Heinrich Mathias Konen

Physiker und Rektor der Universität Bonn (1874-1948)

Christian George (Mainz)

. (Universitätsarchiv Bonn)

Hein­rich Ma­thi­as Ko­nen war Pro­fes­sor für Phy­sik an der Uni­ver­si­tät Bonn und am­tier­te zwi­schen 1929 und 1931 als Rek­tor der Uni­ver­si­tät, be­vor er 1934 von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in den Ru­he­stand ver­setzt wur­de. Nach Kriegs­en­de über­nahm er er­neut das Amt des Rek­tors und präg­te den Wie­der­auf­bau der Uni­ver­si­tät Bonn ma­ß­geb­lich. Für kur­ze Zeit war er 1947/1948 nord­rhein-west­fä­li­scher Kul­tus­mi­nis­ter.

Hein­rich Ma­thi­as Ko­nen wur­de am 16.9.1874 als Sohn des Gym­na­sial­ober­leh­rers Hein­rich Hu­bert Ko­nen (1837-1915) und des­sen Frau An­na ge­bo­re­ne Deng­ler (1842-1921) in Köln ge­bo­ren. Auf­ge­wach­sen im rhei­nisch-ka­tho­li­schen Mi­lieu blieb er Zeit sei­nes Le­bens dem Rhein­land eng ver­bun­den. Sei­ne Schul­bil­dung er­hielt Ko­nen am re­nom­mier­ten Köl­ner Fried­rich-Wil­helm-Gym­na­si­um, an dem auch sein Va­ter un­ter­rich­te­te. Nach dem Ab­itur stu­dier­te er Ma­the­ma­tik, Phy­sik, Bo­ta­nik und Zoo­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Bonn. 1897 wur­de er mit ei­ner Ar­beit „Über die Spek­tren des Jo­d“ bei Hein­rich Kay­ser (1853-1940) pro­mo­viert. Nach sei­ner Pro­mo­ti­on leg­te er 1898 das Staats­ex­amen ab, an das er nach der Mi­li­tär­zeit sein Re­fe­ren­da­ri­at für den hö­he­ren Schul­dienst am Städ­ti­schen Gym­na­si­um in Bonn an­schloss. Doch zog Ko­nen ei­ne wis­sen­schaft­li­che Kar­rie­re dem Schul­dienst vor. Be­reits seit 1899 ar­bei­te­te er als As­sis­tent Kay­sers am Phy­si­ka­li­schen In­sti­tut in Bonn. 1902 ha­bi­li­tier­te er sich im Fach Ex­pe­ri­men­tal­phy­sik. 1905 er­hielt Ko­nen ei­nen Ruf als au­ßer­or­dent­li­cher Pro­fes­sor an die Uni­ver­si­tät Müns­ter.

Wie Kay­ser sah Ko­nen sei­nen wis­sen­schaft­li­chen Schwer­punkt in der Spek­tro­sko­pie. Be­son­ders her­vor­zu­he­ben ist in die­sem Zu­sam­men­hang der von Ko­nen 1905 in Zu­sam­men­ar­beit mit Au­gust Ha­gen­bach (1871-1955) her­aus­ge­ge­be­ne At­las der Emis­si­ons­spek­tren der Ele­men­te. Sei­ne For­schun­gen brach­ten ihm schnell in­ter­na­tio­na­le An­er­ken­nung. Er wur­de zum Mit­glied der „In­ter­na­tio­nal Uni­on for Co­ope­ra­ti­on in So­lar Re­se­ar­ch“ be­ru­fen und in die re­nom­mier­te Päpst­li­che Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (Pon­ti­fi­cia Ac­ca­de­mia Ro­ma­na dei Nuo­vi Lin­cei) auf­ge­nom­men. Ei­ne Stu­di­en­rei­se, die er 1912 in ei­nem um­fang­rei­chen Rei­se­be­richt do­ku­men­tier­te, führ­te ihn zu ver­schie­de­nen Stern­war­ten und La­bo­ra­to­ri­en der USA.

In Müns­ter lern­te Ko­nen die Toch­ter des dor­ti­gen Uni­ver­si­täts­rich­ters Ma­ria Na­cke (1882-1962) ken­nen, die er 1908 hei­ra­te­te. Aus der Ehe gin­gen ein Sohn (ge­bo­ren 1909) und ei­ne Toch­ter (ge­bo­ren 1911) her­vor. In sei­ne Müns­te­ra­ner Zeit fiel auch der Be­ginn sei­ner po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tät. Als über­zeug­ter Ka­tho­lik trat er der Zen­trums­par­tei bei und stieg zum Vor­sit­zen­den des Müns­te­ra­ner Stadt­ver­bands der Par­tei auf. Als Mit­glied des Stadt­par­la­ments und Ab­ge­ord­ne­ter des West­fä­li­schen Pro­vin­zi­al­land­ta­ges er­warb er sich auch über­re­gio­na­le An­er­ken­nung. In die­ser Zeit ent­wi­ckel­te sich ein en­ges Ver­trau­ens­ver­hält­nis Ko­nens zum Müns­te­ra­ner Theo­lo­gen Ge­org Schrei­ber (1882-1963), ei­nem der ein­fluss­reichs­ten Kul­tur­po­li­ti­ker des Zen­trums.

Mit Aus­bruch des Ers­ten Welt­kriegs mel­de­te sich Ko­nen als Frei­wil­li­ger zum Kriegs­ein­satz. Er wur­de im Ei­sen­bahn­dienst in Bel­gi­en ein­ge­setzt und mit dem Ei­ser­nen Kreuz II. Klas­se so­wie dem Ver­dienst­kreuz für Kriegs­hil­fe aus­ge­zeich­net. Nach­dem er 1916 wie­der nach Müns­ter zu­rück­ver­setzt wor­den war, er­nann­te man ihn 1919 zum Or­di­na­ri­us für Theo­re­ti­sche Phy­sik. Doch er­hielt Ko­nen be­reits 1920 ei­nen Ruf an die Uni­ver­si­tät Bonn. Dort über­nahm er in der Nach­fol­ge sei­nes aka­de­mi­schen Leh­rers Kay­ser das Or­di­na­ri­at für Theo­re­ti­sche Phy­sik und die Di­rek­to­ren­stel­le des Phy­si­ka­li­schen In­sti­tuts. Als In­sti­tuts­di­rek­tor, De­kan und in den Jah­ren 1929-1931 auch als Rek­tor wur­de Ko­nen zu ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Per­sön­lich­kei­ten der Uni­ver­si­tät Bonn in der Wei­ma­rer Zeit. Deut­lich wur­de sein Ein­fluss durch sei­ne wis­sen­schafts­po­li­ti­schen Ak­ti­vi­tä­ten, die weit über die Uni­ver­si­tät Bonn hin­aus reich­ten. So stand er in en­gem Kon­takt zu Fried­rich Schmidt-Ott (1860-1956) und war an der Grün­dung der Not­ge­mein­schaft der Deut­schen Wis­sen­schaft be­tei­ligt. Er war Vor­stands­mit­glied der Kai­ser-Wil­helm-Ge­sell­schaft und 1927-1929 Prä­si­dent der Deut­schen Phy­si­ka­li­schen Ge­sell­schaft. Ko­nens Pri­vat­le­ben in den 1920er Jah­ren war da­ge­gen von der Sor­ge um sei­ne Ehe­frau ge­prägt, de­ren 1925 dia­gnos­ti­zier­tes Ner­ven­lei­den so stark wur­de, dass die Ein­stel­lung ei­ner Pfle­ge­rin er­for­der­lich wur­de und Ko­nen die Vor­mund­schaft für sei­ne Ehe­frau über­neh­men muss­te. An der Uni­ver­si­tät Bonn sah sich Ko­nen seit dem En­de der 1920er Jah­re er­star­ken­den na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Kräf­ten ge­gen­über, die er als Ka­tho­lik und Zen­trums­mit­glied ab­lehn­te. Als en­ger Ver­trau­ter der All­ge­mei­nen Stu­den­ten­ar­beits­ge­mein­schaft (AStAG) be­müh­te er sich um die Stär­kung kon­ser­va­ti­ver Kräf­te ge­gen den sich all­mäh­lich eta­blie­ren­den Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Stu­den­ten­bund. Durch sei­ne of­fe­ne Ab­leh­nung des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus war er nach 1933 zu­neh­men­den An­fein­dun­gen aus­ge­setzt. 1934 wur­de Ko­nen fälsch­li­cher­wei­se der Un­ter­schla­gung und fi­nan­zi­el­ler Un­re­gel­mä­ßig­kei­ten be­schul­digt. Am 1.7.1934 wur­de er nach § 6 des Ge­set­zes zur Wie­der­her­stel­lung des Be­rufs­be­am­ten­tums zwangs­wei­se in den Ru­he­stand ver­setzt. Ob­wohl sich die Vor­wür­fe ge­gen Ko­nen als halt­los er­wie­sen, wur­de sein An­trag auf Eme­ri­tie­rung ab­ge­lehnt. In der Fol­ge ar­bei­te­te Ko­nen bis Kriegs­en­de bei der Fir­ma Dy­na­mit No­bel in Trois­dorf.

Erst nach dem En­de der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur konn­te Ko­nen an die Uni­ver­si­tät Bonn zu­rück­keh­ren. Nach­dem er im Früh­jahr 1945 das An­ge­bot der ame­ri­ka­ni­schen Mi­li­tär­re­gie­rung zur Über­nah­me des Bon­ner Ober­bür­ger­meis­ter­am­tes ab­ge­lehnt hat­te, en­ga­gier­te er sich im pro­vi­so­ri­schen Se­nat der Uni­ver­si­tät, der im April 1945 vom stell­ver­tre­ten­den Rek­tor Theo­dor Brink­mann (1877-1951) ins Le­ben ge­ru­fen wur­de. Im Ju­li über­nahm Ko­nen nach dem Rück­tritt Brink­manns den Vor­sitz die­ses Gre­mi­ums und wur­de so mit 71 Jah­ren er­neut zum Rek­tor der Uni­ver­si­tät Bonn. Ko­nen trieb mit gro­ßem Elan den Wie­der­auf­bau der Uni­ver­si­tät vor­an. Ins­be­son­de­re küm­mer­te er sich um stu­den­ti­sche Be­lan­ge. Er be­müh­te sich, die von den Bri­ten fest­ge­leg­te Zahl der Stu­di­en­plät­ze zu er­hö­hen und er­reich­te in Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt und der Mi­li­tär­re­gie­rung ei­ne Ver­bes­se­rung der Le­bens- und Stu­di­en­ver­hält­nis­se. Durch sein Ver­hand­lungs­ge­schick ver­schaff­te er sich die An­er­ken­nung, die im Früh­jahr 1946 zu sei­ner Wie­der­wahl als Rek­tor mit über­wäl­ti­gen­der Mehr­heit führ­te.

Trotz ge­sund­heit­li­cher Ein­schrän­kun­gen nahm er auch sei­ne po­li­ti­sche Ar­beit nach Kriegs­en­de wie­der auf. Er trat der CDU bei, war Mit­glied des Pro­vin­zi­al­rats der Nord-Rhein­pro­vinz und wur­de in den ers­ten, noch von der Mi­li­tär­re­gie­rung er­nann­ten Land­tag Nord­rhein-West­fa­lens be­ru­fen. Als nach den Kom­mu­nal­wah­len En­de 1946 ei­ne Ka­bi­netts­um­bil­dung er­for­der­lich wur­de, über­nahm Ko­nen für die CDU das Amt des Kul­tus­mi­nis­ters. 1947 er­rang er bei der ers­ten Land­tags­wahl das Man­dat des Stadt­krei­ses Bonn.

Die Dop­pel­rol­le Ko­nens als Kul­tus­mi­nis­ter und Rek­tor wur­de von Sei­ten der Uni­ver­si­tät zu­nächst po­si­tiv auf­ge­nom­men, wäh­rend die bri­ti­sche Mi­li­tär­re­gie­rung die­se kri­tisch sah. Als im De­zem­ber 1946 Pro­rek­tor Karl Theo­dor Kipp (1896-1963) we­gen des Ver­dachts auf Kriegs­ver­bre­chen fest­ge­nom­men wur­de, stieg die Ar­beits­be­las­tung Ko­nens wei­ter an. Den­noch kan­di­dier­te er auch 1947 für das Amt des Rek­tors und wur­de er­neut ge­wählt, die­ses Mal al­ler­dings nur mit knap­per Mehr­heit. Es wur­de im­mer of­fen­sicht­li­cher, dass Ko­nen der Dop­pel­be­las­tung bei­der Äm­ter nicht ge­wach­sen war. Der Wi­der­stand wuchs nun so­wohl in­ner­halb der Uni­ver­si­tät als auch in der CDU-Frak­ti­on im Land­tag, so dass Ko­nen im Au­gust 1947 vom Amt des Kul­tus­mi­nis­ters zu­rück­trat. Er blieb aber - da zu­nächst kein Nach­fol­ger ge­fun­den wer­den konn­te - bis De­zem­ber 1947 im Amt. Ko­nen war als Kul­tus­mi­nis­ter we­nig ak­tiv. Nach sei­ner ins­ge­samt glanz­lo­sen Amts­zeit wur­de sein Rück­tritt selbst in den Rei­hen der ei­ge­nen Par­tei nicht als schwe­rer Ver­lust ge­wer­tet. Ko­nen hoff­te nun, sich ganz sei­ner Ar­beit als Rek­tor der Uni­ver­si­tät Bonn wid­men zu kön­nen.

Doch auch auf die­ses Amt muss­te er An­fang 1948 ver­zich­ten. Ei­ne Un­ter­su­chung der Mi­li­tär­re­gie­rung hat­te im Herbst 1947 er­ge­ben, dass die Zahl der zu­ge­las­se­nen Stu­den­ten den fest­ge­leg­ten Nu­me­rus clau­sus deut­lich über­stieg. Zu­dem wur­de Ko­nen vor­ge­wor­fen, die po­li­ti­sche Über­prü­fung der Stu­den­ten zu nach­läs­sig durch­ge­führt und Stu­den­ten auf Grund sach­frem­der Er­wä­gun­gen zu­ge­las­sen zu ha­ben. Auf Druck der Bri­ten reich­te Ko­nen sein Rück­tritts­ge­such ein und wur­de zum 1.4.1948 eme­ri­tiert. In­ner­halb nur we­ni­ger Mo­na­te hat­te Ko­nen da­mit sei­ne bei­den Äm­ter ver­lo­ren. Im sel­ben Jahr er­reich­te ihn die Mel­dung vom Tod sei­nes Soh­nes Hein­rich Kas­par Ko­nen in rus­si­scher Ge­fan­gen­schaft.

Ko­nen war die ein­fluss­reichs­te Per­sön­lich­keit der Uni­ver­si­tät Bonn in den Jah­ren des Wie­der­auf­baus. Die Uni­ver­si­tät dank­te es ihm im Ok­to­ber 1947 mit der Ver­lei­hung der Eh­ren­dok­tor­wür­de der me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät für sei­ne Ver­diens­te um den Wie­der­auf­bau der Uni­ver­si­tät. Hein­rich Ma­thi­as Ko­nen starb am 31.12.1948 in sei­nem Haus in Bad Go­des­berg. Zu sei­ner Be­er­di­gung bil­de­ten die Bon­ner Stu­den­ten, von de­nen Ko­nen sehr ver­ehrt wur­de, ei­nen lan­gen Trau­er­zug. Die Uni­ver­si­tät gab zum Ge­den­ken Ko­nens ein Por­trait und ei­ne Büs­te ih­res ers­ten Nach­kriegs­rek­tors in Auf­trag.

 
Zitationshinweis

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George, Christian, Heinrich Mathias Konen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinrich-mathias-konen/DE-2086/lido/57c938033896f5.12886589 (22.04.2018)