf­trag des preu­ßi­schen Kö­nigs für die Pots­da­mer Gar­ni­son­kir­che 1823 an­ge­fer­tig­te Al­t­ar­blatt der „Tau­fe Chris­ti" zählt zu den wich­tigs­ten Wer­ken sei­nes Rom-Auf­ent­hal­tes (Pots­dam, Stif­tung Preu­ßi­sche Schlös­ser und Gär­ten). Sei­ne Künst­ler­kol­le­gen des Over­beck­krei­ses zoll­ten ihm hier­für gro­ße An­er­ken­nung, je­doch wur­de das Ge­mäl­de auf­grund sei­ner na­za­re­ni­schen Fröm­mig­keits­hal­tung und Idea­li­sie­rung in Ber­lin nur mit ver­hal­te­ner Be­geis­te­rung auf­ge­nom­men.

Erst­mals si­gnier­te Be­gas(se) wäh­rend sei­nes Rom-Sti­pen­di­ums ei­ni­ge sei­ner Wer­ke mit der ver­kür­zen Na­mens­form, die er nach sei­ner Rück­kehr nach Ber­lin dau­er­haft be­nutz­te. Im Jahr 1825, we­ni­ge Mo­na­te nach sei­ner Rück­kehr aus Rom, hei­ra­te­te Be­gas in Ber­lin die Toch­ter des kö­nig­li­chen Schloss­bau­meis­ters, Wil­hel­mi­ne Bock (1800-1872), die als ei­ne der schöns­ten Frau­en Ber­lins galt.

Für Be­gas, der wäh­rend sei­ner Ab­we­sen­heit in Ber­lin als or­dent­li­ches Mit­glied an der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te auf­ge­nom­men wor­den war, be­deu­te­te die Bild­nis­ma­le­rei in sei­nen ers­ten Ber­li­ner Jah­ren ei­ne Si­che­rung sei­nes Aus­kom­mens. In den Bild­nis­sen voll­zog sich ein er­neu­ter Stil­wan­del. Sei­ne zu­vor do­mi­nie­ren­de fein­male­ri­sche und sach­li­che Ge­stal­tung wich nun ei­ner de­tail­rei­chen, in­di­vi­du­el­len und spon­ta­nen Cha­rak­te­ri­sie­rung und Kom­po­si­ti­on. Der fort­schrei­ten­de künst­le­ri­sche Er­folg von Be­gas wur­de 1826 durch den preu­ßi­schen Kö­nig mit sei­ner Er­nen­nung zum Pro­fes­sor der kö­nig­li­chen Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te ge­wür­digt. 1829 wur­de Be­gas die Lei­tung der neu ein­ge­rich­te­ten Klas­se für „ma­le­ri­sche Kom­po­si­ti­on" so­wie für „Stu­di­um der Ge­wan­dung" über­tra­gen.

Die Be­kannt­schaft und Freund­schaft von Be­gas mit den Ma­lern der Düs­sel­dorfer Kunst­aka­de­mie und der künst­le­ri­sche Aus­tausch mit ih­nen tru­gen ver­mut­lich ab den spä­ten 1820er Jah­ren zu sei­ner Hin­wen­dung zur Düs­sel­dor­fer Ro­man­tik bei, wie auch sei­ne Auf­ge­schlos­sen­heit ge­gen­über ro­man­ti­scher Li­te­ra­tur, Dich­tung und Mu­sik. Rit­ter­ro­man­tik, bib­li­sche und his­to­ri­sche The­men prä­gen sei­ne Wer­ke der 1830er Jah­re. Sei­nen bis da­hin grö­ß­ten Er­folg er­ziel­te Be­gas 1835 mit sei­nem il­lus­tra­ti­ven Ge­mäl­de der be­kann­ten Rhein­sa­ge, der „Lure­ley" (Heins­berg, Kreis­mu­se­um), das in en­ger An­leh­nung an die li­te­ra­ri­sche Vor­la­ge des Ge­dich­tes von Hein­rich Hei­ne „Ich weiß nicht was soll es be­deu­ten" ent­stand. Die de­tail­rei­che Aus­füh­rung und das Ko­lo­rit des Ge­mäl­des fan­den in al­len Krei­sen der Ge­sell­schaft gro­ßen An­klang.

Für Burg Rheineck bei Bad Brei­sig schuf Be­gas 1836 sein be­deu­tends­tes His­to­ri­en­ge­mäl­de „Hein­rich IV. in Ca­nos­sa" (ver­schol­len). Nach die­sen bei­den gro­ßen Er­folgs­bil­dern setz­te Be­gas sei­ne Ar­bei­ten in der Stil­rich­tung der Düs­sel­dor­fer Ma­ler­schu­le fort. In den Auf­trags­ar­bei­ten zur re­li­giö­sen His­to­rie, die er als sei­nen wich­tigs­ten und ei­gent­li­chen Schaf­fens­be­reich an­sah, blieb Be­gas wei­ter­hin der tra­di­tio­nel­len, aka­de­mi­schen und fein­male­ri­schen Dar­stel­lungs­wei­se so­wie stren­gen Bild­kom­po­si­tio­nen ver­haf­tet. Doch brach­ten ihm die­se Bil­der beim Ber­li­ner Pu­bli­kum kei­ne Er­fol­ge. Er muss­te sich be­züg­lich die­ser Kom­po­si­tio­nen von Kunst­kri­ti­kern sei­ner Zeit den Vor­wurf des „ge­bil­de­ten Eklek­ti­zis­ten" ge­fal­len las­sen.

Den grö­ß­ten Er­folg in der Gat­tung der Gen­re­ma­le­rei er­ziel­te Be­gas schlie­ß­lich im Jahr 1841 mit dem Ge­mäl­de „Die Moh­ren­wä­sche" (Heins­berg, Kreis­mu­se­um). Das hu­mo­ris­tisch ge­färb­te Bild­the­ma ei­nes klei­nen Mäd­chens, das ver­sucht, mit ei­nem Schwamm die dunk­le Haut­far­be ei­ner Far­bi­gen auf­zu­hel­len, ist frei von Thea­tra­lik und künst­li­cher Po­se. Un­ge­ach­tet des Pu­bli­kums­er­fol­ges die­ses Bil­des wand­te Be­gas sich in den fol­gen­den Jah­ren weit­ge­hend von der Gen­re­ma­le­rei ab. Die Ur­sa­che hier­für lag haupt­säch­lich an sei­ner in­ten­si­ve­ren Hin­wen­dung zur Por­trät­ma­le­rei. Im Jahr 1842 stif­te­te Kö­nig Fried­rich Wil­helm IV. von Preu­ßen (Re­gie­rungs­zeit 1840-1858) die Frie­dens­klas­se des Or­dens „Pour le Mé­ri­te" für Kunst und Wis­sen­schaft. Mit dem Auf­trag, die aus­ge­zeich­ne­ten Per­sön­lich­kei­ten zu por­trä­tie­ren, wur­de Be­gas 1843 bis zu sei­nem Tod be­traut.

Wei­te­re An­er­ken­nung wur­de Be­gas 1846 zu­teil, als Fried­rich Wil­helm IV. ihn in der Nach­fol­ge von Karl Wil­helm Wach (1787-1845) zum preu­ßi­schen Hof­ma­ler er­nann­te.

Mit dem Tod von Be­gas, der am 24.11.1854 in Ber­lin starb, ver­lor die Ber­li­ner Ma­ler­schu­le ei­ne ih­rer prä­gen­den Künst­ler­per­sön­lich­kei­ten und ei­nen be­deu­ten­den Leh­rer. Wenn­gleich Be­gas in sei­ner His­to­ri­en­ma­le­rei nicht die er­hoff­ten Er­fol­ge er­lang­te, und es ihm nicht ge­lang, sich von den sti­lis­ti­schen Ein­flüs­sen und Er­war­tun­gen sei­ner Zeit zu be­frei­en, so wur­de ihm je­doch schon zu Leb­zei­ten als Bild­nis­ma­ler grö­ß­te An­er­ken­nung zu­teil. Sei­ne fein­füh­li­ge Cha­rak­te­ri­sie­rung der por­trä­tier­ten Per­sön­lich­kei­ten in Zu­sam­men­klang mit ei­nem wei­chen, ge­sät­tig­ten Ko­lo­rit und gro­ßem mal­tech­ni­schem Kön­nen mach­te ihn zu ei­nem der be­deu­tends­ten Por­trä­tis­ten sei­ner Zeit und lässt ihm bis in die Ge­gen­wart ei­ne ho­he Wert­schät­zung zu­teil wer­den.

Be­gas war der Stamm­va­ter ei­ner be­deu­ten­den Künst­ler­fa­mi­lie. Sein Söh­ne Os­car (1828-1883), Rein­hold (1831-1911), Adal­bert (1836-1888) und Carl der Jün­ge­re (1845-1916) tra­ten als Ma­ler und Bild­hau­er er­folg­reich die künst­le­ri­sche Nach­fol­ge des Va­ters an. Auch aus den fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen der Fa­mi­lie Be­gas gin­gen zahl­rei­che Künst­ler her­vor.

Literatur

Fa­beck, Mar­lies von, Jo­seph Carl Be­gas ge­nannt der Äl­te­re (1794-1854). Kö­nig­lich Preu­ßi­scher Hof­ma­ler, un­pu­bli­zier­te ­Dis­ser­ta­ti­on, Ins­bruck 1986.
Mül­le­jans-Dick­mann, Ri­ta / Haff­ner, Do­ro­thee / Fel­bin­ger, Udo, Carl Jo­seph Be­gas (1794-1854), Blick in die Hei­mat. Aus­stel­lungs-Ka­ta­log Kreis­mu­se­um Heins­berg 1994, Heins­berg 1994.
Mül­le­jans-Dick­mann, Ri­ta, Ar­ti­kel "Be­gas, Carl Jo­seph", in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 23 (2004), Sp. 61-68.
Wirth, Irm­gard, Die Künst­ler­fa­mi­lie Be­gas in Ber­lin, Ber­lin 1968.

 
Zitationshinweis

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Müllejans-Dickmann, Rita, Carl Joseph Begas, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/carl-joseph-begas-/DE-2086/lido/57c57902187bf3.75890649 (26.04.2018)