Christian Rogge

Generalsuperintendent der Evangelischen Kirche in der Rheinprovinz (1864–1912)

Marc Zirlewagen (Wehrheim)

Christian Rogge als VDSt-Mitglied. (Hausarchiv des VDSt Königsberg-Mainz)

Chris­ti­an Rog­ge war zu­nächst Mi­li­tär­pfar­rer so­wie Hof- und Schloss­pre­di­ger. 1911 wur­de er Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der Evan­ge­li­schen Kir­che in der Rhein­pro­vinz. Ein Le­bens­jahr blieb ihm, um in die­ser Stel­lung tä­tig zu sein. Er nutz­te es ins­be­son­de­re, um die Ein­heit der rhei­ni­schen Kir­che zu för­dern.

Chris­ti­an Jo­hann Fried­rich Al­brecht Rog­ge wur­de am 13.4.1864 als Sohn des Pfar­rers und Hei­ma­this­to­ri­kers Adolf Rog­ge (1827–1886) und sei­ner Frau Loui­se, ge­bo­re­ne Pach­nio zu Dar­keh­men, im ost­preu­ßi­schen Ho­hen­fürst ge­bo­ren.

Rog­ge stu­dier­te ab 1883 Ma­the­ma­tik in Leip­zig. Dort trat er dem na­tio­na­len Ver­ein Deut­scher Stu­den­ten (VDSt) bei. Nach sei­nem Wech­sel nach Kö­nigs­berg war er 1885 an der Grün­dung des VDSt Kö­nigs­berg be­tei­ligt. Zum Som­mer­se­mes­ter 1886 wech­sel­te er nach Ber­lin. Dort wand­te er sich nach dem Tod sei­nes Va­ters dem Stu­di­um der evan­ge­li­schen Theo­lo­gie zu. Er über­nahm im Win­ter­se­mes­ter 1886/1887 den Vor­sitz des VDSt Ber­lin und stell­te in­ten­si­ve Kon­tak­te der Stu­den­ten­schaft zu Ge­ne­ral­feld­mar­schall Hel­muth Graf von Molt­ke (1800–1891) her. Gleich­zei­tig ver­hin­der­te er ein Zu­sam­men­ge­hen der deutsch­na­tio­na­len Stu­den­ten­schaft im Deut­schen Kai­ser­reich so­wie der deutsch­na­tio­na­len Stu­den­ten­schaft Ös­ter­reichs, um die Do­nau­mon­ar­chie nicht durch ei­nen deut­schen Se­pa­ra­tis­mus zu schwä­chen. Au­ßer­dem trat er ak­tiv für die frei­wil­li­ge Kran­ken­pfle­ge im Krieg ein. In ihr soll­ten für dienst­un­taug­lich er­klär­te oder zur Er­satz­re­ser­ve II. Klas­se zu­rück­ge­stell­te Stu­den­ten die­nen. 1887/1888 war er als Vor­orts­vor­sit­zen­der der höchs­te stu­den­ti­sche Ver­tre­ter der im Kyff­häu­ser­ver­band ver­ein­ten Ver­ei­ne Deut­scher Stu­den­ten. Rog­ges Idea­le hie­ßen: Chris­ten­tum, Deutsch­tum, So­zi­al­re­form. Auf der Ver­bands­ta­gung der Ver­ei­ne Deut­scher Stu­den­ten stell­te er 1888 dem­entspre­chend den An­trag zur Er­rich­tung ei­nes Ge­denk­steins für die Kai­ser­li­che so­zia­le Bot­schaft von 1881. Der Ge­denk­stein wur­de 1895 auf dem Kyff­häu­ser ein­ge­weiht, wo­bei Rog­ge die Wei­he­re­de hielt.

1888 be­stand er das ers­te theo­lo­gi­sche Ex­amen. An­schlie­ßend war er Pre­digt­amt­skan­di­dat. 1889/1890 be­fand er sich in Aus­bil­dung im Pre­di­ger­se­mi­nar zu Wit­ten­berg. An­fang 1890 be­stand er das zwei­te theo­lo­gi­sche Ex­amen. An­schlie­ßend war er Gar­ni­sons­hilfs­pre­di­ger in Ber­lin. Sei­ne Or­di­na­ti­on er­folg­te am 28.3.1890. An­fang 1891 wur­de er Di­vi­si­ons­pfar­rer der 1. Gar­de-In­fan­te­rie-Di­vi­si­on. An­fang 1892 wur­de er in das Ak­ti­ons­ko­mi­tee des Evan­ge­lisch-so­zia­len Kon­gres­ses ge­wählt. 1893 war er Di­vi­si­ons­pfar­rer der 15. In­fan­te­rie-Di­vi­si­on in Köln.

Er war ver­hei­ra­tet mit Cla­ra Plan­tier. Aus der Ehe gin­gen fünf Kin­der her­vor.

 

Ab 1.10.1895 war Rog­ge Ma­ri­ne­pfar­rer der Ost­see­sta­ti­on Kiel, wo er wie­der­holt vor Kai­ser Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918) pre­dig­te. 1897 lehn­te er ei­ne Hof­pre­di­ger­stel­le in Ber­lin, spä­ter auch den Ruf als Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent in Po­sen ab. 1901 wur­de er Ma­ri­ne-Ober­pfar­rer. Zwi­schen 1901 und 1903 ar­bei­te­te er am Jahr­buch „Neue Chris­to­ter­pe“ mit, da­ne­ben an der Mo­nats­schrift für Ge­müt und Geist „Tür­mer“. 1903 er­nann­te ihn die Theo­lo­gi­sche Fa­kul­tät der Uni­ver­si­tät Kiel zum Lic. theol. h. c. Seit 1906 war Rog­ge Hof- und Schloss­pre­di­ger an der Schloss- und Ma­ri­ne­ge­mein­de Stet­tin und Mit­glied des Stet­ti­ner Kon­sis­to­ri­ums. 1909 gab er zu­sam­men mit Ru­dolf Har­ney (1880–1965) die Evan­ge­li­sche Rund­schau für Pom­mern her­aus, die je­doch über den ers­ten Jahr­gang nicht hin­aus kam. 

Am 6.6.1911 wur­de Rog­ge Nach­fol­ger von Va­len­tin Um­beck als Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der Rhein­pro­vinz in Ko­blenz. In sein Amt führ­te ihn am 12.7.1911 Ernst von Dryan­der (1843–1922) ein. Rog­ge trat sein Amt mit­ten in den Wir­ren der Kri­se um den we­ni­ge Ta­ge zu­vor sei­nes Amts ent­ho­be­nen Köl­ner Pfar­rer Carl Ja­tho an. In sei­ner kur­zen Amts­zeit setz­te er sich für die Ein­heit der rhei­ni­schen Kir­che ein, die durch die Dis­kus­sio­nen um das Für und Wi­der zu Ja­tho ge­lit­ten hat­te. Da­ne­ben för­der­te er die An­stal­ten und Ar­bei­ten der in­ne­ren Mis­si­on und setz­te auf der Nie­der­rhei­ni­schen Pas­to­ral-Kon­fe­renz am 11.4.1912 kla­re Richt­li­ni­en „für die Ver­ei­ni­gung wis­sen­schaft­lich-theo­lo­gi­scher Ar­beit mit po­si­ti­vem Her­zens­glau­ben“ (Zur Wür­di­gung von Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent Rog­ge, S. 395). Au­ßer­dem wid­me­te er sich dem evan­ge­li­schen Re­li­gi­ons­un­ter­richt an den hö­he­ren Lehr­an­stal­ten. Rog­ge stand dem Hof­pre­di­ger Adolf Stoecker (1835–1909) na­he, wenn­gleich er sich nie in den Dienst von Stoeckers po­li­ti­scher Be­we­gung stell­te. So ver­such­te ihn Stoecker nach dem frü­hen Tod sei­nes en­gen Par­tei­gän­gers Walt­her Burck­hardt (1863–1890) – ei­nem Ver­bands­bru­der Rog­ges – ver­geb­lich für des­sen Nach­fol­ge zu ge­win­nen.

Rog­ge starb am 6.8.1912 wäh­rend ei­ner Rei­se in Weil­burg/Lahn. Die To­des­ur­sa­che wird meist mit Schlag­an­fall an­ge­ge­ben, an an­de­ren Stel­len wird auch der Ge­nuss ver­dor­be­ner Spei­sen an­ge­führt. Am 10.8.1912 wur­de er in Ko­blenz be­er­digt. Die Trau­er­fei­er fand in der Chris­tus­kir­che statt.

Sei­ne Zeit­ge­nos­sen sa­hen Rog­ges be­mer­kens­wer­te Lauf­bahn als Fol­ge sei­ner Be­wäh­rung in ver­schie­de­nen Stel­lun­gen, sei­ner Red­ner­ga­be, sei­ner wis­sen­schaft­li­chen Gründ­lich­keit und sei­ner um­fas­sen­de Bil­dung an. Rog­ges Amts­nach­fol­ger war ab 1913 Karl Vik­tor Klin­ge­mann.

Werke

Die An­schau­un­gen des Apos­tels Pau­lus von dem re­li­gi­ös-sitt­li­chen Cha­rak­ter des Hei­den­tums auf Grund der vier Haupt­brie­fe. Ei­ne theo­lo­gisch-phi­lo­lo­gi­sche Un­ter­su­chung, Leip­zig 1888.

[Zu­sam­men mit] Quandt, Jo­han­nes und Zed­litz, Hein­rich Frhr. v. (Hg.), Ta­schen­buch für die Mit­glie­der des Kyff­häu­ser-Ver­ban­des der Ver­ei­ne Deut­scher Stu­den­ten, 1. und 2. Auf­la­ge Ber­lin 1888, 1892.

Die so­cia­le Be­deu­tung der Mi­li­tär­seel­sor­ge. Vor­trag, Dres­den 1892.

Tho­mas Car­lyle. Ein Ge­denk­blatt zur hun­derts­ten Wie­der­kehr sei­nes Ge­burts­ta­ges, Göt­tin­gen 1895.

Der ir­di­sche Be­sitz im Neu­en Tes­ta­ment. Sei­ne Be­ur­tei­lung und Wert­schät­zung durch Chris­tus und die Apos­tel, Göt­tin­gen 1897.

Nimm und lies! Bib­li­sche Streif­zü­ge und Cha­rak­ter­bil­der, Stutt­gart 1899.

Mo­ses und Chris­tus. Pre­dig­ten, Stutt­gart 1900.

Deut­sche See­sol­da­ten bei der Be­la­ge­rung der Ge­sandt­schaf­ten in Pe­king im Som­mer 1900, Ber­lin 1902.

Tap­fe­re Män­ner und fröh­li­che Ge­ber. Zwei Wei­he­re­den, Kiel/Leip­zig 1902..

Aus­sich­ten und Auf­ga­ben. Be­trach­tun­gen über die La­ge des Chris­ten­tums in der geis­ti­gen Kri­se der Ge­gen­wart, Stutt­gart 1903.

Wir hei­ßen euch hof­fen. Pre­dig­ten und Skiz­zen, Kiel/Leip­zig 1905.

Re­li­giö­se Cha­rak­te­re aus dem 19. Jahr­hun­dert, Stutt­gart 1908.

Kunst, Künst­ler, Chris­ten­tum, Ham­burg 1910.

Nä­her mein Gott zu dir, Ber­lin 1911.

Fe­der­zeich­nun­gen zur Berg­pre­digt, Ber­lin 1911.

Lu­ther und die Kir­chen­bil­der sei­ner Zeit, Leip­zig 1912.

Quellen

Per­so­nal­ak­te im Evan­ge­li­schen Zen­tral­ar­chiv in Ber­lin.

Pfar­rer­da­tei im Ar­chiv der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land in Düs­sel­dorf.

Literatur

Ab­le­ben des Herrn Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten Rog­ge, in: Kirch­li­ches Amts­blatt des kö­nig­li­chen Kon­sis­to­ri­ums der Rhein­pro­vinz, Nr. 17 (1912), S. 64-65.

Bei­set­zung des Ge­ne­ral­su­per­in­ten­den­ten Rog­ge, in: Kirch­li­che Rund­schau, Heft 16 (1912), S. 395-397.

Die Ver­ei­ne Deut­scher Stu­den­ten. 12 Jah­re aka­de­mi­scher Kämp­fe. Hg. von Her­man v. Pe­ters­dorff un­ter Mit­wir­kung von Chris­ti­an Rog­ge, Wal­de­mar Zet­sche [u. a.], 3. Auf­la­ge, Leip­zig 1900.

Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent Rog­ge †, in: Düs­sel­dor­fer Sonn­tags­blatt, Au­gust 1912, S. 309.

Kir­rin­nis, Her­bert, Chris­ti­an Rog­ge, in: Alt­preu­ßi­sche Bio­gra­phie, Band 2, Mar­burg 1967, S. 567.

Kling­mann, Chris­ti­an Rog­ge, in: Bio­gra­phi­sches Jahr­buch und Deut­scher Ne­kro­log, Band 17 (1912), Ber­lin 1915, S. 63-64.

Mumm, Rein­hard, Chris­ti­an Rog­ge, in: Ma­ß­mann, Karl/Oß­wald, Ro­bert Paul (Hg.), VDS­ter – 50 Jah­re Ar­beit für Volks­tum und Staat. Den Ver­ei­nen Deut­scher Stu­den­ten zum 6. Au­gust 1931 ge­wid­met, Ber­lin 1931, S. 66-68.

Pe­ters­dorff, Her­man von, Chris­ti­an Rog­ge, in: Aka­de­mi­sche Blät­ter 27 (1912/1913), S. 151-152.

We­ber und Bro­nisch, Nach­ruf, in: Kirch­li­che Rund­schau, Heft 16 (1912), S. 393.

Zir­le­wa­gen, Marc, Chris­ti­an Rog­ge, in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon, Band 34, Nord­hau­sen 2005, Sp. 1226-1229.

Zur Wür­di­gung von Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent Rog­ge, in: Kirch­li­che Rund­schau, Heft 16 (1912), S. 394-395.

Online

Die Ver­ei­ne Deut­scher Stu­den­ten. 12 Jah­re aka­de­mi­scher Kämp­fe. Hg. von Her­man v. Pe­ters­dorff un­ter Mit­wir­kung von Chris­ti­an Rog­ge, Wal­de­mar Zet­sche u. a., 2. Auf­la­ge Leip­zig 1895. [On­line]

Christuskirche in Koblenz, 2010, Foto: Holger Weinandt.

 
Zitationshinweis

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Zirlewagen, Marc, Christian Rogge, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/christian-rogge/DE-2086/lido/57cd22d7ea8b81.64003460 (15.07.2018)