Hermann Cardauns

Historiker (1847-1925)

Andreas Burtscheidt (München)

Hermann Cardauns, Porträtfoto, 1902. (Festschrift Deutscher Katholikentag Mannheim, 1902)

In den Jah­ren des Kul­tur­kamp­fes ent­wi­ckel­te sich der His­to­ri­ker und Pu­bli­zist Her­mann Car­dauns zu dem füh­ren­den Re­dak­teur des li­be­ra­le­ren rhei­nisch-ka­tho­li­schen Zen­trums­flü­gels, des­sen Ide­en und Idea­le er in der Köl­ni­schen Volks­zei­tung als Re­dak­ti­ons­lei­ter ma­ß­geb­lich in den fol­gen­den Jahr­zehn­ten des Kai­ser­rei­ches mit­form­te und da­bei ei­ne wich­ti­ge in­tel­lek­tu­el­le Vor­rei­ter­rol­le bei der spä­te­ren Neu­aus­rich­tung der Zen­trums­par­tei un­ter den Vor­zei­chen der par­la­men­ta­ri­schen Wei­ma­rer De­mo­kra­tie spiel­te.

Bern­hard Her­mann Car­dauns wur­de am 8.8.1847 in Köln in ei­ne an­ge­se­he­ne Ju­ris­ten­fa­mi­lie hin­ein­ge­bo­ren. Der Va­ter, Alex­an­der Ernst Jac­ques Tous­sant Car­dauns (1808-1887), des­sen müt­ter­li­che Sei­te wal­lo­ni­schen Ur­sprungs war, hat­te sich 1843 als No­tar in Köln nie­der­ge­las­sen. Er hat­te 1831 So­phia Ka­tha­ri­na Ca­ro­li­ne Forst (1809-1874) ge­hei­ra­tet, die ihm zwölf Kin­der schenk­te, von de­nen Her­mann das jüngs­te war.

Sein nach ei­ge­nem Be­kun­den be­hü­te­tes Auf­wach­sen in ei­ner vom ka­tho­li­schen Glau­ben ge­präg­ten Groß­fa­mi­lie kor­re­lier­te mit der bil­dungs­bür­ger­li­chen Tra­di­ti­ons­li­nie der Car­dauns-Fa­mi­lie, die be­reits seit drei Ge­ne­ra­tio­nen an­ge­se­he­ne Rechts­ge­lehr­te und Rich­ter her­vor­ge­bracht hat­te. Die schu­li­sche Aus­bil­dung des jüngs­ten Soh­nes lenk­te des­sen In­ter­es­sen al­ler­dings früh in ei­ne an­de­re Rich­tung, die ihn zeit­le­bens nicht mehr los­las­sen soll­te: nach dem Be­such der Pfarr­schu­le von Sankt Apos­teln wech­sel­te Car­dauns mit neun Jah­ren 1856 auf das ka­tho­li­sche Gym­na­si­um in der Mar­zel­len­stra­ße, das auch „Je­sui­ten­gym­na­si­um“ ge­nannt wur­de. Be­son­de­res Ge­wicht lag hier auf den al­ten Spra­chen, der Ma­the­ma­tik und dem Fach Ge­schich­te. Mit der Neu­grün­dung des Apos­tel­gym­na­si­ums 1860 wech­sel­te der als flei­ßig be­ur­teil­te Schü­ler wohl aus Grün­den des kür­ze­ren Schul­we­ges auf die­se Schu­le, an der er 1864 die Rei­fe­prü­fung be­stand.

Mit dem Stu­di­um der klas­si­schen Phi­lo­lo­gie und Ge­schich­te be­gann Her­mann Car­dauns schon im Herbst 1864 an der Rhei­ni­schen Fried­rich-Wil­helms-Uni­ver­si­tät in Bonn, wo er dem ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­ein „Ar­mi­ni­a“ im KV bei­trat. Die mit­tel­al­ter­li­che Ge­schich­te fes­sel­te Car­dauns und der ka­tho­li­sche His­to­ri­ker Franz Wil­helm Kampschul­te (1831-1872) be­ein­druck­te ihn in den frü­hen Stu­di­en­jah­ren mit sei­nen Vor­le­sun­gen über die Re­for­ma­ti­ons­zeit am meis­ten. In die­ser Zeit traf er auf den zwei Jah­re äl­te­ren Ju­ra­stu­den­ten Ju­li­us Ba­chem, mit dem er we­ni­ge Jah­re spä­ter fast sein gan­zes Be­rufs­le­ben ver­brin­gen soll­te.

Car­dauns früh ver­stor­be­ner aka­de­mi­scher Leh­rer Kampschul­te be­schäf­tig­te sich mit dem Re­for­ma­tor Jo­han­nes Cal­vin (1509-1564) und war in den Jah­ren vor sei­nem Tod ein Kri­ti­ker des wäh­rend des Ers­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zils for­mu­lier­ten Un­fehl­bahr­keits­dog­mas des Paps­tes. Eben­so stand er zu­letzt den Ide­en der alt­ka­tho­li­schen Be­we­gung na­he. Dies ver­band ihn mit dem Mün­che­ner Kir­chen­his­to­ri­ker Carl Adolph Cor­ne­li­us (1819-1903), der sich eben­falls mit Cal­vin aus­ein­an­der­setz­te. Ihm emp­fahl Kampschul­te 1866 sei­nen Schü­ler Car­dauns und so setz­te die­ser sein Stu­di­um in der baye­ri­schen Me­tro­po­le fort. Cor­ne­li­us schick­te den an­ge­hen­den His­to­ri­ker gleich im Früh­jahr 1867 in die Schweiz zum Ar­chiv­stu­di­um mit Blick auf die Zeit der be­gin­nen­den Re­for­ma­ti­on. Die Früch­te die­ser aus­wär­ti­gen Se­mes­ter mün­de­ten schlie­ß­lich nach der Rück­kehr an die Bon­ner Uni­ver­si­tät im Win­ter­se­mes­ter 1867/1868 in sei­ne Dis­ser­ta­ti­ons­schrift „De re­for­ma­tio­ne Ber­nen­si“, die im Som­mer 1868 mit der No­te „sum­ma cum lau­de“ an­ge­nom­men wur­de. Im No­vem­ber des­sel­ben Jah­res folg­te das phi­lo­lo­gi­sche Staats­ex­amen. Für ein wei­te­res Jahr wech­sel­te Car­dauns an­schlie­ßend nach Göt­tin­gen, wo er bei dem be­kann­ten Me­diä­vis­ten Ge­org Waitz (1813-1886) die mit­tel­al­ter­li­che Ge­schich­te sei­ner Ge­burts­stadt Köln stu­dier­te.

Nach Köln zu­rück­ge­kehrt, edier­te er zu­nächst für die gro­ße mit­tel­al­ter­li­che Quel­len­samm­lung der „Mo­nu­men­ta Ger­ma­niae His­to­ri­ca“ die „An­na­les mo­nas­te­rii S. Pan­ta­leo­nis Co­lo­ni­en­sis“. Mit dem lang­jäh­ri­gen Grün­dungs­prä­si­den­ten Ge­org Hein­rich Pertz (1795-1876) über­warf er sich aber nach kur­zer Zeit, so dass Car­dauns we­der län­ger­fris­ti­ge­re Plä­ne bei den „Mo­nu­men­ta“ in die Tat um­set­zen konn­te noch ei­ne Nei­gung ver­spür­te, dem mög­li­chen Be­ruf ei­nes Gym­na­si­al­leh­rers nach­zu­ge­hen. Statt­des­sen er­hielt er ei­ne – wenn auch nicht hoch do­tier­te – An­stel­lung bei der „His­to­ri­schen Kom­mis­si­on bei der baye­ri­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten“ in Mün­chen, die Ge­org Waitz ihm ver­mit­teln konn­te. Car­dauns über­nahm dort die Her­aus­ga­be der Köl­ner Chro­ni­ken, die er für die Rei­he „Die Chro­ni­ken der deut­scher Städ­te“ bei­steu­er­te. Nach drei­jäh­ri­ger Ar­beit konn­te er das Werk vor­le­gen, des­sen Qua­li­tät so hoch ein­zu­schät­zen war, dass Car­dauns da­mit im De­zem­ber 1872 sein Ge­such um Ein­lei­tung des Ha­bi­li­ta­ti­ons­ver­fah­rens an der Bon­ner Uni­ver­si­tät ein­reich­te.

Zwei un­güns­ti­ge Fak­to­ren be­glei­te­ten al­ler­dings die­ses Un­ter­fan­gen: Car­dauns aka­de­mi­scher Men­tor Kampschul­te war ge­ra­de mit 41 Jah­ren ge­stor­ben und wäh­rend der An­fangs­jah­re der Bis­marck­schen Reichs­grün­dung tob­te der Kul­tur­kampf nicht zu­letzt an den preu­ßi­schen Fa­kul­tä­ten. Her­mann Car­dauns hat­te sich nicht über­zeu­gen las­sen und er war nach dem Ers­ten Va­ti­ka­ni­schen Kon­zil auch nicht An­hän­ger der alt­ka­tho­li­schen Be­we­gung ge­wor­den, die im Köln-Bon­ner Raum auf frucht­ba­ren Bo­den fiel. Es kann nur für sei­ne wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­tä­ten spre­chen, wenn aus­ge­rech­net der na­tio­nal­li­be­ra­le Bon­ner Or­di­na­ri­us Hein­rich von Sy­bel (1817-1895), des­sen Ab­leh­nung des Ul­tra­mon­ta­nis­mus be­kannt war, Car­dauns Ha­bi­li­ta­ti­on be­für­wor­te­te, je­doch die Aus­sich­ten des frisch ha­bi­li­tier­ten His­to­ri­kers auf ei­ne Pro­fes­sur als ge­ring ein­schätz­te.

Zwi­schen 1873 und 1876 lehr­te der Pri­vat­do­zent Car­dauns an der Bon­ner Uni­ver­si­tät, er­kann­te aber zu­neh­mend die Aus­sichts­lo­sig­keit sei­nes wei­te­ren aka­de­mi­schen Auf­stiegs und so ver­zich­te­te er 1876 nicht ein­mal schwe­ren Her­zens auf sei­ne Lehr­be­fug­nis, denn ihm er­öff­ne­te sich un­ver­hofft ein An­ge­bot, das ihm zur Le­bens­auf­ga­be wer­den soll­te. Der Köl­ner Ver­le­ger Jo­seph Ba­chem hat­te nach vie­len Ver­su­chen 1860 ei­ne gro­ße ka­tho­li­sche Ta­ges­zei­tung eta­bliert, die seit 1869 den Na­men „Köl­ni­sche Volks­zei­tung“ trug. Doch im Um­feld des Ers­ten Va­ti­ka­n­ums hat­te es ei­ne Zer­rei­ß­pro­be zwi­schen Ver­le­ger und Re­dak­ti­on ge­ge­ben, Ba­chem hat­te sich von sei­nen wich­tigs­ten Re­dak­teu­ren ge­trennt, die wie­der­um nach 1870 zu den füh­ren­den Köp­fen der alt­ka­tho­li­schen Be­we­gung ge­hör­ten, die von der Re­gie­rung Preu­ßens und den Li­be­ra­len im Reich in ih­ren an­ti­rö­mi­schen Af­fek­ten un­ter­stützt wur­de.

Im Zu­ge des län­ge­ren Neu­auf­baus sei­ner Re­dak­ti­on bot Jo­seph Ba­chem Car­dauns an, künf­tig für das rhei­ni­sche Zen­trums­or­gan zu ar­bei­ten. Nach ei­ner Ein­ar­bei­tungs­pha­se im Herbst 1875 trat er An­fang 1876 end­gül­tig in die Re­dak­ti­on der „Köl­ni­schen Volks­zei­tun­g“ ein, die da­mals noch im Schat­ten des Do­mes in der Mar­zel­len­stra­ße be­hei­ma­tet war, und traf dort ei­nen wei­te­ren Ver­wand­ten des Zei­tungs­grün­ders wie­der: Ju­li­us Ba­chem, sei­nen Stu­di­en­freund. 

Die bei­den Re­dak­teu­re wur­den schnell zu ei­nem ein­ge­spiel­ten Team, wo­bei Ju­li­us Ba­chem sich mehr um staats­recht­li­che und so­zi­al­po­li­ti­sche The­men küm­mer­te, wäh­rend Car­dauns sich den kir­chen­po­li­ti­schen Fra­gen wid­me­te. Ob­wohl die spä­ter als „Zwil­lings­kol­le­gen“ be­zeich­ne­ten Re­dak­teu­re fort­an die Zei­tung in gro­ßer Über­ein­stim­mung für die nächs­ten Jahr­zehn­te präg­ten, lag die we­sent­li­che Re­dak­ti­ons­ar­beit bei Her­mann Car­dauns, da Ju­li­us Ba­chem als Köl­ner Zen­trums­ab­ge­ord­ne­ter im Stadt­rat und im Preu­ßi­schen Ab­ge­ord­ne­ten­haus oft ab­we­send war. Im Ju­li 1878 über­trug Jo­seph Ba­chem Car­dauns da­her die Haupt­schrift­lei­tung des Blat­tes.

Zwei wei­te­re wich­ti­ge Le­bens­ent­schei­dun­gen fal­len in die Mit­te der sieb­zi­ger Jah­re. Der jun­ge Re­dak­teur hei­ra­te­te am 2.7.1876 Ca­ro­li­ne Sas­se (1855-1937), die Toch­ter ei­ner Bar­mer Kauf­manns­fa­mi­lie. Her­mann und Ca­ro­li­ne Car­dauns wur­den El­tern von ins­ge­samt acht Kin­dern.

In den für ka­tho­li­sche Aka­de­mi­ker schwie­ri­gen Jah­ren des Kul­tur­kamp­fes hat­te Car­dauns in Bonn er­le­ben müs­sen, dass Be­ru­fun­gen auf Lehr­stüh­le in Preu­ßen nicht ge­ra­de Aus­sicht auf Er­folg bo­ten – Car­dauns lang­jäh­ri­ger Stu­di­en­freund, der spä­te­re Reichs­kanz­ler Ge­org von Hert­ling (1843-1919,) war­te­te über ein Jahr­zehnt auf ei­ne Be­ru­fung. Ka­tho­li­ken gal­ten als „ul­tra­mon­tan“, was gleich­be­deu­tend war mit na­tio­nal un­zu­ver­läs­sig und in­tel­lek­tu­ell rück­stän­dig. Car­dauns, Hert­ling, Ju­li­us Ba­chem und ei­ni­ge an­de­re ka­tho­li­sche Aka­de­mi­ker setz­ten ein Zei­chen ge­gen die­se Ent­wick­lung und grün­de­ten am 24.6.1876 in Ko­blenz die „Gör­res­ge­sell­schaft zur Pfle­ge der Wis­sen­schaft im ka­tho­li­schen Deutsch­lan­d“, die fort­an ih­ren Sitz in Bonn hat­te. Als füh­ren­der Schrift­lei­ter der grö­ß­ten Zei­tung im ka­tho­li­schen Deutsch­land des Kai­ser­rei­ches über­nahm Car­dauns ab 1885 die Auf­ga­be der Re­dak­ti­on der Ver­eins­schrif­ten. Un­ter der Prä­si­dent­schaft von Ge­org von Hert­ling war er zu­dem zwi­schen 1891 und 1912 Ge­ne­ral­se­kre­tär der Gör­res­ge­sell­schaft.

Zwi­schen 1876 und 1907 stand Her­mann Car­dauns an der Spit­ze der Re­dak­ti­on der Volks­zei­tung, die ver­bun­den mit dem Na­men Ba­chem die pu­bli­zis­ti­sche Speer­spit­ze der Köl­ner Rich­tung des Zen­trums ver­kör­per­te. Das Haus Ba­chem un­ter der Fe­der­füh­rung von Her­mann Car­dauns setz­te sich für die Über­win­dung des kon­fes­sio­nel­len Cha­rak­ters des Zen­trums mit der da­mit ver­bun­de­nen Kon­zen­tra­ti­on auf al­lein ka­tho­li­sche In­ter­es­sen zu­guns­ten ei­ner ver­stärk­ten De­mo­kra­ti­sie­rung der Par­tei ein. Ju­li­us Ba­chem und Car­dauns kämpf­ten dar­um, den be­en­gen­den Zen­trum­sturm mit den oft star­ken In­ter­es­sen­kon­flik­ten der ver­schie­de­nen La­ger und Schich­ten zu ver­las­sen, was hef­ti­ge Kon­flik­te her­vor­rief.

Eng ver­bun­den sah sich Car­dauns mit der Li­nie des Zen­trums­füh­rers Lud­wig Wind­t­horst (1812-1891). Die von bei­den po­li­tisch wie pu­bli­zis­tisch vor­ge­tra­ge­ne Rich­tung nach ei­ner stär­ke­ren Po­li­ti­sie­rung und ei­ner auf­ge­schlos­se­ne­ren Rich­tung der Zen­trums­par­tei ließ bei­de eher we­ni­ge Freun­de im ka­tho­li­schen Adel fin­den, da­für aber um­so mehr im ka­tho­li­schen Bür­ger­tum. Et­wa den agra­risch-aris­to­kra­ti­schen Flü­gel at­ta­ckier­te Car­dauns – wenn auch im­mer mit no­blem, nicht ver­let­zen­dem Un­ter­ton – an Fra­gen der Ar­bei­ter­schaft hin­ge­gen war er be­son­ders in­ter­es­siert.

So wun­dert es nicht, dass sich Her­mann Car­dauns im so­ge­nann­ten „Ge­werk­schafts­streit“ klar für über­kon­fes­sio­nell christ­li­che Ge­werk­schaf­ten aus­sprach, als über die­se wich­ti­ge Fra­ge be­züg­lich der un­ter­schied­li­chen Ge­wich­tung von Kon­fes­sio­na­li­tät und po­li­ti­scher Aus­rich­tung ein Streit um den künf­ti­gen Cha­rak­ter der Zen­trums­par­tei aus­brach, wo­bei der kon­ser­va­ti­ve­re Flü­gel – die Ber­li­ner Rich­tung des Zen­trums – Köln als ei­ne Ge­fahr für den Ka­tho­li­zis­mus an­sah. Selbst im Va­ti­kan ver­such­te Car­dauns sei­ne Li­nie dar­zu­le­gen und für sei­ne Po­si­ti­on zu kämp­fen. 

Über sei­ne Ar­beit als Lei­ter der Re­dak­ti­on der „Köl­ni­schen Volks­zei­tun­g“ hin­aus be­tä­tig­te sich Car­dauns auf viel­fäl­ti­ge Wei­se: zwi­schen 1894 und 1901 war er auf kom­mu­nal­po­li­ti­scher Ebe­ne Stadt­ver­ord­ne­ter im Köl­ner Stadt­rat für die Zen­trums­par­tei. Im Jahr 1902 war er Prä­si­dent des 49. Deut­schen Ka­tho­li­ken­tags in Mann­heim.

Als er sich 1907 von der Lei­tung der Re­dak­ti­on zu­rück­zog, fand er Zeit, sich wie­der mehr als Schrift­stel­ler zu be­tä­ti­gen. Er schrieb sei­ne Me­moi­ren, klei­ne­re bio­gra­phi­sche Ar­bei­ten, Fest­schrif­ten für die Gör­res­ge­sell­schaft, den Kar­tell­ver­band und zum 50. Ju­bi­lä­um der „Köl­ni­schen Volks­zei­tun­g“. Zu­dem wid­me­te er sich ver­mehrt dem Gen­re der Li­te­ra­tur­kri­tik. Ei­ne be­mer­kens­wer­te Aus­ein­an­der­set­zung lie­fer­te sich Car­dauns mit Karl May (1842-1912), des­sen schärfs­ter Li­te­ra­tur­kri­ti­ker er wur­de. 

Als die „Köl­ni­sche Volks­zei­tun­g“ in den Jah­ren vor und wäh­rend des Ers­ten Welt­krie­ges die in lan­gen Jahr­zehn­ten vor­ge­ge­be­ne Li­nie von Her­mann Car­dauns zu ver­las­sen droh­te, über­warf sich Car­dauns mit dem neu­en Ver­lagsche­f Franz Xa­ver Ba­chem und warn­te die­sen be­son­ders vor den au­ßen­po­li­ti­schen Aben­teu­ern, die die­ser mit sei­nem Be­ra­ter Jo­seph Fro­ber­ger (1871-1931) ein­zu­ge­hen be­reit war.

Als Her­mann Car­dauns fast 78-jäh­rig am 14.6.1925 in Bonn starb, stand die „Köl­ni­sche Volks­zei­tun­g“ mit ei­nem neu­en Her­aus­ge­ber­gre­mi­um klar auf dem Bo­den der Wei­ma­rer Ver­fas­sungs­de­mo­kra­tie und die Zen­trums­par­tei hat­te ei­ne we­sent­li­che Schar­nier­funk­ti­on im neu­en Par­tei­en­gefü­ge über­nom­men. Da­mit war ei­ne Ent­wick­lung zum Durch­bruch ge­kom­men, de­ren pu­bli­zis­ti­scher Weg­be­rei­ter Her­mann Car­dauns über al­le Jahr­zehn­te sei­nes Wir­kens ge­we­sen ist. 

Werke (Auswahl)

Die Chro­ni­ken der deut­schen Städ­te vom 14. bis ins 16. Jahr­hun­dert, Band 12-14: Die Chro­ni­ken der nie­der­rhei­ni­schen Städ­te: Cöln, be­arb. v. Her­mann Car­dauns, 3 Bän­de, Leip­zig 1875-1877, Nach­druck Göt­tin­gen 1968.
Kon­rad von Hoch­sta­den. Erz­bi­schof von Köln (1238-61), Köln 1880. Die Gör­res­ge­sell­schaft 1876-1901. Denk­schrift zur Fei­er ih­res 25jäh­ri­gen Be­ste­hens, Köln 1901. 
Fünf­zig Jah­re Köl­ni­sche Volks­zei­tung. Ein Rück­blick zum Gol­de­nen Ju­bi­lä­um der Zei­tung am 1. April 1910, Köln 1910.
Aus dem Le­ben ei­nes deut­schen Re­dak­teurs, Köln 1912.
Fünf­zig Jah­re Kar­tell­ver­band (1863-1913), Fest­schrift zum gol­de­nen Ju­bi­lä­um des Ver­ban­des der Ka­tho­li­schen Stu­den­ten­ver­ei­ne Deutsch­lands. Kemp­ten, Mün­chen, 1913. 
Ge­schich­ten aus dem al­ten Köln, 1920.

Literatur (Auswahl)

An­ger, Gun­nar, Car­dauns, Her­mann, in: Bio­gra­phisch-Bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon (BBKL), Band 22, Nord­hau­sen 2003, Sp. 161-170 [mit aus­führ­li­chen Li­te­ra­tur­an­ga­ben].
Bier­ganz, Man­fred, Her­mann Car­dauns (1847-1926). Po­li­ti­ker, Pu­bli­zist und Wis­sen­schaft­ler in den Span­nun­gen des po­li­ti­schen und re­li­giö­sen Ka­tho­li­zis­mus sei­ner Zeit, Aa­chen 1977.
Bier­ganz, Man­fred, Her­mann Car­dauns (1847-1925), in: Rhei­ni­sche Le­bens­bil­der 8, (1980), S. 305-323.
Buch­heim, Karl, Köl­ni­sche Volks­zei­tung, in: Staats­le­xi­kon. Recht - Wirt­schaft - Ge­sell­schaft, hg.. von der Gör­res-Ge­sell­schaft, Bands 4, Frei­burg 1959, Sp. 1127-1129.
Löhr, Wolf­gang, Her­mann Car­dauns (1847-1925), in: Aretz, Jür­gen/Mor­sey, Ru­dolf/Rau­scher, An­ton (Hg.), Zeit­ge­schich­te in Le­bens­bil­dern. Aus dem deut­schen Ka­tho­li­zis­mus des 19. und 20. Jahr­hun­derts, Band 10, Müns­ter 2001, S. 27-40.

Online

Haa­cke, Wil­mont, Car­dauns, Her­mann, in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 3 (1957), S. 138. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Burtscheidt, Andreas, Hermann Cardauns, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/hermann-cardauns/DE-2086/lido/5b6abdcc5722e0.18252154 (abgerufen am 20.08.2019)