Josef Diebels

Brauereigründer (1845-1922)

Björn Thomann (Sankt Augustin)

Jo­sef Die­bels zählt zu den be­deu­ten­den Un­ter­neh­mern auf dem Sek­tor der Ver­brauchs­gü­ter­in­dus­trie im Deut­schen Reich. Die von ihm ge­grün­de­te Ex­port-Braue­rei in Issum (heu­te Kreis Kle­ve) be­fand sich bis 2001 im Be­sitz sei­ner Nach­kom­men. Die­bels gilt als ein Pio­nier der mo­der­nen Pro­duk­ti­on des für die ­Nie­der­rhein­re­gi­on ty­pi­schen tra­di­tio­nel­len Alt­bie­res, gleich­wohl er in sei­nem Un­ter­neh­men auch ein brei­tes Sor­ti­ment an­de­rer qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger Bier­sor­ten her­stel­len ließ.

Jo­sef Die­bels wur­de am 16.8.1845 als ein­zi­ges Kind des Metz­ger­meis­ters Theo­dor Hein­rich Die­bels und des­sen Ehe­frau Ma­ria Si­bil­la Krau­se in Kre­feld ge­bo­ren. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren be­deu­ten­den rhei­ni­schen Kol­le­gen sei­ner Zunft wie Theo­bal­d Si­mon o­der Pe­ter Jo­sef Früh ent­stamm­te er ­so­mit k­ei­ner alt­ein­ge­ses­se­nen Braue­rei­fa­mi­lie. Sei­ne Lehr- und Ge­sel­len­zeit führ­te Die­bels in den Dienst ver­schie­de­ner nie­der­rhei­ni­scher Haus­braue­rei­en, ehe er im Jahr 1874 in Saal­hoff bei Rhein­berg (heu­te Kreis We­sel) die dor­ti­ge „Hoo­gen Braue­rei“ als Pacht über­nahm.

Drei Jah­re spä­ter wag­te Die­bels den Schritt zur Grün­dung sei­ner ei­ge­nen Braue­rei im nie­der­rhei­ni­schen Issum, wo er ein ent­spre­chen­des Bau­grund­stück hat­te er­wer­ben kön­nen. Bei der Wahl des Stand­or­tes be­wies er un­ter­neh­me­ri­sches Ge­schick und Weit­blick: Un­weit der Kreis­stadt Gel­dern und an der Stra­ße nach We­sel ge­le­gen, ver­füg­te die Ge­mein­de seit 1874 auch über ei­nen An­schluss an das Ei­sen­bahn­netz und so­mit über ei­ne aus­ge­zeich­ne­te Ver­kehrs­an­bin­dung. Die sich hier­aus für ei­ne Ex­port-Braue­rei er­ge­ben­den Ab­satz­chan­cen er­wie­sen sich in der ins­ge­samt noch struk­tur­schwa­chen Re­gi­on so­mit als ide­al. Den­noch sah sich Die­bels durch die zahl­rei­chen lo­ka­len und eta­blier­ten Haus­braue­rei­en auch ei­ner star­ken Kon­kur­renz ge­gen­über. Sein Vor­ha­ben stieß auch in der Is­su­mer Be­völ­ke­rung auf Skep­sis, die Chan­cen sich hier dau­er­haft be­haup­ten zu kön­nen, wur­den als ge­ring ein­ge­schätzt.

Die­bels zeig­te sich von den Be­den­ken sei­ner Kri­ti­ker aber un­be­ein­druckt und be­gann sei­ne Plä­ne ziel­stre­big in die Tat um­zu­set­zen. Sei­ne am 31.8.1877 beim Is­su­mer Bür­ger­meis­ter be­an­trag­te Ge­neh­mi­gung zur Er­rich­tung ei­ner Braue­rei­an­la­ge wur­de ihm be­reits am dar­auf­fol­gen­den Ta­ge er­teilt. Bin­nen Jah­res­frist konn­ten die Pro­duk­ti­ons­an­la­gen fer­tig­ge­stellt wer­den, so dass be­reits am 6.10.1878 die „Dampf­braue­rei Jo­sef Die­bels Issum“ in Be­trieb ge­nom­men und der ers­te Sud ge­kocht wer­den konn­te. Die en­ge Ver­bun­den­heit Die­bels mit Issum do­ku­men­tiert nicht zu­letzt die Wahl des „sprin­gen­den Hir­sches“, ent­nom­men aus dem Ge­mein­de­wap­pen des Or­tes, als künf­ti­ges prä­gnan­tes Mar­ken­zei­chen des jun­gen Un­ter­neh­mens.

Eben­falls im Jahr 1878 hei­ra­te­te Die­bels die aus Issum stam­men­de He­le­ne Nau­en (1853-1930), die ihm auch beim Auf­bau des Un­ter­neh­mens un­ter­stüt­zend zur Sei­te stand. Aus der Ehe gin­gen die Söh­ne Jo­sef (1890-1974) und Paul (1893-1983) her­vor, die von ih­rem Va­ter früh­zei­tig zu sei­nen Nach­fol­gern aus­ge­bil­det und auf­ge­baut wur­den. Jo­sef wur­de be­reits im Jahr 1907, mit 17 Jah­ren, in die Fir­ma auf­ge­nom­men, Paul folg­te 1911. Zu die­sem Zeit­punkt hat­te sich das Un­ter­neh­men be­reits fest eta­bliert. Aus den be­schei­de­nen An­fän­gen her­aus, hat­te es Die­bels suk­zes­si­ve er­wei­tert und da­bei auch vor ri­si­ko­rei­chen In­ves­ti­tio­nen nicht zu­rück­ge­schreckt. Da­bei kam ihm auch sein aus­ge­präg­tes In­ter­es­se für zu­kunfts­träch­ti­ge Tech­no­lo­gi­en zu­gu­te, die so­wohl ei­ne He­bung der Qua­li­tät als auch ei­ne hö­he­re Ef­fi­zi­enz in der Pro­duk­ti­on ver­spra­chen. So ließ er schon im Jahr 1901 auf dem ge­sam­ten Be­triebs­ge­län­de die bis­he­ri­gen Pe­tro­le­um­lam­pen durch elek­tri­sches Licht er­set­zen. 

Der Wirt­schafts­auf­schwung im jun­gen Deut­schen Reich hat­te seit den 1870er Jah­ren ei­nen er­höh­ten Be­darf an Kon­sum­gü­tern nach sich ge­zo­gen, zu de­nen auch das Pro­dukt „Bier“ zähl­te. Be­reits 1886 wur­de bei „Die­bel­s“ ein zwei­ter und deut­lich leis­tungs­fä­hi­ge­rer Dampf­kes­sel in Be­trieb ge­nom­men, bis 1891 konn­te ein zwei­tes Sud­haus er­rich­tet wer­den. 1896 er­folg­te die Ein­wei­hung ei­nes wei­te­ren Dampf­kes­sels so­wie ei­ner hoch­mo­der­nen dampf­be­trie­be­nen Eis­ma­schi­ne. Jo­sef Die­bels ver­stand es, sich den wach­sen­den Markt zu er­schlie­ßen, wo­bei er nicht nur in ei­ne fort­wäh­ren­de tech­ni­sche Mo­der­ni­sie­rung der Brau­an­la­gen, son­dern auch in ei­nen Fuhr­park in­ves­tier­te, um die stei­gen­de Nach­fra­ge be­die­nen zu kön­nen.  Zur Jahr­hun­dert­wen­de er­reich­te die Die­bels Braue­rei be­reits ei­nen jähr­li­chen Ge­samt­aus­stoß von 11.000 Hek­to­li­tern. Der Ers­te Welt­krieg mar­kier­te nach Jahr­zehn­ten der Ex­pan­si­on ei­ne Zä­sur. Nicht nur die wehr­fä­hi­gen Tei­le der Be­leg­schaft, son­dern auch Die­bels mitt­ler­wei­le fest in der Ge­schäfts­füh­rung eta­blier­te Söh­ne wur­den zum Mi­li­tär­dienst ein­ge­zo­gen. Mit fort­dau­ern­der Län­ge des Krie­ges kam die Pro­duk­ti­on durch den Man­gel an Roh­stof­fen fast voll­stän­dig zum Er­lie­gen, le­dig­lich qua­li­ta­tiv min­der­wer­ti­ges Dünn­bier konn­te in die­ser Zeit noch aus­ge­sto­ßen wer­den. Dies galt spä­ter auch für die Zeit zwi­schen 1945 und 1950. Nach dem Ers­ten Welt­krieg hat­te „Die­bel­s“ noch meh­re­re Jah­re spür­bar un­ter des­sen öko­no­mi­schen Fol­gen zu lei­den, er­leb­te aber nach der Über­nah­me der in Xan­ten an­säs­si­gen „Nie­der­rhei­ni­schen Ak­ti­en­braue­rei“ im Jahr 1920 ei­nen neu­er­li­chen  Auf­schwung. Ab 1921 konn­te in der nun­meh­ri­gen „Braue­rei Die­bels AG“ die Pro­duk­ti­on von qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gem Stark­bier wie­der­auf­ge­nom­men wer­den.

An den An­fän­gen der wirt­schaft­li­chen Blü­te­zeit in den 1920er Jah­ren und 1930er Jah­ren war Jo­sef Die­bels, mitt­ler­wei­le über 70 Jah­re alt, noch ma­ß­geb­lich be­tei­ligt. Er starb am 9.2.1922 in Issum. Sei­ne Söh­ne führ­ten das Un­ter­neh­men un­ter dem Na­men „Braue­rei Die­bels Söh­ne“ je­doch er­folg­reich und im Sin­ne des Va­ters fort. Im Jahr 1928 wur­de auf dem knapp zwei Hekt­ar gro­ßen Fir­men­ge­län­de be­reits ei­ne Be­leg­schaft von 27 Mit­ar­bei­tern be­schäf­tigt und ein Bier­aus­stoß von ins­ge­samt 24.500 Li­tern ver­zeich­net. Die Pro­duk­ti­on konn­te bis 1940 auf 39.000 Hek­to­li­ter ge­stei­gert wer­den.

Nach den Zer­stö­run­gen des Zwei­ten Welt­krie­ges und dem un­ter schwie­rigs­ten Ver­hält­nis­sen er­fol­gen­den Wie­der­auf­bau, be­gann ab den 1950er Jah­ren un­ter der Füh­rung von Hanns-Ot­to Hase­brink-Die­bels und Karl Heinz Bös­ken-Die­bels, den Schwie­ger­söh­nen von Jo­sef und Paul Die­bels, der wirt­schaft­li­che Auf­stieg zu ei­ner der grö­ß­ten Pri­vat­braue­rei­en in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land. Hase­brink-Die­bels und Bös­ken-Die­bels stan­den dem Un­ter­neh­men bis 1979 als ge­schäfts­füh­ren­de Ge­sell­schaf­ter vor. Am Be­ginn der 1970er Jah­re er­folg­te ein ent­schei­den­der Kurs­wech­sel in der bis­he­ri­gen Sor­ti­ments­stra­te­gie. Die bis­he­ri­ge tra­di­tio­nel­le Pro­duk­ti­on ver­schie­de­ner Bier­sor­ten wur­de ein­ge­stellt und „Al­t“ zur Mo­no­pol­mar­ke er­ho­ben. Auf die­se Wei­se avan­cier­te Die­bels zum un­um­strit­te­nen re­gio­na­len Markt­füh­rer: In­ner­halb von acht Jah­ren konn­te der Ge­samt­aus­stoß von 175.000 Li­tern (1967) auf 500.000 Li­ter (1975) ge­stei­gert wer­den. 1981 wur­de erst­mals die Mil­lio­nen­gren­ze über­schrit­ten.

2001 wur­de das Fa­mi­li­en­un­ter­neh­men für um­ge­rech­net 100 Mil­lio­nen Eu­ro an die bel­gi­sche In­ter­brew-Grup­pe ver­äu­ßert und ge­hört der­zeit der aus die­ser her­vor­ge­gan­ge­nen An­heu­ser-Busch-In­Bev Braue­rei­grup­pe an. Ins­ge­samt ist die Ge­samt­pro­duk­ti­on der Braue­rei in den letz­ten Jah­ren rück­läu­fig und liegt nach ei­nem Höchst­stand von 1,5 Mil­lio­nen Li­tern in den 1990er Jah­ren ak­tu­ell wie­der et­wa bei et­was über ei­ner Mil­li­on. Die Zahl der Mit­ar­bei­ter ist in­ner­halb der letz­ten 20 Jah­re von 518 auf ak­tu­ell 234 zu­rück­ge­gan­gen. Mit ei­nem Jah­res­um­satz von et­wa 42 Mil­lio­nen Eu­ro ist „Die­bel­s“ den­noch nicht nur ein wich­ti­ger lo­ka­ler Ar­beit­ge­ber, son­dern dar­über hin­aus auch ein über­re­gio­nal wirt­schaft­lich be­deut­sa­mes und re­nom­mier­tes Un­ter­neh­men.

An den Fir­men­grün­der Jo­sef Die­bels er­in­nert in Issum heu­te un­ter an­de­rem ein werks­ei­ge­nes Braue­rei­mu­se­um. Auf dem Is­su­mer Fried­hof in der Müh­len­stra­ße be­fin­det sich das auf sei­ne Ver­an­las­sung hin er­rich­te­te schlich­te Fa­mi­li­en­grab.

Literatur

Baum, Sig­rid, Jo­sef Die­bels - Der Mann, der Deutsch­lands Alt­bier Nr. 1 sei­nen Na­men gab, in: Burk­hard, Wolf­gang, Nie­der­rhei­ni­sche Un­ter­neh­mer, Duis­burg 1990, S. 200-201.

 
Zitationshinweis

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Thomann, Björn, Josef Diebels, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/josef-diebels/DE-2086/lido/57c6936a3cf9b0.50650538 (15.07.2018)