Heinrich Welsch

Lehrer (1848–1935)

Barbara Hausmanns (Wachtberg)

Heinrich Welsch, Porträtfoto, um 1900. (Privatbesitz)

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Hein­rich Welsch war ein hoch an­ge­se­he­ner Päd­ago­ge in Kalk (heu­te Stadt Köln) und Grün­dungs­rek­tor der dor­ti­gen Hilfs­schu­le. Als „Leh­rer Wel­sch“ wur­de er in dem Kar­ne­vals­lied „En d`r Kay­jaß Num­me­ro Nul­l“ zu ei­ner Kult­fi­gur des rhei­ni­schen Kar­ne­vals.

Am 29.5.1848 wur­de Hein­rich Welsch als ers­tes Kind des Bau­ern Mi­cha­el Welsch und sei­ner Ehe­frau Jo­se­fi­ne in dem rund 220 Ein­woh­ner zäh­len­den Arz­dorf (heu­te Ge­mein­de Wacht­berg) ge­bo­ren. Der Va­ter hat­te in das klei­ne bäu­er­li­che An­we­sen ein­ge­hei­ra­tet; die im Fach­werk­bau er­rich­te­te Hof­an­la­ge von 1828 am nörd­li­chen Dor­f­en­de in Rich­tung Vil­lip ist bis heu­te er­hal­ten. Mei­ne El­tern wa­ren from­me, recht­schaf­fe­ne und über­aus flei­ßi­ge Leu­te, schrieb Welsch in sei­nen Le­bens­er­in­ne­run­gen. Von den fünf nach­fol­gen­den Kin­dern der Fa­mi­lie Welsch über­leb­ten vier. Trotz der har­ten Le­bens­be­din­gun­gen und häu­fi­ger Mit­hil­fe auf dem el­ter­li­chen Hof ver­brach­ten Hein­rich und sei­ne Ge­schwis­ter ei­ne schö­ne Kind­heit. Ge­prägt wur­de sie vor al­lem durch den from­men Gro­ßva­ter Chris­ti­an Krä­mer.

 

Hein­rich Welsch be­such­te ab 1855 die Dorf­schu­le; der gu­te Schü­ler wech­sel­te mit 13 Jah­ren auf die von Geist­li­chen ge­führ­te Rek­to­rats­schu­le im na­hen Städt­chen Me­cken­heim. Sei­ne wei­te­re Aus­bil­dung führ­te ihn nach Ko­blenz in die Lehr­an­stalt der ka­tho­li­schen „Schul­brü­der“ und ab 1865 in das dor­ti­ge Leh­rer­se­mi­nar. Als „Ex­ter­ner“ schaff­te Hein­rich Welsch drei Jah­re spä­ter die Leh­rer­prü­fung am kö­nig­lich-preu­ßi­schen Leh­rer­se­mi­nar in Brühl. Über ein Pen­sio­nat für ver­wais­te Jun­gen brach­te ihn sein be­ruf­li­cher Weg in Zei­ten des Kul­tur­kamp­fes in das ka­tho­li­sche Sau­er­land, wo er auf Schloss Kört­ling­hau­sen (Stadt Rü­t­hen) Haus­leh­rer bei der Fa­mi­lie des Reichs­frei­herrn Fried­rich Leo­pold von Fürs­ten­berg wur­de und die vier ers­ten Söh­ne der Fa­mi­lie bis zu de­ren Wech­sel aufs Gym­na­si­um un­ter­rich­te­te.

An­schlie­ßend be­warb sich Welsch um ei­ne An­stel­lung im preu­ßi­schen Schul­dienst. Zum 1.9.1877 schick­te ihn die Köl­ner Be­zirks­re­gie­rung zu­nächst für kur­ze Zeit nach­ Wor­rin­gen (heu­te Stadt Köln), da­nach für drei Jah­re nach Köln-Sülz. Mit dem Wech­sel nach Köln war Hein­rich Welsch in ein völ­lig an­de­res Mi­lieu ge­kom­men.

Geburtshaus von Heinrich Welsch in Wachtberg-Arzdorf. Eine kleine Plakette erinnert an den bekannten 'Lehrer Welsch'. Heute wohnen dort keine Familienmitglieder mehr. (Privatbesitz)

 

Ab 1881 fand Welsch sei­ne Be­stim­mung als Leh­rer in Kalk. In die­sem Jahr wur­de der Ort als Fol­ge ei­ner ra­san­ten in­dus­tri­el­len Ent­wick­lung zur Stadt er­ho­ben, die al­ler­dings be­reits 1910 man­gels Aus­deh­nungs­mög­lich­kei­ten nach Köln ein­ge­mein­det wur­de. Die Klein­sied­lung Kalk in der Bür­ger­meis­te­rei Deutz mit knapp 100 Ein­woh­nern im Jah­re 1843 war in nur we­ni­gen Jahr­zehn­ten zu ei­nem be­deu­ten­den In­dus­trie­stand­ort vor al­lem der che­mi­schen und der Me­tall­ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie mit 11.418 Men­schen im Jah­re 1885 an­ge­wach­sen. Bis Jahr 1905 stieg die Ein­woh­ner­zahl auf 25.478. Seit 1850 be­saß Kalk ei­ne Schu­le, die ne­ben der Kal­ker Ka­pel­le an der Brück­er­stra­ße, der heu­ti­gen Haupt­stra­ße er­rich­tet wor­den war.

Mit der An­stel­lung in Kalk war es Welsch nun mög­lich, ei­ne Fa­mi­lie zu grün­den. Am 18.8.1886 hei­ra­te­te er die Leh­re­rin Ka­tha­ri­na Zent­ner (7.12. 1859–21.8.1937) aus Klein Vil­lip. Aus der Ehe gin­gen zwi­schen 1893 und 1901 fünf Kin­der her­vor, von de­nen nur die Töch­ter Ma­ria und Mar­tha über­leb­ten.

Heinrich Welsch als junger Lehrer mit seiner Schulklasse, um 1880. (Privatbesitz)

 

Als Hein­rich Welsch sei­ne Stel­le an der Kal­ker Volks­schu­le an­trat, traf er auf ei­nen dy­na­mi­schen In­dus­trie­stand­ort mit ei­nem be­son­ders ho­hen An­teil an Ar­bei­tern und Ta­ge­löh­nern. Die so­zia­len Pro­ble­me wa­ren of­fen­kun­dig, die Ar­mut saß in den Schul­klas­sen, die Welsch Tag für Tag be­trat, mit auf der Bank. Vie­le Kin­der ka­men gar nicht erst in die Schu­le, sie muss­ten den Le­bens­un­ter­halt der Fa­mi­li­en mit be­strei­ten, oder aber die Kin­der be­sa­ßen kei­ne Schu­he, um in die Schu­le ge­hen zu kön­nen.nach oben­Kin­der, de­nen das Ler­nen schwer fiel oder sol­che, die geis­tig nicht nor­mal ent­wi­ckelt wa­ren, be­ka­men kei­ner­lei För­de­rung. Die­sem Schick­sal be­geg­ne­te der pas­sio­nier­te, tief im ka­tho­li­schen Glau­ben ver­wur­zel­te Päd­ago­ge Hein­rich Welsch 1905 mit der Grün­dung der ers­ten Hilfs­schu­le an der Holl­wegh­stra­ße, in der lern­be­hin­der­te Schü­ler zum ers­ten Mal ei­ne Chan­ce auf ei­ne Schul­bil­dung er­hiel­ten. Of­fen­bar küm­mer­te er sich nicht nur um sei­ne Schü­ler, son­dern nahm auch ihr so­zia­les Um­feld wahr. So sorg­te er sich be­son­ders um die Ar­men in Kalk und setz­te sich für das Los un­ver­hei­ra­te­ter Müt­ter ein.

Familienporträt, Kalk, um 1905, von links: Pflegesohn, Martha Welsch, Heinrich Welsch, Katharina Welsch, Maria Welsch. (Privatbesitz)

 

Der bei den ar­men Leu­ten hoch an­ge­se­he­ne, pa­tri­ar­cha­lisch wir­ken­de Mann schied kurz vor dem Ers­ten Welt­krieg aus dem Schul­dienst aus. Er starb am 7.6.1935 und wur­de auf dem Fried­hof „Am Kratz­we­g“ in Köln-Mer­heim be­gra­ben. Sein Grab wird heu­te als Eh­ren­grab der Stadt Köln ge­pflegt.

Drei Kal­ker Jun­gen er­in­ner­ten sich be­son­ders ger­ne an den freund­li­chen äl­te­ren Herrn, den in Kalk je­der kann­te; vor al­lem die Kin­der moch­ten ihn, weil er im­mer Bon­bons für die „Pän­z“ da­bei hat­te. So kam es, dass die­se Jun­gen – in­zwi­schen be­kannt als das Ori­gi­nal Köl­ner Ge­sangs-Trio „Die Laach­du­ve“ – aus ei­ner Köl­schlau­ne her­aus ein Lied auf den Leh­rer Welsch mach­ten: Her­mann Klä­ser kom­po­nier­te und Will Her­ken­rath schrieb den Text. Her­aus kam 1938 das le­gen­dä­re Kar­ne­vals­lied „En d`r Kay­jaß Num­me­ro Nul­l“. Zum kar­ne­va­lis­ti­schen Ever­green, den in je­der Ses­si­on bis heu­te Tau­sen­de mit­sin­gen, wur­de es je­doch erst nach dem Zwei­ten Welt­krieg durch die „Vier Bot­ze“.

Heinrich Welsch als Rektor der Kalker Hilfsschule mit dem Kollegium, Kalk, um 1910. (Privatbesitz)

 

_En d'r Kay­jass Num­me­ro Nul­l _

_Nä, nä, dat wes­se mer nit mih, janz bes­temp nit mih, _

Dass die „Drei Laach­du­ve“ mit ih­ren Ver­sen die Wir­kungs­stät­te von Hein­rich Welsch in die links­rhei­ni­sche Kay­gas­se ver­legt ha­ben, mag ganz sach­li­che Grün­de ha­ben. Zwar gab es in der Kay­gas­se kei­ne Hilfs­schu­le, aber die Ge­gend war ein so­zia­ler Brenn­punkt ganz ähn­lich dem Mi­lieu in Kalk. Heu­te hat sich die na­he der Kay­gas­se ge­le­ge­ne Ka­tho­li­sche Haupt­schu­le am Gro­ßen Grie­chen­markt der Pfle­ge des Nach­ruhms des en­ga­gier­ten Päd­ago­gen an­ge­nom­men. An der Ecke Kay­gas­se/Gro­ßer Grie­chen­markt er­in­nert ei­ne Ge­denk­ta­fel mit dem Lied­text „En d`r Kay­jaß Num­me­ro 0“ an den Leh­rer Hein­rich Welsch aus Arz­dorf. Seit 2004 ver­gibt der Köl­ner Ver­band des Ver­eins Deut­sche Spra­che, der vor al­lem ge­gen die Ver­wen­dung von An­gli­zis­men in der deut­schen Spra­che kämpft, jähr­lich den Leh­rer-Welsch-Preis. Die Rhei­ni­sche För­der­schu­le für Spra­che, Se­kun­dar­stu­fe I, des Land­schafts­ver­ban­des Rhein­land (LVR) in Köln-Flit­tard hei­ßt seit 2006 „Hein­rich-Welsch-Schu­le“. Im LVR-Frei­licht­mu­se­um Kom­mern ist Hein­rich Welsch in der Aus­stel­lung „Wir­Rhein­län­der“ ver­tre­ten.

Literatur

Haus­manns, Bar­ba­ra, En d`r Kay­gass Nu­me­ro 0, in: Jahr­buch des Rhein-Sieg-Krei­ses 2005 (2004), S. 42–48.
Haus­manns, Bar­ba­ra, Die Frau an sei­ner Sei­te – Das Le­ben der Ka­tha­ri­na Welsch aus Klein Vil­lip, in: Die Ka­pel­le Ma­ria Him­mels­kö­ni­gin, Köln 2010, S. 37–43.
Oels­ner, Wolf­gang, Ar­ti­kel Welsch, Hein­rich, in: Soé­ni­us, Ul­rich S./ Wil­helm, Jür­gen Köl­ner Per­so­nen­le­xi­kon, Köln 2008, S. 569-570.
Rhei­ni­scher Städ­teat­las X Nr. 54: Kalk, be­arb. von Hen­ri­et­te Meynen, Bri­git­te Wüb­be­ke und Ha­rald Mül­ler, Köln/Bonn 1992.

Katharina Welsch, Porträtfoto. (Privatbesitz)

 
Zitationshinweis

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Hausmanns, Barbara, Heinrich Welsch, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinrich-welsch/DE-2086/lido/57c92c6e2a7935.83689040 (22.05.2018)