Julius Friedrich

Oberbürgermeister von Wuppertal (1883-1977)

Lothar Weiß (Frechen)

Julius Friedrich, Porträt. (Stadtarchiv Wuppertal)

Fried­rich war Land­rat der Land­krei­se Hat­tin­gen (1920-1929) und Düs­sel­dorf-Mett­mann (1929-1931), Ober­bür­ger­meis­ter der Stadt Wup­per­tal  (1931-1937) und De­zer­nent bei der Re­gie­rung Düs­sel­dorf (1938-1950). Ju­li­us Fried­rich war ein ver­sier­ter Ver­wal­tungs­ju­rist mit gro­ßer Er­fah­rung und ein na­tio­nal-kon­ser­va­ti­ver Kom­mu­nal­po­li­ti­ker, der so­wohl Steig­bü­gel­hal­ter als auch Op­fer der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Dik­ta­tur war.

Ju­li­us Fried­rich wur­de am 1.8.1883 als Sohn des Di­rek­tors der Rhei­ni­schen Stahl­wer­ke AG in Es­sen, Os­kar Fried­rich und sei­ner Frau Char­lot­te, ge­bo­re­ne Koch in Duis­burg ge­bo­ren. Am 5.7.1911 hei­ra­te­te der evan­ge­li­sche Fried­rich in Ber­lin-Char­lot­ten­burg Hel­la Span­gen­berg, Toch­ter des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts­ra­tes Hans Span­gen­berg (1851-1919) und des­sen Frau Frie­da, ge­bo­re­ne Finn­ström.

Fried­rich be­stand 1901 die Ab­itur­prü­fung am Gym­na­si­um in Duis­burg und stu­dier­te zwi­schen 1901 und 1904 in Genf und Bonn Rechts­wis­sen­schaft. Nach der ers­ten ju­ris­ti­schen Staats­prü­fung wur­de er Ge­richts­re­fe­ren­dar im Be­zirk des Ober­lan­des­ge­richts Hamm (West­fa­len) und ab 1906 Re­gie­rungs­re­fe­ren­dar in Bres­lau. Im An­schluss an die As­ses­so­ren­prü­fung ar­bei­te­te Fried­rich ab 1909 als wis­sen­schaft­li­cher „Hilfs­ar­bei­ter“ beim Land­rat in Gne­sen (Po­sen) und ab 1910 beim Land­rat des Land­krei­ses Es­sen. Fried­rich nahm am ge­sam­ten Ers­ten Welt­krieg teil. Er er­hielt das Ei­ser­ne Kreuz II. Klas­se. 1918 wur­de er als Haupt­mann der Re­ser­ve au­ßer Dienst ge­stellt.

Be­reits 1917 war sei­ne Er­nen­nung zum Re­gie­rungs­rat er­folgt. 1919 war er kurz­zei­tig Re­fe­rent im Reich­ser­näh­rungs­amt, wech­sel­te aber rasch zur Re­gie­rung in Düs­sel­dorf. Von dort aus über­nahm er, zu­nächst kom­mis­sa­risch, für die Jah­re 1920-1929 das Amt des Land­rats in Hat­tin­gen (West­fa­len). Im Ja­nu­ar 1923 wur­de Fried­rich im Zu­ge der Ruhr­be­set­zung durch fran­zö­si­sche und bel­gi­sche Trup­pen vom „In­te­r­al­li­ier­ten Ho­hen Aus­schuss für die Rhein­lan­de“ (Rhein­land­kom­mis­si­on) aus­ge­wie­sen. Bis zu sei­ner Rück­kehr im Jahr 1924 ver­wal­te­te er den Land­kreis Bar­men (heu­te Stadt Wup­per­tal) aus. Zwi­schen 1923 und 1925 muss­ten zahl­rei­che Stein­koh­len­ze­chen im Ruhr­ge­biet ge­schlos­sen wer­den, so auch im Land­kreis Hat­tin­gen. Die da­durch ent­stan­de­nen Steu­er­aus­fäl­le stell­ten den Be­stand des Krei­ses in Fra­ge. Nach des­sen Auf­lö­sung durch die kom­mu­na­le Neu­ord­nung zum 1.8.1929 über­nahm Fried­rich, zu­nächst kom­mis­sa­risch, das neue Land­rats­amt Düs­sel­dorf-Mett­mann. Fried­rich war zu­gleich stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Auf­sichts­rats der Ver­ei­nig­ten Elek­tri­zi­täts­wer­ke West­fa­len GmbH (VEW) in Dort­mund und Mit­glied des Auf­sichts­rats der Rhei­nisch-West­fä­li­schen Elek­tri­zi­täts­wer­ke AG (RWE) in Es­sen.

Die Wup­per­ta­ler Stadt­ver­ord­ne­ten wähl­ten den Land­rat am 24.2.1931 zum Nach­fol­ger für den zu­rück­ge­tre­te­nen ers­ten Ober­bür­ger­meis­ter Dr. Paul Hart­mann (1869-1942). Mit­ten in der Welt­wirt­schafts­kri­se kämpf­te Fried­rich um die Exis­tenz Wup­per­tals. Er sah sich mit ei­ner tie­fen Kon­junk­tur­kri­se der Tex­til- und Be­klei­dungs­in­dus­trie am Ort und ei­ner pre­kä­ren so­zia­len La­ge kon­fron­tiert. Im Som­mer 1933 wa­ren rund 30 Pro­zent der Er­werbs­per­so­nen oh­ne Be­schäf­ti­gung. In der Fol­ge stie­gen die städ­ti­schen Wohl­fahrts­aus­ga­ben steil an. Zu­gleich bra­chen die Steu­er­ein­nah­men ein und konn­ten nur teil­wei­se durch staat­li­che Zu­wei­sun­gen er­setzt wer­den. Die In­te­gra­ti­on der ver­schie­de­nen frü­he­ren Ge­mein­de­ver­wal­tun­gen zu ei­nem ho­mo­ge­nen Gan­zen städ­ti­scher Ver­wal­tung war ei­ne wei­te­re an­spruchs­vol­le Her­aus­for­de­rung. Das po­li­ti­sche Kli­ma in der Stadt war auf­ge­heizt. Stra­ßen- und Saal­schlach­ten zwi­schen Links- und Rechts­ex­tre­mis­ten in bür­ger­kriegs­ähn­li­chen Zu­stän­den for­der­ten zahl­rei­che To­te und Ver­letz­te. Im Jahr 1933 be­för­der­te Fried­rich als Ober­bür­ger­meis­ter die Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in Wup­per­tal. Ob­wohl die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten die Kom­mu­nal­wahl am 12.3.1933 zu ih­ren Guns­ten be­ein­flusst hat­ten, ver­fehl­ten sie knapp die ab­so­lu­te Mehr­heit der Man­da­te, konn­ten aber nach der Aus­schal­tung der KPD die Mehr­heit er­rei­chen. Im vor­aus­ei­len­den Ge­hor­sam ge­gen­über den neu­en Macht­in­ha­bern wur­den auf den städ­ti­schen Ge­bäu­den Ha­ken­kreuz­fah­nen ge­hisst, ei­ne An­spra­che des NS­DAP-Kreis­lei­ters Ru­dolf Feick (1900-1945) vom Bal­kon des Rat­hau­ses Bar­men zu­ge­las­sen und un­lieb­sa­me Be­schäf­tig­te der städ­ti­schen Ver­wal­tung durch Par­tei­ge­nos­sen er­setzt. Noch vor der Be­kannt­ga­be des Wahl­er­geb­nis­ses teil­te Fried­rich die Be­ur­lau­bung zwei­er SPD-De­zer­nen­ten mit. Fried­richs wei­te­res Agie­ren nach dem na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen „Ge­setz zur Wie­der­her­stel­lung des Be­rufs­be­am­ten­tums“ blieb am­bi­va­lent. Be­reits vor dem Ju­den­boy­kott am 1.4.1933 un­ter­sag­te er städ­ti­sche Auf­trä­ge an Wa­ren­häu­ser und jü­di­sche Ge­schäf­te. Die NS­DAP be­trieb Fried­richs Ab­lö­sung noch nicht. Des­sen Ver­bleib im Amt des Ober­bür­ger­meis­ters ei­ner Groß­stadt über 200.000 Ein­woh­nern war ei­ne Aus­nah­me. Sie traf nur noch auf die kon­ser­va­ti­ven Stadt­ober­häup­ter von Leip­zig und Han­no­ver so­wie Ber­lin zu, die – wie Fried­rich – in den Jah­ren 1935 bis 1937 zu­rück­tra­ten und durch Na­tio­nal­so­zia­lis­ten er­setzt wur­den.

Im Macht­kampf vor Ort kühl­te sich das Ver­hält­nis zwi­schen dem na­tio­nal ge­sinn­ten Fried­rich und den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten ab. Am 21.1.1937 be­an­trag­te Fried­rich sei­ne vor­zei­ti­ge Ver­set­zung in den Ru­he­stand. Kurz­zei­ti­ger Nach­fol­ger Fried­richs wur­de der „Al­te Kämp­fer“ und Neus­ser Ober­bür­ger­meis­ter Wil­helm Gel­berg (1894-1940).

Der 54-jäh­ri­ge Fried­rich wur­de auf sei­nen An­trag hin zum Re­gie­rungs­rat de­gra­diert und er­hielt nun ei­ne Stel­le bei der Re­gie­rung Düs­sel­dorf. Kurz vor Aus­bruch des Zwei­ten Welt­krie­ges 1939 wur­de Fried­rich für sei­ne künf­ti­ge Ver­wen­dung als Stadt­kom­mis­sar nach Kat­to­witz in Po­len be­or­dert. Nach we­ni­gen Mo­na­ten in die­sem Amt kehr­te Fried­rich nach Düs­sel­dorf zu­rück, wo er ver­mut­lich we­gen sei­nes an­hal­ten­den Wi­der­stan­des ge­gen ge­plan­te Ein­sät­ze in be­setz­ten Ge­bie­ten blei­ben konn­te. Je­doch wur­de Fried­rich we­gen po­li­ti­scher Be­den­ken der NS­DAP-Par­tei­kanz­lei nicht zum Ober­re­gie­rungs­rat be­för­dert, ob­wohl er Für­spre­cher hat­te.

Nach dem Krieg sah sich Fried­rich durch die bri­ti­sche Be­sat­zungs­macht gro­ßen Schwie­rig­kei­ten ge­gen­über. Er wur­de we­gen sei­nes kurz­zei­ti­gen Amts in Kat­to­witz als Be­am­ter ent­las­sen, sein Ver­mö­gen be­schlag­nahmt, Ge­halt und Pen­si­on wur­den ge­sperrt. Fried­rich wehr­te sich, zu­mal er zwei un­ter­halts­be­dürf­ti­ge Töch­ter hat­te. Er sei nie Mit­glied der NS­DAP ge­we­sen. Weil er die NS-Po­li­tik ab­ge­lehnt hät­te, sei er als Ober­bür­ger­meis­ter 1937 gleich­zei­tig mit dem Leip­zi­ger Kol­le­gen Carl Fried­rich Go­er­de­ler (1884-1945) zu­rück­ge­tre­ten. Fried­rich be­saß das Wohl­wol­len sei­ner deut­schen Dienst­vor­ge­setz­ten. Der evan­ge­li­sche Ge­ne­ral­su­per­in­ten­dent der Rhein­pro­vinz, Dr. Emil Ernst Stol­ten­hoff, stell­te ihm ei­nen „Per­sil­schein“ aus. Mit dem 15.12.1945 nahm Fried­rich sein Amt als Re­gie­rungs­rat in Düs­sel­dorf wie­der auf. Nun konn­te er sei­ne Ver­wal­tungs­lauf­bahn fort­set­zen. Am 10.12.1947 wur­de er zum Ober­re­gie­rungs­rat er­nannt. Er war Lei­ter des Ge­wer­be­de­zer­nats, ver­wal­tungs­tech­ni­scher De­zer­nent für die Hoch­bau­ab­tei­lung und Jus­ti­ti­ar der Me­di­zi­nal­ab­tei­lung. Au­ßer­dem or­ga­ni­sier­te er die Über­lei­tung der Be­zirks­wirt­schafts­äm­ter auf die Be­zirks­re­gie­rung. Mit sei­ner Er­fah­rung war Fried­rich fast un­er­setz­bar, wes­halb sein Ru­he­stand bis zum 1.7.1950 hin­aus­ge­scho­ben wur­de. Da­nach über­nahm Fried­rich die Auf­ga­be ei­nes Schatz­meis­ters und Vor­stands­mit­glieds der Dia­ko­nis­sen­an­stalt Kai­sers­werth in Düs­sel­dorf. Am 9.4.1977 starb er zu­rück­ge­zo­gen in Ham­burg.

Quellen

Lan­des­ar­chiv Nord­rhein-West­fa­len, Ab­tei­lung Rhein­land, NW 110, Nr. 461.

Literatur

Eckardt, Uwe, „Der Bon­zen­t­raum ist aus­ge­träumt, im Rat­haus wird nun auf­ge­räumt!“ Zur Ver­wal­tungs­ge­schich­te 1933 bis 1937, in: Goe­bel, Klaus (Hg.), Wup­per­tal in der Zeit des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, Wup­per­tal 1994, S. 27-42.

Ro­meyk, Horst, Die lei­ten­den staat­li­chen und kom­mu­na­len Ver­wal­tungs­be­am­ten in der Rhein­pro­vinz 1816-1945, Düs­sel­dorf 1994, S. 449-450.

 
Zitationshinweis

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Weiß, Lothar, Julius Friedrich, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/julius-friedrich/DE-2086/lido/57c6c03dad7ba0.73108575 (18.07.2018)