Paul Kemp

Schauspieler (1896-1953)

Erika Steinhausen (Weilerswist)

Paul Kemp, Porträtfoto.

Der aus Bad Go­des­berg (heu­te Stadt­ Bonn) stam­men­de Paul Kemp war ein be­kann­ter Thea­ter- und Film­schau­spie­ler, der auch als Ko­mi­ker er­folg­reich war. Ins­be­son­de­re in den 1930er Jah­ren ge­wann er durch be­kann­te Fil­me wie „Die Drei­gro­schen­oper" oder „M – Ei­ne Stadt sucht ei­nen Mör­der" die Gunst ei­nes brei­ten Pu­bli­kums.

Paul Kemp, mit voll­stän­di­gem Na­men Pe­ter Paul Kemp, wur­de am 20.5.1896 in Bad Go­des­berg als Sohn ei­nes Mu­sik­leh­rers ge­bo­ren. Er war kurz­zei­tig In­ter­nats­zög­ling des Go­des­ber­ger Je­sui­ten­kol­legs Hu­ber­ti­num (dem heu­ti­gen Aloi­si­us­kol­leg), be­such­te die Re­al­schu­le in Kö­nig­win­ter, so­wie die Land­wirt­schafts­schu­le in Bit­burg. An­schlie­ßend nahm er an der Bau­ge­wer­ke­schu­le in Köln ei­ne Aus­bil­dung zum Ar­chi­tek­ten auf und hos­pi­tier­te bei ei­nem Go­des­ber­ger Ar­chi­tek­ten. 

Wäh­rend des Ers­ten Welt­kriegs mel­de­te sich Paul Kemp frei­wil­lig als Kran­ken­fah­rer und wur­de an der West­front ein­ge­setzt. Hier ge­wann er ers­te Thea­ter­er­fah­run­gen mit Auf­trit­ten in ei­nem Sol­da­ten­en­sem­ble. Nach dem Krieg nahm er die Tä­tig­keit als Ar­chi­tekt nicht wie­der auf, da für ihn fest­stand, dass er Schau­spie­ler wer­den woll­te. Er be­such­te die Hoch­schu­le für Büh­nen­kunst in­ Düs­sel­dor­f und lern­te sein Hand­werk un­ter an­de­rem bei ­Loui­se Du­mont. In Düs­sel­dorf gab er auch sein Thea­ter­de­büt. Dar­auf folg­ten En­ga­ge­ments in Rem­scheid, Ham­burg und Ber­lin. 

In Ber­lin sah er sich in ei­ner schwie­ri­gen An­fangs­zeit Kon­kur­ren­ten wie ­Gus­tav Gründ­gen­s und Vik­tor de Ko­wa (1904-1973) ge­gen­über. Als er end­lich ei­ne Rol­le in ei­nem Kri­mi­nal­stück be­kam, spiel­te er ei­nen stum­men Die­ner. Die Leu­te lach­ten herz­lich über die­sen un­be­kann­ten jun­gen Ko­mi­ker. Er war end­lich auf­ge­fal­len. Und am an­de­ren Tag konn­te er in der Kri­tik le­sen: „Ein neu­er Mann! Der Schau­spie­ler, der den stum­men Die­ner spielt, ist her­vor­ra­gend. Ein wirk­li­cher Ko­mi­ker. Er hei­ßt Paul Klemm. Den Na­men wird man sich mer­ken müs­sen." Die­se Na­mens­ver­wech­se­lung ge­reich­te ihm aber nicht zum Scha­den. Im­mer mehr mach­te er sich als Cha­rak­ter­ko­mi­ker ei­nen Na­men. Er spiel­te und in­sze­nier­te mit gro­ßem Er­folg „Char­leys Tan­te", trat mit Chap­lin-Par­odi­en im Ka­ba­rett „Die Jung­frau" auf und krön­te sei­nen Ti­tel als Cha­rak­ter­ko­mi­ker mit der Dar­stel­lung des Buch­hal­ters Krin­ge­lein in Vicky Baums (1888-1960) „Men­schen im Ho­tel". Ne­ben­her dreh­te er auch noch ei­ni­ge kur­ze, ku­rio­se Wer­be­fil­me für Mo­to­ren­öl, Rhi­zi­nus und Le­bens­ver­si­che­run­gen. 

Von Ber­lin aus fand er 1930 den Weg zum Film, wo er schon bald mit sei­ner schüch­ter­nen Dar­stel­lung und sei­nem leicht ver­schmitz­ten Hu­mor gro­ße Po­pu­la­ri­tät er­lang­te. Paul Kemps Band­brei­te reich­te von der Dar­stel­lung des bie­de­ren Klein­bür­gers über den skur­ri­len All­tags­men­schen bis zum tra­gisch­ko­mi­schen Träu­mer. Er spiel­te un­ter an­de­rem ne­ben Heinz Rüh­man­n in der „Drei­gro­schen­oper" (1931), in Fritz Langs „M – ei­ne Stadt sucht ei­nen Mör­der" (1931), in Max Op­hüls Opern­film „Die ver­kauf­te Braut"(1932). In Rein­hold Schün­zels „Am­phi­try­on – Aus den Wol­ken kommt das Glück"(1935) spiel­te er so­gar ei­ne Dop­pel­rol­le und stell­te zwei völ­lig un­ter­schied­li­che Cha­rak­te­re dar. In den 1930er und 1940er Jah­ren, bis zum Kriegs­en­de, wirk­te er pro Jahr in bis zu zehn Un­ter­hal­tungs­fil­men mit. 

Nach dem Krieg ver­dien­te er sich sein Geld mit Tour­ne­en durch ös­ter­rei­chi­sche Städ­te, be­vor er 1947 sei­ne Film­kar­rie­re wie­der auf­neh­men konn­te. Sei­nem Ta­lent wur­den hier aber nur we­ni­ge Her­aus­for­de­run­gen ge­bo­ten und die Rol­len wur­den im­mer klei­ner. Zu sei­nen be­kann­tes­ten Fil­men nach dem Krieg ge­hör­ten „Ab­sen­der un­be­kannt" (1950), „Der Mann, der sich sel­ber sucht" (1950), „Die Die­bin von Bag­dad" (1952) und „Glück muss man ha­ben" (1953).

Am 13.8.1953 starb Paul Kemp in der Bon­ner Uni­ver­si­täts­kli­nik an den Fol­gen ei­nes Bild­darm­durch­bruchs. Sein Grab be­fin­det sich auf dem Burg­fried­hof in Bad-Go­des­berg. Die Paul-Kemp-Stra­ße (bis 1978 Bach­stra­ße) in Bad Go­des­berg, in der sich sein El­tern­haus be­fin­det, er­in­nert an ihn. Ei­ne go­ti­sche Pie­tà in der Go­des­ber­ger Ma­ri­en­kir­che ist ein Ge­schenk aus dem Nach­lass von Paul Kemp.

Bühnenauftritte

Ko­mö­die der Ir­run­gen, Wil­liam Shake­speare (Ham­burg 1923).

Char­leys Tan­te, Bran­don Tho­mas (Ham­burg 1923).

Or­pheus in der Un­ter­welt, Jac­ques Of­fen­bach (Ham­burg 1926).

Der Mann, der sei­nen Na­men än­der­te, Ed­gar Wal­lace (Ham­burg 1929).

Men­schen im Ho­tel, Vicky Baum (Ur­auf­füh­rung. Ber­lin 1930).

Die Schu­le der Frau­en, Mo­lié­re (Ber­lin 1930).

Der Haupt­mann von Kö­pe­nick, Carl Zuck­mayr (Ur­auf­füh­rung, Ber­lin 1931).

Filme

Die Drei­gro­schen­oper (1931).

M – Ei­ne Stadt sucht ei­nen Mör­der (1931).

Die ver­kauf­te Braut (1932).

Am­phi­try­on – Aus den Wol­ken kommt das Glück (1935).

Korn­blu­men­blau (1939).

Jen­ny und der Herr im Frack (1941).

Die Drit­te von rechts (1950).

En­gel im Abend­kleid (1951).

Quellen

Kemp, Paul, Blü­hen­des Un­kraut – Hei­te­res aus mei­nem Le­ben, Bonn 1953 [Au­to­bio­gra­phie].

Literatur

Küp­per, Jür­gen, Im Diens­te der hei­te­ren Mu­se. Vor 50 Jah­ren starb Paul Kamp – Sta­tio­nen ei­nes rast­lo­sen Künst­ler­le­bens, in: Go­des­ber­ger Hei­mat­blät­ter 41 (2003), S. 148-163. Nie­sen, Jo­sef, Bon­ner Per­so­nen­le­xi­kon, Bonn 2007, S. 163.

Online

Nach­lass Paul Kem­p im Deut­schen Film­mu­se­um Frank­furt am Main. [On­line]
Paul Kemp – Schau­spie­ler, Fil­mo­gra­phi­sche In­for­ma­ti­on auf der Web­site film­por­tal.de, ei­nem Pro­jekt des Deut­schen Film­in­sti­tut – DIF e.V. [On­line]

 
Zitationshinweis

Bitte geben Sie beim Zitieren dieses Beitrags die exakte URL und das Datum Ihres Besuchs dieser Online-Adresse an.

Steinhausen, Erika, Paul Kemp, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/paul-kemp/DE-2086/lido/57c9340aafa3e5.84536106 (23.06.2018)