Randolph von Breidbach-Bürresheim

NS-Widerstandskämpfer (1912-1945)

Ansgar S. Klein (Bonn)

Randolph von Breidbach-Bürresheim. (Erzbistum Köln)

Schlagworte

Ran­dolph von Breid­bach-Bür­res­heim war ein Wi­der­stands­kämp­fer des Mi­li­tärs ge­gen den Na­tio­nal­so­zia­lis­mus. Er stand in Kon­takt mit den Ver­schwö­rern des 20. Ju­li 1944. Im Erz­bis­tum Köln wird er heu­te als Mär­ty­rer ver­ehrt.

Ran­dolph von Breid­bach-Bür­res­heim er­blick­te am 10.8.1912 in Bonn im Wohn­haus der Fa­mi­lie, Ve­nus­berg­weg 1, als äl­tes­tes von vier Kin­dern des Ka­val­le­rie­of­fi­ziers und Esk­adron­chefs im Bon­ner Hu­sa­ren-Re­gi­ment „Kö­nig Wil­helm I.“ (1. Rhei­ni­sches) Nr. 7 Hu­ber­tus von Breid­bach-Bür­res­heim (1875-1956) und sei­ner Ehe­frau An­na-Ma­rie (1888-1972), ge­bo­re­ne Grä­fin von Wolff-Met­ter­nich zur Gracht, das Licht der Welt. Es folg­ten noch die Schwes­ter Ma­ria-Chris­ti­ne (1917-1922), der Bru­der Gos­win (1920-1998) und die jüngs­te Schwes­ter Hu­ber­ta (ge­bo­ren 1923).

In den ers­ten sechs Le­bens­jah­ren war der Va­ter, der im Ers­ten Welt­krieg mit sei­nem Re­gi­ment kämpf­te, kaum an­we­send. Die Mut­ter be­such­te in die­ser Zeit oft ih­re El­tern auf Burg Satz­vey bei Me­cher­nich in der Ei­fel. Im letz­ten Kriegs­jahr 1918 zog die Fa­mi­lie auf das vä­ter­li­che Fa­mi­li­en­gut Schloss Fron­berg bei Schwan­dorf in Bay­ern.

Nach vier Jah­ren Volks­schu­le wech­sel­te Breid­bach-Bür­res­heim 1922 auf das Hu­ma­nis­ti­sche Gym­na­si­um der Be­ne­dik­ti­ner im nie­der­baye­ri­schen Met­ten, wo er bis 1926 blieb. Das Ab­itur be­stand er 1931 am Ma­xi­mi­li­ans­gym­na­si­um in Mün­chen. Er be­gann an der Uni­ver­si­tät Müns­ter ein Stu­di­um der Rechts­wis­sen­schaft, das er spä­ter in Kö­nigs­berg, Bonn, Mün­chen und Nürn­burg-Er­lan­gen fort­setz­te. Wäh­rend der Stu­di­en­zeit trat er dem deutsch­na­tio­na­len Stahl­helm bei.

Nach der Macht­über­nah­me der Na­tio­nal­so­zia­lis­ten war der kon­ser­va­ti­ve, Adolf Hit­ler (1889-1945) kri­tisch ge­gen­über ein­ge­stell­te Va­ter als Mit­glied der Baye­ri­schen Volks­par­tei ei­ni­ge Ta­ge in Haft ge­nom­men wor­den. Der Stu­dent Ran­dolph von Breid­bach ver­mied den di­rek­ten Ein­tritt in die SA be­zie­hungs­wei­se in die SA-Stu­den­ten­stür­me, in­dem er im No­vem­ber 1933 der SA-Rei­ter­trup­pe in Müns­ter bei­trat. Am Ober­lan­des­ge­richt Hamm leg­te Breid­bach 1935 das Ers­te ju­ris­ti­sche Staats­ex­amen ab.

Ei­nen frei­wil­li­gen Mi­li­tär­dienst leis­te­te der Sohn ei­nes Ka­val­le­rie­of­fi­ziers da­nach im 17. (Baye­ri­schen) Rei­ter­re­gi­ment (ab 1936 Ka­val­le­rie-Re­gi­ment 17) in Bam­berg ab. Im glei­chen Re­gi­ment dien­ten der Be­rufs­of­fi­zier Claus Schenk von Stauf­fen­berg (1907-1944) und wei­te­re Ver­schwö­rer des 20. Ju­li. Als Ge­richts­re­fe­ren­dar am Bon­ner Land­ge­richt pro­mo­vier­te von Breid­bach-Bül­le­s­heim 1938 an der Uni­ver­si­tät Er­lan­gen über die Haf­tung des Bin­nen­schif­fers.

Im glei­chen Jahr trat Breid­bach zur wei­te­ren Vor­be­rei­tung auf das Zwei­te ju­ris­ti­sche Staats­ex­amen in die Kanz­lei des Rechts­an­wal­tes Jo­sef Mül­ler (1898-1979) in Mün­chen ein. Die­ser war in der Wei­ma­rer Re­pu­blik Mit­glied der Baye­ri­schen Volks­par­tei (BVP) ge­we­sen und soll­te nach 1945 ei­ner der Mit­grün­der und der ers­te Vor­sit­zen­de der Christ­lich So­zia­len Uni­on (CSU) sein. Mül­ler war seit 1933 Rechts- und Wirt­schafts­be­ra­ter für ka­tho­li­sche Krei­se und In­sti­tu­tio­nen. Bald ge­hör­te er dem ka­tho­li­schen Wi­der­stand an und ver­tei­dig­te Geg­ner des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Re­gimes vor Ge­richt. Auf die­se Wei­se er­hielt er Kon­takt zu dem mi­li­tä­ri­schen Wi­der­stands­kreis um den Re­gie­rungs­rat im Reichs­jus­tiz­mi­nis­te­ri­um Hans von Dohn­anyi (1902-1944), den Lei­ter des Ab­wehr­am­tes der Wehr­macht Ad­mi­ral Wil­helm Ca­na­ris (1887-1945) und den Ab­wehr­of­fi­zier Hans Os­ter (1887-1945). Nach Kriegs­aus­bruch be­auf­trag­ten die­se ihn, über den Va­ti­kan Ver­bin­dung zu den West­mäch­ten auf­zu­neh­men, um de­ren Hal­tung im Fal­le ei­nes Stur­zes Hit­lers zu er­for­schen. Um sei­ne Tä­tig­keit zu tar­nen, wur­de Mül­ler im No­vem­ber 1939 als Ober­leut­nant zur Wehr­macht ein­be­ru­fen und bei de­ren Ab­wehr­ab­tei­lung im Wehr­kreis VII tä­tig. Er lei­te­te die Au­ßen­stel­le AST Luft und hat­te of­fi­zi­ell die Auf­ga­be, die La­ge in Ita­li­en zu ana­ly­sie­ren. Die Kon­tak­te mit der bri­ti­schen Re­gie­rung von An­fang 1940 fass­te Dohn­anyi in dem so ge­nann­ten X-Be­richt zu­sam­men, der an den Ge­ne­ral­stabs­chef des Hee­res Franz Hal­der (1884-1972) und den Ober­be­fehls­ha­ber des Hee­res Wal­ter von Brau­chitsch (1881-1948) wei­ter­ge­lei­tet wur­de.

Breid­bach war als Un­ter­of­fi­zier der Re­ser­ve im Ok­to­ber 1939 ein­ge­zo­gen wor­den und als Aus­bil­der in ei­ner Ka­ser­ne in Dil­lin­gen ein­ge­setzt. Im Früh­jahr 1940 nahm er als Wacht­meis­ter mit dem In­fan­te­rie­re­gi­ment 246 am Frank­reich­feld­zug teil. Im Sep­tem­ber 1940 er­hielt er ei­ne Be­ur­lau­bung, um sich auf das Zwei­te ju­ris­ti­sche Staats­ex­amen vor­zu­be­rei­ten, das er im Ja­nu­ar 1941 ab­leg­te. An­schlie­ßend kehr­te er als Leut­nant zu sei­ner in Frank­reich sta­tio­nier­ten Ein­heit zu­rück. Ein Jahr spä­ter er­folg­te die Ver­le­gung an die Ost­front. Hier fun­gier­te er als Ver­bin­dungs­of­fi­zier der 88. In­fan­te­rie-Di­vi­si­on zur Zi­vil­be­völ­ke­rung. Im Ok­to­ber 1942 er­hielt er die Be­för­de­rung zum Ober­leut­nant.

 

So­wohl in Frank­reich als auch in Russ­land er­leb­te Breid­bach er­schüt­tern­de Sze­nen: das furcht­ba­re Elend der Flücht­lin­ge an der fran­zö­sisch-spa­ni­schen Gren­ze, die gna­den­lo­se Ver­fol­gung und Tö­tung der Ju­den so­wie die un­mensch­li­che Be­hand­lung der rus­si­schen Zi­vil­be­völ­ke­rung. Gleich­zei­tig be­ob­ach­te­te er die zu­neh­men­de Kor­rup­ti­on und die schlech­te, re­gime­kri­ti­sche Stim­mung in der deut­schen Trup­pe.

Auf den 9.9.1942 da­tiert der ers­te von drei der so ge­nann­ten Breid­bach-Be­rich­te, die er im Os­ten an­fer­tig­te und an die Kanz­lei Mül­ler sand­te. Der letz­te ent­stand im No­vem­ber 1942. Dar­in leg­te er sei­ne Be­ob­ach­tun­gen nie­der und do­ku­men­tier­te so die Ver­bre­chen der Wehr­macht in der von ihr be­setz­ten Ge­bie­ten. Er cha­rak­te­ri­sier­te das na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Re­gime als das „Bö­se“, sah aber nur die Mög­lich­keit, es von au­ßen zu stür­zen und Eu­ro­pa so zu be­frei­en. Breid­bach wog eben­falls die Vor- und Nach­tei­le des Bol­sche­wis­mus ab und stell­te Über­le­gun­gen über die Wie­der­er­rich­tung des pol­ni­schen Staa­tes an.

Nach­dem er im Sep­tem­ber 1942 wäh­rend ei­nes Ur­laubs ei­nen Be­such bei den El­tern und in Mün­chen ge­macht hat­te, er­krank­te Breid­bach ei­nen Mo­nat spä­ter in Russ­land an Gelb­sucht. Er kehr­te nach Deutsch­land zu­rück und kam in ein La­za­rett in Zwi­ckau, von wo er im Ja­nu­ar 1943 zu ei­nem Er­satz­ba­tail­lon in Würz­burg ent­las­sen wur­de.

Im März 1943 miss­lan­gen der Grup­pe um Ca­na­ris, Os­ter und den Rechts­an­walt Klaus Bon­hoef­fer (1901-1945) Ver­su­che, den Dik­ta­tor zu tö­ten. Am 5.4.1943 er­folg­te die Ver­haf­tung von Hans von Dohn­anyi und sei­nes Schwa­gers, des Theo­lo­gen Diet­rich Bon­hoef­fer (1906-1945), so­wie von Jo­sef Mül­ler. Bei der Durch­su­chung der Kanz­lei Mül­lers fand die Ge­sta­po die Be­rich­te Breid­bachs so­wie ei­nen Plan des so ge­nann­ten Füh­rer­bun­kers in Pul­lach.

Ein Reichs­ge­richts­rat ver­haf­te­te Breid­bach am 5.4.1943 in Würz­burg. Er kam in ein Un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis in Ber­lin. Der psy­chisch und phy­sisch ge­schwäch­te Breid­bach muss­te am 24.11.1943 in die Kran­ken­ab­tei­lung ver­legt wer­den.

Am 3. und 4.3.1944 fand in Ber­lin die Hoch­ver­rats­ver­hand­lung we­gen Heim­tü­cke vor dem Reichs­kriegs­ge­richt statt. Jo­sef Mül­ler und Ran­dolph Breid­bach-Bür­res­heim wur­den bei­de „we­gen er­wie­se­ner Un­schul­d“ frei­ge­spro­chen. Ih­re mi­li­tä­ri­schen Vor­ge­setz­ten hat­ten ih­nen Rü­cken­de­ckung ge­ge­ben und die Hand­lun­gen als Teil der Ab­wehr­ar­beit de­fi­niert. Trotz­dem blie­ben sie wei­ter­hin in Haft, denn das Ur­teil wur­de nicht be­stä­tigt, son­dern wie­der auf­ge­ho­ben.

Im Früh­jahr 1944 wand­te sich die Mut­ter Breid­bachs hil­fe­su­chend an den Re­gi­ments­ka­me­ra­den Claus Graf Schenk von Stauf­fen­berg, der ihr im Hin­blick auf den ge­plan­ten Staats­streich ei­nen gu­ten Aus­gang der An­ge­le­gen­heit ga­ran­tier­te. Das At­ten­tat auf Hit­ler und der Um­sturz am 20. Ju­li 1944 schei­ter­ten. Stauf­fen­berg wur­de stand­recht­lich er­schos­sen.

Die Er­mitt­lun­gen der Ge­sta­po ge­gen die Ver­schwö­rer des 20. Ju­li wei­te­ten sich auch auf die An­ge­hö­ri­gen der Wi­der­stands­grup­pe um Ca­na­ris und Os­ter aus, zu de­nen Breid­bach zähl­te. Am 6.11.1944 wur­de er aus der Kran­ken­ab­tei­lung des Wehr­macht­un­ter­su­chungs­ge­fäng­nis­ses Ber­lin-Buch in das Ge­fäng­nis Ber­lin-Moa­bit ver­legt. Hier ver­such­te die Ge­sta­po ein Ge­ständ­nis zu er­zwin­gen, was ihr aber nicht ge­lang.

Mit ei­nem Sam­mel­trans­port von Ge­fan­ge­nen, die im Zu­sam­men­hang mit dem 20. Ju­li ver­haf­tet wor­den wa­ren, wur­de Breid­bach am 20.2.1945 in das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Sach­sen­hau­sen trans­por­tiert. Bei der An­nä­he­rung der Ro­ten Ar­mee trieb die SS am 20./21.4.1945 über 33.000 Häft­lin­ge auf ei­nen Marsch Rich­tung Ost­see. Der be­reits ge­schwäch­te Breid­bach kam mit Hil­fe von Freun­den am 21.4.1945 auf die Kran­ken­sta­ti­on, in der cir­ca 3.000 Per­so­nen im La­ger zu­rück­blie­ben. Ei­nen Tag spä­ter be­frei­te die Ro­te Ar­mee die­se Häft­lin­ge.

So­wje­ti­sche Mi­li­tär­ärz­te küm­mer­ten sich um die Kran­ken. Doch Breid­bachs Tu­ber­ku­lo­se war schon zu weit fort­ge­schrit­ten, um sein Le­ben ret­ten zu kön­nen. Am 13.6.1945 starb Ran­dolph von Breid­bach-Bür­res­heim an den Fol­gen der schwe­ren ge­sund­heit­li­chen Schä­den, die er in der Haft­zeit er­lit­ten hat­te.

Zum Ge­den­ken an ih­ren Sohn ließ die Fa­mi­lie in der Pe­trus­ka­pel­le in Fron­berg ei­ne Mar­mor­plat­te an­brin­gen. Die zum Schloss Fron­berg füh­ren­de Stra­ße ist nach ihm be­nannt.

Literatur

Mey­er, Win­fried, Ran­dolph von Breid­bach-Bür­res­heim, in: Mey­er, Win­fried (Hg.), Ver­schwö­rer im KZ. Hans von Dohn­anyi und die Häft­lin­ge des 20. Ju­li 1944 im KZ Sach­sen­hau­sen, Ber­lin 1999, S. 174-180.

Moll, Hel­mut, Breid­bach-Bür­res­heim, Ran­dolph, in: Moll, Hel­mut (Hg.), Zeu­gen für Chris­tus. Das deut­sche Mar­ty­ro­lo­gi­um des 20. Jahr­hun­derts, 4. Auf­la­ge, Pa­der­born 2006, S. 295-298.

Mül­ler, Jo­sef, Bis zur letz­ten Kon­se­quenz. Ein Le­ben für Frie­den und Frei­heit, Mün­chen 1975.

Nie­sen, Jo­sef, Bon­ner Per­so­nen­le­xi­kon, 3. Auf­la­ge, Bonn 2011, S. 66.

Rauch, An­dre­as M., Ein Of­fi­zier ge­gen Hit­ler. Ober­leut­nant Dr. Ran­dolph von Breid­bach-Bür­res­heim (1912-1945), Ba­den-Ba­den 2007.

Online

Men­ges, Franz, Mül­ler, Jo­seph („Och­sens­ep­p“), in: Neue Deut­sche Bio­gra­phie 18 (1997), S. 430-432. [On­line]

Gedächtniskapelle Schloss Fronberg, 2006, Foto: Matthias Süß. (Foto-blog.org)

 
Zitationshinweis

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Klein, Ansgar S., Randolph von Breidbach-Bürresheim, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/randolph-von-breidbach-buerresheim-/DE-2086/lido/57c5881bc07686.63474847 (19.10.2018)