Louise Dumont

Schauspielerin (1862-1932)

Christof Dahlmann (Swisttal)

Louise Dumont, Porträtfoto.

Loui­se Du­mont war ei­ne der er­folg­reichs­ten Schau­spie­le­rin­nen ih­rer Zeit und zu­sam­men mit ih­rem spä­te­ren Mann Gus­tav Lin­de­mann Grün­de­rin des Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­hau­ses. In Deutsch­land fei­er­te sie gro­ße Er­fol­ge durch Auf­füh­run­gen in Stutt­gart und Ber­lin, in­ter­na­tio­na­le Be­kannt­heit er­lang­te sie durch Auf­trit­te in Russ­land und Pa­ris. Sie hat­te auf das deut­sche Thea­ter des 20. Jahr­hun­derts ei­nen er­heb­li­chen Ein­fluss.

Loui­se Du­mont wur­de als Loui­se Ma­ria Hu­ber­ti­ne Heynen am 22.2.1862 als zwei­tes von elf oder zwölf Kin­dern in Köln in der Nä­he des Neu­markts ge­bo­ren. Ih­re El­tern wa­ren der Kauf­mann Chris­ti­an Jo­seph Hu­bert Heynen (ge­bo­ren 1837) und Ma­ria Eli­sa­beth Eli­se (ge­bo­ren 1836 oder 1837), ge­bo­re­ne Du­mont. Nach­dem ih­re Fa­mi­lie auf­grund wirt­schaft­li­cher Schwie­rig­kei­ten nach Kas­sel ge­zo­gen war, be­such­te Loui­se Du­mont nach der hö­he­ren Töch­ter­schu­le ei­ne Fach­schu­le, wo sie Weiß­nä­hen und kunst­ge­werb­li­ches Ar­bei­ten lern­te. Nach dem zwei­ten Kon­kurs des Va­ters trug sie als Nä­he­rin und Ver­käu­fe­rin zum Fa­mi­li­en­ein­kom­men bei, wo­zu sie al­lein ins hei­mat­li­che Köln zu­rück­zog.

 

1881 folg­te Du­mont ih­ren El­tern nach Ber­lin, wo­hin die­se in­zwi­schen um­ge­sie­delt wa­ren. Die Ent­schei­dung, zum Thea­ter zu ge­hen, traf sie ein Jahr spä­ter spon­tan. Bis zu die­sem Zeit­punkt hat­te die jun­ge Frau ein Le­ben als Er­zie­he­rin im Klos­ter an­ge­strebt. Nach­dem sie sich beim Ber­li­ner Na­tio­nal­thea­ter vor­ge­stellt hat­te, be­kam sie kos­ten­lo­sen Sprach­un­ter­richt. Ih­ren ers­ten Auf­tritt hat­te sie 1883 im Ber­li­ner Os­t­end­thea­ter. Auf­grund der Strei­tig­kei­ten mit ih­rem Va­ter, der ver­sucht hat­te, sie von der Schau­spie­le­rei ab­zu­hal­ten, nahm sie den Mäd­chen­na­men ih­rer Mut­ter – Du­mont – an.

Die ers­ten Sta­tio­nen ih­rer Kar­rie­re in Ber­lin, aber auch in Wien und klei­ne­ren Städ­ten wie Ha­nau ver­hal­fen ihr noch nicht zum end­gül­ti­gen Durch­bruch. Die­sen schaff­te sie im Drei­kai­ser­jahr 1888 am Kö­nig­li­chen Hof­thea­ter in Stutt­gart. Ih­re Zeit in Stutt­gart war ge­prägt von ra­schen Er­fol­gen und ei­ni­gen Freund­schaf­ten mit ge­sell­schaft­lich be­deu­ten­den Per­sön­lich­kei­ten, je­doch auch von Dif­fe­ren­zen mit den In­ten­dan­ten und In­tri­gen hin­ter der Büh­ne.

Den ers­ten gro­ßen in­ter­na­tio­na­len Er­folg fei­er­te die jun­ge Schau­spie­le­rin 1893 in Russ­land bei ei­nem Gast­spiel des Stutt­gar­ter Thea­ters. Nach die­ser er­folg­rei­chen Zeit ver­ließ Du­mont 1898 Stutt­gart und ging zu­rück nach Ber­lin. Hier spiel­te sie un­ter dem Re­gis­seur Ot­to Brahm (1856-1912) am Deut­schen Thea­ter, der be­deu­tends­ten Büh­ne des Na­tu­ra­lis­mus. Her­vor­zu­he­ben sind ih­re Auf­trit­te in den Dra­men des nor­we­gi­schen Schrift­stel­lers Hen­rik Jo­han Ib­sen (1828-1906). In der Ber­li­ner Zeit er­reich­te Loui­se Du­mont ih­re grö­ß­te Po­pu­la­ri­tät. Da sie sich aber ih­rer Mei­nung nach künst­le­risch dort nicht wei­ter­ent­wi­ckeln konn­te und sich un­ab­hän­gig ma­chen woll­te, ver­ließ sie das Deut­sche Thea­ter.

Ei­ne ent­schei­den­de Be­geg­nung er­eig­ne­te sich 1903, als Loui­se Du­mont ih­ren spä­te­ren Mann, den Re­gis­seur Gus­tav Lin­de­mann ken­nen lern­te. Bei­de ver­band die Lie­be zu den Wer­ken Ib­sens und der Wunsch nach ei­nem ei­ge­nen Thea­ter. Nach ei­ner ge­mein­sa­men Tour­nee 1903/1904 grün­de­ten sie 1904 schlie­ß­lich in Düs­sel­dorf ihr Thea­ter – die Schau­spiel­haus Düs­sel­dorf GmbH. Es war nicht ihr ers­ter Ver­such ei­ner Thea­ter­grün­dung, aber frü­he­re Ver­su­che in Ber­lin, Wei­mar und Darm­stadt mit den Schau­spie­lern Fried­rich Kayss­ler (1874-1945) oder Max Rein­hardt (1873-1943) wa­ren ge­schei­tert.

Das neue Düs­sel­dor­fer Thea­ter ge­wann na­tio­na­le und in­ter­na­tio­na­le Strahl­kraft, doch be­saß es vor al­lem ei­ne ent­schei­den­de Be­deu­tung für die künst­le­ri­sche Welt im Rhein­land. Am 28.10.1905 wur­de die ers­te Pre­mie­re ge­fei­ert, in der Loui­se Du­mont in der Tra­gö­die „Ju­dit­h“ von Chris­ti­an Fried­rich Heb­bel (1813-1863) die Haupt­rol­le spiel­te. Mit dem neu ge­grün­de­ten Thea­ter ver­folg­te sie gro­ße Zie­le, denn ge­ra­de in ih­rer Ber­li­ner Zeit hat­te sie re­gel­mä­ßig über die Miss­stän­de un­ter den Schau­spie­lern ge­klagt. Das Wort sei zu ei­nem sim­plen Be­deu­tungs­ver­mitt­ler ge­wor­den, ob­wohl ins­be­son­de­re der Klang ei­ne ent­schei­den­de Rol­le spie­len soll­te. Au­ßer­dem sei das Thea­ter eher für die hö­fi­sche Re­prä­sen­ta­ti­on als für den künst­le­ri­schen Wert da.

Mit der Grün­dung des Schau­spiel­hau­ses ging da­her auch die Er­öff­nung ei­ner Schau­spiel­schu­le ein­her, die Düs­sel­dor­fer Thea­ter­aka­de­mie. Die­se Ein­rich­tung soll­te jun­gen und ta­len­tier­ten Men­schen die Chan­ce ge­ben, künst­le­risch tä­tig zu wer­den. Au­ßer­dem gab Du­mont zu­sam­men mit ih­rem Mann die Thea­ter­zeit­schrift „Mas­ken“ her­aus.

Ih­re hoch­ge­steck­ten Zie­le er­hiel­ten nach an­fäng­li­chen Er­fol­gen ei­ni­ge Dämp­fer. Die an­spruchs­vol­len Stü­cke ka­men beim gro­ßen Pu­bli­kum nicht an - es woll­te von ein­fa­chen Ko­mö­di­en un­ter­hal­ten wer­den. So muss­te sie aus fi­nan­zi­el­len Grün­den ei­ni­ge leich­te, aber pu­bli­kums­wirk­sa­me Stü­cke auf­füh­ren. Zu den Hö­he­punk­ten der nächs­ten Jah­re zähl­te ne­ben ih­rer Hoch­zeit mit Gus­tav Lin­de­mann am 23.7.1907 im Lon­do­ner Stadt­teil Ful­ham ein Gast­spiel in Pa­ris 1909, im „Théât­re Ma­ri­gny“. Ihr dor­ti­ger Auf­tritt wur­de ein gro­ßer Er­folg.

Die­se Ent­wick­lung nahm man auch in Düs­sel­dorf zur Kennt­nis. Seit­dem war das Schau­spiel­haus im­mer gut be­sucht, und auch der fi­nan­zi­el­le Er­folg stell­te sich ein. Ein­schnit­te brach­te der Ers­te Welt­krieg, in wel­chem sich Gus­tav Lin­de­mann zum Kriegs­dienst mel­de­te. Doch auch das Thea­ter ver­än­der­te sich in die­ser Zeit, das grö­ß­ten­teils aus Sol­da­ten be­ste­hen­de Pu­bli­kum ver­lang­te nach pa­trio­ti­schen Stü­cken. Auch nach dem Krieg gab es Pro­ble­me, vor al­lem fi­nan­zi­el­le Eng­päs­se mach­ten sich be­merk­bar. Die In­fla­ti­on führ­te schlie­ß­lich da­zu, dass das Schau­spiel­haus trotz städ­ti­scher Zu­schüs­se am 30.6.1922 schlie­ßen muss­te.

Die mitt­ler­wei­le 60-jäh­ri­ge Du­mont nahm nach der Schlie­ßung ih­res Thea­ters, in dem sie knapp 20 Jah­re ge­ar­bei­tet hat­te, ei­ne Aus­zeit in Süd­deutsch­land. Ab 1924 lei­te­te sie die Aka­de­mie „Hoch­schu­le für Büh­nen­kunst“ in Düs­sel­dorf; die Wie­der­er­öff­nung des Schau­spiel­hau­ses Düs­sel­dorf im sel­ben Jahr mit ihr und Lin­de­mann als Ge­ne­ral­in­ten­dan­ten wur­de ein Er­folg. Im Al­ter von 70 Jah­ren spiel­te sie noch ver­schie­de­ne Rol­len. Kurz nach­dem sie mit Gus­tav Lin­de­mann bei­de Tei­le von Goe­thes Faust auf­ge­führt hat­te, starb sie am 16.5.1932 an ei­ner Lun­gen­ent­zün­dung; vier Ta­ge spä­ter wur­de sie auf dem Düs­sel­dor­fer Nord­fried­hof be­gra­ben. Ihr Grab­mal schuf der Bild­hau­er Ernst Bar­lach (1870-1938).

Loui­se Du­mont wird heu­te als „Neu­be­rin des 20. Jahr­hun­derts“ be­zeich­net. Die Lei­tung des Düs­sel­dor­fer Schau­spiel­hau­ses brach­te ihr die­sen Ti­tel ein. Die Be­zeich­nung spielt auf die Schau­spie­le­rin Frie­de­ri­ke Ca­ro­li­ne Neu­ber (1697-1760) an, die als so ge­nann­te „Neu­be­rin“ das Thea­ter des 18. Jahr­hun­derts re­for­mier­te. Der Na­me soll deut­lich ma­chen, dass Du­mont auf das deut­sche Thea­ter ei­nen er­heb­li­chen Ein­fluss hat­te und es merk­lich ver­än­der­te.

Ne­ben ei­ner Ge­denk­stät­te gibt es in Düs­sel­dorf ei­ne nach ihr be­nann­te Stra­ße. Für be­son­de­re schau­spie­le­ri­sche Leis­tun­gen ver­leiht das Du­mont-Lin­de­mann-Ar­chiv noch heu­te den „Loui­se Du­mont To­pa­s“, ei­ne Gold­ket­te mit An­hän­ger, auf Le­bens­zeit.

Literatur

Brües, Ot­to, Loui­se Du­mont. Um­riß von Le­ben und Werk, Ems­det­ten 1956.
Lie­se, Wolf, Loui­se Du­mont. Ein Le­ben für das Thea­ter, Ham­burg/Düs­sel­dorf 1971.

Online

Loui­se Du­mont an Gus­tav Lin­de­man­n - Ei­ne di­gi­ta­le Brie­fe­di­ti­on. [On­line]

Louise Dumont als Hedda Gabler, Briefmarke der Deutschen Bundespost, 1976.

 
Zitationshinweis

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Dahlmann, Christof, Louise Dumont, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/louise-dumont-/DE-2086/lido/57c69943d13647.23423796 (20.10.2018)