Wilhelm Kreis

Architekt (1873-1955)

Lothar Weiß (Frechen)

Blick in den Ehrenhof des museum kunst palast, Düsseldorf, Foto: Stefan Arendt. (LVR-Zentrum für Medien und Bildung)

Kreis war ein ein­fluss­rei­cher Ar­chi­tekt, der das Rhein­land vom spä­ten Kai­ser­reich bis in die Zeit des Wie­der­auf­baus in den 1950er Jah­ren stark ge­prägt hat.

Der Sohn Wil­helm Hein­rich des Be­zirks­geo­me­ters Franz Kreis (1829-1909) und sei­ner Frau Su­san­ne (1841-1932), ge­bo­re­ne En­gel­mann, wur­de am 17.3.1873 in Elt­vil­le im Rhein­gau ge­bo­ren. Er hat­te acht Ge­schwis­ter. Am 6.12.1899 hei­ra­te­te Kreis ge­gen den hart­nä­cki­gen Wi­der­stand sei­ner streng ka­tho­li­schen Fa­mi­lie die Pro­tes­tan­tin jü­di­scher Ab­stam­mung und Toch­ter ei­nes Fa­brik­di­rek­tors aus Braun­schweig, Hed­wig R. Hähn. Die Ehe blieb kin­der­los.

Nach dem Be­such des Re­al­gym­na­si­ums in Wies­ba­den und Kas­sel stu­dier­te Kreis 1893-1897 an den Tech­ni­schen Hoch­schu­len Mün­chen, Karls­ru­he, Ber­lin-Char­lot­ten­burg und Braun­schweig. In Braun­schweig be­stand er 1897 das Staats­ex­amen und wur­de zum Re­gie­rungs-Bau­füh­rer er­nannt. Noch vor sei­nem Ex­amen ge­wann der be­gab­te Stu­dent im Jahr 1896 den 1. Preis im Wett­be­werb für das Völ­ker­schlacht­denk­mal in Leip­zig, muss­te aber dem äl­te­ren Bru­no Schmitz (1858-1916) die Aus­füh­rung über­las­sen. Nach dem Ex­amen ar­bei­te­te Kreis von 1898-1902 als As­sis­tent bei Paul Wal­lot (1841-1912). 1902 mach­te er sich be­ruf­lich selbst­stän­dig und nahm von 1902-1908 an der Kunst­ge­wer­be­schu­le Dres­den ei­ne Pro­fes­sur für Raum­kunst wahr.

Im Auf­trag des Deut­schen Rei­ches er­rich­te­te Kreis auf der Welt­aus­stel­lung 1904 in St. Louis (USA) die deut­sche Aus­stel­lungs­hal­le. Mit der Be­ru­fung zum Di­rek­tor der Kunst­ge­wer­be­schu­le Düs­sel­dorf im Jahr 1908 setz­te er sei­ne stei­le be­ruf­li­che Kar­rie­re fort. Hier trat er die Nach­fol­ge des re­nom­mier­ten, re­form­freu­di­gen Pe­ter Beh­rens (1868-1940) an, schlug je­doch vor dem Hin­ter­grund sei­ner tra­di­ti­ons­ver­bun­de­nen Ar­chi­tek­tur­auf­fas­sung ge­gen die Mo­der­ne ei­nen kon­ser­va­ti­ven Kurs ein, der im Ge­gen­satz zu sei­nem Amts­vor­gän­ger und den von ihm be­ru­fe­nen Leh­rern stand.

Un­ter den von Kreis Be­ru­fe­nen war auch sein Schü­ler, der spä­te­re Di­rek­tor der Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf Emil Fah­ren­kamp, den Kreis seit Jah­ren stark ge­för­dert hat­te. Nach ei­nem Jahr Di­rek­to­rat er­öff­ne­te Kreis ei­ne neue Ab­tei­lung für Ar­chi­tek­tur mit je ei­ner Klas­se für ein­fa­che bür­ger­li­che Bau­ten und für Mo­nu­men­tal­bau­ten, da­zu tra­ten noch Gar­ten- und In­nen­ar­chi­tek­tur. Über­ein­stim­mend mit sei­nem Vor­gän­ger ver­trat Kreis die Un­ter­ord­nung der Küns­te un­ter die Ar­chi­tek­tur. Kreis' Kar­rie­re wur­de durch sei­nen Ein­satz als Kriegs­frei­wil­li­ger im Ers­ten Welt­krieg ab 1915 un­ter­bro­chen, in wel­chem er an der Som­me ver­wun­det und mit dem Ei­ser­nen Kreuz I. und II. Klas­se aus­ge­zeich­net wur­de. Im Jahr 1917 er­hielt er die Be­för­de­rung zum Leut­nant der Re­ser­ve.

Be­reits vor dem Krieg war die Kunst­ge­wer­be­schu­le un­ter Kreis' Lei­tung in Kon­flik­te ge­ra­ten, die sich nach 1918 ver­schärf­ten. Die tra­di­ti­ons­rei­che Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf fühl­te sich durch die neue Kreiss­che Mo­nu­men­tal­klas­se, de­ren Eh­ren­mit­glied Kreis seit 1913 war, her­aus­ge­for­dert. Die Aka­de­mie er­gänz­te ihr An­ge­bot um kunst­ge­werb­li­che Fä­cher. Das Hand­werk üb­te Kri­tik und die Hand­werks­kam­mer for­der­te die Auf­lö­sung der Kunst­ge­wer­be­schu­le. Nach zehn Amts­jah­ren war das In­ter­es­se ih­res Di­rek­tors er­lo­schen, dem es of­fen­sicht­lich um den Aus­bau und das Pres­ti­ge der Ar­chi­tek­tur­ab­tei­lung - auch auf Kos­ten der vom ihm ge­lei­te­ten Aus­bil­dungs­stät­te - ge­gan­gen war. Mit sei­ner Zu­stim­mung wur­de die Kunst­ge­wer­be­schu­le 1919 auf­ge­löst. Ih­re künst­le­ri­schen Klas­sen, dar­un­ter die der Ar­chi­tek­tur, und sechs Leh­rer wur­den in die Kunst­aka­de­mie Düs­sel­dorf in­te­griert. Kreis setz­te sei­ne bis­her ne­ben­amt­li­che Lehr­tä­tig­keit in der Aka­de­mie für mo­nu­men­ta­le Bau­kunst nun haupt­amt­lich fort und er­fuhr als Aka­de­mie­pro­fes­sor mit ei­ner Meis­ter­klas­se wei­ter an An­se­hen.

1926 kehr­te Kreis nach Dres­den zu­rück, um an der Staat­li­chen Aka­de­mie der bil­den­den Küns­te in der Nach­fol­ge des Ar­chi­tek­ten Hein­rich Tes­se­now (1876-1950) ei­ne Pro­fes­sur für Ar­chi­tek­tur mit ei­nem au­ßer­or­dent­lich ho­hen Jah­res­ge­halt und ei­ner zu­sätz­li­chen As­sis­ten­ten­stel­le an­zu­tre­ten. 1931-1932 am­tier­te Kreis als Rek­tor. Ihm ge­lang es, die Ar­chi­tek­ten­aus­bil­dung zu sta­bi­li­sie­ren. Mit künst­le­ri­schen Ar­gu­men­ten sträub­te er sich letzt­lich er­folg­reich ge­gen die dis­ku­tier­te Zu­sam­men­le­gung der Aka­de­mie mit der dor­ti­gen Kunst­ge­wer­be­schu­le, muss­te aber fi­nan­zi­el­le Ein­schnit­te für sein Haus hin­neh­men. Ei­ne Dis­kus­si­on der mo­der­nen Ide­en des Bau­hau­ses lehn­te er ab. In der Ma­le­rei ver­wand­te sich Kreis für die Mo­der­ne. Er be­für­wor­te­te ei­ne Ver­län­ge­rung der Pro­fes­sur des po­li­tisch links ori­en­tier­ten Ma­lers Ot­to Dix (1891-1969) und setz­te sich mit die­sem für die Be­ru­fung des Ex­pres­sio­nis­ten Karl Schmidt-Rott­luff (1884-1976) an die Aka­de­mie ein.

Der Ka­tho­lik Kreis war deutsch­na­tio­nal ein­ge­stellt. Er emp­fand sich als „Preu­ße“ und ver­ehr­te Ot­to von Bis­marck (1815-1898) im Un­ter­schied zu Kai­ser Wil­helm II. (Re­gent­schaft 1888-1918). 1899 nahm er an ei­nem Wett­be­werb für Bis­marck­säu­len und -tür­me teil. Von den 317 ein­ge­reich­ten Ent­wür­fen wur­de Kreis' "Göt­ter­däm­me­rung" von der ver­an­stal­ten­den Deut­schen Stu­den­ten­schaft mit Va­ri­an­ten zur deutsch­land­wei­ten Aus­füh­rung emp­foh­len. Von den 1900-1911 er­rich­te­ten Bis­marck­säu­len und -tür­men ge­hen min­des­tens 47 - dar­un­ter meh­re­re im Rhein­land - auf die Ur­he­ber­schaft von Kreis zu­rück.

Kreis be­schäf­tig­te sich auch wei­ter­hin be­ruf­lich in­ten­siv mit dem ar­chi­tek­to­ni­schen Denk­mal. Sei­ne Nei­gung zu Re­prä­sen­ta­ti­on und Mo­nu­men­ta­li­tät, ver­bun­den mit or­na­men­ta­ler Krea­ti­vi­tät in zahl­rei­chen wei­te­ren ent­wor­fe­nen und aus­ge­führ­ten Bau­pro­jek­ten geht auf sei­nen Mün­che­ner Leh­rer Au­gust von Thiersch (1843-1917) zu­rück. Da­bei nutz­te Kreis den ver­fei­ner­ten Werk­stein­bau und griff, wie zum Bei­spiel bei den Bis­marck­tür­men, auf die Ar­chi­tek­tur der rö­mi­schen Kai­ser­zeit wie auch auf das im Theo­de­rich-Grab­mal zu Ra­ven­na ver­kör­per­te ger­ma­ni­sche Bau­ge­fü­ge zu­rück.

Für Wohn­ge­bäu­de mach­te er bis 1918 An­lei­hen beim rhei­ni­schen Ba­rock. Die Fas­sa­den der um 1912 ge­bau­ten Wa­ren­häu­ser wur­den rö­misch-ba­rock be­rei­chert. Der mo­der­nen Kunst­ge­wer­be­be­we­gung stand Kreis fern, ob­wohl er Grün­dungs­mit­glied des Deut­schen Werk­bun­des war. Kreis­er­hielt zahl­rei­che fach­be­zo­ge­ne Aus­zeich­nun­gen, so bei­spiels­wei­se: 1899 Gro­ßer Preu­ßi­scher Staats­preis, 1900 Grand Prix Aus­stel­lung Pa­ris (Frank­reich), 1901 Gro­ße Gol­de­ne Me­dail­le Kunst­aus­stel­lung Dres­den, 1902 Eh­ren­di­plom Tu­rin, 1904 Gol­de­ne Me­dail­le St. Louis (USA), 1906 Eh­ren­di­plom und Staats­me­dail­le Dres­den, 1910 Grand Prix Welt­aus­stel­lung Brüs­sel (Bel­gi­en) und Gol­de­ne Me­dail­le Ber­lin, 1913 Staats­me­dail­le Leip­zig, Preu­ßi­sche Staats­me­dail­le für Ar­chi­tek­tur und an­de­re mehr.

Ab 1914 konn­te Kreis Ak­zen­te in der Ar­chi­tek­tur­ge­schich­te set­zen, die bis heu­te im Rhein­land nach­weis­bar sind. So nahm er den In­dus­trie­bau als zu­sätz­li­chen Ar­beits­schwer­punkt auf. Sei­ne Fle­xi­bi­li­tät und gro­ße Re­pu­ta­ti­on sorg­ten für Auf­trä­ge, mit de­nen er wirt­schaft­lich schwie­ri­ge Zei­ten über­ste­hen konn­te. Kreis wand­te sich städ­te­bau­lich ge­stal­ten­den ex­pres­sio­nis­ti­schen Bau­grup­pen zu. Sein 1922 be­gon­ne­ner Bau des 13-stö­cki­gen Wil­helm-Marx-Hau­ses in Düs­sel­dorf war das ers­te Hoch­haus in Deutsch­land. Mit dem dor­ti­gen Ein­satz von Zie­gel­stein und Sand­stein be­leb­te er tra­di­tio­nel­le Bau­ma­te­ria­li­en aus dem nie­der­rhei­ni­schen Raum neu. In Wett­be­wer­ben als Teil­neh­mer, Gut­ach­ter und Preis­rich­ter leis­te­te Kreis ei­nen be­deu­ten­den Bei­trag zur De­bat­te über Hoch­häu­ser in Deutsch­land.

Die Tech­ni­sche Hoch­schu­le Dres­den ver­lieh 1924 „dem Meis­ter der Bau­kunst, dem Schöp­fer vor­bild­li­cher Wer­ke ge­sun­den bau­li­chen Schaf­fen­s“ die Eh­ren­pro­mo­ti­on zum Dr.-Ing. e. h. Kreis war auch Eh­ren­mit­glied meh­re­rer aus­län­di­scher Künst­ler­ver­ei­ni­gun­gen.

Für die gro­ße Düs­sel­dor­fer Aus­stel­lung „Ge­sund­heit, So­zia­le Für­sor­ge und Lei­bes­übun­gen“ (Ge­SoL­ei) im Jah­re 1926 er­hielt Kreis vom ge­schäfts­füh­ren­den Aus­stel­lungs­vor­stand, dem jü­di­schen Me­di­zi­ner Ar­thur Schlo­ß­mann (1867-1932), den Auf­trag für die Er­stel­lung des Ge­samt­pla­nes und die Dau­er­bau­ten Pla­ne­ta­ri­um, „Eh­ren­hof“ mit Kunst­mu­se­um und um­ge­stal­te­tem Kunst­pa­last, In­dus­trie­mu­se­um so­wie das Re­stau­rant „Rhein­ter­ras­sen“ mit ein­deu­ti­gen neo­klas­si­zis­ti­schen An­klän­gen an Karl Fried­rich Schin­kel (1781-1841). Ins­be­son­de­re die­ser Ver­such ei­nes Ge­samt­kunst­werks im Eh­ren­hof ver­mit­telt trotz der nied­ri­gen Ge­schos­sig­keit durch die Ge­schlos­sen­heit und die Pro­por­tio­nen ei­nen mo­nu­men­ta­len und im­po­nie­ren­den Ein­druck. Das Ge­SoL­ei-Pro­jekt ist sein lang­fris­tig wir­kungs­volls­tes Werk. Vor dem Hin­ter­grund die­ser Leis­tung wur­de der pro­mi­nen­te Ge­stal­ter öf­fent­li­cher Ge­bäu­de, In­dus­trie­an­la­gen und Wohn­häu­sern 1926 zum Prä­si­den­ten des Bun­des Deut­scher Ar­chi­tek­ten (BDA) ge­wählt; bis zur na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen „Macht­er­grei­fun­g“ 1933 war Kreis der wich­tigs­te Re­prä­sen­tant deut­scher frei­schaf­fen­der Ar­chi­tek­ten und Stadt­pla­ner.

Als Mit­glied des „Deut­schen Werk­bun­des“, des Wei­ma­rer Künst­ler­bun­des und der Preu­ßi­schen Aka­de­mie der Küns­te Ber­lin konn­te Kreis über ein gro­ßes, viel­sei­ti­ges Netz­werk von Ver­tre­tern der bil­den­den und an­ge­wand­ten Küns­te ver­fü­gen. 1931 wur­de er zum Eh­ren­mit­glied des "Ame­ri­can In­sti­tu­te of Ar­chi­tects" be­ru­fen. Kreis war Ver­trau­ens­ar­chi­tekt des Völ­ker­bun­des in Genf bis zum Aus­tritt des na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Deutsch­land aus der Welt­or­ga­ni­sa­ti­on im Herbst 1933. Durch sein in­ter­na­tio­na­les An­se­hen konn­te er be­acht­li­che Auf­trä­ge ak­qui­rie­ren.

Die Macht­über­nah­me durch die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten 1933 wur­de für Kreis zu­nächst zu ei­nem Rück­schlag. Er galt als "links ein­ge­stell­ter" Ar­chi­tekt, der sich der Mo­der­ne an­ge­passt hät­te. Sein au­ßer­or­dent­li­ches Ge­halt wur­de ge­kürzt, er ver­lor die ak­ti­ve Prä­si­dent­schaft des BDA zu­guns­ten des for­ma­len Am­tes ei­nes „Eh­ren­prä­si­den­ten“. Kreis rich­te­te sich in den neu­en Macht­ver­hält­nis­sen ein und hielt pas­sen­de Vor­trä­ge vor ein­fluss­rei­chen Per­sön­lich­kei­ten. Er wur­de Mit­glied der NS­DAP und för­dern­des Mit­glied der SS, sah sich je­doch mit dem Vor­wurf der jü­di­schen Her­kunft sei­ner Frau und sei­ner zahl­rei­chen Kon­tak­te zu Ju­den kon­fron­tiert und blieb des­halb für die neu­en Macht­ha­ber er­press­bar.

Der von der Hit­ler-Ju­gend 1934 für ein „Schla­ge­ter-Fo­rum“ in Düs­sel­dorf aus­ge­schrie­be­ne Wett­be­werb für ei­ne neue gro­ße Stadt­an­la­ge mit ei­nem Thing­platz für 300.000 Men­schen en­de­te für Kreis ent­täu­schend oh­ne jeg­li­che Aus­zeich­nung. Durch Be­zie­hun­gen zu dem an­ge­se­he­nen Ar­chi­tek­ten Paul Lud­wig Troost (1878-1934) er­hielt Kreis per­sön­li­chen Kon­takt zu Adolf Hit­ler (1889-1945). Bald ge­lang ihm der An­schluss an die of­fi­zi­el­le Stil­po­li­tik bis zu den gi­gan­ti­schen Aus­ma­ßen sei­nes Bei­trags in der Reichs­haupt­stadt­pla­nung von Al­bert Speer (1905-1981). In des­sen Auf­trag­ge­ber Adolf Hit­ler sah Kreis mil­de ei­nen ver­hin­der­ten Kol­le­gen. Kreis wur­de nun mit Wohl­wol­len ho­fiert. Da­bei kam ihm der ho­he Stel­len­wert der Ar­chi­tek­tur in der na­tio­nal­so­zia­lis­ti­schen Re­gie­rungs­po­li­tik zu Hil­fe. 1937 be­fand sich der of­fi­zi­el­le Ar­chi­tekt der Par­tei auf der ma­ß­ge­ben­den po­li­ti­schen Li­nie.

Ob­wohl be­reits über die Al­ters­gren­ze hin­aus, über­nahm Kreis 1940-1941 das ers­te Rek­to­rat der um ein kunst­ge­werb­li­ches An­ge­bot er­wei­ter­ten "Staat­li­chen Kunst­hoch­schu­le Dres­den". Hit­ler er­nann­te Kreis 1941 zum "Ge­ne­ral­bau­rat für die Ge­stal­tung deut­scher Krie­ger­fried­hö­fe" im Rang ei­nes Ge­ne­ral­ma­jors. In der Fol­ge ent­stand ei­ne gro­ße Zahl von Ent­wür­fen, Zeich­nun­gen, Mo­del­len und Ide­en­skiz­zen, mit de­ren Aus­füh­rung teil­wei­se be­gon­nen wur­de. Kreis gab sei­ne Äm­ter in Dres­den auf, um nach Ber­lin zu zie­hen. 1942 wur­de er zum Eh­ren­mit­glied in Dres­den er­nannt. Von Hit­ler wur­de Kreis auf die so ge­nann­te „Gott­be­gna­de­ten-Lis­te“ ge­setzt, die ihn vor jeg­li­chem Kriegs­ein­satz ver­schon­te. Nach Ein­fluss­nah­me von Al­bert Speer und Druck von Jo­seph Go­eb­bels über­nahm er ab 1943 als Nach­fol­ger von Adolf Zieg­ler (1892-1959) das Amt des Prä­si­den­ten der Reichs­kam­mer der bil­den­den Küns­te in Ber­lin. Go­eb­bels über­reich­te ihm im sel­ben Jahr den „Ad­ler­schild des Deut­schen Reichs“.

Nach dem Zwei­ten Welt­krieg ließ sich Kreis im rhei­ni­schen Bad Hon­nef nie­der. 1946 wur­de er im Ent­na­zi­fi­zie­rungs­ver­fah­ren als „Mit­läu­fer“ ein­ge­stuft. Kreis be­tei­lig­te sich nun mit meh­re­ren Pro­jek­ten am Wie­der­auf­bau im Rhein­land im Stil des Funk­tio­na­lis­mus. Sein über­lie­fer­ter Schrift­wech­sel mit pro­mi­nen­ten Bun­des- und Lan­des­po­li­ti­kern so­wie Künst­lern be­legt sei­nen blei­ben­den Ein­fluss in der Nach­kriegs­zeit. Als äu­ße­re Zei­chen der ho­hen Wert­schät­zung an­läss­lich sei­nes 80. Ge­burts­tags er­hielt er das Gro­ße Bun­des­ver­dienst­kreuz, in Düs­sel­dorf, Mün­chen und Ber­lin wur­den sei­nem Le­bens­werk Aus­stel­lun­gen ge­wid­met.

Am 13.8.1955 starb mit Wil­helm Kreis in Bad Hon­nef ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Ar­chi­tek­ten der ers­ten Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts, dem es fast im­mer ge­lun­gen war, dem je­wei­li­gen Zeit­geist und den po­li­ti­schen Ver­hält­nis­sen ent­spre­chen­de Bau­pro­jek­te zu rea­li­sie­ren.

Schriften

Die Dau­er­bau­ten am Rhein. Ein Aus­druck neu­zeit­li­cher Bau­kunst, in: GE-SO-LEI gro­ße Aus­stel­lung in Düs­sel­dorf 1926, hg. von Ar­thur Schlo­ß­mann, Band 1, Düs­sel­dorf 1927.

Die Er­zie­hung zum Ar­chi­tek­ten und die Ar­chi­tek­tur-Ab­tei­lung an der Kunst­ge­wer­be­schu­le Düs­sel­dorf, in: Kunst­ge­wer­be­blatt 21 (1910), S. 26-30.

Über Zu­sam­men­hän­ge von Na­tur, Zi­vi­li­sa­ti­on und Kunst. Die Bau­kunst vor dem Krie­ge und heu­te, Düs­sel­dorf 1927, Nach­druck Neue Werk­kunst. Wil­helm Kreis, hg. von Ro­land Ja­e­ger, Ber­lin 1997.

Sol­da­ten­grä­ber und Ge­denk­stät­ten, in: Bau­werk und Land­schaft 5, hg. vom Ar­beits­kreis Bau­ge­stal­tung und der Fach­grup­pe Bau­we­sen des NS­BDT in Ver­bin­dung mit dem Haupt­kul­tur­amt der Reichs­pro­pa­gan­dalei­tung der NS­DAP, Mün­chen/Brünn/Wien 1944.

Werke

_Pro­jek­te im Rhein­land

_ _

_ Bonn, Bis­marck­turm Gro­nau, 1901.

Kirn an der Na­he, Bis­marck­turm, 1901.

Vier­sen, Bis­marck­turm Wil­helms­hö­he, 1901.

Sar­gen­roth bei Nun­kirch (Rhein-Huns­rück-Kreis), Bis­marck­turm, 1902.

Düs­sel­dorf, Wa­ren­haus Tietz, Wett­be­werb, An­kauf Ent­wurf, 1906-1907.

Idar-Ober­stein, Bis­marck­turm War­te­h­ü­bel, 1907.

(Wup­per­tal-) Hardt, Bis­marck­turm, 1907.

(Wup­per­tal-) Bar­men, Rat­haus, Wett­be­werb, Ent­wurf 3. Preis, 1908.

Es­sen, Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Em­scher-Ge­nos­sen­schaft, 1908-1909.

Düs­sel­dorf, Schloss Jä­ger­hof Gar­ten­mau­er, um 1909.

Düs­sel­dorf, Aus­stel­lung für christ­li­che Kunst, Ur­nen­hal­le, Wan­del­hal­le, Ka­pel­le, Fried­hof, Grab­denk­mä­ler, Erb­be­gräb­nis­se, Ur­nen, 1909.

Köln, Kunst­ge­wer­be- und Hand­wer­ker­schu­le, Wett­be­werb, An­kauf Ent­wurf, 1909.

Düs­sel­dorf, Nord­fried­hof Grab­mal An­to­ni­et­te und Fried­rich Zin­zen, 1909.

Düs­sel­dorf, Haus und Ate­lier Fritz Reu­sing, ab 1909.

Düs­sel­dorf, Haus Wal­ter Pe­ter­sen, 1909-1910.

(Duis­burg-) Ruhr­ort und Mül­heim a. d. Ruhr, Grab­denk­mä­ler, Erb­be­gräb­nis­se, 1909-1913.

Kre­feld, Sei­den­we­be­rei und Haus Op­pen­hei­mer, um 1910.(Kre­feld-) Uer­din­gen, Bis­marck­turm, Wett­be­werb, Ent­wurf un­prä­miert, 1910-1911.

Ober­hau­sen, Rat­haus-Er­wei­te­rung, Wett­be­werb, Ent­wurf 3. Preis, 1910-1911.

(Wup­per­tal-) El­ber­feld, Wa­ren­haus Leon­hard Tietz, 1911.

Es­sen, Wa­ren­haus mit Be­triebs­ge­bäu­de Theo­dor Alt­hoff, 1911-1912.

Bad Hon­nef, Burg Arntz Um­bau, 1911-1913.

Em­me­rich, Krie­ger­denk­mal, 1911-1913.

Köln, Wa­ren­haus Leon­hard Tietz, Wett­be­werb, Ent­wurf „Agrip­pa“ 1. Preis und Ent­wurf „Wahr­zei­chen der Zeit“ 2. Preis, Aus­füh­rung des grö­ß­ten von Kreis ent­wor­fe­nen Wa­ren­hau­ses ab 1912, Er­öff­nung 1914.

Düs­sel­dorf, Er­wei­te­rungs­bau der Kunst­ge­wer­be­schu­le, Ent­wurf, 1912.

Köln, Ge­schäfts­haus Pa­la­ti­um ge­gen­über Wa­ren­haus Leon­hard Tietz, 1912.

Em­me­rich, Ge­fal­le­nen-Eh­ren­mal, 1913.

Düs­sel­dorf, Woh­nungs­rei­hen­häu­ser, um 1913.

Wohn­haus Wal­ter Pe­ter­sen, 1913-1914.

Köln, Deut­sche Werk­bund­aus­stel­lung, Deut­zer Park, Park­haus ("Tee­haus"), 1913-1914.

Düs­sel­dorf, In­dus­trie­aus­stel­lung "Aus Hun­dert Jah­ren Kul­tur und Kunst" 1915, Haupt­ar­chi­tekt soll­te Kreis wer­den, nach Kriegs­aus­bruch nicht ver­wirk­licht, Plä­ne ver­nich­tet, 1913-1915.

Kre­feld, Ober­re­al­schu­le, Wett­be­werb, we­gen des Krie­ges auf­ge­scho­ben, 1914.

Kre­feld, Tex­til­fa­brik Dhein Ge­schäfts­haus, 1914-1915

Düs­sel­dorf, Lack­fa­brik Rog­ler, um 1915.

Köln, Far­ben­fa­brik C. F. Beer Söh­ne, um 1915.

(Wup­per­tal-) El­ber­feld, Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Sei­den­we­be­rei, um 1915.

Düs­sel­dorf, Eh­ren­fried­hof, Wett­be­werb, Ent­wurf nicht prä­miert, 1915.

Düs­sel­dorf, Rhei­ni­sche Me­tall­wa­ren- und Ma­schi­nen­fa­brik Werks­er­wei­te­rung mit Karl Au­gust Jüngst und Hans Schä­fer, Rüs­tungs­fa­brik, Kraft­werk, Press­werk, 1917-1920.(Wup­per­tal-) Bar­men, Hoch­was­ser­be­häl­ter, um 1919.

Es­sen, Koks­koh­len­turm, 1919-1922.

Köln, Teer- und Dach­pap­pen­fa­brik, um 1921.

Düs­sel­dorf, Ver­wal­tungs­ge­bäu­de Stumm-Kon­zern, Wett­be­werb, Ent­wurf 2. Preis, 1921.

Düs­sel­dorf, Mes­se­hoch­haus, Ent­wurf mit Stadt­bau­rat Al­bert De­ne­ke, 27-ge­schos­sig, 1921.

Düs­sel­dorf, Wil­helm-Marx-Haus, Wett­be­werb, Ent­wurf 1. Preis, Aus­füh­rung als ers­tes rhei­ni­sches Hoch­haus, 1921-1924.

Düs­sel­dorf, Hoch­haus mit Bör­se, Ent­wurf 1922.

Mön­chen­glad­bach, Stadt­ho­tel Mün­chen Glad­bach, Wett­be­werb, Ent­wurf mit Carl Au­gust Jüngst 1. Preis, 1922.

Kauf­manns­haus, Wett­be­werb, Ent­wurf in en­ge­rer Wahl, 1922.(Wup­per­tal-) El­ber­feld, Wett­be­werb Ge­stal­tung Brau­se­wer­t­her Platz und Döp­pers­ber­ger Brü­cke, Ent­wurf un­prä­miert, 1923-1924.

Düs­sel­dorf, Bü­ro­hoch­haus, Ent­wurf 1924.

Düs­sel­dorf, „Ge­SoL­ei“ Ge­samt­plan und Bau­ten, Dau­er­bau­ten: Pla­ne­ta­ri­um, Eh­ren­hof mit Kunst­mu­se­um und um­ge­stal­te­tem Kunst­pa­last, In­dus­trie­mu­se­um, Re­stau­rant Rhein­ter­ras­sen, 1924-1926.

Düs­sel­dorf, Bier­stu­ben Ba­va­ria, um 1925.

Düs­sel­dorf, Kaf­fee­haus Hä­me­set, um 1925,

Düs­sel­dorf, Re­si­denz-Thea­ter Licht­spiel­thea­ter, Aus­ge­stal­tung der In­nen­räu­me, 1925.

Köln, Jü­di­scher Fried­hof, Grab­mal Leon­hard Tietz, 1925.

Düs­sel­dorf, Rat­haus-Neu­bau, Wett­be­werb, Ent­wurf 2. Preis, 1925-1926.

Düs­sel­dorf, Sied­lungs­bau­ten "Baublock Düs­sel­dorf-Nord", um 1926.

Düs­sel­dorf-Neuss, Rhein­brü­cke, Kon­struk­ti­on ei­nes "Hän­ge­fach­werks" mög­li­cher­wei­se auf Kreis zu­rück­ge­hend, 1927-1929.

Düs­sel­dorf, Schla­ge­ter-Fo­rum, neue Stadt­an­la­ge, Ent­wurf nicht prä­miert, 1934.

Düs­sel­dorf, Woh­nungs­bau am Ro­chus­markt, Pla­nung, teil­wei­se aus­ge­führt, 1948-1954.

Köln, Zen­tral­in­sti­tut für Volks­ge­sund­heit, Ent­wür­fe, Pro­jekt ge­schei­tert, 1950-1953.

Köln, Wa­ren­haus Kauf­hof, Um­bau, Vor­schlag, um 1951.

Wup­per­tal-El­ber­feld, Wa­ren­haus Kauf­hof, Um­bau, Vor­schlag, 1951.

Es­sen, Wohn- und Ge­schäfts­haus, Wie­der­auf­bau, 1952.

Düs­sel­dorf, Rhein­hal­le, Um­bau zur Kon­gress­hal­le, 1952-1953.

Bad Bo­den­dorf, Kur­heim Spitz­na­gel, um 1953.

Köln, Wohn­an­la­ge Riehl, Ent­wür­fe, 1953.

(Born­heim-)Her­sel, Rei­hen­wohn­häu­ser, 1953-1954.

Bonn, Mehr­fa­mi­li­en­haus, Wie­der­auf­bau, 1953-1955.

Bonn, Wohn­an­la­ge Bonn-Süd, Ent­wurf, 1954.

Es­sen, Wohn- und Ge­schäfts­haus, Ent­wurf, 1954.

Köln, Wohn­haus, Wie­der­auf­bau Ent­wurf, 1954.

Bonn, Beet­ho­ven­hal­le, Wett­be­werb, Ent­wurf nicht prä­miert, 1954.

_Be­deu­ten­de aus­ge­führ­te Bau­pro­jek­te au­ßer­halb des Rhein­lan­des

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_ Wett­be­werb Völ­ker­schlacht­denk­mal Leip­zig, Süd­fried­hof, Wett­be­werb, Ent­wurf 1. Preis, fol­gen­de Va­ri­an­te in en­ge­rem Wett­be­werb, 1895-1897.

Ei­se­nach, Bur­schen­schafts­denk­mal, 1900-1902.

St. Louis (USA), Welt­aus­stel­lung, Aus­stel­lungs­hal­le des Deut­schen Reichs, 1904.

Dres­den, Au­gus­tus­brü­cke, 1907-1910.

Hal­le a. d. Saa­le, Mu­se­um für deut­sche Vor­ge­schich­te, 1911-1913.

Büh­ler­tal bei Ba­den-Ba­den, Of­fi­ziers­ge­ne­sungs­heim, spä­ter „Büh­ler-Hö­he“, 1911-1014.

Leip­zig, In­ter­na­tio­na­le Bau­fach­aus­stel­lung, Aus­stel­lungs­hal­le „Be­ton­hal­le“, 1912-1913.

Sol­da­ten­fried­hö­fe und Eh­ren­mä­ler in Frank­reich und Bel­gi­en, 1914-1918.

Dres­den, Deut­sches Hy­gie­ne-Mu­se­um, 1927-1930.

Bo­chum, Kom­mu­nal­bank, 1928-1929.

Bad Schwal­bach, Staat­li­ches Kur­ho­tel, 1929-1932.

(Dres­den-) Streh­len, Luft­gau­kom­man­do, spä­te­re DDR-Mi­li­tär­aka­de­mie, 1937.

Ber­lin, Ober­kom­man­do des Hee­res, Hee­res­waf­fen­amt, Wei­he­hal­le, Neu­es Mu­se­ums­vier­tel, Reichs­ver­kehrs­mi­nis­te­ri­um und Sol­da­ten­hal­le, Ent­wür­fe, 1938-1942.

Dö­beln, Me­tall- und Lack­wa­ren­fa­brik Jo­han­nes Groß­fuß, Er­wei­te­rungs­bau, 1940-1941.

Krie­ger­eh­ren­mä­ler und Hel­den­fried­hö­fe, Ent­wür­fe, 1941-1944.

Quellen

Nach­lass mit Plä­nen: Ar­chi­tek­tur­mu­se­um der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen.

Literatur

Busch, Wil­helm, Bau­ten der 20er Jah­re an Rhein und Ruhr. Ar­chi­tek­tur als Aus­drucks­mit­tel, Köln 1993. (Mit Werk­ver­zeich­nis von Kreis, S. 266).

Fran­ken, Fried­rich K.H. M., Kon­ti­nui­tät und Wan­del im Le­ben und Werk des Ar­chi­tek­ten Wil­helm H. Kreis, Diss. phil. RWTH Aa­chen 1996.

Ner­din­ger, Wil­fried/Mai, Ek­ke­hard (Hg.), Wil­helm Kreis. Ar­chi­tekt zwi­schen Kai­ser­reich und De­mo­kra­tie 1873-1955, mit Werk­ka­ta­log, Mün­chen 1997.

Preiss, Achim, Der Eh­ren­hof von Wil­helm Kreis. Die Dau­er­bau­ten der Ge­sol­ei, Aus­stel­lungs­ka­ta­log, Ost­fil­dern 2002.

Wie­ner, Jür­gen (Hg.), Die Ge­sol­ei und die Düs­sel­dor­fer Ar­chi­tek­tur der 20er Jah­re, Köln 2001.

Online

In­for­ma­ti­on über die ­Bis­marck­tür­me von Wil­helm Kreis. [On­line]

 
Zitationshinweis

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Weiß, Lothar, Wilhelm Kreis, in: Internetportal Rheinische Geschichte, abgerufen unter: http://www.rheinische-geschichte.lvr.de/Persoenlichkeiten/wilhelm-kreis-/DE-2086/lido/57c93971e8f683.92282248 (13.12.2018)