Johann Karl Ferdinand von Kügelgen

Maler (1772-1832)

Josef Niesen (Bonn)

Karl von Kü­gel­gen war ein Land­schafts­ma­ler, des­sen Ide­al es war, nur von der Na­tur zu ler­nen. Sei­ne Land­schaf­ten, sei­ner­zeit ge­rühmt we­gen ih­res durch­sich­ti­gen und luf­ti­gen Ko­lo­rits, mal­te er gleich­sam als Ab­druck sei­ner See­le. Sind sei­ne frü­hen Ar­bei­ten noch von ei­ner ge­wis­sen Steif­heit ge­prägt, so ge­lan­gen ihm spä­ter leich­te, kla­re und durch­aus ori­gi­nel­le Kom­po­si­tio­nen. Sein Werk um­fasst mehr als 170 Öl­ge­mäl­de und ei­ne gro­ße An­zahl Zeich­nun­gen, wo­bei sein li­tho­gra­phi­sches Werk be­son­de­re Be­ach­tung ver­dient.

Wie sein Zwil­lings­bru­der Ger­hard ent­stamm­te Karl ei­nem al­ten, ur­sprüng­lich in Bre­men be­hei­ma­te­ten Adels­ge­schlecht, des­sen Stamm­na­me Co­g­hel­ke/Ko­gel­ke sich nach der Über­sied­lung der Fa­mi­lie ins Rhein­land im 15. Jahr­hun­dert zu Kü­gel­gen ver­än­der­te. Durch die Wir­ren des 30-jäh­ri­gen Krie­ges ging ih­nen der Adels­ti­tel ver­lo­ren, den sie erst 1802 zu­rücker­lang­ten.

Ge­bo­ren wur­den die Brü­der am 6.2.1772 in Ba­cha­rach am Rhein. Die El­tern, der Kur­k­öl­ni­sche Hof­kam­mer­rat Franz An­ton Kü­gel­gen (1727–1788) und sei­ne Frau Ma­ria Jus­tia­na Ho­egg (1744–1805), Toch­ter ei­nes Kur­trie­ri­schen Rich­ters, wa­ren recht wohl­ha­bend und stark von ih­rem ka­tho­li­schen Glau­ben ge­prägt. Der erst­ge­bo­re­nen Schwes­ter, Ma­ria An­na Lu­do­vica (1766–1829), folg­te Se­bas­ti­an Jo­seph (1768–1773), der je­doch mit nur fünf Jah­ren ver­starb. Der äl­te­re Bru­der, Jo­seph Ignaz (1770–1821), trat in die Fuß­stap­fen des Va­ters und wur­de spä­ter eben­falls Kur­fürst­li­cher Hof­kam­mer­rat. Nach zwei früh ver­stor­be­nen jün­ge­ren Ge­schwis­tern, Mag­da­le­na Mar­ga­re­tha (1775–1778) und Franz Karl (1777–1777), folg­te noch ein­mal ein Mäd­chen: Cor­du­la Ma­ria (1779–1857).

Die Zwil­lin­ge wur­den zu­nächst zu Hau­se und spä­ter in der Rek­to­rats­schu­le in Ba­cha­rach in la­tei­ni­scher Spra­che und Re­li­gi­on, aber auch in Mu­sik, Tanz und Ma­le­rei un­ter­rich­tet, bis sie ab 1786 das Je­sui­ten­gym­na­si­um in Bonn be­such­ten.  Hier fan­den sie rasch An­schluss an die in­tel­lek­tu­el­len Krei­se um Ba­bet­te Koch (1771–1807), die jun­ge Wir­tin des „Zehr­gar­ten“ am Bon­ner Markt, die ei­ne en­ge Freun­din Beet­ho­vens war und auch von den bei­den Kü­gel­gens schwär­me­risch ver­ehrt wur­de, wie Franz Ger­hard We­ge­ler (1765–1848) in sei­nen „Bio­gra­phi­sche(n) No­ti­zen über Lud­wig van Beet­ho­ven“ aus dem Jahr 1838 be­rich­tet. Auch mit Beet­ho­ven selbst ver­band die Brü­der bald ei­ne en­ge Freund­schaft.

Hat­te Ger­hard schon früh sei­ne Lie­be zur Por­trät­ma­le­rei ent­deckt, so mal­te und zeich­ne­te Karl hin­ge­gen von Be­ginn an Rhein­land­schaf­ten. Doch ver­bot der Va­ter die mit Lei­den­schaft be­trie­be­ne Kunst und erst nach des­sen Tod 1788 er­laub­te die Mut­ter ei­ne wei­te­re Aus­bil­dung dar­in. Im Ge­gen­satz zu sei­nem Bru­der be­en­de­te Karl zu­nächst das Bon­ner Gym­na­si­um und im­ma­tri­ku­lier­te sich am 13.5.1789 – am sel­ben Tag wie Lud­wig van Beet­ho­ven – für Phi­lo­so­phie an der Kur­fürst­li­chen Bon­ner Uni­ver­si­tät. Nur ein Jahr spä­ter nahm er ein Stu­di­um der Ma­le­rei beim schon be­tag­ten Land­schafts­ma­ler Chris­ti­an Ge­org Schütz d. Ä. (1718–1791) in Frank­furt auf. Die Nä­he zu sei­nem nun beim Gro­ßva­ter le­ben­den Bru­der su­chend, zog Karl zu ihm nach Rhens und ließ sich ge­mein­sam mit ihm beim Ko­blen­zer His­to­ri­en­ma­ler Ja­nu­a­ri­us Zick aus­bil­den.  An­schlie­ßend zo­gen die Brü­der nach Mainz, wo sie ein hal­bes Jahr lang von dem Por­trät­ma­ler Chris­toph Fe­sel (1737–1805) un­ter­rich­tet wur­den, der ih­nen emp­fahl, sich we­gen ei­ner fi­nan­zi­el­len Zu­wen­dung an ih­ren Lan­des­va­ter zu wen­den.  Al­so gin­gen  sie 1791 zu­rück nach Bonn, fer­tig­ten dort Por­träts des Kur­fürs­ten Ma­xi­mi­li­an Franz von Ös­ter­reich, des Hof­kam­mer­prä­si­den­ten Franz Wil­helm von Spie­gel zum Die­sen­berg (1753–1818) und des Gra­fen Fer­di­nand von Wald­stein (1762–1823) an und er­hiel­ten dar­auf­hin ein kur­fürst­li­ches Sti­pen­di­um von jähr­lich 200 Du­ka­ten, um in Rom ih­re Aus­bil­dung zu ver­voll­komm­nen.

Aus­ge­stat­tet mit Rei­se­geld und kur­fürst­li­chen Emp­feh­lungs­schrei­ben an Prä­la­ten und Erz­bi­schö­fe bra­chen sie am 4.5.1791 zu ih­rer Rom­rei­se auf. Drei Jah­re ver­brach­ten sie dort mit dem Stu­di­um der sie tief be­ein­dru­cken­den Re­nais­sance­ma­le­rei, wo­bei sich Karl zu­sätz­lich um die fi­nan­zi­el­len An­ge­le­gen­hei­ten küm­mer­te und den Brief­wech­sel mit der Hei­mat führ­te. Als we­gen der Na­po­leo­ni­schen Krie­ge, die mitt­ler­wei­le das Rhein­land er­fasst hat­ten, die fi­nan­zi­el­le Un­ter­stüt­zung aus­blieb, ent­schlos­sen die Brü­der sich, Rom zu ver­las­sen. Wäh­rend sich Ger­hard am 15.2.1795 über Mün­chen nach Ri­ga auf­mach­te, blieb Karl zu­nächst noch zu­rück, um sei­ne Auf­trags­ma­le­rei­en fer­tig zu stel­len. Als 1796 die fran­zö­si­schen Hee­re nach Ita­li­en vor­dran­gen, trat auch Karl mit sei­nem Freund An­dre­as Rom­berg (1767–1821) die Wan­de­rung über die Al­pen an. Über Wien – Rom­berg blieb dort bei Beet­ho­ven – zog er wei­ter nach Ber­lin, wo er mit sei­nen Land­schafts­bil­dern gro­ße Er­fol­ge fei­er­te. 1798 folg­te er sei­nem Bru­der nach Ri­ga, der sich zwi­schen­zeit­lich je­doch in Re­val auf­hielt und Karl brief­lich mit­teil­te, dass er nach St. Pe­ters­burg ge­hen wol­le. Karl be­such­te Ger­hard in Re­val und ver­lieb­te sich dort in Emi­lie Zo­e­ge von Man­teu­f­fel (1787–1835), die Schwes­ter von Ger­hards Ver­lob­ten. Doch be­reits im Win­ter 1798/1799 bra­chen die bei­den Zwil­lings­brü­der bei ei­si­ger Käl­te nach St. Pe­ters­burg auf, wo Karl schon bald vom rus­si­schen Zar Paul I. (1754–1801, Re­gie­rungs­zeit 1796-1801) mit ei­nem Jah­res­ge­halt von 3.000 Ru­beln als kai­ser­li­cher Hof­ma­ler an­ge­stellt wur­de. Nach­dem sein Bru­der 1800 ge­hei­ra­tet hat­te, trenn­ten sich bald ih­re We­ge. 1804 zog Ger­hard zu­rück nach Rhens und Karl ver­blieb al­lei­ne in St. Pe­ters­burg. Er soll­te sei­nen Bru­der nie wie­der­se­hen.

Am 4.9.1804 wur­de Karl zum or­dent­li­chen Mit­glied der Ber­li­ner Aka­de­mie der Küns­te und me­cha­ni­schen Wis­sen­schaf­ten er­nannt, nach­dem er kurz zu­vor in die St. Pe­ters­bur­ger Aka­de­mie auf­ge­nom­men wor­den war. Im Auf­trag des Za­ren be­reis­te er nun bis 1806 die Krim, wo er mehr als 200 Land­schaf­ten und an­ti­ke Denk­mä­ler für Alex­an­der I. (1777–1825) zeich­ne­te und mal­te. Nach sei­ner Rück­kehr hei­ra­te­te er am 7.7.1807 in Harm Emi­lie Zo­e­ge von Man­teu­f­fel, mit der er zu­nächst in St. Pe­ters­burg leb­te. We­gen der vor­drin­gen­den Na­po­leo­ni­schen Trup­pen sah sich das Paar je­doch ge­zwun­gen, zu ei­nem Freund nach Wolsk an die Wol­ga flie­hen. Karl fand dort ei­ne An­stel­lung als Kunst­leh­rer an der Aka­de­mie und kauf­te An­tei­le an ei­ner Zu­cker­fa­brik, wo­mit er sein gan­zes Ver­mö­gen ver­lor. Der Auf­ent­halt in Wolsk ge­stal­te­te sich län­ger als ge­plant. Nicht nur sein äl­tes­ter Sohn Kon­stan­tin (1810–1880), der spä­ter dem Va­ter als kai­ser­lich rus­si­scher Hof­ma­ler nach­folg­te, wur­de dort ge­bo­ren, son­dern auch drei wei­te­re Kin­der: El­mi­ne Wil­hel­mi­ne (1808–1889), Al­wi­ne Fe­li­ci­te (ge­bo­ren 1812) und An­na So­phie (1815–1875). Erst 1815 konn­te Karl mit sei­ner Fa­mi­lie nach Est­land, auf das Land­gut sei­nes Schwie­ger­va­ters, zu­rück­keh­ren. Hier schuf er nun im Auf­trag des Za­ren ein li­tho­gra­fi­sches Werk über die Krim, be­ste­hend aus 50 Blät­tern mit ei­ner Be­schrei­bung in deut­scher, fran­zö­si­scher, eng­li­scher und rus­si­scher Spra­che. Ab­wech­selnd leb­te er von da an auf dem Fa­mi­li­en­gut der Man­teu­f­fels in Kur­küll und in St. Pe­ters­burg. 1818 er­hielt er vom Za­ren den Auf­trag, Finn­land zu be­rei­sen, wo er 55 Se­pia­zeich­nun­gen an­fer­tig­te, die er spä­ter in Öl aus­führ­te.

Sei­ne letz­ten Le­bens­jah­re ver­brach­te Karl von Kü­gel­gen – den Adels­ti­tel hat­te die Fa­mi­lie 1802 auf Be­trei­ben sei­nes Bru­ders Ger­hard zu­rück­er­hal­ten – auf sei­nem Land­sitz „Fried­heim“, den er 1827 in der Nä­he von Re­val er­wor­ben hat­te. 1825 war be­reits sei­ne Toch­ter An­net­te Agnes Au­gus­te (1825–1867) ge­bo­ren, nun folg­te noch sein jüngs­ter Sohn Her­mann (1828–1897).

Häu­fig auf­tre­ten­de „Brust­krämp­fe“ zwan­gen den Ma­ler zu ei­ner län­ge­ren Kur und un­ter­bra­chen sei­ne Ar­beit. Mög­li­cher­wei­se wa­ren dies be­reits An­zei­chen ei­nes un­er­kannt ge­blie­be­nen Herz­in­farkts. Zu­nächst schien sich der Ma­ler wie­der er­holt zu ha­ben, doch ver­starb er am 9.1.1832 un­er­war­tet wäh­rend sei­nes Mit­tags­schlafs. An­de­ren An­ga­ben zu­fol­ge starb er am 29.12.1831, was ver­mut­lich auf den ju­lia­ni­schen Ka­len­der zu­rück­geht, auch wenn die Zeit­span­ne rech­ne­risch nicht ganz kor­rekt ist.

 
Zitationshinweis

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Niesen, Josef, Johann Karl Ferdinand von Kügelgen, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-karl-ferdinand-von-kuegelgen/DE-2086/lido/57c93b13d632a1.24019906 (22.04.2018)