Johann V. von Isenburg

Erzbischof und Kurfürst von Trier (1507/1508-1556)

Wolfgang Schmid (Winningen)

Jo­hann von Isen­burg re­gier­te das Erz­bis­tum und das Erz­stift Trier nur acht Jah­re, neun Mo­na­te und 29 Ta­ge lang. Ob­wohl von krie­ge­ri­schen Zer­stö­run­gen über­schat­tet, be­ein­druckt sei­ne Re­gie­rungs­zeit durch die gro­ße Tat­kraft, mit der er sei­ne Auf­ga­ben im geist­li­chen wie im welt­li­chen Be­reich in An­griff nahm.

Jo­hann von Isen­burg wur­de 1507/1508 als Sohn des Gra­fen Ger­lach III. von Isen­burg-Grenzau (ge­stor­ben um 1530) und der Grä­fin Ana­sta­sia von Mo­ers und Saar­wer­den (ge­stor­ben vor 1557) ge­bo­ren. Er stammt aus ei­ner bei Neu­wied an­säs­si­gen Fa­mi­lie, die ne­ben vie­len Dom­her­ren mit Diet­her von Isen­burg (Epis­ko­pat 1475-1482) auch ei­nen Main­zer und mit Sa­len­tin von Isen­burg – Jo­hanns Nef­fe – ei­nen Köl­ner Erz­bi­schof ge­stellt hat.

Jo­hann wur­de 1515 Do­mi­zel­lar und 1532 Dom­herr in Trier. Ab 1534 be­klei­de­te er das Amt ei­nes Ar­ch­idia­kons von St. Aga­tha in Lon­guyon. Zu­dem war er Scho­las­ter am Köl­ner und The­sau­rar am Straß­bur­ger Dom­ka­pi­tel. Ab 1541 am­tier­te er als Ko­ad­ju­tor des Ab­tes Jo­hann von Zell (Amts­zeit 1525-1548) in dem vor Trier ge­le­ge­nen Klos­ter St. Ma­xi­min. Als Erz­bi­schof wur­de er des­sen Kom­man­da­tar-Nach­fol­ger und konn­te in die­ser Funk­ti­on viel da­zu bei­tra­gen, die mäch­ti­ge und fi­nanz­star­ke, nach Reichs­un­mit­tel­bar­keit stre­ben­de Ab­tei in sei­nen Flä­chen­ver­bands­staat zu in­te­grie­ren. Am 20.4.1547 wur­de er zum Erz­bi­schof von Trier ge­wählt, ließ sich aber aus Grün­den der Dy­nas­tie­er­hal­tung nicht wei­hen.

Jo­hanns Haupt­be­schäf­ti­gungs­feld war die Kir­chen­po­li­tik. Be­reits 1540 nahm er an dem Worm­ser Re­li­gi­ons­kol­lo­qui­um und 1543 in Ver­tre­tung sei­nes Vor­gän­gers am Kon­zil von Tri­ent teil. 1546 ver­trat er das Köl­ner Dom­ka­pi­tel in des­sen Aus­ein­an­der­set­zung mit den Re­for­ma­ti­ons­plä­nen des Köl­ner Erz­bi­schofs Her­mann von Wied beim Kai­ser. Zu der nach Bo­lo­gna ver­leg­ten Sit­zung des Kon­zils von Tri­ent ent­sand­te Jo­hann wie sein Vor­gän­ger den be­kann­ten Trie­rer Theo­lo­gie­pro­fes­sor Am­bro­si­us Pe­lar­gus (um 1493/1494-1561). Die kai­ser­li­chen Re­form­vor­schlä­ge des Augs­bur­ger Reichs­tags von 1548, die for­mu­la re­for­ma­tio­nis, un­ter an­de­rem ein Man­dat ge­gen Kon­ku­bi­na­te, setz­te er in sei­nem Ein­fluss­be­reich um­ge­hend um. 1548 be­rief er ei­ne Diö­ze­san­syn­ode in der Trie­rer Lieb­frau­en­kir­che so­wie 1549 das ers­te Pro­vin­zi­al­kon­zil seit 1423 ein. Die kirch­li­che Leh­re und Ver­kün­di­gung soll­ten grund­le­gend er­neu­ert wer­den. Fra­gen der Dis­zi­plin ge­nos­sen ei­nen ho­hen Stel­len­wert, ein neu­er Ka­te­chis­mus, Bre­vie­re und Mess­bü­cher wur­den ge­druckt. Zahl­rei­che Ein­zel­de­kre­te be­fass­ten sich mit dem Kampf ge­gen die Trunk­sucht, Ver­stö­ße ge­gen den Zö­li­bat, der Aus­bil­dung der Kle­ri­ker und der klös­ter­li­chen Dis­zi­plin, dem Chor­dienst in den Stifts­kir­chen und der Klau­sur in den Frau­en­k­lös­tern. Er­heb­li­che Rück­schlä­ge be­deu­te­ten die Ab­tre­tung der drei Trie­rer Suf­frag­an­bis­tü­mer Metz, Toul und Ver­dun 1552 an Frank­reich, ein Schritt, der das Erz­bis­tum er­heb­lich schwäch­te und auch das Erz­stift mi­li­tä­risch ge­fähr­de­te.

In der Ter­ri­to­ri­al­po­li­tik konn­te Jo­hann die al­ten Grenz­strei­tig­kei­ten und of­fe­nen Ver­kehrs­fra­gen zwi­schen sei­nem Kur­fürs­ten­tum und dem Her­zog­tum Lu­xem­burg klä­ren. 1552 be­setz­te Mark­graf Al­brecht Al­ki­bia­des von Bran­den­burg (1522-1557) Trier, sei­ne Trup­pen ver­wüs­te­ten die vor der Stadt ge­le­ge­nen Klös­ter und Stif­te in un­be­schreib­li­cher Wei­se. Die Aus­ein­an­der­set­zun­gen gin­gen als „Rü­ben­krie­g“ in die Ge­schich­te ein, da die Sol­da­ten be­son­ders ger­ne die Fel­der mit den rei­fen Rü­ben ver­wüs­tet ha­ben sol­len. Das Wort „Rü­ben­krie­g“ be­schö­nigt aber die Er­eig­nis­se: Der Trie­rer Stadt­rat über­gab be­reit­wil­lig und kampf­los die Stadt­schlüs­sel, was die Be­zie­hun­gen zum Kur­fürs­ten nach­hal­tig be­ein­träch­ti­gen soll­te. Der ge­sam­te Kle­rus war ge­flo­hen, da er Aus­schrei­tun­gen be­fürch­te­te. Die Sol­da­ten brann­ten die vor der Stadt ge­le­ge­nen Klös­ter St. Ma­xi­min, St. Pau­lin und St. Ma­ria ad Mar­ty­res nie­der, wo­bei sie mit Vor­lie­be die Glo­cken von den Tür­men war­fen. Es soll­te Jah­re dau­ern, bis die kos­ten­auf­wen­di­gen Ge­läu­te wie­der er­setzt wer­den konn­ten; bis da­hin herrsch­te im Trie­rer Land ei­ne ge­spens­ti­sche Stil­le. Wei­ter brann­ten sie die Häu­ser der Ka­no­ni­ker nie­der. Die be­fes­tig­te Re­si­denz­stadt Pfal­zel (heu­te Stadt Trier) wur­de er­obert und nie­der­ge­brannt, eben­so die vor Trier ge­le­ge­ne Ab­tei St. Mat­thi­as. Hier warf man zwölf Glo­cken von den Tür­men und schlepp­te sie weg, warf die Al­tä­re und die Hei­li­gen­bil­der um und zer­schlug die Fens­ter und Tü­ren. Die Ei­sen­be­schlä­ge ver­kauf­te man an Trie­rer Bür­ger. Die eben­falls vor der Stadt ge­le­ge­ne Ab­tei St. Mar­tin wur­de an­geb­lich nach ei­nem Wein­ge­schenk ver­schont, eben­so die Stadt. Der Ver­fas­ser der Trie­rer Bis­tums­chro­nik wun­der­te sich, dass die Blei­dä­cher des Do­mes und von St. Si­me­on un­ver­sehrt blie­ben, of­fen­sicht­lich woll­te man die Bür­ger nicht durch Brand­stif­tung ge­fähr­den. Schlie­ß­lich er­ober­ten und zer­stör­ten die Sol­da­ten noch die kur­fürst­li­che Re­si­denz in Saar­burg so­wie die Ort­schaf­ten Gre­ven­ma­cher und Ech­ter­nach.

Jo­hann von Isen­burg er­litt 1553 ei­nen Schlag­an­fall und ver­lor das Sprach­ver­mö­gen; das Dom­ka­pi­tel be­stimm­te Jo­hann von der Ley­en zu sei­nem Ko­ad­ju­tor. Am 18.2.1556 starb Jo­hann im Al­ter von nur 48 Jah­ren in Mon­ta­baur. Sein Grab fand er wo­mög­lich we­gen der Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Stadt Trier in der Stifts­kir­che St. Flo­rin in Ko­blenz, wo be­reits Erz­bi­schof Ja­kob von Ba­den sei­ne Grab­stät­te ge­fun­den hat­te. Das von Jo­hanns Nach­fol­ger er­rich­te­te Mo­nu­ment wur­de 1808 bei der Pro­fa­nie­rung der Kir­che zer­stört; nur Frag­men­te sind er­hal­ten.

Quellen

Zenz, Emil (Hg.), Die Ta­ten der Trie­rer - Ges­ta Tre­ver­o­rum, Band 6, Trier 1962, S. 61-66.

Literatur

Persch, Mar­tin, Jo­hann von Isen­burg, in:  Bio­gra­phisch-bi­blio­gra­phi­sches Kir­chen­le­xi­kon 3 (1992), Sp. 157-159.

Sei­brich, Wolf­gang, Jo­hann von Isen­burg, in:  Gatz, Er­win, Die Bi­schö­fe des Hei­li­gen Rö­mi­schen Rei­ches 1448-1648. Ein bio­gra­phi­sches Le­xi­kon, Ber­lin 1996, S. 325-327.

Schmid, Wolf­gang, Die Erz­bi­schö­fe im 16. Jahr­hun­dert, in: Schnei­der, Bern­hard (Hg.), Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat. 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier Band 3), Trier 2010, S. 55-76, hier S. 64-66.

Schnei­der, Bern­hard, Kir­chen­re­form und Kon­fes­si­ons­staat. 1500-1801 (Ge­schich­te des Bis­tums Trier Band 3), Trier 2010, S. 55-76.

Online

End­ru­lat, Bern­hard, Jo­hann V. (Erz­bi­schof von Trier), in: All­ge­mein­de Deut­sche Bio­gra­phie 14 (1881), S. 424-426. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Schmid, Wolfgang, Johann V. von Isenburg, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/johann-v.-von-isenburg/DE-2086/lido/57c92df7107e15.11288970 (16.07.2018)