Heinz Flohe

Fußballnationalspieler (1948-2013)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Heinz Flohe als Doublesieger mit Meisterschale und Pokal, 1978, Foto: weltfussball.de.

Heinz Flo­he war ein of­fen­si­ver Mit­tel­feld­spie­ler, der für den 1. FC Köln und den TSV 1860 Mün­chen 343 Bun­des­li­ga­spie­le ab­sol­vier­te und da­bei 81 To­re er­ziel­te. Als Ka­pi­tän führ­te „Flo­cke“ den 1. FC Köln in der Sai­son 1977/1978 zum Ge­winn des Dou­bles aus Deut­scher Meis­ter­schaft und DFB-Po­kal.

Heinz Flo­he wur­de am 28.1.1948 als Sohn des KFZ-Me­cha­ni­kers Pe­ter Jo­seph Flo­he und des­sen Ehe­frau Ma­ria Mag­da­le­na Krä­mer in Eus­kir­chen ge­bo­ren. Ge­för­dert durch sei­nen Va­ter er­lern­te er ab 1952 das Fuß­ball­spie­len beim TSV Eus­kir­chen. Dank au­ßer­ge­wöhn­li­cher tech­ni­scher Fä­hig­kei­ten, ei­ner her­aus­ra­gen­den Spiel­über­sicht und ei­nem star­ken Tor­ab­schluss galt er in der Mit­te der 1960er Jah­re als ei­nes der grö­ß­ten Ta­len­te im deut­schen Fuß­ball. Nach Ab­schluss ei­ner Leh­re als Au­to­schlos­ser er­hielt der Ju­nio­ren­na­tio­nal­spie­ler zu Be­ginn der Sai­son 1966/67 ei­nen Pro­fi­ver­trag beim 1. FC Köln, der zu die­ser Zeit zu den Top­ver­ei­nen im deut­schen Fuß­ball zähl­te.

Sein De­büt in der Bun­des­li­ga gab Flo­he am 3.9.1966 bei der 0:1 Aus­wärts­nie­der­la­ge ge­gen Ein­tracht Braun­schweig. Das ers­te Tor glück­te ihm am 5.11.1966 im Heim­spiel ge­gen Han­no­ver 96 (1:1). Er traf in der 22. Mi­nu­te zur zwi­schen­zeit­li­chen Füh­rung sei­ner Mann­schaft. Be­reits in sei­ner zwei­ten Sai­son ge­wann er den DFB-Po­kal. Im Fi­na­le am 9.6.1968 wur­de der VFL Bo­chum deut­lich mit 4:1 be­zwun­gen. Flo­he blieb zwar oh­ne Tor­er­folg, ge­hör­te aber zu den auf­fäl­ligs­ten Ak­teu­ren auf dem Platz. In den fol­gen­den bei­den Spiel­zei­ten trat er we­ni­ger in Er­schei­nung und ent­wi­ckel­te sich erst zu Be­ginn der 1970er Jah­re an der Sei­te von Wolf­gang Over­ath (ge­bo­ren 1943) zu ei­ner fes­ten Grö­ße im zen­tra­len Mit­tel­feld sei­ner Mann­schaft.

In der Spiel­zeit 1970/1971 be­rief ihn Bun­des­trai­ner Hel­mut Schön (1915-1996) erst­mals in den Kreis der bun­des­deut­schen Na­tio­nal­elf. Sein De­büt fei­er­te Heinz Flo­he am 22.11.1970 beim 3:1 ge­gen Grie­chen­land in Athen. Zu­nächst kam er je­doch nur spo­ra­disch zu wei­te­ren Ein­sät­zen. Bei der Welt­meis­ter­schaft des Jah­res 1974 ge­hör­te Flo­he zum Ka­der des spä­te­ren Ti­tel­trä­gers. Bei der 0:1 Nie­der­la­ge ge­gen die DDR am 22.6.1974 stand er in der Start­elf, wur­de aber von Schön als Links­au­ßen ein­ge­setzt und konn­te auf die­ser für ihn un­ge­wohn­ten Po­si­ti­on nicht über­zeu­gen. Im wei­te­ren Ver­lauf des Tur­niers kam er noch zu zwei Kurz­ein­sät­zen in den Zwi­schen­run­den­par­ti­en ge­gen Ju­go­sla­wi­en (1:0) und Schwe­den (4:2).

Auch in den fol­gen­den Jah­ren ge­hör­te Heinz Flo­he zum er­wei­ter­ten Stamm der Na­tio­nal­mann­schaft und zähl­te spä­tes­tens seit der Eu­ro­pa­meis­ter­schafts­end­run­de des Jah­res 1976 zu ih­ren Leis­tungs­trä­gern. Im Halb­fi­na­le ge­gen Ju­go­sla­wi­en am 17.6.1976 wur­de er zu Be­ginn der zwei­ten Halb­zeit ein­ge­wech­selt. Mit sei­nem Tref­fer zum 1:2 lei­te­te er die Wen­de in ei­ner schon ver­lo­ren ge­glaub­ten Par­tie ein, wel­che die deut­sche Elf in der Ver­län­ge­rung mit 4:2 für sich ent­schied. Auch im Fi­na­le ge­gen die CSSR am 20.6.1976 kam Flo­he erst in der 46. Mi­nu­te ins Spiel. Er­neut ver­lieh er dem bis da­hin be­hä­bi­gen Spiel der deut­schen Elf neue Im­pul­se. Nach dem En­de der Ver­län­ge­rung stand es 2:2. Im Elf­me­ter­schie­ßen, das mit 3:5 ver­lo­ren ging, zeig­te sich Flo­he ner­ven­stark und ver­wan­del­te si­cher zum zwi­schen­zeit­li­chen 2:2. In der am 17.11.1976 in Han­no­ver aus­ge­tra­ge­nen Neu­auf­la­ge des End­spiels sieg­te die deut­sche Elf mit 2:0. Flo­he er­ziel­te hier nicht nur das 1:0, son­dern zu­gleich den 1.000 Tref­fer in der Ge­schich­te des Deut­schen Fuß­ball­bun­des (DFB).

Der 1. FC Köln zähl­te in den 1970er Jah­ren zwar noch im­mer zu den bes­ten deut­schen Ver­ei­nen, die Bun­des­li­ga wur­de je­doch vom FC Bay­ern Mün­chen und Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach do­mi­niert. Es man­gel­te der hoch­ka­rä­tig be­setz­ten Köl­ner Mann­schaft über meh­re­re Jah­re an der not­wen­di­gen Kon­stanz, um ernst­haft in den Kampf um die Deut­sche Meis­ter­schaft ein­grei­fen zu kön­nen. Ein Ver­eins­wech­sel kam für den hei­mat­ver­bun­de­nen Heinz Flo­he den­noch nicht in Fra­ge. 1972 lehn­te er un­ter an­de­rem ein An­ge­bot des FC Bay­ern Mün­chen ab.

Im Som­mer 1976 über­nahm Hen­nes Weis­wei­ler den Trai­ner­pos­ten beim 1. FC Köln. Wenn­gleich sei­ne Per­so­nal­ent­schei­dun­gen nicht un­um­strit­ten wa­ren, führ­te er den Ver­ein den­noch zu ei­ner kur­zen Blü­te­zeit und zum Ge­winn von drei Ti­teln in zwei Spiel­zei­ten. Wäh­rend Weis­wei­ler den lang­jäh­ri­gen Ka­pi­tän Wolf­gang Over­ath öf­fent­lich de­mon­tier­te, för­der­te er den Auf­stieg Flo­hes vom Leis­tungs­trä­ger zu sei­nem ver­län­ger­ten Arm auf dem Platz. Die er­folg­rei­che Sai­son 1976/1977 wur­de durch den 1:0 Er­folg im Po­kal­fi­na­le ge­gen Her­tha BSC ge­krönt.

Nach dem Rück­tritt Over­aths wur­de Flo­he zu Be­ginn der Spiel­zeit 1977/1978 zum Ka­pi­tän ge­wählt. Er be­stritt in die­ser Sai­son al­le 34 Spie­le, er­ziel­te 14 To­re und führ­te sei­ne Mann­schaft zum Ge­winn des Dou­bles aus Meis­ter­schaft und Po­kal­sieg. Er war da­mit ma­ß­geb­lich am grö­ß­ten Er­folg der Ver­eins­ge­schich­te be­tei­ligt. Nach durch­wach­se­nem Start hat­te der 1. FC Köln am zwölf­ten Spiel­tag die Ta­bel­len­füh­rung über­nom­men und die­se er­folg­reich bis zum letz­ten Spiel­tag ver­tei­digt. Am 15.4.1978 ge­wann die Mann­schaft dank ei­nes 2:0 Er­fol­ges ge­gen For­tu­na Düs­sel­dorf den DFB-Po­kal, zwei Wo­chen spä­ter si­cher­te sie sich in ei­nem pa­cken­den Fern­du­ell mit Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bach die ins­ge­samt drit­te Deut­sche Meis­ter­schaft der Ver­eins­ge­schich­te. Beim ent­schei­den­den 5:0 ge­gen den FC St. Pau­li über­rag­te Flo­he bis zu sei­ner ver­let­zungs­be­ding­ten Aus­wechs­lung in der 80. Mi­nu­te ein­mal mehr als An­trei­ber, krea­ti­ver Spiel­ge­stal­ter und zwei­fa­cher Tor­schüt­ze.

Zur Krö­nung sei­ner über­ra­gen­den Sai­son hät­te die im Som­mer 1978 in Ar­gen­ti­ni­en statt­fin­den­de Welt­meis­ter­schaft wer­den sol­len. Mit star­ken Leis­tun­gen hat­te sich Flo­he in den zu­rück­lie­gen­den Län­der­spie­len ei­nen Stamm­platz im zen­tra­len Mit­tel­feld und die be­gehr­te Rü­cken­num­mer „10“ ge­si­chert. Er zähl­te zu den we­ni­gen krea­ti­ven Stüt­zen ei­nes Ka­ders, der seit dem Ti­tel­ge­winn von 1974 durch zahl­rei­che Rück­trit­te er­heb­lich an Qua­li­tät ver­lo­ren hat­te. Im ent­täu­schen­den Auf­takt­spiel ge­gen Po­len (0:0) am 1.6.1978 in Bue­nos Ai­res konn­te Flo­he den ho­hen Er­war­tun­gen nicht ge­recht wer­den. Beim 6:0 ge­gen Me­xi­ko im zwei­ten Vor­run­den­spiel bot er hin­ge­gen ei­ne star­ke Leis­tung. Er bril­lier­te als Spiel­ge­stal­ter und er­ziel­te in der 42. Mi­nu­te das vier­te und in der 89. Mi­nu­te das sechs­te deut­sche Tor. In der letz­ten Grup­pen­par­tie ge­gen Tu­ne­si­en (0:0) füg­te er sich al­ler­dings naht­los in ei­ne er­neut un­in­spi­rier­te Vor­stel­lung sei­ner Mann­schaft ein.

Im ers­ten Spiel der Zwi­schen­run­de traf die DFB-Aus­wahl am 14. Ju­ni auf Ita­li­en. Flo­he zähl­te wie­der zu den auf­fäl­ligs­ten deut­schen Ak­teu­ren, ver­letz­te sich aber in der zwei­ten Halb­zeit oh­ne Ein­wir­kung sei­nes Ge­gen­spie­lers und muss­te nach 70 Mi­nu­ten aus­ge­wech­selt wer­den. Die nach­fol­gen­de Un­ter­su­chung er­gab, dass er sich ei­nen Mus­kel­fa­ser­riss zu­ge­zo­gen hat­te und im Ver­lauf des Tur­niers nicht mehr zum Ein­satz kom­men wür­de. Ent­täuscht trat er vor­zei­tig die Heim­rei­se an. Das Spiel ge­gen Ita­li­en war zu­gleich sein letz­ter Auf­tritt im Na­tio­nald­ress. Be­reits vor dem Tur­nier hat­te er sich zum Rück­tritt ent­schlos­sen, um jun­gen Spie­lern Platz zu ma­chen. Ins­ge­samt be­stritt Heinz Flo­he zwi­schen 1970 und 1978 39 Län­der­spie­le, in de­nen er acht Tref­fer er­ziel­te.

In Köln kehr­te nach den Tri­um­phen der Vor­sai­son Er­nüch­te­rung ein. Wäh­rend Flo­he an sei­ner Ver­let­zung la­bo­rier­te, droh­te sei­ne Mann­schaft im Mit­tel­maß zu ver­sin­ken. Zwar gab der Ka­pi­tän am 7.10.1978 sein Come­back in der Bun­des­li­ga, ver­letz­te sich aber nach sechs Spie­len er­neut und muss­te bis März 1979 pau­sie­ren. An die über­ra­gen­den Leis­tun­gen der vor­he­ri­gen Spiel­zeit ver­moch­te Flo­he auch da­nach nicht mehr an­zu­knüp­fen. Im Zu­ge die­ser Kri­se kam es zum Zer­würf­nis zwi­schen ihm und Trai­ner Weis­wei­ler. Der Streit es­ka­lier­te nach dem de­so­la­ten 0:6 ge­gen den Ham­bur­ger SV am 8.5.1979. Flo­he war in der 54. Mi­nu­te we­gen Nach­tre­tens vom Platz ge­stellt wor­den, wor­auf­hin Weis­wei­ler den Pu­bli­kums­lieb­ling für den Rest der Sai­son aus dem Ka­der ver­bann­te.

Ent­täuscht kehr­te Flo­he dem 1. FC Köln zu Be­ginn der Sai­son 1979/1980 den Rü­cken und heu­er­te beim Auf­stei­ger TSV 1860 Mün­chen an. Der Wech­sel brach­te ihm je­doch kein Glück. In der Par­tie ge­gen den MSV Duis­burg am 1.12.1979 er­litt er durch ein Foul des Ver­tei­di­gers Paul Stei­ner (ge­bo­ren 1957) ei­nen kom­pli­zier­ten Bruch des Wa­den- und Schien­beins. Die­se Ver­let­zung be­deu­te­te den bit­te­ren Schluss­punkt ei­ner lan­gen Rei­he von sport­li­chen Rück­schlä­gen, die ih­ren An­fang bei der Welt­meis­ter­schaft des Jah­res 1978 ge­nom­men hat­te, über die von mensch­li­chen Ent­täu­schun­gen be­glei­te­te letz­te Sai­son beim 1. FC Köln führ­te und schlie­ß­lich in der Sport­in­va­li­di­tät en­de­te.

Im An­schluss an sei­ne ak­ti­ve Lauf­bahn ver­such­te sich Flo­he zu­nächst oh­ne gro­ßen Er­folg als Box­pro­mo­ter. Zwi­schen 1981 und 1991 fun­gier­te er als Trai­ner des TSC Eus­kir­chen, den er 1982 in die Lan­des­li­ga und 1983 in die Ver­bands­li­ga Mit­tel­rhein führ­te. Zwi­schen 1993 und 1999 wirk­te er als As­sis­tenz­trai­ner der Ama­teur­mann­schaft des 1. FC Köln. Ver­diens­te er­warb er sich nach sei­ner ak­ti­ven Lauf­bahn vor al­lem in der Nach­wuchs­för­de­rung.

Seit den 1990er Jah­ren mehr­ten sich die Nach­rich­ten über schwe­re ge­sund­heit­li­che Pro­ble­me Flo­hes. Nach­dem ihm be­reits 1992 ei­ne künst­li­che Herz­klap­pe ein­ge­setzt wor­den war, zwan­gen ihn fort­dau­ern­de Rhyth­mus­stö­run­gen An­fang 2004 zu ei­ner wei­te­ren Ope­ra­ti­on. Am 11.5.2010 er­litt er in Köln auf of­fe­ner Stra­ße ei­nen Zu­sam­men­bruch. Nach er­folg­rei­chen Wie­der­be­le­bungs­maß­nah­men wur­de er in ein künst­li­ches Ko­ma ver­setzt, aus dem er aber nicht mehr er­wach­te. Heinz Flo­he starb am 13.6.2013 in ei­nem Pfle­ge­heim in Eus­kir­chen. Sein Grab be­fin­det sich auf dem Eus­kir­che­ner Fried­hof. Der 1. FC Köln wür­dig­te ei­ne sei­ne her­aus­ra­gen­den Spie­ler­per­sön­lich­kei­ten mit der Ein­rich­tung der Heinz-Flo­he-Fuß­ball­schu­le, die im Ju­ni 2013 er­öff­net wur­de.

Literatur

Mra­zek, Karl-Heinz, Heinz Flo­he. Der Weg zur deut­schen Meis­ter­schaft, Mün­chen 1978.

Un­schuld, Dirk/Hardt, Tho­mas, Im Zei­chen des Geiß­bocks. Die Ge­schich­te des 1. FC Köln, Göt­tin­gen 2008.

Online

Heinz Flo­he Fuß­ball­schu­le (Bio­gra­phie auf der Home­page des 1. FC Köln). [On­line]

"Nie al­lein" - Heinz Flo­he wird 65 (Bio­gra­phie auf der Home­page „50 Jah­re Bun­des­li­ga“). [On­line]

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Heinz Flohe, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/heinz-flohe-/DE-2086/lido/57c6ae2a93d191.66134812 (12.12.2018)